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Unsterblich? Ja, klar!© by Alix FM ()
Diese Geschichte ist so unglaubwürdig, daß sie in dieser verrückten Zeit schon fast wieder wahr sein könnte; das sagten mir jedenfalls sehr viele, denen ich die Story schon erzählt habe. Freaks gibt es schließlich genug, die aus irgendeinem Grund den Bezug zur Realität verlieren. Sich in eine andere Person oder Zeit zu träumen - hey, wer wollte nicht schon mal im Wilden Westen die Sau rauslassen? Aber diese Geschichte handelt von Typen, die sich für Unsterbliche halten. Unsterblich - bis ihnen in einem Kampf der Kopf vom Hals getrennt wird. Habe ich schon erwähnt, daß es sich dabei um Schwertkämpfe handelt? Die Zeit scheint bei ihnen stehengeblieben zu sein. Aber ich sollte die Geschichte der Reihe nach erzählen. Es war eine Nacht - Freitag nacht - und ich hatte Dienst, Nachtschicht bei der Polizei: Es war eine Nachtschicht wie in den Nächten davor. Genauso wie gestern und vorgestern und die Nachtschicht davor... Aber, so dachte ich, was regst du dich auf. Du hast 'ne Coke, Donuts, ein gutes Footballspiel läuft in der Glotze - du hast es besser als zu Hause... Aber es ist doch immer das Gleiche - eine blonde Schönheit wird von ihrem reichen Alten umgelegt (wie gestern) oder umgekehrt: er stirbt (wie die Tage davor). Ein Gutes hat die Sache doch, niemand kann die Protokolle schneller aufsetzen als du... Dennoch, die Langeweile nimmt zu, genau wie die Leibesmitte. Wenn ich wenigstens so schlafen könnte wie Marty, na ja - ich würde dabei nicht gerade den ganzen Wald abholzen... Warum sollte ich meinen Frust und all den Kram nicht doch einem Psychiater erzählen? Marty hat es geholfen... aber irgendwie traue ich diesen Seelenklempnern doch nicht über den Weg. Nichts für ungut. Freitag nacht - sicher wird das Scheiß-Telefon wieder klingeln, wenn es gerade wieder so richtig spannend wird... weil die oder der liebende Ehegatte/in nach Hause kommt und dort seinen/ihren Ehepartner/in nun nicht mehr ganz so frisch vorfindet... zum Telefon greift... völlig verzweifelt 'meine' Nummer wählt... und dann erst nach zwei oder drei Minuten (wenn das bei einigen mal ausreicht), mit der Nachricht "OH MEIN GOTT, ER/SIE IST TOT!" rausrückt. Derweil sind meine Augen schon fünf- oder sechsmal Karussell gefahren.
Freitag nacht - mein Horoskop sagte mir eigentlich einen guten Tag voraus... Komm schon Junge, den schaffst du, leg das Ei rein, jaaaaaaaa, Mist, 50 Dollar im Arsch - knapp vorbei. Selbst das Spiel war furchtbar, aber es sollte noch schlimmer kommen. Das Telefon klingelte. Na ja, was soll's, dachte ich und nahm den Hörer ab. "Neuntes Revier, Detective Jones am Apparat." (Es sollte ein guter Tag werden - Scheiß auf Horoskope!) Marty mühte sich in eine bequemere Sesselposition und sah mich aus seinen verschlafenen Augen neugierig an. Vermutlich wartete er auf meinen gequälten Gesichtsausdruck - meine Standardreaktion auf "OH MEIN GOTT ER/SIE IST TOT!". Diesmal wartete er vergeblich. Eine Streife war bereits am Tatort und hatte der Ehefrau den Anruf erspart - vermutlich ist sie ihnen in Panik vor's Auto gelaufen. "Ja, verstanden. Wir sind unterwegs." Natürlich war es wieder ein Toter, immerhin arbeite ich für das Morddezernat, nicht? Die Gegend sah angenehm aus, nicht zu vornehm - es stank jedenfalls nicht nach Moneten, wenn ich mich mal bildlich ausdrücken darf. Das Haus war frisch renoviert; das "FRISCH GESTRICHEN!" - Schild hing noch an der Tür. Müssen die alle hier im Flur stehen, da kommt doch niemand durch, war mein nächster Gedanke. "Macht mal etwas Platz, Leute, hier gibt's nichts zu sehen." (Natürlich gab's doch was zu sehen - aber ich konnte der Gelegenheit nicht wiederstehen, das Klischee EINMAL auszusprechen.) Endlich durch die Meute durch, konnte ich das Zimmer - den Tatort - betreten. Oh, toll. Es hat einen Psychiater erwischt... meine Probleme sind wohl doch noch nicht groß genug. "Detective Jones?" "Ja, das bin ich." Vielleicht kam es etwas zu grob rüber, die Dame neben dem Officer zuckte förmlich zusammen; aber sie war BLOND. (Wieder ein Klischee erfüllt.) Sie benötigte nur wenig Zeit, um sich wieder zu fassen; dann, nach einem kurzen, tiefen Atemzug: "Ich danke Ihnen, daß Sie so schnell gekommen sind. Ich kann noch immer nicht... begreifen wie... wie jemand... ich meine, wer ist so... so krank... so skrupellos... WER KANN DENN NUR EINEN MENSCHEN KÖPFEN?!" Köpfen? Also, davon war nicht die Rede gewesen, nur ein Toter, männlich, weiß, blablabla - die Jungs haben wohl wie immer vergessen, das Wichtigste zu erwähnen. Ich folgte mit den Augen ihrer ausgetreckten Hand. Sie zeigte anklagend in das nächste Zimmer. Ich gab Marty zu verstehen, daß er sich um sie kümmern solle, und dann ging ich hinein. Oh, so was sieht man wirklich nicht alle Tage. Psychiater stehen wohl immer noch auf die gute alte Couch - aber muß es denn unbedingt roter Plüsch sein? (Klischee Nr. 3. Allmählich fühlte ich mich wie in einem dieser Groschenromane.) Darüber - quer - lag ein Etwas, das sich bei näherer Betrachtung als Mann entpuppte. Der Kopf war allerdings etwa einen halben Meter vom Rest des Körpers zum Liegen gekommen, nachdem er hier und da ein wenig die Wände gestreift hatte. Vermutlich war er überrascht worden, es muß schnell gegangen sein - aber um das zu klären, war ich ja hier.
Während sich der Coroner um die Leiche - oder vielmehr um ihre Teile - kümmerte, besorgte ich mir die Patientenkartei und die dazugehörigen Daten (soweit vorhanden: der Tote war entweder ziemlich schlampig gewesen oder das Büro war ausgeräumt worden, nur deuteten keine Spuren darauf hin), begann zu lesen und Theorien aufzustellen, zu verwerfen u.s.w. Irgendwie hatte ich das Gefühl, es gäbe da einen Zusammenhang. Aber noch konnte ich ihn nicht sehen. Zu meinem Glück entdeckte ich die Mitschriften der Patientengespräche, die ich dann nach langen und zähen Verhandlungen doch ansehen durfte. Ich wußte natürlich, daß ohne System nichts laufen würde, also begann ich damit, die letzte Woche (Mann, er war wirklich nur EINE Woche im Geschäft geblieben!), nachzustellen. Ohne je in diesem Beruf gearbeitet zu haben, wußte ich sofort, daß die Typen es wirklich verdient hatten. Solche Geschichten können nur Freaks erzählen, das glaubt ihnen niemand - wirklich niemand! Ich fing mit der Durchsicht der Patientenakten an.
Wow. Also, so einen großen Komplex und (auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen), völligen Unsinn hatte ich wirklich noch nie gesehen. Und als Detective bei der Mordkommission sieht man die merkwürdigsten Sachen. Wir fahnden also nach einem Typen, der sich für unsterblich hält. Das glaubt mir doch keiner meiner Kollegen, die weisen mich ja auch gleich noch ein. Also die nächste Akte:
Sollte es vielleicht tatsächlich ein Muster geben? Dieser MacLeod schien auf jeden Fall eine Schlüsselfigur zu sein; oder war alles nur ein Zufall? Wie wahrscheinlich wäre das denn? Die anderen Aktendeckel waren jeweils nur mit einem Namen versehen und außerdem noch leer. (Wäre ja auch zu schön gewesen.)
~*~*~*~*~ Name: Amanda ~*~*~*~*~ Name: Richie ~*~*~*~*~ Name: Silas ~*~*~*~*~ Name: Caspian ~*~*~*~*~
Daraus wurde ich einfach nicht schlau. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einem oder dem Duncan MacLeod (so viele mit diesem Namen wird es sicher nicht geben). Der einfachste Weg für einen Bullen ist es, zuerst die Verbrecherkartei durchzusehen. Nichts. Hätte mich auch überrascht. Na ja, irgendwo muß man ja schließlich anfangen. Dann versuchte ich es über die Finanzbehörde. Auch nichts. Es war auch kein Führerschein auf diesen Namen ausgestellt worden; jedenfalls nicht in den letzten dreißig Jahren. Ich glaube, hier bin ich mißtrauisch geworden. Irgendwo ist jeder registriert, jeder. Wieso gab es in den Akten, im PC keinen Hinweis auf einen Duncan MacLeod? Die Kollegen halten mich sowieso schon für einen etwas eigenartigen Typen. Immer habe ich die Fälle mit den reichen toten/verwitweten Blondinen abbekommen. Und die Witze über die Nachtschicht sind sowieso immer etwas heftig. Aber wenn ich jetzt auch noch anfange, ein Phantom zu jagen... Good bye, guter Ruf. Der Name Methos war auch keine große Hilfe. Er klang irgendwie griechisch. (Und ich rede hier eher über Altgriechisch!) Bei Silas und Caspian läuteten sogar noch weniger Glocken. Und sich in dieser großen Stadt auf die Suche nach einer Amanda zu begeben... Auch nicht sehr aussichtsreich, wenn jede fünfte Frau so heißt. Richie - oh Gott. Es wurde immer besser. Ich fragte mich, warum der Doktor keine ausführlicheren Akten angelegt hatte. Auch erschien mir der Notizstil verdächtig. Es war fast so, als ob er die Informationen nur aus Gesprächen bekäme, aber eben nicht aus Gesprächen mit den jeweils Betroffenen. Irgendwie merkwürdig. Die Arzthelferin war mir keine Hilfe. Diese Patienten waren alle außerhalb der Sprechzeiten gekommen. Der Doktor habe sie sogar früher nach Hause geschickt, wenn es sich nicht anders einrichten ließ. Nie habe sie einen dieser speziellen Patienten zu Gesicht bekommen. Endlich hatte ich eine Spur. Einer meiner Informanten kannte einen, der einen kannte, der... jedenfalls fand ich MacLeod. Warum kam er mir bloß so komisch? Richtig schockiert war er, als ich ihn auf den Doktor ansprach. "Es tut mir leid, Detective. Ich würde Ihnen gerne weiterhelfen, aber ich habe noch nie etwas von diesem Mann gehört." Also fragte ich ihn, was er zur Tatzeit gemacht hatte. Normalerweise sollte ich erfreut sein, daß sich ab da alles so zusammenfügen sollte, es wurde aber alles nur noch schlimmer. Mr. MacLeod sagte mir, er sei mit ein paar Freunden zusammen gewesen. Nun raten Sie doch mal, wer es war. Er war zur Tatzeit in einer Bar, die einem gewissen Joe Dawson gehört. Etwa zehn Leute konnten seine Anwesenheit bestätigen. Seine, ebenso wie die der Frau, die in den Akten als Amanda verzeichnet ist. Später sei auch noch ein junger Mann namens Richie hinzugekommen. Ich konnte mein Glück kaum fassen und erkundigte mich auch nach diesem ominösen Methos. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß er auch dort gewesen sein könnte. Fehlanzeige. Aber meine Frage löste eine sehr merkwürdige Reaktion bei einem jungen Mann namens Adam aus, der aussah wie ein Langzeitstudent und auf einem Barhocker gelümmelt die Biervorräte der Bar stark dezimierte. Für einen uralten apokalyptischen Reiter schien er sich aber nicht zu halten, weshalb ich ihn nach ein paar weiteren Fragen wieder in Ruhe ließ. Ich hatte sowieso nicht ernsthaft geglaubt, daß ein so unschuldiger junger Mann ein Killer sein könnte. Ich stand also wieder vor einem Scherbenhaufen. Alle hatten ein Alibi. Und Methos (alias "TOD") war nirgendwo aufzutreiben. Darüber hinaus machte keiner von ihnen auf mich den Eindruck, als würden sie einen Seelenklempner in Anspruch nehmen. Was nun? Die Einschätzungen für Duncan MacLeod in den Akten stimmten hervorragend überein; ich hatte das Gefühl, ihn ganz genau zu kennen. Vermutlich waren die anderen ähnlich korrekt. Ich suchte also jemand aus dem Umfeld dieser Leute. Und mein Instinkt sagte mir, daß dieser Jemand der Täter war. Was sollte ich tun? Ich befragte die Arzthelferin nochmal. Sie versicherte mir, daß alle Termine mit dem Patienten per Telefon abgesprochen worden waren. Dem Patienten - da wurde ich hellhörig. Ich wagte mich nochmal in die Höhle des Löwen, wie man so schön sagt. Es dauerte ziemlich lange, ehe ich MacLeod, Richie und Amanda (nur zur Sicherheit, denn ihre moralischen Werte kamen mir ziemlich fragwürdig vor), dazu bewegen konnte, per Telefon mit der Arzthelferin zu sprechen. Sie hielten mich bestimmt für verrückt. Keiner von ihnen hatte vorher dort angerufen. Sie konnten sich und mir nicht erklären, wie ihre Namen in den Akten auftauchen konnten. Ich hatte schließlich richtig Mühe, aus dem daraufhin entstehenden Tumult wieder herauszukommen. Zuerst erschienen diese Falten auf den Gesichtern der vier. (Ja, vier. Dieser Langzeitstudent hing offenbar oft in der Bar herum und war mit den dreien offensichtlich gut befreundet, weshalb er dann auch kräftig mitmischte, bevor er sich spurlos verdrückte.) Ich ahnte jedenfalls schon, was kommt. Ja, ehe ich mich versah, begann es aus Amanda nur so herauszusprudeln; allerdings sehr unfein für die Dame, die sie sein wollte, wenn man nach ihrem teuren Kostüm ging. Und so kam eins zum anderen. Fragen Sie mich nicht, wie ich da wieder lebend rausgekommen bin. Ich hatte wirklich keine Ahnung, wie ich den Fall unter diesen Umständen lösen sollte. Meine Verdächtigen hatten noch nie etwas mit dem Opfer zu tun gehabt. Ich hatte ein Phantom, das sich für unsterblich hielt und sich nicht scheute, unbescholtene Bürger zu verunglimpfen. Ich steckte in einer totalen Sackgasse. Keine Ahnung, wie ich das je lösen sollte.
Warum es mich nochmal in die Praxis zog? Warum ich nochmal alles durchsuchte? Warum ICH dieses Tonband fand und es nicht schon vorher entdeckt worden war? Ich habe keine Antworten auf diese Fragen. Aber ich fand endlich heraus, wer der Mörder war - theoretisch.
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"Ich habe den Tod eines Psychiaters untersucht. Ich hatte viele Verdächtige, die sich nach meinen Recherchen als unschuldig entpuppten. Und ich hatte einen Hauptverdächtigen. Nun jage ich einen Mann namens Kronos, den keiner außer dem Opfer jemals gesehen hat. Der sich für einen apokalyptischen Reiter hält, und was das Wichtigste ist: der zu absolut allem bereit ist. Der dich einfach mitten auf der Straße töten würde, nur weil ihm die Nase in deinem Gesicht nicht paßt. Ich habe meinen Bericht abgegeben - zusammen mit meiner Kündigung. Sagen Sie mir, Doktor, bin ich verrückt oder nicht?" "Nun, ich kann Ihnen da auch nicht weiterhelfen. Sorry... ABER SIE REDEN EINDEUTIG ZUVIEL!"
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