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Sehnsucht

© by Beverly ()
 
Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an den Charakteren und den Ereignissen aus Echte Kerle. Diese Copyrights gehören Buena Vista und Touchstone. Ich beabsichtige in keiner Weise, diese Rechte zu beschneiden. Zwar besitze ich die Rechte an dieser Geschichte, habe aber keine Intentionen, durch sie materielle Vorteile zu erlangen.
Feedback: falls sich irgendjemand dazu hinreißen lassen könnte, wäre das ganz toll...
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Edgar Sänger lag wach. Obwohl es mitten in der Nacht war, konnte er nicht schlafen. Mike lag neben ihm und hatte sich wie immer dicht an ihn gekuschelt. Seit ihrer ersten gemeinsamen Nacht schien Mike ihn als eine Art übergroßen Teddybär zu betrachten. Aber damit kam Eddie klar. Heute Nacht allerdings fühlte er sich eingeengt.

Zum ersten Mal.

Sachte und vorsichtig, um den anderen Mann nicht zu wecken, befreite er sich aus der Umklammerung des schlafenden Polizisten und stand auf.

Von der Mitte des Zimmers aus betrachtete er seinen Liebhaber. Mike war eigentlich alles, was er sich jemals hätte wünschen können. Er war aufmerksam, liebevoll, leidenschaftlich...hatte er nicht sogar vor seinen Kollegen zu ihm gestanden? Etwas, das Chris NIE getan hätte...

...womit er beim Thema wäre.

Chris.

Seufzend schloss er die Augen und sah wieder sein Gesicht vor sich. Er hasste sich dafür, dass er sich nicht an ihre einzige, gemeinsam verbrachte Nacht erinnern konnte. So hätte er wenigstens etwas gehabt...aber so?

 

Leise schlich er ins Gästezimmer, in dem Chris all die Nächte geschlafen hatte. Außer in der Nacht, in der Iris da gewesen war. Er setzte sich aufs Bett und ließ sich dann zurück fallen. Wenn er die Augen schloss und tief Luft holte, konnte er sogar noch seinen Duft in den Kissen wahrnehmen. Ein Geräusch vom Fenster veranlasste ihn jedoch, die Augen wieder zu öffnen.

Eine rotgetigerte Katze stand im geöffneten Fenstern und schien mit einem leisen Maunzen um Einlass zu bitten. Eddie lächelte. Einladend klopfte er neben sich auf das Bett und elegant sprang die Katze vom Fenster auf den Boden und dann auf das Bett. Sanft kraulte er das Tier, das sich schnurrend neben ihm ausstreckte.

"Na, du bist ja ein Schmusekater."

Das Schnurren verstärkte sich und etwas wehmütig dachte Eddie, dass sich das Fell der Katze beinahe so weich und seidig anfühlte wie Chris' Haar.

Verdammt.

So lange war der Bulle doch gar nicht bei ihm gewesen. Wie hatte er es nur geschafft, sich so intensiv und dauerhaft in sein Herz zu stehlen?

Er wusste es nicht. Und wahrscheinlich würde er darauf nie eine Antwort bekommen. Die Katze hatte sich mittlerweile zusammen gerollt und schlief tief und fest, die Schwanzspitze über die Nase gelegt.

Langsam stand Eddie auf und ging zurück zu Mike. Dieser schlief immer noch friedlich. Er schien Eddies Abwesenheit gar nicht bemerkt zu haben.

Vorsichtig legte Eddie sich wieder neben ihn und hatte bereits wenige Sekunden später wieder seinen hauseigenen Bullen-Teddy in den Armen.

In Gedanken noch immer bei Chris und mit einem ziemlich schlechten Gewissen Mike gegenüber schloss Eddie die Augen und schlief wieder ein.

Und dass er von Chris träumte...dafür konnte er ja nichts.

Oder?

 

***
 

Er hatte Helen verlassen.

Na ja...zumindest für heute Nacht. Die Ereignisse mit Uschi hatten ihn vorsichtig werden lassen und so hatte er sich trotz Helens Beteuerungen, dass er doch bei ihr einziehen könne, eine eigene Wohnung gesucht.

Sinnigerweise (oder doch eher unsinnigerweise?) lag sie nicht weit weg von Eddies Wohnung.

 

Eddie.

Dies war nicht die erste Nacht, in denen der schwule Automechaniker durch seinen Kopf geisterte. Und erfahrungsgemäß würde es auch nicht die letzte sein.

Chris stand am Fenster und starrte den Mond an.

Vollmond.

Na toll. Und da sollte man schlafen können.

ER jedenfalls hatte bei Vollmond schon immer Einschlafschwierigkeiten gehabt. So lange er zurückdenken konnte, war er bei Vollmond stets ruhelos durch die Wohnung oder das Haus gegeistert.

Außer in der Zeit, in der er bei Eddie gewohnt hatte.

Verdammt.

Er seufzte.

Schon wieder Eddie. Immer schlich er sich irgendwie in seinen Kopf. In seine Gedanken.

In sein Herz.

 

Mit einem Stöhnen schlug Chris mit dem Kopf gegen den Fensterrahmen. Noch mal und noch mal. Warum bekam er den hochgewachsenen Mann nicht aus seinen Gedanken?

Er, Chris, war doch schließlich nicht schwul. Richtig? Richtig! Immerhin hatte er das bei und mit Helen eindrucksvoll bewiesen.

Mehrmals!

Dass er beim ersten Mal allerdings erst dann richtig hart geworden war, als er an den Tag dachte, als Eddie nackt zu ihm die Badewanne gestiegen war, das leugnete er sogar vor sich selbst.

Dass er sich jedoch auch beim nächsten Mal das Bild eines nackten Edgar in den Kopf rufen musste, um so richtig in Fahrt zu kommen, hatte ihn schon etwas nachdenklich gestimmt.

 

Nun tigerte er mitten in der Nacht ruhelos durch seine Wohnung und fragte sich, was eigentlich mit ihm los war.

EIGENTLICH war Helen doch alles, was er sich wünschen konnte. Richtig?

Richtig!

Sie verstand seine verrückten Arbeitszeiten, die Tatsache, dass er manchmal mitten in der Nacht weg musste, oder gar nicht erst nach Hause kam...

Und doch...

...doch hatte er manchmal das Gefühl, dass etwas fehlte.

Warum zum Teufel hatte Eddie sich nicht an ihre gemeinsame Nacht erinnern können? Wenn er nun gesagt hätte, dass es der absolute Wahnsinn gewesen sei, dass er, Chris, abgegangen sei wie eine Kanone und mindestens dreimal gekommen sei...vielleicht hätte er es sich dann noch mal überlegt und hätte sich und Eddie eine zweite Chance gegeben.

Doch jetzt?

Jetzt würde er den Rest seines Lebens damit verbringen, sich beim Sex mit Helen Eddie vorzustellen.

Und sich zu fragen, was hätte sein können, wenn er die gleiche Courage hätte aufbringen können wie Mike.

Mike, der jetzt seinen Eddie hatte.

Seinen Eddie?

Ja, irgendwie schon.

Mit einem Seufzer, der aus der tiefsten Tiefe seine Seele zu kommen schien, schlich sich Chris zurück ins Bett und dachte an die wenigen Male, die er neben Eddie aufgewacht war.

Manchmal fühlte er sich Helen gegenüber etwas schuldig. Immerhin betrog er sie in Gedanken mit Eddie.

Er schloss die Augen und driftete, trotz Vollmond, langsam wieder zurück in den Schlaf...und dass er ab und zu von Eddie träumte...dafür konnte er ja nichts.

Oder?

 
Ende

 
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