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Fünf Sinne

© by Shiun ()
 
Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Anmerkung: Ich bin Mitglied der LJ-community fanfic100_de (http://www.livejournal.com/~fanfic100_de), in der man sich einen Charakter oder ein Paar aussucht, eine Tabelle mit hundert Schlagwörtern bekommt und zu jedem Schlagwort eine Geschichte schreibt. Dies sind die ersten fünf Geschichten, die lose zusammenhängen und im Laufe der Serie spielen.
Ein bißchen AU.
Und einen großes Dankeschön an die heldenhafte Tem-ve fürs betalesen. :)
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 
1. - Geruch/riechen.

 

Giles roch nach alten Büchern, schwarzem Tee und Sandelholz.

Bis gestern hätte Xander absolut nichts damit anfangen können - Bücher waren langweilig, muffig und alt, schwarzer Tee schmeckte bitter; aus Sandelholz war der Brieföffner seines Opas gewesen und den Gedanken an ihn unterdrückte er lieber, noch bevor er überhaupt hochkam.

Aber heute Nacht hatte Giles ihn umarmt.

 

Xander war gestolpert (wie immer) und da stand dieser Dämon über ihm, mit einer Axt (wie immer) und dann stöhnte der Dämon auf und fiel über ihn, mit Giles' Schwert im Rücken (das war neu). Xander hatte sich zitternd die Haare aus der Stirn gestrichen, und Giles hatte ihm seine Hand entgegengestreckt, ihn hochgezogen und umarmt. Xander war so verwirrt gewesen, dass er nur still da stand und sich fragte, ob einem das Herz wohl aus dem Brustkasten schlagen konnte, und das wäre echt keine hübsche Angelegenheit gewesen, aber noch bevor er es schaffte, seine Arme heben und Giles zurückzuumarmen, hatte der ihn losgelassen, sich zu Buffy gewandt und sie etwas gefragt, und Xander stand mit einem Arm voll Luft da. Und wusste nun, wie Giles roch.

 

Er hatte keine Ahnung, was er mit dieser Information anfangen sollte, nur dass sie nicht unangenehm war, und er immer wieder daran denken musste.

Tee, Bücher und Sandelholz.

 

*
 

 
2. - Geräusch/hören

 

Er wollte sich nicht in Giles' Wohnung schleichen, das wollte er wirklich nicht, aber er hörte Musik und drückte vorsichtig die Türklinke herunter (und die Tür war offen, wie immer) und da saß Giles auf seinem Sofa und spielte Gitarre.

Xander hatte noch lebhaft seinen Nervenzusammenbruch in Erinnerung, als er Giles das erste Mal singen gehört hatte. Es verfolgte ihn in seinen Träumen, und das waren zu seinem Unglück keine Alpträume. Die Mädchen hatten Giles' Stimme sexy gefunden, und wenn Giles sogar Lesben dazu gebracht hatte, auf ihn heiß zu sein, vielleicht war es dann nicht ganz so schlimm, denn so sehr er sich bemühte, verdrängen konnte er das warme Gefühl in seinem Bauch nicht.

Und jetzt erst recht nicht, da er hier allein stand, mit dem Rücken gegen die Tür gepresst, und Giles anschaute, der selbstvergessen spielte und sang. Xander kannte das Lied nicht, es war vermutlich etwas Prähistorisches, geschrieben Millionen von Jahren bevor er geboren war, aber es klang schön, und Giles' Stimme klang schöner, wärmer, Giles sah zufriedener aus und seine Augen waren weicher.

 

Giles' Stimme war warm wie ein Sommerregen.

Gleich würde er Giles sagen, dass er da war. Gleich. Und Witze drüber reißen. Und Giles würde verärgert sein. Gleich.

 

Xander schloss die Augen und ließ Giles' Stimme über sich regnen.

 

*
 

 
3. - Berührung/fühlen

 

"Und?", fragte Xander und musste sich zusammen reißen, nicht auf Giles' Sofa rumzuspringen. "Und?"

Giles sah stirnrunzelnd auf den Bildschirm und schwieg.

"Hey, sag schon", lachte Xander und schüttelte Giles an der Schulter.

Um Giles' Mundwinkel zuckte es, und als Xander sich neben ihn kniete und mit beiden Händen an den Schultern zu sich drehte lächelte er. "Ich verstehe nicht, wie sich ein guter Theaterschauspieler wie Michael O'Hare dafür hergeben konnte."

"Dir hat es gefallen", sagte Xander und lachte. "Außerdem ist die Rolle eines russischen, sarkastischen und auch noch jüdischen Offiziers völlig klischeebeladen."

"Ivanova ist Gott. Und dir hat es gefallen."

"Und ich kann Figuren nicht leiden, die mehr wissen, als sie sagen."

"Dir hat es gefallen."

"Aber ich muss gestehen, ich mochte diesen Sicherheitschef...Garibaldi?"

"Dir hat - oh."

Xander sah Giles mit offenem Mund an, und Giles lachte und legte seine Hand über Xanders. "Ja, mir hat es gefallen."

"Siehst du, ich weiß, was gut für dich ist!" Über Xanders Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, das zweifelsohne völlig idiotisch war, aber er konnte sich einfach nicht zurückhalten. Giles sah ihn überrascht in die Augen. Nach einem Moment der Stille, und Xander fragte sich verzweifelt, ob er etwas Falsches gesagt hatte, hob Giles seine linke Hand und umfing Xanders Wange.

"Das bezweifle ich", sagte er mehr zu sich selber als zu Xander und strich mit dem Daumen sanft über die Stelle unter Xanders Auge. Xander hatte das Gefühl, dass er rot glühte, und zum ersten Mal hatte er absolut keine Idee, was er sagen sollte, und für einen kurzen, wahnsinnigen, völlig geistig verwirrten Moment dachte er, dass er sich nur ein kleines bisschen nach vorn lehnen müsste, und dann könnte er Giles' Mund - aber Giles ließ ihn los, völlig abrupt, und stand auf.

 

"Ich mache uns einen Tee", sagte er und sah auf den Fußboden.

"Okay", murmelte Xander und erwähnte nicht, dass er keinen Tee mochte. Er fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare und versuchte, sich zusammenzureißen. Als er das Klirren von Geschirr in der Küche hörte, stand er auf und nahm seine Videokassette aus dem Rekorder. Er kniete vor dem Fernseher, mit der Kassette in der Hand, hörte das Rauschen von Wasser in der Küche, sah die warmen, weichen Farben in Giles Wohnung, der Geruch nach Tee und Sandelholz...und strich sich mit der Hand über seine Wange, da, wo Giles ihn berührt hatte.

 

*
 

 
4. - Geschmack/schmecken

 

"Willst du einen Donut?" fragte Xander Giles und hielt ihm die Tüte hin. Giles schüttelte nur den Kopf.

"Okay", sagte Xander und nahm sich noch einen.

"Du wirst nicht schlafen können, wenn du soviel isst", sagte Giles leicht geistesabwesend, öffnete eine Schranktür und nahm eine Packung schwarzen Tee heraus.

Xander zuckte mit den Schultern. "Ich kann sowieso nicht schlafen", sagte er, setzte sich auf den Küchentisch und sah Giles dabei zu, wie er heißes Wasser aufsetzte. Giles schien ihm so furchtbar abwesend die ganze Zeit, wie ein Schlafwandler, und er wollte ihn schütteln und aufwecken.

"Warum?" fragte Giles und starrte auf den Herd.

"Mein Auge tut weh", antwortete Xander und rieb sich über die Stelle, wo einmal sein Auge gewesen war. Im nächsten Moment hätte er sich dafür treten können. Es existierte nicht. Er sprach nicht darüber. Er machte Piratenwitze, und damit war gut. Verdammt. Giles sah auf, sah ihn an, das erste Mal seit langen, sah ihm wirklich ins Gesicht und dann ging er zu Xander und setzte sich neben ihn.

"Manchmal tut mir meine Hand weh", sagte er leise und hielt seine linke Hand vor sich. Xander erinnerte sich daran, wie er Giles losgebunden hatte und seine Hand nur noch Blut und Knochen zu sein schien. Ein Wunder, dass die Ärzte sie hatten retten können, und man konnte noch immer die feinen Narben sehen.

Es war spät, er war müde und hatte zuviel Donuts gegessen und ihm tat alles weh, aber Giles saß neben ihm und fühlte sich vermutlich ähnlich, also dachte Xander nicht nach, legte die Tüte zur Seite, nahm Giles' linke Hand in seine und zog sie auf seinen Schoß.

Xander streichelte mit seinen Daumen über Giles' Handinnenfläche, zog die lange Lebenslinie nach, fuhr über die Fingerspitzen, die rau waren vom Gitarre spielen. Giles hatte schöne Hände, dachte Xander. Hände, die niemand kaputt machen sollte. Und manche fragten ihn, warum er Angel so hasste?

"Xander", flüsterte Giles, und seine Stimme klang so anders als in den letzten Wochen, so warm, dass Xander schließlich aufsah. Giles legte seine rechte Hand um Xanders Nacken und zog ihn ein Stückchen zu sich heran.

Am nächsten Morgen würde er vermutlich schreien, ausrasten, Angst bekommen, sich fragen was in ihn gefahren war, aber jetzt war es nachts um vier, Schatten drohten über ihm und Wärme lag in seinem Schoß und seinem Herzen, also überwand er alle Furcht und sich selber, lehnte sich nach vorn und küsste Giles auf den Mund.

Nach einem Herzschlag öffnete sich Giles' Mund unter seinem, und Xanders Zunge glitt ins Warme, er fiel tief und weich und Giles' Hände umfingen seinen Kopf, hielten ihn fest, und wenn Xander gewusst hätte, wie gut und richtig und warm es war, Giles zu küssen, hätte er es schon viel, viel eher gemacht.

Sie lösten sich voneinander, Xander holte tief Luft und Giles presste kleine Küsse auf seine Nase, Stirn und Wangen.

"Du schmeckst süß", sagte er und lächelte Xander an.

"Das kommt von den Donuts", antwortete Xander.

"Nein, das glaube ich nicht", sagte Giles und Xander war sich sicher, das er gleich zu einem Pfützchen Marmelade schmelzen würde.

 

*
 

 
5. - Anblick/sehen

 

Regen trommelte an die Fensterscheiben, wie immer um diese Jahreszeit in England. Giles hatte ihm beteuert, dass er sich dran gewöhnen würde, aber Xander war sich da nicht so sicher. Lieber zog er sich die Decke bis zur Nasenspitze und rollte sich in Giles' Armen zusammen, aber heute war er schon viel zu früh wach und konnte beim besten Willen nicht mehr einschlafen - er hasste Alpträume, die ihn noch jagten, wenn die Sonne schon längst aufgegangen war, und Giles war immer so grummelig, wenn er ihn durch sein Hin- und Herwälzen weckte. Also stand Xander auf, machte sich einen Kaffee, starrte in seinen neuesten Batman-Comic und gab es schließlich auf, als er sich nicht konzentrieren konnte. Er schnappte sich seine Tasse Kaffee und ging zurück in ihr Schlafzimmer - vielleicht fiel ihm ja eine kreative Art und Weise ein, Giles zu wecken.

Manchmal, in seltenen Momenten der Klarheit, wusste Xander, dass er genau da war, wo er sein wollte, und als er Giles in seinem Bett liegen sah, war das so ein Moment.

Giles hatte sich auf Xanders Seite gerollt und sein Kopfkissen mit beiden Armen umfangen. Die Bettdecke hatte sich irgendwo um seine Hüften verschlungen, und er sah jünger aus, wenn er schlief, fand Xander - weicher, ruhiger. Manchmal versuchte er, die Falten auf Giles' Stirn mit Küssen zu glätten, aber es gelang ihm nur selten.

Stille hatten sie beide wirklich selten - dazu war er selber viel zu nervös und laut, und sie zu verschieden. Aber hier und jetzt, in diesem Moment... Xander hielt die Zeit in seinem Herzen an, stellte die Kaffeetasse auf den Nachtisch, setzte sich auf das Bett und nahm Giles in seine Arme. Er schlief weiter in Xanders Schoß, während Xander über seine Haare streichelte und Giles nur ansah.

Dies war der Augenblick, in dem er ewig leben wollte.

 
Ende

 
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