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Pizza con tutto!© by Aisling ()
"Der Pizzamann kommt." Chris versah gerade seinen spätabendlichen Dienst als Ordnungshüter in Eddies Küche, als es klingelte. "Machst du-" "Ich geh' schon!" Eddie war aus der Tür, bevor Chris sich umgedreht hatte. Und ich dachte, ich hätte Hunger. Wahrscheinlich hat der Herr Autoschrauber mal wieder das Mittagessen vergessen. Wär' nicht das erste Mal, dass ein Motor wichtiger war. Chris konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, als er Eddie die Treppen runterlaufen hörte. Der Bote würde bestimmt dankbar sein, wenn er nicht die zwei Stockwerke zu Eddies Wohnung hoch musste. Chris machte sich daran, den Tisch zu decken, holte dann das Bier aus dem Kühlschrank. Eddie erschien im Türrahmen, etwas außer Atem, zwei große Pappkartons in der Hand. "Könntest du-" Er rieb Daumen und Zeigefinger der freien Hand aneinander. "Du weißt doch. Die letzte Rate ist in zwei Tagen fällig." Chris seufzte übertrieben, aber zog bereits seine Brieftasche aus der Hosentasche. "Wieviel ist es denn?" "21,40. Ohne Trinkgeld." Eddie strahlte und gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze. "Bist doch mein Lieblingsbulle." Als Chris zur Wohnungstür kam, wartete der Pizzabote bereits auf ihn. Irgendwie kam Chris der Mann bekannt vor, war sich im Halbdunkel aber nicht ganz sicher. Er knipste das Licht im Flur an und erstarrte. Nein! Gibt's in Frankfurt nur einen einzigen Pizzamann? Und die Worte des Boten machten klar, dass der ihn auch erkannt hatte. "Hallo! Zahlen Sie heute bar", er sah betont an Chris vorbei, "oder wieder in Naturalien, Süßer?" Chris schluckte. Er war sich bewusst, dass Eddie hinter ihm aufgetaucht war. "Natürlich zahle ich in bar!" Er zog zwei Zwanziger aus der Brieftasche und als der Bote umständlich nach dem Wechselgeld kramte, sagte er barsch: "Stimmt so!" In der nächsten Sekunde hatte er dem Mann die Tür vor der Nase zugeschlagen. "Stronzo!", hallte es dumpf durch die Tür, dann lief der Mann hörbar die Treppen runter. Erst das Knallen der Haustür holte Chris aus der Starre. Eddie tippte ihm auf die Schulter und er drehte sich langsam zu ihm um. "Was war das denn jetzt für eine Show? Wer war der Typ? Und wieso gibst du ihm fast zwanzig Mark Trinkgeld? Und wieso nennt der Typ dich Süßer?" Chris fehlten die Worte. Eddies Stimme klang nicht erstaunt, sondern kalt. Dieser scheiß Italiener! Konnte der seine freche Klappe nicht halten? Ich hätte ihm eine reinhauen sollen! "Hey, Chris, ich rede mit dir!" Eddie war deutlich lauter geworden. Chris war klar, dass er mit der Geschichte rausrücken musste. Eddie würde nicht locker lassen. "Den Typen habe ich damals getroffen, nachdem Uschi mich rausgeschmissen hatte. Bevor ich bei dir untergekommen bin. Ich hab' halt 'ne Pizza bei ihm bestellt. Bares hatte ich nicht, Kreditkarte ging natürlich nicht, da hab' ich ihm zum Tausch ein Jeanshemd angeboten." "Ja und? Deshalb nennt er dich Süßer?" Chris fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. "Mann, Eddie, ich war so fertig damals. Ich hab' ihn blöderweise gefragt, ob ich für eine Nacht bei ihm schlafen könnte!" Für einen Augenblick starrte ihn Eddie nur an, dann lachte er los. Es dauerte etwas, bis er sich einigermaßen beruhigt hatte. "Er hat dich für schwul gehalten! Er hat gedacht, das wäre 'ne billige Anmache!" Eddie schüttelte den Kopf, grinste breit. "Arschloch. Aber warum bist du so sauer? Solche Typen sind doch einfach nur hohl!" Erst als Eddie diese Frage stellte, fragte Chris sich auch, warum ihn die Begegnung so aus der Fassung gebracht hatte. Er brauchte nicht lange, um eine Antwort zu finden. Er sah Eddie ins Gesicht, in die strahlenden Augen und plötzlich war es ganz einfach, die Wahrheit mit Eddie zu teilen. "Weil es mir peinlich ist... war, was ich damals abgezogen habe. Du hattest mir ja angeboten, bei dir unterzukommen, und ich hatte eine Heidenangst davor, dein Angebot anzunehmen. Ich hatte eine Nacht mit einem Schwulen verbracht! Ich wollte dich nie mehr wiedersehen! Und konnte trotzdem an nichts anderes mehr denken. Dann frage ich einen wildfremden Mann, ob ich bei ihm übernachten kann. Als der mich dann als Homo beschimpft hat... Da wurde mir zum ersten Mal klar, wie scheiße ich mich dir gegenüber benommen hatte nach der ersten Nacht." Eddies Grinsen verschwand. Er hob die Hand, streichelte Chris' Wange. "Du hattest also einen kleinen Eindruck davon bekommen, was ich alles so mitmache, nur weil ich schwul bin?" "Hmmm." Chris fasste Eddies Hand. "Hey, ich war ein dummer Hetero, dessen Gefühle Achterbahn fuhren. Denk dran, du musstest mir beibringen, wie man schwul ausspricht, ohne dass mich der Schlag trifft." "Achterbahn der Gefühle? Doch nicht wegen mir, oder?" Das Grinsen war wieder da. "Das weißt du doch ganz genau, Edgar Sänger!" Eddie zog Chris in eine Umarmung. "Und was ist jetzt? Immer noch Achterbahn?" "Mit dir zusammen wird das nie aufhören!" "Gut!" Chris entspannte sich und Eddie lachte leise. "Aber das nächste Mal, wenn dir nach Italienisch ist, schieben wir 'ne Tiefkühlpizza in den Ofen."
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