Zurück
 

Für das Leben eines Freundes

© by Natascha/Norynia ()

 

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an SG 1 gehören MGM/UA, World Gekko Corp. Und Double Secret Production. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu Lebenden und Toten Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Stargate-Sektion.

 

Daniel fror. Er spürte seine Beine kaum noch und musste sich durch einen schmerzhaften Schlag vergewissern, dass sie noch da waren.

Er konnte seine Brille nicht finden. Er musste sie bei seinem Sturz verloren haben.

Er tastete die nähere Umgebung ab, doch das einzige, was er fühlte, war das feuchte, klebende Stroh, das den Boden bedeckte.

Daniel war völlig orientierungslos. Er konnte nichts sehen, doch das lag nicht am Verlust seiner Brille, sondern an der Tatsache, dass es hier stockfinster war.

Der junge Wissenschaftler war sich nicht einmal so sicher, ob er wirklich allein war. Hin und wieder vernahm er ein leichtes Rascheln, leise undefinierbare Geräusche, die andauernd hin und her zu schweifen schienen. Doch auf sein Rufen kam keine Antwort.

Der Geruch, der den Raum erfüllte, war beißend und kaum auszuhalten. Wie eine Mischung aus faulen Eiern, Emmentaler und Terpentin.

Daniel schob sich weiter gegen die Wand und zog seine Beine zu sich heran.

Er wußte nicht, wo er war, wie er hierhergekommen war. Er wußte nur, dass er hier nicht hingehörte. Doch das brachte ihm nicht viel.

Er setzte seine Gedanken daran fest, dass Jack und die anderen ihn schon finden würden.

 

Doch keiner hatte sein Verschwinden bemerkt...

 

 
Einige Stunden zuvor

 

"Wow! Endlich mal ein Planet ohne Bäume!"

"Ohne Bäume, dafür mit Unmengen von Felsen und Sand!"

Daniel nahm seine Brille ab, um den Staub zu entfernen, der sich nach ihrer Ankunft dort abgelagert hatte. Als er sie wieder aufsetzte, konnte er bereits neue Pünktchen auf den geschliffenen Gläsern entdecken, die andeuteten, dass die Reinigung umsonst gewesen war.

"Na und? Besser als Bäume!" Jack ließ den Lauf seiner MP nach unten gleiten und setzte sich seine Sonnenbrille auf. Eine zweite Sonne war aufgegangen. Dennoch blieb die Temperatur erträglich.

Daniel begutachtete sofort einen der nahegelegenen Felsbrocken, doch das einzige, was er auf den ersten Blick feststellen konnte, war, dass dieser genauso interessant war, wie der staubige Boden, auf dem er stand. Ihm missfiel der Gedanke, hier nichts nennenswertes zu finden und sich später Jacks sarkastischen Kommentaren fügen zu müssen. Also suchte er weiter.

Jeder umliegende Fels, der ihren Weg kreuzte, wurde genau unter die Lupe genommen.

 

Jack nahm dies mit einem argwöhnischen Blinzeln zur Kenntnis. Diese Sucherei hinderte sie jedesmal einige Minuten am weitergehen und es kostete sie nur unnötige Zeit.

"Daniel, nun mach schon! Ich will hier keine Wurzeln schlagen!"

"Warte noch, ich bin gleich fertig!"

"Das hast du schon vor 15 Minuten gesagt!"

Jacks Geduld hing an einem seidenen Faden und war kurz davor, endgültig in die Tiefe zu verschwinden.

"Entweder du kommst jetzt mit, oder ich lass dich hier, verstanden?"

"Nur noch eine Sekunde!" gab Daniel genervt zurück und fuhr fort, die dünne Sandschicht vom Stein zu wischen.

"Das wars, los, wir gehen!" mit großen Schritten ging Jack weiter. Sam und Teal'c folgten ihm zögernd.

 

"Sir, sind Sie sicher dass..."

"Jaja, Carter!"

Jack hatte keine Lust darüber zu diskutieren. 'Daniel wird schon wissen, was er tut.' Außerdem sah die Gegend nicht gerade gefährlich aus. Sie würden noch ein paar hundert Meter weiterlaufen und dann umkehren.

Was sollte in dieser kurzen Zeit schon passieren?

Jetzt, wo Daniel Jack nicht mehr im Nacken hatte, konnte er in Ruhe weiterforschen. Neugierig untersuchte er das eckige Gebilde vor sich. Stück für Stück. Zentimeter für Zentimeter.

Und tatsächlich, er schien etwas gefunden zu haben.

Unter dem Sand erhoben sich in Stein gemeißelte Symbole.

Daniel wurde neugierig. Er begann, jede kleinste Einkerbung gründlichst zu reinigen.

"Das ergibt keinen Sinn." schoß es ihm durch den Kopf. Es schien eine Sprache zu sein. Oder waren es doch geometrische Symbole? Er konnte es nicht eindeutig erkennen, geschweige denn entziffern.

Daniel wollte nach Jack rufen, als er bemerkte, dass die Fläche, auf der sich die kleinen Zeichen befanden, bewegbar zu sein schien. Immer wieder legte er seinen Finger darauf und tippte es leicht an, um dann zu beobachten, wie das ganze nachgab und in seinem Rhythmus hoch und runter wippte. Irgendwann legte er seine Hand auf die rätselhafte Konstruktion und drückte sie weiter in den Fels hinein.

Ein grünliches Licht erschien. Es umgab ihn wie eine Seifenblase und fing an, sich seiner Körperform anzupassen. Es schien ihn förmlich abzutasten und zu studieren. Daniel war zu fasziniert, um nach seinen Leuten zu rufen.

Das Grün war nun zu einem leichten Blau geworden und machte dann Platz für ein warmes Rot. Es kam dem jungen Mann vor, als ob er von einem Regenbogen umgeben wäre, der ihm jedesmal einen anderen Balken seiner Farbenvielfahlt präsentierte.

 

"Sir, sollten wir nicht langsam umkehren?"

"Warum haben sie es so eilig?" Jack drehte sich zu seinem Major um und grinste sie hämisch an.

"Machen sie sich Sorgen um Daniel?"

"Bei allem Respekt, Sir. Ich denke nicht, dass es eine gute Idee war, ihn allein zu lassen!"

"Das überlassen sie besser mir, Carter!"

Jack verstand die Sorge um den Wissenschaftler nicht. Auf diesem Planeten war rein gar nichts los und Daniel war ein erwachsener Mann. Außerdem hatte er ein Funkgerät und zur Verteidigung eine 9mm bei sich.

Jack sah in die flehenden Augen des Majors. Eigentlich hätte er schon längst den Befehl zum Rückzug gegeben. Er hatte es nur herausgezögert um zu zeigen, dass er wußte was er tat.

Doch jetzt, wo er sah, wie sehr Sam sich sorgte, gab er schließlich nach.

"Okay Leute, gehen wir zurück und holen Daniel ab!"

 

Das Farbenspiel hatte aufgehört. Die angenehme Wärme war entwichen und wurde nun durch die Sonnen ergäntzt.

"Was...war das?" Daniel sah sich um. Von seinem Team noch keine Spur. Er wollte ihnen Folgen, als er plötzlich ins Leere trat und in die Tiefe stürzte.

Er landete erstaunlich weich, dennoch war er ungünstig aufgetreten und konnte ein lautes Knacken hören, das sich mit dem unmittelbar auftretenden Schmerz in Verbindung setzte.

Es war dunkel und seine Brille war weg. Bei jeder kleinsten Bewegung stieg eine Hitze in ihm auf, die kaum zu ertragen war. Sie stieg in rasender Geschwindigkeit empor, so dass Daniel das Gefühl hatte, innerlich zu verglühen.

"Jack?" er rief, nein er schrie. Immer wieder. Doch er bekam keine Antwort. Sie schienen ihn nicht zu hören. Er wußte ja selbst nicht, ob seine Stimme durch die Wände nach draußen drang. Er wußte ja nicht einmal wo er war.

Seine Stimme versagte nach einer Weile. Aus dem einst kräftigen Rufen, war ein klägliches Flüstern geworden.

'Sie werden mich finden!' sprach er sich selbst Mut zu, 'Früher oder später werden sie kommen!'

 

 
Wie gesagt...früher oder später...

 

"Hey Daniel, da bist du ja!" Jack drehte sich zu Sam um und sah sie triumphierend an. "Sehen Sie! Nichts passiert!"

Sam nickte. Sie war erleichtert Daniel wohlauf zu sehen. Den gehässigen Unterton in Jacks Stimme überhörte sie.

"Und haben Sie etwas gefunden?"

"Ähm..." Daniel sah sich fragend um. Er wußte im ersten Moment nicht, was er sagen sollte. Er wußte nicht, was sie von ihm hören wollten. Hatte er denn etwas gesucht? Dieser Daniel Jackson?

"Nein." war schließlich die knappe Antwort, während er alle musterte und einige Erinnerungen abrief um die fremden Wesen identifizieren zu können.

"Daniel, alles in Ordnung?" Jack war vorgetreten und sah seinen Freund mit zusammengezogenen Augenbrauen an, soweit man dies unter der Sonnenbrille erkennen konnte.

"Ja, alles bestens!" Daniel versuchte den leicht verunsicherten Gesichtsausdruck hinter einem unbesorgten Lächeln zu verbergen, was ihm soweit gelang, dass die Menschen keinen Verdacht schöpften.

"Na dann, lasst uns zurückgehen. Hier scheint es nichts Interessantes zu geben."

Das Team machte sich auf den Weg zum Stargate. Daniel lief hinterher. 'Von wegen nichts Interessantes' dachte er bei sich und drehte sich noch einmal zu einem der Felsen um. Ein hämisches Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit. Unbemerkt von den anderen.

 

Etwas weiches glitt an seinem Arm entlang. Daniel hatte diesen sofort erschrocken hochgezogen, als ein markerschütterndes Quietschen ertönte und Stroh durch die Luft gewirbelt wurde.

Daniel wußte nicht genau was sich, außer ihm, noch in dieser Höhle befand. Er vermutete Ratten, was ihn nicht gerade erleichterte. Hin und wieder war auch ein leichtes Zischen zu hören, doch er vermied es, dieses Geräusch zu identifizieren. Er klammerte sich nach wie vor daran, dass er es hier nicht lange aushalten müsste. Dass sie ihn suchen würden. Dass sie jeden Moment neben ihm stehen und ihn rausholen würden. Doch bis jetzt war nichts dergleichen passiert.

Es wurde kühl.

Die unangenehmen Gerüche verstärkten sich.

Er konnte sich nicht daran erinnern, sich jemals so allein und hilflos gefühlt zu haben.

Obwohl...das stimmte nicht so ganz...

Gefühle kamen in ihm hoch.

Wie er da stand. Im Museum für altägyptische Kultur in New York. Wie er seinen Eltern bei der Arbeit zusah. Wie sie den Helfern Anweisungen gaben.

 

Es war so ein schöner Tag gewesen.

 

Daniel sah alles in Bildern, wie einen Film vor seinem inneren Auge vorbeilaufen.

Er hörte das schnappende Geräusch der reißenden Kette.

Er sah die entsetzten Gesichter seiner Eltern. Die rufe der Arbeiter. Ihre Schreie.

Wie die gesamte Konstruktion auf sie niederstürzte und unter sich begrub.

"NEIN!"

Die Bilder verschwanden. Es wurde wieder dunkel.

"Mum...Dad?"

Stille. Die schmerzhaften Erinnerungen waren verschwunden und hatten doch ihre Spuren hinterlassen. Daniel wischte sich über die feuchten Augen und schüttelte energisch den Kopf.

Er wollte an nichts mehr denken. Er wollte seinen Kopf leer bekommen. Es war schwer und schier unmöglich. Doch anfangs schien es zu funktionieren.

 

"Stargate Aktivierung von außen!"

"Iris schließen!"

"Es ist SG-1, Sir!"

"Öffnen Sie die Iris!"

Jack kam als Erster durch den blau schimmernden Ereignishorizont. Dicht gefolgt von Teal'c und Sam. Daniel folgte als Letzter.

"SG-1. In zwei Stunden zum Lagebericht. Begeben Sie sich umgehend in die Krankenstation!" dröhnte General Hammonds Stimme durch die Lautsprecher.

"Jaja, wie immer." murmelte Jack vor sich hin.

Der Stargate-Raum leerte sich wieder. Nur die Wachen blieben...und Daniel.

Er sah zum Kontrollraum hoch und spielte in seinen Gedanken das nach, was in der nächsten Zeit passieren könnte. Was er tun würde.

Das Wissen, das sie aus dem Gehirn des Menschen kopiert hatten, vereinfachte das Vorhaben erheblich. Dieses hämische Grinsen machte sich wieder in seinem Gesicht breit. Er ließ seinen Blick noch einmal flüchtig durch den Raum gleiten, ehe er den anderen folgte.

 

Sie saßen alle da und ließen die Untersuchung über sich ergehen. Es war etwas alltägliches. Routine. Nur Daniel stand da und wußte nicht, was er hier sollte. Er hatte so etwas noch nie zuvor gesehen und auch die Informationen aus Daniel Jacksons Kopf halfen ihm im Moment nicht weiter. Also schaute er sich die Prozedur eine Weile an, bis er ahnte, was von ihm erwartet wurde.

Er setzte sich hin und wartete auf die kleine Frau, die ihn durchchecken sollte.

"Na, Dr. Jackson, alles in Ordnung?"

"Ja?"

"Ja?"

"Ähm...Ja!"

Janet sah ihn misstrauisch an, störte sich aber nicht weiter an seinem etwas merkwürdigen Verhalten.

"Irgendwelche allergischen Reaktionen?"

"Nein!"

"Irgendetwas außergewöhnliches?"

"Nein!"

"Nun dann..."

Sie legte die kleine Augenlampe beiseite und machte einen Eintrag in ihre Akten.

"Scheint alles in Ordnung zu sein. Jetzt brauche ich nur ein bisschen Blut von ihnen, dann sind wir fertig..."

"NEIN!"

Daniel war aufgesprungen und hatte somit die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich gelenkt.

"Das werden sie nicht!"

"Dr. Jackson, dass mache ich doch immer! Das ist Routine!"

Daniel fühlte sich ertappt. Dennoch gab er nicht nach.

"Das ist mir egal!" mit diesen Worten stürmte er aus der Krankenstation. Die Wachen wollten ihm folgen doch Janet winkte ab. Sie würde sich erst informieren, bevor sie weitere Schritte einleiten würde.

Daniel wußte nicht genau, wo er hinlaufen sollte. Also setzte er sich in einen der Kopierräume und starrte die Wand an.

Emorasa musste sich beeilen, bevor die Täuschung aufflog. Bevor sie entdeckten, dass er nicht der echte Daniel Jackson war.

Die Sache begann sich als schwieriger zu gestalten, als er vorerst angenommen hatte.

 

Er sah ein grelles Licht. Doch im Raum war es nach wie vor dunkel. Sein Kopf begann zu dröhnen und setzte einen stechenden Schmerz frei. Amunet hatte ihn in die Knie gezwungen. Seine Waffe glitt langsam zu Boden, nachdem seine Hände aufhörten ihm zu gehorchen. Er sah ihr in die Augen. Er sah Sha're und doch war sie eine andere.

Dieses triumphierende Grinsen, dieser kalte, leere Blick. Er sah dem Tod ins Auge, er dachte sie würde ihn jetzt vernichten.

Sie ließ ihren Blick von ihm ab und sah erschrocken zur Seite. Das dumpfe Geräusch eines treffenden Stabwaffen-Schusses war zu hören.

Es roch nach verbranntem Fleisch, als das Licht erlosch und Sha're zu Boden ging. Jegliche Kälte war aus ihren Augen gewichen. Das Böse war gestorben.

"Ich liebe dich Dan'el."

Ihr Blick fiel suchend umher, ehe sie ihre Augen schloß und ihr Körper in sich zusammensank.

Daniel streckte langsam seinen Arm nach ihr aus und fuhr ihr sanft über die sich abkühlende Haut.

"Ich liebe dich auch."

Im nächsten Moment waren die Bilder wieder verschwunden. Er war wieder allein.

Allein mit seinen Erinnerungen, seinen Gedanken, seiner Trauer.

Es wurde kälter. In seinen Beinen stieg ein taubes Gefühl hoch.

 

"Colonel, haben Sie Daniel gesehen?"

"Das letzte Mal im Stargate-Raum, wieso?"

"Ist Ihnen während der Mission irgendetwas an ihm aufgefallen?"

"Nein. Stimmt was nicht?"

"Da bin ich mir nicht so sicher. Er hat sich vorhin in der Krankenstation geweigert, sich Blut abnehmen zu lassen."

"Und das ist ungewöhnlich?"

"Ja! Vor allem bei Daniel. Außerdem ist es Routine."

Janet sah dem Colonel fest in die Augen, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen.

"Wenn Sie ihn sehen, bringen Sie ihn sofort zu mir!" mit diesen Worten drehte sie sich um und ging wieder zu ihrer Arbeit zurück.

"Yes, Ma'am."

Jack schüttelte nur mit dem Kopf und setzte ebenfalls seinen Gang fort.

Nichtsahnend was ihn heute noch erwarten würde.

 

Er saß immer noch in diesem kleinen Raum, mit diesem Gerät, das er nicht kannte. Bisher hatte ihn niemand entdeckt und so schien es ein vorerst sicheres Versteck zu sein.

Er schloß die Augen und stützte seinen Kopf gegen die Wand. Er wartete auf das Zeichen. Auf dieses Gefühl, das ihm sagen sollte, dass es Zeit wäre, heimzukehren. Doch wie sehr er sich auch konzentrierte, er konnte nichts spüren.

Er wurde langsam ungeduldig. Emorasa nahm sich Zeit. Zu viel.

Er hörte Schritte, immer wieder. Und jedesmal rechnete er damit, entlarvt zu werden. Wenn sie es nicht schon längst herausgefunden hatten und nach ihm suchten. Er hatte nur die wichtigsten Informationen übernehmen können. Für die kleineren Dinge war keine Zeit geblieben und diese waren es jetzt, die er gebrauchen könnte.

Er hörte Stimmen. Eigentlich schon die ganze Zeit, aber diese beiden kamen ihm bekannt vor. Es waren die von zwei Menschen, die er kennengelernt hatte.

Er drückte sich weiter in die kleine Ecke, in der er saß und hoffte nur, dass sie weitergehen würden. Dass sie ihn nicht finden würden. Und tatsächlich. Nach einer Weile verstummten die Stimmen und entfernten sich von ihm. Er atmete noch einmal tief durch.

"Mein Gott. Wenn du mich hörst. Vollende dein Werk und lass mich zurückkehren."

 

Daniel kramte in seiner Uniform. Ihm war etwas eingefallen, ziemlich spät. Aber besser als nie. Sein letzter Strohhalm, an den er sich noch klammern würde.

Er zog den kleinen rechteckigen, schwarzen Kasten aus einer seiner Tasche und begann damit einige Einstellungen vorzunehmen.

"Jack, kannst du mich hören?"

Ein Rauschen ertönte. Doch leider nicht die erhoffte Antwort.

"Jack? Hallo? Kann mich jemand hören?"

Er hob seinen Daumen an und wartete. Doch nichts kam zurück. Wenn sie noch hier irgendwo waren, mussten sie seine Nachrichten doch empfangen können. Es sei denn, ihre Funkgeräte waren abhanden gekommen. Oder sie waren...

Daniel verwarf diesen Gedanken sofort wieder. Das konnte nicht sein. Sie würden niemals ohne ihn wieder ins SGC zurückkehren. Niemals. Aber was war dann passiert?

Ein lautes, stöhnendes Geräusch unterbrach ihn. Sofort zog er seine Waffe hervor und sah sich in alle Richtungen um. Doch er konnte nichts sehen. Er konnte ja nicht einmal seine eigene Hand vor Augen sehen. Er konzentrierte sich auf die Geräusche, die er vernahm. Doch alles war wieder still. Er holte erneut das Funkgerät hervor. Seine Hand zitterte und er hatte Mühe, das Gerät fest in der Hand zu halten.

"Jack? Hallo, ist da jemand? Verdammt, hallo? Ich brauche Hilfe!"

 

Daniel luchste zum Gang hinaus um sicher zu gehen, dass hier niemand von den Menschen war, die ihn kannten und vielleicht auch suchten.

Er wollte sich auf den Weg zum Kontrollraum machen, als ein stechender Schmerz ihn zu Boden zwang. Die Welt begann sich zu drehen und verschwomm vor seinen Augen.

"Ja....JA!"

In seinem Freudentaumel bemerkte er nicht, wie die Soldaten sich um ihm sammelten. Er schloß die Augen und lachte. Ja, trotz der Schmerzen, die er empfunden hatte, lachte er. So laut, dass es durch die Gänge schallte und immer mehr Menschen anlockte.

"Er ist wach!" schrie Daniel einem der anwesenden Soldaten ins Gesicht.

"Wer ist wach?"

Sam hatte sich unter die Leute gemischt und bückte sich zu Daniel hinunter.

"Emorasa!"

"Emorasa?"

"Mein Gott ist auferstanden!"

Daniels hastiges Atmen normalisierte sich wieder, bevor sein Kopf zur Seite glitt und ruhig liegen blieb. Sam checkte sofort den Puls, um dann festzustellen, dass der junge Wissenschaftler ohnmächtig war. Fragend sah sie in die Runde, bevor sie zwei der anwesenden Soldaten anwies, ihr zu helfen und sich mit ihnen und Daniel auf den Weg in die Krankenstation machte.

 

Es war ein Griff in die Geschichte, den sein Gedächtnis vornahm.

Von Momenten, die ihn tief in seinem Innern quälten. Erinnerungen, die er versuchte zu verdrängen. Der Tod seiner Eltern, der Tod seiner geliebten Sha're. Jetzt ging es weiter auf einer anderen Ebene.

Abydos. Der Tag, an dem Jack zurückkehrte, um ihn zurückzuholen. Der Tag, an dem er ihnen seine Entdeckung zeigte. Der Tag, an dem Apophis auftauchte und ihn seiner Familie beraubte.

Dieses Gefühl, diese Verzweiflung und Trauer, als er Abydos verließ, um die Möglichkeit wahrzunehmen, Sha're und Skaara zu finden. Sie zu retten. Als er das Leben, das ihn so mit Freude erfüllt hatte, aufgeben musste und zurückkehrte.

Es war alles wieder so real. So wie er es damals erlebte.

Wie er mit Jack und den anderen zurückkam. Nachdem die Goa'uld da waren. Das Chaos, die Schreie, die Verletzten.

Wie er den Jungen in seinen Armen hielt, der ihm sagte, dass Ra zurückgekehrt sei und Sha're und Skaara mit durch das Chaapa'ai genommen hatte. Wie er ihm nicht glauben wollte, wie er in seinen Armen starb.

Er hörte Kawalsky, wie er vor ihm stand. "Vielleicht gibt es noch einen Ra!"

"Woher soll ich das wissen?" war seine verzweifelte und doch auch gleich wütende Antwort.

"Nia!" er rief sie zusammen, alle Abydonier, die noch lebten und anwesend waren. Sie versammelten sich alle um ihn und warteten auf das, was er ihnen zu sagen hatte.

Er sprach zu ihnen allen, doch er fixierte einen der Jungen mit seinem Blick, der vor ihm stand und zu ahnen schien, dass etwas unangenehmes folgen würde.

"Sobald wir weg sind müsst ihr das Chaapa'ai wieder verbarrikadieren, wie wir es schon einmal gemacht haben und dann geht fort."

"Und kommst du zurück?"

"Nein, das kann ich nicht. Niemand darf das, das will ich damit sagen. Zumindest vorerst nicht mehr."

Daniels Blick schweifte kurz umher, ehe er wieder dem Jungen in die Augen blickte, der ihn mit diesem fragenden Ausdruck im Gesicht schier zu durchbohren schien.

"Sobald wir fort sind, müsst ihr das Tor verschließen. Verbarrikadiert es mit...mit einem großen Stein. Nicht Gutes wird jemals durch dieses Tor kommen, hast du mich verstanden!"

Es war weniger eine Frage, es war eine Aufforderung. Ein Befehl.

"Du kamst doch dadurch Daniel."

Der Junge sah den Mann mit diesen großen, ungläubigen Augen an. Daniel wußte für einen Moment nicht, was er dazu sagen sollte. Er hatte recht dieser Junge, doch sie mussten sich schützen, er musste ihnen klar machen, dass seine Ankunft hier, auf diesem Planeten so etwas wie eine Ausnahme war. Dass es zu viele Gefahren dort draußen gab, um Ausnahmen zu berücksichtigen.

"Ihr erinnert euch an diese Geschichte. Daran wie die alten Ägypter auf der Erde sich von Ra trennen mussten und genau das müsst ihr auch tun! Dann...in einem Jahr von heute an, in einem Jahr entfernt ihr die steinerne Verschlußplatte. Dann will ich versuchen Sha're an diesem Tag mitzubringen, aber wenn ich es nicht schaffe zurückzukehren, wenn ich...." er schluckte, "wenn ich nicht zurückkehre, dann müsst ihr das Tor für immer verschließen. Cao qua!"

Seine Augen füllten sich mit Tränen, als er weitersprach und in das traurige Gesicht des Jungen blickte.

"Sagt Sha're's Vater in einem Jahr!"

Seine Stimme schwankte und sein Blick war von den Tränen, die sich in seinen Augen gesammelt hatten, verschwommen, als er den Jungen umarmte und noch viele mehr dazuholte. Die Hände der Abydonier glitten aufmunternd über sein Haar, als auch sie in Tränen und Trauer versunken Abschied von ihrem Freund und Erlöser nahmen.

 

"Ist er wieder wach?"

"Ja, aber er redet nicht mit mir. Vielleicht versuchen Sie Ihr Glück."

Janet zog den weißen Vorhang beiseite und gab den Blick auf Daniel frei, der sie mit einem finsteren Blick fixierte, ehe er ihn zur Seite schweifen ließ und ihn auf einen imaginären Punkt im Raum richtete.

"Daniel? Was ist los?"

Jack hatte sich neben seinen Freund gesetzt und sah diesen besorgt an. Doch Daniel zeigte zuerst keine Reaktion. Dann, als Jack weiter sprechen wollte, riß der junge Wissenschaftler seinen Kopf herum und sah ihn verachtend an.

"Ich bin nicht dein Freund!"

"Daniel?" Jack verstand nicht. Dieses Verhalten war ihm fremd und die Tatsache, dass er die Freundschaft der beiden leugnete machte deutlich, dass etwas ganz und gar nicht zu stimmen schien.

"Ich möchte zurück!"

"Wohin?"

"Zurück auf meinen Planeten!"

"Auf deinen....aber..."

"Ihr seid so einfältige Wesen. Ich hätte euch vernichten können, wenn ich es gewollt hätte. Doch das ist nicht der Grund meiner Anwesenheit! Ich möchte einfach nur nach Hause! Versteht ihr das denn nicht?"

"Nein!" war die knappe Antwort des Colonels. Sam war neben ihn getreten und sah Daniel fragend an. Sie wußte, dass etwas nicht mit ihm stimmte. So wie die anderen auch, aber sie ahnte auch, was hier vor sich ging.

"Sie sind nicht Daniel, stimmt's!"

Auf dem Gesicht des Mannes machte sich ein hämisches Grinsen breit.

"Wow, Sie haben es bemerkt."

"Wer sind Sie?"

"Das ist unwichtig. Lasst mich zurückkehren!"

"Wer sind Sie und wo ist Daniel!?!"

"Daniel...nun ja...der ist wahrscheinlich schon tot."

"Was?!?" Jack war aufgesprungen und sah sich fragend um. Doch die anderen schienen genauso überrascht über diese Antwort zu sein, wie er.

Janet hatte sich zu ihnen gesellt, mit der Akte des Doktors in der Hand.

"Also deshalb wollten sie sich kein Blut abnehmen lassen, weil ihre Tarnung dann aufgeflogen wäre."

"Wie kann man jemandem Blut abnehmen, der keines in sich trägt?"

Daniel zog ein Messer hervor. Wo er es her hatte, wußte niemand in diesem Moment. Er drehte seine linke Handfläche nach oben und setzte das kleine Messer darauf an. Langsam zog er eine tiefe Linie in das Fleisch. Aus der Wunde floß kein Blut. Es zeigte nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Inneren des Körperbaus, der schwarz und hohl zu sein schien.

"Oh mein Gott!" Sam hatte ihren Blick für einen kurzen Moment zur Seite gewendet, ehe sie mit ihrer Befragung fortfuhr.

"Was bist du?"

"Ihr würdet sagen ein Alien. Eine außerirdische Rasse, die euch weit überlegen ist!"

"Und was machst du hier?"

"Ich lenke euch ab. Das heißt...ich habe euch abgelenkt. Jetzt ist meine Aufgabe erfüllt."

"Warum?" Jacks Augenbrauen hatten sich zusammengezogen und sahen das fremde Wesen, das aussah wie Daniel, mit zusammengekniffenen Augen an.

"Mein Planet wird von einem Wesen bewacht, das wir als unseren Gott ansehen..."

"Emorasa?"

"Ja. Es beschützt unseren Planeten, doch dafür verlangt es alle 90 Monde ein Opfer aus Fleisch und Blut. Sonst..."

"Sonst was?"

"Jack, würde es dir etwas ausmachen, mich ausreden zu lassen?"

Der Colonel sah sich leicht beschämt um, um dann festzustellen, dass alle Blicke auf ihn gerichtet waren und ihn schier aufforderten, ruhig zu sein.

"Okay." gab er schließlich kleinlaut nach und wartete darauf, dass Daniel, oder was auch immer das Ding war, seine Erzählung fortsetzte und sie nun endlich aufklären würde.

"Sonst würde es unseren Planeten zerstören und somit unseren einzigen, möglichen Lebensraum vernichten."

"Habt ihr schon einmal daran gedacht, dieses Vieh zu erledigen?"

"Unsere Körper bestehen aus keiner festen Materie, es ist uns nicht möglich den Gott zu besiegen. Außerdem beschützt er uns vor allem Unheil. Wir haben keinen Grund das zu tun."

"Ich verstehe."

"Tatsächlich?" Jack sah zu Sam, deren Augen immer größer zu werden schienen, während sie weitersprach.

"Daniel war das nächste Opfer. Und damit wir nichts merken und zurückkehren hast du seine Gestalt angenommen!"

"Richtig, und außerdem habe ich einige Informationen aus dem Gehirn eures Freundes kopiert, um später wieder zurückkehren zu können!"

Er drehte sich zu Sam um und grinste.

"Ihr seid doch nicht so einfältig, wie ich vorerst angenommen hatte!"

"Ähm...danke."

Sam sah zu Jack hoch, der ihren Blick mit einem amüsierten Schmunzeln erwiderte.

"Und noch ein Fan."

"Doch nun habe ich das Zeichen erhalten, dass Emorasa erwacht ist. Das heißt, euer Freund wird bald sterben, wenn er nicht schon tot ist. Also ist es Zeit für mich zurückzukehren!"

"Es besteht noch eine Möglichkeit, dass er lebt?"

"Ja, aber ihr könnt ihn nicht retten!"

"Wir hatten es schon mit ganz anderen Gegnern zu tun."

"Unterschätzt nicht die Macht unseres Gottes!"

"Bitte...lass das Wort Gott weg, okay?"

Jack wendete sich an General Hammond, der dem ganzen vorerst schweigend gelauscht hatte.

"Sir, bitte um Erlaubnis nach P3X8378 zurückkehren zu dürfen, um Daniel Jackson zu retten!"

"Sind Sie sicher, dass Sie eine Chance gegen..." Er sah Daniel kurz fragend an.

"Emorasa."

"Ja...gegen Emorasa haben?"

Jack brauchte eigentlich nichts mehr zu sagen. Ein Blick genügte, um General Hammond zu antworten. Dieser nickte kurz und klopfte seinem Colonel auf die Schulter.

"Holen sie ihn zurück. Alle Mittel sind erlaubt!"

 

Seine Gedanken machten ein weiteren Schritt ins Vergangene.

Er fand sich in diesem großen, gefängnisartigen Raum wieder. Zusammen mit all den anderen. Zusammen mit Jack, Sam und Skaara. Auch Teal'c konnte er sehen. Er trug die Uniform des Primus von Apophis. Und er sah noch mehr Menschen. Menschen, die er nicht kannte, die ihm nichts sagten. Sie waren hier alle zusammengepfercht worden. Keiner wußte, warum. Bis die stahlernde Gittertür aufgestoßen wurde und ungefähr ein halbes Duzend Lakaien in den Raum stürmten. Ein paar andere trugen eine kutschenartige Trage hinein. Sie stellten sie oben, am Ende der Treppe ab, während die Lakaien sich unter die Menschen mischten und sie zu Boden drückten. Die meisten beugten sich sofort. Andere, wie Jack und Skaara zögerten eine Weile, bis auch sie einsahen, dass es besser war nachzugeben.

Der Vorhang wurde zur Seite gezogen. Apophis trat in einem aufwändig verzierten Gewand heraus und machte einen Schritt zur Seite, um der Person Platz zu bieten, die nun folgen sollte.

"Begrüßt eure neue Göttin!"

Was nun folgte war ein Stich in Daniels Herz. Wie sie mit herabblickenden Augen zum Vorschein kam. Wie sie sich umsah und man den Spott in ihren Augen lesen konnte. Diese Verachtung. Sie sah aus wie Sha're. Wie seine Frau, seine Geliebte, sein Herz.

Und doch war sie nicht mehr dieselbe.

Es war das zweite Mal, dass er sie so gesehen hatte. Zuerst unter den 'Wählern' und jetzt hier. Er konnte sich nicht erklären, warum ausgerechnet diese zweite Begegnung sich so in seinem Kopf, in seine Erinnerung gebrannt hatte. Doch es tat ihm weh. Sie dort so zu sehen und zu wissen, dass sie litt. Unter dieser Fassade, die der Goa'uld in ihr aufrechterhielt. Wie sie ihn sehen konnte, und doch nichts tun. Denn sie hatte keine Kontrolle mehr über ihren Körper. Sie war nun ein Sklave. Gefangen in sich selbst.

 

Ein erneutes, lautes, stöhnendes Geräusch holte ihn wieder in die Realität zurück.

Er lauschte. Doch er konnte nicht sagen, woher dieses Stöhnen kam. Aus welcher Richtung. Er hatte seine Orientierung und seine Sinne verloren. Das Schlimmste, was ihm in dieser Lage hätte passieren können. Er versuchte aufzustehen. Sein Bein setzte wieder diesen stechenden Schmerz frei. Und das andere war ziemlich wackelig. Es dauerte eine Weile, ehe er wieder Gefühl in den Beinen bekam, welche ihm nun halfen, sich einigermaßen aufrecht zu halten.

"Wer ist da?"

Er lehnte sich gegen die Wand und wartete auf das, was jetzt passieren würde. Und er hatte Angst. Angst, nicht zu wissen, wie es weiterging. Er war allein, und er hatte große Furcht davor, dass es auch so bleiben würde. Dass er allein sterben müsste. Ohne sich von seinen Freunden verabschieden zu können. Ohne ihnen zu sagen, was sie für ihn bedeuten. Wie sehr sie sein Leben verändert hatten. Wie sehr sie ihm fehlten. Und wie sehr er sich jetzt nach ihnen sehnte.

 

Es waren stampfende, laute Schritte, die sich jetzt langsam näherten. Jedesmal erbebte die Erde und Daniel hatte Mühe, bei den Erschütterungen nicht den Halt zu verlieren und zu Boden zu gehen.

Durch die ungeheure Kraftaufwendung wurde sein Atem schwerer. Er begann zu keuchen, doch das versank unter dem stöhnenden Geräusch, das durch den Raum schallte.

"Wer...wer ist denn da?"

Doch auch diesmal kam keine Antwort. Der junge Mann, wußte nicht, wie er sich in Sicherheit bringen sollte, in welche Richtung er gehen sollte. Also blieb er dort, wo er war und versuchte so lange er konnte den Atem anzuhalten, in der Hoffnung, dass dieses Wesen oder was immer es auch war ihn dann nicht finden würde.

Es wurde plötzlich ungeheuer warm und ein leichter Wind wirbelte durch seine Haare. Im nächsten Moment wurde es nahezu taghell. Daniel musste die Augen zusammenkneifen und sich an das Licht gewöhnen, ehe er das Wesen sehen konnte, das nun nur noch wenige Meter vor ihm stand.

Er versuchte Halt an der Wand zu finden, doch er rutschte ab und glitt zurück auf das Stroh. Die Bilder, die er sah, erfüllten ihn mit solch einem Schockgefühl, dass er am liebsten in Ohnmacht gefallen wär, um das nicht mehr sehen zu müssen.

"Oh mein Gott..."

Er sah sich verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit um, doch er befand sich in einer Sackgasse. Er robbte zur Wand, die das Ende der Höhle darstellte und drückte seinen Körper so fest daran, dass es schmerzte.

"Was willst du?"

Das Wesen gab keine Antwort. Es knurrte nur bedrohlich und näherte sich mit einem großen Schritt. Daniel schloß die Augen und schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Er hoffte auf ein Wunder. Normalerweise glaubte er nicht an solche Dinge, doch in diesem Moment schien es ihm angebracht.

 

"Daniel!"

"Jack?"

Der Wissenschaftler öffnete vorsichtig seine Augen, doch das einzige, was er sah, war dieses sabbernde Ungeheuer.

'Ich halluziniere, ich bin nicht mehr bei Verstand' redete er sich selbst ein.

"Hier oben, Daniel! Hier oben!"

Da war sie schon wieder, diese Stimme. Daniels Blick fiel auf den Punkt, von dem das Licht kam, und tatsächlich, er konnte Jack sehen...und Sam und Teal'c und...Daniel traute seinen Augen nicht. Er sah sich, sich dort oben neben Jack stehen. Aber das war doch nicht möglich, das konnte doch gar nicht sein. Er war doch hier unten, hier unten mit diesem...Monster.

Er beschloß weiter über sein zweites Ich nachzudenken, wenn er in Sicherheit war. Langsam und vorsichtig richtete er sich wieder auf.

"Holt mich hier raus!"

Jack drehte sich um und griff nach dem Seil, das sie mitgebracht hatten. Er knotete es so fest er konnte um den Felsen und ließ es hinunter.

"Ich komme Daniel!"

"Sir, das können sie nicht tun!"

"Was?" fragend sah er sich zu Sam um, die ihn mit großen Augen fixiert hatte.

"Sollten wir nicht versuchen, es von hier oben aus zu erledigen?"

"Können sie gerne tun, ich geh zu Daniel!"

"Sir!"

"Ich werde ihn nicht dort unten allein lassen!"

Sein Blick verriet, dass er keine weitere Widerrede duldete, als er das Seil festumklammerte und sich nach unten gleiten ließ.

Nach einer Weile bemerkte Jack, wie nah er doch diesem Vieh war, das ihn mit diesen gelben, katzenartigen Augen ansah und laut zu knurren begann.

Jack rutschte nun hinunter und sprang das letzte Stück, bevor er zu Daniel rannte und ihn stützte.

"Alles in Ordnung?"

"Naja...nein, mein Bein ist..."

"Ihr Bein? Okay, das kriegen wir wieder hin....Carter?"

"Ja, Sir?"

"Worauf warten sie?"

Jack stellte sich schützend vor seinen Freund, als das Wesen wieder einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hatte und nun nur noch vier Meter von ihnen entfernt war. Jack musterte das Wesen und zog seine Augenbrauen angewidert zusammen.

"Oh, Jurassic Park lässt grüßen."

Der Zynismus, den Jack selbst in dieser Situation zutage brachte, zwang Daniel förmlich ein Schmunzeln auf die Lippen. Er war jetzt nicht mehr allein und das gab ihm Zuversicht und ein gutes Gefühl.

 

Sam war währenddessen damit beschäftigt, die Basuka zu laden, die sie zur Verteidigung mitgebracht hatten. Als sie auf das Wesen zielte und abdrückte, passierte jedoch nichts.

"Verdammt!"

sie schüttelte die Waffe hin und her und versuchte es erneut. Doch nichts geschah. Sie war doch geladen und auf dem Stützpunkt geprüft worden.

"Carter?"

"Es klemmt, Sir!"

"Auch das noch..."

Jack nahm seine MP in Anschlag und begann damit auf eine Stelle zu zielen, die er als wunden Punkt, des riesigen Ungetüms vermutete.

Er wartete darauf, dass es noch einen weiteren Schritt auf sie zu machen würde. Doch es blieb ruhig stehen. Es schien sogar aufgehört haben zu atmen. Ganz ruhig stand es da und beobachtete die beiden.

Jack neigte seinen Kopf leicht zur Seite.

"Daniel?"

"Ja?"

"Was tut es da?"

"Keine Ahnung."

kaum hatte Daniel das ausgesprochen, war das Monster herangesprungen und stieß Jack mit einem Schwenken des Kopfes auf die andere Seite. Jack prallte mit voller Wucht gegen die Wand, die mit spitzen herausragenden Steinen bestückt war. Mit schmerzverzerrtem Gesicht, sank er langsam bewußtlos zu Boden.

"Jack?!?"

Daniel wollte zu ihm laufen, doch das Wesen versperrte ihm den Weg.

Ein lauter Knall ertönte. Von einem auf den nächsten Moment erfüllte sich der Raum mit Rauch und Emorasa ging stöhnend zu Boden.

Sam hatte es geschafft den Fehler zu beheben und zu schießen, ehe es zu spät war. Oder war es vielleicht doch zu spät gewesen? Sie konnte nicht sehen, was mit Jack passiert war, wir er da lag und sich nicht mehr rührte.

Daniel war sofort zu ihm gerannt und kniete nun neben ihm. Er hob seinen Kopf leicht an und konnte die Blutlache sehen, die sich unter ihm gesammelt hatte.

"Jack?" es war ein verzweifeltes Flüstern das Daniels Mund verließ, als er voller Sorge zu dem Colonel herabblickte und auf eine Reaktion wartete.

"Haben wir es erledigt?" Seine Stimme war leise und heiser, doch man konnte sie verstehen.

"Ja...ihr habt mir das Leben gerettet."

"Naja...für das Leben eines Freundes..."

Tränen stiegen in Daniels Augen. Er umklammerte Jack immer noch fest mit beiden Armen und achtete gar nicht auf die Schmerzen, die sein Bein verursachte.

"Was hast du?"

"Nichts."

"Keine Angst Daniel. So schnell gebe ich den Löffel nicht ab." Ein quälendes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. Daniel erwiderte es. Mit Tränen in den Augen.

"Ich weiß Jack...ich weiß."

Der Colonel sah ihn noch für einen Augenblick an, bevor er seinen Blick abwendete und sein Körper in sich zusammensank.

Daniel tastete sofort erschrocken nach dem Puls des Colonels. Er war schwach, doch er war da.

Daniel blieb unverändert sitzen und weinte. Keiner hörte es, aber er tat es. Er drückte seine Erleichterung aus. Seine Freude, seine Gefühle. Für seinen Freund. Für den Mann, der für das Leben eines Freundes, sein eigenes gegeben hätte.

 
Ende

 
Du bist der 1078. Leser dieser Geschichte.