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Bitten by an Angel

© by Kathrin (Little Shakespeare) ()

 

Disclaimer: Alle Angel-Charaktere natürlich Joss Whedon + anderen, ich hab' sie mir nur ausgeborgt.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Buffy-Sektion
Kommentar: Da ich die Beziehung von Angel und Kate sehr interessant finde und die Bissszene zwischen den beiden in dieser Folge einfach genial ist, musste ich das Ganze im Nachhinein einfach aus Kates Sicht beleuchten. Ein Danke schön an dieser Stelle an Tatjana fürs Beta lesen.

 

Ungläubig über den zombiehaften Anblick, der sich ihr bot, starrte Kate in das Spiegelbild vor sich. Ihre trockenen, spröden Lippen zuckten und die Augen fixierten müde das eigene totenblasse Gesicht. Noch immer nicht konnte sie fassen, was vor wenigen Stunden geschah. Es war alles so schnell und auch wieder nicht schnell gegangen. Zu schnell, um richtig zu realisieren was geschah; und langsam genug, um es doch in seinem ganzen Geschehen bewusst wahrgenommen zu haben.

Schutzsuchend verschränkte Kate die Arme vor der Brust und zuckte unwillkürlich zusammen, als auf dem Gang vor der Damentoilette Stimmen laut wurden. Sie wusste nicht, wie lange sie schon an dem kalten Waschbecken lehnte und in diesen mit Fettfingern beschmierten Spiegel starrte. Es war alles andere als ein geeigneter Ort um Zuflucht zu suchen, aber es war der einzige, wo sie in diesem Augenblick Ruhe vor den bohrenden, fragenden Blicken ihrer Kollegen fand. Zögerlich hob sie einen Arm aus der Verschränkung und führte die Finger langsam, vorsichtig zu der Wunde am Hals. Verkrustetes Blut fühlte sich hart an der aufgerissenen Bisswunde an, andere Stellen wieder warm und feucht. Die Wunde brannte und bei jeder noch so kleinen Bewegung und Berührung zog ein unangenehmer Stich durch ihren Hals. Für einen Moment schloss sie die Augen, verfolgte den Schmerz und hörte das Rauschen des eigenen Blutes im Ohr. Ihr ganze Körper prickelte und sie wusste, dass allein die Erinnerung an seinen Biss daran Schuld war. Doch egal wie sie sich im Augenblick fühlte und egal wie sie aussah, sie musste wieder hinaus gehen. Zurück in die Wirklichkeit, die die wahren Geschehnisse dieser Nacht nie verstehen und akzeptieren würde, ebenso wenig wie sie es ebenfalls noch nicht konnte.

 

Einmal war sie aufgrund der Aussage, nicht mehr genau zu wissen was geschehen ist, unangenehmen Fragen von Ärzten und Kollegen ausgewichen, doch ob es ein zweites Mal gelang, wusste sie nicht. Ebenso wenig wie sie nicht die leiseste Ahnung hatte, wie sie diesen Abend für den Polizeibericht in verständliche, sinnvolle Worte fassen sollte. Dazu kam die Tatsache, dass man einen unschuldigen jungen Mann festhielt und sie die einzige war, die ihn entlasten konnte. Seufzend strich sich Kate ein paar lose Haarsträhnen aus dem Gesicht und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Der damit verbundene Schmerz am Hals ließ sie erneut zusammenzucken und den Kopf schnell wieder sinken lassen. Schwer schluckend drehte sie den Wasserhahn vor sich auf und genoss das kühle Nass im Gesicht. Ihre Augen brannten und fühlten sich trotz der Erfrischung noch müder an. Im Augenblick wünschte sie sich meilenweit weg, an einen friedlichen Ort, an dem sich dieser Abend nur als böser Albtraum entpuppte und sie endlich wieder Ruhe finden konnte. Tief einatmend beobachtete sie noch eine Weile das im Ausguss verschwindende Wasser, bis sie sich endlich los riss und den Mut fand nach draußen zu gehen. Zum Glück waren nur noch ein paar Diensthabende, die größtenteils anderweitig beschäftigt waren, im Hause. Etwas unschlüssig auf dem Flur stehend, unterlag Kate beinahe der Versuchung, in die Dunkelheit ihres Büros zu flüchten, aber sie wusste, desto mehr Zeit verstrich umso unangenehmer würden die Fragen der Ermittlungsbeamten gegenüber dem jungen Mann werden. Sie fragte sich ohnehin, was er ihnen erzählte. Die Wahrheit oder irgend eine andere unglaubwürdige Geschichte? Doch egal wie, man würde ihm wohl nichts von beidem abkaufen. Wie sollte er auch sinnvoll den abgerissenen Kopf eines Sicherheitsmannes und eine gebissene Polizeibeamtin erklären? Das war völlig unmöglich. Das konnte wahrscheinlich sie noch nicht einmal.

 

Im Moment jedoch alle Gedanken dazu verdrängend, lief Kate schnurgerade auf die Tür des Verhörraumes zu, drückte die Klinke nach unten und trat ein. Müde blickte sie in die erleichterten Augen des jungen Mannes, als sie mit fester Stimme sagte: "Der Mann kann gehen." Sie spürte die verständnislosen Blicke der Ermittler und deren Enttäuschung auf sich. Die Männer begriffen nicht, was hier geschah und waren sichtlich wenig begeistert. Immerhin wurde ihr einziger Verdächtiger gerade entlassen und das ohne ihnen auch nur einen einzigen brauchbaren Hinweis gegeben zu haben. Dass sie keine Widerrede duldete, unterstrich Kate mit einer einzigen Handbewegung. Dabei gab sie dem jungen Mann zu verstehen, endlich zu verschwinden und drehte sich selbst langsam wieder auf den Flur hinaus. Stumm nahm sie seine geflüsterten Worte entgegen, als er an ihr vorbei huschte. "Danke. Uhm...wenn Sie reden möchten...? Irgendwann... Sie wissen, wo Sie uns finden." Kurz blickte Kate zu ihm auf und nickte, auch wenn sie jetzt schon wusste, dies nie zu tun.

Dann ließ sie ihn einfach stehen und lief in das Dunkel ihres Büros. Hinter sich hörte sie die diskutierenden Stimmen der Ermittlungsbeamten, die sich darüber stritten, was denn nur in sie gefahren war und woher sie das Recht nahm, den Kerl laufen zu lassen, doch sie ignorierte die Stimmen und ging weiter. Wehmütig streiften ihre Augen den Schreibtisch mit den darauf stehenden Fotos ihres Vaters. Erinnerungen kamen in ihr hoch. Fragen, wie er sich gefühlt haben musste, als man ihn zu Tode biss und das Blut aussaugte. Ob sein Herz schnell aufhörte zu schlagen oder ob er qualvoll miterlebte, wie er zu einer blutleeren Hülle wurde? Gedankenverloren starrte sie durch die staubigen Jalousien des Fensters auf den halbdunklen Flur. Unweigerlich fragte sie sich, ob dieser Abend hätte anders verlaufen können oder ob es so sein sollte? Mit einer fast selbstzerrstörerischen Besessenheit war sie dem Hinweis, dass Angel in das Museum einbrach, gefolgt. Sie wollte ihn überführen, ertappen und auch... Vernichten? Vielleicht? Ein Gedanke, den sie aus Hass auf all die dunklen Geschöpfe der Nacht heraus tief in sich hegte, aber doch nie traute bis zu Ende zu denken. Aus Angst? Oder aus doch noch in ihr sitzenden Zweifeln heraus? Sie wusste es nicht und nun gleich noch weniger als vor einigen Stunden.

 

Wieder sah sie diese widerlichen Gestalten und Angels funkelnde Augen vor sich. Hörte sein höhnisches Lachen, seine Frage, ob sie Angst habe und fühlte den eiskalten Schauer über ihren Rücken jagen, als er sein unschuldiges Gesicht in die Fratze eines Vampirs verwandelte. Sie hörte die hallenden Schüsse, spürte noch den Rückschlag der Pistole in ihrem Arm, als sie reflexartig den Abzug drückte und den derben Ruck, als Angel sie an sich riss. Alles ging so rasend schnell. Sie hatte keine Chance sich zu wehren und ehe sie überhaupt begriff was geschah, spürte sie diesen schmerzlichen Stich, diesen Biss, der ihr das Gefühl gab den Boden unter den Füßen zu verlieren und gleichzeitig zu schweben. Adrenalin schoss durch ihren Körper und ließ das Blut schneller durch die Adern pumpen. Sie spürte seine sich schmerzlich in sie bohrenden Zähne und seine kalten Lippen an ihrem Hals. Willenlos schloss sie die Augen, bis sich ihr Körper mit seinem drehte und sie mit geweiteten Augen direkt in die Mündung einer Waffe blickte. Ihr Körper zuckte erschrocken in seinen Armen, als sie seine Stimme flüstern hörte. "Lass dich fallen! Sonst töten sie dich." Gar nicht in der Lage, sich zu wehren und das Ausmaß der Gefahr zu erfassen, ließ sie sich sinken und öffnete erneut kurz die Augen, als sie den kalten Boden unter sich spürte. Dann hörte sie noch einmal sein Lachen, fühlte ihr warmes Blut am Hals entlang laufen und sah in sein blutverschmiertes Gesicht, bis Angst und Anspannung sie in Dunkel einhüllten.

 

Erneut berührte sie, zunächst nur leicht mit den Fingerspitzen, vorsichtig die Bisswunde am Hals und legte kurz darauf die flache Hand darüber. Das war alles nicht wahr, nicht wirklich geschehen und doch konnte sie das verkrustete Blut zwischen den Fingern spüren und den noch immer brennenden Schmerz fühlen. Wie sollte es nun weitergehen? Wie sollte sie jemals dieses Gefühl aus gleichzeitigem Rausch und Angst vergessen? Wie sollte sie ihn weiterhin hassen, wo sie sich plötzlich auf eine ihr bisher unvorstellbare Art so nahe waren und sie ihm ihr Leben verdankte? Was konnte sie tun, um das alles irgendwie zu verstehen?

 
Ende

 
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