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Perfekt© by Olli ()
Es war der 25. Dezember 2151. T'Pol hatte gerade ihren Dienst auf der Brücke beendet und war auf dem Weg in ihr Quartier. Sie hatte sich freiwillig zu einer Doppelschicht gemeldet und hatte sechzehn Stunden Dienst hinter sich. Damit hatte sie es Captain Archer ermöglicht, nicht nur an der Weihnachtsfeier, die gestern Abend stattgefunden hatte, teilzunehmen, sie hatte es ihm auch erlaubt, heute Morgen auszuschlafen. Erst vor ein paar Minuten hatte Archer die Vulkanierin mit der Bemerkung abgelöst, sie sollte sich nun auch gründlich ausschlafen.
T'Pol fühlte sich aber keineswegs müde, nur etwas erschöpft. Sie war daran gewöhnt, lange Wachperioden durchzustehen und wenn sie später meditierte und dann ihr normales Schlafpensum einhielt, würde das genügen, um morgen wieder frisch und ausgeruht zum Dienst zu erscheinen. Aber bevor sie das tat musste sie noch etwas anderes tun.
T'Pol erreichte ihr Quartier, trat ein und öffnete sofort den Kleiderschrank. Sie griff hinter einen Stapel Handtücher und holte ein Paket hervor. Es war ganz präzise fünfzehn Zentimeter lang und vier Zentimeter hoch. Es war sorgfältig in rotes, glänzendes Geschenkpapier eingewickelt und mit einer kunstvoll gebundenen Schleife verziert, die aus goldenem und silbernem Geschenkband bestand. Die Schleife bestand aus mehreren sorgfältig geflochtenen und aufwändig ineinander verschlungenen Lagen und war ein luftiges, voluminöses Gebilde. Das Geschenkpapier war fast rasiermesserscharf um die Ecken gebogen und mit winzigen, kaum auffallenden Stücken eines durchsichtigen Klebestreifens befestigt. Allein das Geschenk so sorgfältig einzupacken hatte T'Pol eine Stunde gekostet! Die Anfertigung des Geschenks selbst hatte fünf Wochen gedauert! Sie stand vor dem offenen Schrank und betrachtete das Paket in ihren Händen nachdenklich. T'Pol spürte ein nervöses Kribbeln im Magen und bemühte sich, es zu unterdrücken. Sie hatte so schon zuvor empfunden: als sie auf das Ergebnis ihrer Aufnahmeprüfung für die Vulkanische Wissenschaftsakademie gewartet hatte, als sie während ihres Dienstes beim Sicherheitsministerium zum ersten Mal mit einem Einsatzteam eine Wohnung gestürmt hatte und als sie sich entschlossen hatte, Vulkan zu verlassen, um der Eheschließung mit Koss zu entgehen!
Und nun, da sie kurz davor stand, einer anderen Person gegenüber Gefühle auszudrücken, empfand sie wieder diese Nervosität. Sie hatte Ensign Sato vom ersten Tag an bewundert. Trotz ihrer Angst hatte Hoshi - T'Pol war schon vor Monaten dazu übergegangen, die junge Frau in ihren Gedanken so zu nennen - den Dienst an Bord der Enterprise fortgesetzt. Aber sie bewunderte auch das Sprachtalent Hoshis! Sie konnte sich gut daran erinnern, wie schwer es ihr gefallen war, Englisch zu lernen und Hoshi beherrschte über dreißig verschiedene nicht-irdische Sprachen! Hinzu kam, dass Hoshi von allen Menschen an Bord das größte Interesse an der vulkanischen Sprache, Tradition und Philosophie hatte. Seit dem Zwischenfall auf dem klingonischen Schiff hatte Hoshi immer wieder um Hilfe und Ratschläge für Meditationsübungen gebeten und T'Pol hatte sie breitwillig gegeben!
Die Fortschritte, die Hoshi gemacht hatte, waren unübersehbar und T'Pol empfand durchaus so etwas wie Stolz. Den Stolz einer Lehrerin auf eine erfolgreiche Schülerin. Aber sie hatte nie gewagt, diese Empfindungen in irgendeiner Weise zum Ausdruck zu bringen. Bis auf das eine Mal, als Captain Archer, Commander Tucker und zwei weitere Crewmen von der sich ausdehnenden Kreatur im Frachtraum gefangen worden waren und sich Hoshi um die Entschlüsselung der Sprache des Wesens bemüht hatte.
Aber nun schien T'Pol der richtige Zeitpunkt gekommen. Vielleicht hatte sie sich von der allgemein gefühlsbetonten Weihnachtsstimmung an Bord beeinflussen lassen? Vielleicht wollte sie nicht mehr allein beim Essen sitzen, wenn sie einmal nicht mit dem Captain in seiner Messe aß? Vielleicht wollte sie einfach einmal ein privates Wort mit jemandem wechseln können, ohne dabei die Distanz zum Captain wahren zu müssen oder von ihrem Gesprächspartner mit dem Dienstrang angesprochen zu werden? Sie wusste es nicht. Aber selbst während ihrer Zeit an der vulkanischen Botschaft auf der Erde hatte T'Pol einen Bekanntenkreis gehabt, in dem sie sich mit anderen Personen über Literatur, die Anlage des Botschaftsgartens oder ähnlich belanglose Dinge hatte unterhalten können.
Die Vulkanierin schloss den Schrank und verließ mit dem Geschenk in Händen ihr Quartier.
Auf ihrem Weg begegneten T'Pol einige Crewmitglieder, die sie überrascht ansahen. T'Pol ignorierte das, nahm aber zur Kenntnis, dass sie nicht die einzige war, die sich nach Dienstschluss mit einem Päckchen in den Händen auf den Weg gemacht hatte. Vor Hoshis Quartier blieb sie stehen und konzentrierte sich nochmals auf eine kurze Übung zur Beruhigung, dann betätigte sie den Summer.
Die Tür öffnete sich und Hoshi stand vor ihr, das nervöse Kribbeln in T'Pols Bauch war auf einmal wieder da als sie die junge Frau betrachtete. Hoshi trug legere Freizeitkleidung: eine dunkle Hose und eine rote Bluse, die locker über die Hose fiel. Die obersten beiden Knöpfe der Bluse waren geöffnet und die Ärmel bis zur Mitte der Unterarme hochgekrempelt. Ihr Haar trug Hoshi offen und sie war barfuss.
"Oh, Sub-Commander. Was kann ich für Sie tun?" "Ich..." T'Pol wusste nicht so recht, was sie sagen sollte und hob statt dessen etwas die Hände. Hoshis Blick fiel auf das Päckchen und ihre Augen weiteten sich für einen Moment überrascht. "Ahm, bitte Commander, kommen Sie herein", sagte Hoshi schließlich und trat einen Schritt zur Seite.
T'Pol betrat das Quartier und Hoshi schloss die Tür. Die Kabine lag im Halbdunkel, nur eine Leselampe brannte über dem Sofa, auf dem Couchtisch stand ein Gebinde aus Tannenzweigen - es waren künstliche wusste T'Pol - und etwas Weihnachtsdekoration mit einer brennenden Kerze in der Mitte. Daneben standen eine Schüssel mit Plätzchen und eine dampfende Teetasse.
Direkt hinter der Tür standen sich die beiden Frauen gegenüber und es entstand ein peinlicher Moment des Schweigens. "Ensign, ich möchte Ihnen ein Zeichen meiner Wertschätzung geben", sagte die Vulkanierin endlich und hielt Hoshi das Paket hin. Hoshi nahm es entgegen und stellte überrascht fest, dass es federleicht war. Sie blickte wieder auf und lächelte die Vulkanierin unsicher an. Sie hatte sich tatsächlich bemüht, ein freundschaftliches Verhältnis zu T'Pol aufzubauen aber da war immer eine letzte Kluft gewesen, die Hoshi einfach nicht überwinden konnte. Dass sie jetzt von T'Pol ein Weihnachtsgeschenk bekam, das erschien ihr fast unglaublich. "Oh... Bitte, nehmen Sie doch Platz", sagte Hoshi plötzlich und deutete auf das Sofa. Sie selbst ging zu einem Sessel, der dem Sofa gegenüber stand und setzte sich.
T'Pol hatte Hoshis Lächeln erfreut zur Kenntnis genommen aber auch die Unsicherheit bemerkt, die sich in die Miene der jungen Frau geschlichen hatte. Als Hoshi zum Sessel ging folgte T'Pol nur zögernd, sie fürchtete, alles falsch gemacht zu haben aber sie konnte jetzt nicht einfach gehen. T'Pol blieb mit auf dem Rücken verschränkten Händen stehen, das nervöse Kribbeln in ihrem Bauch nahm wieder zu.
Hoshi blickte zu der Vulkanierin auf und lächelte erneut. "Das ist fast zu schön, um es zu öffnen. Sie haben da ein richtiges kleines Kunstwerk fabriziert." T'Pol neigte leicht den Kopf. "Danke, Ensign. Sie sollten es dennoch öffnen." Das Lächeln der jungen Frau wuchs etwas in die Breite und T'Pol konnte in der Miene Hoshis keinerlei Unsicherheit mehr feststellen.
Hoshis Blick verharrte noch einen Moment auf der Vulkanierin. Dass ein Weihnachtsfest nötig war, um ihr Verhältnis zu T'Pol auf eine so persönliche Ebene zu heben, das hatte schon fast märchenhafte Züge. Hoshi sah auf das Paket und riss das Papier an den Klebestellen auseinander.
T'Pol beobachtete fasziniert, wie die kunstvolle Verpackung innerhalb von Sekunden zerrissen auf dem Tischchen lag. "Es gehört einfach dazu", sagte Hoshi und blickte T'Pol fast entschuldigend an.
Die Vulkanierin ließ ihren Gesichtsausdruck etwas weicher werden und Hoshi hatte plötzlich den Eindruck angelächelt zu werden. Sie hatte das bei T'Pol noch nie gesehen und sie musste zugeben, dass es ihr gefiel. Schnell wandte sie den Blick der kleinen hölzernen Schachtel zu, die sie aus dem Papier ausgewickelt hatte. Das Kästchen war schlicht und ohne jede Verzierung aber - soweit Hoshi das sagen konnte - mit großer Präzision und Sorgfalt angefertigt worden.
T'Pol hatte das Holz vor einigen Wochen von einer Außenmission heimlich an Bord gebracht. Natürlich hatte sie es zuvor genau auf irgendwelche Gefahren untersucht und festgestellt, dass es ganz gewöhnliches Holz war. Mit ihren eigenen Händen hatte sie das Kästchen in ihrem Quartier angefertigt. Sie hatte das Holz gesägt und geschliffen, es zusammengeleimt, poliert und schließlich lackiert.
Mit mittlerweile zitternden Fingern nahm Hoshi den Deckel von dem Kästchen und fand darin weißen Stoff. Sie fasste danach und stelle schon bei der ersten Berührung fest, dass es Seide sein musste! Vorsichtig hob sie die zusammengefaltete Seide aus dem Kästchen und stellte es zur Seite. Mit beiden Händen faltete sie es auseinander. Hoshi warf einen Blick darauf und ihre Augen weiteten sich, ihr Mund klappte auf.
"Sie haben das gemacht?", flüsterte Hoshi schließlich. T'Pol nickte, aber Hoshi hatte sie nicht angesehen also sagte die Vulkanierin: "Ja." "Für mich?" "Ja."
Schließlich wandte Hoshi langsam den Kopf und sah die Vulkanierin aus feucht schimmernden Augen an. Das konnte nicht sein, dachte Hoshi, oder doch? T'Pol musste sich doch informiert haben. Sie musste wissen, was sie ihr geschenkt hatte!
Die junge Frau legte das Seidentuch sorgfältig auf den Tisch und stand auf, sie trat vor die Vulkanierin, zögerte einen Moment und fasste dann nach den Händen T'Pols, sie hob sie an und umschloss sie mit ihren eigenen. "Ich danke Ihnen. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen."
Nach einem Augenblick löste sich Hoshi wieder von T'Pol und trat zurück. Die Vulkanierin war überrascht! Sie hatte sich zwar eine positive Reaktion Hoshis erhofft und dass dies ein weiterer Schritt sein könnte ihre Beziehung zu dem Menschen zu vertiefen, aber dass Hoshi gleich so emotional reagierte... das kam unerwartet.
Hoshi räusperte sich. "Möch... ahm... möchten Sie vielleicht eine Tasse Tee?", fragte sie die Vulkanierin. Wenn T'Pol ihr Geschenk bewusst ausgewählt hatte, dann sah Hoshi nicht nur die Möglichkeit, eine Freundschaft zu der Vulkanierin einzugehen, dann könnte es sein, dass T'Pol die Tür zu etwas anderem aufgestoßen hatte. "Sehr gerne", erwiderte T'Pol, erfreut über die Einladung.
Hoshi ging zu einer Kommode, die an dem Schott unter dem Bullauge stand und holte eine zweite Tasse hervor.
Die Vulkanierin setzte sich auf das Sofa und warf einen Blick auf das Seidentuch, das immer noch ausgebreitet auf dem Tisch lag. In das Tuch hatte sie den Ast eines Kirschbaums gestickt zusammen mit mehreren Blättern und drei Kirschblüten. Als sie nach einem passenden Geschenk für Hoshi gesucht hatte, da war sie durch Zufall auf dieses Bild gestoßen. In Japan stand die Kirschbaumblüte als Symbol für Reinheit, Schönheit und Glück! Da sie kein geeignetes Stück Seide hatte finden konnte, hatte sie schließlich aus dem Innenfutter einer ihrer vulkanischen Roben ein Stück heraus getrennt und für die Stickarbeit benutzt.
Hoshi kam zurück und reichte T'Pol die Tasse. Zur Überraschung der Vulkanierin ließ sich die junge Frau neben ihr auf dem Sofa nieder. Sie griff nach der Schüssel mit dem Gebäck und bot sie T'Pol an. "Bitte, ich glaube, die Jungs in der Kombüse produzieren diese Plätzchen zentnerweise", sagte sie schmunzelnd.
T'Pol griff nach einem sternförmigen Stück aus braunem Teig mit einem weißen Überzug. Sie hatte so etwas noch nie gegessen und biss vorsichtig einen Zacken ab. Es schmeckte sehr süß und irgendwie herb aber nicht uninteressant. T'Pol biss ein größeres Stück ab.
Hoshi schlug die Beine unter, stützte den Ellenbogen auf die Sofalehne und ihren Kopf in die Hand. Sie warf der anderen Frau einen schmunzelnden Blick zu, den T'Pol nicht bemerkte. Hoshi fand den Anblick der Vulkanierin, die mit durchgedrücktem Rücken und zusammengepressten Knien auf dem Sofa saß, in der einen Hand die Teetasse und in der anderen den Keks an dem sie vorsichtig knabberte, regelrecht... süß! Hoshi fiel kein anderes Wort dafür ein! Als T'Pol kauend aufblickte warf Hoshi schnell einen Blick auf das Tuch. "Sie haben sich wohl sehr mit der japanischen Tradition befasst?", begann sie.
* * * * * *
Eine Stunde später fühlte sich T'Pol richtig gut! Sie hatte sich entspannt an die Sofalehne sinken lassen und sogar ein Bein untergeschlagen, während das andere über der Sofakante hing, der Fuß ruhte auf dem Boden. Die Schuhe hatte sie schon vor einer Weile ausgezogen und das nervöse Kribbeln in ihrem Bauch war einer wohligen Wärme gewichen. Sie hatte sich mit Hoshi über eine Vielzahl von Dingen unterhalten, aber im Augenblick herrschte ein komfortables Schweigen. T'Pol hatte bemerkt, dass das Wärmegefühl in ihrem Körper immer mehr zugenommen hatte. Sie wusste nicht woher es kam, aber sie hatte nichts gesagt, weil sie es als recht angenehm empfand. Als genauso angenehm, wie den Anblick von Hoshis schlankem Hals!
Die helle Haut und die darüber fließenden schwarzen Haare bildeten einen wunderschönen Kontrast. Und die rote Bluse passte ganz hervorragend zu Hoshis Lippen musste die Vulkanierin zugeben. Sie fragte sich, ob Hoshi Lippenstift aufgelegt hatte? Im Dienst war ihr die Farbe der Lippen der jungen Frau nie so intensiv bewusst geworden!
Hoshi bemerkte, dass T'Pol sie anstarrte. Aber sie fühlte sich dabei nicht unwohl, im Gegenteil! Der Blick der Vulkanierin verriet... Interesse! Hoshi lächelte und sie fragte sich, ob sie es wagen könnte, der Vulkanierin ein paar Make-up Tipps zu geben. Sie müsste nur etwas finden, dass zu der olivfarbenen Haut der anderen Frau passt. Es würde nicht einmal viel Make-up nötig sein, fand Hoshi. Nur hier und da ein leichte Betonung und T'Pol würde noch besser aussehen als sie es sowieso schon tat!
T'Pol bemerkte, wie sich Hoshis Lippen zu einem Lächeln öffneten und zwei Reihen perlweißer Zähne enthüllten. Diese Lippen mussten sehr weich sein, sagte sich die Vulkanierin und fragte sich, wie es wohl wäre, sie zu berühren. Einen Moment später überlegte sie, wie es wohl wäre, Hoshis Haut zu berühren! Ob die junge Frau einen BH trug? T'Pol konnte keinerlei Anzeichen dafür ausmachen.
Hoshi bemerkte eine Veränderung im Blick der Vulkanierin. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie sagen, dass da Verlangen in den Augen T'Pols flackerte! Auch T'Pols Atem schien sich beschleunigt zu haben!
Plötzlich lehnte sich die Vulkanierin vor. Auf Händen und Knien überbrückte sie die kurze Distanz zu Hoshi und küsste sie! Hoshi riss überrascht die Augen auf, als die heißen Lippen der anderen Frau die ihren berührten, ein elektrischer Schlag schien durch ihren Körper zu fahren! Hoshi versuchte zu protestieren, aber T'Pol krabbelte weiter vorwärts und drückte Hoshi nach hinten bis sie an die Armlehne des Sofas gepresst war und T'Pol auf ihr lag. Ihre Lippen hatten sich nicht für einen Moment getrennt und schließlich fand T'Pols Zunge ihren Weg in Hoshis Mund! Hoshi hatte keine Ahnung, was in die Vulkanierin gefahren war, aber sie musste zugeben, dass T'Pol sich ganz hervorragend aufs Küssen verstand! Dennoch musste Hoshi das beenden! Sie hob ihre Hände zu T'Pols Schultern, um sie von sich weg zu drücken. In diesem Augenblick fand die Hand der Vulkanierin ihren Weg unter Hoshis Bluse und als die Fingerspitzen T'Pols über die nackte Haut von Hoshis Bauch strichen war es um die junge Frau geschehen!
Anstatt T'Pol von sich weg zu schieben, zog sie sie fester an sich!
* * * * * *
T'Pol wurde langsam wach. Sie hatte Kopfweh und benötigte einen Moment, um zu bemerken, dass sie im Bett auf der Seite lag. Als nächstes bemerkte sie, dass sie offensichtlich nackt war. Blinzelnd schlug sie die Augen auf. Dann begriff T'Pol, dass sie nicht allein im Bett lag! Ein Körper presste sich von hinten an sie. Ein nackter Körper! Ein Arm lag über ihrem Bauch! T'Pol sah sich um und erkannte entsetzt, dass das nicht ihre Kabine war! Wo in Suraks Namen war sie? Sie konnte sich nicht erinnern! Sie wusste nicht, wie sie hierher gekommen war und vor allen Dingen wusste sie nicht, in wessen Bett sie lag! Sofort wurde sie hellwach und ihr Körper versteifte sich unwillkürlich für einen Sekundenbruchteil. Die andere Person musste T'Pols Reaktion gespürt haben und bewegte sich. Der Arm wanderte nach oben und schob sich langsam über ihre Brust. Da die Decke nicht bis zu ihrem Kinn hochgezogen war, konnte T'Pol einen Blick auf die Hand werfen. Es war die Hand einer Frau! Ganz unbestreitbar. Hoshi, schoss es plötzlich durch T'Pols Hirn! Sie war gestern in das Quartier des Ensigns gekommen, um...
"Hey", flüsterte Hoshi in T'Pols Ohr. "Wir haben noch ein paar Stunden, bis wir aufstehen müssen." Dann spürte T'Pol warme feuchte Lippen, die sich auf ihre bloße Schulter pressten. Nein! Das konnte sie unmöglich getan haben! Abrupt setzte sich T'Pol auf, Hoshi fiel auf den Rücken und schrie überrascht leise auf. "Hey!"
T'Pol schlug die Decke zurück und stand auf, sie aktivierte das Licht und sah sich hektisch nach ihrer Uniform um. Sie lag auf dem Fußboden vor der Couch.
Während die Vulkanierin hinüber ging und sich so schnell sie konnte in die Kleidung wand, setzte sich Hoshi auf und raffte die Bettdecke um ihre Schultern. Sie starrte T'Pol schockiert und verständnislos an. "T'Pol? Was... Was hast du...?" Die Vulkanierin hielt für einen Moment inne und sah Hoshi an. Ihr Gesicht war ausdruckslos. "Ich muss gehen, Ensign." T'Pol bemerkte durchaus, in welcher Weise sich Hoshis Gesichtsausdruck veränderte. Sie drehte sich um und floh aus dem Quartier des Menschen.
Die Tränen in Hoshis Augen wurden nicht nur von dem hellen Licht verursacht!
* * * * * *
T'Pol begab sich gemessenen Schrittes und mit steif durchgedrücktem Rücken zu ihrem Quartier. Es war noch mitten in der Nacht und auf den halbdunklen Korridoren war kein anderes Crewmitglied unterwegs. T'Pol hatte immer noch Kopfschmerzen und ihr Mund fühlte sich ausgetrocknet und... pelzig an. Was war nur passiert? Sie konnte sich einfach nicht erinnern! Sie wusste, dass sie Hoshi das Geschenk gegeben hatte, das sie mit soviel Mühe angefertigt hatte! Das Geschenk, das ihr Verhältnis zu der jungen Frau auf eine ganz neue persönliche Ebene hätte heben sollen! Aber was dann passiert war, war einfach... weg! Aus ihrem Gedächtnis verschwunden! Sie erreichte ihr Quartier und trat ein. T'Pol setzte sich auf das Sofa und führte ihren Gedanken fort. Wenn Hoshi nicht diejenige gewesen war, die gehandelt hatte, dann musste T'Pol selbst die junge Frau verführt haben! Und die Vulkanierin konnte sich nicht vorstellen, dass Hoshi sie...
Die Tatsache, dass sie sich nicht erinnern konnte, dass sie mit Hoshi geschlafen hatte, sagte ihr, dass sie einem äußeren Einfluss ausgesetzt gewesen sein könnte! Einer Substanz oder einer Strahlung vielleicht? Sie würde es herausfinden! Aber viel wichtiger war, was Hoshi jetzt von ihr denken würde? T'Pol hatte gehofft, durch diesen Abend eine persönliche Beziehung zu der jungen Frau aufzubauen - oder wie es die Menschen nannten, Freundschaft zu schließen! Aber wie konnte sie Hoshi jetzt noch unter die Augen treten? Wie konnte ihr die junge Frau verzeihen, dass sie sich an ihr... vergriffen hatte?
* * * * * *
Hoshi kniete in die Decke gehüllt auf dem Bett und sah ungläubig zu, wie die andere Frau ihr Quartier verließ, ohne sich noch einmal umzusehen! "T'Pol...", wisperte sie, die Tränen strömten ihr über das Gesicht und ihr Magen zog sich zusammen. Warum hatte T'Pol das getan? Es war doch ein so wunderbarer Abend gewesen. Ja man konnte sagen, ein perfekter Abend! Zuerst hatte T'Pol ihr dieses unglaubliche Geschenk gemacht, dann hatten sie zusammen Tee getrunken, Kekse gegessen und sich unterhalten. Nicht über den Dienst oder etwas anderes von Belang, sie hatten einfach nur geredet. Über private Dinge, die Schulen auf denen sie gewesen waren, Traditionen ihrer Völker und vieles anderes. Hoshi hatte sich richtig wohl gefühlt und sie hatte geglaubt, dass sich auch T'Pol wohl gefühlt hatte. Die Vulkanierin hatte sich in ihrer Gegenwart mehr und mehr entspannt und dann... dann hatte T'Pol sie geküsst! Es war völlig überraschend gekommen... aber es war auch unglaublich intensiv gewesen! Und was danach kam umso mehr! T'Pol hatte sich ihr hingegeben, hatte Dinge in Hoshis Ohr geflüstert, die sie nie für möglich gehalten hätte!
Immer noch starrte Hoshi aus tränenblinden Augen auf die Tür. Und jetzt, jetzt war T'Pol einfach gegangen... so unbeteiligt, als verließe sie ein Labor! Hoshi ließ sich zur Seite fallen und vergrub das Gesicht im Kissen. Sie nahm ganz eindeutig den Duft der Vulkanierin wahr und ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle.
* * * * * *
T'Pol warf einen Blick auf die Uhr. Es war kurz nach Zwei. Da Dr. Phlox gerade einen seiner sechstägigen Schlafzyklen hatte, wäre nur ein Sanitäter auf der Krankenstation, überlegte sie. Wenn sie sofort dorthin ging und den Sanitäter mit irgendeiner Begründung wegschickte, dann könnte sie einen Scan von sich selbst machen und die Daten auf ungewöhnliche Anzeigen untersuchen!
Zwei Stunden später saß die Vulkanierin wieder vor ihrem Rechner in ihrem Quartier und ging die Daten durch. Sie fand eine ungewöhnliche Konzentration von Hormonen in ihrem Blutkreislauf. Unter anderem auch das Hormon, das bei Vulkaniern während des Geschlechtsverkehrs ausgeschüttet wurde. Und gerade von diesem war eine ungewöhnlich hohe Menge in ihrem Blut! Jetzt musste sie nur noch herausfinden, was die Ursache war. Das würde zwar etwas Zeit kosten, da sie die Analyse selbst machen musste und den Doktor nicht um Hilfe bitten konnte aber T'Pol war sich sicher, dass sie hinter das Geheimnis kommen würde. Sie würde die Daten hier in ihrem Quartier analysieren müssen, da sie nicht auf die Einrichtungen der Krankenstation würde zurückgreifen können. Sie konnte nicht ständig den diensthabenden Sanitäter wegschicken, um ungestört zu arbeiten und wenn der Doktor erst wieder im Dienst war, hätte sie sowieso nichts vor ihm verbergen können.
Die Vulkanierin warf einen Blick auf die Uhr. In einer Stunde müsste sie eigentlich aufstehen, um pünktlich zum Dienst zu kommen. Es lohnte sich nicht mehr, jetzt noch schlafen zu wollen. Sie würde kurz duschen und dann meditieren.
* * * * * *
Um 0615 betrat T'Pol die Messe der Enterprise, um zu frühstücken. Sie nahm sich ihre übliche Tasse Tee und ein Müsli mit Sojamilch, um sich dann allein an einen Tisch in einer Ecke des Speiseraumes zu setzen.
Kurz darauf betrat Hoshi die Messe, sie sah T'Pol und blickte sofort wieder weg. An der Essenausgabe nahm sie sich das erste Beste und setzte sich an einen Tisch auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes.
T'Pol beobachtete sie dabei unauffällig, sie konnte es der jungen Frau nicht verübeln, dass sie mit ihr nichts mehr zu tun haben wollte nach diesem sexuellen Übergriff. Sie wunderte sich nur, dass sie nicht schon längst verhaftet worden war. Falls Hoshi sich so sehr schämte, dass sie den Vorfall vor dem Captain verbergen wollte, dann würde T'Pol sich selbst anzeigen... sobald sie wusste, was mit ihr passiert war. Dass Hoshi sie aber nun hassen würde, verursachte der Vulkanierin regelrechte körperliche Schmerzen!
Hoshi bemerkte sofort, dass sie von T'Pol vollkommen ignoriert wurde! Die Vulkanierin hatte sie gehabt und nun wurde sie nicht mehr gebraucht, dachte sich Hoshi. Wenn T'Pol das so haben wollte, dann sollte es so sein! Während Hoshi Platz nahm, schwor sie sich jedenfalls, nie wieder auf eine angebliche Nettigkeit der Vulkanierin herein zu fallen! Aber es enttäuschte sie bitterlich, wie sich T'Pol benommen hatte! Hoshi wäre durchaus bereit gewesen, sich auf die Vulkanierin einzulassen! Und selbst wenn T'Pol das nicht gewollt hätte, hätte sie Hoshi doch wenigstens auf angemessene Weise erklären können, warum das eine einmalige Sache bleiben musste.
* * * * * *
Im Laufe der folgenden drei Tage kühlte das Verhältnis zwischen den beiden Frauen mehr und mehr ab. Ihre Wortwechsel beschränkten sich auf das absolut Notwendige, ansonsten gingen sie sich aus dem Weg wo immer sie konnten.
T'Pol setzte ihre Analyse fort und fand tatsächlich heraus, dass sie einer Substanz ausgesetzt gewesen war, die auf sie als Aphrodisiakum gewirkt hatte! Sie hatte die Auswirkungen der Substanz auf ihren Körper bestimmen können und sie hatte herausgefunden, dass sie eine Überdosis davon zu sich genommen hatte, womit ihr Gedächtnisverlust erklärt war. T'Pol hatte bestimmen können, dass ein Lebensmittel zu all dem geführt hatte. Aber sie fand einfach nicht heraus, um welche Substanz es sich dabei gehandelt hatte.
Der Summer ihrer Tür riss sie aus ihren Gedanken. T'Pol stand auf und öffnete. "Dr. Phlox, was kann ich für Sie tun?" "Guten Abend, T'Pol. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl?" "Ja, Doktor. Warum fragen Sie?" "Als ich gestern wieder zum Dienst kam, da fand ich im medizinischen Logbuch einen Eintrag, dass bei Ihnen ein umfassender medizinischer Scan durchgeführt wurde und der diensthabende Sanitäter sagt, dass Sie mitten in der Nacht auf die Krankenstation kamen und ihn weggeschickt haben."
T'Pol musterte den Denobulaner für einen Augenblick, dann trat sie zur Seite und ließ den Arzt in ihr Quartier. Es dürfte wohl keinen Zweck haben, etwas abzustreiten, dachte sie sich.
"Nun, Commander?", fragte Phlox. "Ich war einer Substanz ausgesetzt, die eine... ungewöhnliche körperliche Reaktion verursacht hat. Ich habe den Scan durchgeführt, um heraus zu finden, welche Substanz dafür verantwortlich ist", erklärte T'Pol schließlich mit deutlichem Widerwillen. Phlox bemerkte die Reaktion der Vulkanierin, er erkannte, dass das heikel werden könnte. "Und was hat Ihre Untersuchung ergeben?" "Ich konnte die chemische Zusammensetzung der Substanz isolieren, aber ich war nicht in der Lage, die Substanz zu benennen." "Ich könnte Ihnen helfen", bot Phlox an, wenn er herausfinden wollte, was mit seiner Patientin los war, dann musste er behutsam an die Sache herangehen.
T'Pol musterte den Doktor für einen Augenblick, dann nickte sie und deutete auf ihren Computermonitor. Sie wusste, dass der Denobulaner nicht mehr locker lassen würde. Anstatt sich in den nächsten Tagen bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten einen Kommentar des Arztes anzuhören, könnte sie ihn auch gleich einweihen. Wenigstens soweit, wie es nötig war.
Phlox ging zum Schreibtisch und warf einen Blick auf die dreidimensionale Darstellung einer ziemlich komplexen Molekülkette. Das Bild rotierte langsam auf dem Monitor und machte es möglich, die einzelnen miteinander verbundenen Moleküle genau zu unterscheiden. Er musste unumwunden zugeben, dass T'Pol bei der Isolierung der Substanz ganz hervorragende Arbeit geleistet hatte. Phlox musterte die Darstellung noch einen Augenblick länger. "Das kommt mir vage bekannt vor, ich glaube, das ist eine Substanz, die von der Erde stammt", sagte er schließlich.
T'Pol ließ sich ihre Verblüffung nicht anmerken, sie hatte einen ganzen Tag gebraucht, um das heraus zu finden!
"Ich werde sehen, was ich tun kann", sagte Phlox und schickte die Informationen an seinen Rechner auf der Krankenstation. Schließlich bestätigte der Computer mit einem leisen Piepen die Ausführung des Befehls und Phlox richtete sich wieder auf. Er sah die Vulkanierin ernst an. "Ich habe die Daten des Scans gesehen und weiß, welche Auswirkungen diese Substanz auf Sie hatte. Wollen Sie dem noch etwas hinzufügen?" "Nein, Doktor." T'Pol wahrte ihre ausdruckslose Miene aber dass der Doktor wusste, dass sie... Das war mehr als peinlich! "Woher haben Sie die Daten? Ich dachte, ich hätte alle Dateien gelöscht", fuhr sie fort und hoffte, den Arzt damit etwas abzulenken. "Ich habe einen zusätzlichen Backup-Speicher eingebaut - nur für alle Fälle!" Der Denobulaner grinste kurz. "T'Pol, auch Vulkanier sind Lebewesen aus Fleisch und Blut. Dieses... Bedürfnis ist völlig natürlich." Phlox wandte sich zur Tür aber bevor er ihr Quartier verließ, drehte er sich noch einmal um. "Sollten Sie wieder einmal einer unbekannten Substanz ausgesetzt sein, dann kommen Sie sofort zu mir. Sie sollten doch mittlerweile bemerkt haben, dass Sie mit vertrauen können." Damit war der Denobulaner aus dem Raum verschwunden. "Das werde ich, Doktor." Die Vulkanierin war froh, dass Phlox nicht nach der Person gefragt hatte, mit der sie zusammen gewesen war.
* * * * * *
Schon am nächsten Tag rief Dr. Phlox T'Pol zu sich auf die Krankenstation. Als sie eintrat fand sie den Arzt über einen Monitor gebeugt.
"Doktor?" "Ah, Sub-Commander! Ich habe es herausgefunden", sagte er und richtete sich auf. "Was war es?", fragte sie ohne Umschweife. "Ohne viele Worte zu machen, es war Zimt!" Phlox blickte sie zufrieden an. Es war nicht leicht gewesen aber durch ein paar intuitiv erstellte Ausschlusskriterien hatte er den Suchbereich einschränken können. "Zimt?", fragte T'Pol erstaunt. Sie hatte davon gehört und von der angeblichen Wirkung, das dieses Gewürz auf Vulkanier haben sollte. Aber sie hatte das immer in den Bereich der Legenden verwiesen, die von Menschen über Vulkanier erfunden worden waren. "Ganz genau. Ein auf der Erde verbreitetes Gewürz, das auch in Gebäck verwendet wird." Phlox griff hinter den Monitor und holte eine Schüssel hervor. "Wie zum Beispiel in diesen Zimtsternen, die die Kombüse über die Weihnachtszeit gemacht hat. Crewman Cutler hat diese für mich aufbewahrt, während ich schlief." T'Pol starrte auf die Plätzchen. Kleine braune, fünfzackige Sterne mit weißem Überzug! Haargenau dieselben hatte sie in Hoshis Quartier gegessen! "Ich habe einige dieser Zimtsterne gegessen", sagte sie schließlich leise. "Nun, dann sollten Sie in Zukunft den Genuss von Zimt vermeiden und Sie haben keine Probleme mehr." Phlox hielt kurz inne. "Es sein denn, Sie und ihr Partner wollen ab und zu den ganz besonderen 'Kick' erleben." Er grinste die Vulkanierin fröhlich an, um ihr deutlich zu machen, dass die Situation nicht so ernst war, wie sie vielleicht glaubte. Die Vulkanierin fixierte Phlox mit einem scharfen Blick. "Doktor, wenn Sie es als 'Kick' bezeichnen wollen, dass ich die Selbstkontrolle verliere und... und über eine Person herfalle, die ich eigentlich als Freundin gewinnen wollte, dann verzichte ich darauf, in Zukunft jemals wieder einen 'Kick' zu erleben!" Phlox war von T'Pols Ausbruch überrascht. Sein Versuch die Stimmung zu verbessern war kläglich gescheitert! 'Freundin?', dachte er sich. Das alles musste die Vulkanierin mehr mitgenommen haben als er gedacht hatte. "Es tut mir Leid. Ich wollte Sie nicht kränken."
T'Pol nickte und wandte sich zur Tür. Es war Zeit, den Captain aufzusuchen.
"Wollen Sie darüber reden, Sub-Commander? Ich denke, dass zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin nicht alles so gelaufen ist, wie sie sich das gedacht haben." Die Vulkanierin blieb stehen, drehte sich aber nicht um. "Nein, ich möchte nicht darüber reden." "Aber vielleicht sollten Sie mit 'Ihr' darüber reden, um alles wieder ins Lot zu bringen", sagte Phlox zu T'Pols Rücken. "Ich denke nicht, dass sich da noch etwas... 'ins Lot' bringen lässt", der resignierte Unterton in T'Pols Stimme war sogar für den Arzt wahrnehmbar. T'Pol hoffte, dass ihre Selbstanzeige einen Teil des Schmerzes lindern würde, den sie Hoshi zugefügt hatte... und dass man ihr vielleicht mildernde Umstände zuerkennen würde. "Die Menschen sind eine recht ungewöhnliche Spezies und morgen ist der 31. Dezember!", versuchte Phlox es erneut. "Was hat der Jahreswechsel des irdischen Kalenders damit zu tun?" T'Pol drehte sich nun doch um. "Die Menschen betrachten den Jahreswechsel als Neuanfang, als eine Möglichkeit, Altes hinter sich zu lassen. Wenn Ihnen etwas an der anderen liegt, dann nutzen Sie diese Chance... mehr als aus dem Quartier geworfen werden können Sie ja nicht." T'Pol zögerte noch einen Augenblick. "Ich werde darüber nachdenken", damit verließ sie die Krankenstation.
Phlox wandte sich kopfschüttelnd dem Computer zu und beendete die Datei. Manchmal wünschte er sich einen zusätzlichen Psychologen an Bord, der sich um die emotionalen Probleme der Mannschaft kümmern konnte - selbst um die emotionalen Probleme von Mannschaftsmitgliedern, die vorgaben, gar keine Emotionen zu haben!
* * * * * *
T'Pol begab sich in ihr Quartier. Sie wollte über Dr. Phlox' Worte meditieren. Wenn es tatsächlich eine Möglichkeit gab, ihre Beziehung zu Hoshi zu retten, dann sollte sie es zumindest versuchen. Phlox hatte Recht, nach allem, was sie der jungen Frau angetan hatte, konnte es nicht mehr viel schlimmer werden! Andererseits... Hoshi hatte sie nicht angezeigt. Die junge Frau arbeitete nach wie vor mit ihr zusammen. Sie hatte T'Pol gegenüber keine offne Ablehnung gezeigt, erst gestern waren sie zusammen im Turbolift gefahren. Hoshi hatte zwar die ganze Zeit geschwiegen, aber sie war auch nicht zurückgewichen, als sich die Türen des Lifts geöffnet hatten und sie T'Pol in der Kabine stehen sah, bevor sie eingetreten war.
Wenn sie ihre Entschuldigung... nein! Wenn sie die Bitte um Verzeihung in der richtigen Form vorbrachte, dann wäre Hoshi vielleicht bereit, ihr zu zuhören. T'Pol könnte so vielleicht einen kleinen Teil ihrer Beziehung retten. Und jenseits aller Logik hoffte etwas in ihr, dass Hoshi ihr vielleicht sogar eine zweite Chance gewähren könnte!
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Es war der 31. Dezember 2151, 2100 Uhr als T'Pol den Summer von Hoshis Quartier betätigte. Einen Moment später ging die Tür auf und Hoshi stand vor ihr. Wieder trug sie ihr Haar offen und wieder trug sie eine dunkle Hose, nur diesmal trug die junge Frau eine weiße Bluse.
"Was wollen Sie?", fragte Hoshi nach einigen Sekunden. Sie hätte nie damit gerechnet, dass die Vulkanierin hier auftauchen würde! T'Pol starrte Hoshi einfach nur an. Sie hatte sich eine Rede zu Recht gelegt, aber das nervöse Kribbeln in ihrem Magen war plötzlich wieder da und hinderte sie am Sprechen. Die Vulkanierin konzentrierte sich auf eine Übung zur Beruhigung und holte tief Luft. "Es tut mir Leid." "Was?" Die junge Frau war mehr als überrascht! "Was ich getan habe, tut mir Leid. Bitte verzeihen Sie mir." Hoshi hatte noch nie davon gehört, dass ein Vulkanier sich für etwas entschuldigte. Und sie hatte noch nie einen Vorgesetzten gehabt, der so deutliche Worte bei einer Entschuldigung gefunden hatte. Sie seufzte und trat dann zur Seite.
T'Pol trat ein und entfernte sich etwas von Hoshi. Die junge Frau bat sie nicht, Platz zu nehmen.
"Mein Übergriff gegen Sie ist unentschuldbar. Ich versichere Ihnen, dass Sie in Zukunft nichts mehr von mir zu befürchten haben..." T'Pol erklärte die Wirkung des Zimtes. Hoshi stand mit vor der Brust verschränkten Armen drei Schritte von der Vulkanierin entfernt und hörte mit mehr und mehr Unglauben zu! Schließlich schwieg T'Pol und wartete auf Hoshis Reaktion.
Die junge Frau dachte noch einen Augenblick nach, bevor sie antwortete. "Ich habe es keineswegs als 'Übergriff' gesehen, dass Sie mich verführt haben. Ich war überrascht, aber ich habe mich zu keinem Zeitpunkt von Ihnen bedroht gefühlt!" Hoshi blickte der Vulkanierin direkt in die Augen. "Nicht einmal als Sie meine Bluse zerrissen haben." T'Pol stand stocksteif da und rührte sich nicht. Dass sie Hoshi gegenüber gewalttätig geworden war, beschämte sie nur noch mehr! Hoshi fuhr fort. "Was mich vielmehr verletzt hat war, dass Sie einfach so gegangen sind, ohne ein Wort der Erklärung. Und anschließend haben Sie mich gemieden wo immer Sie nur konnten. Damit haben Sie mir zu verstehen gegeben, dass ich für Sie nur ein... ein Spielzeug war! Etwas das man ausprobiert und dann einfach zur Seite legt! Ich habe mich von Ihnen ausgenutzt gefühlt... regelrecht be-nutzt." Hoshi betonte die erste Silbe des letzten Wortes besonders. Die Vulkanierin konnte nicht glauben, was sie gehört hatte! Hoshi fühlte sich verletzt weil sie gegangen war? "Was ich getan habe, gilt auf Vulkan als schweres Verbrechen! Die Verletzungen, die der Psyche und der Katra eines Individuums durch einen solchen Übergriff zugefügt werden, können nie wieder rückgängig gemacht werden. Es hinterlässt regelrechte Narben und die Opfer solcher Verbrechen leiden ihr Leben lang darunter." Opfer? Verbrechen? Hoshi wusste nicht, was sie davon halten sollte! "T'Pol, ich... ich fühle mich keineswegs als... Opfer! Und ich sehe in Ihrer Handlung auch kein Verbrechen!" Eine Erkenntnis durchzuckte die junge Frau. "Sie... Sie sind gegangen, weil Sie mich schützen wollten? Weil Sie über sich selbst entsetzt waren?" Die Vulkanierin nickte. "Und Sie sahen in meiner Handlung keinen Angriff." T'Pol zögerte einen Moment. "Sie fühlten sich von mir gedemütigt, weil Sie glaubten, ich sähe in Ihnen nur ein Experiment?" Hoshi schwieg erneut und dachte über die Ereignisse der letzten Woche noch einmal nach. "Ich denke, wie haben noch viel übereinander zu lernen, um solche... Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden." "Ja, das denke ich auch", sagte T'Pol. Sie war tatsächlich erleichtert, denn sie glaubte, einen Hoffnungsschimmer am Horizont zu sehen! "Gehen Sie auch zu der Sylvesterparty?", fragte Hoshi. "Captain Archer hält es für angebracht, dass ich erscheine." "Die Party beginnt erst um 2200 Uhr... wir hätten noch etwas Zeit... ich meine, wenn Sie sich setzten möchten?" "Das würde ich sehr gerne."
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