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Das Geheimrezept

© by Lady Charena ()
 
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"Guates Morgele, Schätzle."

Lord Brett Sinclair zuckte schmerzerfüllt zusammen, als Danny direkt hinter ihm losbrüllte. Er rieb sich die Schläfen und zischte: "Nicht so laut, Daniel!"

Daniel Wilde plusterte sich sichtlich gekränkt auf und stemmte die Hände auf die Hüften. "Was denn? War das letzte Fläschchen Schampus, das du mit der holden Nancy gezischt hast, etwa schlecht?", spottete er. "Oder hast du einfach nur deine Tage?"

Brett rollte mit den Augen. "Fängst du schon wieder damit an!" Die halbe Nacht hatte ihm Danny lamentierend wegen des Abendessens mit Nancy Drake in den Ohren gelegen. Den Rest der Nacht hatte Danny geschnarcht, dass die Wände wackelten. "Ich bekomme meine Migräne."

"Hey, das ist meine Antwort." Danny schnappte sich die Tasse, die Brett vor sich stehen hatte. "Ist das alles, was es heute zum Frühstück gibt? Eine Tasse Tee? Was macht das Schuhputzzeugs auf dem Küchentisch?" Er ließ Brett nicht zu einer Antwort kommen. "Und du wirst sie von jetzt an jeden Abend zu hören kriegen, wenn du dich auf das Sofa legst, Euro Lordschuftigkeit. So lange, bis du dich entschuldigst. Und zwar bei mir!"

Langsam wurde Brett wirklich sauer. Außerdem war das hier seine Wohnung. Wenn jemand auf dem Sofa schlief, dann ja wohl Danny! Wie hatte er jemals so verrückt sein können, sich mit diesem Amerikaner einzulassen? Vielleicht sollte er sich den Kopf röntgen lassen. "Ich sehe überhaupt keinen Grund, mich bei dir zu entschuldigen, Mister Wilde", schnappte er zurück. "Nancy - Mrs. Drake - und ich haben nur bei einem netten Abendessen die Einzelheiten des Verkaufs besprochen. Falls es deinem Blondköpfchen entfallen sein sollte, will sie eins der Landgüter aus dem Nachlass meines Onkels kaufen."

"Ich bin nicht blond."

Brett seufzte und schob die Hände in die Taschen seines Morgenmantels. "Es ging auch nicht um deine Haarfarbe."

Danny, der sich eben zum Nachgeben entschlossen hatte, was ja bekanntlich der Legende nach der Klügere immer tat, fuhr auf. "Nancy Drake ist blond. Ich wusste doch, dass du auf sie stehst!"

"Daniel, du benimmst dich kindisch."

"Kindisch? Ich?", wiederholte Wilde gespielt verwundert. "Na, da fällt doch ab die Nudel vom Pudel! Sagt er nicht, ich wär' kindisch, wenn ich zu erwähnen wage, dass er den ganzen Abend aus einer... ich meinte, mit einer... blonden Sexbombe Schampus schlürfte."

Brett grinste wider Willen. Nancy Drake war nun wirklich keine Sexbombe. Ihr langes, schmales Gesicht hatte ihn eher an ein intelligentes Windspiel erinnert, oder an einen Collie. Er trat neben Danny an die Frühstückstheke und gab ihm einen Stoß. "Friede?", fragte er. "Sie kann dir nicht das Wasser reichen."

"Friede?", wiederholte Danny mit hochgezogenen Augenbrauen, als wäre das ein Wort aus einer ihm unbekannten Sprache. "Wie in Friede, Freude und zerschlagen-wir-ein- paar-Eier-und-backen-Eierkuchen?"

Täuschte Brett sich oder war Daniel doch ein klein wenig rot geworden? "Ich glaube, ich erinnere mich an ein altes Hausmittel gegen Kopfschmerzen", fuhr Brett fort. "Wie wäre es, wenn du mit mir ins Bett gehst, und wir es ausprobieren?"

"Soll ich dir erlauben, mich wie-war-noch-der-Name-der-Schlampe? Nancy zu nennen?", schnappte Danny.

Brett hielt es für weiser, darauf nichts zu erwidern.

"Sag' mal, geh ich irre oder wird dein Kaffee immer schlimmer?", fragte Danny und schnüffelte an der Tasse.

"Das ist kein Kaffee", korrigierte Brett.

"Stimmt. Der Farbe nach ist es eher Tee."

"Das ist auch kein Tee", erwiderte Brett gelassen.

Misstrauisch sah Danny auf. "Was ist es dann?"

"Eine Mixtur zum Putzen meiner Lederschuhe, die mir meine Nanny vererbt hat."

Über Dannys Gesicht flog dieser "Ihr-Briten-seid-völlig-pervers"- Ausdruck. "Soll ich fragen, was da drin ist?"

Brett zuckte mit den Schultern. "Es ist ein altes Familienrezept. Zuerst nimmt man die Tasse und geht auf die Toilette."

"Auf die...?" Danny setzte die Tasse mit spitzen Fingern auf dem Tisch ab.

"Dann... wie soll ich das sagen...", Brett sinnierte, die Arme vor der Brust verschränkt. "Nun, man gibt einem Drang der Natur nach."

"Was?" Danny fuhr auf. "IN EINE TASSE?"

Brett zuckte mit den Schultern. "Ich hatte gerade nichts passenderes zur Hand. Dann mischt man noch ein paar andere Sachen hinein. Also wie meine Nanny schon zu sagen pflegte, gibt's nichts besseres für handgearbeitetes Leder."

Danny schluckte und hielt beide Hände vor den Bauch. "Noch ein Wort und mir würd' übel, ich brauch' nen Kübel."

Brett legte ihm mitfühlend den Arm um die Schulter. "Warum legst du dich nicht ein bisschen hin?", schlug er vor. "Ich komme gleich nach."

Danny nickte. Wandte sich aber an der Tür noch mal um. "Und wasch dir gefälligst die Pfoten, bevor du ins Bett kommst."

Brett lächelte nur.

Danny ging.

"Ach übrigens", rief Brett ihm nach. "Das in der Tasse ist nur Zitronensaft. Nancys Lippenstift hat Flecken an meinem Kragen hinterlassen."

Danny schoss ihm einen bitterbösen Blick über die Schulter zu. "Noch ein Wort und ich vergess mich", knurrte er. Dann streckte er die Hand aus. "Nu' komm' schon, mein Blaublüter. Meine Nanny hat immer gesagt, dass man einen Mann nicht warten lässt..."

"Du hattest überhaupt keine Nanny. Daniel!" Brett folgte ihm.

 
Ende

 
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