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* * * * * Captain Kirk stand am Grab seiner Mutter. Zehn Jahre liegt ihr Unfall zurück und es tut noch immer weh. Einen Moment lang schloss er die Augen und lauschte in sich hinein. Er tastete nach dem neuen Schmerz, den kaum verheilten Wunden in seinem Inneren. David ist erst seit drei Monaten tot, aber ich empfinde kaum Trauer - eher Bedauern, ihn nicht besser kennengelernt zu haben. Es gab kein Grab, an dem er stehen konnte, um ihm zu gedenken. Der Körper seines Sohnes war auf Genesis zurückgeblieben. "Meine Mutter starb, als ich sieben war. Ich kann mich kaum an sie erinnern." Er hatte diese Stimme schon zu oft gehört, als das sie ihn noch erschreckte, plötzlich und uner-wartet in sein Bewusstsein driftend. Einen Moment lang zögerte er, dann wandte Jim Kirk sich zu seinem Bordarzt und alten Freund um. "Wie hast du mich gefunden?", fragte er leise. Doch der Arzt zuckte nur mit den Schultern. Er sah die Linien der Anspannung in Jims Gesicht, die Leere in seinen Augen - sie hatten nichts mit dem Besuch auf dem Friedhof zu tun. Und er spürte auch, dass noch immer nicht alles zwischen ihnen bereinigt war. Sicherlich, sie sprachen wieder miteinander - wenn auch unter sorgfältiger Vermeidung eines bestimmten Themas - und gerade das trennte sie voneinander. "Wie geht es dir?", fragte er statt dessen sanft. Die Frage stand einen Moment lang in der Stille zwischen ihnen. McCoy erinnerte sich plötzlich mit bedrückender Klarheit, wann er sie zum letzten Mal gestellt hatte. Und auch Jim schien sich daran zu erinnern, ein schiefes Lächeln glitt über seine Lippen. "Es geht mir gut, Pille", meinte er leise. "Nur..." "Nur?" "Wo... wo ist... er jetzt?" McCoy musterte ihn. Jim sah ihn nicht an, er hielt den Blick stur auf den Boden gerichtet. Es scheint, als wäre zwischen den beiden noch nicht wieder alles "eitel Rosen und Sonnenschein". Vielleicht die richtige Zeit, endlich damit aufzuhören, um dieses Thema immer nur auf Zehen-spitzen herum zu schleichen. "Spock ist in der vulkanischen Botschaft." Jim hob den Kopf, sah aber dann rasch wieder weg. Doch zu spät - McCoy hatte den Schreck in seinen Zügen bereits gesehen. "Keine Sorge. Er verabschiedet sich nur von Sarek", setzte der Arzt leise hinzu. Er beobachtete, wie Jim erleichtert Atem holte, seine Schultern entspannten sich jedoch nur wenig. "Denkst du, er kommt wirklich zurück zu... Starfleet?" ...zu mir? McCoy trat zu ihm, ergriff ihn bei den Schultern und schüttelte ihn kurz. "Jim, was ist eigentlich mit dir los? Wo warst du die letzten paar Tage? Natürlich kommt er zurück zu Starfleet." ...und zu dir. Er holte tief Luft und sprach dann den Gedanken laut aus. "Und natürlich kommt er zu dir zurück", sagte er sehr ruhig, sehr sanft. Er ließ den Freund los und wich einen Schritt von ihm zurück. Jims Gesicht blieb leer, Zweifel und etwas Undeutbares in seinen Augen. "Ihr habt noch nicht miteinander gesprochen, nicht wahr?", erkundigte sich McCoy vorsichtig. Kirk sah ihn von der Seite an. "Nein." Seine Stimme verriet nichts von seinen Gedanken.
* * * * * Es war einfach noch keine Zeit - kein Ort - dafür gewesen. Wie für so vieles andere auch nicht... Die letzten Monate hatten ihn in einen Wirbelsturm der Empfindungen gestürzt - tiefe, hoffnungs-lose Verzweiflung nach Spocks Tod, dann die geradezu irrwitzige Hoffnung, als Sarek bei ihm aufgetaucht war... Der Flug nach Genesis, Davids Tod und der Verlust der Enterprise, der Kampf mit Kruge... Dann die Rückkehr nach Vulkan. Diese Stunden des Wartens vor Sonnen-aufgang hatten ihm den Rest gegeben. Als Spock dann vor ihm stand - lebend - wollte er sich nur noch in seine Arme werfen, sich festhalten lassen und sich wie ein übermüdetes Kind in den Schlaf weinen. Seine Umgebung, seine Würde und den beißenden Schmerz in seinem Herzen vergessen. Natürlich tat er es nicht. Spocks Augen hielten ihn davon ab. Sie waren so dunkel und leer wie an dem Tag, als sie sich zum ersten Mal gegenüber gestanden waren. Fremd. Jim hatte unwillkürlich die Hände nach dem Vulkanier ausgestreckt - bittend, eine hilflose, verzweifelte Geste - und Spock war hastig einen Schritt zurückgewichen. Ein Schimmer von Verwirrung und vielleicht Wiedererkennen huschte über die geliebten Züge. Doch mehr... war da nicht. Jims Hände fielen nutzlos an seine Seiten zurück. Es tat weh. Der Schmerz war so groß, dass er wie eine Betäubung wirkte. Er bekam kaum mit, was Spock zu ihm sagte, schaffte es aber wohl irgendwie, die richtige Antwort zu geben. Dann nahmen die Heiler den Vulkanier mit - und der sich entfernende Rücken der weißgekleideten Gestalt war das einzige, was er für lange Monate von seinem Geliebten gesehen hatte. Man ließ ihn nicht zu Spock. Nicht während des Re-Trainings, es wäre noch zu früh. Geduld - noch nie seine Stärke. Die Betäubung hatte noch so lange angehalten, bis er sich allein in dem Raum wiederfand, in den ihn Lady Amanda geführt hatte. Es war ein Gästezimmer in Spocks Elternhaus in Shi'Kar. Es war angenehm kühl, kein Vergleich zu der Hitze im Freien. Kirk drehte sich langsam einmal um sich selbst, sah sich um. Doch eigentlich sah er nichts davon - nur Spocks so fremd/vertrautes Gesicht, eingeätzt in seine Erinnerung. Nach einer Weile raffte er sich soweit auf, dass er unter die Dusche ging und dann ins Bett. Um sich unruhig hin und her zu wälzen. Irgendwann kappte Erschöpfung dann diesen letzten, dün-nen Faden Beherrschung. Jim Kirk weinte sich in den Schlaf.
* * * * * Die folgenden Wochen waren mit Arbeit vollgepackt. So blieb nicht viel Zeit, nachzudenken. Ge-meinsam brachten sie die Bounty wieder zu voller Flugtauglichkeit. Und gemeinsam trafen sie die Entscheidung, zur Erde zurückzukehren, bevor man sie dorthin schleppen würde. Und als Spock bei ihnen erschien - steif und förmlich, aber er war da - und verkündete, dass er mit ihnen gehen würde... Es war wie das Erwachen aus einem Alptraum - in einen neuen. Jim konnte sich kaum an ihm satt sehen. Ein Wunder, dass es außer McCoy niemandem auffiel. Doch noch immer las er in Spocks Augen keine Freude, keine Wärme. Kein Funke dessen, was sie in den letzten Jahren geteilt hatten, kein Lachen, keine Leidenschaft - und keine Liebe. Wieder blieb nicht viel Zeit, darüber nachzudenken. Denn mit der Annäherung an die Erde kam die Walsonde und ihre Reise in die Vergangenheit des Planeten. Zurück zu Admiral und Mister Spock. Es tat weh, diese Förmlichkeit zwischen ihnen. Als hätten sie sich nie näher gekannt - nie geliebt. Dieser Schmerz trieb ihn schließlich in die Arme von Catherine Hicks. Nein, es sollte heißen, hätte ihn in ihre Arme getrieben - hätte er Erfolg gehabt, doch Catherine stellte die Wale an erste Stelle. Nicht, dass er es mit übermäßigem Eifer versuchte... Vielleicht hatte sich sein Charme abgenutzt. Er war so müde. Die nervenaufreibende Suche nach Chekov, die Jagd nach den Tieren - und erst der Rückflug, den sie beinahe nicht geschafft hätten - hatten seine letzten Reserven aufgezehrt. Der Gerichtsverhandlung wegen Insubordination und Diebstahls der Enterprise sah er fast schon gleichgültig entgegen. Was konnten sie ihm noch nehmen, wo er bereits alles verloren hatte, was ihm jemals wirklich wichtig gewesen war... Doch wieder einmal stand das Glück auf seiner Seite und er war erneut Captain. Ein Schiff - eine neue Enterprise - wartete im Orbit um die Erde auf ihn, Spock kehrte auf seinen Posten als Erster Offizier zurück. Seine alte Crew würde wieder mit von der Partie sein. Also, alles in bester Ordnung...
* * * * * Verdammt, nichts war in Ordnung. "Jim?" McCoys Stimme riss ihn aus seinen Gedanken, zurück in die Realität. "Denkst du nicht, es ist Zeit, auf das Schiff zurückzukehren? Nach Hause." Kirk warf einen Blick auf seine Uhr. Noch sechs Stunden, bis sie zum 'Jungfernflug' aufbrachen. "Nach Hause", wiederholte er bitter. Nicht mehr. "Spock war mein Zuhause." Er drehte sich um und marschierte mit langen Schritten davon. Und McCoy stand da, verfolgt nachdenklich seine Flucht. Hilflos.
* * * * * "Ich sollte Spock bitten, die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dass man dich auch einmal an einem anderen Ort antrifft." McCoy erschauerte. Trotz seiner scherzenden Worte war ihm so gar nicht nach Witzen zumute. Der Raum war zwar anders eingerichtet, doch es war noch immer ein Observationsdeck - und unterschied sich damit nicht so sehr von dem auf der alten Enterprise. Und das Bild, das sich ihm bot, war seinem Geschmack nach nur zu vertraut. Jim stand vor den geöffneten Wandverkleidungen und sah in die gleißende Sternenpracht hinaus, die sich freizügig seinem Blick darbot. "Was ist los, Jim?" Nach einem Moment drehte sich Kirk mit einem leisen Seufzen um. "Pille. Du gibst wohl nie auf, was?", fragte er. Sein Lächeln wirkte selbst in Anbetracht der matten Beleuchtung reichlich aufgesetzt. Der Arzt trat neben ihn und zuckte mit den Schultern. "Man tut, was man kann", meinte er unverbindlich. "Was gibt es denn hier so interessantes zu sehen?"
"Sie helfen mir beim Nachdenken", erwiderte Jim nach einer Weile. "Und worüber denkst du nach?" Auf Kirks Zunge lag eine scharfe Antwort, doch er schluckte sie hinunter. Es machte keinen Sinn, seinen Frust an McCoy auszulassen. Nicht, wenn es Spock war, den er anschreien wollte. Anbetteln, diese Distanz zwischen ihnen nicht länger aufrecht zu halten. Diese eiserne Höflichkeit und Förmlichkeit, die ihn auffraß. "Wir haben Befehl erhalten, zur Erde zurückzukehren", meinte er statt dessen. "Der 'Jungfern-flug' ist beendet, zu viele Mängel. Scotty's Maschinenraum ist ein Tollhaus." McCoy nickte, doch er ließ sich von seinem Ablenkungsmanöver nicht eine Minute täuschen. "Denkst du etwa, in meiner Krankenstation sieht es besser aus?" Er suchte Jims Blick und hielt ihn fest. "Und was liegt dir sonst noch auf der Seele? Spock?" "Ist das eine ärztliche Diagnose, Doktor?", flüsterte Kirk und wandte sich ab. Er lehnte sich an die Scheibe, Stirn und Handflächen aufgestützt und der Arzt erschauerte bei der Erinnerung an das letzte Mal, als er ihn so gesehen hatte. Schweigen füllte den Raum zwischen ihnen. "Sagen wir, die eines Freundes, Jim", erwiderte er schließlich sehr leise.
"Ich kann ihn nicht erreichen. Ich weiß, dass ich akzeptieren sollte, dass es vorbei ist. Aber ich kann nicht. Er fehlt mir so." Langsam, qualvoll kam Wort für Wort über Jims Lippen. "Ich kann nicht einfach aufhören, ihn zu lieben." McCoy zögerte lange mit einer Antwort. Als sie kam, überraschten ihn seine Worte selbst. "Woher nimmst du diese Gewissheit, dass es vorbei ist?", fragte er leise. "Es ist noch nicht sehr lange her, da war er noch tot, Jim. Lass' ihm Zeit zu heilen. Lass' dir Zeit. Erst dann kannst du sagen, ob es wirklich vorbei ist - oder ob ein neuer Anfang möglich ist. Ihr beide gehört zusammen. Ich weiß das jetzt. Und du solltest es besser auch nicht vergessen." Jim reagierte nicht, doch McCoy sah, dass etwas von der Anspannung aus seiner Gestalt verschwunden war. Der Arzt wandte sich zum Gehen. "Pille?" Er wandte sich noch einmal zu der einsamen Gestalt um. "Danke. Für alles. Für dein Verständnis." McCoy lächelte. "Jederzeit gern."
* * * * * Wie immer war sein Apartment kalt, leer - und wirkte überhaupt nicht sehr einladend auf ihn. Aber noch eine Nacht an Bord der neuen Enterprise bleiben, mit Spocks Kabine direkt neben seiner? (Nicht, dass das irgend einen Unterschied gemacht hätte, Spock hätte genauso gut am anderen Ende der Galaxie leben können.) Außerdem befand sich der Vulkanier nicht an Bord. Trotzdem - nein, unmöglich! Auch wenn hier nur schmerzliche Erinnerungen auf ihn warteten. Im Gegensatz zu seinem Quartier auf dem neuen Schiff - dort gab es keine Erinnerungen an Stun-den voll Wärme, an Stunden, in denen seine Kabine mit Lachen und Liebe erfüllt gewesen war. Und so die einzige Zuflucht geworden war, die er noch hatte. Spock hatte seine Räume dort nie betreten, gab es etwas zu besprechen, trafen sie sich in einem der Besprechungszimmer oder in der Messe. Auf neutralem Grund sozusagen. Doch der Vulkanier verbrachte ohnehin die meiste dienstfreie Zeit in seiner Kabine. Er meditierte, den Anweisungen der Heiler folgend.
Jim ließ seine Tasche auf den Boden fallen - aufräumen konnte er später noch. Müde rieb er sich die Augen. Eine Dusche und einen Drink - und dann ab ins Bett. Das war, was er jetzt brauchte. Nach zwei Tagen, die er damit verbracht hatte, eine Unzahl Berichte durchzusehen, noch mehr davon zu verfassen, Anforderungslisten seines Chefingenieurs zu kontrollieren und sie dann bei den zuständigen Abteilungen durchzusetzen. Für die Dauer der Reparaturen und Umrüstungen hatten alle Besatzungsmitglieder, die dafür nicht benötigt wurden, Landurlaub er-halten. Dazu zählte natürlich auch der Captain. Also sah sich Jim Kirk jetzt mit einer neuen Herausforderung konfrontiert - einen unerwünschten Landurlaub hinter sich zu bringen, ohne sich dabei zu Tode zu langweilen. Endlose Tage, voll endloser Stunden - mit denen er außer Schlafen und Trinken nicht viel anzufangen wusste. Vielleicht ließe sich McCoy überreden... Aber - zuerst eine Dusche. Seine Uniform landete als zusammengeknüllter Haufen in der Ecke. Bevor er in die Duschkabine trat, fiel sein Blick auf Spocks Robe. Sie hing am gleichen Fleck, wie vor fast fünf Monaten, als er zuletzt hier geduscht hatte. Irgendwann in den nächsten Tagen musste er wohl endlich den Mut aufbringen, Spocks Sachen zusammen zu suchen und sie in sein Quartier zu schicken. Wo immer das jetzt auch sein mochte. Der Vulkanier hatte das Schiff kurz nach dem Eindocken verlassen und war seitdem nicht mehr aufgetaucht. Jim trat in die Dusche und zog die Tür hinter sich zu. Ein gequältes Lächeln - Gedanken an zärtlichen Spielereien, die in dieser Kabine stattgefunden hatten, huschten durch seinen Geist - krümmte seine Lippen. Dann verbannte er das strikt aus seinem Bewusstsein. Was machte es für einen Sinn, sich mit etwas zu quälen, das vorbei war... Wenn diese Jahre des Glücks alles gewesen waren, dann würden sie für den Rest seines Lebens genügen müssen. Er hatte zuvor überlebt und er würde auch jetzt. Und wenn er es sich nur oft genug einredete, glaubte er es vielleicht sogar irgendwann... Aber auch das heiße Wasser half nicht gegen die innere Kälte, die ihn hilflos zittern ließ.
* * * * * Das Rauschen des Wassers überdeckte jedes Geräusch, hüllte ihn in einen Kokon aus Hitze und Dampf. Ganz langsam entspannten sich seine verkrampften Muskeln, das Zittern ließ allmählich nach. Jim hielt den Atem an und hob das Gesicht direkt in den Strahl. Sollte das Wasser alle Gedanken fort tragen, ihn rein - leer zurücklassen. Er stellte die Dusche ab, schüttelte prustend den Kopf. Jetzt noch einen anständigen Drink - vielleicht war noch etwas romulanisches Ale da, das Pille ihm vor einer Ewigkeit zum Geburtstag geschenkt hatte und dann einige Stunden (hoffentlich) traumlosen Schlafs. Er trat aus der Duschkabine und griff automatisch nach einem Handtuch. Einen Augenblick später fiel ihm ein, dass er zuvor keines in Greifweite deponiert hatte - folglich auch keines da sein konnte. Doch sein Finger versanken in einem der dicken Duschtücher. Schulterzuckend benützte er es. Man muss auch für kleine Wunder dankbar sein. Die heiße Dusche hatte ihn in einen angenehm trägen Zustand gelullt und den wollte er nicht durch unnötiges Nachdenken gefährden. Er verließ das Bad, ohne sich noch einmal umzusehen, das Tuch nachlässig um die Hüften geschlungen. Es fiel ihm nicht auf, dass seine Uniform verschwunden war.
Automatisch ging er zur Bar, nahm sich etwas zu trinken - es war tatsächlich noch ein wenig Ale da - und kniete sich mit dem Drink in der einen Hand, vor den Kamin, um das Feuer zu schüren. Alles wie gewohnt. Bis auf die Tatsache, dass er kein Feuer im Kamin angezündet hatte, als er nach Hause kam. Verwirrt setzte Kirk sich auf die Fersen zurück und starrte ohne zu sehen in die Flammen. Hastig ging er seine Erinnerungen durch. Nein, er hatte wirklich kein Feuer entfacht. Jemand ist hier. Dieser Gedanke drang endlich durch den Nebel in seinem Geist. Hinter ihm ertönte ein leises Geräusch und er fuhr herum, verschüttete dabei den Inhalt seines Glases als blaue Schlieren auf dem Teppich.
Spock stand in der Tür, die zum Schlafzimmer führte. Er trug keine Uniform mehr, sondern eine schlichte schwarze Hose und eine gleichfarbige Tunika, mit feiner silberner Stickerei verziert. Er war wunderschön, sexy, atemberaubend... "Du?" Mehr brachte Jim nicht heraus, die Förmlichkeit vergessend, zu der sie ja zurückgekehrt waren. Spock sagte nichts. Er stand nur da, den Kopf gesenkt, die Hände auf den Rücken gelegt. Langsam, wie ein Schlafwandler, kam Jim schließlich auf die Beine. Die wenigen Schritte, die er benötigte, um den Raum zu durchqueren, schienen sich in Kilometer zu verwandeln. Er fühlte sich, als wate er durch zähflüssigen Sirup. Dann stand er vor dem Vulkanier. Er streckte die Hand aus, um ihn zu berühren, sich zu vergewissern, dass Spock wirklich hier war. Doch er wagte es nicht ganz. Diese Geste schien Spock aus einem Bann zu befreien. Er hob den Kopf und griff nach Jims Hand, noch bevor der sie ganz zurückziehen konnte. Jim schloss die Augen, als warme, starke Finger seine umschlossen, festhielten. Einen Moment später holte er tief Luft und öffnete die Lider wieder. "Ich muss dich um Verzeihung bitten, t'hy'la." Jims Herz stoppte mitten im Schlag und schien dann seinen Brustkorb sprengen zu wollen, als es abrupt doppelt so heftig schlug. t'hy'la. Wie lange hatte er sich danach gesehnt, dieses Wort wieder zu hören... allein diese samtene Stimme... "Spock... für was?", brachte er irgendwie durch seinen zusammengeschnürten Hals. "Für die vergeudete Zeit, Jim. Dafür, dass ich so lange benötigte, mich an meinen Platz in deinem Leben zu erinnern." Spock hielt inne, trat näher zu ihm. Kirk konnte die Hitze spüren, die sein Körper abstrahlte, seinen Geruch wahrnehmen. "Für den Schmerz, den ich dir damit bereit habe." "So einfach?", flüsterte Jim. Ungläubig berührte er Spocks Gesicht, seine Finger zitterten. "Es ist so einfach vorbei? Du bist wieder bei mir?" Spock nickte, als er mit der freien Hand auch Jims zweite Hand einfing und sie an seine Seite führte. Wie betäubt spürte Kirk den Herzschlag des Vulkaniers durch die Kleidung. Ihre Blicke trafen sich erneut - und einen Moment später auch ihre Lippen. Jim gab ein leises, ersticktes Geräusch von sich - halb Lachen, halb Schluchzen. "Spock, bitte... halt mich..." Der Vulkanier verstand und gab Kirks Hände frei, schlang sie statt dessen um die Taille des Menschen. Jim ergab sich mit weichen Knien in die Umarmung, presste das Gesicht an Spocks Hals. Brauchte den Halt, das Gefühl des dünnen, harten Körpers an seinem. "Wenn das ein Traum ist, dann möchte ich nie wieder aufwachen", flüsterte er zittrig, euphorisch. "Es ist kein Traum, t'hy'la." Jim hob den Kopf, um ihn erneut zu küssen. Und dann sah er es... dieses scheue fast-Lächeln auf Spocks Lippen... das nur er privilegiert war, zu sehen. Irgend etwas Kaltes in ihm zerbrach und die so lange unterdrückten Tränen traten in seine Augen. Spocks sanfte Hände umschlossen sein Gesicht, heiße Finger glitten über seine Wangen, fingen die glitzernde Feuchtigkeit auf. "Lass' mich nie wieder allein." Was immer er noch hatte sagen wollen, wurde von den schmalen Lippen des Vulkaniers erstickt. War es wirklich möglich, von einem Kuss fast das Bewusstsein zu verlieren? Als Jim wieder völlig zu sich kam, lag er auf seinem Bett - und fühlte sich einfach großartig. Das Handtuch lag auf dem Weg zwischen Wohnzimmer und Bett, Spocks Kleidung gesellte sich kurz darauf zu ihm.
* * * * * Voll Erstaunen sah Jim auf den schlafenden Vulkanier in seinen Armen. Spock war zurück - nicht nur in körperlichem Sinne. Vorsichtig tastete er nach der - wiederhergestellten - dünnen Verbindung zwischen ihren Geistern. Darauf reagierend, schmiegte sich der Vulkanier, ohne aufzuwachen, noch enger an ihn und Jim legte die Hand in seinen Nacken, drückte seinen Kopf in seine Schulter. Drückte seinen Kopf in das weiche Haar und holte tief Luft. Jetzt, da der Schmerz verschwunden war, fragte er sich, wie er jemals hatte damit leben können. Irgendwo in ihm war etwas mit Spock gestorben und heute Nacht wieder zum Leben erwacht. Sie würden sich binden. Bald. Dieser Gedanke sang unablässig in ihm. Sie mussten nicht darüber sprechen, Jim hatte das Verlangen in Spocks Geist gesehen, als sie sich liebten. Das Band und damit Spock für immer an seiner Seite, ein Schiff, um die Sterne zu erforschen... Ein Gähnen zerstörte seine liebevolle Betrachtung und er ließ sich zurück, tiefer, in die Kissen sinken. Sein letzter wacher Gedanke galt McCoy. Irgendwie müsste sich der Arzt doch überreden lassen, zumindest eine Woche oder so mit ihnen zu verbringen. Natürlich nicht sofort... später... zunächst wollte er Spock noch eine Weile ganz allein für sich haben. Es gab ja soooo viel nachzuholen...
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