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Invisible Attendant

© by Angie ()

 

Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Serie BUFFY oder ihren Charakteren. Sie gehören alle Joss Whedon, dem WB Network und anderen. Aber nicht mir!
Kommentar: Diese Story ist dir gewidmet, Misery (danke noch mal bei deiner Hilfe bei der Planung der Storyline, freue mich schon auf die nächsten Telefonate *g*), und allen, die das tragische Romeo und Julia Paar Buffy und Angel lieben und mit ihnen leiden...
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Buffy-Sektion.

 
Chapter I: Gone

 

Nahezu leblos starrte Buffy auf den Staubhaufen zu ihren Füßen, der einst Angel gewesen war. Einst... Vor Monaten. Bevor sie mit ihm geschlafen hatte. Bevor er seine Seele verloren hatte. Buffy konnte sich noch genau an das süße Gefühl erinnern, als er sie zärtlich mit den Lippen, den Händen und seinem abgöttischen Körper liebkoste. Die sanften Kreise, welche die Wellen der Liebe zwischen ihnen zogen. Das unheimlich schöne, unersetzbare Gefühl seiner Nähe. Alles war nun fort. Alles. Für immer.

Zu ihren Füßen lag sein Staub unförmig auf dem glatten, gefliesten Korridor der Schule. Es hätte ganz anders verlaufen können. Aber nicht minder traurig. Entweder er oder Jenny. Und er war nicht mehr er. Nicht wirklich. Denn Angelus konnte niemals auch nur annähernd Angel sein. Nie.

 

Jenny und Giles wollten sich heute Abend versöhnen. Noch einmal von vorne anfangen. Sie wollten sich bei Giles zu hause treffen. Doch Jenny wollte noch an einem... "Sonderprojekt" arbeiten. Ein Projekt, welches nun überflüssig war. Sie hatte den Fluch, Angels Fluch, übersetzt. Sie hatte auch eine Thesula. Doch dann musste ja Angelus aufkreuzen. Er zerstörte den Computer und die ausgedruckte Formel. Und die Kugel schmetterte er gegen die Tafel im Klassenzimmer. Dann wollte er Jenny auch noch töten. Glücklicherweise hatte Giles Buffy angerufen. Er hatte gesehen, wie sich Angelus in die Schule gestohlen hatte. Mit Jenny hatte er den Vampir solange einigermaßen in Schach halten können, bis Buffy kam. Und ihn nach einem langen, harten Kampf schließlich umbringen konnte.

 

Fort. Er war fort. Und nichts konnte Angel nun noch zurückbringen. Niemals würde sie sein bildschönes Gesicht wiedersehen. Diese göttliche Art und Weise, wie seine anbetungswürdigen, schmalen Lippen sich zu einem süßen und doch so traurigen Lächeln verzogen. Seine Hände, die gegen ihre so unheimlich groß wirkten. Und gerade deswegen ein Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes übermittelten. Seine Augen, in denen man immer den Schmerz und die Trauer von Jahrhunderte währender Sünde lesen konnte. Und gleichzeitig seine einzigartige Weise zu lieben. Und wenn er liebte, dann liebte er mit Leib und Seele. Ungeachtet der Tatsache, dass gerade diese leidenschaftliche Liebe ihn zerstören konnte. Mit einem einzigen, winzigen, und doch unersetzbaren Glücksgefühl. Sie hatte alles an ihm geliebt. Jede Einzelheit, jedes Körperglied, jede Charaktereigenschaft. Alles. Ohne Kompromisse, ohne Rücksicht auf Verluste. Immer hatte sie geglaubt, Angel wäre der perfekte Mann auf der Welt. Nichts an ihm wäre falsch oder kritisierbar. Doch sie hatte sich geirrt. Die Seele, die Illusion, war verpufft. Seine wahre Natur hatte sich ihr offenbart. Und sie zu großen Teilen zerstört. Aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hatte bereits Angels Liebe sie zerstört. Eine schmerzlose Wunde tief in ihr Fleisch geschnitten, die irgendwann einfach aufreißen musste. Unter unerträglichen Schmerzen. Und so war es gekommen. Doch wer war schon ehrlich zu sich selbst. Es war halt einfacher sich einzureden, Angelus wäre an allem Schuld. Angelus würde Angel getötet und Buffys Leben zerstört haben. Auch wenn dies nur die halbe Wahrheit war. Denn tief in ihrem Herzen wusste Buffy, dass auch sie schuldig war.

Still rann eine Träne über Buffys Gesicht. Wie sehr wünschte sie sich, er würde jetzt, in diesem schmerzlichen Moment bei ihr sein und die Träne wegküssen. Sie wollte wieder in seinen Armen liegen und sich von ihm über alles hinwegtrösten lassen. Wollte, dass er die Wunde tiefer schnitt, denn solange er bei ihr war, konnte der Schnitt nicht schmerzen. Nie. Angel würde alle ihre Wunden heilen, mit einem einzigen Kuss.

Ein leiser Windhauch fuhr durch den Korridor. Und als der Staub von dannen getragen wurde, war es Buffy, als wispere ihr der Wind eine leise Botschaft zu: "Ich liebe dich." Verzweifelt brach die Jägerin in Tränen aus. Sie war allein, ganz allein. Dieses unsägliche Gefühl wurde noch dadurch verstärkt, dass Giles und Jenny nicht mehr hier waren. Sie waren vor Angelus nach draußen geflüchtet, als Buffy und er gekämpft hatten. Das Echo ihres Schluchzens hallte laut in den Korridoren wider, die Dunkelheit und die Kälte, die Leere des Gebäudes verdeutlichten Buffy ihre Einsamkeit. Niemand würde je verstehen können, wie sie sich fühlte. Nur Angel. Doch Angel war für immer gegangen. Und was blieb war die Leere ihres Herzens. Nie würde Angel zurückkommen, er lebte sicher in Frieden und Glückseligkeit im Paradies. Und sie musste mit dem noch immer liebenden, aber leeren Herzen in ihrer Brust weiterleben. Es war so unfair. So verdammt unfair.

Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus. Sie rannte heimwärts, verließ das Schulgebäude, die Korridore mit den geschlossenen Fenstern und Türen...

 

 

Chapter II: I'm watching over you

 

Sie konnte ihn nicht sehen. Und es durfte auch nicht sein. Nie mehr. Und selbst wenn, nichts würde sein wie frührer. Dort ging sie, schritt langsam mit gesenktem Kopf Richtung Schule. Blass sah sie aus, und krank. Vielleicht wäre es besser, wenn sie zu Hause bliebe. Andererseits würde es ihr Gefühl der Einsamkeit wahrscheinlich nur verstärken. In der Schule erwarteten sie ihre Freunde. Und Giles würde sicherlich etwas Rücksicht auf sie nehmen. Sicher, die Lehrer nicht, die konnten schließlich auch nicht wissen, was los war, doch dafür war er ja da.

Wie er den Staub von ihr fortgetragen hatte, damit sie den Anblick nicht länger ertragen musste, würde er auch ihr weiteres Leben erleichtern. Oder es zumindest versuchen. Denn das war seine Aufgabe. Es war seine Aufgabe gewesen, es war nun seine Aufgabe und es würde immer seine Aufgabe sein. Er würde nicht noch einmal derart auf ganzer Linie versagen, wie er es getan hatte. Nie wieder. Denn damit hatte er nicht nur für sich einen Fehler begangen. Auch sie hatte er innerlich zerstört. Der Schmerz in seinem Herzen würde bleiben, für immer. Für ihn gab es keine Hoffnung, seine Liebe zu ihr war unsterblich wie er selbst.

Er folgte Buffy mit ein bisschen Abstand. Er hatte große Angst, dass sie ihn irgendwie doch spüren konnte, dass er sie ängstigte. Und das wollte er nicht. Hatte er ihr doch schon genug Schmerzen zugefügt. Und er war es ihr schuldig, war es ihrer beider Liebe schuldig, ihr Leben genießbar und erfüllt zu machen. Auch wenn dies bedeutete, dass er selbst ein Leben in unendlichem Schmerz und Leid führen musste. Wie es eigentlich von Anfang an hätte sein müssen.

 

Als sie die Schule erreichte, übersah Buffy völlig den Skateboardfahrer, der in einem Affenzahn unaufhaltsam auf sie zukam. Als er das Mädchen entdeckte war es zu spät, er konnte ihr nicht mehr ausweichen. Doch etwas kam ihm zuvor. Noch bevor er unter einem warnenden Aufschrei in das Mädchen hineinfuhr, stieß er gegen irgendetwas im Weg und fiel auf den Bürgersteig, wo er etwas benommen liegen blieb. Ein Stein? Nein, der Gehweg war eben. Seltsam. Dann hatte er wohl einfach die Balance verloren.

Buffy ging weiter, sie hatte das Geschehen gar nicht bemerkt. Um sie herum passierten recht viele Dinge, doch sie schien nichts davon mitzubekommen. Als würde sie in ihrer eigenen Welt leben. Sie wäre gegen einen Laternenpfosten gerannt, hätte er sie nicht sanft an den Schultern genommen und zur Seite gedreht. Und trotz seiner Hilfe war es ihm doch ein Rätsel, wie sie heil in der Bibliothek ankam.

 

"Morgen, Buffy." Willow kam auf ihre Freundin zu und nahm sie tröstend in den Arm. Es tat ihr so unendlich leid, was passiert war. Und doch würde sie selbst wohl nie den Schmerz nachvollziehen können, den Buffy durchlitt. Wie auch? Ihr Freund würde sich mit ihr nicht nur Nachts treffen können, würde seine Seele nicht verlieren, wenn sie mit ihm schlief, würde nicht böse werden und sie terrorisieren. Und sie würde ihn nicht eigenhändig töten müssen. Buffys seelische Qualen mussten unvorstellbar sein.

Buffy setzte sich mit einem matten Lächeln zu den anderen. Gemeinsam redeten sie noch ein Weilchen über Gott und die Welt, doch selbst Giles vermied das Thema Vampire. Glück für Buffy, dass in letzter Zeit sowieso nicht viel los war, was das anging, und sie nicht jagen musste. Momentan war sie ein ganz normales, 17 jähriges Mädchen, dessen Geliebter durch ihre Hand einmal psychisch und einmal physisch gestorben war.

Niemand von ihnen spürte den leisen Windhauch, der sich immer in Buffys Nähe aufhielt, nicht heute und auch nicht die folgenden Tage. Der Windhauch, der den Staub von Angelus davongetragen hatte. Der den Skateboardfahrer von ihr ferngehalten hatte. Der sie vom Laternenpfahl weggelenkt hatte. Der immer in Trauer über sie wachte. In Trauer... und in Einsamkeit.

Niemand konnte Angel sehen...

 

 

Chapter III: Every Day

 

Mehrere Wochen vergingen. Alles normalisierte sich mit der Zeit. Buffy ging wieder auf die Jagd, sie verbesserte sich sogar ein wenig in der Schule. Natürlich war sie immer noch tieftraurig, aber sie hatte begonnen sich aufzuraffen. Hatte begonnen ihr Leben weiterzuleben. Wenn auch alles, was sie tat, zum Teil an ihn gerichtet war. Niemand wusste es, doch Angel konnte es spüren. Alles, was sie tat, sie tat es mit einer derartigen Mühe und mit großem Fleiß, als müsse sie jemandem etwas beweisen. Sie versuchte Angel, wo immer er sein möge, zu beweisen, dass sie niemals aufgeben würde. Dass sie stark war, stark für ihn und seine Liebe. Dass sie Kraft seiner Liebe niemals aufgeben würde und alles schaffen konnte.

Obwohl er davon überzeugt war, dass sie ihn nicht brauchte, wachte er weiterhin ununterbrochen über sie. Nachts, wenn sie schlief, saß er an ihrem Bett und betrachtete sie. Er war ruhelos. War immer bereit, für sie da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Und wenn sie sich dann plötzlich in ihrem Bett hin und her wälzte und von einem Alptraum gequält wurde, dann fasste Angel sie sanft an. Er streichelte ihr Haar und ihre Wange, ihren Hals und ihre Hände, wiegte sie in seinen Arme und hauchte ihr sanfte Küsse auf Wangen und Lippen, die für sie als nicht mehr, als ein leichtes Kribbeln zu spüren gewesen wären, wäre sie wach gewesen. Wie ein zarter, zerbrechlicher Schmetterling, der sich auf ihr Gesicht setzte und dessen Flügel sie sanft kitzelten. Und dann, wenn er sie zärtlich liebkost hatte, flüsterte sie in höchster Liebe seinen Namen, kuschelte sich an seinen kaum spürbaren Körper und sank zurück in einen ruhigen, friedlichen Schlummer. Doch er wagte es nicht, sie länger als nötig zu umarmen. Sobald der Alptraum verschwand, legte er sie zärtlich zurück in die Kissen und betrachtete den Rest der Nacht ihr schlafendes Gesicht, bis sie am nächsten Morgen erwachte und sich für die Schule fertig machte. Aber nicht, ohne zuvor ihren Ring zu küssen und Angel einen guten Morgen zu wünschen. Auf ihre Art. Sie wusste ja nicht, dass er zu jeder erdenklichen Zeit präsent war.

Dann kam der Schultag. Sie ging hin, er begleitete sie. Wenn sie dann doch mal wieder in trauernden Gedanken versank, leitete er sie vorsichtig weiter und verhinderte bei Gelegenheit auch mal, dass sie vor ein Auto rannte. In der Schule, während des Unterrichts, sorgte er stets dafür, dass sie nicht versehentlich einschlief oder negativ auffiel.

Und er sah ihr zu, wenn sie sich mit ihren Freunden über die Geschehnisse der letzten Tage unterhielt. Sah zu, wie sie lachte, weinte, nachdenklich war. Und nachts schaute er zu, wie sie kämpfte. Natürlich passte er stets auf, dass ihr auch ja nichts passierte. Zum Glück hatte sie bis jetzt noch nie den leisesten Verdacht geschöpft, dass jemand in ihrer Nähe war. Dass jemand auf sie aufpasste.

 

Und doch... Ihr Leben mochte mittlerweile in geregelten Bahnen verlaufen, doch seines... verlief in überhaupt keiner Bahn. Nachts, wenn sie schlief, dann konnte er es sich häufig nicht verkneifen und weinte. Leise Tränen, die glitzernd und brennend über seine unsichtbaren Wangen liefen. Wie sehr er sie doch vermisste. Er wollte ihr einfach sagen, dass er bei ihr war. Wollte sie in den Arm schließen, sie küssen und liebkosen, wollte ihr noch einmal das Gefühl völliger Hingabe geben. Sein Leben war wirklich schlimmer als je zuvor. Angel war praktisch nichtexistent, niemand war da, mit dem er reden konnte. Niemand, der ihn trösten konnte. Warum war er nur zu so einem Leben verdammt? Gut, er hatte viel Böses getan, aber war diese Strafe denn wirklich gerecht? Er lebte isoliert, abgeschottet vom Rest der Welt. Es fühlte sich so unfair an, wenn nicht einmal die größte Liebe einen ansah. Was würde er dafür geben, wenn sie ihn anlächelte, statt den Ring, wenn dieses Lächeln auch ihm galt. Nein, das war kein Ersatz.

Und so würde der Rest seines Lebens aussehen: Buffy einen ruhigen Schlaf, einen angenehmen Schultag und eine ungefährliche Nacht schenken. Nein, halt, nicht ganz. Denn sobald sie soweit war musst er... Angel mochte nicht dran denken. Verkuppeln, könnte man sagen. Er würde ihr einen Freund beschaffen müssen, mit dem sie für den Rest ihres Lebens glücklich sein konnte. Er musste über die beiden wachen, wenn sie heiraten, ein Kind bekommen und gemeinsam alt werden würden. All dies hätte auch er so gerne mit Buffy getan, aber er war verdammt zu einem Leben in völliger Einsamkeit.

Buffy...

Die Liebe seines Lebens, das Mädchen, in dessen Augen er Mensch war. Oft erinnerte er sich an das strahlende Lächeln in ihrem Gesicht, wenn sie zusammen gewesen waren, oder das verliebte Glitzern in ihren Augen. Für ihn wäre sie gestorben. Und umgekehrt ebenso. Angel hätte sich ohne zu zögern für sie in den Tod gestürzt. Und das wäre besser als DAS hier gewesen.

Ihr jeden Tag so unheimlich nahe zu sein und gleichzeitig zu wissen, dass sie ihn nicht wahrnahm, zerriss ihm das Herz in der Brust. Er kam sich schmutzig dabei vor, wie ein Voyeur. Und war er das nicht in gewissem Sinne auch? Dreckig, nichtsnutzig und abstoßend. Isoliert. Einsam. Und tieftraurig.

Nie wieder...

 

 

Chapter IV: Discoverys

 

Es war jene verhängnisvolle Nacht, in der Blitze über den Himmel zuckten und Regen auf die finstere Stadt Sunnydale niederprasselte. Die letzten Menschen, die sich noch auf den von Pfützen übersäten Straßen herumtrieben, eilten so schnell wie möglich nach Hause. Nur nicht Buffy und die Gang. Und auch nicht Angel, der noch größeren Abstand zu ihr hielt als sonst. Denn in dem prasselnden Regen würde Buffy seine Konturen erkennen können, wenn sie in seine Richtung blickte. Und das durfte nicht sein.

Sie waren auf dem Weg Richtung Friedhof. Dort hatte es sich ein besonders gefährlicher Dämon gemütlich gemacht und buddelte Leichen aus, um sie zu essen. Angel hatte große Angst um Buffy, denn der Dämon fraß nicht nur Aas. Und nun musste er verhindern, dass Buffy oder ihre Freunde als Mitternachtshäppchen endeten.

Der Kampf war hart. Eigentlich hatte Buffy - die nur mit einer Axt bewaffnet war - keine Chance. Doch seltsamerweise wurde sie von irgendwas noch ein Stückchen weiter getragen, wenn ihre Sprünge zum Ausweichen der scharfen Dämonenklauen zu kurz waren. Jemand half ihr, das konnte sie spüren. Aber niemand außer ihr, dem Dämon, ihren Freunden und ein paar halbaufgegessenen Leichen befand sich hier auf dem Friedhof. Seltsam.

Irgendwann gelang es Buffy, den Dämon zu ermüden. Giles brüllte ihr durch das hallende Krachen des Donnergrollens zu, sie müsse dem Monster den Kopf abschlagen, um es zu besiegen. Gesagt getan, Buffy warf die Axt gezielt auf den Hals des Monstrums. Und... verfehlte. Das erkannte sie bereits bevor die Axt den Dämon auch nur annähernd erreicht hatte. Und nun war sie unbewaffnet und wurde auch langsam müde. Keine Chance, das war ihr Ende. Doch plötzlich drehte die Axt direkt neben dem Hals des Dämonen in der Luft ab und trennte den Kopf vom Rumpf. Mit offenem Mund starrte die Gang dorthin. Es war so gut wie windstill, aber der Wind wäre niemals stark genug gewesen, um die Axt in die richtige Richtung zu lenken. Mal ganz davon abgesehen, dass der Wind sowieso in die andere Richtung wehte.

Irgendetwas war hier. Und Buffy bekam Angst vor diesem Etwas. In letzter Zeit hatte sie sich sowieso immer beobachtet gefühlt. Ein Geist? Hoffentlich nicht... Oder wieder jemand wie diese Marcie Ross, das unsichtbare Mädchen, das sich an allen rächen wollte, die sie einst ignoriert hatten, wodurch sie unsichtbar geworden war.

 

Doch es blieb ruhig, nichts geschah. So kehrten Buffy, Giles und die anderen in die Bibliothek zurück. Angel folgte ihnen auf Abstand. Er musste vorsichtiger sein. Jetzt wusste sie, dass etwas in ihrer Nähe war. Und das konnte gefährlich werden...

"Giles, Sie wissen genauso gut wie ich, dass da etwas war!", schnauzte Buffy in der Bibliothek. "Ich will wissen, was!" Das Mädchen war fertig mit den Nerven. "Ich habe von unsichtbaren Mächten und Personen die Nase gestrichen voll, seit dieser Marcie Ross. Ich will so jemanden nicht noch einmal haben."

Giles nickte stumm und sah Buffy an. "Ich verstehe dich ja, Buffy, aber solange wir keine Anhaltspunkte haben, kann ich auch keine Informationen suchen."

"Wir haben doch Anhaltspunkte", warf Willow ein. "Na ja, zumindest ganz schwache. Wir können es auf Geister oder unsichtbare Leute eingrenzen."

"Oder Dämonen, die sich unsichtbar machen können, oder verrückte Psychopaten, die ein Mittel gegen Sichtbarkeit erfunden haben oder höhere Mächte, die ebenfalls unsichtbar sind", zählte Xander weitere Möglichkeiten auf.

"Danke", schnappte Buffy.

 

Angel stand die ganze zeit etwas abseits, im Schatten. Er war noch immer nass, also konnten sie ihn noch immer sehen. Oder eher erahnen. Was wäre wohl ihre Reaktion? Ob sie weinen würde? Oder sich einfach nur unglaublich freuen würde? Eigentlich wollte Angel es gar nicht wissen, da er auf weinen tippte. Und er wollte Buffy nie wieder zum Weinen bringen.

 

Die darauffolgenden Tage verbrachte die Gang damit, nach dem Geist, wie sie ihn jetzt einfach nannten, zu suchen. Erfolglos, wie zu erwarten war. Doch den einen Tag bekam Buffy einen Anruf von Willow. Angel konnte nicht verstehen, was sie besprachen, aber Buffy wirkte verspannt und blickte sich immer wiedernervös um. Es schien um ihn, den Geist, zu gehen. Irgendwann legte Buffy auf, nachdem sie mit Willow einen Treffpunkt vereinbart hatte. Nach dem, was Angel ihren Worten hatte entnehmen können, würden die anderen nicht kommen, nur Willow und Buffy selbst.

Unauffällig folgte er ihr zum Park. Willow wartete bereits auf Buffy. Sie hielt ein kleines, braunes Ledersäckchen in der Hand und auch sie blickte sich immer wieder nach allen Seiten um.

"Bereit?", flüsterte Willow.

"Ich denke, der Geist ist auch hier", nickte Buffy zustimmend.

Willow schüttete ein wenig von dem Pulver aus dem Säckchen auf ihre Hand und warf es in die Luft, wo es sich schnell ausbreitete und glitzernd wieder zu Boden sank. Und überall, wo Angel von dem Glitzerstaub berührt wurde, konnte man ihn plötzlich sehen. Zumindest ein bisschen, er war noch immer halb unsichtbar.

Buffy starrte ihn entsetzt an, Willow hob langsam die Hand an den Mund und legte sie schockierte über die Lippen. "Oh Gott", flüsterte die Jägerin bloß, als sie ihren Geliebten erkannte. Dann schluchzte sie laut: "Oh Gott!!!", und ließ sich in seine Arme fallen. "Du", weinte sie laut. "Du hast mir die ganze Zeit geholfen, hast mich beobachtet. Warum hast du nichts gesagt? Ich habe dich doch so vermisst!" Sie klammerte sich an ihn, krallte sich in seinem Hemd fest. Angel blieb nichts anderes übrig, als sie gewähren zu lassen. Zärtlich strich er ihr über den Kopf, etwas, was er schon die ganze Zeit hatte tun wollen. Es war so lange her...

"Ich konnte nicht", flüsterte er, seine Stimme einem zarten, kühlen Windhauch gleich. "Es ist kompliziert."

"Das war es schon immer." Mit glitzernden Augen schaute Buffy zu ihm auf und strich über seine Wange. Seine Körper fühlte sich an wie kühle Luft, angenehm und doch erschreckend. Er war zu ihr zurückgekehrt, sie konnten nun wieder zusammen sein. Zwar war er bloß ein Geist, aber dennoch war er es. Er. Ihr Liebster, ihre große, unsterbliche Liebe. Er würde nicht mehr gehen, sie konnten jetzt für alle Zeiten glücklich sein. Sie war so glücklich, so unendlich glücklich, dass er wieder bei ihr war, sie wollte ihn niemals wieder loslassen. "Jetzt können wir für immer zusammenbleiben, nicht wahr? Jetzt wirst du mich nicht mehr allein lassen, wir können doch jetzt glücklich werden", lächelte sie hoffnungsvoll und erneut rannen Tränen über ihre Wangen. Fast war ihr, als würde sie jeden Moment aus einem schönen Traum aufwachen.

Und so war es auch.

Denn sie begriff in dem Moment, in dem eine kleine, glitzernde Träne leise und langsam über Angels Wange rollte und zu Boden tropfte. Nein, er würde nicht wieder mit ihr zusammenbleiben. Zwar würde er niemals gehen, würde immer über sie wachen und sie nie allein lassen, aber er würde sie nie wieder glücklich machen.

Nie wieder...

"Ich kann nicht", flüsterte Angel, um die Fassung ringend. "Es tut mir leid. Ich... ich darf nicht."

"Warum?", weinte sie leise, ihre Stimme war heiser und drohte zu brechen unter all der Last der Tränen. Nein, das durfte nicht sein, er durfte nicht gehen.

 

Langsam führte er sie fort, sie zogen sich allein auf einen Hügel am Rande von Sunnydale zurück. Willow ließ sie ziehen, sie wollte die Wunde der beiden nicht noch tiefer reißen und wandte sich stattdessen heimwärts. Stumm waren Angel und Buffy nebeneinanderher gegangen, kein Wort, kein Geräusch kam über ihre Lippen. Nicht einmal ein Flüstern. Buffy spürte seine Nähe und sehnte ich nach ihm, er fühlte genauso. Doch es sollte einfach nie wieder sein. Auf dem Hügel setzten beide sich ins Gras, Buffy leicht an Angel gelehnt. So blickte sie gemeinsam hinab auf die glitzernden Lichter von Sunnydale. Erst jetzt wurde Buffy schmerzlich bewusst, dass sie zusammen nie hatten die Dinge tun können, die sie immer hatte tun wollen. Sie hätten schon viel frührer hierher gehen und diesen romantischen Ausblick genießen sollen.

"Warum sind wir nie hierher gekommen?", brach sie irgendwann das erdrückende Schweigen zwischen ihnen traurig.

Er schaute sie nicht an, wandte seinen Blick nicht von der Schönheit der nächtlichen Stadt ab. "Weil damals keiner von uns die Schönheit dieses Anblicks wirklich hätte erfassen können. Das kannst du erst, wenn dich der Gedanke daran zutiefst schmerzt und beinahe umbringt."

Buffy zuckte zusammen. Er hatte die Worte mit nahezu betäubender Emotionalität ausgesprochen, so tief berührt, er sprach aus tiefster Seele zu ihr. Dann begann er zu erklären: "Weißt du, Buffy, mein ganzes Leben hat sich nur auf einen Punkt hingearbeitet. Du warst der einzige Grund, aus dem ich zur Welt kam. Bitte unterbrich mich nicht, ich weiß, dass es absurd klingt, schließlich hast du damals noch gar nicht gelebt. Aber es ist die Wahrheit, bitte glaub mir. Denn ich wurde geboren als dein Schutzengel." Buffy riss den Mund auf, um etwas zu sagen, das war doch absurd, aber Angel brachte sie zum Schweigen, indem er einen Finger auf ihre Lippen legte. Verliebt wollte sie seine Fingerspitze küssen, doch er zuckte zurück. Beschämt blickte die Jägerin zu Boden. Angel fuhrt fort: "Alles, was in meinem Leben passiert ist, diente nur dem Zweck, um mich mental auf die Zeit hier vorzubereiten, damit ich meine Aufgabe auch wirklich ernst nehme. Daher erfuhr ich auch erst von einem Halbdämon namens Whistler im Jahre 1997 in Manhattan von meiner Bestimmung. Oder hättest du einem kleinen Jungen aus dem Jahre 1753 erzählt, er würde über 200 Jahre später mal der Schutzengel eines bildschönen Mädchens sein? Nein, ich hätte nie jemandem geglaubt, der das sagt. Wobei ich bei Whistler zunächst glaubte, er würde das nicht wörtlich meinen, sondern nur so, dass ich auf dich aufpassen solle. Später begriff ich dann den Ernst meiner Aufgabe."

Seufzend stand Angel auf, ging ein paar Schritte weg, kam zurück und setzte sich wieder. Seine Anspannung war nicht zu übersehen. Dann erzählte er weiter: "Ich hätte mich nie in dich verlieben dürfen. Versteh das bitte unter keinen Umständen falsch, aber es ist so. Der hohe Rat... ähm, sie ihn als so eine Art Rat für Engel, bestehend aus bedeutenden Engeln und Göttern... hatte dieses Gesetzt bereits vor Jahrtausenden aufgestellt. Weil Liebe gefährlich ist. Wenn man ein Schutzengel ist. Doch ich konnte nicht anders, du warst und bist so unheimlich bezaubernd." Kurz streckte er die Hand nach ihr aus, wollte ihr Gesicht berühren. Buffy hoffte inständig, dass er es tun würde, doch er zog die Hand wieder zurück und erklärte: "Als wir miteinander geschlafen haben... da ist dem hohen Rat wohl der Geduldsfaden gerissen. Sie bestraften mich, indem sie meine Seele, also praktisch mich selbst, nahmen und Angelus befreiten, der die ganze Zeit wie ein Damoklesschwert in mir geruht hatte. Doch das war natürlich nicht Strafe genug für mein Vergehen, ich musste weiter über dich wachen. Und eigentlich hättest du nie von mir erfahren sollen. Ich sollte in Vergessenheit geraten und dafür sorgen, dass dein Leben perfekt wird. Und all die zeit hätte ich nur daneben stehen und deinem Glück zusehen dürfen. Sicher, ich werde mich für alles freuen, was du in deinem Leben erreichst, aber für mich wird immer der Schmerz bleiben, dich für immer verloren zu haben, dich nie wieder lieben zu dürfen."

Angels Gesicht war feucht von Tränen, auch Buffy hatte bitterlich angefangen zu heulen. Für beide war es unerträglich, immer dieses eine Wort:

Nie wieder...

"Aber", warf Buffy ein, "wie soll es denn jetzt weitergehen, jetzt wo ich weiß, dass du immer da bist? Das ertrage ich einfach nicht."

Angel zog ein feingliedriges Armband aus funkelndem Silber aus seiner Jackentasche und streifte es ihr über das Handgelenk. "Ich weiß es nicht", flüsterte er mit tränenerstickter Stimme. "Aber du musst mir eines versprechen: Nimm das Armband nie wieder ab. Nie wieder."

Damit stand er auf und verschwand in der Dunkelheit der Nacht. Was Buffy nicht wusste, war, dass er nur wenige Meter weiter weg hinter einem Baum stehen blieb und sich die Tränen aus den Augen wischte, obwohl immer wieder neue kamen. Er wollte ihr nicht zeigen, wie nahe es ihm ging, wollte den Anblick nicht länger ertragen, der ihn früher so glücklich gemacht hatte. Buffy würde vergessen. Er nicht...

 

 

Chapter V: Her Life

 

Das Armband hatte eine überraschende Wirkung auf Buffy. In dieser Nacht wälzte sie sich unruhig im Bett hin und her, ebenso alle anderen, die je Kontakt mit Angel hatten. Sie vergaßen. Das Armband war mit der Magie des hohen Rates ausgestattet. "Für den Notfall", hatte man ihm gesagt. Das hieß, für den Fall, dass Buffy ihn entlarven würde. So würde nie wieder jemand den Namen Angel in den Mund nehmen. Buffy, Giles, Xander, Willow, Joyce Summers, alle, sogar die Vampire vergaßen ihn einfach, dank der sich innerhalb weniger Minuten über die gesamte Erde ausbreitenden Macht des Armbandes.

Alle bis auf Angel selbst würden es nun leichter haben. So ganz ohne Ich, ohne die Erinnerung an ihn.

Angel musste dafür sorgen, dass Buffys Leben gut verlief. Das tat er auch. Als erstes wollte er ihr eine neue Liebe schenken, auch wenn es ihn innerlich zerriss. Er musste nur den richtigen finden. Und der richtige erschien in Gestalt von Alan Stewart, einem 29 jährigen Studenten des ersten Semesters an der Sunnydale University. Der Junge war intelligent, witzig, charmant, höflich und gutaussehend. Eine seltene Mischung. Angel hatte ein bisschen in Alans Leben herumgeforscht und fand heraus, dass der Junge nicht nur eine reine West, sondern auch noch eine glänzende Zukunft vor sich hatte.

Mit viel Nachhilfe und viel Geduld gelang es Angel die beiden zusammenzubringen. Irgendwann verlobten sie sich und heirateten später auch. Ihre Ehe blieb nicht kinderlos, im Gegenteil, Buffy brachte zwei gesunde Kinder zur Welt. Jimmy und Anna Marie Stewart. Zwei bildhübsche Grünschnäbel, beide gesund und munter, gut in der Schule und stellte nie etwas sonderlich böses an. Nur die kleinen Streiche, die wohl jedes Kind von Zeit zu Zeit mal spielt.

So sah Angel mit schmerzendem Herzen zu, wie Buffy an Alans Seite alt wurde, und Alan ihr all die Dinge gab, die er ihr selbst zu gerne gegeben hätte. Aber irgendwann brauchte Angel dann kaum noch auf Buffy aufpassen, denn erstens tat dies Alan mit großer Fürsorge und zweitens hatte Kendra bei Buffys und Alans Hochzeit den Job als Jägerin voll und ganz übernommen.

Sie wurde älter und älter, bis sie im Alter von beträchtlichen 95 Jahren im Sterbebett lag. Die ganze Zeit über wachte Angel an ihrer Seite, wissend, dass seine Zeit als ihr Schutzengel bald vorüber war. Auch bei ihrer Beerdigung war er dabei, stille Tränen weinend, unsichtbar, unerkannt und nichtexistent.

Nach der Beerdigung verließ er Sunnydale für immer, kehrte der tragischen Vergangenheit den Rücken. Er war erlöst, aber ruhelos, würde wegen einer unerfüllten Liebe für alle Ewigkeiten auf Erden wandeln, immer Buffys Leben und ihren Tod vor den Augen...

 
Ende

 
Du bist der 1836. Leser dieser Geschichte.