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Vollständig / Was glücklich macht© by Ziyal ()
Es ist dunkel im Haus, als er aus der gleißenden Mittagssonne in die schattigen Räume tritt. Kühle umfängt ihn, und er muss zwinkern, damit er nicht gegen die Küchentür läuft. Er hält den Blick auf das Buch in seiner Hand fixiert und sein Verstand konzentriert sich auf den Inhalt, während er sich vorsichtig auf dem Weg zum Kühlschrank durch die Küche tastet. In diesem Moment stößt sein Bein gegen etwas am Boden. Vor Schreck entfährt ihm ein leises "ha", und mit Mühe kann er verhindern, dass ihm das Buch aus den Händen gleitet. Er betrachtet sein Hindernis und ist erstaunt, als er erkennt, was es ist. "Xander, solltest du nicht draußen bei den anderen sein und... ähh... das Wetter genießen? Immerhin haben wir noch -", er wirft einen Blick auf seine Uhr, "sechseinhalb Stunden bis zum Sonnen- und Weltuntergang!". Er versucht, heiter zu klingen, einer Heiterkeit Ausdruck zu verleihen, die er selbst nicht spürt, weil er weiß, was am Abend auf sie zukommt. Xander schüttelt den Kopf. "Ich bin lieber hier drin und aus dem Weg", murmelt er, mit einer Spur Bitterkeit in der Stimme, die aber im nächsten Moment eher sarkastisch klingt. "Aber ich sollte wohl besser in den Keller ausweichen, um auch *wirklich sicher* zu gehen, dass ich nicht zufällig zur tödlichen Stolperfalle für Ex-Wächter werde." "Wie bitte?" Giles schaut verwundert zu dem jungen Mann herunter. Er kräuselt die Stirn, nimmt die Brille ab und streicht sich mit einer fahrigen Bewegung über die Augen und den Nasenrücken. "Ich bin eine Gefahr für euch und will es nicht schon schlimmer machen, als es bereits ist", sagt Xander und klingt ein wenig traurig. Und niedergeschlagen. "Was redest Du da? *Jeder* wird gebraucht", antwortet Giles leicht dahin, während er seine Brille wieder auf die Nase setzt. Xander schüttelt nur den Kopf, und Giles bereut seine Worte sofort, als er den Ausdruck in Xanders Gesicht sieht. Einsamkeit sieht er darin, und Ohnmacht. Sein Blick ist tief und dunkel vor Resignation - und Giles dämmert langsam, wo das Problem liegt. Xander lässt den Kopf auf die Brust sinken. "Ihr braucht keinen Krüppel", sagt er leise und steht auf, sodass Giles ihm nun in die Augen schauen kann. "Ich werd' dann mal in den Keller gehen", teilt Xander ihm mit, während er versucht, sich an ihm vorbei zu schieben. Doch Giles hält ihn mit der einen Hand am Arm fest. "Warte!", fordert er Xander auf, während er mit der anderen Hand das Buch auf den Tresen legt. Er dreht den jungen Mann zu sich, legt ihm die Hände auf die Schultern und bringt ihn dazu, ihm direkt ins Gesicht zu schauen. "Du wirst dann zum Krüppel, wenn du dich zu einem machen lässt", sagt er ganz leise. "Nur weil ein körperliches Attribut nicht mehr so ist, wie es mal war, bist du doch immer noch *du*." Giles betrachtet Xander mit ernsten, verstehenden Blicken und lächelt ein kleines, trauriges Lächeln. Dann schüttelt er sachte den Kopf. "Wie kann jemand behaupten, du wärest etwas anderes als vollständig?", sagt er und verstärkt den Griff seiner Hände um Xanders Schultern, um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen. "Wir sind nicht vollständig ohne dich. Du bist *wichtig* für uns!" Ein wenig Röte huscht über Xanders Gesicht und er senkt den Blick. "Wirklich?", fragt er zaghaft. "Wirklich!", bestätigt Giles mit Nachdruck. "Es ist wichtig, dass *wir zusammen sind*, besonders heute Abend." Xander schaut weiter zu Boden und einen winzigen Moment lang macht Giles sich Sorgen, dass der junge Mann ihm vielleicht gar nicht zugehört hat oder sogar - was viel schlimmer wäre - ihm nicht glaubt. "Warum?", fragt Xander schließlich mit leiser Stimme. Giles schaut ihn lange und eindringlich an. Er wägt die Worte ab, die er nun sagen will. Muss. Von Wollen kann keine Rede sein; und es ist ihm auch zuwider, einen lieben Menschen zu etwas aufzufordern, was gefährlich für ihn ist. Eigentlich möchte er ihm sagen, er solle verschwinden, aber wohin? Verstecken? Kaum möglich. Und die Alternative, falls ihr Versuch am heutigen Abend fehlschlagen sollte, ist noch viel grässlicher. So antwortet er nun mit leiser Stimme:"Weil niemand getrennt von seinen Lieben sterben sollte".
Giles kann Xander schlucken hören. Es klingt so, als ob der Kloß im Hals sich gelöst hätte, findet er und betrachtet Xander mit einem liebevollen und zugleich traurigen Blick. Xander hebt den Kopf, nickt langsam und dann lächelt er, ein kleines, trauriges Lächeln. "Nein, das sollte niemand", flüstert Xander und Giles hat das Gefühl, seine Botschaft hat Xander erreicht, denn dieser wirkt nun ganz anders, irgendwie lebendiger. Er ist froh darüber, denn er hat Xander sehr gern und es stimmt ihn traurig, wenn dieser sich kleiner macht, als er ist. "Gut", sagt Giles, und löst seine Hände von Xanders Schultern, um ihm anschließend einen freundschaftlichen Klaps zu geben. "Was hältst du davon, jetzt eine große Portion Chocolate Chip Eis mit extra Schokostückchen zu verdrücken? So eine Apokalypse lässt sich mit Schokoladengeschmack viel besser ertragen!" "Klar", sagt Xander sofort, "eine riesige Eisportion als Henkersmahlzeit hab' ich mir schon immer gewünscht!", und dann fängt er spontan an zu lachen. Giles kann nicht anders und fällt leise mit ein. Mit dem Lachen noch auf den Lippen treten sie in die warme Nachmittagssonne, und die Helligkeit lässt sie blinzeln.
Auf den Stufen vor dem Haus verharren sie einen kleinen Moment. Giles merkt, dass es im Haus kühl war, und zwar nicht nur wegen des Temperaturunterschiedes. Doch die Sonne erwärmt ihn schnell und auch die Kälte im Herzen schmilzt unaufhaltbar mit dem Klang von Xanders Lachen.
Es ist dunkel in der Küche, und kühl. Durch die heruntergelassenen Jalousien fällt etwas Sonnenlicht herein und zeichnet ein Streifenmuster auf den Fußboden vor seinen Füßen. Er kann sehen, wie der Staub im Sonnenlicht tanzt, wenn er die Beine bewegt, aber er registriert es nur am Rande. Für ihn zählt im Moment nur die Einsamkeit des Hauses, damit er in Ruhe grübeln kann, ohne damit jemandem zur Last zu fallen. Es reicht schon, dass er sich selbst eine Last ist. Unnütz, nicht mehr zu gebrauchen. Schließlich ist er ein Krüppel, nur noch unvollständig - und damit sicher einer Gefahr für die Anderen. Und er will keine Last sein. Für niemanden. Er hört, wie die Haustür geöffnet wird und sich Schritte nähern. Er kennt diese Schritte genau und hofft inständig, dass die Person den Weg in die Küche nicht finden. Denn insbesondere dem zu diesen Schritten gehörenden Menschen will er nicht zur Last fallen. Doch da öffnet sich auch schon die Tür und die Schritte kommen unaufhaltsam näher. <Ich hätte mich nicht in die Nähe des Kühlschrankes setzen sollen>, denkt er noch, als ein Fuß gegen seine Hüfte stößt und ein leises 'ha' ertönt. "Xander, solltest du nicht draußen bei den anderen sein und... ähh... das Wetter genießen? Immerhin haben wir noch - sechseinhalb Stunden bis zum Sonnen- und Weltuntergang!", hört er die vertraute Stimme von Giles sagen. Xander betrachtet die in braune Hosenbeine gehüllten Knie des Rippers. Er hat befürchtet, mit dieser Frage konfrontiert zu werden und sie beantworten zu müssen. Er weiß, dass Giles seinetwegen versucht, fröhlich zu klingen, aber nicht so empfindet. Wie auch, bei der Aussicht auf die drohende Apokalypse? "Ich bin lieber hier drin und aus dem Weg", murmelt er als Antwort und stellt fest, dass er die Bitterkeit nicht ganz aus der Stimme drängen kann. Warum musste ausgerechnet Giles ihn finden? Xander will vermeiden, dass Giles den wahren Grund für seinen Trübsinn erfährt und versucht darum, sarkastisch zu sein. "Ich sollte wohl besser in den Keller ausweichen, um auch *wirklich* sicher zu gehen, dass ich nicht zufällig zur tödlichen Stolperfalle für Ex-Wächter werde." "Wie bitte?" Xander schaut zu Giles auf und sieht, wie dieser die Stirn kräuselt, die Brille abnimmt und sich mit einer fahrigen Bewegung über die Augen und den Nasenrücken streicht. Xander schüttelt den Kopf. Er hätte wirklich besser in den Keller gehen sollen. Sicherheitshalber. "Ich bin eine Gefahr für euch und will es nicht schon schlimmer machen, als es bereits ist", sagt er und weiß, dass Giles die Traurigkeit in seiner Stimme hören kann. Er nimmt es in Kauf, da es ohnehin bereits zu spät zum weglaufen ist. "Was redest Du da? *Jeder* wird gebraucht", antwortet Giles, während er die Brille wieder auf die Nase setzt. Xander schließt die Augen und lässt den Kopf sinken. Die Worte klingen so unverbindlich, nach einer Standard-Antwort. Xander fühlt sich dadurch bestätigt: Er ist überflüssig. So antwortet er resigniert: "Ihr braucht keinen Krüppel.", erhebt sich und ist mit Giles nun auf Augenhöhe. <Harris, der Zyklop>, denkt Xander bitter, als sich seine Augenklappe in Giles' Brille spiegelt. "Ich werd' dann mal in den Keller gehen", teilt er Giles lakonisch mit und will sich an ihm vorbei in die Einsamkeit flüchten. Doch dieser lässt ihn nicht passieren, sondern hält ihn am Arm fest. "Warte!", sagt Giles und Xander hört, wie das Buch auf den Tresen gelegt wird. Xander lässt sich herumdrehen und spürt, wie Giles ihm nun die Hände auf die Schultern legt und ihn dazu bringt, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. "Du wirst dann zum Krüppel, wenn du dich zu einem machen lässt", sagt Giles ganz leise zu ihm. "Nur weil ein körperliches Attribut nicht mehr so ist, wie es mal war, bist du doch immer noch *du*." Xander registriert, dass Giles sein Gesicht mit ernsten, und doch sanften Blicken betrachtet. Dann sieht er, wie Giles Mund ein Lächeln entwischt, und schließlich lächeln auch die Augen hinter den Brillengläsern. Dann schüttelt Giles sachte den Kopf. "Wie kann jemand behaupten, du wärest etwas anderes als vollständig?", sagt er und Xander merkt, wie Giles den Griff seiner Hände um Xanders Schultern verstärkt. "Wir sind nicht vollständig ohne dich. Du bist *wichtig* für uns!" Ein wenig Röte huscht über Xanders Gesicht und er muss zu Boden schauen. Es wird ganz warm in seinem Bauch, als der Hoffnungsschimmer durch sein Inneres sickert. Kann das wahr sein? Er ist verunsichert, daher fragt er vorsichtig: "Wirklich?" "Wirklich!", bestätigt Giles mit Nachdruck. "Es ist wichtig, dass *wir zusammen sind*, besonders heute Abend." Xander ist sich sicher, dass Giles es nicht so gemeint hat, wie er es sich wünschte, aber das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass Giles seine Hände noch auf seinen Schultern liegen hat und er die Wärme spüren kann, die von ihnen ausgeht. Plötzlich kommt ihm diese *eine* Frage in den Sinn, und er weiß, wenn er sie ausspricht, wird er die Antwort nicht hören wollen. Dieser Tatsache ist er sich längst bewusst. Die Aussichten sind schlecht. Aber es drängelt, dieses Wort, und vielleicht will er diese unumstößliche Wahrheit mit anderen Worten hören, mit einer Stimme, die ihm schon oft Trost gespendet hat... vielleicht klingt die Wahrheit dann nicht mehr so endgültig, denn Giles hat eine perfekte Märchenonkel-Stimme, findet Xander. Sie wird ihm zu verstehen geben, dass alles gut wird, da ist er sich sicher. Und deshalb flüstert er: "Warum?" Nach einem Moment, der Xander wie eine Ewigkeit vorkommt, hört er die sanfte Stimme sagen: "Weil niemand getrennt von seinen Lieben sterben sollte."
Xander schluckt hart, seine Kehle ist ganz trocken. Er zwingt sich dazu, den Kopf zu heben und Giles wieder anzuschauen. Der sanfte Blick ist immer noch da, aber er hat nun einen traurigen Aspekt. Xander nickt langsam und dann lächelt er, ein kleines, trauriges Lächeln. "Nein, das sollte niemand", flüstert Xander, und irgendwie fühlt er sich nicht mehr so nutzlos und überflüssig. Das *Es-wird-alles-gut* hat er verstanden; diese warme Stimme hat es ihm gesagt, auch wenn die Worte eine andere Bedeutung haben. "Gut", sagt Giles, und löst langsam seine Hände von Xanders Schultern, um ihm anschließend einen freundschaftlichen Klaps zu geben. Xander kann noch Sekundenlang spüren, wo diese warmen Hände seine Schultern berührt haben und er wünscht sich, sie blieben ewig dort liegen. "Was hältst du davon, jetzt eine große Portion Chocolate Chip Eis mit extra Schokostückchen zu verdrücken? So eine Apokalypse lässt sich mit Schokoladengeschmack viel besser ertragen!", sagt Giles und Xander findet, dass Giles mit seinem Lächeln aus der Eiscreme Schokosauce gemacht hätte. "Klar!", sagt Xander sofort, "eine riesige Eisportion als Henkersmahlzeit hab' ich mir schon immer gewünscht!", und dann fängt er spontan an zu lachen und er hört, dass auch Giles leise lacht. Mit dem Lachen noch auf den Lippen treten sie in die warme Nachmittagssonne, und die Helligkeit lässt sie blinzeln.
Als die Sonnenstrahlen seinen Körper erwärmen, wird Xander bewusst, wie kalt ihm zuvor gewesen ist und wie traurig er sich gefühlt hat. Aber Sonne, Eis und Schokolade sind Dinge, die ihn jederzeit glücklich machen. Genauso wie dieses Lächeln, das Eiscreme und noch so viel mehr schmelzen lassen kann.
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