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Silent Night

© by Lady Charena ()
 
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Brett warf einen Blick auf die Kaminuhr, als er an der Bar stand und sich einen neuen Scotch eingoss. Eine halbe Stunde noch bis Mitternacht - und er schaffte es einfach nicht, betrunken zu werden. Der Pegelstand in der Flasche war um einiges gesunken, aber er fühlte sich einfach noch verdammt nüchtern.

Er war sich nicht sicher, was mit ihm los war. In halb London stiegen heute Partys und es lagen rund ein Dutzend Einladungen auf seinem Schreibtisch. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie alle zu lesen. Seltsamerweise gingen ihm - wann immer er die Umschläge ansah - Richter Fultons Worte durch den Sinn. Und in Momenten deprimierender Selbsterkenntnis war es schwer, zu leugnen, dass er genau das war, was Fulton ihm vorgeworfen hatte: ein verantwortungsloser Partylöwe, der ohne Verstand in den Tag hineinlebte.

Aber das war nicht der Grund, warum er sich entschieden hatte, dieses Jahr die Weihnachtsfeiern auszulassen. Er war ganz einfach müde. Ja, das musste es sein. Zu viele stumpfsinnige Partys, zu viel belangloser Small Talk, zu viele bedeutungslose Affären. Danny war am frühen Abend vorbeigeschneit und wollte ihn mit zu einer Tour durch die Kneipen schleppen. Aber als er die düstere Stimmung des Freundes bemerkte, verzog er sich ziemlich bald wieder.

Erneut sah Brett auf die Uhr und stellte kaum verwundert fest, dass nicht einmal fünf Minuten vergangen waren. Er beschloss, einen letzten Drink zu nehmen und ins Bett zu gehen. Vermutlich hatte er sich eine ganz normale Weihnachtsdepression zugezogen. Unter seinen Bekannten waren Depressionen verschiedenster Art gerade en vogue. Man war deprimiert, weil man Geburtstag hatte oder die letzte Gehaltserhöhung nicht hoch genug ausgefallen war oder weil man vergessen hatte, Champagner nachzubestellen.

Er griff nach der Flasche.

 

"Hey Meister, lass' die Luft aus dem Glas und gieß' mir auch einen ein."

Brett fuhr herum und stieß dabei gegen die Flasche, die über den Rand kippte und ihren Inhalt auf dem Fußboden verteilte. "Verdammt - DANNY!! Was fällt dir ein, hier so herein zu platzen?"

"Jammerschade um das gut Zeug." Danny grinste und stippte die Fingerspitze in ein paar Tropfen Scotch, die auf dem Tresen gelandet waren und leckte sie ab. "Hoppla-Holla, du hast ja den teuren Stoff aus dem Keller geholt. War da ein Flaschengeist drin?"

"Was zum Teufel willst du hier?", fragte Brett und strich sich übers Haar. "Wenn du vorhast, mich auf eine Party zu schleppen - vergiss' es. Ich bin auf dem Weg ins Bett."

Danny zuckte mit den Schultern. "Eigentlich bin ich nur gekommen, um dir dein Geschenk zu geben."

"Nun... das wäre doch nicht nötig gewesen. Also, ich meine, wir waren doch morgen zum Mittagessen verabredet. Da hättest du doch nicht extra vorbeikommen müssen." Brett hatte sich wieder abgewandt und betrachtete mit Bedauern die fast leere Scotchflasche. Eine Schande, das er im Teppich versickert war.

"Das blaublütige Plappermäulchen ist ja so schweigsam heute."

"Es ist spät, Daniel. Wenn du mich jetzt also entschuldigen würdest...?" Er stockte und drehte sich um, als sich eine Hand auf seine Schulter legte. "Ist irgendwas?"

"Klingt nach einer Frage, die ich dir stellen sollte." Überraschend ernste, graugrüne Augen begegneten Bretts Blick und in Dannys Stimme schwang auch keinerlei Spott mit.

"Es ist nichts." Brett sah zur Seite. "Schließ' die Tür ab, wenn du gehst." Er wandte sich ab - doch noch bevor er den Raum halb durchquert hatte, stoppte ihn Dannys Stimme: "Ich dachte, wir wären so etwas wie Freunde."

"Daniel, wir wollen doch nicht dramatisch werden." Ungewollt schlich sich Sarkasmus in Bretts Stimme.

"Es ist Mitternacht vorbei. Weihnachtsmorgen, wenn man es nicht allzu streng nimmt." Danny grinste, als Brett sich zu ihm umwandte. "Willst du nicht dein Geschenk auspacken?"

"Kann das nicht warten? Ich bin müde." Brett hob die Hand, als Danny zu einer Antwort ansetzte. "Schon gut. Wenn du dann gehst und mir meine Ruhe lässt?"

Wilde zuckte lässig mit den Schultern. "Wenn du das dann noch willst", entgegnete er kryptisch.

Brett sah sich um. "Wo ist es?"

Danny grinste und hakte Brett unter, um ihn in Richtung des Kamins mit dem künstlichen Gasflammen und dem üppig geschmückten Weihnachtsbaum zu führen. Die Weihnachtsdekoration hatte Brett in die kundigen Hände einer befreundeten Inneneinrichterin gelegt, und so war sie sehr klassisch und sehr üppig ausgefallen. Es war alles da - von den aufgehängten Weihnachtskarten (wen störte es schon, das sie extra für diesen Zweck gekauft worden waren) über einen Teller mit Knallbonbons auf dem Esstisch, bis hin zu Mistelzweigen über allen Türöffnungen (sogar an den Lampen hingen kleine Bündel) und den Strümpfen am Kamingitter. Unter dem reich geschmückten Baum hatten sich bereits ein paar Geschenke von Bekannten und Verwandten angesammelt.

"Und jetzt?" Brett fand das ganze allmählich ein wenig albern.

"Ich habe gehört, ihr Engländer habt einen witzigen Brauch." Danny pflückte einen Mistelzweig von einem Leuchter. "Wenn man unter einem Mistelzweig steht, dann muss man es sich gefallen lassen, geküsst zu werden. Ist das richtig?"

"Richtig."

Danny hielt sich den Mistelzweig über den Kopf. "Tu' dir keinen Zwang an", meinte er mit einem breiten Grinsen.

"Hast du zu viel Eggnogg erwischt?" Brett zog die Brauen hoch. "Warum sollte ich dich hässlichen Kerl küssen?"

Danny zuckte mit den Schultern, doch ohne einen gekränkten Eindruck zu erwecken. "Da hast du völlig recht." Er hielt den Mistelzweig über Bretts Kopf. "Mal sehen, ob ich mich mit diesem englischen Brauch anfreunden kann." Er beugte sich vor - und küsste Brett, der vor Schreck und Überraschung stocksteif stehen blieb und es einfach geschehen ließ. "Hey, ich werde doch noch ein echter Brite."

"Hast du den Verstand verloren?" Endlich fand Brett seine Stimme wieder. "D-Du kannst mich doch nicht einfach küssen!"

"Sind das meine Traditionen oder deine?" Danny warf den Mistelzweig im hohen Bogen davon. "Ich passe mich nur an."

"Dann such dir eine deiner Freundinnen aus, um mit ihr zu üben."

"Man muss doch gelegentlich was Neues ausprobieren..." Danny ergriff Bretts Krawatte und zog ihn näher zu sich. "Oder... gefällt es dir vielleicht nicht? Soll ich aufhören?" Sein Mund streifte fast Bretts Lippen, so nahe waren sich ihre Gesichter nun.

Brett verharrte reglos, wie hypnotisiert. Seine Hände fanden Dannys Schultern, schlossen sich fest darum, aber er machte keine Anstalten, ihn weg zu stoßen. "Das... das ist dein Geschenk?", murmelte er.

"Sieh mal einer an, Eure Lordschuft sind heute ein Blitzmerker", spottete Danny, doch seinen Worten fehlte der Stachel.

Brett überraschte ihn - und sich selbst - indem er seine Hände um Dannys Gesicht legte und ihn still hielt, als er sich vorbeugte, und ihn küsste.

Aus der zunächst zögerlichen, unsicheren Berührung wurde rasch ein leidenschaftlicher Kuss, der beide Männer atemlos zurückließ - und verwirrt über die plötzliche Intensität der Leidenschaft, die zwischen ihnen aufgeflackert war. Ihre Beziehung hatte bisher aus Abenteuerlust und gegenseitigem Respekt, gemischt mit gutmütigen Spötteleien, bestanden. Und nun war da plötzlich etwas anderes, neues, unbekanntes.

Dannys Finger bohrten sich fast schmerzhaft in Bretts Oberarme, doch er schien sich nicht entscheiden zu können, ob er ihn näher zu sich ziehen wollte - oder doch lieber von sich wegstoßen, auch wenn er der Initiator gewesen war. Doch dann bewegte sich Brett näher zu ihm - und im gleichen Moment beugte sich auch Danny vor, um die geringe Distanz zwischen ihnen zu überbrücken. Ihre Körper kollidierten förmlich und es zeigte sich, dass der Kuss wohl doch nicht so ganz ohne Reaktionen geblieben war...

 

Wieder war es Danny, der als erster das Schweigen brach - er lachte. "Willst du nicht dein Geschenk auspacken?"

Brett hatte einen Teil seiner Haltung wiedergefunden. "Nach dir", entgegnete er mit einer Ruhe, die nur oberflächlich war.

Danny legte die rechte Hand flach auf Bretts Brustkorb. So verharrten sie einen Moment, wie in einer komplizierten Tanzpose, von der keiner den nächsten und vielleicht falschen Schritt machen wollte. Doch dann lief ein Schauer durch Brett und Danny atmete hörbar aus. Er ließ seine Hand nach unten gleiten und presste die Handfläche nach einem neuerlichen Moment des Zögerns gegen die leichte Wölbung in Bretts Schritt. Brett schloss die Augen. Er sog zischend Luft durch die Zähne ein.

"Man hört da so Geschichten über die englischen Knabeninternate", sagte Danny leise, beiläufig. "Du warst doch auch in so einem Kasten."

Brett schlug die Augen auf. "Was immer du gehört hast...", erwiderte er und in seine Stimme hatte sich eine leise Heiserkeit eingeschlichen. "...war vermutlich übertrieben."

"Ach ja?"

"Wenn du aber wissen willst...", fuhr Brett fort. "...ob ich..." Er brach ab. "Ja, ich habe gewisse Erfahrungen."

"Wusste ich doch, dass die ganze Bildung zu was gut sein muss." Danny bewegte seine Hand leicht auf und ab. "Tja, ich hab auf der Straße auch das eine oder andere aufgeschnappt." Fast wie von selbst öffneten seine Finger Bretts Hose und suchten einen Weg hinein. Er rieb über die interessante Härte, die er dort vorfand und die sich unter seiner Berührung rasch vergrößerte.

Brett stöhnte leise auf - und stieß ihn dann weg. Doch bevor Danny protestieren konnte, zog ihn Brett mit sich herunter und die beiden knieten sich gegenüber. Jetzt war es Sinclair, der die Führung übernahm. Im Handumdrehen hatte er Dannys Gürtel gelöst und seine Hose nach unten geschoben.

"Du hast es ja plötzlich so eilig?", murmelte Danny, die Augen halb geschlossen, seine Stimme rau.

"Ich war noch nie besonders geduldig..." Seine Arme glitten um Dannys Taille, legten sich auf sein Gesäß und zogen ihn nach vorne, bis sich ihre Unterkörper aneinander pressten.

Hände gingen auf Wanderschaft, schoben sich unter Knopfleisten, unter Stoffbahnen, öffneten Hemden, um nackte Haut zu finden und zu berühren. Dabei waren sich ihre Gesichter so nahe, dass ihnen der Atem gegenseitig auf den Wangen brannte, aber sie küssten sich nicht. Und sie sahen sich nicht in die Augen - als würde es den Bann brechen, der sich über sie gelegt hatte.

Irgendwann legte Danny einen Arm um Bretts Taille und zog ihn mit sich, bis sie nebeneinander auf dem Teppich lagen, einander zugewandt, sich immer noch berührend. Danny schob ein Knie über Bretts Hüfte. Im perfekten Einklang glitt Bretts Hand nach unten und brachte ihre Erektionen zusammen, so dass sie in einem Gemisch von Schweiß und Preejakulat über- und untereinander gleiten konnten, der Druck seiner Finger erhöhte die Reibung und das Geräusch ihres schweren Atmens, des leisen Aufstöhnens und der halbgemurmelten Worte waren das einzige, was zu hören war.

Erst jetzt küssten sie sich erneut. Abrupt stieß Brett Danny von sich, presste ihn zurück, bis der flach auf dem Rücken lag und kauerte sich neben ihn. Seine Lippen schlossen sich um Dannys Erektion, der ein halbersticktes Stöhnen von sich gab, um nur wenige Momente später in Bretts Mund zu kommen. Er krümmte sich zusammen und sackte dann zurück, um schlaff liegen zu bleiben.

Brett richtete sich neben ihm wieder auf die Knie auf und schloss die Finger um sein eigenes, hartes Glied. Nur ein paar Bewegungen seiner Hand und er verlor sich ebenfalls im Orgasmus.

Er streckte sich neben Danny aus.

Es war lange still, während ihr Atem allmählich zu einem normalen Rhythmus abflachte und die Feuchtigkeit auf ihren Körpern unangenehm abkühlte.

Schließlich drehte Brett den Kopf und sah Danny an. "Was soll ich dazu sagen?", flüsterte er.

"Sag: Merry Christmas, Danny", grinste Wilde.

"Merry Christmas, Daniel." Brett rollte sich auf die Seite und küsste Danny. "Ich bin zu alt, um auf dem Teppich herum zu rollen", sagte er. "Lass uns ins Bett gehen und nachsehen, ob ich auch ein Geschenk für dich auftreibe."

 
Ende

 
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