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Dem Kranken mangelt es vor allem an der nötigen Gesundheit© by Lady Charena ()(eine Komödie in drei Akten)
"Ich habe Halsschmerzen. Und du kannst ruhig reinkommen", ertönte es gekränkt von drinnen. Angelo stieß die Türe weiter auf und trat ein. "Ich dachte, du schläfst vielleicht und dann wollte ich nicht stören", meinte er. Harry zog demonstrativ die Decke höher. "Du hast mich den ganzen Tag lang alleine gelassen", klagte er verschnupft. "Ich hätte sterben können. Aber du ziehst ja lieber mit den Gören unserer Nachbarn durch die Gegend, als dich um mich zu kümmern." "Du hast eine simple Erkältung, Harry, jetzt hab' dich nicht so", versetzte Angelo ungerührt. "Dr. McCoy sagte, ein Tag im Bett könne dir nicht schaden, aber du bist nicht tot krank." "Eine simple Erkältung!" Empört fuhr Harry auf. "Mein Hals brennt wie Feuer und mein Kopf tut weh und ich muss ständig niesen. Und das nennst du eine simple Erkältung? Ich habe eine schwere Grippe." Erschöpft von seinem Ausbruch ließ sich Harry zurück in die Kissen sinken. Angelo verdrehte wenig mitfühlend die Augen. "Soll ich dir vielleicht Tee machen?" Das hatte seine Mutter auch immer getan, wenn er oder eines seiner Geschwister krank gewesen war. Es schüttelte ihn noch heute, wenn er nur an den Geschmack des Tees dachte... Aber er hatte gewirkt - keiner von ihnen hatte es gewagt, länger als einen Tag krank zu sein. Glücklicherweise hatte sie ihm vorsorglich eine Tüte davon mitgegeben. "Tee?", meinte Harry mit ermatteter Stimme. "Ja, wenn es dir nicht zuviel Mühe macht. Aber ich glaube kaum, dass das noch notwendig sein wird." Sein Seufzen kam aus tiefstem Herzen. Eine Bemerkung, die Angelo vorzog zu ignorieren. "Okay. Der Tee kommt gleich."
Kaum hatte Angelo die Tür hinter sich geschlossen, warf der eben noch Schwerkranke die Bettdecke zur Seite und stand auf. Harry wühlte sich durch die Taschen seines Bademantels, der neben dem Bett über einem Stuhlrücken hing. Er zog einen Schlüssel hervor und schniefte triumphierend. "Was glaubt Angelo wohl, wer er ist?", murmelte er empört vor sich hin, während er zum Schrank ging. "Lässt mich hier ganz alleine leiden. Nur für die Kirk'schen Landplagen hat er immer Zeit. Einen ganzen Vormittag mit ihnen zum Schlittenfahren gehen. Aber wenn ich dann ein bisschen seiner kostbaren Aufmerksamkeit für mich beanspruchen will, ist der gnädige Herr müde." Er zerrte an der klemmenden Schranktüre. "Wirst du wohl aufgehen!" Die Erkältung musste ihn doch mehr geschwächt haben, als er angenommen hatte. Endlich gab jedoch die Schranktüre - wenn auch mit einem lautstarken, protestierenden Quietschen - nach und öffnete sich. "Antiquitäten!", meinte Harry verächtlich. Er nahm eine Tüte heraus und durchsuchte sie. "Na, wo bist du denn mein Süßer? Ich habe dich gut versteckt, damit Angelo dich nicht findet", murmelte er, dann stieß seine Hand an das Gesuchte. Vorsichtig schloss er die Finger darum, streichelte das etwa grob zylinderförmige Objekt. Dann zog er es hervor. Rot war sowieso schon immer seine Lieblingsfarbe gewesen. Hastig schloss er den Schrank wieder und eilte zurück ins Bett. Er zog die Decke bis unters Kinn hoch und leckte sich erwartungsvoll über die Lippen. "Angelo kann mir gestohlen bleiben."
In diesem Moment öffnete sich die Tür...
"Aha, so ist das also!" Angelo knallte die Teetasse derart auf die Ablagefläche neben dem Bett, dass ein guter Teil ihres Inhalts über den Rand schwappte. "Mir gegenüber tust du, als würdest du Weihnachten nicht überleben, geschweige denn den heutigen Tag, aber kaum wende ich dir den Rücken zu, amüsierst du dich!" Harry wurde rot. "Angelo, das ist ein Missverständnis. Es ist nicht so, wie du meinst..." Angelo trat zu ihm und zog seine Hand unter der Bettdecke hervor, wo Harry das Objekt des Anstoßes versteckt hatte. "Das darf doch wohl nicht wahr sein!" Angelo schnappte empört nach Luft. "Du wolltest ohne mich!!!" Harry setzte hastig ein Lächeln auf. "Aber nein, nicht doch. Angelo, ich kann das erklären. Es hätte eine Überraschung sein sollen. Für dich." Er drückte Angelo den Schokoladen-Weihnachtsmann in die Hand. "Wieder gut?", fragte er geknickt. In einem vorweihnachtlichen Anfall von Großmütigkeit nickte Angelo und setzte sich neben Harry auf das Bett. "Okay. Die überraschung ist dir wirklich gelungen." Er holte die Tasse Tee von der Ablage und reichte sie an Harry weiter. "Trink' du deinen Tee." Trübselig sah Harry zu, wie der Schokoladen-Weihnachtsmann aus seinem roten Gewand gewickelt wurde. Er schluckte, als Angelo ihm kurzerhand den Kopf abbiss. Seufzend nippte er an seinem Tee - und verschluckte sich prompt. "Das schmeckt ja widerlich. Willst du mich vergiften?" Angelo zog eine beleidigte Miene. "Hör' mal, der Tee ist von meiner Mama, den hat sie uns immer gegeben, wenn wir krank waren. Stell' dich nicht so an." Harry stellte hastig die Tasse ab. "Vielleicht... später", meinte er einlenkend. "Er ist noch ziemlich heiß." Er rückte näher zu Angelo. "Lässt du mich mal beißen?"
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