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Ein 'gemütlicher' Abend

© by Kathrin (Little Shakespeare) ()

 

Disclaimer: Rechte: wie immer und ohne Frage Joss Whedon
Kommentar: Ich habe mir ein bisschen ausgemalt, wie so ein Babysitterabend zwischen Giles und Dawn aussehen könnte, das fand ich einfach zu witzig.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Buffy-Sektion

 
Szenenausschnitt aus "Auf Liebe programmiert"

 

Giles: "Lieber Gott, Buffy, manches ist auch für mich zu hart. Wir sollten wohl mal das System ein wenig ändern. Eine Vierzehnjährige ist zu alt für einen Babysitter, und es ist auch nicht fair ihr gegenüber."

Buffy nickt und grinst. "Was hat sie Sie machen lassen?"

Giles: "-hm, tja, wir haben uns übertrieben fröhliche Musik angehört, gesungen von Leuten, die man für ihre tänzerischen Fähigkeiten ausgesucht hat... dann haben wir Keksteig gegessen und über Jungs geredet..."

 


 

 
Ein "gemütlicher" Abend

 

Giles verließ mit gemischten Gefühlen die Magic Box. Der Umsatz des Tages war gut und die abendliche Abrechnung verlief ohne Anya weitaus stressfreier als normal. Immerhin blieb ihm das Gefühl erspart, dass ihm beim Geldzählen ständig jemand auf die Finger schaute und altkluge Kommentare von sich gab. Schon alleine deswegen hatte er sofort zugestimmt als ihn Anya bat, wegen einer Frühlingsparty, wo sie alle hinwollten, früher gehen zu dürfen. Jetzt hatte er eigentlich endlich wohlverdienten Feierabend und würde sich normalerweise auf einen ruhigen, gemütlichen Abend daheim freuen, aber er hatte es Buffy nun einmal versprochen. Es war ihm zwar nicht ganz klar, warum ein vierzehnjähriges Mädchen wie Dawn unbedingt noch einen Babysitter brauchte, aber in Anbetracht der ständig drohenden Gefahr durch Glory und Dawns schwankendem Gemütszustand, war es wohl wirklich besser, das Mädchen nicht allein zu lassen. Außerdem hatten Buffy und Joyce sich wirklich einmal eine Auszeit verdient und er wäre der letzte, der ihnen dafür Steine in den Weg legen würde, auch wenn er sich ehrlich gesagt nichts Schlimmeres als "Babysitten" an diesem Abend vorstellen konnte.

 

Babysitten... alleine schon dieses Wort bereitete ihm eine Gänsehaut. Bis vor einiger Zeit waren sie immerhin noch alle in dem Glauben gewesen Dawn sei wirklich Buffys Schwester und die damit verbundenen Erinnerungen real, aber jetzt, seit der Erkenntnis, dass man das Mädchen Buffy als Schlüssel anvertraut hatte, stellte das natürlich alles auf den Kopf. Es war nur eigenartig, denn obwohl sie nun die Wahrheit kannten, waren die Erinnerungen an vergangene Jahren geblieben. Oh, und wie sie in seinem Kopf hafteten. Nur allzu gut erinnerte Giles sich an das quengelnde, kleine zehnjährige Mädchen was ständig neugierig hinter ihrer großen Schwester herschnüffelte und ihnen nicht nur einmal beim Training im Wege stand. Es war ihm zu Beginn als Wächter von Buffy schon nicht leicht gefallen, mit den Wünschen und Bedürfnissen eines sechzehnjährigen Teenagers klarzukommen, dafür stand ihm unweigerlich immer wieder seine steife, britische Erziehung im Weg, aber doch konnte er im nachhinein von sich behaupten, es irgendwie zu meistern, was ihm jetzt bei Dawn allerdings weniger leicht fiel. Sie war eben nicht Buffy, sie war nicht die Jägerin und ein völlig anderer dickköpfiger Charakter, der obendrein eigentlich bis vor kurzem gar nicht real war. Aber was half es? Schließlich war er schon mit weitaus schlimmeren Situationen fertig geworden und da würde ihn solch ein Abend mit einem frechen, pubertierenden Teenager nicht umbringen, redete Giles sich zumindest aufbauend ein.

 

Nachdem er sich noch einige Minuten Ruhe daheim gönnte, sich umzog und vorsichtshalber zur Abendgestaltung ein paar althergebrachte Spiele, die auch er wenigstens noch beherrschte einpackte, machte er sich auf den Weg zum Haus der Summers. Es war kurz vor sieben Uhr, als Joyce ihm leicht aufgeregt die Tür öffnete und mit einem erleichterten Seufzer gleich wieder stehen ließ. "Ach, Sie sind es Rupert. Ich dachte schon meine Verabredung und ich bin noch nicht einmal richtig frisiert."

"Mam...du siehst gut aus", hörte Giles Dawns Stimme zwischen lauter Discomusik aus dem Wohnzimmer dringen. Während er die Tür hinter sich schloss und er Joyce das gleiche sagen wollte, tauchte Buffy hinter ihm auf. Lächelnd begrüßte sie ihn und rief gleichzeitig befehlend ins Wohnzimmer. "Verdammt noch mal Dawn, du sollst den Fernseher leiser drehen! Man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr."

'Wie wahr', stimmte Giles Buffy stumm nickend zu und hoffte, dass sich das Mädchen daran hielt. Falls nicht? Nun ja, dann konnte und würde der Abend sicherlich heiter werden. Als Giles selbst bemerkte noch etwas unschlüssig an der Tür zu stehen, schob ihn Buffy schon weiter. "Keine Bange, Dawn beißt nicht. Ich hab' sie vorhin ins Gebet genommen, sich heute Abend auch ja anständig zu benehmen."

"Ich...uhm...nein...i-ich bin doch nicht....", versuchte Giles seine unübersehbare Unschlüssigkeit zu überspielen und hielt den mitgebrachten Beutel hoch. "...also ich bin sogar vorbereitet. Es wird bestimmt ein netter Abend."

"Mit Halma und Mensch-ärgere-dich-nicht?", fragte Dawn die Augen verdrehend. Bäh, langweiliger konnte der Abend mit Sicherheit nicht werden. Ihre Mam ging zu einem Date und Buffy zu einer Frühlingsparty. Und sie? Sie musste wie ein Baby mit Giles als Aufpasser brav daheim hocken bleiben. Die Welt war schon ungerecht und vor allem zu ihr! Womit hatte sie das nur verdient? Die Tatsache irgendein dämlicher Schlüssel zu sein brachte einem aber auch absolut keinen einzigen Vorteil, nur Nachteile und die nicht zu knapp. Im Hintergrund spielte gerade eine Boygroup und Dawn war schon drauf und dran nach der Fernbedienung zu greifen, als sie schon wieder Buffys strafenden Blick sah. "Ach Mann... schon gut, ich begnüge mich mit dieser Lautstärke. Als ob du niemals laute Musik gehört hättest?" Dann ließ sie sich schmollend auf die Couch fallen und ignorierte alle um sich herum.

Giles hob vielsagend die Augenbrauen in Buffys Richtung und schmunzelte, als sie mit einem 'Ja-ja-ich-weiß-Blick' abwinkte. Sie erinnerte sich nur zu gut an ihre kleinen Dispute, wenn sie früher mit dem Kassettenrekorder in der Bibliothek zum Training erschienen war und Giles das Ganze nur mit Ohrstöpseln ertragen hatte. Mit einem kurzen Blick zu Dawn und wieder zurück zu Giles sah Buffy ihn entschuldigend an. "Ich weiß, es ist viel verlangt, Sie nach einem stressigen Arbeitstag mit Anya jetzt auch noch auf Dawn loszulassen und...", Buffy verzog leicht verlegen die Mundwinkel "...auch ich ausgerechnet heute auf diese Party gehe..."

Schmunzelnd schüttelte Giles den Kopf und strich ihr sanft über den Arm. "Nein schon gut, mach' dir darüber keine Gedanken. Ich bin gerne gekommen, wirklich. Und...uhm, außerdem haben du und deine Mam sich ein bisschen Abwechslung verdient. Und nun ja, wer weiß...", Giles' Schmunzeln verwandelte sich in ein schelmisches Grinsen. "...was dir der Abend vielleicht für nette Bekanntschaften bringt."

Giles' letzte Bemerkung quittierte Buffy nur mit einem 'Wir-werden-sehen' Schulterzucken, während sie die Treppe hinauf schielte, wo ihre Mam sicherlich bald fertig angezogen erscheinen würde. "Ja, sie hat es sich wirklich verdient. Und, oh Giles, Sie hätten sie heute sehen sollen. Sie war den ganzen Tag aufgedreht wie ein Teenager. So habe ich sie lange nicht erlebt..."

'Nun ja, warum sollten Erwachsenen nicht die gleichen Rechte auf überschwengliche Gefühle und kribbelige Aufgeregtheit haben wie junge Leute?', waren Giles' Gedanken als er Buffy mit einem "Ja ich freu' mich auch für sie" antwortete und Joyce auf der Treppe erscheinen sah.

"Nun, wie sehe ich aus?", fragte sie schon auf der obersten Stufe und kam eilig herunter als es plötzlich an der Tür klopfte.

"Umwerfend!", kam es fast gleichzeitig aus Giles und Buffys Mund, während Giles schnell im Wohnzimmer verschwand und Buffy ihrer Mutter den Vortritt ließ, die Tür zu öffnen.

 

Ganz Kavalier mit einem Blumenstrauß, stand ein Mann mit Schnurrbart, mittleren Alters davor. Sichtlich etwas aufgeregt nahm Joyce die Blumen entgegen und wollte ihn kurz herein bitten, doch er gab zu verstehen, lieber draußen auf sie zu warten. Anerkennend lächelte Buffy ihrer Mutter zu und nahm ihr die Blumen ab. "Nun geh' schon und macht euch einen schönen Abend."

Mit einem "Ja, und vergiss nicht, du siehst todschick aus!" stürzte Dawn aus dem Wohnzimmer und verabschiedete ihre Mutter. Als dann auch Buffy ging, fiel ihre Verabschiedung allerdings weniger herzlich aus, denn sie war immer noch stinkig, weil sie nicht mit durfte.

 

Nun allein miteinander ließ sich Dawn mit verschränkten Armen in einem Sessel gegenüber Giles nieder. Irgendwie wusste sie nicht so recht, was sie mit dem alten Mann den ganzen Abend über anfangen sollte. Wenn Anya und Xander auf sie aufpassten, war es ja immer ganz witzig und nie langweilig, aber mit Giles? Über was sollte sie sich schon mit ihm unterhalten? Selbst Buffy stöhnte manchmal über seine altmodischen Ansichten. "Haben Sie schon Abendbrot gegessen? Wir könnten uns Pizza bestellen?", fragte sie vorsichtig und mit dem Hintergedanken, billig zu ihrer Lieblingspizza zu kommen.

"Nun ja...", begann Giles und bemerkte sehr wohl Dawns herausfordernde Haltung. "...ich habe schon gegessen, aber wenn du gerne möchtest?"

 

So richtigen Hunger hatte sie eigentlich gar nicht. Daher überlegte sie es sich kurzerhand anders und holte aus dem Schrank einen großen Beutel Cracker. Dann widmete sie sich kurz noch einmal dem Fernseher und suchte einen anderen Musiksender, bevor sie sich zu Giles auf die Couch gesellte. "Ich nehme an, Sie hätten heute sicherlich auch was Besseres vorgehabt, als auf mich aufzupassen?", stichelte sie ein wenig und zog aber gleichzeitig neugierig Giles' mitgebrachten Beutel zu sich heran.

"Nein", antwortete Giles knapp und beäugte skeptisch die, für seine Begriffe nur nach wilder Musik herumspringenden Jugendlichen im Fernsehen, als Dawn ihm ein Damebrett unter die Nase hielt. "Das ist zwar kein Entschädigung für eine verpasste Frühlingsparty, aber Sie schulden mir noch eine Revanche vom letzten Mal."

"Ah ja, tue ich das?", fragte Giles etwas verblüfft, griff aber gleichzeitig nach dem Brett und breitete es auf dem Tisch aus. Dawn schaffte es tatsächlich hin und wieder ihn zu verblüffen. Obwohl er die Spiele mitbrachte, hätte er viel eher mit weiterem Nasenrümpfen gerechnet, nur nicht mit einem freiwilligen Partie.

Den Mund voller Cracker setzte Dawn den ersten Stein. "Hmm, sagen Sie mal Giles, meinen Sie auch, dass ich noch zu jung bin, um zu Partys zu gehen? Wie soll ich denn jemals einen netten Jungen kennenlernen, wenn ich nur hier herum hänge? Ich habe keine Lust letztendlich wie Buffy zu enden."

Oh! Giles sah von seinen Steinen auf und schielte über die Brille zu dem Mädchen. Was bitte sollte er darauf antworten? Diesbezüglich war er immerhin alles andere als Experte und er wußte, wo es hinführen würde, wenn er sich auf das Gespräch einließ. Nur mit dem Problem, dass er schon mitten in diesem Gespräch steckte. "Ich...uhm... nun ja glaub' mir, du hast bisher ganz bestimmt noch nichts verpasst", versuchte Giles es auf die diplomatische Art, wobei er genau wußte, dass solche Worte mit Sicherheit bei dem Mädchen auf wenig Verständnis stießen. Wie auch, wo er früher in ihrem Alter diese Aussage ebenfalls nicht für voll genommen hätte, ganz im Gegenteil. Dafür war das Gefühl und die Neugier etwas zu verpassen viel zu übermächtig gewesen. Nur das konnte er dem jungen Mädchen schlecht sagen und erst recht nicht erklären.

Dawn verzog die Mundwinkel. Typisch Erwachsene. Kluge Sprüche ablassen konnten sie, aber verstehen taten sie einen nicht, so als ob sie nie selber jung gewesen sind. "Ach ja, woher wollen Sie das denn wissen?", fuhr Dawn ihn enttäuscht an und sicherte sich gleichzeitig mit einem geschickten Zug die erste Dame.

'Weil ich auch einmal jung war', hätte Giles beinahe erwidert, biss sich jedoch auf die Lippe und entdeckte, dass Dawn ziemlich unter seinen Steinen wütete. Oh, da musste er sich aber schnellstens was einfallen lassen, wenn er sich nicht von ihr in die Tasche stecken lassen wollte. Mit einem raffiniertem Zug trickste er das Mädchen aus und sicherte sich ebenfalls eine Dame.

"Das war gemein", schmollte Dawn und warf die Haare im Nacken zurück, als im Fernsehen plötzlich ein peppiges Video lief und sie ins Schwärmen geriet. Schlagartig war das Thema Jungs wieder auf dem Tisch. "Stimmt es eigentlich, dass Willows Freund von der Highschool auch Musiker war? Werwolf und Gitarrist oder so ähnlich? Ich hab' mal ein Bild von ihm gesehen. Der war ja richtig niedlich", bemerkte sie.

Oz und niedlich? Nun, dazu konnte er nichts erwidern. Giles erinnerte sich viel mehr daran, dass der schweigsame Junge des öfteren wie ein Chamäleon die Haarfarbe wechselte, von der Verwandlung zum Werwolf zu jedem Vollmond einmal ganz abgesehen. "Uhm...ja, soweit ich mich entsinne, spielte Oz in einer Band." 'Er war ein netter Junge', ergänzte Giles den Satz im Gedanken für sich, und versuchte gleichzeitig, damit das Thema zu beenden. Doch das klappte nicht ganz, weil Dawn das Thema für sich viel zu interessant fand.

"Wow... solch einen Freund würde man Willow gar nicht zutrauen. Hm, komisch dass sie ihn nicht behalten hat. Das ist doch total cool, einen Freund zu haben, der bei einer Band spielt und berühmt ist."

'Berühmt', ah ja. Giles zog verständnislos die Stirn in Falten. Beim besten Willen sollte mal einer die Wünsche und Sehnsüchte eines Teenagers verstehen. Jetzt tat er sich im Augenblick zumindest verdammt schwer damit, auch wenn er früher selbst einmal mit einer Gitarre auf der Bühne gestanden hatte und eigentlich wissen sollte, was sie damit meinte. Ein enttäuschter Seufzer von Dawn ließ Giles verwundert aufblicken.

"Pfff...aber ich werde wohl niemals irgend jemand interessantes treffen. Wie denn, wenn man mich hier festhält und ich nirgends wohin darf. Auf der Frühlingsparty sind bestimmt jede Menge tolle Jungs. Xander ist ganz bestimmt dort. Spike sicherlich auch und vielleicht sogar Ben. Und ich...? Ich hocke hier mit Ihnen und spiele Dame wie eine alte Frau."

Hüstelnd hob Giles eine Augenbraue. Danke, wenn Dawn sich in seiner Gegenwart wie eine alte Frau fühlte, dann wollte er lieber nicht wissen, was sie in ihm sah.

Wahrscheinlich einen nervigen Greis, der ihr den Abend versaute. Und wie durfte er die Bezeichnung 'tolle Jungs' verstehen? Die junge Dame meinte doch wohl nicht etwa Xander und Spike, beziehungsweise wer war Ben? "Dawn", versuchte Giles es noch einmal diplomatisch, aufbauend. "Mädchen, du wirst ganz bestimmt noch jede Menge netter, junger Männer kennenlernen. Wegen dieser einen Party, wo du nicht dabei sein kannst, wird nicht gleich die Welt untergehen."

Die Mundwinkel verziehend, verdrehte Dawn die Augen und griff nach ein paar Crackern. "Das sagen gerade Sie, wo Sie doch selber wissen, wie schnell hier am Höllenschlund die Welt untergehen kann. Aber bevor das passiert, will ich wenigstens noch was erleben. Ist das denn so schlimm?"

"Nein, ganz sicher nicht", erwiderte Giles mit einem sanften Lächeln und wagte sich versuchshalber auch einmal an diesen komisch aussehenden Chips. Es war schon verführerisch, wenn so etwas auf dem Tisch lag und man lieber den Mund voll hatte, als womöglich das falsche zu sagen.

"Sehen Sie, da geben Sie mir also doch recht", stellte Dawn mit einem siegessicheren Lächeln fest und musterte Giles aufmerksam. So schlimm war er eigentlich gar nicht, auch wenn er schon ein bisschen eingestaubt war. Im Grunde war er ein netter Mann, den man lieb haben konnte. Daher fragte sie dann auch plötzlich ganz beiläufig, nebenbei eine weitere Dame einheimsend und unschuldig schauend: "Und warum haben Sie eigentlich keine Frau oder Freundin? Ich meine, sogar meine Mam hat heute ein Date, aber Sie...? So hässlich sind Sie doch gar nicht. Sogar Spike findet immer wieder eine Gespielin... Na gut, auch wenn er momentan gerade voll auf meine Schwester abfährt."

Total perplex über Dawns plötzliche Frage und Aussage konnte Giles nicht verhindern, dass er sich vor lauter Schreck an einem der Cracker verschluckte und laut husten musste. Herrje, auf was für Gedanken und Fragen kam denn das Kind? Blieb ihm denn heute auch nichts erspart?

Kaum dass er sich wieder beruhigte, schlug ihm Dawn auch schon kräftig auf den Rücken. "Alles o.k. Mister Giles?", fragte sie besorgt, worauf er nur ein stummes Nicken zustande brachte.

Beim besten Willen, er wußte nicht, was er ihr darauf antworten sollte. Die Frage vermied er sich selbst seit geraumer Zeit zu stellen und nun das. Und dass sie ihn gleichzeitig mit Spike in einem Satz erwähnte, dazu auch noch so, das war doch ein wenig zu viel des Guten. "Uhm...nun ja weißt du Dawn...i-ich... bin zufrieden so wie ich lebe u-und ich hab' ja euch", versuchte er mit einem Lächeln zu begründen, auch wenn er nicht leugnen konnte, dass das Mädchen unbewusst einen wunden Punkt traf. Wer sehnte sich nicht nach einem Partner? Nach jemandem, der auf einen wartete, wenn man Abends heim kam? Nach jemandem, der einfach da war, wenn man ihn brauchte und der die Einsamkeit vertrieb? Aus diesem Grund konnte er Buffy zur Zeit sogar besser verstehen, als sie sicherlich vermutete, und insgeheim beneidete er sogar ein wenig ihre Mutter, denn sie hatte an diesem Abend das, was er selbst schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr kannte. Zum Glück gab sich Dawn mit seiner Antwort zufrieden, auch wenn nicht zu übersehen war, dass das Mädchen ihn nicht verstand. Wie sollte sie auch? Dafür war sie noch viel zu jung.

Dawn zuckte mit den Schultern. Nein, sie verstand Giles wirklich nicht. Wie konnte man nur so ein langweiliges Leben führen und damit zufrieden sein, einen Zauberladen zu führen und sich ständig mit irgendwelchen ekligen Monstern herum zu schlagen? Also nein, solch ein Leben würde ihr beim besten Willen nicht gefallen. Wo blieb denn da der Spaß? Darüber wollte sie auch nicht weiter nachdenken und ehe Giles sich versah, zog sie mit ihren erspielten Damen über das Spielbrett und gewann haushoch. "Sieg!", triumphierte sie freudig und hob die Arme in die Höhe.

 

***

 

Eine geforderte Revanche von Giles nahm sie anschließend zwar etwas widerwillig an, aber als sie auch diese gewann, bekam der Abend in ihren Augen doch keinen allzu schlechten Abschluss. Schwärmend berichtete sie während des Spieles Giles noch von einem total süßen Jungen, der in ihrem Zeichenkurs war und den sie schrecklich gern kennenlernen würde. Auf Giles' Vorschlag, ihn doch einfach anzusprechen, reagierte sie ertappt und leicht verlegen, musste aber lachen, als Giles ihr erzählte, dass er das Gefühl nur allzu gut kannte und es völlig menschlich war. Doch wenn man all seinen Mut zusammen nahm und nicht weiter darüber nachdachte, dann funktioniert es. - So klappte es zumindest damals bei ihm und Jenny, erinnerte er sich unweigerlich. Selbst Spike hatte den Mut gefunden Buffy zu gestehen, was er fühlte. Das war natürlich nicht gerade das passendste Beispiel, was Giles in diesem Moment anführte, aber Dawn fand es gut, wie er an ihrem zufriedenen Lächeln feststellen konnte.

Der restliche Abend verlief in einem ähnlichen Schema, wobei sich Giles zwangsläufig über einen Viertel der Crackertüte hermachte, Dawn mehrfach bat, die Musik leiser zu stellen, und noch weitere jugendliche Schwärmerein über Spikes cooles Outfit, seine tolle Figur sowie Xanders süßes Lächeln anhören musste, bis zu seiner Erleichterung die Eingangstür klappte und Buffy erschien.

'Gott sei Dank', war sein erster und einziger Gedanke, der ihn förmlich dazu trieb, schnell nach Hause in die einsame Ruhe seiner Wohnung zu flüchten. Auch wenn es ein netter Abend gewesen war, so konnte er nicht leugnen, dieser Art von Stress nicht mehr ganz gewachsen zu sein. Da waren Monster in gewisser Weise schon irgendwie pflegeleichter, zumindest stellten die einem keine unangenehmen Fragen.

 
Ende

 
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