Als ich erwache, wird es draußen allmählich hell.
Das Schlafzimmer ist mit weichem Zwielicht erfüllt.
Halb sechs morgens - eigentlich zu früh, um schon aufzustehen.
Doch ich bin nicht mehr müde.
Ich spüre Dich neben mir, was für ein herrliches Gefühl.
Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt - und hoffe,
dass ich es niemals tun werde.
Dazu ist es zu schön.
* * *
Ich schlucke, Dein Geschmack erfüllt noch meinen Mund.
Dein Gesicht ist meinem nahe genug, dass ich Dich küssen könnte.
Aber ich möchte Dich nicht wecken - noch nicht.
Statt dessen stütze ich mich auf meinen Ellbogen.
Ich könnte Dich stundenlang beobachten.
Und den Frieden in Deinen Zügen in mich aufsaugen.
* * *
Dieses zerzauste, schwarze, unglaublich weiche Haar.
Die elegante Spitze Deines Ohres verbergend.
Eine widerspenstige, seidene Strähne, die in Deine Stirn fällt.
Deine ausdrucksvollen Augenbrauen - zwei schräge Striche auf
dunkler Haut.
Dichte Wimpern verbergen jetzt das Feuer Deiner Augen.
Ich strecke die Hand aus, zeichne die Form Deiner schmalen Lippen
nach, ohne Dich tatsächlich zu berühren.
Wann habe ich mir zum ersten Mal gewünscht, das zu tun?
Als ich Dir zum ersten Mal ins Gesicht sah?
Als wir Freunde wurden?
Wann begann ich, Dich zu lieben?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht war es, als Du mich zum ersten Mal angelächelt
hast.
* * *
Deine Hand liegt in Höhe Deiner Nase auf dem Kissen.
Lange, elegante Finger, im Schlaf entspannt.
Vor einem halben Jahr - noch vor einem Tag - verzehrte ich mich
noch im Geheimen nach Deiner Berührung.
Verlegen, vielleicht sogar beschämt, ich war noch nie in einen
Mann verliebt.
Erfüllt von der Angst, Dich zu verlieren, wenn ich mich Dir
offenbaren würde.
Von Dir zurückgewiesen zu werden.
Also gab ich mich mit dem zufrieden, was ich haben konnte.
Dann geschah etwas, das alles änderte.
Ich verlor das Einzige im Universum, dessen ich mir unbedingt
sicher gewesen war.
Dich.
* * *
Es hätte nur ein simpler Trainingsflug werden sollen.
Dann erwachte ein Schatten aus der Vergangenheit zu neuem
Leben - Khan.
Er wollte Rache und mein Leben.
Und nahm mir, was mir kostbarer als mein Leben war.
Dich.
Dein Tod öffnete mir endlich die Augen - nur zu spät...
Erst dann erkannte ich, was ich wirklich verloren hatte.
Mehr als einen Ersten Offizier.
Mehr als einen engen Freund.
Ich hatte meine Seele verloren.
Pflichtschuldig brachte ich das Schiff, für das Du Dich geopfert
hattest, zur Erde zurück.
Doch mein Leben blieb auf Genesis.
* * *
Es gab für mich kein Morgen mehr,
Ich war innerlich wie tot.
Eine leere Hülle, die nichts mehr in sich barg.
Mein legendäres Glück schien endgültig erschöpft.
Dann, als ich es am wenigsten erwartete, kehrte die Hoffnung zu
mir zurück.
Das Wissen, dass Du wieder leben könntest - unbeschreiblich.
Nichts anderes war jetzt noch wichtig.
Ich hätte jedes Opfer gebracht, um nach Genesis zurückkehren zu
können.
Ich hätte alles getan, um Dich zurückzuholen.
Und ich tat es, opferte mehr als jemals zuvor.
Mein Sohn verlor sein Leben auf einem sterbenden Planeten.
Das Schiff, das einmal meine einzige Liebe gewesen war, verglühte
in seiner Atmosphäre.
Ein Opfer - leichten Herzens gegeben - für meine wahre Liebe.
Und dann lagst Du vor mir.
Reglos, stumm - ohne die entsetzlichen Strahlungsverbrennungen
wunderschön.
* * *
Wir flohen von einem sterbenden Planeten, der hinter uns
zerbarst.
Irgendwie schaffte ich es, uns nach Vulkan zu bringen.
Du sahst mich an, Geist und Körper wieder vereint.
Sprachst meinen Namen.
Und zum ersten Mal seit zu langer Zeit war auch ich wieder am
Leben.
Doch noch immer hatte ich Angst.
Da tatest Du den ersten Schritt, indem Du mit uns auf die Erde
zurückkehren wolltest.
Wir waren uns fremder - und zugleich vertrauter, als jemals
zuvor.
Ich ertappte mich dabei, jede Deiner Bewegungen sehnsüchtig zu
verfolgen.
Es bedurfte einer Reise in die Vergangenheit, um mir klar zu
machen,
wie leicht ich Dich wieder verlieren könnte.
Doch wir überlebten und kehrten sicher zurück.
Dann begann das Warten.
Du hieltest Dich von mir fern.
Erst bei der Verhandlung sah ich Dich wieder.
Mein Herz barst vor Stolz und Glück, als Du Dich neben mich
stelltest.
Ich hätte allein für diesen einen Moment der Nähe jedes Urteil
akzeptiert.
* * *
Ich bin wieder Captain.
In einigen Tagen erhalte ich ein neues Schiff.
Und Du wirst wieder wie früher an meiner Seite sein.
Aber nichts wird sein, wie zuvor.
Du kamst gestern Abend zu mir.
Wir standen uns gegenüber.
Und im Schweigen sprachen wir Wahrheiten aus, die nie zuvor
ausgesprochen worden waren.
Meine Angst verbrannte in der Liebe, die ich von Dir erfuhr.
Meine Zweifel waren längst verglüht, als ich in Deinen Armen
einschlief.
* * *
Endlich kann ich meine Liebe zur Dir vollkommen verstehen.
Mein Geliebter.
Zwei Worte, die noch weit mehr bedeuten.
Mein Leben.