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Einsame Gedanken

© by Kathrin (Little Shakespeare) ()

 

Disclaimer: Na wer wohl schon? Der Herr und Meister Joss Whedon ;-)
Kommentar: Giles und Ethan sind ein wirklich interessantes Gespann, über das man sich, wie in diesem Falle, ab und zu so sein Gedanken macht.
Feedback: ....würde mich sehr freuen und interessieren
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Buffy-Sektion

 

Schreie hallten durch die langen Gänge. Schluchzen drang durch die Tür von der Zelle nebenan. Geräusche einer Nacht im friedlich einfallenden Mondschein. So wie in den meisten Nächte, wenn er wach lag und nicht schlafen konnte. Stunden, in denen ihm die ungewöhnlichsten Erinnerungen kamen, die erstaunlich real wirkten und in diesen engen vier Wänden zu neuem Leben erweckten. Die längst vergessene Wünsche und Sehnsüchte hervorriefen und ihm seine eigentliche Einsamkeit vor Augen führten.

 

* * *

 

Den Kopf vor die rauhe Wand seiner Zelle gelehnt, fixierte Ethan die große Narbe in der Beuge seines linken Armes. Gedankenverloren fuhren seine Finger über die harten, verätzten Stellen und ertasteten die Form des Symbols das es einmal dargestellt hatte. Langsam überfuhr er jede einzelne Unebenheit der Haut. Zeichnete die nicht mehr vorhandenen Kreise und Linien nach und erinnerte sich an den Abend, als er sich das Symbol von der Haut ätzte. An die Nacht als Eyghon hinter ihnen her war und einen nach dem anderen auf grausame Weise umbrachte. Natürlich war er im Nachhinein froh, dass dieser Spuk ein Ende hatte und der Dämon vernichtet worden war. Dass ihm damals diese Narbe und ein neu tätowiertes Zeichen in den Nacken der Jägerin das Leben gerettetet. Es war nur schade, dass die Narbe so hässlich blieb und in keiner Weise mehr an alte Zeiten erinnerte. Das Einzige was hier an diesem Ort, im Gegensatz zu den Tattoos auf diversen Körperteilen von all den irren, kranken, inhaftierten Monstern, eine wirkliche Bedeutung gehabt hätte.

 

Fast schon zärtlich strich Ethan erneut mit dem Daumen darüber und schloss die Augen. Er entsann sich der Nacht als die weichen, hellen Stellen seiner Haut mit der eigens gemixten Tinktur das Mal des Eyghon in sich aufsogen. Daran wie der Körper berauscht von einem Drogencocktail in einem angenehmen, bleiernen Schwebezustand hing. Wie Ruperts grüne Augen ihn aufmerksam musterten und seine Finger ihn berührten. In diesem Augenblick ebenso wenig an richtig oder falsch zweifelten, sondern bestimmend für sie beide den ersten Schritt für dieses Machtsymbol übernahmen. Er spürte das leichte, aufsteigende Prickeln als hilfreiche Hände ihn seines Hemdes entledigten und sein Handgelenk derb umgriffen wurde. Er sah sich seinen Blick heben und wieder direkt in die leidenschaftlich, glänzenden Augen des Freundes vor sich blicken. Er entdeckte das typisch, schelmisch, wissende Grinsen des Rippers in ihm und das Zucken seiner Mundwinkel als sich die erste heiße Nadel schmerzlich, langsam in das nachgebende Fleisch seines Armes bohrte. Dann sorgsam wieder herausgezogen wurde, um daneben wieder einzustechen. Immer und immer wieder, bis der erste, winzige Kreisbogen seine Form annahm. Er konnte seinen warmen Atem spüren und die Freude am Schmerz bereitenden Treiben in seinem Gesicht erkennen. Er hörte das wilde Pochen des eigenen Herzens im Ohr, sah die fremde, doch so vertraute Hand leicht zittern. Finger, die Ruhe suchten und sanft den Arm entlang glitten, bevor sie mit Nadeln bewaffnet ihre Arbeit kunstvoll fortsetzten. Genüsslich jeden Strich und jeden Bogen bearbeiteten und nicht eher ruhten, bis das Mal vollkommen war.

Er fühlte den herrlich, brennenden Schmerz, als ihm sanfte Hände über das fertige Werk strichen und seine eigenen sich fest um die Handgelenke des Freundes schlossen. Wieder blickte er in grüne Augen, die dieses Mal jedoch in gieriger Erwartung leuchteten und es nicht erwarten konnten, das Symbol am eigenen Körper zu sehen.

Ein Lächeln lag in seinem Gesicht, als Ruperts Hemd zu Boden fiel und er den ersten, schmerzlichen Stich der heißen Nadel in sein Fleisch grub.

Bestimmend hielt er das Handgelenk kräftig umschlungen, als der Freund mit einem leisen Stöhnen zusammen zuckte. Zufrieden registrierte er mit jedem Stich, wie Rupert den Schmerz genoss und sie beide ihren Gefallen daran fanden. Stück für Stück stach er Bögen und Linien in den Arm, beobachtete wie das Mal Form annahm und die Mundwinkel seines Gegenüber bei jedem Stich zuckten. Die Muskeln des Oberarms sich automatisch anspannten und ein ungewollt, verrutschter Einstich warmes Blut heraus quellen ließ. Ein kleines Rinnsal das rot den Arm entlang um die Form des Zeichens lief.

Fasziniert folgten seine Finger streichend der blutigen Spur bis zum Handgelenk. Ein erneut aufgerichteter Blick verriet ihm die Verwirrung und das gleichzeitige Wohlbefinden des Freundes. Er spürte sein Zittern bei dieser Berührung, ein Zusammenzucken als seine Lippen den Blutstrom stoppten und die Zunge das frisch tätowierte Mal umstrich. Das eigene freudige Erstaunen als plötzlich eine warme Hand forsch in seinen Nacken fuhr und sich Halt suchend in seinem Haar vergrub.

In diesem Moment vergaß er alles und alle um sich herum. Eine ungewollt, aufkommende Erregung griff nach ihm. Es gab nur sie beide und dieses berauschende Gefühl. Stöhnend genoss er den schmerzlich, massierenden Druck, den kräftigen Griff der fremden Hand und den ihn dabei durchflutenden, wohligen Schauer. Mit geschlossenen Augen gab er sich ganz und gar diesem Gefühl hin, genoss jede noch so kleine Berührung und wünschte sich viel mehr - wünschte sich alles von diesem Augenblick...

 

* * *

 

Heftig atmend öffnete Ethan die Augen, fühlte den stechenden Schmerz seiner eigenen Fingernägel im verhärteten Fleisch der Narbe und das heftige Dröhnen seines, an der Wand geriebenen Hinterkopfes. Erschrocken richtete er sich auf. Träume jagten Erinnerungen - Phantasie die Wirklichkeit.

Ein Zittern durchlief seinen Körper. War das alles damals wirklich geschehen? Bestand früher mehr als diese Freundschaft zwischen ihnen?

Was war es, was ihn in all den Jahren immer wieder in Giles' Nähe trieb? Was ihn selbst an diesem Ort noch so sehr an ihm faszinierte und ihn in all den schlaflosen Nächten mit Erinnerungen an die gemeinsame Zeit verfolgte. Tief in seinem Inneren wusste Ethan es, wusste es seit dem ersten Tag ihrer Begegnung und noch immer. Doch trotzdem versuchte er gewaltsam das Bild an ihn aus seinem Gehirn zu verbannen. Nur egal wie - immer wieder, wenn er sich verbot daran zu denken, waren sie in seinen Gedanken da, beobachteten, berührten und straften ihn. Sie - die grünen, leidenschaftlich leuchtenden Augen des ehemaligen Freundes - die er wohl nie in seinem Leben vergessen könnte. Die ihn in der Einsamkeit seiner Zelle an seine einzig wahre, verdrängte und nie eingestandene Zuneigung erinnerten. An das Empfinden für den Menschen dem er immer imponieren und überlegen sein wollte, aber jedoch nie gewachsen sein würde.

 
Ende

 
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