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Demolition Love

© by Jimaine ()
 
Disclaimer: Alle Rechte an Stargate: Atlantis und den Charakteren liegen bei MGM und ACME Shark Productions. Keine Verletzung dieser Rechte ist beabsichtigt und nichts liegt mir ferner als mich an diesem rein fiktiven Werk zu bereichern. Don't I wish...
AN: Ich wollte eigentlich Sunday porn schreiben, doch der Nachhall von "Trinity" war zu stark. Nichts aus der Forgive & Forget-Schublade. Und letztendlich überhaupt nicht das, was mir eigentlich vorschwebte - Sheppard ist eine verflucht störrische Muse, die irgendwie meint, das Selbstmitleid gepachtet zu haben. Zumindest für einige Zeit nach der Folge. Herzlichen Dank an Birgitt für die Beta - ich hatte Deinen ,magic touch' wirklich vermißt!
Titel inspiriert von Jann Arden. Das Lied paßt so wunderbar und wenn ich könnte, würde ich glatt ein Songvid dazu machen...
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

 

Can you see my heart beating in my mouth
Thank God the bones will keep it there inside
And you won't have to see this latest casualty
And you can get yourself away from
all my demolition love.
 

 

 

Das Adjektiv, nach dem sein Gehirn verzweifelt sucht, ist 'surreal'. Zuerst waren da die Träume gewesen...mit denen ist er klargekommen. Aus Träumen wacht man auf. Manchmal scheinen sie kein Ende zu nehmen, aber schließlich wacht man auf, schweißgebadet und zitternd und dankbar, wieder Bezug zur Realität zu haben. Auch jetzt zittert er, schwitzt... und diesen Traum kann er berühren. Nur der Bezug zur Realität läßt auf sich warten. Die schweißnasse Haut, über die er sein Gesicht reibt, mit den Lippen erforscht, was ihm längst blind vertraut ist - surreal. Der Mund, der seinen zurückgebogenen Hals entlangfährt, leise bedeutungslose Zärtlichkeiten murmelnd - surreal. Die kräftigen Hände, die sich unter ihn schieben, seinen Hintern umfassen und ihn näher heranziehen, damit als nächstes ein Oberschenkel zwischen seinen Beinen zu liegen kommt, *genau* den richtigen Druck ausübend - überaus real. Mit einem kehligen Stöhnen verabschiedet er sich von surreal und schlingt die Arme um den Körper, der seinem soviel näher ist, als er zulassen sollte.

An dieser Stelle sieht er ein, daß er eindeutig die schwächeren Argumente hat. Und den weitaus schwächeren Willen.

Es ist kein Vergeben, auch kein Nachgeben oder Hingeben, sondern Aufgeben; jedes Streicheln der Zunge über seine Brustwarzen schmerzt mehr als ein Peitschenhieb und dennoch würde er niemals wollen, daß es aufhört. Würde niemals aufhören wollen.

 

* * *
 

<<T+1>>

 

Die gedrückte Stimmung hatte das morgendliche Briefing doppelt so lang erscheinen lassen - und es hätte vermutlich auch doppelt so lang gedauert, wenn Colonel Caldwell mit der 'Dädalus' nicht schon um 0500 zur Erde aufgebrochen wäre. Er hatte beschlossen, diesen Umstand als glückliche Fügung anzusehen; für die nächsten Wochen würde er sich nicht mehr den Kopf zerbrechen müssen, in welcher Form und an wen er seine Berichte schickte. Obendrein beneidete er Caldwell nicht darum, dem Präsidenten und den Joint Chiefs im Pentagon von dem Fehlschlag des Projekts 'Vakuumenergie' berichten zu müssen.

Allerdings hatte er sich bereits zwei Minuten nach Elizabeth Weirs "Das wär's, Ladies und Gentlemen, machen wir uns an die Arbeit" gewünscht, Caldwell hätte ihn mitgenommen, in dem Moment als er seinen Namen gehört hatte. Ein Ruf von der anderen Seite des Konferenzraumes, doch hätte es genauso gut von der anderen Seite des Grand Canyon kommen können. Niemand konnte von John Sheppard - egal ob nun Colonel, Major oder Zivilist - behaupten, daß er ein Feigling sei, der einem Kampf aus dem Weg ging; dieser Tage hätte er allerdings auf eine solche Frage geantwortet, daß es nicht genug Umwege für ihn geben könnte.

Dies war kein Dauerzustand. John Sheppard auf der Flucht vor Rodney McKay.

 

*****
 

 

Can you hear me laugh, dazed and scared to death
Thank God my thoughts aren't drifting through the air
'Cause you would catch me there
bound so tightly to your knees
The dirt beneath your feet is all I need
to be completely mad.
 

 

Also so ist es, wenn alles gesagt ist, was zwei Menschen einander sagen können... und noch immer fühlt es sich an, als wäre nichts gesagt worden.

Es fühlt sich viel zu gut an. Er sollte es nicht wollen. Sollte sich dafür schämen, hier zu liegen, auf dem Rücken, sich windend vor Ekstase, keuchend, eine Hand in die Matratze gekrallt und die andere in Rodney McKays Hüfte...Rodney, dessen Atem er gegen seine Schulter spürt, Rodney, der ihn festhält, ihn stöhnenwimmernbetteln läßt und jeden Wunsch befolgt, bevor er über seine Lippen kommt. Er haßt Rodney dafür, daß er ihm so nahe gekommen ist. Dafür, daß er ihn dazu gebracht hat, einem fremden Urteil mehr zu vertrauen als seinem eigenen. Dafür, daß er trotz aller Wut nicht bei seinem Nein geblieben ist. Er haßt Rodney für all die Dinge, die er sich selbst nicht verzeihen kann.

Rodney, der nun innehält und ihn ansieht. "John?"

Ja, und dafür auch.

 

* * *
 

<<T+2>>

 

Nach einer großteils schlaflosen Nacht hatte er das Frühstück aus Zeitmangel ausfallen lassen und sich den Vormittag über von zusammengeschnorrten Müsliriegeln, Twinkies und schlechtem Instantkaffee ernährt (erstaunlich, was U.S.-Marines so mit sich herumtrugen und wie gerne sie es mit ihrem CO teilten, wenn dieser den Eindruck erweckte, gleich unter dem Gewicht seiner P90 zusammenzuklappen). Zurück in Atlantis hatte er dann geglaubt, mit einem späten Mittagessen auf der sicheren Seite zu liegen. Schließlich konnte man nach Rodneys Eßverhalten die Uhr stellen. Nicht aber, wenn Rodney sich in der Messe auf die Lauer legte wie ein Löwe am einzigen Wasserloch der Savanne. Seine Rettung hatte er seinen Reflexen zu verdanken, die ihn einen sich just im Gehen befindlichen Radek Zelenka schnappen und eine Unterhaltung beginnen ließen. Heute - aber auch nur heute - wäre er frei für Tests an den jetskiähnlichen Wasserfahrzeugen, die neulich am nördlichen Pier entdeckt worden waren.

Wenngleich auch anfangs wenig begeistert von der Idee - offenbar hatte Major Lornes Team etwas mitgebracht, das laut Dr. Parrish einer Kakaopflanze ziemlich nahekam und die Botanik hatte ihn rekrutiert, beim Aufbau der atlantiseigenen Schokoladenproduktion mitzuhelfen - hatte Zelenka nur einen Blick an Sheppard vorbei werfen müssen, auf einen Rodney McKay, der durch die Menge unbeirrt auf sie zusteuerte, um seine Meinung zu ändern.

Vermutlich war sein Gesichtsausdruck trotz der gleichmütigen Fassade, um die er sich bemühte, ziemlich flehend gewesen, warum sonst sollte Zelenka ihn mit dieser Mischung aus Bedauern und Mitgefühl angesehen haben? Er war nur dankbar gewesen, daß der Mann so schnell schaltete und mit einem knappen Nicken seine Zustimmung gab, ihm schnellen Schritts zum nächsten Transporter gefolgt war, ohne weitere Fragen zu stellen.

Er hatte Rodneys Blick spüren können, hatte die unausgesprochenen Worte bereits gehört, doch hatte er der Versuchung widerstanden, sich umzudrehen; die Gefahr, daß seine Entschlossenheit gebrochen würde, war zu groß gewesen. Reden stand noch außer Frage, nicht so sehr wegen dem, was Rodney sagen würde, sondern wegen dem, was er würde antworten müssen. Kurzum hatte er sich entschieden, nein, hatte sich *geweigert*, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen, hatte entschieden, daß er es nicht wollte. Schlichtweg nicht *konnte*.

So hatte er die Stunden bis zur Abenddämmerung auf dem Wasser - und mehr als einmal auch im Wasser - verbracht. Antiker-Jetskis, Zelenkas schwarzer Humor und nicht zuletzt Sergeant Connors großzügig gepackter Picknickkorb hatten seine Stimmung extrem gehoben, und die einzigen Funkkontakte hatten aus dem stündlichen "Alles in Ordnung" bestanden. Ein perfekter Tag, beziehungsweise eine perfekte Illusion davon. Als er ins Bett gefallen war, Salz in den Haaren und auf der Haut und um einige blaue Flecken reicher, war die einzige Berührung, an die er gedacht hatte, die von Wind und Wellen gewesen.

 

*****
 

Wind und Wellen... anders als die Berührungen, in denen er jetzt versinkt - ertrinkt - die Empfindungen, die ihn einhüllen. Ausfüllen. Und es ist nicht genug, lediglich ein allmählich verhallendes Echo in der wachsenden Leere, diesem Zwiespalt, den er nicht aus eigener Kraft überbrücken kann. So überdeutlich wie er jede Bewegung von Rodney über sich - in sich, und leider wird es niemals tief genug sein, um festzuhalten, was verloren ist - fühlt, so fühlt er die Wärme und Zuneigung, kaum daß sie entsteht, in seinem Inneren verschwinden, aufgesaugt von dem Schwarzen Loch dort. Irrtümlich hat er geglaubt, damit umgehen zu können wie mit allem in seinem bisherigen Leben - was getan ist, ist getan, Wasser unter der Brücke, nach vorne schauen und die ungenehme Erinnerung und alles, was damit zusammenhing, zurücklassen und einen sauberen Schnitt machen, kurz und schmerzlos. Diese Taktik funktioniert hier nicht. Wieder und wieder begegnet er dem anderen Körper, greift mit beiden Händen zu, doch was er greift ist lediglich...Haut. Nicht... "Rodney..." Früher oder später wird er sich damit auseinandersetzen müssen, auf die eine oder andere Weise. Früher oder später. Er haßt Konfrontationen mit sich selbst, denn mit dem Ergebnis ist niemand zufrieden. Warme Haut und vergängliche Intimität - warum ist es niemals mehr als das? Nach all den Enttäuschungen der letzen Jahre hat er eigentlich mehr verdient. Aber warum sollte es in Pegasus anders sein? Sie waren schließlich alle noch dieselben Personen wie vorher, mitunter sogar noch weniger als das. Er hat sich niemals zu den letzteren gezählt, nicht bis vor wenigen Tagen. Vielleicht ist das der Grund für das hier, für Rodney, für Wut, Enttäuschung, Verlangen, Vertrauen und zig andere Gefühle, die plötzlich keinen Sinn mehr ergeben, die er neu sortieren muß - und keine der Scherben scheint an eine andere zu passen.

Vergebung ist niemals kurz und immer schmerzvoll. Dies ist weder ein Anfang noch ein Ende.

"Sieh mich an, John, bitte..."

Es ist hier, daß er die Augen schließt und sich auf die verbliebenen Sinne konzentriert. Und sein Körper, Verräter und Verratener zugleich, folgt dem Lustprinzip, dem Ego und Superego zum Trotz, und läßt sich willig auf das Täuschungsmanöver ein, zu begierig darauf, endlich Befriedigung zu erlangen. Mit zusammengebissenen Zähnen wartet er.

Nicht lange.

Der blendend helle Lichtblitz in seinem Kopf, als er keine zehn Sekunden später kommt, ist nicht annähernd so hell wie der in seiner Erinnerung.

 

* * *
 

 
<<T+3>>

 

Eigentlich hätte ihm klar sein sollen, daß es nicht beim "Wir müssen reden" bleiben würde. Daß es lediglich ein Vorwand war, mit dem das Spielfeld bestimmt wurde. Hier. Jetzt. Alle Umstände waren gegen ihn gewesen. Ort, Zeit, das Fehlen jeglicher Zeugen. Allein in dem weitläufigen Korridor in der Nähe seines Quartiers hatte er keine Chance gehabt. Ein langer Blick hatte genügt. So unpersönlich und distanziert die E-Mail von vorgestern, um so persönlicher und schonungsloser würde diese Begegnung sein.

"Ich habe dich vermißt..."

Das "Ich dich auch" war ausgesprochen, bevor er sich dessen bewusst gewesen war. Pawlowscher Hund, dein Name sei John Sheppard - und der Reiz war Rodney.

Jetzt wo sie begonnen hatten, würde es keinem von ihnen gelingen, aufzuhören. Einmal in Gang gesetzt würde die fatale Kettenreaktion, diese als Hoffnung getarnte Selbsttäuschung, bis zu ihrem bitteren Ende ablaufen. Hände in Haaren, unter Stoff, suchend, zerrend, zu gleichen Teilen aus Verzweifelung, Reue und Mitleid.

Kein Zurück mehr, die einzige Option, die er gehabt hatte, war das Vorwärts gewesen. Vorwärts ohne anzuhalten. Totaler Zusammenbruch des eigenen Willens. Noch wie seine Kleidung zu Boden fiel, hatte er sich gefragt, warum sein Herz so kalt war...als hätte es zu schlagen aufgehört und würde auf weitere Befehle warten.

Und ihm fehlte die erforderliche Befehlsgewalt.

 

*****
 

 

Thank God the voices screaming in my head
would sooner wish instead than face the
bitterness of loss
I can take it now, I know myself in
demolition love
 

 

Nicht der Wind streicht über seine schweißnasse Haut, kühl und belebend, sondern Rodneys Atem, allmählich ruhiger werdend. Außerdem das rhythmische Streicheln der Hand durch sein Haar, in seinem Nacken... er ist nicht gänzlich im Hier und Jetzt, allein das Gewicht des anderen Körpers hält ihn hier.

Etwas in ihm möchte mit dieser Empfindung etwas Positives verbinden. Zufriedenheit. Geborgenheit. Allerdings... Er hat erwartet, daß es schlimm sein würde... Afghanistan hat ihn gelehrt, wie viel er ertragen kann - muß - und auch, wie damit umzugehen ist, ohne den Verstand zu verlieren. Daß er hier ist, in diesem Bett, mit Rodney... ein Beweis dafür, daß er dabei keinen sonderlichen Erfolg gehabt hat.

"Ich..." Mehr bringt er nicht über die Lippen. Er will die Augen nicht öffnen. Was er durch geschlossene Lider sieht, ist erschreckend genug, die Bilder, die über den Bildschirm in seinem Kopf flackern, sind zusammenhanglos, verschwommen, als hätte der Kameramann den Fokus falsch eingestellt. Den Fehler zu beseitigen würde bedeuten, zu scharf zu sehen...und deshalb gar nichts mehr.

"Das war..."

Er antwortet nicht. Kann nicht antworten. Was sollte er auch sagen?

"Intensiv", beendet Rodney den Satz für ihn und sinkt seitwärts auf die Matratze, hebt einen Arm, anscheinend mit der Absicht, sich anzukuscheln. Zu selbstverständlich... John verspürt einen Stich von Bitterkeit. Wie kann Rodney nur glauben... voraussetzen...? Die Arroganz dieses Mannes ist endlos! Prompt wandelt sich Bitterkeit zu Zorn, als er die Hand spürt, die seine Seite streichelt, langsam, vom Schenkel über die Rippen hinauf zur Schulter und zurück. Nähe. Wärme. Nähe gleichbedeutend mit Vertrauen... er kann sich gut erinnern, wie es gewesen ist (und was würde er darum geben, daß es wieder so sein könnte). Gemeinsam einschlafen, gemeinsam aufwachen... die logische Folge dieser Explosion von Hormonen.

Allerdings hat die Befriedigung dieses körperlichen Bedürfnisses den gegenteiligen Effekt auf seine Seele. Kaum daß die letzten Schockwellen der Lust abebben, beginnt er den Schmerz zu fühlen, den er seit Tagen verdrängt. Der surreale Schleier ist nun gänzlich gehoben, die Sinneseindrücke sind einmal mehr realer, als er sie ertragen kann. Die Nähe ist mit einem Mal unerträglich, die Wärme, die mit jedem Herzschlag intensiver wird, hat nichts mit Wohlbefinden zu tun - es ist vielmehr ein häßliches Gefühl, ein nur geringfügig anderes als Abscheu. Vor sich selbst.

Auf Doranda, in dem Labor... Wäre es irgend jemand anderes gewesen, hätte Rodney nicht zugehört, sondern wäre bis zum bitteren Ende geblieben, ein Opfer seiner eigenen Idee, in die er sich so weit verrannt hatte, daß er den Weg zurück nicht fand und nicht sehen *konnte*, was er anrichtete. Niemand hätte ihn zum Aufgeben bewegen können oder im kritischen Moment überhaupt einen *Zugang* zu ihm gefunden, nicht Dr. Harper, nicht Dr. Torrejon, nicht einmal Zelenka, den Rodney mehr als unwirsch abgekanzelt hatte. Rodney hätte auf stur geschaltet und jegliche Einsicht verweigert, seinen Starrsinn mit dem Leben bezahlt. Aber er hat auf John Sheppard gehört. Soll es in der Zukunft immer so sein, er als Rodneys Beschützer, die letzte Firewall? Er bezweifelt, daß er mit dieser Verantwortung für einen anderen Menschen leben kann, ohne an ihr kaputt zu gehen.

Und dennoch... Er will, daß Rodney bei ihm bleibt. Sich an die guten Zeiten erinnern. An ihn glauben. Will sich über ihn aufregen. Seine Zustimmung. Will ihn so sehr...

"Und jetzt gehst du wohl besser."

Ein Faustschlag oder ein Tritt hätten den gleichen Effekt gehabt; Rodney ist so weiß wie das Bettlaken. "W-was?"

Er ist von sich überrascht, wie gut ihm der kalte Ton gelingt. "Du hast doch nicht allen Ernstes geglaubt, du bräuchtest mich bloß ins Bett zu kriegen und damit wäre alles wieder in bester Ordnung?!"

"Ich habe..."

"Du wolltest doch an deiner Selbstüberschätzung arbeiten, Rodney. Ich sehe noch keine Fortschritte."

Rodneys Gesichtsausdruck zu sehen ist geradezu überflüssig; der Schock ist unüberhörbar in seiner Antwort. "Ich dachte... ich dachte, du vertraust mir."

Allein um Rodney nicht länger in die Augen sehen zu müssen, seine Emotionen so nackt wie der Rest von ihm, dreht er sich auf die Seite, so sehr darum kämpfend, nichts zu sagen, daß sein Kiefer schon zu schmerzen beginnt. Wenn es etwas gibt, das er jetzt nicht tun kann, dann ist es eine endlose Diskussion mit Rodney. _Geh, bitte, geh', ver*dammt*..._ Es ist nicht fair, es ist falsch, aber sie werden reden (später, später, diese Sache darf nicht für immer zwischen ihnen stehen, sie können das, was sie hatten, noch retten!), nur hat er noch keine Idee wann oder wie. Dies ist nicht die Art von Situation, mit der er umfassende Erfahrungen hat, John Sheppard hat niemals eine Beziehung gehabt, die so verfahren ist wie die ihre zur Zeit. Auch hat er niemals eine Beziehung gehabt, die er um jeden Preis retten möchte...die ihm soviel bedeutete, daß ihm bei dem Gedanken, Rodney zu verlieren, regelrecht schlecht wird. Ebenso bei dem Gedanken an das, was er gerade getan hat. Und warum.

Das Gefühl, das ihm das Atmen schwer macht, weder warm noch kalt, sondern einfach nur schmerzhaft, ist nicht länger Zorn, sondern Angst. Angst, daß sie immer nur in diesen Momenten leben werden, diesen Fragmenten voller Anspannung, die, obwohl es streckenweise so gut aussieht, ihnen am Ende immer wieder mit zerstörerischer Kraft um die Ohren fliegen, und sich zu keiner nennenswerten Zukunft zusammenfügen lassen. Vielleicht sind sie beide Teil einer fehlerhaften Gleichung, die nicht aufgehen kann.

"Es gibt mehrere Arten von Vertrauen, Rodney. Dies ist die falsche."

Was er nicht sagt, ist 'Ich vertraue mir selbst nicht mehr.' Was er nicht sagt, ist 'Ich habe mich ebenfalls überschätzt, wenn nicht sogar mehr als du, denn ich war mir meiner Wirkung auf dich so gewiß, daß ich nicht gesehen habe, wie ich dadurch alles nur noch schlimmer machte.' Was er nicht sagt, ist 'Der eigentliche Fehler lag bei mir - du warst nur du, wie immer so überzeugt von dir selbst, nur dir selbst, und daran sollte jeder inzwischen gewöhnt sein, deswegen mache ich dir keinen Vorwurf. Ich dagegen war von *uns* überzeugt...und habe mich geirrt.'

Nur entfernt nimmt er das Geräusch der sich öffnenden und schließenden Tür wahr und obwohl ein Teil von ihm aufspringen und Rodney zurückholen möchte, bleibt er unbeweglich liegen inmitten der feuchten, zerwühlten Laken. Ein Gedanke verriegelt die Tür, dimmt das Licht; wie er einige Zeit später die Hand ausstreckt, ist die andere Seite der Matratze noch immer klamm, aber bereits kalt, als wäre Rodney nie dagewesen.

Welche Art von Hochmut ist die schlimmere? Den Beweis dafür erbringen zu wollen, daß ein ganzes Volk sich geirrt hatte, weil man ein Problem lösen will, das für sie unlösbar geblieben ist? Oder sich selbst als letzte Schutzinstanz zu verstehen, als die einzige Person, die eine andere zur Einsicht bringen kann?

Abermals schließt er die Augen. Das Licht ist immer noch zu hell.

 
Ende

 
Du bist der 1632. Leser dieser Geschichte.