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Dinge zerbrechen© by Birgitt ()
"Gehst du zum Gedenkgottesdienst?" Gibbs hielt in der Bewegung inne, drehte sich zu DiNozzo um. Er war nicht überrascht, dass er zu später Stunde in seinem Keller auftauchte. Was ihn überraschte, war dessen Verzicht auf Höflichkeit. *Nett, DiNozzo. Keine Begrüßung, kein Small Talk, um die Atmosphäre aufzulockern.* "Die Einladung ist an das gesamte Team gegangen, DiNozzo. Offiziell. Über Direktor Shepard. Ich dachte, das hätte ich euch klargemacht." *Jenn hat keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie Ausreden, die billiger waren als eine Beinamputation, nicht gelten lassen würde.* "Das heißt, ich *muss* dahin?" *Was soll das denn jetzt?* Gibbs legte den Hobel zur Seite. Dies war keine Unterhaltung, die er mit halber Aufmerksamkeit führen konnte. "Wenn mich nicht alles täuscht, gehörst du immer noch zu diesem Team." "Nimmst du mich mit, Boss?" "Seit wann fährst du freiwillig mit mir?" DiNozzo würdigte ihn nicht einmal mit einem Schulterzucken. "Ich hole dich um acht Uhr ab. Ducky nimmt Abby und McGee mit." "Okay, Boss." DiNozzo war bereits die Kellertreppe hinauf, als Gibbs die Frage nicht mehr zurückhalten konnte. "Welchen Teil dieser Unterhaltung hätten wir nicht am Montag im Büro führen können? Hast du nichts Besseres an einem Samstagabend vor, DiNozzo?" Das Nächste, was Gibbs hörte, war das Knallen der Tür.
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Seit zwei Stunden wusste Gibbs, wie sich Fahrer von Leichenwagen fühlen mussten. DiNozzo hatte während der gesamten Fahrt nicht ein Wort von sich gegeben. Das war normalerweise sein Beitrag zur Konversation - meist schien DiNozzo in seinem Redefluss Gibbs' Schweigsamkeit gar nicht zu bemerken. Oder er akzeptierte es einfach, so wie er viele von Gibbs' Eigenarten hinnahm. Als sie auf dem Kirchplatz ankamen und DiNozzo nach einer gemurmelten Entschuldigung rasch davonging - in die falsche Richtung - war Gibbs fast erleichtert. Er sah ihm nach, ging dann zu den anderen Teammitgliedern, die vor dem Eingang auf ihn warteten. "Was ist mit Tony los, Gibbs?" Abby nickte in die Richtung, in die DiNozzo verschwunden war. "Hast du ihn gefeuert, weil er dir gute Ratschläge beim Autofahren gegeben hat?" *Schön wär's.* "Dann wäre er den Rest der Strecke zu Fuß gekommen! Nein, der Mann hat eine Blase wie ein Sechsjähriger." Gibbs konnte an den Gesichtern der anderen erkennen, dass sie ihm die Ausrede nicht für eine Sekunde abkauften. "Kommt schon." *Bringen wir die Sache hinter uns.*
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Alles lief perfekt. Die Kirche war festlich geschmückt - die Dekoration und das Thema des Gottesdienstes zeigten deutlich, dass sich die Gemeinde auf das höchste Fest des Jahres vorbereitete. Kates Mutter hielt eine kleine Rede, eine Art Addendum zu den Fürbitten, in der sie ihren Dank aussprach. Dafür, dass Kates Familie und Freunde so zahlreich erschienen waren. Sie blickte lächelnd in die Reihen und nickte Gibbs kurz zu. Er war sich schmerzlich des leeren Platzes bewusst, den er für DiNozzo freigehalten hatte.
Sobald der letzte Akkord verklungen war, beeilte er sich, aus der Kirche herauszukommen, ohne dass es wie eine Flucht wirkte. Draußen stand DiNozzo, die Hände in den Taschen vergraben. Gibbs unterdrückte den Drang, ihn mitten auf dem Vorplatz zur Rede zu stellen. Er nahm ihn beim Arm, zog ihn mit sich. Er hatte nicht die Absicht, den anderen Kirchenbesucher eine Vorstellung zu bieten. "Wo warst du?" DiNozzo sah hoch und Gibbs stockte der Atem. So hatte DiNozzo ausgesehen, als sie Kates Tod festgestellt hatten. "Hier draußen. Kate hasst Heuchelei." Gibbs hatte die Nase voll von DiNozzos kryptischen Bemerkungen. "Was soll das heißen, DiNozzo?" "Dass es ihre Feier war. Weil sie die Vorweihnachtszeit so mochte. Deshalb hat ihre Mutter den ersten Advent für den Gottesdienst gewählt." Gibbs wartete. Jetzt, wo DiNozzo endlich wieder redete, konnte er nicht riskieren, ihn zu unterbrechen. "Das hat mir ihre Mutter erzählt. Ich habe sie angerufen, weil ich- Ich wollte mich entschuldigen, dass ich nicht kommen würde... könnte. Aber ich habe es nicht übers Herz gebracht - sie hat sich so über meinen Anruf gefreut, so als hätte sie nur darauf gewartet, jemandem von Kate erzählen zu können. Ich habe ihr einfach zugehört. Ich konnte-" DiNozzo brach ab, schüttelte den Kopf. "Aber da rein konnte ich auch nicht. Seit ich von dem Gottesdienst wusste, konnte ich nur eins denken. Dass ich es hätte verhindern können." "Blödsinn, DiNozzo. Wenn hier jemand Schuld an Kates-" "Nicht Kate, Boss. Das ist es ja. Ich denke nur an die Sache mit Jeffrey White. Wie ich das mit Jeffrey versaut habe." Gibbs hob die Hände, eine unbewusste Geste, um etwas unter Kontrolle zu bringen, das er nicht einmal begriff. "Stop, DiNozzo! Jeffrey White hatte das Messer schon an deiner Kehle!" "Das ist es nicht, Gibbs! Ich hab ihn an mich rankommen lassen. Ich habe ihn gemocht! Ich mochte ihn!" DiNozzo trat einen Schritt zurück, wich aus, als Gibbs nach ihm greifen wollte. "Ich mochte Jeffrey! Ich mochte Kate! Und ich mag-" Seine Augen weiteten sich und er schüttelte wieder den Kopf. Gibbs nickte nur. Er brauchte nichts mehr zu hören. "Lass uns nach Hause fahren, Tony. Ich nehme dich mit."
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"Ich dachte, ihr beschenkt euch erst am Weihnachtsmorgen. Das ist mit der Post gekommen, Tony." Aus den Augenwinkeln sah Gibbs, wie DiNozzo erstarrte, als sie ihm ein Päckchen reichte. Er war sicher, dass David sein Zögern bemerkte - so etwas entging ihr nicht. Vor ein paar Wochen hätte sie DiNozzo wegen dieser Reaktion die Hölle heißgemacht, um den Grund dafür zu erfahren. "Danke." Nach einer kleinen Pause und einem Lächeln, fügte er hinzu: "Ziva!" DiNozzo warf einen Blick auf den Umschlag und legte das Päckchen auf den Schreibtisch, ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Gibbs baute sich vor DiNozzos Schreibtisch auf. "Absender!" Keine Frage, eine Aufforderung. "Kates Mutter." DiNozzo sah nicht einmal auf. "DiNozzo..." "Okay, Boss", akzeptierte er den unausgesprochenen Befehl. Unter dem Packpapier kam eine DVD zum Vorschein und ein Brief glitt zu Boden. DiNozzo starrte auf das Cover und sah dann Gibbs an, hielt die DVD hoch. Flucht in Ketten. *Nicht dein Tag heute, DiNozzo.* DiNozzo hob den Brief auf, öffnete ihn. Las ihn. Reichte ihn Gibbs. *Lieber Tony, bei der Durchsicht der persönlichen Dinge meiner Tochter fiel mir dies in die Hände. In der Hülle der DVD befindet sich ein Brief. Seien Sie sicher, dass ich diesen nur soweit gelesen habe, bis mir klar war, dass er für Sie bestimmt ist. Maureen Todd* Als Gibbs wieder aufsah, gab DiNozzo ihm den zweiten Brief. Er erkannte Kates Handschrift. *Endlich bringe ich den Mut auf, dir dies zu geben. Oder vielleicht hat es nichts mit Mut zu tun, sondern einfach nur mit gutem Timing. Ich habe die DVD vor Wochen gekauft, ein paar Tage, nachdem du aus dem Urlaub zurückgekommen bist. Ich wusste, dass du bei Whites Beisetzung gewesen warst. Ich kaufte die DVD... um dich aufzumuntern? Um dir zu sagen: Vergiss die Sache, DiNozzo, du hast keine Schuld an dem Tod dieses Psychopathen? Um dir zu sagen, dass du deinen Dämonen ins Auge blicken musst, um weitermachen zu können? Zweimal hatte ich sie schon eingepackt. Und zweimal verließ mich der Mut. Und dann... Du bist beinahe gestorben. Nachdem sie mich aus Bethesda entlassen hatten, ging ich nach Hause. War drauf und dran, diese DVD in den Müll zu werfen, wo sie hingehörte mit all den Lebensweisheiten, die ich dir mitteilen wollte. Weil ich sicher war, dass du keine Aufmunterung, keine weisen Ratschläge brauchst, um weitermachen zu können. Nur gute Freunde, Kollegen, die dir zur Seite stehen und dir den Rücken decken. Offensichtlich ist sie nicht im Müll gelandet. Ich wusste plötzlich, ich würde dir dieses Geschenk irgendwann machen können. Einfach so. Ist das Leben nicht schön, dass es endlich soweit ist?*** Gibbs faltete den Brief zusammen. "Ich vermisse sie, Boss." *Ich auch, DiNozzo, ich auch.*
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