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Serie
Stille Nacht
Happy New Year
Eine Katastrophe kommt selten allein

 

Stille Nacht

© by Lady Charena () und T'Len ()

 

Disclaimer: StarTrek gehört Paramount/Viacom. Die Story gehört mir, ist reine Fanfiction und wird nur zum Spaß geschrieben. Ich beabsichtige damit nicht, irgendwelche Rechte zu verletzen oder Geld zu verdienen.
Wer unter 18 ist bzw. ein Problem mit Homosexualität hat - tut mir leid, sorry, beehren Sie uns bald wieder.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek-Sektion
Antwort auf den Weihnachts-Challenge 2001.

 
Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft,
einsam wacht
nur das traute hochheilige Paar,
Holder Knabe im lockigen Haar,
schlaf in himmlischer Ruh,
schlaf in himmlischer Ruh.
Worte: Joseph Mohr - Mel. Franz Gruber 1787-1863

 

Es ist zwei Tage vor Weihnachten.

Von draußen wirkt alles ganz friedlich. Die schneebedeckte Landschaft - idyllisch wie eine Postkarte. Der kleine Ort in der Schweiz mit seinen versteckt liegenden Skihütten gilt noch als Geheimtipp.

Fünf dieser Hütten stehen nebeneinander am Rand eines weißgezuckerten Waldes - wie aus dem Märchenbuch. Und während es draußen langsam dunkel wird, fällt warmer Lichtschein aus den Fenstern und auf die unzähligen Schneemänner und Schneefrauen - und andere, unidentifizierbare Gebilde - vor den Häusern. Es sind waren wohl den ganzen Tag über fleißige Kinderhände am Werk gewesen, um dem weichen, pappigen Schnee zu kleinen Kunstwerken zu formen.

Werfen wir doch einmal einen Blick durch das Fenster des ersten Hauses ganz links. Hier ist man gerade fleißig dabei, die letzten Plätzchen zu backen...

 

* * *

 

"Mascha, nicht!" Hikarus Stimme ließ die Achtjährige erschrocken zusammenzucken. Verblüfft sah sie ihren Vater an, als der sie vom Herd wegzerrte. "Mensch, Pavel - pass' doch besser auf sie auf", wandte er sich an seinen Partner. "Sie hätte sich beinahe die Finger an den heißen Blechen verbrannt."

Pavel wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Was er - den dort verbliebenen Mehl- und Teigresten nach - nicht zum ersten Mal tat. "Wie kannst du auch auf eine derart dämliche Idee kommen, Weihnachten in einer Skihütte zu verbringen", gab er bissig zurück, die Lautstärke allerdings mit Rücksicht auf Mascha und Andrej gedämpft. "Ohne Replikatoren, ohne anständige Heizung und mit einem Backofen, der heiß wird. Meine Großmutter hatte eine besser eingerichtete Küche zur Verfügung." Automatisch schob er Andrej weg, der schon wieder vom Plätzchenteig naschte. "Nicht, Andrej, du verdirbst dir noch den Magen."

"Was hast du gegen etwas rustikalen Charme? Als Jim und Spock uns von ihrem letzten Urlaub hier erzählt haben, warst du doch als erster Feuer und Flamme. Ich dachte, ich mache dir eine Freude, indem ich uns eine der Hütten miete. Und das war gar nicht so einfach, das kannst du mir glauben," verteidigte sich Sulu. "Die sind nämlich unheimlich begehrt um diese Zeit und meist schon Monate vorher vergeben."

"Rustikaler Charme", äffte ihn Chekov nach. "Es grenzt ja schon an ein Wunder, dass wir fließendes Wasser haben. Ständig muss man ins Wohnzimmer rennen und Holz in den offenen Kamin werfen, sonst hält man es da drin überhaupt nicht aus. Die mickerige Tanne, die du uns besorgt hast, lässt bereits alle Nadeln fallen - aber nein, du wolltest ja einen echten Baum. Und überhaupt, wir hätten es Zuhause so schön haben können. Aber nein, wir müssen die Festtage hier verbringen, wo man alle fünf Meter über ein bekanntes Gesicht stolpert."

Mascha strampelte mit den Beinen und wollte heruntergelassen werden. Sulu stellte sie auf die Füße. Wie magnetisch davon angezogen, lief sie wieder zu den Plätzchenblechen, die zum Abkühlen im geöffneten Herd standen. "Den Kindern gefällt es hier und so haben sie wenigstens jemand zum Spielen", erwiderte er, seine Tochter im Auge behaltend. "Du hättest dir deine Kuschelstunde vor dem Kamin heute Nachmittag nämlich in die Haare schmieren können, wären Mascha und Andrej nicht mit den anderen zum Schlittenfahren gegangen."

Andrej strahlte und zupfte Pavel am Ärmel, wobei er Teigreste hinterließ. "Können wir morgen wieder Schlitten fahren, Daddy?"

"Natürlich", sagte Sulu rasch, bevor Pavel antworten konnte. "Und morgen gehe ich auch mit, versprochen."

Chekov verzog den Mund. Da sie reichlich spät mit ihrer Reservierung dran gewesen waren, hatten sie die kleinste der fünf Hütten erhalten. Und die hatte nun mal nur ein Schlafzimmer. Das Bett war zwar groß genug, um Mascha und Andrej bei ihnen unter zu bringen, aber sie hatten es eben nur für sich allein, wenn die Kinder nicht da waren. Apropos Bett... "Jetzt ist es aber erst einmal allerhöchste Zeit fuer euch, in die Federn zu kommen", befahl er. "Los ab mit euch und nach all dem süßen Zeug Händewaschen und Zähneputzen nicht vergessen."

"Ich kümmere mich darum", meinte Sulu mit einem Blick auf die wenig begeisterten Gesichter ihres Nachwuchses. "Du kannst ja inzwischen schon mal anfangen, hier aufzuräumen."

"Ich komm' gleich nach, um Gute Nacht zu sagen. Ab jetzt, ihr Mäuse." Chekov sah den beiden nach, seinen Partner ignorierte er dagegen. Dann blickte er sich in der verwüsteten Küche um. Überall klebte Teig - an Schüsseln, Ausstechformen, Rührlöffeln, sogar an Stuhllehnen und Tischbeinen entdeckte er die Spuren klebriger Finger. Mehl war auf dem Boden verstreut und an der Wand befand sich ein apartes Muster aus rosa Zuckerguss. Wie zum Kuckuck war der dorthin gekommen? Ganz zu schweigen von den Backblechen, Tassen und Tellern, die auf jeder verfügbaren Flaeche standen. "Das darf doch nicht wahr sein", murmelte er mit einem Seufzen. "Wieso bleibt das immer an mir hängen?"

 

* * *

 

Damit überlassen wir den armen Pavel seinen häuslichen Pflichten und gehen ein paar Schritte weiter. So, vorsichtig hier über den Zaun zwischen den Grundstücken steigen, bitte. Da sind wir auch schon. Auch hier fällt anheimelnder Lichtschein aus dem Fenster. Wollen wir doch mal nachsehen, wer hier wohnt.

 

Oh oh, auch hier scheint dicke Luft zu herrschen...

 

* * *

 

"Ich verstehe wirklich nicht, warum du dich so aufregst", meinte Scotty besänftigend und massierte weiter Schultern und Nacken seines Partners. "Es hat doch auch Vorteile, dass wir uns für den gleichen Urlaubsort entschieden haben. Die Kinder können zusammen spielen und wir Erwachsene haben mehr Zeit füreinander, weil wir uns dabei abwechseln können, auf die Kleinen aufzupassen."

Len drehte den Kopf, um ihn anzusehen. "Ich dachte, wir wollten Weihnachten allein mit den Kindern verbringen", entgegnete er vorwurfsvoll. "Du warst es doch, der mir von der Abgeschiedenheit und Stille hier vorgeschwärmt hat, nachdem Jim und Spock im vorigen Jahr hier waren. Und jetzt das."

"Na hör' mal", ein wenig gekränkt klang Scotty nun doch. "Es war unheimlich schwierig, überhaupt eine der Hütten hier zu bekommen, die sind nämlich sehr begehrt und oft schon Monate vorher reserviert. Ich reiße mir hier fast ein Bein aus, weil ich dir eine Freude machen will. Und zum Dank bekomme ich den ganzen Tag nur dein Gemeckere zu hören, weil unsere Freunde - durch einen glücklichen Zufall - auch hier gelandet sind."

"Glücklicher Zufall, dass ich nicht lache. Das war doch ein abgekartetes Spiel. Außerdem vermisse ich unser gemütliches Zuhause. Ständig Holz nachlegen, damit wir es warm haben, ist ganz schön anstrengend, so kalt wie es hier ist. Und dauernd muss ich die Klamotten der Kinder trocknen, weil sie im Schnee herumtoben", klagte Len. "Kochen, Spülen, Waschen, Bügeln - alles mit diesen primitiven Geräten hier. Und du bastelst immer nur an diesem Motorschlitten herum, den du gekauft hast. Du wolltest doch heute in den Wald gehen und einen Weihnachtsbaum für uns holen, aber das hast du natürlich vergessen."

"Das werde ich gleich morgen früh machen", versprach Scotty angemessen reumütig. "Aber die paar Tage wirst du es doch noch hier aushalten. Es bietet doch alles, was du wolltest - Ruhe, frische Luft und Sonnenschein."

Seufzend griff Len nach der Hand seines Göttergatten. "Okay", meinte er. "Ich gebe zu, es gefällt mir ja ganz gut hier. Und mit den Kindern heute Plätzchen zu backen, hat richtig Spaß gemacht, trotz der altmodischen Geräte." Er grinste. "Obwohl es eine Heidenarbeit war, den Teig hinterher aus Scarletts Haaren zu bekommen. Und Duncan hatte vom vielen Naschen Bauchweh."

"Na also, es ist doch nicht alles schlecht und wir wollen uns die schönen Tage nicht durch Streiten verderben." Scotty küsste eine besonders empfindsame Stelle in Lens Nacken. "Was hältst du davon... wenn du schon mal ins Bett gehst und ich nur noch rasch nach den Kleinen sehe und dann nachkomme?"

"Ich würde sehr viel davon halten. Aber zuerst müssen wir noch die Weihnachtspost erledigen." Er wies auf den Stapel einsamer Postkarten vor ihm auf den Tisch. "Wir hätten das Zuhause mit dem Komm-Geraet schneller und einfacher erledigen koennen. Aber hier gibt es ja so was leider nicht. Okay, okay, das war nur eine Feststellung, keine Kritik", fuegte er rasch hinzu, als er das gekränkte Gesicht seines Gatten sah. "Du wirfst einen Blick auf Duncan und Scarlett und ich hole uns etwas zu trinken. Wie wäre es mit Glühwein?"

Scotty nickte. "Und ein paar deiner leckeren Plätzchen. Du wirst sehen, so haben wir die paar l¨ppischen Postkarten in Nullkommanichts erledigt."

 

* * *

 

Nun denn, viel Spaß. Wir hingegen machen uns auf den Weg zur größten der fünf Hütten. Auch dort brennt noch Licht.

 

Nein, wie hübsch - eine stille Szene häuslichen Glücks...

 

* * *

 

"Es ist langsam Zeit, dass du ins Bett kommst, junge Dame", meinte Belinda und strich ihrer Tochter übers Haar. "Du bist doch bestimmt müde, nachdem ihr heute den ganzen Nachmittag mit den Kleinen beim Schlittenfahren wart."

Um genau zu sein, Jaqueline kämpfte schon geraume Zeit mit dem Sandmännchen. "Ach, Mom", beschwerte sie sich trotzdem. "Kann ich nicht noch ein wenig wach bleiben? Nur noch so ein bisschen, bitte? Ich möchte das Bild gerne fertig malen."

Nogura stellte die Teetasse ab. "Was malst du uns den hübsches, mein Schätzchen?", erkundigte er sich und stand auf, um Jaquelines Zeichnung zu begutachten.

"Das ist der Weihnachtsmann", erklaerte Jaqueline hilfsbereit. "Wir haben in der Schule gelernt, dass die Kinder früher von ihm Weihnachtsgeschenke bekommen haben." Sie blickte Nogura an. "Meinst du, es gibt diesen Weihnachtsmann noch, Onkel?"

"Du sollst mich doch nicht immer Onkel nennen, Jaqueline. Und ich bin sicher, es gibt irgendwo noch einen Weihnachtsmann."

Belinda mischte sich wieder ein. "Du kannst das Bild morgen Nachmittag fertig malen, nach dem Plätzchenbacken. Hopp, hopp, Jacqueline."

Widerwillig stand das Mädchen auf. "Okay. Kann ich dann morgen wieder mit Andrej spielen? Er hat gesagt, er zeigt mir, wie man Engel aus Schnee macht."

Belinda lächelte. "Natürlich. Vorausgesetzt du gehst jetzt brav in dein Bett." Sie blickte ihr nach. "Ich komme in zehn Minuten nachsehen", rief sie ihr hinterher.

"Es ist schoen, dass sie sich mit dem Sohn von Mr. Chekov und Mr. Sulu so gut versteht. Deine Befürchtung, sie wuerde sich langweilen, hat sich also als überflüssig erwiesen." Nogura ließ sich neben ihr auf dem Sofa nieder.

Mit einem Seufzen schmiegte sich Belinda an ihn. "Ja, natürlich freue ich mich. Und sie hat ja nicht nur Andrej zum Spielen, sondern auch die Zwillinge des Doktors. Aber gerade das ist das Problem. Wir wollten hier ungestoert Urlaub machen, nur wir drei. Und dann treffen wir hier überall Leute, die wir kennen."

"Ich weiß doch, mein Schatz. Aber ich kann es nun auch nicht aendern." Er legte den Arm um Belinda. "Es ist doch nur ueber die Feiertage. Jaqueline hat Spielkameraden und wir beide haben viel Zeit für uns."

"Dir ist schon klar, dass ich - wenn es hier nicht so romantisch wäre - keinen Moment länger geblieben wäre, als ich unsere Nachbarn gesehen habe?"

"Ich weiß. Und ich wusste, es würde dir hier gefallen, deshalb habe ich die Hütte auch gemietet. Es war zwar schwierig, da die Hütten sehr begehrt sind, aber ich habe sie uns gleich für das naechste Jahr wieder reservieren lassen. Und dann sind wir bestimmt ganz allein hier. Na, was hältst du von diesem Vorschlag?"

Belinda umarmte ihn laechelnd. "Das ist wundervoll. Dafür hast du einen Kuss verdient."

"Nur einen?"

"Mommy?", unterbrach sie eine Stimme von der Tür aus. "Ich kann nicht schlafen, weil ich solchen Durst habe." Jaqueline.

Seufzend stand Belinda auf. "Marsch' ins Bett, junge Dame. Ich bringe dir etwas zu trinken." Sie winkte Nogura zu. "Bis gleich...", flüsterte sie und warf eine Kusshand in seine Richtung.

 

Ja, das Leben meinte es gut mit ihm, dachte Nogura, als er sich zurücklehnte. Nur ein Jammer, dass sich ausgerechnet Jim Kirk samt Familie in der Nachbarschaft niedergelassen hatte.

 

* * *

 

Dann gehen wir doch gleich mal weiter und riskieren dort einen Blick durchs Fenster. Nanu, hier ist ja schon alles dunkel. Nein, Moment, da flackert noch eine Kerze...

 

* * *

 

Jim kam aus dem Bad zurück und warf sich mit einem Hechtsprung ins Bett, das protestierend knarrte. "Ist es nicht einfach herrlich hier?", meinte er atemlos. Er drehte den Kopf nach seinem Bondmate und grinste.

Spock folgte ihm und ließ sich - wesentlich würdevoller - neben ihm auf dem Bett nieder. "Gestern hast du dich noch bitter beschwert, dass ich dich hierher 'geschleppt' habe, wie du meintest."

"Das soll ich behauptet haben?" Jim runzelte gespielt verwirrt die Stirn. "Daran kann ich mich nicht erinnern." Er rollte sich zu seinem Bondmate hinüber. "Und weißt du, an was ich mich ebenfalls nicht mehr erinnern kann?" Seine Hand wanderte träge über Spocks Oberkörper, rieb hier, massierte dort.

Der Vulkanier hob fragend eine Augenbraue. "Und das wäre?", erkundigte er sich, Jims scherzenden Ton und seine Hand offenbar ignorierend.

Jim rückte noch näher und schob die Finger unter die Decke. "Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern..."

Spock zuckte leicht zusammen. "Jim, deine Finger sind eiskalt..."

"...was wir voriges Jahr in diesem Bett gemacht haben", beendete Jim seinen Satz ungerührt. Er rutschte weiter nach unten und steckte den Kopf unter die Decke. "Ich glaube, ich muss dringend meine Erinnerung auffrischen...", klang es gedämpft darunter hervor.

Ein Seufzen kam über Spocks Lippen. "T'hy'la..."

 

* * *

 

Na so was aber auch. Pustete der nicht glatt die Kerze aus. Ähem... <räusper>... gut. Wir haben da ja noch eine Hütte, in der wir nachsehen können, wie dort die Dinge stehen <hihi>.

 

Hmh, nach eitel Sonnenschein sieht es hier aber auch nicht gerade aus...

 

* * *

 

"Dann erklär' es mir", meinte Angelo ungeduldig und streckte sich bäuchlings auf dem dicken, weichen Teppich vor dem Kamin aus. "Ich habe nämlich keine Ahnung, warum du dich so aufregst."

Harry Morrow ließ sich auf die Couch fallen. "Angelo", stöhnte er. "Willst du es nicht verstehen? Mein Chef wohnt da drüben und neben uns wohnt Jim Kirk und seine Freunde sind auch hier. Kannst du dir nicht vorstellen, wie unangenehm es mir ist, ihnen ständig über den Weg zu laufen?"

Angelo zog einen Flunsch. "Wegen mir? Ich dachte, das Thema hätten wir durch?", maulte er.

Harry sprang auf und kniete sich vor ihn. "Aber nein, natürlich nicht, mein Schatz. Wie kommst du nur darauf? Aber ich dachte, wir könnten unseren ersten gemeinsamen Urlaub ungestoert miteinander verbringen. Es war nicht einfach, hier eine Hütte mieten zu können, da das ein sehr begehrter Urlaubsort ist - gerade wegen seiner Abgeschiedenheit. Und nun haben wir vier Familien mit Kindern in der Nachbarschaft."

"Du siehst das entschieden zu eng", meinte Angelo. "Ich mag die Kleinen. Erinnert mich an die Zeit, als ich Weihnachten noch mit meinen Eltern und meinen Geschwistern verbracht habe." Er strich sich durchs Haar. "Nur schade, dass es hier keinen vernünftigen Friseur gibt... Komm' doch morgen einfach mit. Du wirst sehen, es macht Spaß."

"Wohin?" Harry hatte - in die Betrachtung der Rückseite seines Geliebten vertieft - den Zusammenhang nicht ganz verstanden. "Wohin mitkommen?"

Angelo schüttelte den Kopf. "Na zum Schlittenfahren mit den Kindern. Was ist los mit dir, träumst du?"

"Nur von dir", erwiderte Harry. "Ich dachte, wir könnten jetzt ins Bett gehen..."

Grinsend setzte Angelo sich auf. "Wozu die Mühe?", meinte er und begann Harrys Hemd aufzuknöpfen. "Hast du mir nicht einen Romantikurlaub versprochen?"

 

* * *

 

Wie war das noch mit 'Stille Nacht' und 'alles schläft'? Nicht hier, no no...

 

Werfen wir doch noch mal einen Blick in die Hütte, in der Pavel und Hikaru wohnen...

 

* * *

 

"Bist du mir noch immer böse?", fragte Sulu schließlich. Seit einer halben Stunde trocknete er nun schon das Geschirr ab, das ihm sein schweigender Partner reichte. Und da Pavel sonst eigentlich nie den Mund hielt, war das ein sehr schlechtes Zeichen.

Chekov starrte trübselig in eine Schale, in der sich rosafarbener Zuckerguss befand, der einfach nicht hatte fest werden wollen. Er rührte mit dem Finger darin herum und wollte ihn ablecken, als Sulu nach seiner Hand griff und Pavels Finger sauber leckte. "Noch böse?"

Seufzend schüttelte Pavel den Kopf. "Es tut mir leid, was ich dir alles an den Kopf geworfen habe. Eigentlich gefällt es mir hier ganz gut. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es derart... überlaufen sein würde. Jim und Spock sind mit der gesamten Familie angereist; Dr. McCoy, Scotty und die Zwillinge sind hier, Nogura mit der ehemaligen Nachbarin von Jim wohnt in der größten Hütte und zu allem Überfluss drückt sich auch noch Admiral Morrow samt Begleiter in der Gegend herum. Keiner von uns hat doch damit gerechnet, ausgerechnet hier in der Schweiz auf jemanden zu treffen, den er kennt. Wir sind ja extra hergefahren, um all den Verpflichtungen zu gegenseitigen Feiertags-Besuchen zu entkommen. Und jetzt sitzen wir uns hier auf der Pelle."

Sulu lächelte. "Ich verstehe dich doch. Guten Freunden kann man wohl nicht entkommen. Zumindest haben Andrej und Mascha ihren Spaß. Und wir werden uns wohl irgendwie arrangieren müssen. Es ist ja nur für ein paar Tage."

"Aber nach diesen 'paar Tagen' werde ich sehr froh sein, wenn wir wieder in unsere Wohnung zurückkehren koennen." Pavel beschloss, dieses Thema damit fallen zu lassen. Versöhnungen sollte man feiern, wie sie fielen... oder so ähnlich. Er rührte wieder im Zuckerguss und leckte den Finger genüsslich ab. In seinen Gedanken begann eine vage Idee allmählich Form anzunehmen. Unter gesenkten Wimpern hervor betrachtete er seinen ahnungslosen Partner, der sich inzwischen wieder eifrig dem Geschirrabtrocknen widmete. "Sag' mal", begann er gedehnt. "Mascha und Andrej schlafen jetzt doch ganz bestimmt?"

Hikaru nickte. "Ich habe vorhin nach ihnen gesehen. Sie schlafen tief und fest."

"Guuut." Pavel lehnte sich mit dem Rücken gegen die altmodische Spüle und stellte die Schale neben sich ab. "Dann könntest du dich jetzt ja eigentlich ein wenig um mich kümmern."

Sulu legte Teller und Geschirrtuch zur Seite und blickte seinen Partner an. "So, könnte ich das?" Er trat zu Pavel. "Und wie hast du dir das vorgestellt?"

Wortlos öffnete Chekov seine Hose und holte sein bereits halb erigiertes Glied heraus. Mit der freien Hand griff er wieder in die Schale mit dem flüssigen Zuckerguss. "Was hältst du davon, wenn wir noch ein Plützchen backen?", meinte er und ließ Zuckerguss auf seinen Penis tropfen.

Hikaru ging vor ihm auf die Knie und fing die Tropfen mit der Zunge auf.

Chekov stöhnte leise auf und stützte sich mit beiden Händen ab, als Sulu ihn in den Mund sog...

 

* * *

 

Alle Jahre wieder, kommt... Hui, kein Wunder, dass die Fensterscheiben beschlagen. Tja, dann werden wir mal ein Haus weitergehen und sehen, wie sich die Dinge inzwischen bei Dr. McCoy nebst Gatten entwickelt haben.

 

Oh je, der Glühwein scheint ja ein durchschlagender Erfolg zu sein...

 

* * *

 

"Pscht... wirst du wohl... pscht... bis die Kin'er aufwachn!" Len hatte alle Hände voll zu tun, Scotty davon abzuhalten, sein ganzes Repertoire an Weihnachtsliedern aufzubieten. Der Topf mit Glühwein war fast leer, dafür war der Stapel mit Weihnachtskarten kein bisschen kleiner geworden.

"Du...", sagte Scotty, als er sich vom Tisch abstieß und etwas schwankend Richtung Sofa steuerte. "DU liebst mich nicht mehr."

"Was?" McCoy war auch nicht mehr ganz nüchtern, aber irgendwie... gähn... machte ihn der Glühwein nur unheimlich... gähn... müde. "Wasis los?"

"Du liebst mich nicht mehr", wiederholte Scotty mit schwerer Zunge und wackelte mit dem Finger. "Sonst würdest du mir erlauben, zu singen. Ich will doch nur festlich sein." Seine Augen folgten den Bewegungen seines Fingers mit unglaublicher Konzentration. "Wusstest du schon, dass ich zwei Zeigefinger habe?"

"Niemand hat szwei Szeigefinger", entgegnete Len im Brustton der Überzeugung. "Du bi-bist ja völlig betrunk'n. Du sollst nich' singen, weil Scarlan und Duncett - nein, Quatsch - Scarlen und Duncatt - ich meine, die Szwillinge nebenan schlafen." Er stemmte sich aus seinem Stuhl hoch und hielt sich erst einmal fest, bis die Welt aufhörte, sich um ihn zu drehen. "Hoppla. Isch glaube, isch habe auch szuviel getrunk'n. Geh'n wir ins Bett?"

"Bett is' immer gut", erwiderte Scotty - und stemmte sich vom Sofa hoch. "Du liebst mich doch", beharrte er dickköpfig und schlang haltsuchend die Arme um seinen Gatten. Was sie um ein Haar beide zu Fall brachte.

"Natürlich", nuschelte McCoy. "Du bis' doch mein Scotty."

Sich gegenseitig stützend, schafften sie es - wenn auch nicht gerade sehr leise, doch die Zwillinge schliefen glücklicherweise sehr tief - ins Schlafzimmer. Ohne sich auszukleiden, fiel Scotty ins Bett und schnarchte einen Moment später los.

McCoy zerrte an seiner Hose. "Das is' mein Scotty", verkündete er freudestrahlend - wem auch immer. Er kämpfte sich aus der Hose, fiel neben seinen Gatten aufs Bett und war kurz darauf im Land der Trüume.

 

* * *

 

Tja, lasst uns froh und munter sein, wie es so schön heißt. Allerdings, den Kater, den die beiden morgen früh haben werden, möchte ich nicht haben. Ob sich wohl Belinda und ihr Admiral auch bereits zur Ruhe begeben haben? Sehen wir doch einmal nach.

 

Ganz im Gegenteil. Hier ist man noch fleißig am Werkeln...

 

* * *

 

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", meinte Belinda. "Morgen ist sie vermutlich den ganzen Tag im Haus, weil wir backen wollen und übermorgen ist bereits Weihnachten." Sie stand auf und verschwand kurz im Schlafzimmer, um die Tasche mit den Weihnachtsgeschenken für Jaqueline zu holen.

"Warum lässt du sie denn nicht gleich im Geschäft verpacken?", erkundigte sich Nogura - der sich den Verlauf des restlichen Abends eigentlich etwas anders vorgestellt hatte - als sie zurückkehrte.

"Weil ich die Verpackungen in den Geschäften geschmacklos finde." Belinda begann damit, ihre Tasche auszupacken und stapelte Geschenkpapier, Bänder, Schleifen und allerlei Kleinkram auf den Tisch.

Nogura dachte betrübt daran, dass er sein Geschenk für Belinda auch derart "geschmacklos" verpacken lassen hatte.

"Ich bin ja so froh, dass Jaqueline endlich schläft - ich dachte schon, sie kommt heute nie zur Ruhe. Völlig überdreht war das Kind, nachdem sie den ganzen Tag mit den anderen getobt hat. Ist ja kein Wunder. Hast du gesehen, wie sie mit Sara..." Belinda plauderte fröhlich vor sich hin, während sie Geschenkpapier zuschnitt, faltete und verklebte, die Päckchen mit Schleifen und bunten Baendern versah. Die mangelnde Aufmerksamkeit ihres Geliebten blieb ihr verborgen.

 

* * *

 

Morgen, Kinder, wird's was geben... okay, dann überlassen wir mal Belinda den Freuden des Päckchenpackens und wandern ein Haus weiter. Man sieht, dass hier hingebungsvolle Schneemann-Bauer wohnen. Vermutlich hat Jim selbst Hand mit angelegt.

 

Ob er wohl noch wach ist?

 

* * *

 

Jim drehte sich wieder richtig herum im Bett und kuschelte sich an sein Bondmate.

"Ich nehme an, du hast deine Erinnerung entsprechend aufgefrischt?" Selbst unter Spocks trockener Stimme lag ein atemloser Unterton.

Sein t'hy'la kicherte leise. "Das war sogar noch viel besser als letztes Jahr", murmelte er. "Aber jetzt habe ich kalte Füße."

Was Spock - zu seinem Leidwesen - bereits festgestellt hatte. "Dann schlage ich vor, dass wir diese Technik in Zukunft nur auf gut beheizte Raeume beschränken." Das brachte ihm einen nicht allzu sanften Stoß in die Seite ein.

"Aber es ist ungemein praktisch. Ich haette nümlich ueberhaupt keine Lust, jetzt ins Bad zu gehen und mich zu waschen..." Jim schob sein Knie zwischen Spocks Beine, bettete den Kopf an die Schulter seines Bondmates - und schlief ein.

Spock zog die Decke um sie hüher und legte den Arm um Jim, bevor er seinem t'hy'la folgte.

 

* * *

 

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit... Tja, wie es mir scheint, hängt bei Harry und Angelo der Haussegen schief.

 

* * *

 

"Angelo, bitte, mach' die Tür auf. Es ist eiskalt hier draußen." Harry trat von einem Bein auf das andere. "Das Feuer im Wohnzimmer ist ausgegangen und es ist kein Holz mehr im Haus. Ich müsste erst welches holen. Und das kann ich nicht, weil du meine Kleidung mitgenommen hast. Bitte, Schatz, lass' mich doch endlich ins Schlafzimmer. Ich schwöre dir, es hat absolut nichts zu bedeuten."

"Nichts zu bedeuten?", kam es gekränkt von der anderen Seite der Tür. "Du schläfst mit mir und schreist nach anderen Männern, wenn es dir kommt."

"Angelo, ich schwoere dir, es war keine Absicht. Angelo, bitte. Mein Engel. Die Sache mit Marvin war schon eine Ewigkeit her, als wir uns kennengelernt haben."

"Steck' dir deinen Engel sonst wo hin. Warum denkst du dann noch an ihn? Und warum gerade dann, wenn du mich fickst? Kannst du mir das vielleicht erklären, Admiral?"

"Angelo, mir ist wirklich kalt." Zur Bekräftigung nieste Harry dreimal. "Bitte mach' die Tuer auf. Ich habe nicht wirklich an ihn gedacht. Der Name ist mir einfach so rausgerutscht. Angelo. Bitte. Ich liebe doch nur dich. Ich schwöre."

Schweigen antwortete ihm. Dann öffnete sich langsam die Tür. Angelo musterte seinen Liebhaber kritisch, nickte dann. "Komm' rein", sagte er. Er trat von der Tür weg und Harry nutzte die Gelegenheit, bevor er es sich etwa noch anders überlegen wuerde und eilte ins angenehm warme Schlafzimmer.

Angelo blieb an die Tür gelehnt stehen und sah mit vor der Brust verschränkten Armen zu, wie Harry sich kurz an der Heizung aufwärmte und dann unter die Decken kroch.

"Kommst du?", fragte Harry angemessen demütig.

Seufzend kam Angelo großmütig ins Bett. "Wir haben noch nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesprochen, Harry Morrow", drohte er und blies die Kerze aus.

 

* * *

 

Ach ja... Weihnachten - das Fest der Liebe. Nur still - also still sind die Nächte hier bestimmt nicht.

 
Ende

 
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