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The morning after© by Beverly ()
Er hätte gar nicht erst herkommen sollen. Er hasste Weihnachtsfeiern. Weihnachten. Pah! Als wenn er so ein Weihnachtstyp wäre. Chris nahm einen tiefen Schluck aus seiner Bierflasche und übersah geflissentlich Helens angesäuerten Blick. Wenn sie nachher nach Hause kamen, würde sie ihm wieder Vorhaltungen machen, weil er angeblich zu viel trank. Dabei war dies erst sein zweites Bier. In vier Stunden! Aus dem Augenwinkel schielte er zu Mike und Eddie hinüber. Die zwei schienen sich köstlich zu amüsieren und beide waren mittlerweile bei ihrem vierten Bier. In drei Stunden. Aber da sagte keiner was. Niemals würde es Mike einfallen, Eddie anzumotzen, nur weil er ein Bier trank. Bei Helen musste er immer auf einen Anschiss gefasst sein. Trotzig trank er seine Flasche aus und holte sich die nächste. Und als er sie öffnete, sah er Helen auf sich zusteuern. In ihrem Gesicht sah er schon die ersten Vorboten eines wirklichen Sturms. "Wenn deine Vorstellung von einer Weihnachtsfeier darin besteht, dich vollaufen zu lassen...bitte. Aber ich geh jetzt!" Sie drehte sich um und stolzierte hocherhobenen Hauptes aus der Tür. Bitte. Sollte sie doch. Er würde schon irgendwie nach Hause kommen. Allerdings rächte sich nun langsam die Tatsache, dass er seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte und es mittlerweile stark auf Mitternacht zuging. Als er sich umdrehte, spürte er für einen winzigkleinen Moment, dass er schwankte. Schnell hielt er sich fest, konzentrierte sich und steuerte dann strahlend auf Mike und Eddie zu. Die schienen doch unglaublich viel Spaß zu haben. Vielleicht konnte er sich bei den beiden einklinken.
Amüsiert - und zugleich ein klein wenig schuldbewusst, weil er dieses diebische Vergnügen daran empfand - beobachtete Eddie die kleine Szene zwischen Chris und Helen. So, so...Wolken im Paradies, huh? Bitte, ihm konnte es egal sein. Chris hätte ja ihn haben können. Wenn er sich stattdessen lieber mit einer Frau rumärgern wollte, so war das ganz allein seine eigene Schuld. Und wenn die Frau auch noch eine Kollegin war, dann saß Chris - sollte die Sache schief gehen - nicht nur knietief, sondern bis zum Hals in der Scheiße. Gerade trank Chris sein zweites Bier aus und holte sich ein drittes. Helen stellte sich vor ihn hin und sagte ihm etwas, leise aber anscheinend sehr deutlich. Chris reagierte, indem er einen großen Schluck aus seiner dritten Flasche nahm. Mit einem Gesichtsausdruck, der deutlich zeigte was sie von dieser Sache hielt, machte sie auf dem Absatz kehrt und stürmte hinaus. Für einen Moment starrte Chris ihr noch nach, dann nahm er noch einen Schluck. Neben ihm murmelte Mike plötzlich, "Auweia." Eddie drehte sich zu seinem Freund um. "Wieso auweia?" Mit dem Boden seiner Flasche zeigte Mike auf seinen Kollegen. "Chris hat seit heute morgen nichts gegessen. Mittag mussten wir ausfallen lassen, weil uns ein Fall dazwischen kam. Sein drittes Bier? Das wird ihm die Füße wegziehen. Er ist doch nichts mehr gewöhnt, seit er mit Helen zusammen ist, unser Chris." Mike schien Recht zu haben. Eben drehte der stehen gelassene Polizist sich um und stolperte beinahe. Er konnte sich gerade noch am Tisch festhalten. Mit soviel Würde wie er in seinem Zustand noch aufbringen konnte, kam Chris in einer leichten Schlangenlinie auf ihn zu. Mit einem Knall stellte er die Flasche auf den Stehtisch vor den zwei Männern und sah sie mit bierseligem Grinsen an. "Na, ihr sswei Turteltaub'n." lallte er. Und Mike schaffte es gerade noch, sein Lachen mit einem Schluck Bier zu stoppen. Eddie stupste ihn mit dem Ellenbogen an und bedeutete ihm, ruhig zu sein. Doch Chris schien es gar nicht zu bemerken. Er war damit beschäftigt, sein Bier in möglichst kurzer Zeit auszutrinken und sich Nachschub zu holen. Als Eddie etwas sagen wollte, spürte er plötzlich Mikes Hand auf seinem Bein. Er sah ihn an und war überrascht, als sein Liebhaber leicht den Kopf schüttelte. Mike beugte sich vor und flüsterte ihm ins Ohr, "Er hat morgen frei. Lass ihn. Ich glaub, er braucht das heute Abend." Mikes Atem kitzelte ihn im Ohr und unwillkürlich musste Eddie lächeln. Abrupt hob Chris den Kopf - mittlerweile schien er etwas Schwierigkeiten zu haben, den einen oder anderen direkt anzusehen. "Was?" brummelte er fragend, bevor er langsam und wenig elegant Richtung Boden sank. In letzter Sekunde bewahrten ihn die schnellen Reflexe seiner Freunde davor, auf dem Boden zu landen. Eine Kellnerin, die zufällig vorbei kam, grinste. "Na, euer Freund hätte wohl nicht die ganzen Kurzen trinken sollen, huh?" Überrascht sahen Eddie und Mike sie an. Ihr Grinsen wurde noch breiter. "Habt ihr wohl nicht mitgekriegt, wie? Er hat sie immer ganz heimlich getrunken. Ich denk, seine Süße sollte davon nichts mitkriegen." Sie zwinkerte Eddie noch einmal zu, dann ging sie weiter. Nun musste Eddie auch laut lachen. Irgendwie sah Chris aber auch zu süß aus, wie er so zwischen seinen Freunden hing. Ächzend und schnaufend bugsierten sie ihn zu Eddies Auto. Keuchend betrachteten sie schließlich den selig schnarchenden Polizisten. "Ich fahr heut Nacht zu mir, Ed," sagte Mike plötzlich. Eddie sah ihn überrascht an. "Was?" Mike zeigte mit dem Kinn auf seinen Kollegen. "Chris darf morgen ausschlafen und ich muss morgen wieder früh raus. Ich bin zu einer Observation mit Helen abgestellt. Könnte Chris bei dir schlafen heute nacht?" NEIN! Alles nur das nicht! schrie alles in Eddie. "Klar, logisch. Kein Problem," hörte er sich selber sagen. Mike lächelte ihn dankbar an, gab ihm noch einen raschen Kuss und verschwand dann in der Dunkelheit, leise vor sich hinpfeifend. "So, Bulle. Da wären wir also wieder da, wo wir angefangen haben, hm?" murmelte Eddie, während er sich anschnallte. Und überlegte schon, wie er Chris am besten bis in seine Wohnung hochkriegen sollte.
Dejá vu, dachte Chris, als er am nächsten morgen aufwachte. Seine Kopfschmerzen hielten sich überraschenderweise in Grenzen. Sein Magen revoltierte nicht, doch da, wo eigentlich die Erinnerungen von letzter Nacht sein sollten, war nichts weiter als ein großes Loch. Oh Scheiße...nicht schon wieder, dachte er. Das wurde ja langsam zur Gewohnheit. Vorsichtig öffnete er ein Auge. Und schloss es sofort wieder. Uh-uh...nein! Alles, nur das nicht. Bitte, bitte, bitte nicht. Er öffnete das Auge wieder...und stöhnte leise. Alles blieb so wie es war...er war tatsächlich schon wieder in Eddies Wohnung. Noch schlimmer...er war schon wieder in Eddies Bett. Und... "Mmmmorgen, Chris." ...nicht allein. Oh verdammt! Mit einem Schlag war er aus dem Bett und starrte auf einen splitterfasernackten Edgar Sänger. "Eddie...bitte sag mir, dass diesmal wenigstens DU dich daran erinnern kannst, was letzte Nacht passiert ist." Eddie stützte sich mit einem äußerst süffisanten Grinsen im Gesicht auf einem Ellenbogen auf und sagte...gar nichts. Irgendwie war das Antwort genug für Chris. Stöhnend sank er zu Boden und verbarg sein Gesicht in seinen Händen. Nach ein paar Sekunden spürte er eine Hand, die sachte sein Gelenk umschloss und seine Hand von seinem Gesicht wieder wegzog. Er hob den Kopf und sah genau in Eddies dunkle Augen. In diesem Moment fiel ihm auf, dass sie wunderschön waren. Der feingeschwungene Mund unter diesen ausdrucksvollen Augen lachte plötzlich. "Du hast es schon wieder vergessen, Chris?" Auch wenn er sich miserabel dabei fühlte, nickte er. Für einen Moment sah Eddie ihn prüfend an. Dann lächelte er. Und schließlich lachte er laut auf. "Gott, was für ein Bulle. Du solltest wirklich aufhören, so viel zu saufen, wenn du nichts verträgst. Aber noch mal ganz langsam zum Mitschreiben. Nein, es ist nichts passiert. Du bist ins Bett gefallen und hast vor heute morgen die Augen nicht mehr aufgemacht. Beruhigt?" Geistesabwesend und mit einem halben Lächeln nickte Chris. Eddie tätschelte ihm noch mal leicht die Wange, dann stand er auf und rief ihm noch über die Schulter zu, "Ich mach uns mal Kaffee, okay?" Und schon war Chris alleine. Ächzend stand er auf, sammelte seine Klamotten zusammen ,Warum hast du nackt geschlafen, wenn doch angeblich nichts passiert ist?' flüsterte eine kleine Stimme in seinem Kopf. Er setzte sich aufs Bett, um sich anzuziehen. Es war nichts passiert, das hatte Eddie ihm versichert. Unterhose...Jeans...Hemd...Socken... Socken. Wo zum Teufel waren seine Socken? Er ließ sich auf alle viere nieder und suchte den Boden ab und rutschte dabei Stück für Stück näher ans Bett. Plötzlich fiel sein Blick auf etwas, das ihn heftigst zusammenzucken ließ. ,Ach du Sch...' Er schloss die Augen für einen Moment und machte sie dann wieder auf. Doch der Gegenstand war immer noch da. Er kniff sich kurz, doch außer wahrscheinlich einem blauen Fleck brachte ihm das auch nichts. Langsam streckte er die Hand aus. Und wusste nicht, ob er schreien oder lachen sollte. Zwischen zwei Fingern baumelte ein Kondom. Ein BENUTZTES Kondom. Anscheinend hatte Eddie letzte Nacht nicht mehr geschafft, es zu entsorgen. Es war einfach nur zugeknotet und hastig unters Bett geschoben worden. So, so...es war also nichts passiert, hm? Eigentlich sollte er auf Eddie sauer sein. Und doch. Irgendwie konnte er das nicht. Plötzlich stieg ihm der Duft von Kaffee in die Nase und mit einem leichten Lächeln entsorgte er das Kondom ordnungsgemäß. Jetzt brauchte er erst mal einen Kaffee. Alles andere würde sich finden.
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