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Bei einer Tasse Kaffee

© by Aisling ()
 
Disclaimer: Mir gehört mal wieder gar nix.
Bunny: Es entstand bei einem Telefongespräch mit Antares - auch wenn sie nicht dafür verantwortlich ist und gar nicht mitbekommen hat, als das Plotbunny losgehoppelt ist!
Beta: Birgitt & Antares
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Der Kaffee war heiß. Sehr heiß sogar. Daniel hatte nur daran genippt und sich trotzdem beinahe verbrannt. Es war schon fast Mitternacht und er war allein in der Cafeteria. Niemand, der nicht gerade Dienst hatte, war um diese Zeit im Cheyenne Mountain unterwegs. Doch Daniel konnte nicht schlafen. Er brauchte es gar nicht erst zu versuchen. Da war es wirklich besser, noch einen Kaffee zu trinken und sich dann an die Übersetzung eines Antiker-Textes zu machen, den SG-15 von PX-3576358 mitgebracht hatte. Vielleicht erfuhr er darin etwas über die Ori.

Er bezweifelte jedoch, dass er Hinweise für eine Waffe fand, um diese Tyrannen wieder in die Galaxis zurückzuschicken, aus der sie kamen.

Dorthin, wo Vala jetzt auch war. Es wurmte Daniel, dass alle nur fragten, ob es ihm gut ginge, ob er die Trennung von Vala gut überstanden hätte. Niemand, noch nicht mal Cameron, schien sich Gedanken darüber zu machen, ob sie wirklich überlebt hatte und nun versuchte, sich in der fremden Galaxis durchzuschlagen. Oder ob sie - was noch viel schlimmer als der Tod wäre - in die Hände der Ori gefallen war. Warum nur hatte er nicht zugehört, hatte sie nicht ausreden lassen und stattdessen Sam unterstützt?

 

"Sie können nicht schlafen?"

Daniel hatte nicht mitbekommen, dass Cameron da war. Erst jetzt bemerkte er seinen Vorgesetzten.

"Sie wohl auch nicht."

"Stimmt. Darf ich?"

Zustimmend rückte Daniel einen Stuhl neben sich vom Tisch ab und Cameron setzte sich.

Da Daniel keine Lust hatte zu reden, versuchte er gar nicht erst, Cameron in ein Gespräch zu verwickeln. Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander.

"Sie denken an Vala?"

Es war nicht so, dass Daniel Cameron nicht mochte, ganz im Gegenteil, für einen Soldaten war er sogar sehr in Ordnung, aber irgendwelche psychologischen Gespräche wollte er trotzdem nicht mit ihm führen.

Früher, da hatte Janet alles aus ihm rausgekitzelt, und wenn das nicht wirkte, dann war Jack für ihn da gewesen. Aber jetzt? Janet war tot und Jack war weit weg. Sam war zwar wieder da, aber sie war ihm im letzten Jahr fremd geworden. Und es gab halt Dinge, über die er einfach nicht mit Sam sprechen konnte.

"Jackson, sind Sie noch da?"

"Tut mir leid, aber ich möchte mit Ihnen nicht darüber reden."

Ein Seufzer kam von Cameron.

"Dafür brauche ich aber jemanden, mit dem ich reden kann. Und Teal'c ist dafür nicht der richtige. Da sind Sie der einzige, der es vielleicht versteht."

Das war eine ganz neue Wendung der Dinge. Auch wenn sie sich schon seit Jahren aus dem Stargate-Projekt kannten, konnte Daniel ihn nicht wirklich als Freund bezeichnen. Aber welche Freunde hatte er noch?

"Warum?"

Schweigen. Daniel sah, dass Cameron mit seiner Kaffeetasse spielte und erst nach einiger Zeit schien dieser die Antwort gefunden zu haben.

"Auch wenn Vala nicht dem Stargate-Projekt angehört, so ist sie in dem Einsatz meine Untergebene gewesen. Verdammt, inzwischen hätte ich sie gut genug kennen müssen, um zu wissen, dass sie auf eigene Faust etwas unternimmt, wenn wir sie nicht beachten. Und ich bin schuld, dass sie jetzt irgendwo da draußen - wahrscheinlich in den Händen der Ori - ist. Aber Landry schien irgendwie erleichtert zu sein, als er erfahren hat, dass sie weg ist."

Also war er, Daniel doch nicht der einzige, der sich um Vala sorgte. Es gab noch einen Grund, warum er sich so viele Gedanken über Vala machte. Und es war eigentlich nur fair, Cameron darüber aufzuklären.

"Es ist nicht nur das. Auch wenn sie immer eine große Klappe hat und es niemals zugeben würde: Sie hat eine Heidenangst vor den Ori. Mein Gott, sie wurde in der anderen Galaxis bei lebendigem Leibe verbrannt und man hatte sie wiederbelebt. Sie hat mehr als einen guten Grund, diese Angst vor den Ori zu haben, mehr als jeder andere. Und trotzdem ist sie immer gutgelaunt und so lebendig. Ich bewundere sie dafür. Doch jetzt ist sie im Feindesland und hat niemanden, der ihr helfen kann. Ich wünschte, ich könnte es."

Er wollte über Vala nicht in der Vergangenheit denken, er weigerte sich zu glauben, dass sie tot war.

"Und dabei dachte ich, dass sie Sie einfach nur nervt."

Sollte er Cameron erzählen, was wirklich mit ihm los war? Konnte er es riskieren? Es dauerte einen Moment, bis er sich dazu durchrang weiterzusprechen.

"Nein, sie nervte nicht einfach", er schüttelte den Kopf "sie ging mir dermaßen auf den Wecker, dass ich oft nahe dran war, sie zu schlagen."

"Haben Sie das nicht auch schon getan?"

Oh, ja, das hatte er. Und es hatte ihm schon viele wirklich angenehme Träume beschert.

"Auf der ,Prometheus' hatte ich mir eingeredet, dass sie unser Feind wäre, aber das ist sie nicht. Ich wollte aber etwas anderes sagen."

"Und was?"

"Vala schaffte es, nein, sie schafft es, Emotionen zu wecken. Wenn sie in meiner Nähe ist, dann fühle ich mich lebendig. Seit ich wieder als normaler Mensch hier bin, habe ich oft genug den Eindruck gehabt, dass ich nicht mehr fühlen könnte, fast als ob ich eine Marionette wäre, die nur noch funktionierte..."

Daniel zögerte einen Moment, trank einen Schluck, um Zeit zu gewinnen. Doch Cameron stellte keine Zwischenfrage, gab ihm keine Chance, vom Thema abzulenken, sondern saß einfach nur neben ihm und wartete ab. Sich einen Ruck gebend setzte Daniel die Tasse ab und fuhr dann fort.

"Seit Vala hier ist, habe ich das Problem nicht mehr. Ich weiß, dass ich lebe. Ich fühle Hass, Wut und auch Liebe."

"Warum haben Sie ihr denn das nie gesagt?"

Daniel konnte ein bitteres Lachen nicht unterdrücken. Dann vergrub er den Kopf in seinen Händen. Nach einer kleinen Ewigkeit blickte er wieder hoch.

"Zum einen würde sie mich mit Haut und Haaren verschlingen. Dafür ist sie einfach zu anstrengend. Und dann... Sie wissen doch selbst, wie hoch die Sterbequote von SG-Teams im Kampfeinsatz ist. Ich habe seit Sha're Angst, mich an einen Menschen zu binden. Deswegen habe ich mich mit Händen und Füßen gegen eine Beziehung gewehrt."

Warum Cameron jetzt lächelte, war Daniel im ersten Moment ein Rätsel, doch dann verstand er, dass er sich wohl gerade vorstellte, wie er, Daniel, sich gegen Vala wehrte.

"Stimmt, irgendwie ist es zum Lachen, doch wenn ich bedenke, dass ich befürchtet habe, dass Vala Sam einfach so an die Wand spielen würde und ich sie deswegen nicht beachtet habe..."

"Sie stehen damit doch nicht alleine da. Ich war genau so ein Idiot."

"Wir haben morgens noch Basketball gespielt und Vala musste das Gefühl haben, von uns irgendwie anerkannt zu werden und dann taucht Sam auf und sie steht plötzlich im Abseits. Kein Wunder, dass sie so einen verrückten Stunt macht, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen."

"Sie vergessen etwas", wurde Daniel zurechtgewiesen.

"Und was?"

Eigentlich eine Schande, dass es im ganzen Komplex keinen Alkohol gab. Es war einer der wenigen Momente in seinem Leben, wo er ihn wirklich einmal brauchte

"Ohne ihren Stunt hätten die Ori jetzt ihren ersten Außenposten in unserer Galaxis und wir wären wahrscheinlich alle tot oder lägen ihnen anbetend zu Füßen. Ich will gar nicht wissen, was als erstes durch dieses Superstargate gekommen wäre."

"Nein, ich auch nicht."

Cameron hatte Recht. Und doch gab es in Daniels Inneren eine kleine Stimme, die ihm sagte, dass er Schuld hatte. Wenn er Vala gesagt hätte, wie wichtig sie für ihn war, dann...

"Jackson!"

Erschrocken zuckte Daniel zusammen. Dann bemerkte er, dass Cameron irgendetwas vor seinem Gesicht hin- und herpendeln ließ.

"Was ist das?"

Es war ein Schlüsselbund, eindeutig. Aber wofür?

"Das ist der Schlüssel für Ihr Appartement.

Doch bevor Daniel Cameron den Schlüssel entreißen konnte, hatte dieser ihn schon wieder weggezogen.

"Das ist jetzt meine Wohnung. Erinnern Sie sich nicht mehr, wie Sie mir den Schlüssel zugeworfen haben?"

"Das war, bevor Vala auftauchte. Kurz vor meinem Abflug nach Atlantis. Und solange Vala hier war, konnte ich die Basis nicht verlassen. Sie wissen ja, dass sie nicht die Sicherheitseinstufung hatte, um sich frei zu bewegen. Ich hatte keine Lust, irgendwo in der Stadt zusammenzuklappen, weil ich zu weit von ihr entfernte hatte, deswegen bin ich gar nicht erst rausgegangen. Und von Ihnen habe ich noch nicht mal die Kaution für das Appartement bekommen."

Ein Ablenkungsmanöver war Daniel nur recht. Er wollte nicht weiter über seine Dummheit nachdenken.

"Ich bin zwar eingezogen, aber mehr als ein Bett und einige Möbel habe ich dort nicht rumstehen. Und da Sie außerhalb des Stargate-Komplexes keine eigene Wohnung haben, befehle ich Ihnen, dort hinzufahren und mindestens zwölf Stunden zu schlafen. Sie sind müde und denken zu viel"

Trotz des Befehls war es nicht der Vorgesetzte Mitchell, der zu Daniel sprach, sondern ein Freund, der sich Sorgen machte.

Doch er schüttelte den Kopf. Wenn er bisher schon so offen zu Cameron gewesen war und dieser sich nicht abgewendet hatte, dann würde er dies auch noch erzählen. Es gab ja sonst niemanden mehr, der ihm zuhören konnte.

"Dort werden mich andere Dämonen heimsuchen. Deswegen können Sie die Wohnung auch behalten, vorausgesetzt, ich bekomme meine Kaution zurück."

Zu viele Erinnerungen steckten in dieser Wohnung und das war auch ein Grund, warum Daniel unbedingt nach Atlantis wollte. Doch angesichts der Bedrohung, die von den Ori ausging, konnte er nicht mehr dorthin.

"Danke, aber wenigstens heute Abend sollten Sie mein Angebot annehmen. Wir können ja morgen drüber sprechen, wie wir das mit dem Apartment regeln."

Es schien so, als ob sich Cameron wirklich sorgte, doch Daniel wusste, dass er keine Ruhe finden würde. Selbst wenn er jetzt einschlafen würde, die Alpträume würden zu schnell einen Weg in sein Bewusstsein finden.

"Tut mir leid. Besser ich trinke noch einen Kaffee und setz' mich an die Arbeit. Das ist ein jahrelang erprobtes Mittel ur Problembekämpfung."

Das war mehr, als Daniel eigentlich über sich selbst preisgeben wollte. Aber gesagt war gesagt und ließ sich nicht rückgängig machen.

Ein Seitenblick zeigte Daniel, dass Cameron wohl etwas dazu bemerken wollte, sich aber dann auf die Lippen biss und anschließend neu ansetzte.

"Es ist Ihre Entscheidung. Wissen Sie, irgendwie glaube ich, dass Vala nicht so leicht aufgibt. Sie ist schon ihren Wirt losgeworden, dann wird sie es auch mit den Ori aufnehmen. Ich wette mit Ihnen um 'nen Hunderter, dass es kein Jahr dauert, bis sie wieder durchs Stargate spaziert, dich liebevoll anlächelt und uns allen das Leben zur Hölle macht."

"Erwarten Sie nicht, dass ich dagegen wette."

"Nein, das tue ich auch nicht. Aber wenn Sie schon nicht ins Appartement fahren, dann kommen Sie jetzt mit mir."

Fragend sah Daniel zur Seite, bekam aber nur ein Grinsen als Antwort.

"Wieso sollte ich?"

"Ich merke, dass mir der Kaffee nicht reicht und dass ich was Kräftigeres brauche. Ich kann die restliche Nacht nicht nüchtern ertragen. Wenn Sie Lust auf ein anständiges Besäufnis haben, dann kommen Sie jetzt mit."

Daniel schaute auf seine Tasse. Der klägliche Rest darin war ohnehin kalt. Was die Übersetzung der Antiker anging: Er würde sowieso nur vor dem Text sitzen und nichts verstehen. Er wollte aber ganz sicher gehen, dass Cameron ihn wirklich mit dabei haben wollte.

"Wenn das ein Befehl ist, dann komme ich mit."

"Das ist ein Befehl, Dr. Jackson. Selbst Sie als Zivilist sollten doch wissen, dass es Befehle gibt, die Sie nicht verweigern dürfen. Haben Sie verstanden?"

Mit Grübeln konnte er sowieso an der Situation nichts ändern. Warum also nicht mit Cameron einen trinken gehen? Vielleicht bestand die Chance, einen neuen Freund zu finden.

Daniel stand auf und salutierte spöttisch. Jeder Soldat wäre für diese Vorstellung bestraft worden, doch Cameron grinste nur. Aber Daniel war das noch nicht genug. Da gab es noch etwas, mit dem er dem Ganzen die Krone aufsetzen konnte.

"Sir, ja, Sir, ich habe verstanden."

Cameron hielt sich die Ohren zu.

"Hören Sie auf, das will ich heute nicht hören. Das erinnert mich nämlich an etwas. Habe ich Ihnen eigentlich schon davon erzählt, dass ein Marine zig Liegestützen in meinem Büro machte, und allen Ernstes gedacht hatte, so ins SG1 zu kommen?"

"Nein, aber kein Wunder, dass das ein Marine war. Das können nur solche Kerle ohne Hirn. Erzählen Sie mir mehr davon."

Cameron stand auf und auf dem Weg zu seinem Quartier erzählte er Daniel von den skurrilsten Vorstellungsgesprächen.

 
Ende

 
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