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Halloween

© by Natascha/Norynia ()

 

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an SG 1 gehören MGM/UA, World Gekko Corp. Und Double Secret Production. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Stargate-Sektion.

 

"Da sind sie ja Carter, ich habe sie schon überall gesucht!" Jack schloß die Tür hinter sich und schlängelte sich an all den Reagenzgläsern, technischen Geräten und den Aktenbergen vorbei, um sich auf Sams Schreibtisch niederzulassen, wo diese gerade dabei war, den Bericht von der letzter Mission zu überarbeiten. "Ich wollte sie zu meiner Halloween-Party einladen."
"Halloween-Party? Seit wann geben sie Partys?"

"Na...seit jetzt eben. Kommen sie schon Carter, das wird lustig, sie müssen sich noch nicht einmal verkleiden und sie brauchen auch keine Angst zu haben, da werden keine Monster rumlaufen."

"Ich habe keine Angst! Aber ich..."

"Äh, ich will keine Ausreden hören! Morgen, 19.00 Uhr bei mir zu Hause. Und ich nehme es als persönliche Beleidigung, wenn sie nicht kommen!"

Sam schüttelte den Kopf, "Colonel, ich habe wirklich keine Zeit."

"Wollen sie etwa an Halloween hier rumsitzen und arbeiten? Carter, gönnen sie sich doch auch einmal ein bisschen Spaß!" Er ging zu ihr hinüber und nahm den Papierstoß, der vor ihr lag, zur Seite. Er setzte sich auf die freie Fläche und sah sie eindringlich an. "Bitte, mir zuliebe."

Sam musste schmunzeln. "Ich würde ja wirklich sehr gerne kommen, aber..."

"Na also, dann bis morgen und viel Spaß noch!" Bevor Sam etwas erwidern konnte, hatte Jack auch schon die Tür erreicht und zwinkerte ihr noch einmal grinsend zu, bevor er das Labor verließ.

Sam war sauer, ihr einfach so eine Feier aufzudrängen, passte ihr gar nicht. Sie war eben kein großer Party Fan, schon gar nicht, wenn sie noch soviel zu tun hatte. Wer sollte denn die ganze Arbeit machen, wenn sie weg war? Sie verwarf den Gedanken an die Feier und widmete sich wieder ganz ihrer Arbeit, als Daniel den Raum betrat. "Egal, was sie wollen, meine Antwort lautet nein!"

"Jack war wohl schon hier?"

quot;Sie haben es erfasst."

Daniel stand etwas betreten vor Sams Schreibtisch und betrachtete einige selbstkonstruierte Geräte, während er weitersprach. "Sie haben nicht vor hinzugehen?"

"Nein."

"Schade, ich hätte mich gefreut, ein bekanntes Gesicht zu sehen."

"Ach Daniel, Halloween ist doch Kinderkram, ich habe wirklich wichtigeres hier im SGC zu tun!"

"Naja," er legte ein Gerät, das er zuvor eindringlich betrachtet hatte, zur Seite und wandte sich nun direkt an Sam. "Eigentlich ist sowas auch nicht mein Ding, aber einen Versuch ist es wert! Vielleicht müssen sie sich nur in Halloween-Laune bringen!"

Sam sah nun zum ersten Mal während ihres Gespräches auf und schaute Daniel fragend an, "Halloween-Laune?"

"Ja, schauen sie sich einen Gruselfilm an, oder lesen sie ein Buch. Irgendetwas, aber bitte kommen sie!" Sam kam ins Grübeln, wenn jetzt sogar Daniel ihr zu dieser Party riet, dann konnte diese Idee doch nicht so verkehrt sein. Außerdem mißfiel ihr auch der Gedanke, Jack einen Grund zu geben, sie aufzuziehen.

"Vielleicht, okay?" Daniel strahlte sie an, "Jack wird sich freuen, er hatte Bedenken, ob sie wirklich kommen würden."

"Ich habe vielleicht gesagt!"

"Ist in Ordnung, dann bis morgen!"

Sam sah Daniel noch kopfschüttelnd hinterher, als er wieder ging. Er schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein, und auch wenn Sam es sich nicht eingestehen wollte, war es doch irgendwie eine nette Abwechslung. Vielleicht würde sie ja wirklich ihren Spaß haben. Sie beschloß hinzugehen, aber auch sofort wieder zu gehen, wenn sie sich dort nicht wohl fühlen sollte!

 

Am Abend beschloß sie, Daniels Rat zu befolgen und sich ein bisschen für die bevorstehende Nacht in Stimmung zu bringen, doch das einzige, was sie fand, war ein kleines Buch, das sie sich vor einigen Jahren einmal gekauft aber nie gelesen hatte.

Schon nach den ersten zwanzig Seiten hätte sie am liebsten wieder aufgehört. Die Handlung war so unwahrscheinlich, dass sie sich zu langweilen begann. Eine Monstermumie auf Menschenjagd? Da klangen ja sogar ihre Erlebnisse im SGC glaubwürdiger! Sie legte das Buch zur Seite und beschloß, die Party einfach auf sich zukommen zu lassen, es würde schon werden...

 

Als Sam eine Stunde nach der vereinbarten Uhrzeit vor Jacks Haus ankam, konnte sie schon die Musik und das Gelächter hören, die drinnen herrschte. Es schien eine lustige Party zu sein und dafür, dass sie klein werden sollte, war es ziemlich laut. Sie ging vorbei an den kleinen, ausgehöhlten Kürbissen, die mit schrecklichen Grimassen den Weg beleuchteten. Eine Weile blieb sie vor der Tür stehen. Ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, hierher zu kommen? Sie war nicht unbedingt in Partystimmung und wollte den anderen nicht die Laune verderben. Sie drehte sich langsam wieder um und ging die Eingangstreppen wieder hinunter, doch dann entschied sie sich doch wieder anders. Sie könnte es sich zumindest mal ansehen, dann wäre sie Jack keine Entschuldigung schuldig.

Noch ehe Sam wieder vor der Tür stand, wurde diese plötzlich aufgerissen und Jack stand mit einer Flasche Bier vor ihr. "Hey Sam, ich hab doch gewußt, dass ich was gehört hatte. Komm doch rein!"

Sam wunderte sich ein bisschen, wie er bei diesem Lärm überhaupt noch etwas hören konnte, überraschter war sie jedoch über seine Lässigkeit, mit der er sie ansprach. "Ähm, Colonel"

"Ach bitte, wir sind hier nicht bei der Arbeit! Nennen sie mich Jack!" Er nahm sie bei der Hand und zog sie ins Wohnzimmer.

Nachdem sie sich durch die Menge gekämpft hatten, führte er sie zum Büfett und drückte ihr einen Plastikbecher mit Punsch in die Hand- "Und passen sie auf, dass sie niemand beißt." bemerkte er noch lachend, bevor er dann auch schon wieder verschwand.

 

Sam sah sich um und konnte Daniel in der Menge erspähen, doch der schien gerade schwer damit beschäftigt zu sein, eine Bierdose auf seinem Kopf zusammen zu quetschen, was von großem Jubel begleitet wurde. Sam war sehr überrascht über diesen Anblick. Nie im Leben hätte sie ihm solch ein Verhalten zu getraut! 'Ich würde gerne mal wissen, was er schon alles getrunken hat' murmelte sie vor sich hin, bevor sie sich entschloß sich zu Teal'c zu gesellen, der ziemlich teilnahmslos und abseits vom Geschehen auf der Couch saß. "Na, Teal'c, wie gefällt dir die Party?"

"Ich verstehe die Art, wie ihr Feste feiert, nicht."

"Ach glaub mir Teal'c, ich verstehe es manchmal selbst nicht so ganz." Sie nahm einen Schluck von dem Punsch, den Jack ihr gegeben hatte, und lehnte sich zurück. Ihr war langweilig. Die meisten Leute, die sie hier sah, kannte sie nicht und das gab ihr das Gefühl ausgeschlossen zu sein. Kein einziges Kind ließ sich blicken, um nach Süßigkeiten zu fragen, was Sam die letzte Hoffnung auf eine Beschäftigung nahm. Schlechte Laune machte sich in ihr breit und sie wunderte sich, dass Teal'c so entspannt da saß und keinen Gedanken daran zu verschwenden schien wieder zu gehen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass er nicht wußte, wie er ins SGC zurück kommen sollte. Sie trank den restlichen Punsch in ihrem Becher mit einem Zug aus und stand auf, um sich neuen zu holen. "Willst du auch was, Teal'c? Vielleicht wirst du dann ein bisschen gesprächiger."

Er schaute langsam zu ihr auf. "Mein Symbiont verhindert die Wirkung von Alkohol auf meinen Körper."

"Ach stimmt ja, na denn." Sie schüttelte leicht den Kopf und ging dann zum Büfett zurück, wo der Punschkrug stand, um sich Nachschub zu besorgen.

Sie merkte schon gar nicht mehr, dass sie immer mehr trank, jedoch spürte sie, wie ihre Laune immer besser wurde. Sie fing an, Gefallen an dieser Party zu finden, und stürzte sich schließlich nach ihrem 9. Becher Punsch und ihrer 3. Flasche Bier mitten rein in die tobende Menschenmenge. Plötzlich war es ihr egal, ob sie jemanden kannte oder nicht, mit jedem wurde einmal getanzt oder zumindest einmal angestoßen. Teal'c zog bei ihrem Anblick nur verwundert seine Augenbraue hoch und selbst das fand Sam jetzt zum schreien komisch.

Ehe sie sich versah, befand sie sich in den Armen eines wildfremden Mannes und hatte auch noch Spaß dabei. "Abklatschen, jetzt bin ich mal dran."

Jack war aus dem Getümmel aufgetaucht und verscheuchte den Typen der mit Sam getanzt hatte. "Hey Jack, wo warst du bloß die ganze Zeit, ich habe dich schon vermisst!" Sie warf sich ihm förmlich um den Hals und fing an, mit ihm zu tanzten, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht.

"Dir scheint es jetzt wohl hier zu gefallen," lachte Jack.

"Es ist toll hier, ich habe mich noch nie besser gefühlt!" Jack war selbst schon viel zu betrunken, um sich über ihr Verhalten zu wundern. Er war auch der, der am lautesten grölte als Sam sich auf den Tisch stellte und begann. sich im Rhythmus der Musik um einige Kleidungsstücke zu erleichtern. Sie fand es auf einmal toll, im Mittelpunkt zu stehen, und merkte schon gar nicht mehr, was sie da eigentlich tat. Sie sah nur, dass es den anderen gefiel und machte weiter, als ihr langsam schwindelig wurde.

 

Sam schüttelte heftig den Kopf, um das Gefühl zu vertreiben, doch dadurch verlor sie nur das Gleichgewicht und fiel mit einem lauten Knall zu Boden. Sie sah noch, wie Jack sich zu ihr niederkniete und irgendetwas zu ihr sagte, doch sie konnte ihn schon nicht mehr verstehen, als ihr schwarz vor Augen wurde.

 

Als Sam wieder aufwachte, fand sie sich in einem Raum wieder, der mehr einem kleinen Museum glich als einer Behausung. 'Wo bin ich denn jetzt gelandet' fragte sie sich nur, als sie sich aufrichtete und begann. den Raum zu erkunden. Die Wände waren über und über mit ägyptischen Symbolen behängt und bemalt. An der Treppe, die nach oben zu führen schien, standen katzen-, stier- oder storchenköpfige Statuen, die sie richtig anzustarren schienen. Irgendwie musste sie bei diesem Anblick an Daniel denken. Vor dem Kamin stand ein großer Sarkophag, der beim ersten Anblick sofort ihr Interesse erweckte. Es war kein Sarkophag, den sie von den Goa'uld her kannte, sondern eher einer, der Tausende von Jahren seinen Zweck als letzte Ruhestätte erfüllt zu haben schien. Sie schob den Deckel ein wenig zur Seite und schaute hinein. Vor ihr lag eine Mumie, ein schwarzes verschrumpeltes, abstoßendes Etwas, das anscheinend seiner Bandagen beraubt wurde und ziemlich verquer in seinem Sag lag.

Auf einem kleinen Tisch daneben, der mit Flaschen, Kräutern und unzähligen Papieren beladen war, lag hoch oben eine alte vergilbte Papyrusrolle mit unzähligen ägyptischen Zeichen und Symbolen, von denen Sam nichts verstand. Überhaupt konnte sie mit nichts in diesem Zimmer etwas anfangen. Sie wußte nicht, was sie hier sollte, und ging zu dem ledernen Bürostuhl der mit dem Rücken zu ihr stand, um sich zu setzten. Sie drehte ihn um und sprang mit einem lauten Schrei zurück.

Sie traute ihren Augen nicht und lehnte sich verstört an den Sarkophag ,der ihr als einziges Halt gab. In dem Stuhl saß schon jemand, sein Kopf hing zur Seite gelehnt auf seiner rechten Schulter, die weit aufgerissenen Augen waren auf sie gerichtet und aus seinen dunkel verfärbten Lippen kamen röchelnde Laute.

"Oh mein Gott Daniel!" Sie riß ihm die Krawatte vom Kragen und öffnete sein Hemd. "Daniel, was ist denn passiert?" Er konnte ihr nicht antworten und ließ sich von ihr zur nahegelegenen Couch hieven, dort begann Sam sofort mit einer Mund zu Mund Beatmung und einer Herzdruckmassage. Doch sein Zustand verschlechterte sich weiter, Sam war verzweifelt. Er schien unter Schock zu stehen, sein Herzschlag hörte sich an wie eine Kinderrassel und das Röcheln wurde immer schwächer. "Oh mein Gott Daniel, atmen! Atmen!" Seine Augen verloren jeglichen Glanz und sein Puls war kaum noch ertastbar. Doch Sam wollte nicht aufgeben, der Schweiß lief ihr übers Gesicht und brannte in ihren Augen. Wie besessen machte sie immer weiter, und wurde auf Dauer immer schwächer. Der Gedanke, ihn nicht retten zu können und nicht zu wissen, was sie tun sollte, ließ sie fast verzweifeln, als Daniels Hand sie plötzlich zu sich hinunter riß. Er versuchte ihr etwas zu sagen, doch sie konnte ihn nicht verstehen. "Sie müssen versuchen lauter zu sprechen, Daniel." Er streckte seinen rechten Arm aus und zeigte zitternd am ganzen Körper auf den Sarkophag, den sie zuvor noch erkundet hatte. "Die Mumie?" Daniel nickte. "Was ist mit der Mumie?" So sehr er sich auch bemühte, aus seinem Mund kamen nur krächzende Töne, die niemand verstehen konnte. Bei seinem letzten Versuch, sein Anliegen verständlich zu machen, verkrampfte sich plötzlich sein ganzer Körper zu einer unförmigen Gestalt. Jegliche Farbe wich aus seinem Gesicht, als er Sam mit leeren Augen anstarrte und in sich zusammen sank. "Daniel?" Sie schüttelte ihn in der Hoffnung, er würde noch ein Lebenszeichen von sich geben. Doch es kam keine Reaktion mehr, kein Röcheln, einfach nichts mehr. Sams Augen füllten sich mit Tränen, als sie sah, dass ihr Kampf um sein Leben vergebens gewesen war. "Nein Daniel! Wach wieder auf, Daniel bitte!" Sie stand da wie ein häufchen Elend und sah ihren Kollegen verstört an. Sie konnte nicht fassen, was da gerade passiert war, und konnte nicht verstehen, was das sollte. Unter leisem Schluchzen breitete sie eine alte, muffige Wolldecke über ihren Freund aus, die sie am Ende der Couch entdeckt hatte. Sie ging einige Schritte zurück und schloß die Augen. 'Das kann nicht sein, das kann einfach nicht sein' sie ging immer weiter, als sie auf etwas großes, eckiges stieß. Erschrocken sprang sie in die andere Richtung und blickte auf das Ungetüm, das sich vor ihr aufbaute.

Sie wußte nicht, was hier gerade vor sich ging, doch sie wußte, dass es besser wäre, so schnell wie möglich von hier zu verschwinden. Die Mumie, auf die Daniel mit seinen letzten Atemzügen gezeigt hatte, war aus dem Sarkophag geklettert und knurrte Sam mit bedrohlich rot glühenden Augen an. Sie blickte mit weit aufgerissenen Augen zu diesem Geschöpf hinauf, das sie um viele Zentimeter überragte und war vor Schreck so gefesselt, dass es ihr im ersten Moment nicht gelang, sich vom Fleck zu bewegen. Die Mumie kam näher und hielt einen kleinen eisernen Hacken in der Hand. Zuerst verstand Sam nicht was das sollte, als es ihr wie ein Licht aufging. Daniel hatte ihr einmal erzählt, dass man den Toten vor der Mumifizierung mit einem Widerhaken, das Gehirn durch die Nase herausgezogen und in einem Tonbehälter beigelegt hatte. Eine drückende Panik machte sich in ihr breit. Sie kam sich vor, wie in einem Horrorfilm, nur dass sie nun diejenige war, die die Hauptrolle spielte und an der es nun lag, sich in Sicherheit zu bringen. Sie redete sich ein, dass das Ganze hier nicht wirklich sein konnte, wollte es aber lieber nicht darauf ankommen lassen und stolperte die morsche Treppe hinauf. Oben angekommen schaute sie sich noch einmal um und sah, dass die Mumie ihr folgte. Mit aller Wucht knallte sie die Tür hinter sich zu und verriegelte sie mit allem, was ihr unter die Finger kam.

Es waren zwei Schlösser an der Tür angebracht, die sie zum verschließen nutzte. Doch es schien ihr nicht genug und so schob sie noch eine große Truhe vor die alte Holztür und legte noch einige Bücher und kleine Statuen obenauf, die neben dem Eingang lagen. Als sie hörte wie das Ungetüm gegen die Tür schlug, rannte sie zum Ausgang des Hauses. Sie wollte einfach nur so weit wie möglich weg von diesem Ort, egal wo es sie hinverschlagen würde. Einfach nur weg!

 

Sam lief die Straße hinunter, quer durch die Vorgärten der Häuser, immer weiter, so schnell sie ihre Beine tragen konnten. Obwohl sie geschwächt und erschöpft war, erreichte sie eine ungeheure Geschwindigkeit. Ihre Angst und die Panik, die sich in ihr breit machte, schienen sie förmlich zu Höchstleistungen zu beflügeln. Jedes Geräusch, das sie vernahm, war auf einmal zu einer Bedrohung geworden. Waren es die Blätterkronen der Bäume, die durch den Wind raschelten, war es das Bellen der Hunde, an denen sie vorbei hastete, oder selbst ihre eigenen Schritte, die in der Dunkelheit verhallten. Alles schien für sie in diesem Moment unnatürlich und gefährlich.

 

Nach einer Weile kam ihr die Gegend, in der sie sich befand, bekannt vor. Sie wurde langsamer und schaute sich um, als sie in einigen Metern Entfernung Jacks Haus erspähte. 'Gott sei Dank' dachte sie nur und rannte mit letzter Kraft zur Tür, um wie wild darauf einzuhämmern.

"Sachte, sachte, ich komme ja schon." Jack öffnete die Tür und nahm die völlig verstörte Sam in Empfang, die sich überglücklich und erleichtert in seine Arme sinken ließ. "Was ist passiert?" Er führte sie den Flur entlang Richtung Wohnzimmer, während sie auf ihn einredete.

"Es war so furchtbar, Jack, er hat Daniel getötet und wollte mich dann töten, aber ich konnte ihm entkommen! Oh, Jack..." Sie schmiegte sich in seine Arme und war so froh ein lebendes bekanntes Gesicht zu sehen. Es gab ihr ein Gefühl der Geborgenheit und der Sicherheit. 'Es wird alles wieder gut' flüsterte sie leise vor sich hin, als sie im Wohnzimmer eintrafen.

"Es ist gut das du jetzt gekommen bist Sam, denn du hast Besuch."

"Besuch?" Sie blickte auf und konnte nicht fassen, was sie da sehen musste. Da stand diese Mumie wieder und neben ihr Daniel, er lebte, aber das war doch nicht möglich und wie konnte dieses Wesen sie so schnell finden. Sie hatte ihn doch eingeschlossen.

"Warum hast du mich im Stich gelassen Sam?" Daniels Gesicht hatte jegliche Konturen verloren und seine Haut hing wie Säcke und Falten an ihm herab.

"Aber ich...du...ich hab's doch versucht!" "Du hast aufgegeben Sam und deine Strafe wird schmerzhaft sein!" Er zeigte auf die Mumie, deren Augen wieder bedrohlich rot aufleuchteten. Langsam kam sie auf Sam zugestampft, mit diesem Widerhaken in der Hand. Sam wollte nach hinten ausweichen, doch Jack hatte sie fest gepackt und ließ sie nicht fort. Sein Gesicht war plötzlich so weiß, so völlig blutleer. Sam stieß ihn von sich weg und geriet so unweigerlich weiter ins Wohnzimmer hinein. Sie war plötzlich umzingelt von diesen Gestalten und sie hatte furchtbare Angst. Angst nicht zu wissen, was hier geschah, und Angst nicht zu wissen, wie sie sich retten konnte. Sie war wie hilflos, sie war ihnen ausgeliefert und es gab keine Möglichkeit zu entkommen. Als diese Wesen nun alle direkt vor ihr standen und die Mumie ihre knochige Hand nach ihr ausstreckte, schloß sie ihre Augen und schrie mit aller Kraft, die ihr noch geblieben war, so laut sie konnte. Vor lauter Verzweiflung, vor lauter Panik und dieser Angst, die sie zu erdrücken schien.

 

Als Sam die Augen wieder öffnete, befand sie sich wieder in einem Raum, doch es war nicht derselbe wie vorher. Sie saß in einem Bett in einem fremden Zimmer und sie war allein. Die Gestalten waren verschwunden.

 

Sie hörte Schritte, schnelle Schritte die eine Treppe hochhasteten. Sie zog die Bettdecke hoch und bedeckte sich bis zu den Augen, wartend auf das, was auf sie zukam. Die Tür wurde aufgerissen und das Licht angeknipst. Die plötzliche Helligkeit blendete Sam und brannte in den Augen. Als sie sich an das Licht gewöhnt hatte, hatte schon jemand neben ihr Platz genommen.

"Was ist denn passiert? Warum hast du geschrien?"

"Jack?"

"Ja."

Sam starrte ihn an, sie war sich nicht sicher, was jetzt wirklich war, ob sie sich immer noch in diesem Alptraum befand und nur ein neues Kapitel angefangen hatte, oder ob alles vorbei war und wieder so wie vorher. "Jack bist du es wirklich?"

Er sah sie fragend an und neigte den Kopf leicht, "Wer soll ich denn sonst sein?" "Gott sei Dank, es war nur ein Traum!" Sie umarmte ihren Colonel überglücklich und merkte gar nicht, wie verdutzt dieser war. "Ich hatte ja solche Angst!"

"Wovor?" die Stimme kam jetzt von der Tür, Sam schaute auf und wollte wieder losschreien und sich im Bett verstecken, als sie sah, von wem diese Frage kam. Im Türrahmen stand eine Person mit einem schrecklich entstelltem Gesicht, zerfetzten Kleidern und roten Augen, die sie sofort an diese gräßliche Mumie erinnerten. Doch bevor sie dazu kam sich ihren Schreck von der Seele zu schreien packte diese Person sich an den Haaren und zog daran. Nun konnte Sam sehen, dass es nur Daniel war, der sich eine Maske aufgesetzt hatte und farbige Kontaktlinsen trug. Er nahm sie ab und setzte sich seine Brille wieder auf, die er in der Hosentasche aufbewahrt hatte.

"Mensch Leute, ich kann euch sagen, das war ein Kampf hier, ohne Brille hoch zu kommen. Ich hätte mir beinahe den Hals gebrochen!"

Sam saß da, schaute von Jack zu Daniel und von Daniel zu Jack und begann plötzlich zu lachen. Sie lachte aus ganzem Herzen, die Angst verflog und Sam fühlte sich wie befreit. Die beiden Männer sahen sich nur verwundert an und verstanden nicht, was in Sam gefahren war. Doch sie ließen sie, denn sie sahen, dass es ihr gut tat.

"Erst fällt sie um und, als sie wieder aufwacht, lacht sie uns aus, irgendwie verstehe ich das nicht."

"Wie lange war ich weg?" Sam hatte sich wieder einigermaßen beruhigt und sah die beiden fragend an.

"Nicht lang, vielleicht ein oder höchstens zwei Stunden."

"So kurz nur?" sie sah Jack überrascht an, "Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit!"

"Und dabei wurde es gerade so spannend. Ich hätte gern gesehen, wie weit du gegangen wärst!"

"Was meinst du?"

"Na ,den Strip, den du hingelegt hast, der war richtig spannend!"

"Ich habe was?!?" Sie sah ihn mit großen Augen an, sie konnte sich nur noch daran erinnern, dass sie ein bisschen was getrunken hatte und mit irgendjemandem getanzt hatte, an mehr nicht. Aber nachdem, was sie eben gehört hatte, war es wohl auch besser für ihr Gewissen, sich an das, was danach war, nicht mehr erinnern zu können, aber vor allem war sie froh, endlich von diesem Traum erlöst worden zu sein. Halloween hatte wohl doch eine größere Wirkung auf sie, als sie für möglich gehalten hätte, oder war es doch einfach nur der Alkohol gewesen?

 
Ende

 
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