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Another Life

© by Natascha/Norynia ()

 

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an SG 1 gehören MGM/UA, World Gekko Corp. Und Double Secret Production. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu Lebenden und Toten Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Stargate-Sektion.

 
 
Kapitel 1: Die Rückkehr

 

Sein Herz raste. Er rannte durch die Gänge des SGC und hatte nur ein Ziel. Weg! Sie hatten die Invasion der Goa'uld nicht aufhalten können. Es waren zu viele, sie waren ihnen nicht gewachsen gewesen. Sie hatten es gerade noch geschafft, den Großteil der Menschheit zu evakuieren. Er hatte zu einem der Rettungstrupps gehört. 'Schafft die Leute rein und schickt sie durchs Gate. Ihr kommt nach, wenn alle drüben sind' so lautete sein Auftrag. Doch sie hatten es nicht geschafft, alle zu retten. Die Goa'uld waren schneller gelandet, als angenommen. Und sie hatten das Stargate zerstört, bevor sie fertig waren. Die übrigen haben sie getötet. Vor seinen Augen. Er musste mit ansehen wie seine Kameraden, seine Freunde leblos zu Boden gingen. Nur wenige konnten sich retten, und diese irrten jetzt, wie er, durch das Chayenne Mountain Complex, um sich in Sicherheit zu bringen. Doch die Erde war nicht mehr sicher. Sie würden sich nicht vor dem Feind verstecken können. Er wußte das. Und er wußte auch, wie es ihm doch gelingen würde.

Er stieß die Tür zum Lager auf und blickte sich suchend um. Er brauchte eine Weile, um das was er suchte, in der Dunkelheit ausfindig zu machen. Er schloß die Tür hinter sich und griff nach dem Bedienungsgerät. Vorsichtig legte er seine Hand auf die Schaltfläche und aktivierte es. Er hatte keine Zeit, um sich ein Ziel auszusuchen, also nahm er das erste, das nicht ebenfalls von Goa'uld belagert zu sein schien.

Die Tür wurde aufgerissen. Jaffa-Wachen, die mit ihren Stabwaffen auf ihn zielten. Blitzschnell hatte er eine Handgranate entschärft und nach ihnen geworfen, bevor er seine Hand in den Spiegel legte und auf die andere Seite gesogen wurde. Noch ehe er den Durchgang schließen konnte, wurde er von der Wucht der Explosion gegen eine Wand geschleudert. Der Spiegel wurde dabei zerstört. Nun gab es kein zurück mehr. Keine Fluchtmöglichkeiten.

Er richtete sich langsam auf. Sein Kopf schmerzte höllisch. Er hörte das laute Getöse des Alarms, als der Raum von schwer bewaffnetem Militär gestürmt wurde. 'Gott sei dank...keine Goa'uld!' dachte er erleichtert bei sich, als er abgeführt wurde.

 

Er war nicht im SGC, doch der Ort kam ihm bekannt vor. Es erinnerte ihn stark an Area 51. Sie hatten ihn auf eine Trage gelegt und in einen Wagen gesteckt, ehe sie diese Basis verließen. Er nahm an, dass sie ihn in ein Militärgefängnis bringen würden. Doch als sie ihn ausluden, befanden sie sich bereits im inneren des Chayenne Mountain Complex. Er war gespannt, was ihn hier erwarten würde, wen er antreffen würde.

Nachdem sie einmal den Aufzug gewechselt hatten, fühlte er sich wieder wie zu Hause. Die endlosen Gänge, die kalten Stahlwände. Er war im SGC, nicht in dem das er kannte. In einem anderen, doch man konnte keinen Unterschied feststellen. Sie luden ihn in der Krankenstation ab. Die Ärztin die ihn behandelte, stellte sich als Doc. Fraiser vor. Er kannte sie nicht, doch sie war ihm auf anhieb sympathisch. Er hatte mehr Schürfwunden und Prellungen als er gedacht hatte. Doch am meisten schmerzte die Platzwunde an seinem Kopf.

Doc. Fraiser hatte ihre Behandlung gerade beendet, als SG-1 den Raum betraten.

 

"Kawalsky!?!" Jack war stehengeblieben und starrte ihn ungläubig an. Bei dem Rest des Teams war es nicht anders.

"Ja, ich bin's, Colonel. Und bevor sie fragen...ich komme aus einer anderen Realität!"

"Was ist passiert?"

"Die Goa'uld haben die Erde übernommen. Wir haben fast alle Menschen evakuieren können, bevor sie das Stargate zerstörten. Ich konnte mich durch den Quantenspiegel retten."

"Der jetzt nicht mehr existiert!" General Hammond war eingetroffen und sah seine Leute ernst an. "Nach Major Kawalsky's Eintreffen wurde der Quantenspiegel zerstört. Können sie mir erklären, wie das passiert ist, Major?"

Kawalsky sah sich entschuldigend um. Es war kein guter Start in diese Realität gewesen. "Ich habe auf der anderen Seite eine Handgranate gezündet. Sie ist explodiert, bevor ich den Spiegel schließen konnte. Tut mir leid, Sir!"

"Das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Ein Experten-Team versucht ihn zu reparieren, aber es sieht schlecht aus. Ich erwarte sie morgen um 0900 in meinem Büro!" Mit diesen Worten verließ der General die Krankenstation.

Jack setzte sich neben seinen Freund und betrachtete ihn ausgiebig.

"Sie hat es ja ganz schön erwischt, Kawalsky." "Halb so schlimm, Colonel." Er versuchte zu lächeln, doch die Schrammen in seinem Gesicht, ließen dies nicht schmerzfrei zu.

"Das ist nun schon das zweite Mal, dass ein Andere-Realität-Kawalsky hier auftaucht. Diesmal sieht es nicht so aus, als würden sie uns so schnell wieder verlassen."

"Was wird wohl der Kawalsky dieser Realität dazu sagen?"

"Er ist tot."

"Tot?"

"Ein Goa'uld hatte von ihm Besitz ergriffen. Bei dem Versuch zu fliehen, wurde er getötet." Kawalsky schüttelte wütend mit dem Kopf.

"Diese Mistviecher! Die haben wohl in jeder Realität jemanden von uns auf dem Gewissen."

"Wo leben die Menschen jetzt in ihrer Realität?"

"Auf dem Beta-Planeten. Außer mir, ihnen und ein paar anderen Soldaten und...Zivilisten haben es alle geschafft."

"Dann bin ich in ihrer Realität ebenfalls tot?"

"Ja, Sir. Genauso wie sie."

Er zeigte auf Sam, die ihn fragend ansah. "Aber sie sagten doch außer ihnen und Colonel O'Neill, andere Soldaten und Zivilisten."

"Ja, das habe ich gesagt. Sie waren unter den anderen Soldaten. Ein Sergeant."

"Nun, hier ist sie Major und Mitglied von SG-1!" Kawalsky sah Jack mit großen Augen an.

"Das ist nicht ihr Ernst!"

"Doch."

"Unglaublich. SG-1? In meiner Realität war sie eine Sanitäterin. Sie mochten sie nicht besonders, weil sie immer in diesem Fachchinesisch geredet hat, wenn wir zur Grunduntersuchung mussten."

"Das kommt hier auch vor." Jack musste schmunzeln und erntete dafür einen wütenden Blick von Sam.

"Hier scheint einiges anders zu sein."

"Das ist oft so in anderen Realitäten." Teal'c war vorgetreten und neigte zur Begrüßung leicht den Kopf.

"Aber Teal'c scheint der Alte geblieben zu sein." Kawalsky stand auf und nickte ebenfalls leicht.

"Sie kennen Teal'c?" "Natürlich, er war in meinem Team." "SG-2?" Er nickte.

"Er war ein guter Freund. Er starb vor einem Jahr bei einem Einsatz." Stille brach ein, bevor Kawalsky sich wieder an Jack richtete.

"Colonel, wenn sie nichts dagegen haben, würde ich mich gerne noch ein wenig ausruhen."

"Selbstverständlich Kawalsky. Doc., kann er schon in ein Quartier?"

Janet sah von einigen Röntgenbildern auf und nickte zustimmend.

"Er hat keine ernsten Verletzungen davongetragen. Er kann gehen." Sie ließ den Blick schnell wieder auf ihre Arbeit fallen. Sie wußte nicht warum, doch der Anblick Kawalsky's löste ein seltsames Gefühl in ihr aus. Es begann, als er in die Station eingeliefert wurde und kam immer wieder in ihr hoch, wenn sie ihn ansah. Sie versuchte diese Gedanken zu verwerfen und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, doch das gelang ihr erst, als er zusammen mit SG-1 den Raum verlassen hatte.

 

"Es ist schön, sie wieder hier zu haben."

"Es ist schön, sie wieder lebendig zu sehen, Colonel." Jack klopfte seinem Freund auf die Schulter, bevor er ihn in seinem Quartier allein ließ. Kawalsky ließ sich auf dem Bett nieder und sah sich um. Es war hier alles so anders und doch genauso wie es in seiner Welt war. Er hatte alte Freunde wieder gesehen und auch neue Menschen kennengelernt. Besonders diese Ärztin beschäftigte ihn, wie hieß sie doch gleich? Fraiser? Sie schien ihn nicht besonders zu mögen, zumindest kam es ihm so vor. Sie wirkte kühl und wortkarg. Doch vielleicht bildete er sich das auch nur ein. Vielleicht war sie immer so und es hatte gar nichts mit ihm zu tun. Er kannte sie schließlich nicht gut genug, um sich ein Urteil bilden zu können. Er legte sich hin und versuchte zu schlafen.

 

Er hörte Schreie. Ihre Schreie. Er sah wie Apophis sein Handgerät vor ihre Stirn hielt. Wie er sie quälte. Er sah dieses helle Licht. Er sah, wie es ihr Gesicht zu einer flüssigen Masse verwandelte. Ihre Augen blickten wirr umher, als sie noch ein letztes Mal vor Schmerzen aufschrie, bevor sie zu Boden ging und Blut über ihre Lippen floß. Er hatte sie getötet, seine Frau. Sie war bis zum Schluß bei ihm geblieben. Sie wollte nicht ohne ihn gehen und hatte auf ihn gewartet. Dafür musste sie diesen bitteren Preis zahlen. Sie hatte ihr Leben für ihn gegeben. Er konnte sie nicht retten. Er hatte es nicht geschafft und musste ihren Leichnam zurücklassen.

'Ich habe sie allein gelassen' schoss es durch seinen Kopf. 'Wenn ich schneller reagiert hätte, hätte ich sie retten können. Oh mein Gott, was habe ich getan?' Sein Körper wälzte sich im Bett hin und her. Er fand einfach keine Ruhe. Sein Gewissen quälte ihn. Die Gedanken, die er während seiner Flucht verdrängt hatte, waren nun umso stärker geworden. Er lebte weiter, doch er war allein. Seine Frau, die ihm alles bedeutet hatte, wurde ihm genommen. Seine Trauer schlug in Wut um und er hatte nur noch einen Gedanken. Rache an ihrem Mörder, Rache an Apophis!

Er erinnerte sich an frühere Zeiten. Vor dieser Invasion. Wie er sie kennengelernt hatte, wie sie geheiratet hatten. An die Zeit, als sie glücklich waren. Er hätte sich nie ein Leben ohne sie vorstellen können. Ohne ihr Lächeln, ohne diese strahlenden, blauen Augen, die er so an ihr liebte. Ohne ihre Wärme, ihre Liebe. Niemand hatte ihrer Ehe eine Chance gegeben. Sie war so jung gewesen. Doch sie waren glücklich, die ganzen fünf Jahre. Bis zu diesem Tag.

Er sah ihr Gesicht, das jegliche Farbe verloren hatte. Ihre weit aufgerissenen Augen, ihr Blut.

Mit einem Satz sprang er auf und schüttelte sich. 'Ich darf nicht mehr daran denken' befahl er sich selbst. Doch er wußte, dass er diese Erinnerungen nicht aus seinem Gedächtnis streichen konnte. Und eigentlich wollte er das auch nicht. Er wollte sie nicht vergessen. Er wollte nur nicht mehr ihren Tod sehen. Er wollte sich einreden, dass sie entkommen war und nun ein glückliches Leben ohne ihn führen würde. Aber es ging nicht. Und so konzentrierte er sich auf seine Rache.

 

"Was halten sie von der ganzen Sache, Colonel?"

"Was soll ich davon halten?"

"Nun ja, ich weiß er ist ihr Freund, aber er ist doch ein anderer."

Jack schüttelte energisch mit dem Kopf. "Er ist Kawalsky!"

"Ein anderer...Kawalsky." korrigierte ihn Sam.

"Sie können ihn nicht leiden, oder?" Jack war stehen geblieben und sah Sam streng an. "Was hat er ihnen getan?"

"Nichts!" Sam hob abwehrend die Hände. "Er hat in seiner Realität ein anderes Leben geführt. Er ist die selbe Person, wie wir ihn kennen und doch ein anderer." Jack zog seine Augenbrauen zusammen. Er verstand nicht, was Sam ihm damit sagen wollte. "Und das heißt?"

"Lernen sie ihn wieder kennen, Colonel. Er ist nicht ihr Freund, wie sie ihn in Erinnerung haben."

"Wenn sie meinen." Jack wandte sich von ihr ab. Ihre Aussage ergab keinen Sinn. So anders konnte er doch nicht sein. Das einzige was sich unterschied war, dass er lebte! Und das war gut so. Er würde hier bleiben und seine Arbeit im SGC fortsetzten. Als wäre er nur in einen langen Urlaub gegangen und nie wirklich weg gewesen. Jack merkte jetzt erst, wie sehr er ihn vermisst hatte. Sie hatten sich so gut verstanden. Sie waren ein eingespieltes Team gewesen. Es würde wieder so werden wie früher. Da war er sich sicher und niemand könnte ihm vom Gegenteil überzeugen!

 

Der nächste Tag kam, und Kawalsky hatte die ganze Nacht kein Auge zu getan. Es war zuviel passiert, um ruhig schlafen zu können. Also hatte er die Zeit damit verbracht im Zimmer auf und ab zu laufen und auf die Uhr zu starren. Nun war es soweit, kurz vor 0900. Die Besprechung mit dem General stand kurz bevor. Er ließ sich noch einen Kaffee bringen, bevor er sich auf den Weg machte.

 

Er war nervös und zittrig, als er in das Büro des Generals eintrat.

"Guten Morgen, Major!" Kawalsky nickte leicht und setzte sich seinem Vorgesetzten gegenüber. "Haben sie gut geschlafen?"

"Das weniger General, aber ansonsten fühle ich mich gut!"

"Das freut mich zu hören. Ich habe eine gute Nachricht für sie." Kawalsky schaute interessiert auf. "Sobald sie wieder vollkommen genesen sind, werden sie in den aktiven Dienst starten. Ich denke das ist ganz in ihrem Sinne. Den Quantenspiegel zu reparieren, gestaltet sich als schwierig. Es kann Jahre dauern bis er wieder funktionstüchtig ist."

"Wie gesagt, das tut mir leid, General!"

"Das weiß ich. Sie werden noch eine Woche Schonfrist bekommen. Danach werden sie fürs erste mit SG-1 arbeiten!" General Hammond erhob sich. Kawalsky folgte dem Beispiel und salutierte, bevor er das Büro verließ.

 

Es lief besser, als er es für möglich gehalten hätte. Es würde nicht mehr allzu lange dauern, bis er mit SG-1 auf Goa'uld treffen würde. Seine Vergeltung war im vollen Gange und niemand würde ihn davon abhalten können. Das war er ihr schuldig. Es war sein neuer Lebensinhalt, und er würde ihn erfüllen. Er würde es durchziehen, zur Not auch mit Gewalt.

Die Woche verging. Er hatte die Zeit damit verbracht, sein zukünftiges Team besser kennenzulernen und ihnen von ihrer Identität in seiner Welt zu berichten. Am schlimmsten hatte es Sam getroffen. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, nur eine einfache Sanitäterin gewesen zu sein. In allen anderen Realitäten, von denen sie bisher Kenntnis hatten, war sie doch zumindest immer noch Doktor der Astrophysik gewesen und ein wichtiges Mitglied des Stargate-Programmes. Es wollte einfach nicht in ihren Kopf hinein und sie beruhigte sich damit, dass sie ihr Leben wie bisher, weiterlebte. Unbeeinflusst von ihren anderen Identitäten.

Am meisten sorgte sie sich um Jack. Er war so...so glücklich. Sie hatte ihn noch nie so oft lachen gesehen, bevor Kawalsky zu ihnen gestoßen war. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Doch sie wußte nicht was. Sie hatte ihn damals zu kurz gekannt, um ihn richtig einschätzen zu können. Was ihr Sorgen machte, war sein Wissensdurst nach den Goa'uld. Besonders das Thema "Apophis" schien ihn brennend zu interessieren. Sam konnte sich keinen Reim daraus machen und so wartete sie ab. Vielleicht bildete sie sich das auch einfach nur ein. Oder war sie eifersüchtig? Jack verbrachte jede freie Sekunde mit seinem wiedergewonnenen Freund. Sie hatte ihn in der letzten Woche kaum zu Gesicht bekommen und wenn, dann war er bei...ja bei Kawalsky. Vielleicht fühlte sie sich wirklich nur vernachlässigt und suchte den Fehler bei dem Major. Aber er war doch auch nur ein Mensch. Er war neu hier und Jacks Begeisterung würde sich sicherlich bald auf ein gesundes Maß beschränken.

 

Wie General Hammond bereits erwähnt hatte, wurde Kawalsky nach einer Woche in das Stargate Programm integriert. Er war nun vorübergehend Mitglied von SG-1 und das schien ihm gut zu gefallen. Er war voller Tatendrang und konnte die nächste Mission kaum abwarten.

Diese kam schneller als erwartet. Der Computer hatte mal wieder ein Ziel ausgespuckt. Und obwohl es Jack sehr missfiel, sendete die Sonde nur ein Bild. Bäume. Keine Lebensformen, keine Naquadaspuren. Nichts Aufregendes, nur Bäume. Und wie sollte es anders sein, SG-1 bekam den Zuschlag. "Ich glaube diese Planeten haben es auf uns abgesehen." War Jacks Bemerkung zu dem ganzen. Eher widerwillig unterließ er es, General Hammond einzureden, ein anderes Team zu schicken. Es würde ja doch nichts nützten. Es hatte noch nie geholfen. Was General Hammond befahl, wurde gemacht. Es gab da zwar in der Vergangenheit ein paar Ausnahmen, aber ansonsten waren seine Entscheidungen unumgänglich. Also ging er in die Umkleidekabine und machte sich zum Aufbruch bereit. Kawalsky folgte ihm.

"Ich bin ja mal gespannt, ob es dort wirklich nichts Ungewöhnliches zu entdecken gibt." Er nahm seine Uniform aus dem Spind und sah zu Jack hoch, der mit einem mürrischen Gesicht begann, sich umzuziehen.

"Bei unserem Glück, geht da mal wieder die Post ab, sobald wir auftauchen."

"Ist das nicht gut?"

"Wie man's nimmt, ich hasse einfach diese Bäume. Da wäre mir ein Wüstenplanet lieber gewesen!" Kawalsky grinste bei dieser Bemerkung breit und auch Jack konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es war seine erste Mission mit Kawalsky. Naja, eigentlich stimmte das nicht so ganz. Sie waren zusammen zweimal auf Abydos gewesen. Sie hatten auch eine Mission nach Chulak zusammen überstanden. Wenn Kawalsky nicht gewesen wäre, wäre er wahrscheinlich damals selbst umgekommen. Doch er war da. Und das war er jetzt wieder. Und bis jetzt konnte Jack keine großartigen Unterschiede feststellen. Kawalsky war Kawalsky. Er war sein Freund, sein Kamerad. Und diesmal würde er nicht zulassen, dass ein Goa'uld sein Ende besiegeln würde. Sie hatten eine zweite Chance bekommen. Und die würden sie auch nutzten!

 

Ein Symbol nach dem anderen rastete in dem Steinernen Ring ein. Die Fontäne schoß ihnen entgegen und formte sich zu einer zähflüssigen, blauen Masse. 'Wie Wackelpudding' dachte Jack jedesmal, wenn er diesem Schauspiel zusah. Er stieg langsam die Rampe empor und wartete bis Kawalsky neben ihn getreten war.

"Sind sie bereit?"

"So bereit wie sie, Colonel!" Sie nickten sich noch einmal zustimmend zu, bevor sie als erstes das Wurmloch betraten. Auf der anderen Seite angekommen, nahmen sie sofort Aufstellung und sicherten das nähere Gelände. Sie richteten sich auf einen langen Fußmarsch ein. Denn es sah nicht so aus, als ob hier jemand in der letzten Zeit vorbeigekommen wäre.

Kawalsky war enttäuscht. Er hatte so gehofft auf Goa'uld zu treffen, doch es war kein Hinweis auf ihre Anwesenheit zu finden. Und nachdem sie nun stundenlang durch diesen endlosen Wald gelatscht waren, verstand er Jacks Abneigung zu solchen Missionen. Es war nervenaufreibend in der Fremde umher zu laufen und nichts, aber auch gar nichts interessantes ausfindig zu machen. Sie konnten ja nicht einmal in die Umliegende Ferne blicken, da diese Bäume ihnen die Sicht weiter als 50 Meter versperrten.

"Denken sie wir sollten noch weitergehen?" Er war stehen geblieben und sah Jack mit zusammengekniffenen Augen an. Die Sonne blendete ihn und hatte somit einen großen Beitrag gesetzt, ihm seine Laune vollkommen zu verderben. Jack drehte sich zu ihm um und begutachtete die nähere Umgebung noch einmal flüchtig. "Ich denke wir verpassen nichts, wenn wir wieder zurück gehen." Er winkte den anderen kurz zu und machte sich mit Kawalsky auf den Rückweg. Daniel und Teal'c folgten ihnen umgehend. Sam blieb noch einen Moment zurück. Es war unglaublich, nur ein Wort von Kawalsky und schon war das ganze beschlossene Sache. Sie hätte versucht ihren Colonel noch einmal umzustimmen. Doch sie ahnte, das sie gegen den anderen Major nicht ankam. Das stiftete Unzufriedenheit in ihr. Sie war so plötzlich völlig ins Abseits geraten. Das Team schien nun nur noch aus Jack und Kawalsky zu bestehen. Alle anderen waren ein wohl nötiges Anhängsel, das ertragen wurde. Doch wie schon zuvor, redete sie sich ein, dass sich das mit der Zeit wieder legen würde. Außerdem sollte Kawalsky ja nicht ewig in ihrem Team bleiben. Es war nur eine Übergangslösung, bis woanders etwas frei werden würde. Und obwohl es eigentlich überhaupt nicht Sams Art war, hoffte sie das, dass bald sein würde. Sie hatte eine Antipathie gegen ihn aufgebaut. Und die konnte sie nicht verdrängen. Irgendetwas war anders als damals. Er schien etwas zu verbergen, doch sie wußte nicht was.

Als sie wieder auf die Erde zurückgekehrt waren, wurden sie bereits erwartet. Jacob stand im Stargate Raum und empfing seine Tochter freudestrahlend. "Dad!" Sam war sofort losgestürmt, um ihrem Vater um den Hals zu fallen. "Was führt dich hierher?" Sie löste die Umarmung und sah ihn fragend an. "Nun, ich komme gerade von einer Mission, und da ich erst heute abend zurückerwartet werde, wollte ich die noch verbleibende Zeit nutzten, um meine Tochter zu besuchen." Sam strahlte über das ganze Gesicht, als sie mit ihrem Vater den Raum verließ. Kawalsky nahm die Anwesenheit des Tok'ra missmutig zur Kenntnis. Er schüttelte verständnislos mit dem Kopf, als er sich ebenfalls auf den Weg machte.

"Was ist los?" "Was soll sein?" Kawalsky setzte sich auf ein freies Bett in der Krankenstation und wartete auf den Check, während Janet damit begonnen hatte den Colonel zu untersuchen. "Sie mögen die Tok'ra nicht, oder?" "Nein." War seine knappe Antwort. "Ich auch nicht unbedingt. Aber sie sind im Grunde gar nicht so übel." "Ich sehe sie lieber tot, als lebendig!" Jack schaute erstaunt auf. Diese Antwort hatte er von seinem Freund nicht erwartet. Kawalsky regierte nicht auf seinen Blick. Für ihn war seine Aussage selbstverständlich. Es war seine Meinung. Für ihn waren alle Wesen, die einen Symbionten in sich trugen, Goa'uld. Unter Gut oder Böse unterschied er nicht. Sie hatten alle den selben Ursprung und das reichte ihm vollkommen. Kein Goa'uld konnte jemals zu einem Grad aufsteigen, dass man von ihm behaupten könnte, ein Freund zu sein.

Auch an Janet war dieser Wortwechsel nicht spurlos vorbeigegangen. Es bestätigte sie in ihrem komischen Gefühl, das sie für den Major hegte. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Kawalsky hatte eine ungewöhnlich aggressive Art an sich, die sie nachdenklich stimmte. Er verbarg irgendetwas. Irgendetwas was sein Verhalten erklären würde. Doch sie wußte auch, dass sie es nicht aus ihm rausbekommen würde. Der einzige, der das konnte, war Jack. Und der sah im Moment nicht so aus, als ob er irgendetwas ahnen würde. Sam hatte ihr erzählt, dass sie mit ihm über Kawalsky geredet hatte. Jedoch ohne Erfolg. Sie waren Freunde. Gute Freunde, und Jack war der Überzeugung Kawalsky zu kennen. Doch er war ein anderer. Er hatte in der Zwischenzeit ein anderes Leben geführt. Wer weiß, was er alles erlebt hatte, was er getan hatte, was in ihm vorging.

Sie konnten nur abwarten. Darauf, dass sich alles aufklären würde. Und sie hoffte nur, dass es nicht so enden würde, wie damals. Der Tod konnte nicht die Lösung sein. Doch welche gab es dann? Die Zeit? Das sich irgendwann alles klären würde war klar. Doch wie lange würde es dauern? Irgendwann könnte es zu spät sein. Doch noch war es nicht soweit.

Janet beendete ihre Untersuchung und gab den beiden grünes Licht. Es war alles in Ordnung. Fast alles...

 

 
Kapitel 2: Blutrausch

 

Kawalsky war auf dem Weg in sein Quartier, als Sam und Jacob ihm entgegenliefen. "Oh Dad, darf ich dir vorstellen. Das ist Major Kawalsky, ich habe dir von ihm erzählt." Jacob reichte dem Major zur Begrüßung die Hand, doch Kawalsky reagierte nicht auf diese Geste. Er ging wortlos an den beiden vorbei, ohne ihnen auch nur einen Blick zu würdigen. Sam konnte es nicht fassen. Für einen Moment war sie geschockt. Wie konnte er sie nur so ignorieren. Was hatte sie ihm getan? Was hatte ihr Vater ihm getan?

Sie wollte noch etwas sagen, doch ihr Vater winkte ab. "Lass ihn, er wird seine Gründe haben." "Dad! Er hat dich dastehen lassen, wie einen..." "Ich habe mich an solche Reaktionen gewöhnt, Sam." Damit war für den Tok'ra das Thema erledigt. Sam sah dem Major noch kurz hinterher, bevor sie ihrem Vater folgte. Die Tok'ra waren doch Freunde der Menschen. Verbündete. Sie nahm sich fest vor Kawalsky noch einmal auf sein Verhalten anzusprechen. Doch vorerst beließ sie es dabei. Sie sah ihren Vater selten genug. Da wollte sie die kurze Zeit, die er hier war genießen und sich nicht die Laune verderben lassen.

 

Kawalsky stieß die Tür zu seinem Quartier auf und ließ diese mit einem lauten Knall wieder zurück ins Schloß fallen. Er wäre am liebsten auf diesen Verräter losgegangen. Er konnte nicht verstehen, dass man seine Anwesenheit hier duldete. Überhaupt konnte er die Tatsache nicht akzeptieren, dass die Menschen und die Tok'ra eine Allianz miteinander eingegangen waren.

"Diese Verräter!" er nahm die Tischlampe von der kleinen Kommode neben seinem Bett und schmiß sie gegen die Wand. Mit einem lauten klirren, zerschellte sie an dem Stahl und viel auf den kahlen Boden. Kawalsky setzte sich aufs Bett und schlug die Hände über seinem Kopf zusammen. Diese Welt war verrückt, so völlig anders. Je länger er hier war, desto größer wurden die Unterschiede. Er fing an zu bezweifeln, dass er sein Leben hier fortführen könnte. Es gab zu viel, dass er nicht verstand, mit dem er nicht fertig wurde. Um in dieser Realität existieren zu können, müsste er seine bisherigen Erfahrungen über Bord werfen. Die Vergangenheit auslöschen. Und das konnte er nicht. Ihm war aufgefallen, dass er bei einigen Menschen hier mit seinem Verhalten, gegenüber diverser Dinge angeeckt war. Er wollte ihnen nichts böses, doch was er erlebt hatte, war hier nicht existent. Es war hier nicht geschehen und daher wurde er nicht verstanden. Der einzige Mensch, der nach wie vor zu ihm hielt, war Jack. Er war der selbe geblieben, er war so, wie er ihn all die Jahre kannte. Und doch hatte er gegenüber einiger Sachen, eine völlig andere Meinung, als der Jack aus seiner Welt. Für ihn wurde langsam klar, dass er hier nicht hinpaßte. Und er zog die Konsequenzen daraus. Zurück konnte er nicht. Daran war er selbst schuld. Er versuchte seine Erinnerungen und Gefühle damit zu verarbeiten, die zu rächen, die ihm genommen wurden und da das in seiner Welt nicht mehr möglich war, musste er es in dieser tun. Es war zwar nicht dasselbe, doch es war nötig, um seinen Seelenfrieden zu bekommen. Um alle Selbstzweifel auszulöschen.

Er würde nur allzu gern mit jemandem über seine Gefühle reden. Über die Gedanken, die ihn quälten. Doch er hatte Angst. Angst auch in diesen Punkten nicht verstanden zu werden. Und so beschloß er für sich zu leben und diese Sache hinter sich zu bringen. Was danach sein würde, wußte er nicht. Daran wollte er nicht denken, weil er ahnte, dass es ihm dann nicht unbedingt besser gehen würde. Doch er fand keine andere Lösung, um nachts wieder ruhig schlafen zu können. Er würde es durchziehen. Komme was wolle!

 

"Hey Daniel, noch am Arbeiten?"

"Ähm ja, ist ihr Vater schon weg?"

Sam nickte. Sie hatte die kurze Zeit mit ihrem Dad wirklich genossen. Auch wenn dieses kurze Glück zwischenzeitlich getrübt wurde. "Ich mache mir Gedanken über Kawalsky."

"Da sind sie nicht die einzige!"

"Wie meinen sie das?"

Daniel blickte von seiner Arbeit auf und faltete seine Hände zusammen, während er erklärte. "Ich habe mich mal umgehört. Kawalsky scheint kein besonders geselliger Mensch zu sein. Ganz anders, als der alte Kawalsky. Er hat sich in der kurzen Zeit, die er jetzt hier ist, viele Feinde geschaffen, was ihn nicht zu stören scheint."

Sam setzte sich auf einen freien Stuhl, der vor Daniels Schreibtisch stand und nickte bestätigend. "Ich denke, es liegt daran, dass hier einiges anders ist. Er kommt unter anderem wohl nicht mit der Tatsache zurecht, dass die Tok'ra unsere Verbündeten sind."

"Wie wir ja wissen, ist jede Realität anders. Wer weiß, was er alles erlebt hat."

"Aber er könnte doch wenigstens mit uns darüber reden. Vielleicht würden wir ihn dann verstehen!"

"So wie es aussieht, will er das nicht. Er versucht sein eigenes Ding durchzuziehen."

"Er hat irgendetwas vor?"

"Könnte sein."

"Eine Vermutung?"

"Apophis!"

"Apophis?"

"Ist es ihnen noch nicht aufgefallen, wie er sich für ihn interessiert? Er hat mich die letzte Zeit förmlich über das Thema ausgequetscht. Das kann schon nicht mehr normal sein."

Sam musste unwillig schmunzeln. Wenn Daniel von nicht mehr normal sprach, musste allerdings etwas nicht stimmen. Dabei war er doch hier derjenige, für den so gut wie alles normal und erklärbar war. "Was sollen wir tun?" "Wir können nichts tun. Wir können nur abwarten, bis er sich selbst verrät." Da war es wieder, dieses 'abwarten'. Aber im Moment konnten sie nicht mehr tun...oder doch? Sam auf jeden Fall hatte ihren Vorsatz nicht vergessen. Sie würde Kawalsky zur Rede stellen. Wenn nicht heute dann morgen, doch lange aufschieben würde sie es nicht. Sie wollte Antworten. Und sie würde sie bekommen.

 

Bevor Sam schlafen ging, schaute sie noch einmal kurz in der Krankenstation vorbei. Ihre Freundin war wie immer mitten in ihrer Arbeit und schien nicht daran zu denken, in der nächsten Zeit Schluß zu machen. Sie musste an Jack denken. Wie er sich immer aufregte, wenn sie mal eine Extraschicht am Reaktor einlegte. Doch ihre Arbeit machte ihr Spaß. Es war eigentlich schon keine Arbeit mehr. Es war ihr Leben, ihr Hobby. Und den anderen schien es nicht anders zu gehen.

"Hey Sam!"

"Hey." Der Major blickte über Janets Schulter und betrachtete kurz ihre Aufzeichnungen am Computer. Es war Kawalskys, digitalisierte Krankenmappe. Mit Unmengen von Kurven und Zahlen, bei denen Jack wohl nur verständnislos mit dem Kopf geschüttelt hätte. "Irgendetwas ungewöhnliches?"

Janet zögerte eine Weile. Sie war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie einen Moment brauchte, um Sams Frage zu registrieren. "Nein."

"Stimmt irgendetwas nicht?" Sam sah ihre Freundin besorgt an. Sie war doch sonst nicht so nachdenklich und geistesabwesend. "Janet?"

"Ja?" Der Doktor sah müde zu ihr hoch und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Sie hatte in der letzten Zeit kaum ein Auge zugetan. Immer Doppelschichten eingelegt und sich voll in die Arbeit gestürzt.

"Du solltest mal eine Pause machen. Die Krankenstation ist leer, es ist niemand hier, um den du dich kümmern musst." Janet nickte leicht und versuchte zu lächeln, doch so richtig überzeugend war es nicht. Sie konnte niemandem was vormachen. Es gab im Augenblick eine Menge, das ihr durch den Kopf schwirrte. Doch am meisten beschäftigte sie nur eine Sache. Kawalsky. Sie überlegte ob sie Sam, von dem Gespräch zwischen ihm und Jack erzählen sollte. Doch dann besann sie sich auf ihre Ärztliche Schweigepflicht. Sie hatte nicht nach außen zu bringen, was während den Untersuchungen gesprochen wurde. "Ja, ich denke ein bisschen Schlaf könnte nicht schaden." Die junge Ärztin fuhr sich über ihr hochgestecktes Haar und streckte sich einmal ausgiebig, bevor sie den Rechner runterfuhr und aufstand. "Dann wollen wir mal!" Sam legte ihren Arm um Janet und verließ zusammen mit ihr die Krankenstation.

 

Sie gingen an den Privat-Quartieren ihrer Kollegen vorbei, als Kawalsky sie von der Seite rammte. Er hatte sich gerade einen Kaffee am nahegelegenen Automaten besorgt und die beiden in seiner Eile nicht gesehen. Die heiße Bohnen-Brühe landete nur knapp vor Janets Füßen, nach dem sie im Schreck einen Satz nach hinten gemacht hatte. "Das tut mir leid!" sofort hatte er ein Taschentuch aus seiner Hosentasche gezogen und versuchte, die vereinzelten braunen Spritzer, auf Janets Kittel weg zu wischen. Janet war zu überrascht, um etwas zu sagen. Sie hätte nie mit solch einer Hilfsbereitschaft bei dem Major gerechnet. Sam zog Kawalsky wieder nach oben, um ihm mit einer beschwichtigenden Handgeste zu zeigen, dass nichts passiert war. Er sah in das überraschte Gesicht der Ärztin, und für einen Moment stand er da und sah sie nur an. Es war wie eine innere Kraft, die ihn dazu zwang. Er wußte nicht warum, aber irgendetwas faszinierte ihn an ihr. Als er es schaffte seinen Blick von ihr zu lösen, hatte Janet ihre Augen bereits auf den Boden gerichtet und strich sich kurz über ihren befleckten Kittel. "Kein Problem, Major." Sie sah kurz zu Sam auf und versuchte ihr klar zu machen, dass sie weitergehen sollten. Doch Sam verstand nicht. Also zog Janet ihre Freunden am Ärmel hinter sich her, auf kürzestem Wege zu ihrem Quartier. Sie drehte sich noch einem kurz zu Kawalsky um, der immer noch auf der selben Stelle verharrte, an der er sie angetroffen hatte. "Gute Nacht!" rief sie ihm noch kurz zu, bevor sie mit ihrer Freundin hinter einer der unzähligen Türen verschwand.

 

Er versuchte in seinem Geiste zu rekonstruieren, was da gerade passiert war. Was war bloß mit ihm los? Er konnte diese Ärztin nicht leiden, und doch hatte er jedesmal solch ein warmes, gutes Gefühl wenn er sie sah. Er konnte sich das ganze nicht erklären und fuhr sich nachdenklich über seinen Nacken, als er zu Bett ging. Als er hier ankam, hätte er das verstanden, da fand er sie noch sehr sympathisch...naja jetzt eigentlich auch noch. Er schüttelte mit dem Kopf und wiederholte das ganze noch einmal. Er konnte sie nicht leiden und fand sie trotzdem sympathisch? Was denn nun? Die Geschichte überstieg langsam seinen Horizont. Er dachte nur noch wirres Zeug, was ihn sehr wunderte. Er war doch sonst nicht so, warum jetzt auf einmal? Er hatte sich geschworen, nur ein Ziel zu verfolgen und sich um nichts anderes mehr zu kümmern. Doch das Schicksal schien ihm einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen. "Nein, nein, nein!" sagte er zu sich selbst und stieß dabei jedesmal seinen Kopf gegen die kleine Kommode. Er machte das solange, bis sein Kopf dröhnte und ihm schwindelig wurde. Jetzt würde er versuchen sich nur noch auf seine Schmerzen zu konzentrieren. Auf das Pochen in seinem Kopf, bis er eingeschlafen war. Ob das helfen würde?

Nach einer Weile gab er es schließlich auf und beschloß seinem alten Freund Teal'c einen Besuch abzustatten.

 

Er fand ihn vor, wie er es aus der Vergangenheit gewohnt war. Doch etwas war anders.

"Hey, was ist denn das?" Er trat vor und setzte sich neben ihn, während er die Bauchtasche des Jaffa begutachtete. "Haben sie dir das Ding hier noch nicht zugenäht, nachdem sie den Wurm entfernt hatten?"

Teal'c sah den Major fragend an. "Entfernt?"

"Willst du damit sagen..." er stockte, als der Symbiont einige Zentimeter aus Teal'c Bauch kroch und Kawalsky böse anfauchte. Mit einem Satz war dieser aufgesprungen und beobachtete das Schauspiel, bevor er Teal'c noch einen verachtenden Blick zuwarf und aus dem Raum stürmte.

 

"Ich glaub es nicht, ich glaub es einfach nicht!" er fing an im Zimmer hastig auf und ab zu gehen. Er haßte Überraschungen. Er konnte es nicht fassen, als er hier ankam hatte er dieses...dieses Vieh auch noch freundlich begrüßt. Hätte er damals gewußt, das der Goa'uld immer noch in ihm war, hätte er es bleiben lassen. Das ganze wurde immer schlimmer, und er mochte sich gar nicht ausmalen was noch auf ihn wartete.

 

Die Zeit verging. Kawalsky verbrachte die Tage damit, sich in seinem Quartier zu verkriechen und niemanden außer Jack reinzulassen. Auf seine Fragen antwortete er nur, dass er sich im Moment nicht besonders gut fühlen würde und blockte jedesmal ab, wenn Jack Detailfragen an seine Vergangenheit stellte. Kawalsky wußte, dass er den Colonel nicht ewig hinhalten konnte und hoffte nur, dass sie bald wieder auf Mission gehen würden. Doch das dauerte. SG-1 war immerhin nicht das einzige Team in der Basis.

 

Sam hatte vergeblich versucht, mit Kawalsky zu sprechen. Doch sie kam nicht in sein Quartier. Er musste die Tür verbarrikadiert haben. Denn abschließen konnte man sie nicht. Egal wie lange sie hämmerte und rief. Von drinnen kam keine Reaktion und sie wußte, dass er da drin war. So langsam, aber sicher verlor sie jegliche Geduld und war kurz davor die Tür aufbrechen zu lassen. Sie fühlte sich bestätigt. Kawalsky verbarg irgendetwas und er schien zu ahnen, dass Sam ihm auf die Schliche kommen könnte. Also gab sie nicht auf, der Ehrgeiz hatte sie gepackt. Und sie hatte auch einen Plan, wie sie an Kawalsky rankommen würde.

Sam beobachtete, wie Jack seinen Freund besuchte und dieser ihm bereitwillig die Tür öffnete. Sie kochte innerlich vor Wut. Sie rackerte sich hier einen ab, und Jack brauchte nur zu klopfen und die Sache war erledigt. Sie beschloß zu warten, bis der Colonel wieder ging. Danach würde sie dem Major keine Zeit lassen, die Tür undurchgänglich zu machen. Doch das dauerte.

Ungeduldig schaute sie auf ihre Uhr. Sie stand hier nun schon seit geschlagenen drei Stunden, und noch immer war ihre Gelegenheit nicht gekommen. Kawalsky und Jack sahen sich doch jeden Tag, was konnten sie so lange zu bereden haben? Sam fuhr sich ungeduldig durch die Haare, als sich die Tür öffnete. Sofort war sie hinter einer Ecke verschwunden und beobachtete, wie der Colonel in die andere Richtung verschwand. Mit einem Satz stand sie vor der Tür und öffnete sie vorsichtig. Es war, wie Sam gedacht hatte. Sie war noch offen. Sie ging langsam rein und sah in das verblüffte Gesicht des Majors.

"Was wollen sie denn hier?"

"Mit ihnen reden!"

"Es gibt nichts, über das ich mit ihnen reden würde!" Kawalsky warf dem Major einen strengen Blick zu. "Raus!"

"Nein!" Sam hatte sich nun direkt vor Kawalsky gestellt und ihre Haltung machte deutlich, dass sie keinen Gedanken daran zu verschwenden schien, den Rückzug anzutreten. "Ich habe Fragen an sie und sie werden sie mir beantworten."

"Sicher?" Kawalsky hatte dieses selbstsichere Grinsen im Gesicht, das Sam wütend machte. Ihr war klar gewesen, dass es nicht einfach werden würde. Doch dass der Major es verstand, sie so zu reizen, hätte selbst sie nicht für möglich gehalten. 'Tief durchatmen Sam' dachte sie zu sich selbst 'du musst das jetzt durchziehen'. "Was sollte das letztens?"

"Was sollte was?"

"Sie wissen doch ganz genau was ich meine!"

"Nein, weiß ich nicht!"

Sam biss die Zähne zusammen. Sie spielte mit dem Gedanken, ihn irgendwo zu fesseln und so lange zu foltern, bis er ihr endlich vernünftige Antworten gab. Doch im selben Moment wußte sie auch das, das nicht möglich war. "Ich meine die Sache mit meinem Vater!"

"Ihrem Vater? Habe ich den schon einmal gesehen?"

"Sie wissen doch ganz genau, wen ich meine. Warum tun sie das?"

"Warum tu ich was?"

Nun war es vorbei mit Sams Selbstbeherrschung. Sie packte Kawalsky mit einer ungeahnten Kraft an den Schultern und stieß ihn gegen die Wand. "Und ich frage noch mal. Was sollte das mit meinem Vater?" Sie sah ihn böse an. Doch anstatt ihr die lang ersehnte Antwort zu geben, fing der Major nur an zu lachen. Sam verstand die Welt nicht mehr. Er lachte? Über sie? Das konnte doch einfach nicht wahr sein. Mit einem völlig ratlosen Gesichtsausdruck ließ sie von ihm ab und ging einige Schritte zurück.

Kawalsky richtete kurz seine Uniform und sah Sam mit einem schiefen Grinsen an. "Sind sie jetzt böse auf mich? Oh, das tut mir aber leid!"

Sam wollte noch etwas erwidern, als General Hammonds Stimme über die Lautsprecher dröhnte. "SG-1 sofort in den Besprechungsraum!"

Sam war am verzweifeln. Sie hätte noch lange nicht aufgegeben, irgendetwas wäre ihr schon noch eingefallen und nun so was. Ihre Augen bekamen etwas schmales, asiatisches als sie Kawalsky ansah. Dessen Grinsen war nur noch breiter geworden, als er an ihr vorbeiging und die Tür öffnete. "Dann mal los. Sie wollen den General doch nicht warten lassen, oder?"

Eher widerwillig folgte sie ihm. Sie würde schon noch mal Gelegenheit haben ihn zur Rede zu stellen. Irgendwann.

 

Der Rechner hatte mal wieder ein Ziel zum Besten gegeben. Die Sonde zeigte keine interessanten, oder nennenswerten Bilder, doch die Messgeräte ergaben, dass es dort Leben gab. In Kawalsky keimte Hoffnung auf. Jetzt musste es nur noch die Lebensform sein, auf die er die ganze Zeit gewartet hatte. Sie hatten noch zwei Stunden bis zum Aufbruch. Kawalsky verbrachte diese in der Männer Umkleidekabine. In der Sicherheit, dass er Sam hier nicht antreffen würde. Er hätte nicht gedacht, dass sie so hartnäckig sein könnte.

 

Das Stargate öffnete sich. Kawalsky war der Erste, der hindurchtrat. Er war so voller Tatendrang und konnte es kaum abwarten auf der anderen Seite anzukommen. Der Tag war gekommen, sein Tag. Und er würde ihn genießen.

"Ich schlage vor, wir teilen uns auf." Jack wandte sich an sein Team und ließ seinen Blick kurz über alle schweifen, bevor er sich festlegte. "Ich gehe geradeaus. Teal'c und Carter übernehmen den linken Teil. Kawalsky, sie werden sich mit Daniel auf der rechten Seite umsehen. Wir treffen uns in einer Stunde wieder hier am Gate. Wenn jemand von uns was entdeckt, funkt er die anderen an."

"Sind sie sicher, dass sie allein gehen wollen?" Kawalsky war vorgetreten und sah den Colonel fragend an.

"Sieht nicht so aus, als würde heute etwas aufregendes passieren, außerdem sind wir alle ziemlich dicht beieinander." Jack nickte seinen Leuten noch kurz zu und machte sich als erster auf den Weg.

Kawalsky passte es gar nicht, dass er diesem Wissenschaftler zugeteilt wurde. Doch es hätte schlimmer kommen können, und so sagte er nichts.

 

Nach einer Weile trafen sie auf dichtes Unterholz und Daniel hatte Mühe, hier mit dem Major Schritt zu halten. Sie kamen zu so einer Art, Aussichtspunkt, von dort hatten sie einen guten Überblick, über das darunter liegende Tal und auch alles was sich darin befand.

"Goa'uld." war Daniels Bemerkung, "sieht nach Schlangenwachen aus."

"Apophis?"

"Ich denke schon." Er nahm sein Fernglas ab und beobachtete die wenigen Jaffa, die sich um das Raumschiff aufhielten.

"Na dann mal los!" Kawalsky wollte sich aus der Deckung erheben und sich einen Weg nach unten Suchen, doch Daniel hielt ihn zurück.

"Was haben sie vor?"

"Ich werde diesen Kerlen zeigen, was es heißt, sich mit mir anzulegen. Die werden es sich das nächste mal besser überlegen, bevor sie der Erde zu nahe kommen!"

Daniel verstand Kawalskys Aussage nicht. Doch dessen Entschlossenheit wunderte ihn. "Major, ich weiß nicht, was in ihrer Welt alles geschehen ist, aber es ist so oder so zu gefährlich allein dort hinunter zu gehen. Sogar wenn wir komplett wären, wäre das glatter Selbstmord. Wir sollten umkehren und Colonel O'Neill suchen."

"Ohne mich!" Kawalsky sah Daniel mit diesem Blick an, der ihn davor warnen sollte sich in diese Sache einzumischen. Doch Daniel wollte das nicht akzeptieren. Als der Major erneut ihren Standpunkt verlassen wollte, griff der Wissenschaftler nach seinem Hosenbein und zog ihn zurück.

Kawalsky wollte das nicht. Doch er wußte, wenn er heute noch zu Apophis kommen wollte, blieb ihm nichts anderes übrig. Er holte aus und schlug Daniel mit seiner Waffe nieder. Der junge Mann taumelte zurück und tastete seinen Kopf ab, als seine Hand sich rot färbte.

"Was..." weiter kam er nicht, als der Major erneut ausholte und Daniel somit auf schmerzhafte Weise in das Land der Träume schickte.

 

"Hier ist Colonel O'Neill. Carter, Teal'c habt ihr schon was entdeckt?"

"Hier ist Carter. Sir, Goa'uld-Raumschiff in Sicht. Wir sollten sehen, dass wir hier wegkommen!"

Es knackte kurz in der Leitung, ehe Jacks Stimme sich wieder über das Rauschen der Funkgeräte erhob. "Wir sammeln Kawalsky und Daniel noch ein. Dann gehen wir wieder nach Hause!"

"Aber Sir, warum funken wir sie nicht an?" Jack zögerte. Er ahnte, dass etwas nicht stimmte und hatte die böse Vermutung, dass sie nicht so einfach zurückkommen könnten. "Ich kann sie nicht erreichen, over and out!"

Sam sah zu Teal'c hoch. Der Jaffa zog seine Augenbraue nach oben und sah Sam fragend an. "Was hat das zu bedeuten?"

"Offenbar nichts Gutes." Sie standen auf und gingen in die Richtung, in der sie den Major und den Doktor vermuteten. Sam ahnte, was hier vor sich ging. Und sie hoffte bei Gott, dass sie sich irrte.

 

Kawalsky hatte sich nun nahe genug heran gepirscht, um auf die ersten Wachen zu treffen. Auf sie schießen konnte er nicht. Er würde damit die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Also sprang er aus seiner Deckung und schlug sie im Überraschungsmoment nieder. Jetzt wäre der weitere Weg frei. Und er präparierte sich, um ungestört vorwärts zu kommen.

 

Als Sam und Teal'c auf dem kleinen Hügel ankamen, trafen sie auf Jack, der sich über Daniel beugte.

"Oh mein Gott, was ist passiert?" Sam war herangestürmt und kniete neben dem Colonel, während sie das Verbandszeug aus ihrem Rucksack kramte.

"Sieht so aus als wären sie entdeckt worden."

"Und Kawalsky?"

"Den haben sie mitgenommen." Daniel war immer noch bewußtlos, als Sam die Wunde an seinem Kopf verband und damit die Blutung stoppte.

"Wie sieht's aus?"

"Er schient weiter keine Verletzungen zu haben. Er dürfte bald wieder aufwachen."

"Ich meine, was wir jetzt machen sollen."

"Sir?"

"Kawalsky ist irgendwo da unten." Er zeigte in das Tal, indem das Schiff lag. "Wir müssen ihn da raus holen!"

"Sir, das ist zu gefährlich."

"Sie haben recht, wir sollten Verstärkung holen."

"Sir!" Sam lenkte den Blick des Colonels auf sich und sah ihm fest in die Augen. "Wir bringen uns und die anderen Teams damit in Gefahr!"

"Das ist mir klar."

"Sir, wir können nichts ausrichten. Sie sind mit einem Raumschiff hier. Es ist zu riskant!"

"NEIN!" Jack war aufgesprungen und sah Sam verstört an. "Wir werden ihn nicht dort sterben lassen!"

"Aber Sir..."

"Ich will nichts mehr hören. Teal'c, du übernimmst Daniel. Wir kehren zum Stargate zurück." Er drehte sich noch einmal zu Sam um. Sein Blick hatte etwas trauriges, verzweifeltes an sich. Und er musste sich anstrengen, um das Schwanken in seiner Stimme zu verbergen. "Und wir holen Verstärkung!"

 

Er hatte es geschafft. Es war zwar ein wenig Schauspielerei und die Rüstung, einer der überwältigten Jaffa's nötig, aber er hatte es geschafft. Er befand sich nun im Innern des Raumschiffes. Jetzt musste er nur noch Apophis finden. Die Rüstung gestaltete sich als ziemlich unbequem und behindernd. Und er hatte Mühe, seine Waffe darunter zu verbergen. Doch bis jetzt war niemandem der Schwindel aufgefallen. Er brauchte eine Weile, um den Thronsaal zu finden. Der Eingang war weit geöffnet und bot ihm nun Einblick, in den mit Gold verzierten Saal. Wut stieg in Kawalsky hoch. Diese Kerle gehörten nicht hierher, sie gehörten in das letzte Loch gesperrt! Er holte seine MP hervor und lud sie durch. Mit der Waffe im Anschlag betrat er vorsichtig den Raum.

 

"Jack?" als Daniel aufwachte drehte sich die Welt um ihn herum. Sein Kopf dröhnte und die ständige Schaukelei machte seinem Magen zu schaffen.

"Ja?" Jack drehte sich zu Teal'c um, der den jungen Wissenschaftler langsam zu Boden ließ und stützte. "Kawalsky ist..."

"Wir wissen Bescheid Daniel."

"Aber er..." Daniel wurde von dem tosenden Geräusch des sich öffnenden Stargates unterbrochen. Als sie auf der anderen Seite waren, wollte Daniel fortfahren, doch er wurde sofort auf eine Trage gehievt und in die Krankenstation gebracht.

 

"Was ist passiert?"

"Sir." O'Neill drehte sich zu seinem Vorgesetzten um und sah diesen bittend an. "Wir sind auf Goa'uld gestoßen. Sie haben Kawalsky und ich..."

"Sie bitten um Verstärkung?"

"Ja, Sir!"

General Hammond zögerte. Sicher, die Bergung eines Kameraden war wichtig. Es würde gefährlich werden, doch er vertraute seinem Colonel und stimmte zu. "SG-5 und SG-8 werden sie begleiten."

"Danke, Sir!" Jack war erleichtert. Für einen Moment hatte er damit gerechnet, dass General Hammond die Hilfe verweigern würde. Doch er kannte ihn lange genug, um es besser wissen zu müssen. 10 Minuten später waren alle im Stargate-Raum versammelt und zum Abmarsch bereit. Jack hoffte nur, dass es nicht schon zu spät war.

 

Das Team verschwand in der blauen, zähflüssigen Masse. Als das Tor sich wieder geschlossen hatte, stürmte Janet in den Raum. "Colonel!" rief sie noch, doch es war bereits zu spät. Daniel hatte ihr alles erzählt. Janet fühlte sich nun in ihrer Vermutung gegenüber dem Major bestätigt. Colonel O'Neill konnte sie nicht mehr warnen und so kam sie ihrer Pflicht nach und machte sich auf den Weg zu General Hammond.

 

Kawalsky konnte sein Glück kaum fassen. Er war allein im Thronsaal. Allein mit Apophis. Dieser saß hoch oben auf seinem Platz und sah mit einem erstaunten Gesichtsausdruck zu dem Major hinunter. "Wer bist du?"

"Dein schlimmster Alptraum!" Kawalsky richtete den Lauf seiner Waffe auf den Goa'uld, als plötzlich Unmengen von Jaffa's hereinstürmten. Kawalsky war überrumpelt worden. Im wurde klar, dass er hier nicht mehr heil herauskommen würde. Doch das war ihm egal. Er hatte es geahnt und in seinem Plan eingebaut.

"Du bist tot!" rief er zu Apophis rauf, doch dieser lächelte nur selbstgefällig und winkte dem Major zu.

"Na los, worauf wartest du? Töte mich!" Darum ließ sich Kawalsky nicht zweimal bitten. Er drückte ab und ließ die Salven seines Maschinengewehrs über Apophis fallen. Doch anstatt ihn damit zu töten, leuchtete der Schutzwall des Goa'uld auf und machte damit die Pläne des Menschen zu nichte. Kawalsky war geschockt. Damit hatte er nicht gerechnet. Als die Jaffa um ihn herum sich langsam näherten, drehte er sich um und schoß wie wild um sich. "Ihr Mistviecher!" schrie er aus seinem Zorn heraus und beobachtete, wie seine Schüsse trafen und einige der Wachen zu Boden gingen. Doch egal, wieviele er tötete, aus allen Ecken kamen immer mehr von diesen Wesen heraus.

Als er seine Munition verschossen hatte und versuchte seine MP nachzuladen, wurde er überwältigt und zu Boden gerissen. Ihre Tritte trafen dort, wo es am meisten wehtat. Als er dachte an seinem eigenen Blut, das sich in seinem Mund sammelte, ersticken zu müssen, wurde er hochgezerrt und vor Apophis auf die Knie geworfen.

"Einfältiger Tau'ri!" er blickte von oben, auf den blutspuckenden Menschen herab und winkte seinen Jaffa-Wachen kurz zu. Sie hievten den fast Bewußtlosen Mann hoch und schleiften ihn den Gang hinaus.

 

Mittlerweile hatten sie den Hügel erklommen und blickten auf das Goa'uld Schiff hinunter. Es waren weit und breit keine Wachen zu sehen, was Jack sorgen machte. Er schaute zu Teal'c hoch, der seine Befürchtung bestätigte.

"Es sieht so aus, als wollten sie den Planeten verlassen."

Jack wußte, dass sie sich jetzt beeilen mussten. Sonst würde das Raumschiff ohne sie starten, und die Chance Kawalsky zu retten würde auf null sinken. Mit einem Satz sprang er nach vorne und rutschte den Abhang hinunter. Die anderen folgten ihm. Jack war klar, dass sie somit ihre Deckung aufgegeben hatten und nun ein perfektes Ziel waren. Doch unerklährlicherweise wurden sie nicht aufgehalten und gelangten scheinbar unbemerkt hinein.

 

"Teal'c, schnapp dir ein paar Leute und verhinder', das dass Ding hier abhebt!" Der Jaffa nickte kurz, bevor er sich mit drei Mann auf den Weg machte. Jack, Sam und zwei weitere Soldaten wagten sich ebenfalls weiter hinein. Der Rest sicherte den Ausgang.

Es war zu einfach, um wahr zu sein. Jack hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Er wollte so schnell wie möglich wieder weg von hier, aber nicht ohne Kawalsky!

Als sie schon glaubten, sich unbemerkt frei bewegen zu können, wurden sie von hinten angegriffen und überrumpelt. "Ich habs gewußt." Sie wurden durch Unmengen von Gängen geführt. Bis sie schließlich vor einer grauen Stahltür anhielten. Einer der Wachen öffnete sie und stieß die vier hinein.

 

Es war kalt, dunkel und muffig. Jack brauchte eine Weile um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, als er bemerkte, dass sie nicht allein waren.

Zuerst war es nur ein schwerfälliges Atmen, das er wahrnahm. Dann fing dieser Kerl an zu husten und sich zu übergeben. Jack dachte an einen abtrünnigen Jaffa, oder sonstigen Gefangenen. Er setzte sich in eine Ecke und sah sich um. Es gab keine Fluchtmöglichkeit. Nach draußen ging es nur durch die Tür und diese wurde bewacht. "Verdammt!" er schlug die Hände über dem Kopf zusammen und schloß die Augen.

"Jack?" es war ein leises, mühseliges flüstern, doch der Colonel hatte es sofort verstanden. Und er erkannte die Stimme.

"Kawalsky, sind sie das?"

Die dunkle Gestalt fing wieder an zu husten und krümmte sich dabei vor Schmerzen, bevor sie antwortete. "Ja ich bins." Jack zog seine Taschenlampe hervor. Das Einzige, was man ihm nicht abgenommen hatte und durchleuchtete den Raum. Als er Kawalsky erkannte, wäre sie ihm vor Schreck fast aus der Hand gefallen. Mit einem solchen Anblick hatte er nicht gerechnet...

 

 
Kapitel 3: Lebenslinien

 

Sein Gesicht glich einem gesprengten Minenfeld. Das war zwar eine eher sarkastische Bezeichnung doch mehr viel Jack dazu nicht ein. Er konnte es nicht in Worte fassen. Und wenn er alle, auf den ersten Blick ersichtlichen Wunden und Verletzungen aufgezählt hätte, hätten sie sich auf einen längeren Aufenthalt freuen können.

Jack grübelte gerade, was außer in Kawalskys Gesicht, in seinem Inneren nicht in Ordnung war, als Sam als Erste das Wort ergriff.

Obwohl sie sich eigentlich hätte freuen können, dass man Kawalsky sein Maul gestopft hatte, tat er ihr doch leid. Sie wollte in diesem Moment nicht in seiner Haut stecken. Man sah ihm an, wie schlecht es ihm ging. Und obwohl dieses Teufelchen in ihrem Kopf sie dazu verleiten wollte ihren Triumph auszukosten, siegte ihre Menschlichkeit und ihre nicht nachtragende Art.

"Mein Gott, Major. Was haben die mit ihnen angestellt?"

"Das Einzige, dass diese Würmer zu stande bringen." Die Antwort war schwach und doch konnte man Kawalskys Wut heraushören, die dahinter steckte.

"Sie hätten nicht herkommen sollen. Die Sache geht nur mich und Apophis etwas an."

"Bitte?" Jack sah seinen Freund fragend an.

"Hätten wir zulassen sollen, dass sie entführt und gefoltert werden? Sie sind Mitglied des SGC. Die Sache geht uns sehr wohl etwas an!"

"Entführt?"

"Ja! Wie wollen sie es sonst nennen?"

Kawalsky schüttelte leicht mit dem Kopf. Auch wenn er kurz danach feststellen musste, dass dies keine besonders gute Idee war. Doch er musste sich ausdrücken. Er musste die Dinge klarstellen, von denen hier eine völlig verdrete Version präsent war. "Ich bin weder entführt, noch gefoltert worden. Wie kommen sie bloß darauf?"

"Na, Daniel. Wir haben ihn gefunden und dachten..."

"Das er von Goa'uld niedergeschlagen wurde?" Jack nickte, immer noch mit diesem fragenden Ausdruck in den Augen.

"Ich dachte, er hätte es ihnen erzählt."

"Erzählt? Was? Was ist hier eigentlich los?" Der Colonel sah zu Sam rüber, doch ihr Blick war auf Kawalsky gerichtet. Sie sah so...erlöst aus. Als ob sie die ganze Zeit auf etwas gewartet hätte, das sich nun erfüllen würde. Jack konnte damit nichts anfangen und richtete sich wieder an Kawalsky, der zu erklären begann.

"Ich bin nicht immer ganz ehrlich zu ihnen gewesen. Es gibt ein paar Dinge, die ich euch verschwiegen habe."

Sam wurde hellhörig. Sie hatte es geahnt. Nein, sie hatte es gewußt. Die Warterei hatte sich gelohnt. Es würde sich alles aufklären und sie würden endlich die Wahrheit erfahren. Doch zu welchem Preis? Hätte es denn unbedingt so weit kommen müssen, bis Kawalsky auspackte? Im Moment schien es so. Das machte nachdenklich. Was hätte ihnen alles erspart bleiben können, wenn er nicht so lange gewartet hätte, wenn er früher mit ihnen geredet hätte? Doch Kawalsky schien ein Mensch zu sein, der bis zum äußersten ging. Egal um welchen Preis.

 

"In meiner Realität, waren die Tok'ra anfangs auch Freunde der Erde. Aber es stellte sich heraus, dass sie zwar gegen Ra, aber anscheinend nicht gegen Apophis waren. Sie haben unser Vertrauen genossen und sich gleichzeitig mit den Goa'uld verbündet. Es hat einige Zeit gebraucht, bis wir das rausfanden. Doch da war es schon zu spät. Wir konnten eine Invasion nicht mehr verhindern. Der Feind war in der Überzahl und so hatten wir nur die Möglichkeit, die Erde zu evakuieren."

Sam saß da und hatte diesen entgeisterten Gesichtsausdruck. Sie verstand nun, warum Kawalsky so feindselig auf ihren Vater reagiert hatte. Doch es kam noch besser.

"Einige SG Einheiten und Soldaten des Stargate Centers gehörten zu den sogenannten Savemans. Unsere Aufgabe bestand darin, die Leute sicher auf die andere Seite zu bringen und nachzukommen, wenn unsere Aufgabe erfüllt war. Leider haben wir es nicht geschafft. Als die Goa'uld und die Tok'ra angriffen, waren wir noch nicht fertig. Viele wurden getötet. Unter anderem auch meine Frau."

Er schluckte. Es viel ihm schwer genug in seinem Zustand zu reden. Doch die erneute Aufarbeitung der Geschehnisse, machte ihm zu schaffen. Es lief alles in Bildern vor seinem inneren Auge vorbei. Bilder, die er für immer vergessen wollte, sich aber aus seinem Unterbewußtsein nicht löschen ließen.

"Ich war der Einzige, der sich durch den Quantenspiegel retten konnte. In dieser Realität angekommen habe ich beschlossen, mich an Apophis für ihren Tod zu rächen. Ich wußte, dass sie mich daran hindern würden, daher habe ich es ihnen nicht erzählt. Als ich mit Daniel hier ankam, wollte ich mich an die Ausführung des Plans machen, doch er ließ mich nicht gehen. Da habe ich ihn niedergeschlagen." Er sah in die entsetzten Gesichter der anderen. Seine Augen füllten sich mit Tränen.

"Ich wollte niemandem schaden. Ich wollte das hier nur durchziehen und vergessen. Mir selbst vergeben. Hätte ich besser auf sie aufgepasst, hätte Apophis sie nicht....es tut mir leid. Es war einfältig zu glauben, dass ich allein gegen Apophis ankommen würde." Er verbarg sein Gesicht in seinen blutverkrusteten Händen. Er kam sich vor wie der letzte Versager. Er hatte seine Freunde belogen, seine Frau sterben lassen und war noch nicht einmal im stande gewesen, den Feind zu töten.

Er hatte alles vermasselt. Und er haßte sich dafür.

 

Sam wischte sich über ihre feuchten Augen. Die Worte des Majors waren zu erschütternd gewesen, um reaktionslos zu bleiben. Sie verstand ihn jetzt. Und kam zu dem Entschluss, dass sie in seinem Fall nicht anders gehandelt hätte. Und er hatte recht gehabt. Hätte er ihnen von seinem Vorhaben erzählt, hätten sie ihn daran gehindert. Selbst wenn er es geschafft hätte, Apophis unschädlich zu machen, hätte er diesen Einsatz niemals überlebt. Doch Sam wurde klar, dass er das gewußt hatte. Und sie bekam ein völlig anderes Bild von dem Major. Er wollte sterben. Er konnte so nicht weiterleben. Er muss sie sehr geliebt haben, dass er sein restliches Leben ihrer Rache widmete.

Sie kroch zu ihm hinüber und nahm seine Hände von seinem Gesicht. Er sah sie mit diesem leeren Blick an. Als sie seine Hand drückte und ihm, mit dem Ärmel ihrer Uniform, die Tränen von den blutunterlaufenen Augen wischte. Sie wußte nicht was sie sagen sollte. Also legte sie ihre Gedanken in Gesten und verharrte so neben ihm.

 

Jack betrachtete das ganze schweigend. Vor ihm saß nicht mehr Charly, der Mensch mit dem er jahrelang in der Armee gedient hatte. Sondern Major Charles Kawalsky. Er war immer noch sein Freund, doch er war ihm so fremd geworden. Jack verstand jetzt, was Sam damals meinte, als sie sagte, dass Kawalsky nicht gleich Kawalsky sei. Er hatte ihr nicht geglaubt. Er hatte es verdrängt, auch wenn die Unterschiede in einigen Momenten nicht zu übersehen waren. Er wollte es damals nicht wahrhaben. Er hatte sich zu sehr an seine Erinnerungen geklammert. Das war ein Fehler gewesen. Das musste er jetzt akzeptieren. Er dachte daran, was er alles anders hätte machen können. Dann wären sie jetzt vielleicht nicht hier.

Dann wäre einiges nur eine böse Vorahnung geblieben und nicht zur Tatsache geworden.

Kawalsky wußte, was Jack dachte. Ob in dieser Realität oder in seiner, er kannte Jack lange genug um es in seinem Gesicht lesen zu können.

"Sie trifft keine Schuld. Es war mein Fehler. Es tut mir leid."

Er sah ihn mit diesem gequälten Blick an, bevor er sich zur Seite beugte und sich übergab. Sam hielt immer noch seine Hand fest in ihrer, als sie zu Jack rüber sah. Jack verstand. Er sah sich erneut in ihrem Gefängnis um. Sie mussten einen Weg finden, hier heraus zu kommen. Wenn sie zu lange warten würden, würden sie so bleiben, wie sie hier herein gekommen waren. Zu viert.

"Sie müssen sehen, dass sie hier weg kommen, bevor Apophis weiß, was er mit ihnen anstellt."

Jack nickte.

"Wir könnten versuchen die Wache zu überlisten, und dann auf dem schnellsten Weg raus. Kawalsky, glauben sie, sie schaffen das?"

"Ich werde nicht mitkommen."

"Was?!?"

der Colonel sah ihn ungläubig an. Jetzt war er endgültig verrückt geworden.

"Ich bin nur eine Belastung für sie und außerdem...wo sollte ich denn hin? Zurück auf die Erde?" "Äh...Ja!"

"Ich habe keine Lust, den Rest meines Lebens im Gefängnis zu verbringen."

"Wenn sie hier bleiben, sterben sie oder werden zu einem Wirt!"

"Und wenn schon. Ich habe kein Leben mehr."

Die Leere in Kawalskys Blick machte Jack Sorgen. Er meinte es ernst. Doch Jack wußte auch, dass er es sich selbst nie verzeihen würde, wenn er ihn hier zurücklassen würde. "Nur wenn sie mitkommen, werden sie jemals wieder die Chance bekommen, auf Apophis zu treffen."

Kawalsky sah zu ihm hoch. Er wußte, dass er recht hatte und doch hatte er Bedenken. Aber er sagte nichts. Denn er wußte, dass der Colonel ihm widersprechen würde.

 

"Hilfe! Wir brauchen Hilfe!"

Jack hämmerte gegen den kalten Stahl und schrie so laut er konnte. Es dauerte eine Weile, bis die Wache reagierte und die Luke öffnete.

"Was willst du Mensch?"

"Er stirbt! Er stirbt!" er zeigte auf Kawalsky, der dicht neben Sam kauernd auf dem Boden lag und keinen Atemzug mehr tat. Der Jaffa schloß die Luke wieder und öffnete zusammen mit einem zweiten die Tür. Mit hoch erhobenen Stabwaffen betraten sie die Zelle und wollten nach dem Menschen sehen, als sie von hinten niedergeschlagen wurden.

"Das klappt doch jedesmal." Jack nahm den beiden die Waffen ab und reichte eine an einen der Soldaten weiter.

"Los raus hier!"

Er griff nach Kawalsky und wollte ihm aufhelfen, doch dieser stieß seine Hand weg. "Colonel, achten sie nicht auf mich. Verschwinden sie!"

"Genau das werde ich tun, aber nicht ohne sie!"

Er zog ihn zu sich hoch und stützte ihn, während sie die Zelle verließen und die Tür hinter sich verschlossen. Kawalsky hatte Mühe zu gehen. Die Schmerzen fuhren durch seinen Körper und bildeten Krämpfe in seinen Gelenken. Sie kamen nur langsam vorwärts und Kawalsky wußte das es an ihm lag. Doch Jack wollte das nicht hören. Er würde ohne ihn nicht gehen. Und so tat der Major sein bestes.

 

Jack versuchte sich an den Weg zu erinnern, doch alles sah gleich aus. Er folgte seinem Instinkt und seinem gut trainierten Orientierungssinn. Hin und wieder mussten sie sich in den zahlreichen Gängen des Schiffes verstecken, um nicht auf Goa'uld zu treffen. Für einen Nahkampf waren sie nicht gerüstet.

Kawalsky kam ihr Standpunkt plötzlich bekannt vor. Er war schon einmal in diesem Teil des Palastes gewesen. Er wollte es Jack noch sagen, als sie plötzlich mitten drin standen. Im Thronsaal.

 

"Oh, nicht doch!"

Jack drehte sich um und wollte wieder gehen. Doch der Eingang wurde blockiert.

"Immer wieder schön dich zu sehen!"

Apophis schmunzelte über die Bemerkung des Colonels. Er ließ sein Schutzschild kurz aufblitzten und sah sie siegessicher an. "Kniet nieder vor eurem Gott!"

"Du weißt, ich hab's mit der Bandscheibe, ein anderes Mal vielleicht."

Jack machte einen Schritt in Richtung Tür, als der Goa'uld ihm sein Handmodul entgegenstreckte. Hinter ihm versammelten sich Jaffa's und machten die Tür so undurchgänglich. "Das wäre auch zu schön gewesen." Jack wurde der Ernst ihrer Lage unmittelbar bewußt. Sie waren dem Feind schutzlos ausgeliefert. Auch die zwei Stabwaffen waren im Moment keine große Hilfe.

"Was hast du jetzt vor? Willst du uns...töten?"

"Du hast es erfasst!" Die rote Halbkugel des Handmoduls leuchte auf. Apophis Augen glühten in diesem kalten gelb und machten die Freude über seinen Triumph deutlich.

"Colonel, da hinten." Kawalsky neigte seinen Kopf leicht in die Richtung des Throns, an dessen Seite goldverzierte Dolche lagen.

"Wie sollen wir da ran kommen?"

Kawalsky sah aufmunternd zu seinem Freund hoch, bevor er sich von ihm löste und einige Schritte auf den Goa'uld zu ging. Sich schützend vor seine Freunde stellend.

"Kawalsky, was haben sie vor?"

"Das ist ihre Chance machen sie schon!"

"Er wird sie töten!"

Kawalsky drehte sich noch einmal zu Jack um und sah ihn mit diesem traurigen Blick an. "Ich bin doch schon tot!"

Er schaute dem Goa'uld fest in die Augen, bevor er einen weiteren Schritt auf ihn zu ging, um ihn ins Gesicht zu spucken.

"Los du Wurm, worauf wartest du?"

Apophis Augenbrauen zogen sich ärgerlich zusammen, bevor der Energiestrahl des Handgeräts freigesetzt wurde und den Major zu Boden zwang. Jack wußte, nicht was er tun sollte. Er war von diesem Anblick und von Kawalskys Entschlossenheit wie gelähmt.

 

Die Augen des Majors blickten wirr umher. Sein Körper war starr und wurde von immer fortwährenden Energiewellen erschüttert. Der Druck in seinem Kopf stieg und wurde unerträglich. Er versuchte sich abzulenken, sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Doch er konnte nicht. Er sah nur, wie die Welt um ihn herum sich zu drehen schien. Er konnte seinen Blick auf keinen imaginären Punkt mehr richten. Er hatte die Kontrolle über seinen Körper verloren.

Alles hat ein Ende und seine Zeit war jetzt wohl gekommen. Er hörte noch, wie Jack seinen Namen schrie, als dieses blendende Licht erlosch und alles um ihn herum dunkel wurde.

 

Jack konnte nicht fassen, was da gerade passiert war. Er hatte ihn schon wieder verloren. Seinen besten Freund. Obwohl er sich geschworen hatte, es mit allen Mitteln zu verhindern.

Er hatte sein Leben gegeben, um ihnen eine Chance zu geben. Und sie hatten sie nicht genutzt. Er sah zu dem Thron hoch. Das Ziel war zum greifen nahe und doch kamen sie nicht dran. Jetzt wo Apophis ihnen wieder seine volle Aufmerksamkeit schenkte, war es unmöglich.

Jack senkte seinen Blick und atmete tief durch. Er aktivierte die Stabwaffe und feuerte sie auf den Goa'uld. Das Schutzschild leuchtete grell auf und machte deutlich, dass es sinnlos war. Doch Jack reagierte nicht darauf. Er wußte das. Und doch hörte er nicht auf. Immer und immer wieder schoß er und schrie. Es war befreiend. Er drückte in diesem Moment seine ganze Wut, seinen Zorn und seine Trauer aus und es war ihm egal, ob es was brachte oder nicht.

 

Die Jaffa's wollten den Kampf beginnen, doch ihr Gott machte ihnen mit einem Handwink deutlich, dass sie sich zurückhalten sollten. Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht, beobachtete er O'Neills verzweifeltes Handeln. Er hatte es geschafft. Er hatte den Menschen mehr verletzt, als er es jemals mit seinen Waffen hätte vollbringen können. Der verzweifelte Blick, die Tränen in seinen Augen, das alles gab dem Goa'uld ein gutes Gefühl. Er fing an zu lachen. Er japste nach Luft und kostete seinen Triumph über einen seiner größten Feinde mit vollen Zügen aus. Doch das Glück blieb ihm nicht lange.

 

Ein plötzlicher Tumult brach hinter ihm aus. Seine Jaffa's schoben ihn weiter in den Saal hinein und stellten sich dem Feind. SG-8, die an der Tür postiert waren, mussten Hilfe geholt haben. Nahezu jede verfügbare SG-Einheit war anwesend und feuerten mit ihren Waffen um sich. Ehe Jack sich versah, war er mittendrin. Er nutzte die Unübersichtlichkeit des Kampfes und kroch zu Kawalsky. Er schob Sam die Stabwaffe zu und zog seinen Freund auf die andere Seite des Throns. Dorthin wo der Sarkophag stand. Zusammen mit der jungen Frau hievte er den Leblosen Körper hinein und sah zu, wie die flügelartigen Klappen, der in Gold getränkten Technologie, sich langsam schlossen. Jack blieb so lange dort stehen, bis er das Gesicht des Majors nicht mehr sehen konnte und schloß sich dann der Schlacht an.

Er kämpfte sich zu Teal'c vor. Rücken an Rücken schossen sie ihre Stabwaffen ab und sahen zu, wie der Widerstand immer kleiner wurde. Apophis konnte man nirgends mehr entdecken. Er schien sich aus dem Staub gemacht zu haben. Die wenigen Jaffa, die den Angriff überlebt hatten, folgten seinem Beispiel bald und verschwanden in den endlosen Gängen des riesigen Bauwerkes.

Langsam senkte er seine Waffe und sah sich um. Sie schienen keinen einzigen Mann verloren zu haben. Die Soldaten jubelten über ihren Sieg, während Jack sich nach dem Sarkophag umdrehte. Der Deckel war wieder offen. Doch wo war Kawalsky? Hastig drehte er sich in alle Richtungen, als jemand ihm von hinten an die Schulter tippte.

"Sie gönnen mir aber auch gar nichts!"

"Sie haben es erfasst, Kawalsky!"

Jack klopfte ihm auf die Schulter und sah ihn erleichtert an. Der Major stand nun wieder lebendig und gesund vor ihm. Obwohl Kawalsky es nicht wahrhaben wollte, fühlte er sich doch gut. Es war wohl sein Schicksal. Und seinem Schicksal kann man nicht entgehen. Irgendjemand da oben wollte ihn wohl nicht so einfach ohne eine zweite Chance gehen lassen. Und so folgte er den anderen. Dicht gefolgt von Jack, der das Grinsen gar nicht mehr aus seinem Gesicht bekam. Er wußte ganz genau, was Kawalsky dachte. Und das bestätigte, dass er das richtige getan hatte.

 

Auf ihrem Rückzug trafen sie auf keinen weiteren Widerstand. Und obwohl sie in der Überzahl waren, unterließen sie es, den Systemlord aufzusuchen, um ihn unschädlich zu machen. Vorrang hatte jetzt, die verletzten Soldaten nach Hause zu bringen. Die Gelegenheit würde schon kommen. So, wie es immer der Fall war.

Kawalsky lief ein wenig abseits neben ihnen her. Er dachte über die Zukunft nach. Was ihn wohl in seinem neuen Leben erwarten würde. Er würde sich in einigen Dingen mächtig umstellen müssen, um hier problemlos zu existieren. Und er musste an einem neuen Image arbeiten, wenn er nicht weiter zusehen wollte, wie die anderen ihn mieden. Jetzt, wo er wußte, dass er mit ihnen in der nächsten Zeit auskommen musste, war es ihm nicht mehr egal. Er wollte der Verkörperung, des Kawalsky, den die meisten hier kannten, gerecht werden. Dort anfangen, wo er in seiner Welt aufgehört hatte. Auch wenn es nicht immer leicht sein würde.

 

Als sie im SGC eintrafen, wurden sie bereits erwartet. General Hammond, gefolgt von Doktor Fraiser und zwei Soldaten, betraten den Kontrollraum nach ihrer Ankunft.

"Geht es ihnen gut?"

"Ja, Sir. Danke der Nachfrage."

Der General nickte den zwei Soldaten kurz zu , die sich umgehend auf die Suche nach Kawalsky machten. Jack sah seinen Vorgesetzten fragend an.

"Was haben sie vor?"

Er drehte sich kurz zu seinem Freund um und musste mit ansehen, wie ihm Handschellen angelegt wurden.

"Was zum...General, was soll das?"

"Major Kawalsky wird unter Arrest gestellt, bis wir entschieden haben, wie wir weiter mit ihm verfahren!"

"Sir, das können sie nicht tun!"

"Kawalsky hat sie durch seinen Alleingang alle Gefahr gebracht. Außerdem hat er ein Mitglied des Stargate-Programmes schwer verletzt. Dies alles sind Dinge, die gegen die Regel verstoßen und bestraft werden müssen!"

Jack fühlte sich hilflos. Er wußte das der General recht hatte, doch er wußte nicht, was er von dem Major erfahren hatte, was er für sie getan hatte.

"General, er hat uns das Leben gerettet!"

"Durch ihn sind sie erst in diese bedrohliche Situation geraten! Ich dulde keine weitere Widerrede. Major Kawalsky kommt in die Arrestzelle, bis geklärt ist, was mit ihm geschieht!" Der General verließ den Kontrollraum und ließ Jack dort zurück. Er wollte ihm folgen, noch etwas sagen, versuchen ihn umzustimmen. Doch Kawalsky hielt ihn zurück.

"Er hat recht Colonel. Machen sie ihm keinen Vorwurf."

Er nickte ihm noch aufmunternd zu, bevor er sich abführen ließ.

 

Für Jack wurde klar, dass die Schlacht jetzt erst begonnen hatte. Er hatte es geschafft, Kawalsky aus dem Goa'uld-Schiff zu bekommen und er würde es auch schaffen, ihn vor einer Strafe zu bewahren. Wie er das anstellen sollte, wußte er nicht. Doch er kannte den General. Er würde einen Weg finden.

Irgendwie war alles möglich.

 

"Wie geht es ihnen?"

Jack setzte sich auf einen freien Stuhl und sah den Major erwartend an, der sich auf seiner Pritsche aufrichtete und sich müde durchs Gesicht fuhr.

"Wie soll es mir denn gehen?"

"Ich weiß nicht. Deshalb frage ich ja."

"Sie hätten mich drüben lassen sollen."

"Reden sie keinen Unsinn!" Jacks Gesichtsausdruck wurde ernster.

"Wäre es ihnen wirklich lieber gewesen tot zu sein?"

"Ja."

Jack schluckte. Er hatte diese Antwort erwartet und trotzdem gehofft, dass der Major diese Einstellung abgelegt hätte.

Er dachte an damals, als sein Sohn starb und er sich die Schuld gegeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich mehr, als einmal gewünscht tot zu sein und es auch fast wahrgemacht. Doch die Zeit heilt alle Wunden, wenn auch nur oberflächlich. Man lernt damit zu leben und zu akzeptieren, dass man das Vergangene nicht rückgängig machen kann.

Kawalsky stand am Anfang dieser Treppe. Und es war ein langer Weg nach oben.

"Ich werde mit General Hammond reden. Es wir schon wieder werden!"

Kawalsky schenkte dieser Bemerkung nur ein zynisches Lachen.

"Das glauben sie doch selbst nicht! Es ist zu viel passiert, egal was kommt, ich denke ich habe es verdient. Es lohnt sich nicht, sich an einen Strohhalm zu klammern, der am Untergehen ist, Colonel!"

"Sie dürfen die Hoffnung nicht aufgeben!"

"Ja, ja. Wie heißt es doch...die Hoffnung stirbt zuletzt, oder? Schwachsinn! Sparen sie sich die Mühe. Es ist zu spät!"

Mit diesen Worten legte er sich wieder hin und machte somit deutlich, dass er zu diesem Thema nicht mehr beizutragen hatte.

Jack nahm das eher widerwillig zur Kenntnis. Er wußte, wie es war, wenn man aufgibt und beginnt, vor sich hin zu vegetieren. Aber er wußte auch, dass alles anders kommen kann, als man denkt. Er stand auf und ließ sich von den zwei Wachen die Tür öffnen. Er würde mit dem General reden. Es mußte eine Lösung zugunsten von Kawalsky geben und er würde sie finden!

Es wurde wieder still im Zimmer. Kawalsky genoss das. Wie er sie in der letzten Zeit gemieden hatte, so sehnte er sich jetzt nach ihr. Nach ewiger Ruhe.

Er versuchte einzuschlafen, als die Tür erneut geöffnet wurde. Sam kam herein und stand nun etwas betreten vor ihrem Kollegen, der sie aus den Augenwinkeln anblinzelte.

"Ist heute meine Beerdigung?"

Sam verstand die Frage nicht, die mehr eine Aussage war. Sie sah den Major fragend an, doch der winkte ab.

"Was wollen sie?"

"Mich bei ihnen entschuldigen."

"Entschuldigen?" Kawalsky wurde neugierig und richtete sich wieder auf. Er wies Sam an, Platz zu nehmen, die das dankend zur Kenntnis nahm.

"Also?"

"Also was?"

"Wofür wollen sie sich entschuldigen?"

"Naja...wie soll ich sagen. Mein Verhalten bei unserem letzten Treffen in ihrem Quartier...vor der Mission...tut mir leid, Major."

"Ich habe es ihnen auch nicht gerade leicht gemacht."

Sam nickte. "Die Ereignisse haben sich überschlagen. Es...es ist soviel passiert."

"Allerdings."

Sam zögerte eine Weile um das, was sie dachte in Worte zu fassen und sah Kawalsky dabei mit traurigen Augen an.

"Musste es denn soweit kommen?"

Der Blick des Mannes schweifte zu Boden. Seit er von den Goa'uld gefangen genommen wurde, hatte er sich diese Frage gestellt und doch war er nie zu einer erklärenden Antwort gekommen.

"Sieht ganz so aus."

 

Jack lief vor dem Büro des Generals auf und ab. Immer und immer wieder. Die ganze Zeit.

General Hammond hatte gerade ein Gespräch mit dem Präsidenten, als Jack mittendrin, versehentlich hereingeplatzt war. Genauso schnell war der Colonel auch wieder verschwunden, als sein Vorgesetzter ihm mit einem hastigen Handwink anwieß, zu verschwinden.

Das Einzige, was er in den paar Sekunden seiner Anwesenheit aufschnappen konnte, war der Name Kawalsky.

Es ging also um seinen Freund. Und in Anbetracht dieser Tatsache wäre Jack am liebsten geblieben, um für den Major zu argumentieren. Doch er wußte auch, dass der General das niemals geduldet hätte und so lief er weiter vor seinem Büro auf und ab und wartete. Die ganze Zeit.

 

Die Tür wurde geöffnet. General Hammond trat auf den Gang und wäre fast von Jack umgerannt worden.

"Oh Sir, entschuldigen sie, was hat er gesagt?"

"Wer?"

"Der Präsident!"

"Nun Colonel, wir sind zu einem Entschluß in Bezug auf Major Kawalsky gekommen."

"Und?"

"Kommen sie mit."

Der General winkte dem Mann kurz zu und machte sich auf den Weg zu den Arrestzellen, dicht gefolgt von Jack.

Er hätte gern mehr aus dem General herausbekommen, um auf die bevorstehende Überbringung gefasst zu sein. Aber es hatte keinen Sinn. Wenn er nichts sagen wollte, tat er das auch nicht und so musste Jack sich wohl oder übel gedulden. Ob es ihm gefiel oder nicht.

 

Beim Anblick ihres Vorgesetzten salutierten die zwei Wachposten und öffneten zügig die Stahltür. Kawalsky erhob sich und salutierte ebenfalls, als Jack und der General eintraten.

Der Major sah seinen Freund fragend an, doch dieser zuckte nur mit den Schultern und wartete genauso gespannt auf das, was der General nun sagen würde.

"Major Kawalsky, ich darf ihnen mitteilen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten und ich zu einem Entschluß gekommen sind."

"Ja, Sir?"

"Ein Verfahren vor dem Kriegsgericht haben wir ausgeschlossen, da sie offiziell als bereits verstorben gelten. Sie durch den Quantenspiegel wieder zurückzuschicken, ist vorerst nicht möglich, also werden sie hierbleiben!"

"Ähm...hier, Sir?" Kawalsky zeigte auf den Boden der Arrestzelle.

"Nein, sie können ihr Quartier wieder beziehen, jedoch werden die Wachen bleiben und sie dürfen sich nur unter Aufsicht im SGC bewegen. Aus dem aktiven Dienst werden sie für unbestimmte Zeit ausgeschlossen!"

Der General nickte dem Major kurz zu und verließ die Zelle.

Kawalsky konnte immer noch nicht fassen, dass er so glimpflich davon gekommen war. Er hatte sich in seinem Kopf schon so einiges ausgemalt, doch das wäre ihm nicht in den Sinn gekommen.

"Wow."

"Wow!"

Jack klopfte dem Mann auf die Schulter und grinste breit.

"Ich habe doch gesagt es wird wieder!"

Zusammen mit Kawalsky verließ er ebenfalls den Raum, gefolgt von den zwei Wachen.

 

"Hey, Doc.!" Die Wachen postierten sich vor der Tür der Krankenstation, während Kawalsky sich auf eines der freien Betten setzte und auf seine Grunduntersuchung wartete.

"Ich habe gehört sie bleiben?"

"Allerdings!"

Janet legte seine Krankenmappe zur Seite und begann ihn mit dem Stethoskop abzutasten.

"Hätte ich nicht gedacht!"

"Oh, ich auch nicht!"

"Es gab einige Unstimmigkeiten. Auch zwischen uns, vielleicht sollten wir noch einmal von vorn anfangen."

"Vielleicht."

Janet legte das Stethoskop beiseite und streckte dem Major ihre Hand hin.

"Ich bin Doktor Janet Fraiser."

Kawalsky nahm ihre Hand und sah ihr mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht in die Augen.

"Und ich bin Major Charles Kawalsky."

 
Ende

 
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