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Verzweifelt kämpfte er sich durch die Dunkelheit, die ihn wie ein Gefängnis umgab. Er hastete vorwärts mit dem Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sein Herz raste, seine Gedanken schlugen Purzelbäume. Er wusste, dass er so schnell wie möglich einen Ausweg aus dieser Hölle finden musste. Dennoch hielt er einen Moment inne und lauschte in die Dunkelheit. Aus den Tiefen der Schatten drangen einzelne Töne, näherten sich und verschwanden. Wurden laut und wieder leise, verbanden sich letztendlich zu einer bittersüßen Melodie. Er rannte los. Sein Instinkt lotste ihn durch die Düsternis, zwang ihn, den Klängen zu folgen. Doch die Töne schienen ihm auszuweichen, wurden leiser, verstummten. "NEIN!", schrie er verzweifelt, doch in den Schatten hörte ihn niemand. Angst ergriff von ihm Besitz. Sie konnten ihn nicht allein in dieser Finsternis zurück lassen, nein, sie durften es einfach nicht. Er musste ihnen folgen. Doch wohin? Die Töne schienen sich wieder zu nähern - oder näherte er sich den Tönen? Beunruhigt blickte er nach unten. Seine Füße schwebten im dunklen Nichts. Er trat gegen schwarze Wolken und fühlte - gar nichts. Kein Widerstand, keine Möglichkeit voran zu kommen. In diesem Moment wusste er, dass die Dunkelheit ihn verschlingen wollte. Seine Füße verschwanden in den Schatten. Kurz darauf konnte er auch seine Hände nicht mehr erkennen. Tränen liefen ihm über das Gesicht, er versuchte, sich zu wehren, doch sein Körper reagierte nicht mehr. Ihm war kalt. Die Finsternis kroch in ihn und kämpfte mit dem Lebensfunken um die Vorherrschaft. Aus weiter Ferne hörte er einen seltsam vertrauten Klang. Dieser Laut berührte etwas tief in seinem Inneren. Dann erinnerte er sich. Es war nicht irgendein Klang. Es war der Klang seines Namens. Mit letzter Kraft versuchte er, dem Griff der Dunkelheit zu entkommen, und konzentrierte all seine Sinne auf die Geräusche, die er hinter der schwarzen Barriere vernahm. Er war noch nicht bereit, sich der Finsternis zu überlassen. Er wollte zurück - zurück ans Licht.
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Colonel Jack O'Neill öffnete die Augen. Hinter sich hörte er das vertraute Geräusch des sich schließenden Stargates. Den Blick nach unten gesenkt schritt er die Rampe hinab. Er wünschte sich im Augenblick nichts sehnlicher, als an einem anderen, ruhigen Ort zu sein. Fernab von Verpflichtungen, Erwartungen und den fragenden Blicken seiner Freunde. Natürlich meinten sie es alle gut mit ihm, obwohl sie eigentlich wissen sollten, wie sehr sie ihm mit diesem Verhalten auf die Nerven gingen. Gerade ihre Fürsorge erinnerte ihn an Ereignisse, die er am liebsten vergessen würde. Müde rieb Jack sich die Stirn. Sobald er die erforderlichen Berichte formuliert, geschrieben und abgegeben hatte, würde er sich aus dem Staub machen. Und dann gab es für die nächsten Tage nur noch ihn, den See und die Fische. Gemeinsam mit Teal'c und Sam trat er von der vibrierenden Rampe und blieb vor General Hammond stehen, neben dem ein aufgeregt wirkender Daniel Jackson nervös mit den Füßen scharrte. "Daniel? Alles ok?", fragte Jack, nachdem er mit einem kurzen Nicken dem General signalisiert hatte, dass die Mission nach Plan verlaufen war. "Jack... ja... also...", stammelte der Archäologe unsicher, während er immer wieder zum General sah. "Was?", Jack überlegte kurz. "Du hast doch nicht etwa diesem Luthor die ach-so- seltenen Bücher ruiniert?" "Es geht nicht um Luthor - na ja, indirekt schon, eigentlich...", bemühte sich Daniel verzweifelt, die richtigen Worte zu finden. Nach einem kurzen Seitenblick auf Sam und Teal'c mischte sich Hammond ein. "Wir sollten diese Angelegenheit besser zuerst unter vier Augen besprechen." "Kann ich mich vorher noch umziehen - oder müssen wir die Welt sofort retten, Sir?", erkundigte sich Jack. Hammond musterte ihn einen Moment lang prüfend, dann nickte er. "Melden Sie sich in meinem Büro, wenn Sie fertig sind."
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Nachdem er seine Schnürsenkel zum wiederholten Male neu gebunden hatte, gestand er sich ein, dass er einfach nur Zeit schinden wollte. Irgendetwas in seinem Innern sagte ihm, dass General Hammond eine unangenehme Überraschung für ihn bereithielt. Sogar Dr. Fraiser war offenkundig irritiert gewesen, als er nach der Mission zum Routinecheck auf der Krankenstation aufgetaucht war. Freiwillig. Man konnte es den Leuten aber auch wirklich nicht recht machen. Zögernd machte er sich auf den Weg zu General Hammond. Nein, er hatte es heute wirklich nicht eilig. Wieso auch? Jack wollte überhaupt nicht wissen, was für eine neue Katastrophe nun wieder auf dem Programm stand. Offenbar war die Situation nicht lebensbedrohlich, sonst hätte sicher inzwischen jemand nach ihm gesucht. Das bedeutete aber nicht, dass er sich früher als nötig damit auseinandersetzen musste, oder? Vielleicht sollte er einfach Carter einen kleinen Besuch abstatten. Vermutlich war sie in ihrem Labor und steckte schon wieder bis über beide Ohren in einem spannenden Projekt. Was Wissenschaftler halt so als spannend bezeichneten. Jack musste sie nur bitten, es ihm zu erklären, und schon wäre er für die nächsten Stunden beschäftigt. Und gelangweilt. Andererseits kannte Carter ihn vielleicht doch ein bisschen zu gut, um darauf hereinzufallen. Er versuchte noch, das Pro und Contra seiner Idee abzuwägen, als ihn eine Stimme in seinen Überlegungen unterbrach. Nur wenige Schritte entfernt schloss Daniel gerade die Tür, durch die er den Gang betreten hatte. Jack stutzte einen Moment, als er die Details der Situation erfasste. Dann starrte er seinen Freund und Kollegen forschend an. "Was ist hinter der Tür?" Daniel fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. "Ein Gästequartier!?" "Und es stehen Wachen davor, weil...?" "Weil..." "Weil ansonsten die Möbel dort drin die Flucht ergreifen würden?", half ihm Jack auf die Sprünge. "Jack, bitte!", Daniel grinste gequält. Jack zuckte mit den Schultern, drehte sich um und setzte seinen Weg fort. Was immer sich hinter der Tür befand, es schien - im Gegensatz zu Hammond - warten zu können. Entgegen seiner üblichen, redseligen Art, war Daniel nun plötzlich zu einem schweigenden Begleiter mutiert. Er reagierte nicht auf Jacks argwöhnische Seitenblicke und auch das beiläufig in den Raum geworfene "Und sonst?" ignorierte er. "Wie war's in Smallville?" Diesmal riefen die Worte zumindest eine Reaktion hervor, wenn auch keine verbale. Jack war verwirrt. Was hatte dieser Blick nun wieder zu bedeuten? Mitleid? Ein schlechtes Gewissen? Was um Himmels Willen war passiert, dass der junge Archäologe ihn so ansah? Er entschied sich, die Sache vorerst auf sich beruhen zu lassen, und folgte Daniel schweigend zu Hammonds Büro. Der General bedeutete ihnen, die Tür zu schließen, und wartete dann bis die beiden Männer Platz genommen hatten. Jack ließ sich auf den Stuhl sinken und beäugte den General und Daniel kritisch. "Sie sagten doch ,unter vier Augen' - muss ich meine jetzt zu machen?" "Jack!" In einer resignierenden Geste hob Hammond die Hände. "Schon gut. Mir ist nur äußerst unwohl bei dieser ganzen Geheimnistuerei. Wir wissen alle, was passiert ist, als das letzte Mal etwas ganz still und heimlich erledigt werden musste" Bitterkeit schwang in Jacks Worten mit und betretenes Schweigen folgte. Dann meldete sich der General zu Wort. "Jack, wir haben ihn gefunden." Jack erinnerte sich an eine sternenklare Nacht, an einen warmen Körper in seinen Armen. Er erinnerte sich an die Vereinbarung, die sie getroffen hatten. Die Zeit des Abschieds kam mit der Morgendämmerung. Doch nichts lief so, wie sie es geplant hatten. Als Jack wieder wach wurde, hatte er eine Beule am Hinterkopf, war allein und nichts hatte mehr einen Sinn ergeben. Das war jetzt... Wochen her. Und nun... Nun sollte es vorbei sein? Jack wusste nicht, ob er vor Erleichterung lachen oder weinen sollte. "Dann bekommt er jetzt eine ordentliche Bestattung?" "Er ist nicht tot, Jack", platzte es aus Daniel heraus. "Er-" "STOP!", fuhr Jack dazwischen. "Ich war dabei! Ich habe ihn gehalten... verdammt... ich..." Mit schmerzerfülltem Blick schaute Jack zu Daniel. "Dr. Jackson sagt die Wahrheit", zog Hammond Jacks Aufmerksamkeit wieder auf sich. "Nach eingehenden Untersuchungen hat Dr. Fraiser ihn für gesund erklärt. Das einzige, was ihm noch zur völligen Regeneration fehlt, ist ausreichend Schlaf." "Das bewachte Gästequartier", stieß Jack hervor, die Hände so fest zusammen geballt, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. "Ja", bestätigte Hammond. "Wen oder was auch immer sie in diesem Gästequartier haben - es ist nicht Frank B. Parker!" Jack stand auf und verließ ohne weiteren Kommentar den Raum. Hinter sicher hörte er noch Daniels leises "Ich hab Ihnen doch gesagt, dass er das nicht einfach so schlucken wird", dann fiel die Tür ins Schloss.
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Frank Parker erwachte mit Kopfschmerzen, einem scheußlichen Geschmack im Mund und zu allem Überfluss verlangte seine Blase umgehend nach Erleichterung. Langsam setzte er sich auf. Glücklicherweise hatten sich seine für Wochen außer Gefecht gesetzten Muskeln inzwischen so weit erholt, dass er den Weg zwischen Bett und Bad ohne fremde Hilfe bewältigen konnte. Die ersten Stunden und Tage auf der Krankenstation des Stargate-Centers waren sehr unangenehm gewesen. Herrgott, wie konnten sie von ihm erwarten, in diese Flasche zu pinkeln, wenn ihm die Hälfte der medizinischen Belegschaft, einschließlich Doc Fraiser, dabei zusah? Vorsichtig ließ er sich aus dem Bett gleiten und tapste mit kleinen Schritten ins Bad. Nachdem er seine körperlichen Bedürfnisse erledigt hatte, entkleidete er sich und stieg in die Dusche. Eine lange, ausgiebige Dusche blieb ihm leider noch immer versagt. Er war froh, dass es ihm gelang, sich vollständig einzuseifen und abzubrausen, bevor das Zittern in den Beinen ihn alarmierte, dass sein Körper noch Schonung brauchte. Frank schlang das Handtuch um seine Hüften und setzte sich vorsichtshalber für einen Moment auf den Boden. Noch immer reagierte sein Kreislauf empfindlich, sobald er sich von der Horizontalen in die Vertikale begab, dennoch fühlte Frank sich jeden Tag ein wenig kräftiger. Ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen als er darüber sinnierte, was Donovan wohl dazu sagen würde, wenn er ihn hier wie ein Häufchen Elend auf dem Fußboden vorfände- ... Oder Jack. Jack. Energisch kam Frank wieder auf die Beine und hielt sich am Waschbecken fest. Mittlerweile musste Jack Bescheid wissen. Daniel hatte ihm erzählt, dass die Mission vorüber war, und dass Hammond Jack so schnell wie möglich einweihen würde. War das gestern gewesen? Oder sogar schon vorgestern? Doc Fraiser war vielleicht der Überzeugung, der viele Schlaf würde Wunder für seine Gesundheit wirken, aber seinem Zeitgefühl war er jedenfalls nicht sonderlich zuträglich. Aber welchen Unterschied machte das auch? Jack war bisher nicht hier gewesen. Langsam schlurfte Frank zurück zum Bett und setzte sich. Er hatte sich alles bis ins kleinste Detail ausgemalt. Jack würde früher oder später von seiner Mission zurückkommen, dann könnten Daniel und Hammond ihm alles erklären, zumindest soweit sie die Fakten bisher kannten. Und dann - wenn alles nach Plan verlief - würde Jack prompt hier in seinem vorläufigen Zuhause auftauchen. Sicher, am Anfang wäre es etwas seltsam, sich wieder gegenüber zu stehen, aber dann würde Jack einen unglaublich blöden Witz reißen, und sie würden gemeinsam darüber lachen und alles würde gut werden. Er hätte wissen müssen, dass Jack sich nun mal nicht an die Pläne anderer Leute hielt. Frank hatte gehofft, dass es einfach sein könnte. Er hatte gehofft, dass Jack sich freuen würde, wenn er... wenn er nicht tot wäre. Dass er nicht tot war. Hätte, könnte, sollte. In den letzten Tagen ertappte er sich häufiger bei solchen Überlegungen, auch wenn sie noch so sinnlos waren. Frank war nicht tot; er war froh, nicht tot zu sein, auch wenn sich die bloße Idee noch so seltsam anfühlte. Aber ganz sicher war der Tod ein entsetzlich langweiliger Zustand, also musste er wohl froh sein, noch unter den Lebenden zu sein. Es gab einfach zu viele Dinge in diesem Leben, die wirklich gut waren. Trotzdem konnte er nicht anders, als sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie es nun weitergehen sollte. Jack wollte sich offenbar nicht mit ihm auseinandersetzen, und allein diese Tatsache schlug eine tiefe Kerbe in all seine Überlegungen. Jack war bei ihm gewesen, als er an jenem Morgen am Strand gestorben war. Selbst als Echo in seinen eigenen Gedanken klang es seltsam. Als er gestorben war... Sie hatten beide gewusst, dass ihm nicht viel Zeit blieb; dass ihnen nicht viel Zeit blieb. Frank hatte versucht, den ablaufenden Countdown seiner verbleibenden Tage so bewusst wie möglich zu erleben, doch an das Sterben als solches erinnerte er sich nicht wirklich. Da waren nur der betäubende Schmerz und Jacks Stimme, die leise auf ihn einredete. Es gab keinen langen dunklen Tunnel für ihn, kein weißes Licht, keine flauschigen Wolken mit Harfe spielenden Engeln. Vielleicht war es auch besser, es gar nicht genau zu wissen. Frank seufzte und streckte sich wieder auf dem Bett aus. Ein weiteres Nickerchen würde seine Probleme nicht lösen, aber zumindest würde es ihm für eine Weile diese zermürbenden Gedanken ersparen. Jack war Bestandteil seines Todes gewesen. Umso mehr schmerzte jetzt die Tatsache, dass Jack vielleicht kein Bestandteil seines Lebens mehr sein wollte. Einige Zeit später schreckte Frank aus seinem unruhigen Schlaf hoch. Eine schlanke Gestalt lehnte schweigend am Türrahmen. Sein Herz machte einen Sprung. "Jack?" Keine Antwort. Jack starrte ihn an, nein, er starrte durch ihn hindurch. Jacks ganze Körperhaltung vermittelte die Anspannung, unter der er stand. "Jack", flehte Frank. Die Gestalt am Türrahmen drehte sich um und ging.
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Jack schlug im Gehen gegen die Wand und verfluchte sich selbst. Was hatte ihn nur dazu gebracht, im Stargate-Center zu bleiben? Alle Berichte waren geschrieben und an Hammond weiter geleitet. Warum war er noch immer hier? Warum saß er nicht längst entspannt am See und spielte "ich krieg dich" mit den Fischen? Und woher war diese völlig bescheuerte Idee gekommen, ausgerechnet in DAS Gästequartier zu gehen? Neugier? Selbstfolter? Jack drehte sich um und blickte zurück zu dem bewachten Raum. Der Mann hinter dieser Tür war nicht Frank B. Parker. Jedenfalls nicht für ihn. Natürlich hatte Doc Fraiser seine Identität bestätigt, aber vielleicht war ihr ein Fehler unterlaufen, DNA hin oder her. Möglicherweise war er ein Klon, oder ein Formwandler, oder eine Sinnestäuschung, von der das gesamte Personal betroffen war, oder... Oder er war einfach durch extrem seltsame Umstände von den Toten zurückgekehrt. Ihm wäre so viel wohler in seiner Haut gewesen, würde es einen greifbaren Zweifel geben. Stattdessen musste er sich nun mit der Idee anfreunden, dass Parker lebte, und dass keiner vermutlich jemals so ganz verstehen würde, wie er das nun wieder angestellt hatte. Oh sicher, Daniel hatte einige wilde Theorien aufgestellt, aber nichts wirklich Beweisbares. Die Leute von Luthorcorp mussten sie am See überfallen und Franks Leiche mitgenommen haben, so viel hatte er sich inzwischen auch zusammengereimt. Aber das "Wie?" blieb für ihn ebenso schleierhaft wie das "Warum?". Er musste irgendeine Form von Gegenwehr geleistet haben, oder nicht? Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Jack schüttelte den Kopf, kehrte dem Gästequartier ein weiteres Mal den Rücken zu und machte sich auf den Weg zur Kantine. Verdammt, er hatte sich damit abgefunden, dass Frank tot war! Nun ja, er hatte es zumindest versucht. Er konnte nicht einfach auf Knopfdruck so tun, als wäre nichts passiert, oder als hätte es seinen Tod nicht gegeben. Früher oder später musste er sich Parker stellen, aber nicht heute. Noch nicht. Vermutlich würden ihm Daniel und Carter den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern verpassen, wenn er es nicht bald hinter sich brachte, aber das machte es auch nicht einfacher.
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Frank starrte auf sein Essen. Vielleicht sollte er Dr. Fraiser fragen, ob sie ihm heimlich Schlafmittel unterschob. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sein Körper noch immer nach so viel Schlaf verlangte. Seufzend schob er den Teller von sich. Es wurde Zeit, wieder in die Gänge zu kommen. Er stand auf und suchte sich einen Platz, an dem er genügend Bewegungsfreiheit hatte. Dann begann er mit Dehnungsübungen. Konzentriert lauschte er in seinen Körper hinein, aber bis auf ein unregelmäßig auftretendes Zwicken in manchen Muskeln schien alles in Ordnung zu sein. Wenige Tage später war offensichtlich, dass sein Körper positiv auf die Bewegung reagierte. Erschöpfungszustände wurden immer seltener und nach einem Gespräch mit Dr. Fraiser und Rücksprache mit General Hammond, durfte Frank sein Quartier verlassen und im Fitnessraum trainieren. Obwohl er sich auf Zeiten beschränkte, in denen der Raum kaum genutzt wurde, begegnete er hin und wieder den Teammitgliedern von SG 1. Daniel warf ihm meist nur kurze Seitenblicke zu, Carter plapperte wild drauf los und Teal'c unterstützte ihn bei seinen Übungen. Nur Jack ließ sich nicht blicken. Mehr als einmal war Frank versucht, Carter nach Jack zu fragen, doch immer wieder unterdrückte er den Impuls. Er vergrub seinen Schmerz in sich und trainierte umso härter.
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Als es an der Tür zu seinem Quartier klopfte, blickte Frank verwundert auf. Er erwartete keinen Besuch. Nicht, dass er während seiner Genesungsphase oft Besuch gehabt hätte, aber hin und wieder hatte es doch die ein oder andere Stippvisite gegeben. Mit vorheriger Ankündigung natürlich. Oft kam es Frank so vor, als stünde er noch immer unter Beobachtung. General Hammond hatte ihm versichert, es ginge bei all diesen Vorsichtsmaßnahmen nur um seine Gesundheit. Auch Dr. Fraiser versäumte es nicht, bei ihren Kontrolluntersuchungen immer wieder auf seine noch nicht wieder hergestellte Fitness hinzuweisen. Frank vermutete jedoch andere Gründe hinter dieser, seiner Meinung nach, übertriebenen Vorsicht. Es war, als wollten sie ihn von der Welt draußen fernhalten. Ein erneutes, energisches Pochen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. "Herein." Es gelang ihm nicht, seine Überraschung zu verbergen, als die Tür von einem Wachposten geöffnet wurde und Jack, beladen mit einem Pappkarton und zwei Flaschen Bier, das Zimmer betrat. Aus dem Karton duftete es verführerisch nach Pizza, doch Frank hatte nur Augen für Jack, der seinen Blick jedoch nicht erwiderte. "Hi", sagte Frank. "Ich dachte, du hättest gerne mal wieder was anderes als den Kantinenfraß", antwortete Jack. Der neutrale Ton in seiner Stimme holte Frank auf den Boden der Tatsachen zurück. "Setz' dich doch", forderte er seinen Besucher auf. Während Jack der Aufforderung nachkam und die Bierflaschen öffnete, überlegte Frank, wie er sich verhalten sollte. Er wusste, dass er Jack jetzt nicht unter Druck setzen durfte. Immerhin war er hier. Bei ihm. Endlich. Ob es ein Schritt in die richtige Richtung war, würde sich erst noch zeigen. Frank beschloss, dass ein bisschen Smalltalk auf keinen Fall schaden könne. Er setzte sich auf den freien Stuhl und nahm sich ein Bier. "Paul Davis war vorgestern hier." "Hm", brummte Jack und schob Frank den nun geöffneten Karton mit Pizza hin. Während er sich bediente, plauderte Frank weiter. "Du weißt schon, so eine Art Rekonvaleszenten-Treffen - auch wenn Paul natürlich längst wieder im Dienst ist. Im Gegensatz zu mir." Jack grunzte etwas Unverständliches. "Was hast du in der Zwischenzeit so gemacht?", erkundigte sich Frank. "Dies und das." Entmutigt verstummte Frank und widmete sich der Pizza. Minutenlanges Schweigen folgte. Dann startete Frank einen erneuten Versuch. "Wie war die Mission nach PX342?" "Informativ." Frank seufzte frustriert. "Jack, warum bist du überhaupt hergekommen, wenn du doch nicht mit mir reden willst?" Gedankenverloren zeichnete Jack mit dem Finger das Etikett auf seiner Bierflasche nach, dann fragte er unvermittelt: "Was weißt du noch?" "Wie? Was?", stotterte Frank. Dann wurde ihm bewusst, worauf Jack anspielte. "Oh, das." Frank trank einen Schluck Bier, bevor er auf die Frage antwortete. "Ich erinnere mich kaum noch an etwas. Meine erste bewusste Erinnerung ist, dass ich die Augen aufschlug und Daniel neben mir stand und mich anstarrte. Ich dachte ,Das war's, Frank, du hast es tatsächlich bis in die Hölle geschafft'!" Jack schüttelte den Kopf und nahm einen langen Zug aus seiner Bierflasche. Frank fuhr unbeeindruckt fort. "Ich meine, das letzte, was ich weiß, ist, dass wir am See sitzen und mich irgendwas von innen zerfrisst, und dann krieg ich plötzlich Daniel präsentiert und Doc Fraiser erklärt mir kurze Zeit später fröhlich, dass ich gesund bin. Nicht krank, nicht tot, gesund! Glaubst du, ich konnte das so einfach wegstecken? Selbst ein Frank B. Parker kann nach so etwas nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Niemand war da, der mir Rückhalt gegeben hat; stattdessen haben mich alle nur angestarrt wie die neueste Attraktion im Zoo." Jack mied noch immer Franks Blick und beschäftigte sich wieder mit seiner Pizza. Währenddessen sprach Frank mit leiser Stimme weiter. "Keiner konnte sich erklären, was mit mir passiert ist. Doc Fraiser sagte mir nur, dass ich fremdartige Blutplättchen in meinen Adern habe, die das Gift neutralisiert und meine Zellen instand gesetzt haben. Wieso, warum? Werde ich auf diese Fragen je eine Antwort bekommen?" "Kinsey hat Daniel gedroht", wechselte Jack abrupt das Thema. "Was?", erstaunt starrte Frank über den Tisch hinweg auf Jack, der mit großem Interesse seine Pizza zu studieren schien. "Kinsey hat Daniel, dem General - eigentlich uns allen gedroht. Wenn wir gegen Luthorcorp vorgehen oder auch nur zu viele Fragen stellen, hätte das weit reichende Konsequenzen für uns. Daniel soll eine Vereinbarung unterzeichnen, dass er über alles, was er im Labor gesehen hat, Stillschweigen bewahrt. Außerdem scheint Kinsey der Ansicht zu sein, dass wir diesem Luthor doch eigentlich dankbar dafür sein müssten, dass er dich gerettet hat." Perplex suchte Frank an seiner Bierflasche Halt. Dies war also der Grund, warum sie ihn noch immer hier festhielten. Sie schützten ihn vor Kinsey. "Ich verstehe nicht. Was hat Kinsey mit Luthor zu tun? Warum verlangt er von uns, die Sache ruhen zu lassen?" Jack schwieg. "Und was ist, wenn ich trotzdem genau wissen will, was passiert ist?", hakte Frank nach. "Vielleicht ist es für uns alle besser, wenn wir wieder bei Null anfangen, ohne über das Gestern nachzudenken", murmelte Jack geistesabwesend. "Was ist mit den Schmerzen? Nicht die körperlichen, du weißt schon, die Qualen hier drin." Er legte sich die Hand auf sein Herz. "Du bist nicht der Einzige, der gelitten hat", konterte Jack. "Ach?" Frank sah mit Tränen in den Augen zu Jack. "Weißt du, was am meisten wehgetan, mich fast um den Verstand gebracht hat?" "Was?", flüsterte Jack kaum hörbar. "Ich wusste, dass du hier bist - dass du mehrere Male an dieser Tür vorbei gegangen sein musstest; du warst da, aber du kamst nicht zu mir." Jack schluckte. "Ich war bei deiner Trauerfeier." "Was?" Es fiel Jack sichtlich schwer, darüber zu reden. "Es fand eine kleine Trauerfeier statt, im engsten Kreis. Ich war da und... ein Teil von mir blieb einfach dort zurück." Mehrere Minuten saßen sich die beiden Männer schweigend gegenüber. Schmerz, Wut, Enttäuschung, verletzte Gefühle - all das hing wie eine dunkle Wolke zwischen ihnen. "Und die Stripperin?", fragte Frank plötzlich. Irritiert hob Jack den Kopf. "Die was?" "Du willst doch nicht sagen, dass ihr eine Trauerfeier für mich ohne Stripperin abgehalten habt?" Die Anspannung wich aus Jacks Gesicht und er lächelte. "Weißt du, all das hab' ich vermisst." Er suchte zum ersten Mal an diesem Abend Franks Blick. "Dich habe ich vermisst."
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