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Andraeos© by Clio ()
Gefragt, warum er gerne mit schönen Jünglingen diskutiere, erwidert Aristoteles: "Das ist die Frage eines Blinden." -
[Wettkampfstätte der Läufer in Olympia, vor Alexander, vor einer
Einigung der zerstrittenen, in kriegerischen Auseinandersetzungen gefangenen Stadtstaaten
und während der stetig voranschreitenden Expansion des persischen Reiches.] Die Sonne brennt auf seinen muskulösen, dunkel gebräunten Körper und der dünne Schweißfilm auf dem Rücken reflektiert das gleißende Licht. Die gebräunte Haut der breiten Schultern und über den klar definierten Muskeln an Armen und Oberschenkeln hat er zuvor mit Olivenöl eingerieben. Wie die anderen Läufer hat Andraeos sich seinen Penis mit Hilfe einer durch die Vorhaut gezogenen Schnur am Bauch hochgebunden, damit er die Aerodynamik nicht störe. Alle Läufer begeben sich nun auf ihre Positionen. Gleich beginnt der Lauf. Sein vorletzter Wettkampf für dieses Jahr. Am nächsten Tag erwartet ihn noch der Pankration - ein gnadenloser Kampf ohne Regeln. Andraeos hebt die Hand über die Augen, damit er die Tribüne sehen kann. Ist er schon da? Er vermag ihn nicht unter den vielen Zuschauern auszumachen. Seit vierunddreißig Tagen, als er zum Vorbereitungslager nach Elis fuhr, hat er ihn nicht mehr gesehen. Er hatte ihn sehr vermisst und die ersten Tage des Trainings war er so abgelenkt, dass sein Betreuer ihn fast nach Hause geschickt hatte. Was wäre das für eine Schande für seine Familie und seine Heimat gewesen. Hoffentlich denkt Methos nun nicht, dass er ihn vergessen habe. Das könnte Andraeos nie verwinden, dessen ist er sich gewiss. Nachts im Schlafsaal des Lagers hatte er sich immer seine warme Stimme vorgestellt, wie er ihm, wenn sie in der Dunkelheit beieinander lagen, von früheren lange vergangenen Zeiten erzählte oder die Sagen von den Göttern lebendig wurden. Fast spürte er dann Methos' warme Hand auf seiner Brust wie sie langsam über die Senke zwischen seinen Brustmuskeln strich, anschließend vorsichtig den Bauch hinunter wanderte. "Sind alle Läufer auf ihren Plätzen?" Andraeos wird schlagartig in die Gegenwart katapultiert. Er hofft, dass Methos zwischen den Zuschauern sitzt und er ihn nur nicht entdeckt hat. Er will für ihn laufen. Nur für ihn. "Apite!" Methos hält sich im Schatten einer Statue verborgen. Andraeos läuft schnell wie der Wind. Er ist wunderschön. Trotz des angestrengten Ausdrucks des Gesichts und der schnellen Bewegungen ist sein Körper pure Eleganz und Grazie. Es wird ihm das Herz brechen, ihn zurücklassen zu müssen, aber die Auswege sind versperrt. Und nur ein vorgetäuschter Tod oder die Flucht nach Sparta oder gar Sizilien können ihn noch aus dieser verfahrenen Situation retten. ,Schöner, junger Andraeos...' Er seufzt und lehnt seinen Kopf an den kühlen Marmor der Artemis- Skulptur. Der junge Läufer ist Zweiter geworden. Jetzt steht er erschöpft in der Gruppe der anderen Athleten und gratuliert dem glücklichen Gewinner. ,Beim nächsten Mal wird er der Sieger sein', Methos ist sich darin sicher. Der Betreuer reicht Andraeos ein Gewand. Dieser blickt sich wieder suchend um. ,Wo ist nur Methos? - Dort ist er ja, am Rand des Amphitheaters.' Ein Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht und einher gehend damit ein Glücksgefühl in seinem Kopf aus, ohne dass er es verhindern kann. Wärme durchströmt ihn. Die Niederlage ist vergessen. Er hebt den Arm und winkt Methos zu. Erst scheint es, als schrecke dieser zurück und ließe sich in den Schatten der Zeustochter zurücksinken, dann aber tritt er doch hervor und schenkt dem schnellen Läufer ein breites, warmes Lächeln. "Das habt Ihr gut gemacht, Andraeos. Euer Vater wird stolz auf Euch sein. Bei den nächsten Spielen bekommt IHR den Olivenkranz aufs Haupt gesetzt, da bin ich mir ganz sicher", sagt er laut und legt den Arm um Andraeos' Schultern. "Du warst wunderbar, ich kann es gar nicht erwarten, dich auf deinem Lager in den Armen zu halten", flüstert er in das Ohr seines Geliebten, mit seiner Nase berührt er die vom Schweiß feuchten Locken und seine Zungenspitze touchiert für einen kurzen Augenblick Andraeos' Ohrläppchen. Dann geht Methos auf den Betreuer zu und übergießt ihn mit einem Schwall an Lobesbekundungen. Andraeos reibt sich den Schweiß von der Haut. Dem Tross des Siegers folgend, verlässt er das Stadion. Jedoch blickt er sich noch einige Male nach Methos um, der nun in eine hitzige Diskussion mit seinem Vater vertieft zu sein scheint.
Schon früh hat sich Andraeos von den Feierlichkeiten verabschiedet und jetzt liegt er von Vorfreude angespannt auf seinem Lager. Er hat sich erneut gewaschen und mit duftenden Ölen eingerieben. In jeder Sekunde erwartet er seinen Liebhaber. Es erscheint ihm, als warte er schon eine halbe Ewigkeit, dennoch dringen noch aus der Ferne die Musik und Gesänge der Feiernden in sein Zimmer und auch die Sonne ist längst noch nicht bereit, aufzugehen. Da klopft es im verabredeten Rhythmus an der Tür. Mit einem Satz ist Andraeos aus seinem Bett. Den Kopf ans Holz gelegt, wartet er noch einige schnelle Atemzüge, bevor er sich räuspert und fragt: "Ja?" Methos' Stimme veranlasst sein Herz noch einige Takte schneller zu schlagen: "Lass mich herein, Geliebter..." Kaum hat er die Tür einen Spalt geöffnet, zwängt sich Methos hinein. Dann packt er seinen jungen Geliebten an den Schultern und presst seine Lippen auf Andraeos', vergräbt seine Hand in dessen dunklen Locken. Unter gierigen Küssen lassen sie sich auf das Lager niedersinken. "Alle werden riechen, dass ich bei dir war, Andraeos." Öl und Schweiß haben sich auf Methos' Körper vermengt. Er lacht und küsst Andraeos' Stirn. "Ich liebe dich." Sanft streicht er über die warme Haut seines Geliebten. "Aber ich muss gehen; so schnell wie möglich die Stadt verlassen. Es gibt Probleme bei den Geschäften deines Vaters. Und wenn ich nicht verschwinde, wird er mich umbringen lassen." Er setzt zarte Küsse auf Andraeos' Hals, eine imaginäre Linie entlang bis an die wohl geformte Schulter hinab. Andraeos sieht ihn entsetzt an: "Habt ihr darüber diskutiert... im Stadion?" Methos nickt und streicht ihm eine verschwitze Haarsträhne aus der Stirn. Dann beugt er sich vor uns küsst Andraeos' volle weiche Lippen. Dieser erwidert die Zärtlichkeit und richtet sich auf, um Methos mit beiden Armen zu umfangen. "Verlass' mich nicht!", flüstert er in sein Ohr: "Ich gehe mit dir. Wohin dein Weg dich auch immer führe - sogar nach Persien würde ich dir folgen." "Nein!" Methos drückt ihn ein wenig von sich. "Ich muss alleine gehen; noch bevor die Sonne aufgeht. Ich wünschte, es ließe sich ändern, aber..." Er streift Andraeos' Wange mit seinen Lippen. "Es ist unmöglich... Ich wollte mein Leben mit dir verbringen, Geliebter, aber... hier gibt es keine Zukunft für mich... für uns." Methos streicht mit seiner Hand über Andraeos' angespannte Bauchmuskeln und senkt dann seinen Kopf, um mit seiner Zunge die Linie vom Hals bis zum Nabel nachzufahren. Er schmeckt den salzigen Schweiß, dessen Ursache er selbst war. Dann legt er seinen Kopf auf Andraeos' Brust, um sein Herz schlagen zu hören: "Verzeih' mir, dass ich unsere Zukunft zerstört habe", flüstert er und spürt, wie der andere seinen Arm um ihn legt. Eine Weile schweigen sie, dann räuspert sich der Jüngere. "Habe ich dir eigentlich schon einmal erzählt, dass der Familie meiner Mutter eine kleine Insel gehört..." Methos horcht auf: "Nein, hast du nicht", antwortet er, ahnend, was nun folgt. "Seit ihrem Tod gehört sie wohl mir, mein Vater weiß nichts davon... Ich war selbst auch noch nie dort, aber meine Mutter erzählte mir oft, wie wunderschön es dort wäre. Ich würde sie gern zusammen mir dir entdecken..." "Andraeos", Methos atmet tief ein: "Ich möchte nicht, dass du dein privilegiertes Leben für mich opferst. Bald wirst du das Geschäft deines Vaters übernehmen, vielleicht ein hübsches Mädchen heiraten, viele Kinder bekommen..." Er stemmt sich hoch, um dem jungen Mann ins Gesicht lächeln zu können: "Und schon bald gebührt DIR der Olivenkranz." Andraeos richtet sich auf und küsst den Älteren knapp: "Wir treffen uns in zwei Wochen kurz vor Sonnenaufgang im Hafen von Hormos. Und keine Angst, Methos..." Andraeos grinst ihn an und trotz der Dunkelheit sieht Methos, wie seine Augen leuchten "... wenn du alt wirst, verlasse ich dich." "Es wird mir das Herz brechen!" Methos lacht auf und zieht seinen Liebhaber mit sich, als er sich rücklings auf das weiche Lager fallen lässt. "An-drae-os!" presst Methos hervor, dann nimmt er wie durch Nebel wahr, dass die Tür aufgeht und plötzlich eine weitere Person im Raum steht. Andraeos zieht sich die Decke über den schweißnassen Körper. "Vater!" Jetzt erkennt auch Methos seinen Arbeitgeber Naukleres. Seit fast zwei Jahren ist er Übersetzer und Schreiber und somit rechte Hand des thessalischen Kaufmanns. "Ich wusste es!", schreit dieser nun. Seine tiefe Stimme schwingt sich in ungewohnte Höhen und droht dort zu zerbrechen: "Erst betrügst du mich mit den elenden Persern und dann verführst du auch noch meinen einzigen Sohn, um ihn für deine Zwecke manipulieren zu können!" Er steht nun eine halbe Armlänge von Methos entfernt, der aufgesprungen ist und das Bündel seiner Kleidung in Händen hält. Trotz des spärlichen Mondlichts sieht er die Adern in Naukleres' markantem Gesicht hervortreten. Methos reckt sich und lächelt kühl: "Entschuldige, Naukleres, es stand nicht in meiner Absicht, deine Hochzeitspläne zu stören." Ruhig schlängelt er sich an dem Kaufmann vorbei, der in wütend anfunkelt. Mühsam presst er seinen Atem hervor, aber lässt Methos dennoch passieren. Über dessen Schulter sieht Methos nun ein letztes Mal Andraeos, der zwei Finger streckt und mit den Lippen stumm die Worte "In zwei Wochen, zwei Wochen" formt. Methos schließt die Tür. Er muss seine Sachen packen und noch vor Sonnenaufgang die Stadt verlassen. ,Andraeos, du brichst mir das Herz.'
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Vor und zurück. Vor und zurück. Die Wellen schieben sich über die Kiesel des Strandes und wieder zurück zum grünblauen Meer. Die Sonne steht noch nicht sehr hoch am azurblauen Himmel. Methos wendet sich noch einmal um und lässt den suchenden Blick zur Siedlung hinüber schweifen, dann wirft er sein Bündel in das kleine Ruderboot, das er einem einfältigen Fischer für wenig Geld hatte abschwatzen können und schiebt es hinaus, in Richtung der offenen See. Elf Tage hatte bis zu diesem kleinen Dorf gebraucht und weitere elf Tage hatte er hier auf Andraeos gewartet. Nun ist es für ihn höchste Zeit aus der Region zu verschwinden. Die besagte Insel wird er allein niemals finden, also bleibt ihm wohl oder übel nur noch der Weg über die See nach Kreta, Sizilien oder gar Ägypten. Jedenfalls auf die größtmögliche Distanz zu Thessalien und den Persern. Bis zu den Knien reicht ihm schon das Wasser, als er ganz leise von der Ferne her seinen Namen hört: "Methos!" "Andraeos!" So schnell wie es ihm sein Herz befiehlt kann er den Kopf gar nicht herumreißen. Den Hügel von der Siedlung zum Strand hinab kann er einen Mann ausmachen, als er näher kommt, siegt die Gewissheit. Es ist Andraeos, aber er erscheint Methos stark verändert. Die prächtigen dunklen Locken mussten einer Glatze weichen und die Kleidung könnte ebenso die eines Bettlers sein, so dreckig und zerlumpt wie sie ist, fast dass sie ihm vom Körper fällt. Aber das wäre sicherlich das geringste Problem. Methos packt das Boot am Tau und zieht es hinter sich zurück ins flache Wasser. Er stürzt fast, so eilig hat er es, ihm entgegenzukommen. Dann besinnt er sich und bleibt stehen. Die wenigen Sekunden wird er doch wohl noch in Würde aushalten können, ermahnt er sich. Andraeos ist nur noch wenige Schritte entfernt und Methos entdeckt bei jedem Schritt immer mehr Blessuren an dem ehemals makellosen Körper. Abschürfungen und sogar einige Schnittwunden am kaum bedeckten Oberkörper und den Armen sind unübersehbar. Auch über die Wange zieht sich eine breite Schramme. Aber Andraeos lächelt ihn an. Methos fühlt, wie der schwere, schmerzende Eisklotz in seinem Inneren schmilzt. Ohne ein Wort der Begrüßung stürzt sich Andraeos auf ihn, gierig saugt er an Methos' Lippen, packt ihn an der Hüfte und presst sich an ihn. Der Kuss dauert viel zu kurz, aber der erschöpfte Andraeos muss nach Luft ringen. Schwer atmend, wendet er sich zum Boot: "Wir müssen fort, Methos... Sonst finden sie mich noch..." Ohne dessen Reaktion abzuwarten, beginnt er, das Boot zurück ins tiefe Wasser zu schieben. Methos streicht ihm nur wortlos über den rot gebrannten Rücken, bevor er ihm in seinem Vorhaben hilft.
Wenig später manövriert Methos zwischen den im Wasser verborgenen Untiefen der Bucht. Sein entkräfteter Geliebter bestreitet derweil eine aussichtslose Schlacht gegen Morpheus und langsam dämmert er in heilenden Schlaf hinein. Dutzende Ruderschläge weiter erreichten sie die See. Andraeos hatte Methos die Lage der Insel erklärt und dieser orientiert sich an der Sonne, um den Kurs zu halten. Allzu weit dürften sie nicht mehr von ihrem Ziel entfernt sein. Er spürt, wie seine Arme allmählich lahm werden, aber der Wille, sie an den sicheren Ort zu bringen, setzt weitere Kräfte frei. Er fleht alle ihm bekannten Götter - auch den einen - an, dass diese Reserven genügen mögen. Methos streckt den Hals, um zu sehen, ob bereits Land am Horizont hinter seinem Rücken auftaucht. Es ist fast Abend und länger kann er die Ruder nicht mehr halten. Aber der Blick über die Schulter gibt ihm Hoffnung. Tatsächlich kann er in der Ferne eine Felsformation ausmachen. Aufgeregt weckt er seinen Gefährten: "Andraeos, wach' auf! Schau' dort am Horizont... Ist das die Insel? Erkennst du sie?" Mit Mühe öffnet der Angesprochene zunächst die Augen und richtet sich etwas auf: "Ja, ja... Ja, wirklich," plötzlich ist er hellwach: "Das ist sie. Das muss sie sein. Diese Felsformation ist unverkennbar. Meine Mutter hat mir beschrieben, dass sie aussehe wie..." Er stockt und starrt Methos an: "Wasser! Methos! Da steht Wasser im Boot!... Wir sinken!" Anscheinend hat sich eine Wachsplombe unter den Sitzbänken gelöst und durch die kleine Öffnung dringt nun stetig und unaufhörlich Wasser in den kleinen Nachen. Hat er den Fischer doch tatsächlich unterschätzt. Entsetzt starrt Methos auf das steigende Wasser. War er so sehr vom Anblick der Schönheit seines Geliebten gebannt, dass er nicht bemerkte, wie sie auf ihren Untergang zusteuern? In diesem kurzen Augenblick in dem er in Andraeos' vor Angst geweitete Augen blickt, spürt er all das Glück, dass ihm dank Andraeos zu Teil geworden war. Im nächsten Moment hat ihn die Verzweiflung wieder, all dies zur selben Zeit unwiederbringlich zu verlieren. Ihm selbst ist das Ertrinken auch zuwider, aber seinen Geliebten wird es nicht an irgendeinen Strand spülen und er wird nicht aufstehen und gehen, als ob nichts weiter gewesen sei. Um der sich in seinem Kopf ausbreitenden Panik entgegenzuwirken, drängt er seinen Verstand zu einem Plan, der sie beide oder zumindest Andraeos lebend aus diesem Dilemma hinausführt. Derweil versucht sein Gefährte mit den bloßen Händen dem einströmenden Wasser Einhalt zu gebieten. Der Wasserpegel steigt dramatisch und die Tragödie scheint unaufhaltsam. Methos tastet nach dem Brett, auf dem er sitzt: "Reiß die Bänke heraus! Warte..." Er zieht sein Schwert aus dem Kleiderbündel und schlägt auf das morsche Holz ein. "Bist du verrückt geworden, Methos? Das bringt uns nur noch schneller zum Sinken!" "Keine Angst, ich habe kein Interesse daran, mit Poseidon zu Abend zu speisen." Er zerrt nun am gelockerten Holz: "Wir benutzen sie als Schwimmhilfen... und vielleicht genügt es, um es zur Insel zu schaffen. Das Holz treibt doch immer an der Oberfläche." Andraeos lässt sich gern überzeugen und gibt das Schippen auf. Stattdessen versucht er die Bohle unter sich aus dem Gefüge zu reißen. Methos hackt weiter auf das Holz ein. Beide haben sich aufgerichtet, soweit es das winzige wankende Ruderboot zulässt und versuchen bei all dem verzweifelten Kraftaufwand noch die Balance zu halten. Insbesondere der geschwächte Andraeos hält sich mit wackeligen Beinen nur unsicher aufrecht. So zerrt er an den morschen Planken, aber dabei gerät der Nachen ins Wanken und beraubt ihn seines halbwegs sicheren Stands bis plötzlich eine kleine Welle dem Boot einen Stoß versetzt und er rücklings ins Meer stürzt. Schnell verschlingen ihn die sich auftürmenden Wellen, die schäumend über ihm zusammenschlagen. "Andraeos!" ruft Methos und ehe er sich noch einen weiteren Gedanken lässt, ist er ihm schon hinterher gesprungen. Das warme Nass umfängt ihn und okkupiert unverzüglich seine Kleidung, die ihn schwer hinab zu ziehen beginnt. Sobald er untergetaucht ist, öffnet er die Augen und sucht Andraeos. Einige Armlängen entfernt erspäht er ihn, panisch paddelnd, kaum den Kopf über Wasser halten könnend. Gnadenlos wird er immer wieder von den Wellen überrollt. Es kostet Methos viel Kraft, hinüberzuschwimmen. Seine Arme schmerzen vom stundenlangen Rudern. Noch schlechter ergeht es Andraeos, der von den Strapazen der Wettkämpfe und dem tagelangen Marsch ausgelaugt nicht einmal mehr das Quäntchen Energie hat, sich an der Oberfläche zu halten. Und so muss Methos mit ansehen, wie sein Geliebter schließlich versinkt; nur wenige Schwimmzüge von ihm entfernt. Unerreichbar, da er von der Strömung wie ein Stück Treibholz immer weiter fort getragen wird. Zudem sieht Methos im Augenwinkel, wie das Boot vollends in den Fluten verschwindet. Gleichgültig nimmt er zur Kenntnis, dass mit ihm auch sein Schwert in den dunklen Tiefen versinkt. Dies ist sein geringstes Problem in diesem Augenblick. Nur noch wenige Armlängen - und Andraeos kämpft mit der nassen Umgebung ohne Sauerstoff. Verzweifelt schlägt er mit allen Extremitäten um sich und schnappt nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Nur noch ein paar Züge - Andraeos scheint den Kampf verloren zu haben. Die Bewegungen werden langsamer, ersterben. Da hat Methos ihn endlich erreicht und zieht ihn mit sich nach oben. Andraeos hustet, sobald er die Sonne auf seinem kahlen Haupt spürt. Methos stützt ihn, lässt Andraeos Kopf auf seiner Brust ruhen, damit er ohne Mühe atmen kann. Seine Lungen füllen sich allmählich wieder mit Luft. "Sieh' 'mal..." bringt Andraeos zwischen einigen heftigen Hustenanfällen hervor. "... die Bohlen..." An ihren Köpfen dümpeln die brüchigen Holzbretter vorbei, sich auf und ab bewegend mit dem leichten, seichten Wellengang. Geistesgegenwärtig greift Methos mit der freien Hand nach einem der Bretter und zieht es zu sich heran. Er spürt, wie es dem Druck entgegen wirkt und sich standhaft über Wasser hält. Er angelt noch das zweite für Andraeos, der sich sofort daran fest klammert und so auch Methos entlastet. Andraeos lehnt sich etwas über das Holz und lässt sich treiben, Methos dreht sich herum. Wie irr fängt er an zu glucksen. Das gutturale Geräusch steigert sich bis er in lautes Lachen ausbricht. "Die Insel!" Nun kann auch Andraeos die Insel am Horizont ausmachen. Sie scheint ihm deutlich näher zu ihrer Position zu liegen, als vor ihrem Kentern. Diese Gewissheit gibt ihnen die Möglichkeit in Ruhe zu Atem kommen zu können, um dann gemächlich hinüberschwimmen. In weniger als zwei Stunden sollten sie das rettende Eiland erreicht haben. Andraeos ruht mit seinem Kopf auf dem Brett und lächelt Methos an. "Du hast mir das Leben gerettet", flüstert er mit schwacher Stimme: "Nun stehe ich mein Leben lang in deiner Schuld." "Lass uns über die adäquate Begleichung der Schuld sprechen, wenn wir sicher an Land sind. Wir werden sicher eine Lösung finden, die uns beide zufrieden stellt." Wenige Stunden später, die Sonne hat sich gerade hinter dem Horizont zurück gezogen, erreichen sie den sicheren Strand. Erschöpft, unfähig sich auf ihren Beinen an Land fortzubewegen, fallen sie in den feuchten Sand. Andraeos rollt sich auf den Rücken und dreht den Kopf zu Methos, der ihn nur glücklich anlächelt. "Ich habe es mir anders überlegt, Methos." "Was denn?" Er fühlt nichts als warme Glückseligkeit und blickt in die glänzenden Augen seines Geliebten. "Auch wenn du alt sein wirst und grau, werde ich nicht von dir fortgehen... Die Mühe die Insel zu verlassen werde ich nie wieder freiwillig auf mich nehmen."
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Methos verbrachte viele glückliche Jahre mit Andraeos auf dieser winzig kleinen, aber fruchtbaren und autarken Insel. Und er war dankbar für jeden einzelnen Tag. Erst nach Andraeos' Tod im hohen Alter von zweiundsiebzig Jahren verließ er die Insel für einige Jahrzehnte, kehrte aber immer wieder dorthin zurück.
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