|
Schlaflos in San Francisco© by Lady Charena ()
Ein kleiner, blonder Junge rannte auf stämmigen Beinchen durch den strömenden Regen, verfolgt von seinem älteren Bruder. Der Boden verwandelte sich rasch in eine schlammige Rutschbahn und bevor er sich versah, verlor er das Gleichgewicht und landete unsanft auf seinen vier Buchstaben. Aus Richtung des Hauses hörte er seine Mutter schimpfen, während Sam lauthals über seine Ungeschicklichkeit lachte.
Er schob einen Küchenstuhl zum Fenster und kletterte darauf, um hinauszusehen, während seine Mutter ihm das frischgewaschene Haar trockenrieb. Draußen regnete es inzwischen stärker.
Zusammen mit Gary hatte er sich - auf Mitchells Drängen hin - an diesem regnerischen Nachmittag auf den Dachboden verzogen. In Jimmys Zimmer würde seine Mom sie zuerst suchen. Und Gary ließ sich nicht gerne stören. Nicht, wenn er dabei war, Klein-Jimmy in die Geheimnisse des Lebens einzuweihen. Schließlich sah er mit seinen dreizehn Jahren die Dinge bereits weitaus abgeklärter, als Jimmy, der mit seinen elf so gerade dem Babyalter entwachsen war. Über ihnen klatschte der Regen auf das Dach, doch keiner der beiden Jungen schenkte dem Beachtung. Mit Verschwörermiene zog Gary eines dieser Magazine hervor, die noch aus echtem Papier hergestellt wurden. "Mein Bruder bringt mich um, wenn er rausbekommt, dass ich es genommen habe", flüsterte er theatralisch. "Und was ist das?" Irgendwie brachte Klein-Jimmy nicht das rechte Interesse dafür auf, was ihm einen verächtlichen Blick des Älteren einbrachte. Gary blätterte das Magazin auf und hielt es dem Jüngeren unter die Nase. Die... hmh, Dame... die vom Papier lächelte, trug nichts - außer eben diesem Lächeln. Klein-Jimmys Augen wurden groß und rund...
Alles war perfekt. Die Kerzen an strategischen Punkten verteilt und angezündet, sie verbreiteten außer ihrem warmen Schein auch einen feinen Duft. Die neue Seife und das Öl aus dem Erotikshop lagen bereit. Jetzt musste er nur noch Spock hereinlocken... "Komm' in mein Häuschen, damit ich dich vernaschen kann", sagte er zu sich selbst und grinste breit. Jim warf sich den Bademantel um - das einzige, was er gegenwärtig trug, denn es gab Situationen, in denen verkomplizierte Kleidung wirklich alles - und steckte den Kopf durch die Verbindungstür ins Schlafzimmer. "Spock? Wo bleibst du? Das Badewasser wird kalt." Der Vulkanier drehte sich zu ihm um, er trug ebenfalls nur eine Robe. "Jim... muss es denn unbedingt in der Badewanne sein? Es ist verkrampft und ungemütlich und kalt und..." "...nass", warf Jim hilfreich ein. "Ich weiß, dass du soviel Wasser nicht so gerne magst, aber ich werde dich schon warm halten. Und beschäftigen." Er grinste. Und zupfte suggestiv am Gürtel seines Bademantels. "Nun komm schon, sei' kein Frosch. Ich habe schon immer davon geträumt, es in der Wanne zu tun."
Mit einem leisen Seufzen gab Spock nach und folgte Jims ins Bad. Jim strahlte und zupfte wieder ein wenig am Gürtel seines Bademantels, der sich etwas lockerte. Er spielte neckisch mit dem Kragen, zog ihn etwas auseinander, so dass Haut darunter vorblitzte. Langsam öffnete er ihn weiter, ließ den Mantel über die Schultern gleiten.... An diesem Punkt kam ihm Spock gerne zu Hilfe und entfernte den Bademantel mit einem Ruck. Schließlich hatte auch die Geduld eines Vulkaniers ihre Grenzen. Jim kicherte, als Spock ihn an sich zog und unter der dünnen Robe war deutlich zu spüren, dass er das Interesse seines Bondmates doch noch geweckt hatte. Er beugte sich vor, um ihn zu küssen. Und dazu tropfte die Dusche anheimelnd...
Dusche??
Der Traum zerplatzte wie eine Seifenblase. Abrupt setzte sich Jim in seinem Bett auf. Im Bett! Das war nur ein *Traum* gewesen. Wie schade... Dann hatte er sich dieses Tropfen sicherlich auch nur eingebildet. Seufzend ließ er sich zurückfallen und schloss erneut die Augen. Aber das mit der Badewanne sollte er unbedingt in Erinnerung behalten...
Da war es wieder! Bei diesem Krach konnte er unmöglich schlafen! Erneut saß Jim aufrecht im Bett. Kopfschüttelnd blickte er sein neben ihm liegendes Bondmate an - wie konnte Spock nur bei diesem Lärm so seelenruhig schlafen? Dieses ewige platsch-platsch trieb einen ja in den Wahnsinn. Sein Blick fiel auf die nur angelehnte Tuer zum Badezimmer. Von dort musste es kommen. Gähnend stand er auf und tappte durch den Raum, ohne Licht zu machen. Aber glücklicherweise kam genügend Mondlicht durch das große Fenster, dass er das Bettende sehen und sich daran aufrappeln konnte, nachdem ihn seine eigene Jeans zu Fall gebracht hatte. Vielleicht sollte er sich das nächste Mal doch die Zeit nehmen, seine Kleidung ordentlich über einen Stuhlrücken zu hängen - oder sie zumindest auf ihn zu werfen...
Er schob die Badezimmertür hinter sich zu, um Spock nicht zu wecken und knipste das Licht an. Der Übeltaeter war rasch entdeckt - der altmodische, aber wirklich wunderschön verschnörkelte Wasserhahn tropfte fröhlich vor sich hin. Erfolglos machte er sich daran zu schaffen, drehte den Hahn erst in die eine Richtung, dann in die andere, auf und wieder zu. Alles schien normal. Nur fiel eben weiterhin ein Tropfen nach dem anderen in das Waschbecken und verursachte dabei dieses nervende Geräusch. Gähnend sah sich Jim um. Sollte sich morgen jemand darum kümmern, es abzustellen. Aber jetzt brauchte er seinen Schlaf. Kurzerhand griff er eines der seidenen Halstücher aus dem Wäschekorb und wickelte es um den Wasserhahn. Doch der dünne Stoff war sofort durchgeweicht und der Hahn tropfte weiter. Erst ein Handtuch - in das Waschbecken gelegt - brachte den gewünschten Erfolg. Zufrieden kehrte Jim ins Bett zurück und lauschte. Stille. Herrliche Stille. Er kuschelte sich neben Spock und war bald darauf eingeschlafen.
* * *
Unglücklich betrachtete Jim am nächsten Morgen das Überschwemmungsgebiet, das einmal ihr Badezimmer gewesen war. Es war ja wirklich nicht mit Absicht geschehen, dass er bei seiner schlaftrunkenen Herumdreherei am Wasserhahn das warme Wasser aufgedreht hatte, aber nicht wieder richtig zu. Und dass im Laufe der Nacht das Waschbecken voll lief, das Wasser aber nicht abfließen konnte, weil das Handtuch den Abfluss verstopfte...
|