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Rosenkind© by Lady Charena ()
"Komm', leg' dich hin." Spock bestand darauf. Und wenn er ehrlich war, dann war er erschöpft. Jim schlüpfte aus den Schuhen, zog sich das Uniformhemd über den Kopf und ließ sich auf das Bett fallen. Doch als er die Lider schloss, sah er Helen vor sich. Verdammt... Er legte den Arm über die Augen. "T'hy'la." Er spürte Spocks Hand auf seiner Schulter und drehte den Kopf zur Seite, um ihn anzusehen. Jim ließ den Arm sinken und zuckte leicht zusammen. Er war völlig verspannt, sein Nacken schmerzte. "Ich bin jetzt wieder okay", meinte er leise. "Mach' dir keine Gedanken. Es ist nur zuviel geschehen, als dass ich gleich schlafen könnte." "Jim, du konntest nichts tun. Der Virus, mit dem sich Dr. Noel infizierte, ist äußerst selten. Bisher konnten wir noch nicht herausfinden, wie er in die Kolonie eingeschleppt wurde. Zwei der Patienten dort sind ebenfalls gestorben, bevor Doktor McCoy ein Gegenmittel entwickelt hatte." "Was?" Jim setzte sich auf. Das heißt, er wollte sich aufsetzen - doch Spock drückte ihn sanft, aber nachdrücklich zurück. "Warum erfahre ich das erst jetzt?" "Das habe ich entschieden. Jim, die letzten Stunden waren eine große Belastung für dich. Ich wollte nicht, dass dir noch mehr aufgebürdet wird." Jim griff nach der Hand seines t'hy'la und drückte sie. "Ich weiß", erwiderte er leise. "Wie geht es den anderen?" "Den letzten Berichten zufolge sind alle außer Gefahr. Jim... du hattest... sehr großes Glück, dass du nicht ebenfalls mit dem Virus infiziert wurdest." Kirk wich der Sorge in Spocks Augen aus und sah an die Decke. "Ich dachte, Vulkanier glauben nicht ans Glück", versuchte er zu scherzen. Doch es gelang ihm nicht.
Spock erwiderte nichts. Statt dessen stand er auf und trat an den Schrank, der ihre persönlichen Gegenstände enthielt. Mit einer Flasche kehrte er zum Bett zurück. "Dreh' dich um", meinte er leise. Jim öffnete die Augen und sah ihn fragend an. "Du musst schlafen, t'hy'la. Aber du bist zu angespannt. Lass' mich dir helfen." Spock setzte sich neben ihn auf die Bettkante und goss Massageöl in seine Handfläche, um es anzuwärmen. Ein müdes Lächeln flog über Jims Gesicht, dann rollte er sich gehorsam auf den Bauch. Er bettete den Kopf auf seine Arme, als Spock begann, seinen schmerzenden Nacken zu massieren. Die Hände des Vulkaniers übten bald ihre ganz eigene Form von Magie auf ihn aus und Jim spürte, wie er sich langsam entspannte. Doch mit der Entspannung kehrten auch die Fragen zurück. "Warum gerade Helen? Ich hätte sie nicht anfordern sollen. Nicht jetzt..." "Es war nicht deine Schuld", erwiderte Spock. "Sie hat sich freiwillig gemeldet, weil das ihr Fachgebiet betraf."
Auf das 'Warum?' gab es keine Antwort. Vielleicht war ihr Körper von der erst wenige Tage zurückliegenden Geburt noch zu geschwächt gewesen, um gegen den Virus anzukämpfen - auch wenn Dr. McCoy sie für dienstfähig erklärt hatte. Niemand hatte ahnen können, dass in die kleine Tantalus-Kolonie ein Virus eingeschleppt worden war. Spock erinnerte sich an den Ausdruck von Schuldbewusstsein in den Augen des Arztes, als der dem Vulkanier die Nachricht von Helens Tod überbrachte. Er nahm sich vor, später mit McCoy zu sprechen. Doch zunächst war Jim seine vordringlichste Aufgabe. "Sie hat dir einmal sehr viel bedeutet, nicht wahr?", erkundigte er sich leise. "Ich kannte Helen bereits, bevor sie auf die Enterprise versetzt wurde. Wir haben uns auf einer Weihnachtsfeier bei gemeinsamen Freunden getroffen. Das war kurz, bevor ich das Kommando erhielt. Ich hatte damals überraschenderweise doch noch Landurlaub erhalten und suchte jemand, um mich zu amüsieren. Mom war bei Sam auf Deneva und mir fiel Zuhause die Decke auf den Kopf. Also war ich heilfroh, als ich die Einladung zu der Party erhielt." Jim lächelte unwillkürlich, als er sich daran erinnerte. Diese Zeit lang noch kein Jahr zurück, aber es schien ein anderes Leben gewesen zu sein. Das war es auch gewesen - ein Leben ohne Spock. "Du hast sie also auf einer Party getroffen", ermunterte ihn der Vulkanier zum Weitersprechen. "Ja. Wir fanden uns sympathisch... tranken gemeinsam zuviel Punsch... und ich wachte dann am nächsten Morgen in ihrem Bett auf. Ich wollte damals keine feste Beziehung, war vielleicht auch noch nicht bereit dazu - aber Helen dachte..." Er brach ab, dachte an ihre sarkastische Bemerkung, ob er dachte, es sei wieder Weihnachten... "Doktor Noel dachte etwas anderes?" "Ja, ich glaube, sie war verliebt in mich. Es gab einen riesigen Krach zwischen uns. Ich sah sie dann erst wieder, als sie vor ein paar Monaten auf die Enterprise versetzt wurde." "Aber ich empfand das Verhältnis zwischen euch als... entspannt." "Wir haben uns ausgesprochen, kurz nachdem sie hier war..." Seine Stimme brach und er wandte sich blindlings um. Und Spock fing ihn auf, zog ihn an sich. "Und jetzt ist sie tot!" "Ich weiß." Es gab nicht mehr, was er darauf sagen konnte und so schwieg der Vulkanier.
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Er erwachte und spürte den Vulkanier neben sich. Spock war die Nacht über da geblieben. Jim wandte den Kopf auf die Seite und begegnete den dunklen Augen seines Geliebten. "Was fangen wir jetzt mit dem Kind an?", fragte er leise. "Das logische ist sicherlich, den Vater ausfindig zu machen, da er nicht in Doktor Noels Unterlagen verzeichnet ist." Spock sah an dem überraschten Ausdruck in Jims Gesicht, dass der sich mit diesem Gedanken noch gar nicht beschäftigt hatte. "Ihren Vater...", wiederholte Jim und rollte sich auf den Rücken. "Ja, ist es wohl." "Doktor McCoy wird an dem Kind eine Genanalyse vornehmen und über das Hauptquartier wird dann der Vater ausfindig gemacht." "Natürlich." Der Mensch starrte an die Decke. "Jim, ist alles in Ordnung mit dir?" "Sicher." Jim setzte sich auf. "Ich werde noch kurz in der Krankenstation vorbeischauen." Er stand auf und streifte seine Kleidung über. "Ich sehe dich dann später auf der Brücke." Damit schlüpfte er in seine Stiefel und war auf dem Weg zur Tür. "Jim - t'hy'la." Spock war ihm gefolgt. "Ist alles in Ordnung mit dir?" Kirk drehte sich langsam zu ihm um und lächelte. "Es geht mir gut", versicherte er dem Vulkanier. "Aber ich glaube...", er nahm Spocks Gesicht in beide Hände. "... ich habe heute etwas sehr wichtiges vergessen. Guten Morgen, t'hy'la." Er beugte sich vor und küsste Spock. "Danke, dass du heute Nacht hier warst." "Ich bin immer für dich da, Jim." "Ich weiß." Jim ließ ihn los und wich einen Schritt zurück. "Ich muss gehen. Wir sehen uns auf der Brücke." Und dann ging er.
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Als Spock nach seinem Gespräch mit McCoy die Krankenstation verlassen wollte, ließ ihn ein Impuls einen Blick in das zur Säuglingsstation umfunktionierten Isolationszimmer werfen. Jim stand an dem kleinen Bett, in dem das kleine, noch namenlose Baby schlief. Er trat leise ein und schloss die Tür hinter sich. Jim sah über die Schulter und winkte ihm dann, näher zu treten. "Ist sie nicht wunderschön?", flüsterte er dem Vulkanier zu. Spock hatte plötzlich das beunruhigende Empfinden, etwas übersehen zu haben. Jim... irgend etwas war nicht in Ordnung... "Jim, ich denke, wir..." "Psscht", unterbrach in der Mensch sofort. "Nicht so laut, du weckst sie auf." "Ich muss mit dir sprechen." Mit einem leisen Seufzen wandte sich Kirk von dem Bettchen ab. "Okay, aber nicht hier. In meiner Kabine?" Spock nickte und folgte ihm schweigend.
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"Okay, was ist los?", erkundigte sich Jim, als sie sich in seiner Kabine gegenüber saßen. "Jim, ich habe gerade mit Doktor McCoy gesprochen. Warum hast du ihm verboten, eine Genanalyse an dem Kind vornehmen zu lassen?" Jim stand unruhig auf und begann, hin und her zu gehen. Mit dem Rücken zu Spock blieb er schließlich stehen, den Blick auf ein Regal gerichtet. "Ich weiß, dass es dumm ist. Aber ich... ich will nicht... dass ihr Vater gefunden wird." Spock benötigte einen Moment, diese Antwort zu verdauen. "Warum nicht?" "Weil ich... weil ich mir wünsche, wir könnten sie behalten." "Behalten? Hier auf dem Schiff? Jim, das ist unmöglich." Kirk drehte sich um. "Ich weiß. Aber ich dachte nicht an das Schiff." Er trat zu Spock und kniete vor ihm nieder, nahm eine seiner Hände. "Spock, sieh' mal - ich weiß, wir sind erst seit kurzer Zeit zusammen. Und wir haben bisher auch nicht darüber gesprochen, wie lange diese Beziehung dauern wird." Er sah Spock zu Protest ansetzen, stoppte ihn jedoch mit einer knappen Geste. "Bitte, lass' mich das aussprechen. Ich möchte, dass wir Rose adoptieren. Wir beide." "Rose?", wiederholte der Vulkanier. Es war das erste, was ihm einfiel... Jim lächelte schief. "Ja, ist doch ein hübscher Name für sie. Was hältst du von einer Adoption?" Spock musterte das Gesicht seines Captain. "Jim, ich glaube, du stellst dir das etwas zu einfach vor. Das Kind hat einen Vater. Doktor Noel hat eine Familie. Dort ist das Kind sicherlich besser aufgehoben." "Sie, Spock, Rose. Sag' nicht immer das Kind. Das klingt so sachlich." "Ich bin sachlich, Jim. Im Gegensatz zu dir. Du kannst dieses Kind nicht einfach adoptieren." "Ich dachte da auch eher an ein 'wir'." Spock schüttelte den Kopf. "Es geht nicht, Jim. Wie stellst du dir das vor? Willst du dein Kommando aufgeben und einen Posten auf der Erde oder einem anderen Planeten annehmen, um ein Kind groß zu ziehen?" Jim stand auf und wandte sich von ihm ab. "Ich will nicht, dass Rose bei fremden Menschen aufwachsen muss." Der Vulkanier folgte ihm. "Jim, wir wären ebenfalls Fremde für sie." Er legte die Hand auf die Schulter seines t'hy'la. "Bitte lass' uns diese Diskussion jetzt beenden." Jim erwiderte nichts - doch als Spock ihn fragte, ob er Lust zu einem gemeinsamen Schachspiel habe, lehnte er mit der Begründung, müde zu sein, ab. Spocks Angebot, die Nacht wieder bei ihm zu verbringen, ebenfalls.
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"Es lässt sich nicht feststellen, wer der Vater ist - weil es keinen Vater im üblichen Sinne gibt. Rose wurde mit genetisch verändertem Erbgut in einem Reagenzglas gezeugt." McCoy warf einen Blick auf den Vulkanier. "Nach einem ähnlichen Verfahren wie Sie übrigens, Spock." Doch der ignorierte die Spitze in dieser Bemerkung und Jim hatte sowieso nicht mehr richtig zugehört. "Aber dann steht einer Adoption doch nichts mehr im Weg." Kirk hatte sich an Spock gewandt. McCoy spürte, dass er störte und stand auf. "Ihr entschuldigt mich? Ich habe noch zu tun", meinte er und ließ die beiden in seinem Büro allein. "Wir haben diese Diskussion gestern Abend bereits geführt, Jim. Willst du wirklich dein Kommando aufgeben?" "Wir könnten eine kleine Familie sein - du und Rose und ich." Spock schüttelte den Kopf. "Nein, Jim." Er schloss für einen Moment die Augen. "Ich... liebe dich, Jim und ich möchte mein Leben an deiner Seite verbringen. Aber ich werde nicht zusehen, wie du dein Leben ruinierst. Es mag dir im Moment wie eine gute Idee erscheinen, deine Karriere aufzugeben und eine Familie zu gründen. Ich verstehe, dass du noch unter dem Schock leidest, den du durch die Ereignisse der letzten Tage erlitten hast. Aber du wärst nicht glücklich, wenn du dein Kommando aufgibst. Jim, du bist Captain eines Raumschiffes. Du hast viele Opfer auf dich genommen, um dieses Ziel zu erreichen. Du kannst das nicht alles wegwerfen." Jim wandte sich ab. "Das kannst du nicht wissen." "Ich weiß, dass das Kommando über ein Raumschiff deine Bestimmung ist. Ich... neige normalerweise nicht zu so etwas menschlichem wie... Erpressung, Jim - aber du wirst dich entscheiden müssen. Zwischen mir und dem Kind." Kirk hatte sich umgedreht und sah seinen Vulkanier fassungslos an. "Spock, ich..." Er schluckte und trat dicht zu ihm. "Du meinst das ernst?" Als Spock nickte, überbrückte er den einen Schritt, der sie noch voneinander trennte und legte seinen Kopf an die Schulter des Vulkaniers. "Ich dachte, ich wäre es Helen schuldig, mich um ihr Baby zu kümmern. Ich wollte nicht, dass sie bei Fremden aufwachsen muss, weil ich nicht in der Lage war, ihre Mutter zu beschützen. Aber ich kann dich nicht verlieren." Spock hielt ihn fest. "Jim, es war nicht deine Schuld. Es tut mir leid, dass ich..." "Nein." Jim hob den Kopf und sah ihn an. "Ich muss mich entschuldigen. Ich habe mich in diese Idee verrannt. Du hast recht. Ich wollte mein ganzes Leben lang das Kommando über ein Raumschiff, es jetzt aufzugeben, wäre reine Dummheit. Und ich will dich nicht aufgeben. Aber was wird jetzt mit Rose?" "Doktor Noels Eltern werden sich um sie kümmern. Rose ist ihr Enkelkind, sie wird also nicht bei Fremden aufwachsen." Jim nickte. "Ja, das wird das Beste für sie sein." Er löste sich widerstrebend aus Spocks Armen. "Über das Thema Kinder können wir uns ja in einigen Jahren noch mal unterhalten. Was hältst du davon, wenn wir uns jetzt wieder auf der Brücke blicken lassen?" Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern drehte sich um, um das Büro des Arztes zu verlassen. Spock folgte ihm - erleichtert und sehr, sehr nachdenklich.
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