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LXVII

© by Clio ()
 
Disclaimer: Die Rechte der Filmreihe und Serie Highlander liegen bei Davis/Panzer/Anderson etc. Dies ist eine völlig unkommerzielle Fanfiction für Highlander-Fans. Auf dass sie sich alle brav "The Source" anschauen.
Vorbemerkung: Dank an Bloc Party für die Inspiration am Morgen, sozusagen. Und auch dem widerwilligen Beta sei hiermit gedankt. - Über Feedback würde ich mich sehr freuen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 
Wien um 1895, in den Arkaden der Staatsoper.

 

"Ich bitte Sie, Fräulein Margarete, es ist so ein herrlicher Abend... Die Oper war wundervoll. Und gestehen Sie sich ein, Sie sind ebenfalls noch ganz berauscht von all den Gefühlen. Es ist noch viel zu früh, um nach Hause zurückzukehren. Lassen Sie uns noch ein wenig die laue Nacht genießen. Bitte leisten Sie mir noch etwas Gesellschaft..."

Er redete, als ginge es um sein Leben - und irgendwie empfand er es auch so.

Dr. Adam Heilmann, junger, aufstrebender Arzt zu Gast in der Donaumetropole, in früheren Leben mit dem Namen Methos gerufen, half der jungen Frau auf den Stufen der Staatsoper die dünne Stola um ihre schmalen Schultern zurechtzurücken.

Er war eine angenehme Erscheinung: Ein junger Mann Anfang dreißig mit verheißungsvollen beruflichen Aussichten, dem die Mode und Frisur der Zeit sehr gut standen. Sein Blick blieb einen Moment in ihrem Nacken haften, wo sich einige kurze Strähnen aus ihrer Frisur gelöst hatten und sich verführerisch lockten. Er widerstand der Versuchung, mit dem Finger die Locke aufzudrehen.

Oh, dieses Mädchen roch so gut und ihr helles Lachen ließ sein Herz einige Takte schneller schlagen. Es verbrachte gern seine Zeit mit ihr. Sie machte ihn glücklich und er würde sie ebenso glücklich machen können. Und wenn der Abend so verlief, wie er es vorgesehen hatte, würde dieses Glück einige Jahre andauern.

 

Die Wangen der jungen Frau waren stark gerötet und ihren Augen war anzusehen, wie sehr sie die unglückliche Liebe der Protagonisten berührt hatte. Der Doktor hatte ihr einen wunderbaren Abend bereitet und sie vertraute ihm, dass er die Gelegenheit nicht ausnützen würde, sich ihr unziemlich zu nähern.

Also senkte sie den Blick und nickte. "Ich danke Ihnen für diesen Abend, Herr Doktor Heilmann. Gern leiste ich Ihnen noch etwas Gesellschaft."

Er verbeugte sich und küsste ihre Hand, dabei kitzelte sein Bart ihre zarte Haut und sie lächelte verlegen. Er gab seinem Kutscher einen Wink, damit er an einem anderen Platz auf sie warten würde.

 

Als die Pferde sich in Bewegung setzten und das vertraute Geräusch ihrer Hufe auf dem Pflaster immer leiser wurde, bot er ihr den Arm an und sie hakte sich artig unter. Plaudernd flanierten sie durch die schwach beleuchteten Straßen, begleitet von dem rhythmischen Takt, den sein Stock auf dem Boden schlug.

Ihre Unschuld inspirierte ihn. Erst scherzte er und ihr Lachen hallte durch die Gassen, dann begann er ihr unheimliche Geschichten und dunkle Geheimnisse der Stadt zu erzählen und sie erschauderte und fasste seinen Arm noch fester. Als ihm kein Umweg mehr einfiel, lenkte er ein und schlug wieder den Weg zu jenem Platz ein, an dem die Kutsche auf sie wartete. Margarete schmiegte sich an ihn und der Duft ihres Haares stieg in seine Nase. Er schloss für einen Moment die Augen und genoss den Augenblick. An seinem Arm lehnte das zarte Wesen, das ihn mit staunenden großen Augen ansah und gespannt seinen Geschichten lauschte.

Ihre weichen Lippen waren halb geöffnet und widersprachen ihm nicht. In einem kurzen Moment der Stille, fragte sie schließlich: "Wann reisen'S zurück nach Basel, Herr Doktor?"

Am Ende der schmalen Straße entdeckte er seine Kutsche.

"Schon bald, Fräulein Margarete." Der Doktor verlangsamte seine Schritte.

"Herr Doktor Heilmann?" fragte Margarete und sah ihn aus großen Augen an.

"Dort hinten wartet die Kutsche ... Aber ich... Nun..." begann er etwas stockend, schließlich sollte sie glauben, er habe diese Frage noch nie gestellt. Im zweiten Schritt ergriff er ihre Hand mit seinen beiden und beugte sich vor, um einen weiteren Kuss darauf zu hauchen.

"Fräulein Margarete..." setzte er erneut mit warmer, ruhiger Stimme an und sah ihr dabei tief in die weit geöffneten Augen.

Zu seiner Überraschung schlug ihm sein Herz nun tatsächlich bis zum Hals. Er genoss es, denn er fühlte sich lebendig wie nur selten. Er schwieg noch einen kunstvollen Augenblick, aber gerade in dem Moment, als er sich ihr erklären wollte, begann sich dieser unerträgliche, allzu bekannte Schmerz in seinem Kopf auszubreiten.

Seine Augen wurden schmal und innerlich fluchte er. Er drückte ihre Hände rasch und ließ sie dann los. Hektisch wand er den Kopf nach allen Seiten. Die Ecken und Nischen vor den Häuser waren zu dunkel. Er konnte nichts erkennen. Bewegte sich dort nicht gerade ein Schatten...?

 

"Herr Adam?!" Margarete war verwirrt und sein nicht zu deutendes Verhalten beängstigte sie zutiefst. Reflexartig griff sie nach seinem Arm und hielt sich daran fest. "Ist dort jemand?"

"Ich weiß es nicht", zischte er knapp.

Der dumpfe Schmerz in seinem Hinterkopf stieg stetig an. Gleichzeitig begann ein einziges Wort in seinem Kopf zu hämmern, wurde immer lauter, verdrängte all seine Gedanken: LAUF! LAUF!

"Fräulein Margarete. Bitte verzeihen Sie mir, dass ich Sie in diese Situation manövriert habe. Dort am Ende der Straße wartet bereits der Kutscher."

Er war sich sicher, eine Gestalt in der abzweigenden Gasse zu ihrer linken entdeckt zu haben. Eiligen Schrittes zerrte er Margarete schon fast etwas unsanft die Gasse entlang; der rettenden Kutsche entgegen. Die hellen Lichter des Platzes hatten sie fast erreicht, als ihn ein weiteres Mal der dumpfe Schmerz ereilte.

Er kam so plötzlich, dass er fast stolperte und sich nur gerade noch im richtigen Moment mit seinem Stock abstützen und den Sturz abwenden konnte. Methos konnte die Situation nicht recht einordnen. Womöglich waren Margarete und er zufällig in die Zusammenkunft zweier Unsterblicher geraten und man wartete nun ab, bis sie die Duellzone verlassen hatten. Reflexartig drehte er den Kopf zurück in Richtung der Gasse.

Eng an den Häusern drückte sich langsam und stolpernd eine Frau in einem hell schimmernden Kleid entlang. Sie wirkte wie benommen und hob noch nicht einmal den Kopf, um ihn anzusehen. Es schien sie nicht sonderlich zu überraschen, weitere Mitglieder ihrer Art hier anzutreffen. Das Licht des rettenden Platzes erhellte sein Gesicht und er entdeckte am anderen Ende die wartende Kutsche. Er hob die Hand und der Kutscher setzte sein Gefährt in Bewegung. Als sie vor ihnen hielt, half Methos Margarete hinauf. Vor Verwunderung zog sie ihre schöne Stirn kraus, als er ihr erklärte, dass der Kutscher sie sicher nach Hause bringen würde, aber er selbst sie nicht begleiten könnte. Mehr sagte er nicht, küsste ihre Hand, verneigte sich und schloss die Tür der Kutsche. Er glaubte, das Laster der Neugier bereits vor Jahrhunderten abgelegt zu haben, aber nun hatte sie ihn wieder gepackt und ließ ihn nicht aus ihren Fängen. Wie von einem Zwang geleitet, zog es ihn zurück. "LAUF!" pochte es zwar weiterhin in seinem Kopf, aber er vermochte es zu überhören.

 

Das Dunkel der Gasse nahm ihn auf. Seine Augen benötigten einen Moment, bis sie sich an die gegebenen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Obgleich sich in seinem Kopf erneut der altbekannte Schmerz ankündigte, ging er festen Schrittes voran. Schon bald entdeckte er eine schemenhafte Gestalt, die ihm entgegen eilte. Kurz zuvor war sie aus einem Keller gestiegen, aber bevor er ihm nahe genug für einen Blick ins Gesicht kam, wechselte jener die Straßenseite. Er passierte Methos ohne eine Geste oder Wort an ihn zu richten Methos kam nicht umhin, sich zu fragen, ob er etwas versäumt hatte? War die Jagd nach den Köpfen etwa vorüber? - Seine Jahrtausende währende Erfahrung ließ ihn daran zweifeln. Es musste eine andere Erklärung dafür geben.

Als er vor dem Haus stand, dessen Kellertreppen der Unbekannte gerade erklommen hatte, warf er einen Blick hinunter. Das kleine Fenster der Tür war von einem dunklen Vorhang verdeckt, aber an den Seiten schimmerte Licht hindurch. Bevor er es sich noch anders überlegen konnte, ging er die wenigen Stufen hinab. Und sofort spürte er abermals diesen Schmerz. Er wandte den Kopf nach oben, aber er hörte keine Schritte. Stattdessen öffnete sich die Tür. "Kommen'S schnell, der Herr!"

Dahinter wartete ein attraktiver junger Mann in dunkelgrünem Seidenanzug. Scheinbar jung, denn Methos identifizierte ihn als Auslöser seines Kopfschmerzes.

Methos nahm seinen Hut zu seinem Stock in die rechte Hand und trat ein.

"Sie können hier ablegen," meinte der Portier gelangweilt und deutete auf die Theke der Garderobe. Ein paar Hüte lagen dort im Regal und daneben auch ein paar Schwerter. Methos stutzte.

"Dieses Gebäude steht auf den Grundmauern eines alten Klosters... Heiliger Boden. Sie haben nichts zu befürchten", leierte der Portier wohl zum hundertsten Mal seinen Spruch herunter. Methos reichte ihm Stock und Hut. Mehr wollte er nicht entbehren, denn es war kalt. Eiskalt. Dort oben hatte er Margarete durch eine laue Frühlingsnacht geleitet und hier herrschten Temperaturen wie in der Leichenhalle des Institutes.

"Wenn'S mir bitte folgen wollen..." Der Portier schob einen schweren Brokatvorhang zu Seite und ging voran. Zunächst führte er Methos durch einen langen, schmalen Gang mit roh belassenen Steinwänden, in deren ausgeschlagenen Nischen Kerzen brannten. Ihrer beider Silhouetten warfen fratzenartige Schatten auf die unverputzten Wände. Nach einigen dutzend Metern endete der Gang und der bekannte Schmerz meldete sich pochend in seinem Kopf zurück. Der Portier blieb stehen und deutete auf eine Holztür zur Rechten. "Es liegt alles bereit, der Herr. Wenn'S etwas benötigen, wenden'S sich bitt'schön an Marietheres." Der Portier vermied, ihm in die Augen zu sehen und streckte lediglich die geöffnete Hand aus. Methos griff in die Innenseite seines Gehrocks und drückte ihm schließlich ein paar Geldscheine höheren Wertes in die Hand. Dies schien ihm zu genügen, also verbeugte er sich kurz, und öffnete in einem Schwung die schwere Tür, um Methos einzulassen.

Sofort verstand dieser, weshalb der Portier ihn lediglich bis zur Schwelle geführt hatte.

Beim Eintreten schlug ihm umgehend der widerwärtige säuerliche Gestank von Erbrochenem entgegen. Er unterdrückte geübt den Würgereflex und hielt sich ein Taschentuch vor die Nase. Es roch nach Lavendel... Es war das Tuch, das Margarete ihm vor wenigen Tagen beim Abschied gegeben hatte.

Drinnen empfing ihn Marietheres, ein dünnes Mädchen mit dunklen Schatten unter den braunen Augen. Eine Sterbliche. Schweigend geleitete sie ihn zu einem Sessel.

Er war nicht allein in dem großen, schwach beleuchteten Raum mit niedriger Decke. An den einfachen Tischen, in den Sesseln und auf den Récamieren saßen oder lagen weitere Unsterbliche. In sich versunken, abwesend. Sie beachteten die anderen gar nicht. Er fühlte sich an die Opiumhöhlen erinnert, die er aus Shanghai und London kannte, nur war es nicht die Lethargie und Gleichgültigkeit, die die Mienen verschleierte. Hier war es etwas Anderes, Niederschmetternderes und schaudernd erkannte er, was sie taten...

An einem der Tische saß die junge Frau, die ihm bereits auf der Straße begegnet war. Eine Kerze beleuchtete ihr Gesicht. Ihr dunkles Haar war in modischer Weise hochgesteckt und glänzte wie poliertes Ebenholz im Schein der Kerze. Das zweifellos teure Seidenkleid umhüllte ihren Hals. Ihr Blick war leer und ging durch alles hindurch. Auf dem Teller vor ihr glitzerten kristallene Glasscherben, die sie sich in den Mund schob, als seien sie vom teuersten Confiseriemeisters Wiens kandierte Rosenblüten. Sie kaute langsam und nach einer Weile schluckte sie. Blutiger Schaum quoll zwischen ihren Lippen hervor. Sie griff sich an die Brust, hustete einige Minuten, dann heiser, erbrach glitzernden roten Schleim, fiel nach weiteren Krämpfen schließlich vornüber auf die schwere Holzplatte des Tisches und hauchte ihr Leben aus.

Niemanden in diesem düsterem Raum schien sich daran zu stören. Auch Methos hatte die Szene lediglich mit ihn in Starre haltender Fassungslosigkeit beobachtet.

In einem Ohrensessel neben ihm saß ein vornehm gekleideter Herr mit gepflegtem Oberlippenbart. Er ließ sich von Marietheres sein Glas auffüllen. Dann wandte er sich Methos zu, lächelte und prostete ihm zu, bevor er in einem Zug das Glas leerte.

Mit müder Bewegung stellte er das Glas zurück auf den Beistelltisch, dann sank sein Arm neben die Lehne. Kurz darauf erschütterte ein Husten seinen Oberkörper, dass sich zum atemlosen Keuchen steigerte, um ihn aus dem Sessel auf die Knie zu werfen, wo er auf den ausgedünnten Teppich spie. Er schnappte nach Luft wie ein Fisch auf den Trockenen. Aber vergebens. In Schüben warf es ihn mit letzter Kraft weiter nieder bis er auf dem Boden lag und klares Blut aus seinen Mundwinkeln auf das dunkelrote Heratimuster floss. Langsam verebbte seine Atmung und der Tod erlöste ihn von seinen Qualen. Marietheres stand nun mit ausdruckloser Miene und der halb gefüllten Karaffe zu Methos' Linken. "Soll ich Ihnen eingießen, der Herr?" fragte sie mit heller Stimme, die ihre Jugend verriet. Er nickte stumm und sie füllte ein Glas.

Inzwischen war die junge Dame zu neuem Leben erwacht und orderte mit belegter Stimme ein weiteres "Dessert". Marietheres machte einen kleinen Knicks und verließ den Raum.

Methos führte das Glas mit der trüben Flüssigkeit an seine Nase. - Er kannte den Geruch nur zu gut. Conium maculatum. Ein guter Freund damals in Athen musste sich auf diese Weise das Leben nehmen. Ein grausamer Tod, der schleichend die Gliedmaßen lähmte bis das Atmen nicht mehr möglich war und man bei vollem Bewusstsein erstickte. Er stellte das Glas so hastig zurück auf den Beistelltisch, dass die darin befindliche Flüssigkeit über den Rand schwappte. Dabei benetzte sie seine Hand, die er zurückzog, als sei hätte kochendes Wasser sie verbrüht. Er spürte die treibende Panik in sein Bewusstsein zurückkehren. LAUF!

Methos erschrak, als Marietheres mit einem Tuch die Tropfen von seiner Haut tupfen wollte. "Danke. Aber lassen'S bitte." Die damit verbundene abwehrende Geste veranlasste Marietheres sich wieder einem anderen Gast zu widmen.

Er stieß sich aus dem Polster hoch und richtete sich auf. LAUF! Die Panik wich Ekel und Abscheu. Er spürte den mühsam unterdrückten Brechreiz sich den Weg zurück in seinen Rachen bahnen. Methos ließ einen letzten Blick über die armseligen Seelen in ihrem dunklen Verließ gleiten, bevor er den Weg zum Ausgang wählte. Er drückte Marietheres ein paar Scheine in die kleine Hand und ließ den Alptraum hinter sich. Seine Schritte wurden schneller als er den Gang entlang eilte. Sein Kopf dröhnte, als er den schweren Vorhang zur Seite schob. Der Portier gab ihm Stock und Hut und schloss die Tür hinter ihm, da Methos bereits die Stufen erklommen hatte und die schmale Straße entlang lief. Lief und lief. An seinem verwunderten Kutscher vorbei durch Wiens Gassen, Straßen und Boulevards bis er Margaretes Elternhaus erreicht hatte.

 

Keuchend hielt er vor der Villa einen Moment inne. Mit dem seidenen Einstecktuch wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Auf den Stock gestützt tat er einige tiefe Atemzüge, bevor er den Rücken streckte und die Eingangstür ansteuerte. Bereits nach einmaligem Läuten und einem kurzen Moment öffnete ihm das verschlafen dreinblickende Hausmädchen die Tür.

"Ich muss die Herrschaften sprechen." Ihrer abwehrend gekräuselten Stirn entgegentretend fügte er mit fester Stimme "Es pressiert!" an. Sie öffnete die Tür einen weiteren Spalt und er drängte sich in die Eingangshalle. Im ersten Stock am Treppengeländer erkannte er den Herrn Kommerzialrat, Margaretes Vater. Er trug einen Morgenrock und auch der Zustand seiner Frisur und des Bartes verrieten, dass er aus dem Schlaf gerissen worden war. "Herr Doktor Heilmann!" rief er nun. "Haben'S keine Uhr? Wissen'S nicht, wie spät es ist?!

Methos verbeugte sich tief und hielt den Hut an die Brust. "Verzeihen Sie bitte vielmals, Herr Kommerzialrat. Aber diese Angelegenheit erlaubte keinen Aufschub." Er räuspert sich und kehrt zur aufrechten Position zurück. "Herr Kommerzialrat, erlauben Sie mir bitte, Ihr Fräulein Tochter zu sprechen."

"Mit welcher Absicht, Herr Doktor", fragte der Kommerzialrat in strengem Ton.

"In ehrenhafter Absicht..." Er streckte die Schultern. "... das versichere ich Ihnen."

Der Herr Kommerzialrat schien den jungen Arzt für eine ausreichend gute Partie zu halten, denn er wandte sich um zu seiner sich im Halbdunkel des Flurs verborgenen haltenden Ehefrau mit der Bitte, die Tochter zu wecken. Sie hätte einen Gast.

Das Hausmädchen wurde angehalten, dem späten Besuch Stock und Hut abzunehmen und einen Platz anzubieten.

Methos setzte sich. Seine Wangen waren noch vom Lauf gerötet. Er spürte sein Herz schnell schlagen und den Puls an seinem Hals pochen, hörte das Blut in seinen Ohren rauschen. Selten fühlte er sich lebendiger. Und es war jedes Mal die Mühen wert.

 

Wie ein Engel erschien ihm Margarete, als sie in weißem Morgenrock im Schein der flimmernden Lampen die Treppe hinabstieg. Sie presste die Lippen aufeinander, senkte den Blick verlegen. Er stand auf und ging auf sie zu.

"Herr Doktor Heilmann..." flüsterte sie.

Er griff nach Ihren Händen und küsste sie. "Ich habe eine Bitte, Fräulein Margarete..." Er ging vor ihr auf die Knie. Auf der Empore schob sich die Mutter näher an den Vater. Ihre Augen schimmerten feucht.

Margarete lächelte verlegen, aber hielt seinem Blick stand. Ihre Wangen glühten und ihre Lippen glänzten. "Bitte werden Sie meine Frau."

 
Ende

 
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