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Wer nicht hören will.© by Counselor ()
Frank Parker wusste, dass es falsch war. Er sollte das definitiv nicht tun. Aber nun wollte und konnte er nicht mehr zurück. Die Hand am Türgriff hielt er inne und lauschte in die Dunkelheit. Dann lehnte er sich gegen die Tür und versuchte, sich auf die Geräusche dahinter zu konzentrieren. Ein leises, konstantes Summen. Sonst nichts. In Gedanken schalt er sich selbst. Das geheime Labor des Doktors übte bereits eine starke Anziehungskraft auf ihn aus, seit er das erste Mal davon gehört hatte. Natürlich war es mit der Zeit ein offenes Geheimnis, dass der Doktor in dem entlegenen Kellerraum mysteriöse Experimente durchführte. Von einem "geheimen" Labor konnte also eigentlich nicht mehr die Rede sein. Doch selbst die Tatsache, dass er die Tür unverschlossen vorfand, konnte den Reiz des Verbotenen nicht mindern. Seine Neugier manifestierte sich als unangenehmes Ziehen in der Magengegend und Parker beschloss, dass es an der Zeit war, etwas dagegen zu unternehmen. Vorsichtig drehte er den Türknauf, stoppte und horchte erneut. Bis auf das - mittlerweile schon vertraute - Summen war es still. Lange Zeit hatte er auf diese Chance gewartet, nun musste er nur noch zugreifen. Dennoch verharrte er regungslos vor der Tür.
Parker wusste, dass seine Stunde geschlagen hatte, als der Doktor am späten Abend zu einem Notfall gerufen worden war. Das Spitzohr Haldir hatte mal wieder einen hysterischen Anfall bekommen. Parker konnte sich die ganze Aufregung nicht erklären. Der Kerl war noch immer auf der Suche nach seinem Pferd. Warum war er nicht einfach glücklich, dass sich jemand seiner Misere angenommen und ihm ein Einhorn geschenkt hatte? Ein sprechendes noch dazu. Und Süßigkeiten-süchtig. Gut, das war im Grunde genommen ein ziemlich unpraktisches Attribut. Zu allem Unglück hatte sich das eigensinnige Tier auch noch augenblicklich über Haldirs Pralinenvorrat hergemacht. Aber war das ein Grund um auszuflippen? Eigentlich müsste der Elb - in Anbetracht seines sich ständig vergrößernden Bauchumfanges - dem Einhorn sogar dankbar sein. Seufzend ließ Parker diesen Gedankengang fallen und versuchte, sich wieder auf seine augenblickliche Situation zu konzentrieren. Der Doktor war beschäftigt. Die anderen Mitbewohner - es war ihm egal, was diese taten, solange sie sich von diesem finsteren Gang fernhielten.
"Jetzt oder nie, Frank!", ermutigte sich Parker selbst und öffnete die Tür. Ein Lichtermeer aus Farben erfüllte das Zimmer und blendete ihn im ersten Moment. Die Lider fast geschlossen betrachtete Parker fasziniert das Farbenspiel. Tief in seinem Inneren formte sich der Wunsch, in diese Farben einzutauchen. Alle anderen Gedanken verblassten und nur noch der Wunsch, das Licht zu erreichen, zählte. Ohne nachzudenken machte Parker einige Schritte auf den Farbwirbel zu. Plötzlich ergriff ein starker Sog seinen Körper und die Welt verschwand...
***
...nur um im sich nächsten Moment in Form einer ziemlich unnachgiebigen Wand wieder zu manifestieren. "Verdammt!", fluchte Parker und hielt sich die schmerzende Schulter. "Wer ist da?", tönte es aus der Dunkelheit. Mist! Nicht nur, dass er das Experiment des Doktors zerstört hatte, nein, es musste ausgerechnet jetzt noch jemand hier unten auftauchen und ihn auf frischer Tat ertappen. Er kniff die Augen fest zusammen und wartete darauf, dass das Licht angehen und ihn als Eindringling offenbaren würde. Nichts dergleichen passierte. Stattdessen hörte er von der anderen Seite des Raumes Tumult. "Wer ist da? Rommie, verdammt, mach endlich das Licht an!" "Diese Option steht nicht zur Verfügung", sagte eine definitiv weibliche, aber seltsam emotionslose Stimme. Parker sah die Chance zur Flucht gekommen und tastete sich zielstrebig an der Wand entlang. Doch wer auch immer über ihn wachte, erledigte seine Aufgabe nicht gut oder war gerade ziemlich abgelenkt. Eine Welle des Schmerzes raste durch Parkers Nervenbahnen, als sein Knie mit einer Tischkante kollidierte. "AUA!" "Rommie, verdammt! Alarm! Eindringlinge!" "Diese Option steht nicht zur Verfügung", wiederholte die weibliche Stimme. ,Rommie?' Parker konnte sich nicht erinnern, dass eine Person dieses Namens zu den Bewohnern des Sanatoriums zählte. Musste ein Neuzugang sein. Oder sie hatte etwas mit dem Experiment zu tun. Die männliche Stimme hörte sich jedenfalls gar nicht nach dem Doktor an. Kurzerhand beschloss Parker, in die Offensive zu gehen. "Wer sind Sie und was machen Sie hier?", forderte er in seinem besten Militär- Ton eine Erklärung. "Verdammt, verdammt, verdammt.", war das Einzige, das er als Antwort zu hören bekam. Dann ertönte ein triumphierendes "Ha!" durch den Raum und ein Lichtstrahl durchschnitt die Dunkelheit. Parker versuchte, sich zu verbergen, doch da hatte ihn der Strahl bereits erfasst. Die Hände instinktiv in einer Abwehrhaltung erhoben, versuchte er, seine Augen abzuschirmen. Einen kurzen Moment später veränderte sich die Position des Lichtstrahls und Parker konnte seinen Widersacher erkennen. Ein junger Mann, nicht besonders groß, mit verstrubbelten blonden Haaren, in Boxershorts und T-Shirt stand noch etwas verschlafen dreinblickend vor ihm. In der einen Hand eine Taschenlampe, in der anderen Etwas, das entfernt an einen Schraubenschlüssel erinnerte. "Keine Bewegung!", fauchte der Blondschopf. "Gleich werden eine Menge Leute hier auftauchen und dann bekommen Sie mächtig Ärger!" "Diese Option steht nicht zur Verfügung." Parker grinste amüsiert und blickte sich um. Trotz größter Anstrengung konnte er die Besitzerin der Stimme nirgends erkennen. "Was? Rommie, was faselst du da?" Der Blondschopf schien irritiert. "Du scheinst vergessen zu haben, dass Beka und Trance mit der Maru unterwegs sind, Harper. Dylan und Tyr kann ich nicht lokalisieren." Der blonde Kerl zog eine Grimasse und stemmte die Hände in die Hüften. "Oh, prima. Das war äußerst hilfreich, Rommie. Jetzt weiß er, dass niemand zu meiner Unterstützung kommt!" Parker, dem so langsam dämmerte, dass er sich wohl nicht mehr im Keller des Sanatoriums befand, meldete sich beschwichtigend zu Wort: "Hey, ich hab' nicht vor Sie anzugreifen, Mister.Harper?" Der Angesprochene beäugte Parker noch einen Moment skeptisch, dann legte er den Schraubenschlüssel beiseite und streckte seinem Gegenüber die Hand entgegen. "Seamus Zelezny Harper, technisches Genie. Und Sie sind?" "Parker, Frank B." Noch immer mit einem gewissen Maß an Zurückhaltung schüttelten sich die beiden Männer die Hände. "Verraten Sie mir, Mister Frank B. Parker: Was wollen Sie hier und wie sind Sie unbemerkt an Bord der Andromeda gekommen?" Nachdenklich kratzte sich Parker den Nasenrücken. "Wenn ich ehrlich bin, hatte ich gehofft, Sie könnten ein wenig Licht ins Dunkel bringen." Harper schwenkte die Taschenlampe. "Ich bringe zwar Licht in dieses Dunkel hier, doch was die Untiefen der grauen Masse in Ihrem Kopf angeht, kann ich Ihnen leider nicht weiter helfen. Da sind Sie ganz und gar auf Ihr eigenes Erinnerungsvermögen angewiesen." "Wenn ich mich erinnern könnte, würde ich nicht fragen", antwortete Parker unwirsch. "Doch. Halt, ich ging durch diese Tür, dann war da dieses Licht." "Sind Sie sicher, dass es eine Tür und nicht ein Tunnel war?", unterbrach ihn Harper. "Hey! Ich bin nicht tot!", empörte sich Parker. Emsig begann er, seine Taschen zu durchwühlen und diverse Dinge auf dem Tisch auszubreiten. "Sehen Sie hier: ,Ich bin nicht tot!'-Sticker, ,Ich bin nicht tot!'-Postkarten, ,Ich bin nicht tot!'-Buttons, ein ,Ich bin nicht tot!' Bandana und ein ,Ich bin nicht tot!' Lolly!" "Ein ,Ich bin nicht tot!'- Schild haben Sie aber nicht", konterte Harper. "Mist, ich wusste doch, dass ich etwas vergessen habe!" "Ja, man kann nicht immer an alles denken!", pflichtete Harper ihm bei. "Selbst als Genie nicht - wie ich zu meiner eigenen Schande gestehen muss. Wissen Sie, vor einer Weile hatte ich noch diese fiesen kleinen Magog-Eier in meinem Bauch." "Magog-Eier?" "Sagen Sie nur, Sie kennen die Magog nicht?" Harper schien überrascht. "Aus welchem Paradies kommen Sie bloß?" "Nun ja..", setzte Parker zu einer Erklärung an, wurde aber sofort wieder unterbrochen. "Auch egal. Wo waren wir? Richtig! Magog-Eier. Ziemlich schmerzhafte Sache. Wachsen und wachsen und wachsen, und wenn sie dann geschlüpft sind, fressen sie einen von innen heraus auf." "Sie leben aber noch!?" "Was für ein Glück für das Universum, kann ich da nur sagen. Mir kam da diese Idee, oder besser gesagt, da war diese tolle Frau, die konnte Zeit und Raum verschieben - ich schweife ab. Um es kurz zu machen: Ich hatte eine Idee für eine wundervolle Maschine, die Lösung meines Problems. Selbst ein Genie kann solch eine Leistung nicht allein vollbringen, also bat ich zwei Perseiden um Hilfe. und..na ja, wir haben es vermasselt." "Die Maschine funktionierte nicht?" "Oh doch. Ganz prima. Wir haben nur Zeit und Raum kräftig durcheinander gewirbelt, den Planeten, in dessen Orbit wir waren, fast zerstört und einen der Perseiden verloren." "Was ist mit den Magog-Eiern?", fragte Parker interessiert. "Aus meinem Bauch. Raus. Weg." "Hmmm.", brummte Parker anerkennend. "Worauf wollten Sie mit dieser Geschichte gleich noch mal hinaus?" "Ähm." Harper raufte sich die Haare. "Keine Ahnung. Oh, ich bin einfach noch viel zu müde für so was. Rommie!" "Harper?" "Hast du eine Idee, wie Mister Parker an Bord gekommen ist? Und was ist mit dem Licht los? Wo bist du überhaupt?" "Das hab' ich mich auch schon gefragt!", pflichtete Parker ihm bei. "Vor genau 5 Minuten und 42 Sekunden gab es einen enormen Energiestoß auf einer übergeordneten Quanten-Ebene. Dies hatte einen kompletten Zusammenbruch meiner eigenen Energieversorgung zur Folge. Es ist mir bisher nicht gelungen, die Notstromversorgung zu aktivieren." "Das bedeutet?", fragte Parker. "Ich treibe ohne Kontrolle und ohne jegliche Verteidigungsmöglichkeit durch den Raum." "Ja, wo treibt sie denn?" Parker starrte angestrengt in die spärlich erhellte Dunkelheit. "WAS?" Harper blickte entgeistert auf sein Gegenüber. "Na, sie sagt, sie treibt durch den Raum - wo ist sie?" Harper grinste. "Rommie ist die KI dieses Schiffes, der Andromeda, Sie können sie nicht sehen." "Sie ist was?" "Die KI, die Kybernetische Intelligenz. Normalerweise können wir sie auf der Brücke über die Monitore sehen, sie hat aber auch noch eine Hologrammfunktion. Rommie?" "Diese Option steht nicht zur Verfügung." Harper seufzte. "Dachte ich mir schon. Was ist mit deinem Avatar?" "In meinem jetzigen Zustand ist es mir nicht möglich, meinen Avatar zu orten." Parker gestikulierte abwehrend mit den Händen. "Schluss, Ruhe! - Avatar, KI, Hologramme? Wo bin ich, zum Teufel?" "An Bord der Andromeda", erklärte Harper hilfsbereit. "Ein Schiff?" "Ein Raumschiff. Ehemals Ehrengarde des alten Commonwealth." "Und wie komme ich hier hin - Rommie?", hakte Parker nach. "Der Zeitpunkt des Energiestoßes fällt mit Ihrem Auftauchen zusammen, Mister Parker." "Ha!", ließ sich Harper triumphierend vernehmen. "Na toll. ,Parker ist Schuld'" "Genau.", Harper nickte, "Besser als ,Harper ist Schuld'. Nicht, dass wir das nicht auch schon gehabt hätten. Als wir nämlich vor kurzem." "Und wie komme ich wieder zurück?", warf Parker ein. "In meinem jetzigen Zustand.", setzte Rommie an. "Ja ja ja", unterbrach Parker genervt und wandte sich dann an Harper: "Was machen wir jetzt?" "Ich schlage vor, wir suchen Dylan. Danach kümmere ich mich um Rommies Schaltkreise und die Energieversorgung." Parker nickte zustimmend. Das klang nach einem Plan. Erneut meldete sich die KI des Schiffes zu Wort. "Leider ist meine Kommunikationsfähigkeit auf dieses Quartier beschränkt. Sobald ihr diesen Raum verlasst, seid ihr auf euch gestellt." "Kein Problem!", grinste Harper. "Während wir durch die endlos langen, düsteren Flure wandeln, erzählen wir uns gegenseitig ein paar Schauermärchen!" Rommies Schweigen sprach Bände. Die beiden Männer grinsten sich im Schein der Taschenlampe verschwörerisch zu. Harper öffnete einen kleinen Kasten neben der Tür und entriegelte diese mechanisch. Sie verließen das Quartier und tauchten in die gespenstische Dunkelheit ein.
***
Wenige Minuten später stoppte Harper vor einer Tür. "Das Quartier des Captains?", mutmaßte Parker. "Nein. Das ist Tyrs Quartier." "Tyr? "Nietzscheaner. Groß, muskulös, Frauen-Typ. Genau wie Dylan. Ich frage mich immer." "Harper!" "Ja?" "Tür!" "Tyr?" "Sag' ich doch!" "Echt?" Parker schüttelte den Kopf und hämmerte mit den Fäusten gegen die Tür. "Hallo? Jemand da drin?" Keine Reaktion. "Harper?" "Bin schon dabei!" Wieder überbrückte der Blondschopf die Türverriegelung und die beiden Männer betraten vorsichtig das Quartier des Nietzscheaners. "Tyr?" Harper ging weiter in den Raum hinein und vertrieb die Finsternis mit dem Strahl seiner Taschenlampe. Unglücklicherweise hielt diese den perfekten Zeitpunkt für gekommen, um den Dienst zu versagen. Ein letztes Aufflackern und der ohnehin schon spärliche Lichtstrahl erlosch. "Mist!", fluchten beide Männer wie aus einem Munde. "Was nun?", fragte Parker in die Dunkelheit. "Wir tasten uns zur Tür zurück und gehen zum Quartier des Captains", kam die prompte Antwort von Harper. Parker tat wie ihm geheißen und bewegte sich schlurfend in Richtung Ausgang - so hoffte er jedenfalls. In dem Moment, als er den Widerstand an der Fußspitze spürte, war es bereits zu spät. Ein gedämpftes Poltern verriet ihm, dass er sich wieder einmal wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen aufgeführt hatte. Nach Harpers Beschreibung von Tyr zu urteilen, war es wahrscheinlich besser, den Nietzscheaner nicht zu verärgern. Parker ging in die Knie, um was-auch-immer er umgeworfen hatte wieder aufzustellen. Beherzt griff er zu. "Autsch, Mist, verdammter!" "Parker? Was ist los?" "Warum hat der muskulöse Frauentyp einen Rosenbusch im Zimmer?", beschwerte sich Parker und nuckelte an seinen malträtierten Fingerspitzen. "Das ist doch kein Rosenbusch, das ist mit Sicherheit seine Dragonianische Weinrebe!" "Weinrebe? Mit Dornen?" "Typisch Nietzscheanisch eben. Angriff ist die beste Verteidigung!" Parker schüttelte den Kopf und beschloss, nicht weiter nachzufragen. Er wollte es gar nicht wissen. Je eher er dieses Schiff wieder verlassen konnte, desto besser. So langsam verfluchte er sich selbst für seine Neugier. Nachdem er die Tür erreicht hatte, spürte er plötzlich Harpers Körper neben sich. "Wohin jetzt?" "Links, circa fünfzig Meter den Gang hinunter." "Gut. Geben Sie mir Ihre Hand!" "WAS?" "Harper, tun Sie nicht so verschreckt. Ich will Sie schließlich nicht verführen, ich will nur nicht verloren gehen!" Erleichtertes Aufseufzen. "Ich dachte schon." Parker fühlte, wie eine Hand seinen Arm hinab glitt und dann sein Handgelenk umfasste. "Los, kommen Sie!", forderte Harper ihn auf. Gemeinsam tasteten sie sich mühsam durch die Dunkelheit voran. Und auch diese Hürde meisterten sie. Nach einer Zeitspanne, die beiden fast endlos erschienen war, erreichten sie die Tür zum Quartier des Captains. Da sie auch dort keine Reaktion auf ihr Klopfen und Rufen erhielten, oblag es erneut Harper, die Tür mechanisch zu öffnen. Sie betraten den Raum, ohne zu wissen, was sie dort nun eigentlich tun sollten. "Vielleicht sind Tyr und Dylan auf der Brücke?", sinnierte Harper. "Wie weit?", fragte Parker. "Zu weit. Ich schlage vor, wir suchen uns einen Zugang zur Technik und ich kümmere mich erst einmal um Rommies Schaltkreise." In diesem Moment erschütterten mehrere Aufschläge das Schiff. "Was ist das?" Harpers Atem ging hektisch und unruhig, aber er gab keine Antwort, sondern umklammerte Parkers Handgelenk nur fester. Plötzlich ging ein Kreischen durch das Schiff, dessen beißender Ton eine Bösartigkeit in sich trug, die Parker bis ins Mark erschütterte. "Magog", flüsterte Harper. "Die Typen mit den Eiern?" "Hmhm." "Wir brauchen Waffen", rief Parker. "Harper! Wir brauchen Waffen!" Harper, der einen Moment wie erstarrt an seinem Platz gestanden hatte, setzte sich in Bewegung. "Hier, neben der Tür. Irgendwo muss Dylans Kampf-Lanze liegen." Parker sparte sich die Frage, was denn diese Kampf-Lanze überhaupt sei. Hauptsache, er hatte etwas, womit er sich gegen diese Parasiten zur Wehr setzen konnte. "Woran erkenn ich das Ding?" "Der Griff liegt perfekt in der Hand, such einfach irgendwas Stabförmiges!" Parker tastete über ein Regal. Nichts Stabförmiges. Er ging in die Knie und begann, den Boden abzusuchen, und hatte prompt Erfolg. Wie prophezeit lag der Griff perfekt in seiner Hand. Er spürte eine leichte Vertiefung und ließ den Finger dort hineingleiten. Im nächsten Moment strahlte ein bläuliches Licht von dem Stab aus und dieser begann, in seiner Hand zu vibrieren. Nachdem sich seine Augen an das gedämpfte Licht angepasst hatten, betrachtete er das Gerät genauer. "Ziemlich kurz für eine Kampf-Lanze oder täusche ich mich?" Harper stand ihm gegenüber und nickte sprachlos. "Ich schätze, damit werden wir diesen Magog wohl keine Angst einjagen?" Harper schüttelte den Kopf. "Dachte ich mir schon."
Wieder und wieder ruckte die Andromeda und kündigte das Eintreffen weiterer Magog-Schiffe an. Durch die Gänge hallte das metallische Schleifen unzähliger Krallenfüße auf dem blanken Boden. Parker versuchte, seine Angst zu unterdrücken. Es misslang. Das Kreischen, mit dem sich die Bohrer der Magog- Raumschiffe durch die Hülle der Andromeda fraßen, ließ seine Trommelfelle fast platzen. Die Angst übernahm die Kontrolle über seinen Körper. Die Magog waren jetzt ganz nah. Er bildete sich ein, bereits die Schemen der blutrünstigen Kreaturen sehen zu können. Dann war es soweit. Eine ganze Horde Magog drängte sich durch die Tür und fiel über sie her. Parker wehrte sich verzweifelt, dann schoss ein stechender Schmerz durch seine Eingeweide und er warf einen letzten Blick zu Harper, der bereits blutüberströmt zu Boden ging.
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"Frank? Frank? Hören Sie mich? FRANK?" Parker riss die Augen auf und schnappte nach Luft. "Doktor Data?" "Frank, warum verprügeln Sie Ihren Bettvorleger?" Noch immer völlig orientierungslos blickte Parker um sich. "Ich bin in meinem Zimmer!", seufzte er erleichtert. "Ja, das sind Sie." "Ich bin nicht tot!" "Diese Diskussion hatten wir ja bereits des Öfteren. Allerdings erklärt das noch immer nicht, warum Sie sich mit dem Bettvorleger auf dem Boden wälzen!" "Da waren diese Magog, sie griffen uns an! Sie wollten ihre Eier in meinen Bauch pflanzen", versuchte Parker zu erklären. "Ich würde sagen, Sie haben einen sehr realistischen Traum erlebt." "Aber diese Bauchschmerzen!", stöhnte Parker. Doktor Data wühlte sich durch den Abfall auf Parkers Wohnzimmertisch. "Eine ganze Tüte goldener Paradies-Äpfel? Kein Wunder, dass Sie sich den Magen verdorben haben! Hatte ich Ihnen nicht geraten, Maß zu halten?" "Schon, aber." "Und hier: ein leerer Pizza-Karton, Familiengröße, dazu unzählige geleerte Bierflaschen. Frank, Sie wissen doch, dass das nicht gut für Sie ist!" Data wackelte belehrend mit dem Zeigefinger. "Ja, aber." "Und was ist das?" Mit sichtlicher Überwindung nahm Data eine DVD- Hülle vom Tisch auf und betrachtete sie eingehend. " ,Andromeda'? Frank, waren wir uns nicht einig, dass Sie im Rahmen Ihrer Therapie eine Zeit lang Serien-abstinent bleiben?" Parker blickte zerknirscht zu Boden. "Sie sehen ja, was Ihnen dieser Exzess beschert hat", nachsichtig tätschelte Data Parkers Schulter. "Somit bewahrheitet sich wieder einmal ein altes terranisches Sprichwort 'Wer nicht hören will, muss fühlen!'."
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