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Schneeflöckchen...

© by Lady Charena ()

 

Disclaimer: StarTrek gehört Paramount/Viacom. Die Story gehört mir, ist reine Fanfiction und wird nur zum Spaß geschrieben. Ich beabsichtige damit nicht, irgendwelche Rechte zu verletzen oder Geld zu verdienen.
Das ist ein Spielplatz für Erwachsene, 'kay? Wer jünger als 18 ist oder sich an der Darstellung von Homosexualität in all ihren Facetten stören könnte, sucht sich bitte einen anderen. Verbindlichsten Dank.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek-Sektion
Antwort auf den Weihnachts-Challenge 2001.
Anmerkung: Eine Art Fortführung der in "Stille Nacht" begonnenen Szenerie des Weihnachtsurlaubes mit unseren Tupperfamilien.

 

Schneeflöckchen, Weißröckchen,
jetzt kommst du geschneit,
du wohnst in der Wolke,
dein Weg ist so weit.
 
Schneeflöckchen, Weißröckchen,
komm zu uns ins Tal,
dann bau'n wir den Schneemann,
und werfen den Ball.

 

Jim näherte sich erwartungsvoll seinem Bondmate. "Was meinst du, wie lange Sara und Tommy mit den anderen unterwegs sein werden?", fragte er und legte von hinten die Arme um Spock.

Der Vulkanier sah auf. "Sie haben erst vor zehn Minuten das Haus verlassen, t'hy'la. Du musst dir keine Sorgen um sie machen, Angelo" - Holla, dachte Jim, nicht mehr Mr. Angelo? - "und Belinda achten auf sie."

"Das weiß ich doch." Jim ließ seine Hände träge über Spocks Oberkörper wandern. "Ich meinte, wie lange wir ungestört sein werden?"

Eine Augenbraue hob sich. "Sie haben versprochen, zum Abendessen wieder zurück zu sein. Warum diese Frage?"

Jim lachte und biss sein Bondmate zärtlich ins Ohrläppchen. "Du willst doch nicht behaupten, dass du vergessen hast, was wir für heute geplant haben, oder?"

Da Jims Pläne sich sehr rasch aenderten - und das gelegentlich auch, ohne dass er jemanden davon in Kenntnis setzte - war Spock einen Moment unschlüssig. Dann wurde ihm klar, von was Jim sprach. Der Vulkanier hob auch die zweite Augenbraue. Er war davon ausgegangen, dass sein Bondmate einen Scherz gemacht hatte.

"Na komm' schon, sich drücken gilt nicht. Sei' kein Spielverderber." Jim zog einen Schmollmund, als Spock nicht sofort antwortete. "Du hast es mir versprochen. Und jetzt ist es günstig. Die Kinder sind mit Belinda, Angelo, Sulu und Chekov unterwegs, Harry kuriert seine Erkältung aus und darf das Bett nicht verlassen. Und Nogura ist mit Scotty und Pille zum Einkaufen ins Dorf. Niemand wird uns sehen."

"T'hy'la", begann Spock vorsichtig - und sehr widerstrebend. "Es ist heute sehr kalt. Findest du nicht, es wäre besser, wenn wir das... verschieben?"

"Verschieben?" Empört richtete sich Jim auf und trat vor ihn. "Hör' mal, was heißt hier: es wäre besser, wenn wir das verschieben? Womöglich bis nach den Feiertagen, nicht wahr? Aber dann fahren wir schon wieder nach Hause und es heißt Schnee ade. Ich bezweifle nämlich sehr, dass wir es bei uns am Strand tun können", meinte er spitz.

Resignierend legte Spock das technische Journal zur Seite, das er sich von Scotty geliehen hatte.

Jim strahlte. "Ich hole schon mal unsere Jacken", verkündete er und verschwand in den Flur.

 

* * *

 

Wenig später standen ein dick vermummter Vulkanier und ein etwas weniger vermummter Mensch vor der Skihütte.

Jim rieb sich unternehmungslustig die Haende. "Gut, dass es letzte Nacht geschneit hat. Wo fangen wir denn an? Was hältst du von da drüben?"

Spocks Blick schweifte über die vielen großen und kleinen Figuren, die die Kinder seit Tagen unablässig bauten. "Vielleicht hinter der Hütte, Jim? Hier kommt es doch zwischen all den anderen Schneefiguren nicht so richtig zur Geltung."

Mit gerunzelter Stirn dachte Jim einen Moment darüber nach, schob dann die Mütze nach oben, um sich am Kopf zu kratzen. 'Diese Wolle juckt', dachte er abwesend. 'Ich sollte Mom sagen, dass sie mir nicht jedes Jahr eine neue Mütze stricken muss.' "Okay", meinte er dann. "Du hast sicherlich recht."

 

Sie umrundeten die Skihütte. Eine einsame Linie an Fußstapfen zog sich durch den sonst makellosen, unberührten Schnee. Jim stopfte seine Handschuhe in die Jackentasche - so konnte er sie später anziehen, um sich aufzuwärmen - und nahm eine Handvoll Schnee auf, die er zu einem Ball formte. Er wandte sich zu Spock um, doch der Vulkanier blickte in die entgegengesetzte Richtung - und er konnte nicht widerstehen...

Mit dumpfem Klatschen landete der Schneeball auf Spocks verlängertem Rücken.

Jim versteckte die Hände auf dem Rücken und setzte seinen unschuldigsten Gesichtsausdruck auf, als sich sein Bondmate zu ihm umdrehte. Nachdem Spock ihn nur schweigend musterte, die Arme vor der Brust verschränkt, hob Jim eine Augenbraue. "Ist etwas nicht in Ordnung?", erkundigte er sich.

"Doch, natürlich", erwiderte Spock und wandte den Blick wieder ab. Klatsch! Der zweite Schneeball landete an seiner Schulter. Als er sich umdrehte, war Jim eifrig damit beschäftigt, mit der Spitze seines Stiefels ein Muster in den Schnee zu scharren. Er hatte beide Hände in die Taschen seines Anoraks gesteckt.

Spock wandte sich ein drittes Mal ab, um die Umgebung zu betrachten. Trotz des Urlaubs im letzten Jahr, den sie auch hier verbracht hatten, konnte ihn der Schnee nach wie vor faszinieren. Obwohl er in der Vergangenheit bereits unangenehme Erfahrungen mit kristallisiertem Wasser gemacht hatte, war ihm doch in diesen Situationen nie die Zeit geblieben, sich intensiver damit zu beschäftigen. Allerdings so intensiv, wie Jim das praktizierte, hatte er sich das nicht vorgestellt...

 

Klatsch. Diesmal traf ihn der Schneeball am Oberschenkel. Spock drehte sich also wieder um. "Jim?"

"Ja?" Jim sah fragend auf.

"Findest du diese Aktion nicht etwas kindisch?"

"Kindisch? Welche Aktion denn?", wiederholte sein Bondmate und legte sämtliches, ihm zur Verfügung stehendes Staunen - und das war nicht wenig - in seine Stimme. "Ich weiß gar nicht, von was du redest. Ich habe doch mit dem Schneemann-Bau noch gar nicht angefangen."

"Ich bitte um Verzeihung, dass ich mich so unklar ausgedrückt habe. Vielleicht ist eine Demonstration angebracht?" Spock hob eine Handvoll Schnee auf und formte sie zu einer Kugel. Selbst durch seine Thermohandschuhe fühlte er die Kälte, die davon ausging. Erinnerungen an eine lange vergangene Zeit stiegen vor seinem inneren Auge auf. An einen Besuch auf der Erde an der Seite seiner Mutter. An einen Nachmittag, den er am Fenster stehend damit verbrachte, zuzusehen, wie sich seine Cousins mit den Nachbarskindern bei einer apokalyptischen Schneeballschlacht vergnügten. Es war ihm damals seltsam vorgekommen und verlockend zugleich und er hatte sich jede Bewegung, jeden Trick gut eingeprägt...

Spock hielt den Schneeball gut sichtbar in die Höhe. "Ein Objekt dieser Art aus gefrorenem Wasser hat mich eben getroffen", erklaerte er.

"Ja, und...?" Der präzise gezielte Schneeball traf Jim mitten auf die Brust und unterbrach ihn. Braune Augen wurden groß und rund. Er hatte nicht gedacht, dass Spock wirklich... Hastig bückte er sich und griff sich eine Handvoll Schnee. Er richtete sich auf, den Schneeball wurfbereit auf der Handflaeche liegend - von wo ihn ein genau gezielter Wurf von Spock herunterholte.

Jim öffnete den Mund, um über diese Form der vorzeitigen Entwaffnung zu protestieren - und bekam eben diesen mit Schnee gefüllt... Na gut, dieses Spiel konnten zwei spielen. Jim sank theatralisch zu Boden und schloss die Augen.

 

"Jim?" Spocks Stimme klang doch etwas besorgt, wie Jim hochzufrieden feststellte. "Ist alles in Ordnung?"

Er blinzelte etwas und sah Spock auf sich zu kommen. Sofort gab er ein leises Stöhnen von sich.

"T'hy'la?" Eine Hand berührte seine Schulter, schüttelte ihn leicht. "Du bist verletzt. Ich hole Hilfe."

Jim öffnete die Augen und grinste. "Schick' mir einen dieser Bernhardiner mit dem Schnapsfässchen um den Hals vorbei, ja? Du weißt schon, so einen, wie wir auf dem Werbeplakat gesehen haben."

"JIM!"

Das klang definitiv unfreundlich und Kirk kam hastig auf die Beine. Eine steile Falte zeigte sich auf Spocks Stirn. "Okay, okay, das war ein mieser Scherz", entschuldigte sich Jim rasch. "Es tut mir leid, Spock." Er hob in einer verzeihungsheischenden Geste beide Hände. "Ich..."

Ein Schneeball traf ihn hart am Schienbein. Einen Moment fassungslos rieb sich Jim das Bein, dann verengten sich seine Augen. "Na warte", murmelte er kampflustig. Er raffte mehr Schnee zusammen.

 

Damit begann eine Schneeballschlacht von mindestens ebenso apokalyptischen Ausmaßen wie die zwischen Spocks Cousins und den Nachbarskindern...

Spocks höhere Reaktionsfähigkeit befähigte ihn, Jims Würfen auszuweichen. Gleichzeitig hatte sein Bondmate jedoch kaum eine Chance, den präzisen Würfen des Vulkaniers zu entkommen. Schließlich ließ er den letzten Schneeball fallen und hob beide Hände. "Ich ergebe mich", meinte Jim lachend und etwas außer Atem. "Ich kann nicht mehr." Er trat zu Spock und umarmte ihn. "Du bist unglaublich, weißt du das?", sagte er und küsste sein Bondmate auf die Nasespitze. "Eine Schneeballschlacht hätte ich dir nicht zugetraut."

"Ich versuche mich irdischer Gepflogenheit so weit wie möglich anzupassen", erklärte Spock so würdevoll, wie es ihm gelingen wollte. Doch ein Lächeln in seinen dunklen, amüsierten Augen verriet ihn.

Jim gab ein ungläubiges Schnauben von sich und grinste breit. "Irdischen Gepflogenheiten, so?" Er gab seinem Bondmate einen Stoß. "Hey, du machst dich über mich lustig."

"Nein, t'hy'la." Spock löste sich von seinem Partner und begann, sich den Schnee von der Kleidung zu klopfen. "Natürlich nicht. Ich muss dich nicht daran erinnern, dass ich..."

"...Vulkanier bin und deshalb nicht... bla, bla, bla", unterbrach ihn Jim. "Das kannst du deiner Großmutter erzählen."

"Ich glaube nicht, dass ich das tun sollte." Spock schüttelte seine völlig durchnässten Handschuhe. "Sie würde es vermutlich nicht verstehen."

"Dann können wir ja jetzt endlich damit anfangen, einen Schneemann zu bauen", hakte Jim hier ein, bevor sie in ernstere Themen abrutschten. "Deshalb sind wir ja schließlich rausgegangen."

"Ich muss mir zuerst trockene Handschuhe holen, Jim." Spock bewegte vorsichtig seine Zehen in den Stiefeln und beschloss, auch gleich ein zweites Paar Socken anzuziehen. "Warum fängst du nicht schon mal ohne mich an?"

"Das verbietest du mir doch sonst auch immer, aber..."

"JIM."

"...aber ich will mal nicht so sein", schloss Jim großzügig und bedachte sein Bondmate erneut mit einem breiten Grinsen. "Und wenn du vielleicht gleich nachsiehst, ob wir noch Karotten haben? Ich brauche eine davon für den Schneemann."

 

* * *

 

Keine zehn Minuten später trat Spock wieder zu seinem Bondmate.

Jim betrachtete stirnrunzelnd den "Unterkoerper" und den "Rumpf" des Schneemanns, die er bereits geformt hatte. Sie schienen ihm etwas schief... "Hast du an die Karotte gedacht?", fragte er.

"Ja." Spock reichte sie ihm. Er hatte die Größte ausgewählt.

"Guuuut." Jim steckte sie in die Jackentasche, ohne sie anzusehen. "Dann könntest du dich gleich mal um die Arme kümmern, während ich den Kopf mache. Einfach zwei Würste aus Schnee formen und sie an die Seiten pappen."

Eine Zeitlang arbeiteten sie in Schweigen, dann war der Schneemann fertig.

 

Die Kinder hatten bei einem Waldspaziergang alles mögliche an Wurzeln, Rindestücken, Tannenzapfen und Steinchen mitgebracht und damit ihre Schneegebilde verziert. Aus diesem Sammelsurium bediente sich Jim nun ungeniert, um seinen Schneemann mit Augen und Mund zu versehen. Auf den Kopf kam ein Kranz aus Tannenzapfen - was Jim mit boshaften Bemerkungen wie: "Findest du nicht, das hat Ähnlichkeit mit Belindas Frisur?" garnierte.

Schließlich war der Schneemann fertig. Nun... fast fertig. Denn Jim hielt immer noch die Karotte in der Hand. "Ich weiß nicht, ich weiß nicht", meinte er nachdenklich. "Irgendwie fehlt noch der richtige Pfiff." Er trat einen Schritt zurück, hielt den Kopf schief und kniff die Augen zusammen. "Irgendwie hat er Ähnlichkeit mit deinem Vater."

"Wie bitte?" Spock fragte sich, ob der Aufenthalt in der Kälte möglicherweise seinem Gehör geschadet hatte.

Jim grinste. "Er guckt genauso grimmig. Aber ich glaube, ich habe endlich eine Idee, wo diese Karotte am besten aufgehoben ist."

"Wolltest du sie nicht als Nase verwenden?", meinte Spock etwas verschnupft, während Jim sich am Schneemann zu schaffen machte.

"Eigentlich schon." Jim trat zurück und gab den Blick frei. "Aber das ist mal was anderes. Ein geiler Schneemann..."

"JIM!"

Die Karotte steckte, leicht schräg nach oben weisend, in der untersten Kugel - dem "Unterkörper" des Schneemannes...

 
Ende

 
Du bist der 1511. Leser dieser Geschichte.