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Gefangene des Teufels
Teil 1
Teil 2
Teil 3
 
 

Gefangene des Teufels

© by Natascha/Norynia () (Gedichte von Birgitt)

 

Paradiesapfel 2001, Bestes Crossover Disclaimer: Die Serie Highlander und alle Figuren daraus gehören Panzer/Davis und Rysher Entertainment. Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Stargate SG-1 gehören MGM/UA, World Gekko Corp. Und Double Secret Production. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht, um damit Geld zu verdienen. Archivierung nur mit Erlaubnis des Autors!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander- und Stargate-Sektion
Special Thanks to: Birgitt - meinem fleißigen Beta-Bienchen und der Frau, die die Chapter poems beigetragen hat, um der Story somit den letzten Schliff zu geben. Du bist die Beste!!!
 

 

1
* * * Duncan * * *
 
Manchmal habe ich Angst
dir in die Augen zu sehen.
Denn dies ist der Ort
wo deine Vergangenheit noch lebt und nach mir greift
wo ich deine sonst unsichtbaren Feinde erblicke
 

Wie durch einen dichten Nebel kämpfe ich mich in die Wirklichkeit zurück. Alles dreht sich, scheint so unwirklich zu sein.

 

Was ist passiert? Wir lagen auf dem Bett. Du und ich. Zusammen. Gaben uns unseren Trieben hin, unserem Verlangen, unsere Körper verschmelzen zu lassen. Uns zu küssen, zu streicheln und auf gemeinsamen Pfaden bis zur Ekstase zu gelangen. Höher als alles, was man kennt, überdimensional. Wir waren glücklich in diesem Moment, so, wie schon zuvor in den letzten Tagen unserer Zweisamkeit. Völlig im Rausch, beglückt von einer Droge, deren Wirkung nie abzuebben schien.

 

Plötzlich war da Licht. Grell, brennend in den Augen. Erschrocken fuhren wir auseinander, tasteten nach unseren Schwertern, als fünf Männer vor uns standen. Wo sie herkamen, kann ich nicht sagen, ich denke, sie kamen mit dem Licht, wie auch immer das möglich war. Sie trugen seltsame Kleidung. Aus Metall, wenn ich mich recht erinnere, zumindest sah es so aus. Verziert mit Schriftzeichen, deren Ursprung ich nicht kenne, mit einer Tätowierung auf ihrer Stirn gezeichnet. Es hatte Ähnlichkeit mit einer Sonne. Dieses Muster. Ich weiß es nicht mehr so genau.

Sie waren bewaffnet, trugen Gegenstände bei sich, die ich nicht kannte. Du scheinst sie gekannt zu haben. Du hast sie angestarrt und einen Namen geflüstert. War es Sokar? Ja, Sokar war es. Ich erinnere mich noch, wie ich dich nach der Bedeutung dieses Namens fragte, doch du bist aufgesprungen und hast dich schützend vor dich gestellt.

 

Antwort darauf war ein Schuss aus einer dieser stabförmigen Waffen. Ein Ball aus purer Energie, der auf dich zuraste und auf das Bett zurückwarf. Der Geruch von verbranntem Fleisch erfüllte den Raum, und ein würgendes Gefühl machte sich in meiner Kehle breit, als ich dazu noch die große, rauchende Wunde auf deinem Körper sah.

 

Zu jeder weiteren Reaktion unfähig, ließ ich mich mitziehen, in die Mitte des Zimmers. Einer der Männer schulterte dich unsanft und stellte sich neben mich. Dann war da wieder dieses Licht, und das nächste, was ich sah, waren Wände. Goldene Wände. Überall diese Zeichen, diese Symbole, alles funkelte in purem Gold und begann erneut, mich zu blenden.

 

Eine der Wachen zog an mir. Ich habe mich führen lassen. Meinen Blick immer noch auf diese faszinierende Umgebung gerichtet.

 

Viele dieser seltsam gekleideten Männer begegneten mir auf unserem Weg durch dieses riesig scheinende Labyrinth. Alle mit erhobenen Köpfen, alle diese Stabwaffen tragend, alle im Gleichschritt.

 

Plötzlich warst du fort. Ich war allein, und als ich nach dir rief und mich von den Wachen losreißen wollte, wurde ich niedergeschlagen. Etwas Hartes traf mich am Hinterkopf, und alles wurde schwarz.

 

'Wer sind diese Leute? Wo bist du, Methos?'

Meine letzten Gedanken vor dem Nichts.

 

 

2
* * * Methos * * *
 
Manchmal habe ich Angst,
bei dir zu sein
Du heiltest Wunden, die selbst unsterbliche Heilung offen ließ
aber als Preis für die Heilung durch deine Liebe
schufst du eine neue Furcht in mir
 

Mein Herz scheint zu brennen, als ich die Augen öffne und von der Dunkelheit freigegeben werde. Die goldene Decke sehe, die sich über mir befindet. Das Feuer in meinem Körper kurz nach der Regenerierung schmerzt, dennoch kann ich die Kälte spüren, die sich an der Oberfläche meines Körpers entlang schleicht. Ein Wechselbad der Gefühle, die mir nicht gerade gut tun.

 

Ich bleibe liegen, spüre den kalten Stein der Pritsche, die sich gegen meinen Rücken presst, dennoch bewege ich mich nicht, warte, was passiert. Lauere auf den, den ich als ersten erblicken werde, um über ihn herzufallen und zu flüchten. Aber genauso gut weiß ich auch, dass dieses Vorhaben scheitern wird. So wie es immer schon scheiterte.

 

Sie kamen mit den Transportringen, also von einem Schiff aus. Wenn ich mich immer noch auf diesem befinde, habe ich keine Möglichkeit zu entkommen. Selbst wenn wir festen Boden unter uns hätten, keine Chance. Er hat seine Augen überall, wird wissen, was ich versuchen werde zu tun. Wird es wissen, noch bevor ich selbst mir im Klaren darüber geworden bin. Ich bin allein, er hat Hunderte, Tausende von Jaffa.

Allein? Bin ich das wirklich? Was ist mit Duncan, was haben sie mit ihm gemacht? Ich habe versucht ihn zu schützen, doch sie ließen mich nicht. Haben mich überwältigt und unschädlich gemacht. Ich kenne IHN, seinen unersättlichen Hunger nach frischem Fleisch. Wenn Duncan noch lebt, wird er bei ihm sein. Oder er wartet, bis ich wieder erwache, damit ich meiner eigenen Peinigung beiwohnen kann. Mitansehen muss, was ER mit meinem Geliebten macht. Und ich warte immer noch, als ich die schweren Schritte der Jaffa höre und unzählige Hände nach mir greifen, um mich in die Höhe zu ziehen. Ich habe keine Möglichkeit, mich zu wehren, versuche es zwar, gebe es aber schließlich auf. Füge ich mir damit doch nur selbst unnötigen Schmerz zu. Ich sollte meine Kräfte sparen, bis ich sie sinnvoll nutzen kann. Aber wann wird das sein? Ich hoffe bald. Ich hoffe, noch bevor etwas wirklich Schlimmes passiert. Ich hoffe, ich kann es aufhalten, noch bevor es wirklich beginnt, was auch immer da auf mich warten mag.

Sie werden mich jetzt zu ihm bringen, da bin ich sicher. Und ich habe Angst, furchtbare Angst. Damals gelang es mir zu fliehen. Zusammen mit einer Tok'ra, die sich in Sokars Reihen eingeschlichen hatte und mich aus meiner Sklaverei befreite. Alleine hatte ich es so oft versucht, jedoch nie geschafft. Und diesmal? Wer könnte mir jetzt helfen? Wer könnte uns helfen? Mir und Duncan? Würde ich es überhaupt schaffen, Duncan zu retten?

 

Ich erinnere mich langsam wieder, nachdem ich es all die Jahrhunderte erfolgreich verdrängt hatte. Weil ich es nicht mehr ertragen konnte, was er mit mir gemacht hat. Die Erinnerung an diese Demütigung, diesen Schmerz, das Leiden, die Angst. Alles kommt wieder hoch, und mir wird schlecht. So schlecht... alles beginnt sich zu drehen, in meinem Kopf zu rotieren, und ich möchte mich am liebsten fallen lassen und nichts mehr tun. Zu einer leblosen Puppe werden, die nicht mehr denken muss. Nicht mehr fühlen muss. Ich bin ihm noch nicht begegnet, aber das Wissen um seine Anwesenheit reicht aus, um mich in den selben Zustand verfallen zu lassen, in dem ich vor dreitausend Jahren schon einmal war.

 

 

3
* * * Duncan * * *
 
Der Geist ist so machtvoll
Phantasien, Träume, Vorstellungen, Halluzinationen
sorgen für Gefühle, so stark, dass sie uns verschlingen
doch braucht man ihn, versagt seine Kraft,
kommt nicht an gegen eine Realität, die uns zerstören wird
 

Es war doch kein Traum. Nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Und er ist immer noch fort. Nicht auszumachen. Nicht zu spüren. Ich bin allein, in diesem Zimmer, in diesem erschreckend großen Zimmer. Erst jetzt merke ich, dass ich auf einem Bett liege. Um mich herum alles reich geschmückt, umgeben von brennenden Fackeln, im Kreis des Feuers.

 

Ich will aufstehen, doch ich komme nicht hoch. Etwas hält mich und zerrt mich zurück in meine Ausgangsposition. Stärker als ich. Irritiert sehe ich mich um und entdecke die schweren Eisenketten an meinen Handgelenken. Warum habe ich sie vorher nicht gespürt?

Fragen über Fragen und ich finde keine Antwort. Will ich die Antwort denn wissen? Ich denke schon. Ich möchte wissen, was hier vor sich geht. Möchte nicht weiter dieses Gefühl des Ausgeliefertheit spüren, das sich durch meine kalten Adern zieht und sie neu füllt. Ich möchte aufstehen, mich bewegen, ohne Schmerzen zu spüren. Möchte wieder zurück, zu ihm.

Ich will meine Beine anziehen, doch auch hier dasselbe Resultat. Ich bin gefangen, gefesselt. Und was mich am meisten erschreckt... ich bin nackt. Liege auf diesem riesigen Bett, umgeben von Seidentüchern und Kissen, Fackeln und goldenen Wänden. Gefesselt und unbekleidet. Und immer noch allein.

 

Ich werde nervös. Wird das Gefühl der Wehrlosigkeit durch die Erkenntnis meiner Situation, auch wenn ich sie nicht verstehe, nicht nachvollziehen kann, nur noch stärker. Dann erst die Angst, die sich in mir ausbreitet, als ich den Tisch näher betrachte, der auf der anderen Seite des Bettes positioniert ist. Unzählige kleine und große, golden und silbern schimmernde Waffen. Fremd und unbekannt. Abstoßend. Gebettet auf einem schwarzen Tuch aus purer Seide.

 

Waffen?

 

Kalter Schweiß bildet sich auf meiner Stirn. Die Angst beginnt, sich zu einer Gänsehaut an meinem ganzen Körper zu manifestieren. Ist das ein neues Spiel von Methos? Ein perverser Streich? Ich wünsche mir so sehr, dass er gleich reinkommen wird, um mich aufzuklären, um mir meine Angst zu nehmen.

 

Doch ich warte vergebens.

 

 

4
* * * Methos * * *
 
Es ist leichter, sich auf den Körper zu konzentrieren
Den Teil, der heilen wird, irgendwann
Es ist leichter, nicht auf das Innere zu lauschen
das aufbegehrt gegen die Erinnerung
das aufbegehrt gegen die Zukunft
 

Mein Kopf rutscht zur Seite, und ich übergebe mich. Kann nichts dafür, nur der bloße Gedanke an die Vergangenheit dreht mir den Magen um. Ich weiß, was nun folgt, und beiße die Zähne zusammen. Ich bin unerlaubterweise stehen geblieben und habe den Boden des Palastes beschmutzt. Eigentlich hätte das Stehenbleiben schon gereicht.

 

Zwei der Jaffa packen mich an beiden Armen und halten mich fest. Jeweils ein Bein um die meinen geschlungen. Als ob ich nach den Schlägen noch in der Lage wäre, nach ihnen zu treten.

Die Faust des Jaffa, der vor mit steht, schnellt auf mich zu und reißt meinen Kopf herum. Ich lasse ihn dort, um einen weiteren Schlag zu vermeiden. Doch mein Gesicht ist nicht sein einziges Ziel. Nach seinem nächsten Treffer habe ich Mühe, das, was noch in meinem Magen ist, dort drin zu behalten. Mein Körper sackt in sich zusammen, versucht, sich dem Schmerz zu entziehen, dennoch ist meine Haltung, eigentlich als Schutz für empfindliche Stellen gedacht, nur eine willkommene Einladung für den Hünen.

 

Ich glaube, hätte ich nicht krampfhaft die Zähne aufeinander gepresst, hätte ich mir die Zunge abgebissen, und das nicht absichtlich. Hätte es nicht verhindern können; ich kann meinen Körper nicht mehr lenken, verliere langsam die Kontrolle, die Kraft, um ihn zu führen.

Ich spüre Partien meines Gesichts anschwellen. Kann mir bildlich vorstellen, wie sie von einem anfangs leichten Rot in ein schweres, deckendes Blau übergehen.

Das einzige, das mich noch auf den Beinen hält, sind die Jaffa hinter mir, doch auch sie lassen irgendwann los.

 

Wie in Zeitlupe kommt der Boden immer näher. Ich versuche noch, mich abzustützen, doch meine Arme haben keine Kraft mehr, um meinen Körper zu halten. Ich dachte, es wäre vorbei, doch weit gefehlt. Sie haben Gefallen an mir gefunden. An meiner Demütigung. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Sonst sind sie es, die sich unterordnen und leiden müssen. Ihr Leben hängt immer von der Laune ihres Gottes ab. Er kann mit ihnen machen, was er will, und sie lassen es geschehen, aus Angst vor dieser höheren Macht. Nun haben sie einen gefunden, an dem sie ihren Frust ablassen können. Dessen Wohlergehen für einen befriedigenden, aufregenden Moment von ihrer Laune abhängig ist.

 

Was soll's? Ich werde auch das überleben, und wenn nicht: Ich bin unsterblich. Solange sie nicht auf die Idee kommen, mir meinen Kopf zu nehmen. Aber das denke ich nicht. Es sei denn, Sokar hat ihnen mitgeteilt, was ich bin. Und wenn, wird er mich nicht durch eine andere als seine Hand sterben lassen.

Obwohl - eigentlich hätte ich im Moment nichts dagegen, wenn sie es beenden würden. Der Ekel zwingt mir den Wunsch nach endgültiger Erlösung auf. Ich würde alles tun, einfach alles, damit er mich in Ruhe lässt. Damit er für immer aus meinem Leben verschwindet. Ich würde sogar dafür sterben, meinem ewigen Leben ein Ende bereiten. Fünftausend Jahre sind eine lange Zeit, vielleicht zu lang.

 

Die Wachen reißen mich wieder in die Höhe, nachdem sie mich getreten und bespuckt haben. Ich habe es nur am Rande wahrgenommen. Hatte ganz andere Dinge im Kopf, und erst jetzt fällt mir ein Grund ein, warum ich nicht sterben darf. Duncan. Er hat mit dieser Fehde zwischen mir und diesem kalkweißen Monster nichts zu tun. Er ist nur meinetwegen hier. Weil er mir etwas bedeutet. Und jetzt weiß ich auch wieder, warum ich zuvor so lange Zeit für mich geblieben war.

 

 

5
* * * Duncan * * *

Du versuchtest mir zu zeigen,
dass Schuldgefühle die Vergangenheit nicht ändern
dass Ängste die Zukunft nicht beeinflussen
Ich wünschte, du wärst hier,
Ich könnte dich fragen, ob du selbst daran glaubst
 

Ich habe aufgegeben, mich zu befreien, habe es solange versucht, bis das bloße Fleisch an meinen Gelenken freilag und unter dem kalten Eisen brannte. Nun liege ich still, wartend auf das, was passieren wird. Ich war noch nie ein Freund von Überraschungen, von dieser Sorte erst recht nicht.

 

Ich habe den Gedanken abgeschüttelt, dass dies alles Methos' Werk ist. Zuviel spricht dagegen. Diese fremden Wesen, die auf ihn geschossen haben. Die Angst in seinem Gesicht, als sie wie aus dem Nichts aufgetaucht waren. Umso entscheidender die Frage, was das Ganze hier dann soll und wessen Spiel hier aufgebaut wurde.

Ob Methos noch lebt? Wenn ja, wo ist er dann, wie geht es ihm? Ich mach mir Sorgen, doch nun weniger um mich als um meinen Freund, meinen Geliebten. Wir haben lange gebraucht, um zueinander zu finden. Zuviel stand zwischen uns. Seine Vergangenheit, und diese scheint es diesmal wieder zu sein, die ihn eingeholt und mich mit reingezogen hat.

Ist das ein Teufelskreis? Wie viele mussten schon leiden oder sterben, nur weil sie mich kannten? War es absehbar, dass auch ich mal an die Reihe komme, weil ich jemanden 'kenne'? Liebe? Begehre?

 

Müde öffne ich die Augen und starre auf die Wand. Dies scheint ein Palast zu sein. Gebaut aus purem Gold, und meine Neugier verwehrt es mir, nicht wissen zu wollen, wessen Schöpfung das ist. Doch die Dunkelheit, die sich in diesem Moment auf dieser Wand aufbaut, verdrängt diese weitere Frage und lässt mich aufhorchen. Schritte hallen durch den Raum. Prallen an dem Gold ab und kommen von allen Seiten auf mich zu. Scheinen mich erdrücken zu wollen. Unbewusst zieht sich in mir alles zusammen, ich versuche, mich kleiner zu machen. Am unangenehmsten ist mir wohl die Blöße, mit der ich dem Ganzen hier ausgeliefert werde. Gebettet in Decken, doch keine, die mich vor gierigen Blicken bewahrt. Denn ich spüre sie, diese Blicke. Sehe aber nur den riesigen Schatten vor mir. "Methos?" frage ich leise, doch ich erwarte keine beruhigende Antwort. In mir sitzt die Gewissheit, dass er es nicht ist. Ich kann sie nicht verdrängen, so sehr ich es mir auch wünsche.

 

Wieder Schritte. Sie kommen näher, näher als ich will, ertragen kann, und noch immer kein Gesicht zu diesen Geräuschen. Nur ein leises Lachen und eine dunkle Stimme, die plötzlich direkt hinter mir erklingt.

"Er wird bald Zeit für dich haben."

Dann verschwindet der Schatten. Genauso plötzlich, wie er aufgetaucht war. Er wird bald Zeit für mich haben? Wer? Methos? Ich verstehe diese Worte nicht. Verstehe überhaupt nichts mehr. Alles wirr und ohne jeden Zusammenhang.

 

Ich will doch nur eine Antwort. Einen Anhaltspunkt. Doch nun ist niemand mehr da, der mir helfen könnte. Eigentlich bin ich schon die ganze Zeit allein.

 

 

6
* * * Methos * * *
 
Ich fürchte, du weißt, was du mir antust
Und dafür hasse ich dich
Dies ist dein teuflischstes Werk
Ich will nicht hassen
Ich will überleben
 

Viele Gänge, viele Türen. Jetzt sind wir da, und ich erinnere mich. Kann mich nicht dagegen wehren.

 

Wie oft war ich schon hier? Wohl nicht weniger oft als in seinem Gemach. Also zu oft.

Die weiße Gestalt blickt mich kalt unter seiner Kapuze an. Ich kann die Augen leuchten sehen. Seine Belustigung erkennen. Wie ich ihn hasse.

 

"Knie nieder vor deinem Gott!" donnert der Jaffa hinter mir, doch ich reagiere nicht. Was folgt, ist ein Schlag mit der Stabwaffe, dessen Wucht mich nach unten zieht und meine Knie auf den Boden krachen lässt. Keine Gefühlsregung in meinem Gesicht. Ich verbiete sie mir. Will ihm nicht auch noch diese Befriedigung geben, nach der er sich sehnt, wahrscheinlich Jahrhunderte gesehnt hat. Ich bin stärker, muss stärker sein. Oder versuche es zumindest.

 

"Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet?" Seine metallische Stimme dröhnt in meinem Kopf und lässt mein Herz erstarren.

'Nicht lange genug', gebe ich in Gedanken zurück, sage es jedoch nicht laut. Ich würde damit alles nur noch verschlimmern. Außerdem haben ihm mein Zynismus und meine Sturheit schon immer gefallen. Ein Grund mehr zu schweigen.

 

Seine langen Finger wandern an den Saum des Stoffes, der seinen Kopf bedeckt, und schieben die Kapuze nach hinten. Legen sein blutleeres Gesicht frei, die blauen Adern, die die weiße Haut durchziehen. Ich wende meinen Blick ab, versuche, nicht hinzusehen. Ich weiß, es tut mir nicht gut. Dennoch sehe ich aus den Augenwinkeln mehr als mir lieb ist, und noch bevor ich die Augen schließe, sehe ich sein Nicken. Ein Wink zu den Wachen. Mir schwant Böses.

 

Jemand zieht meinen Kopf zurück, ein anderer meine Arme. Ich kann mich ihren Händen nicht entziehen, bin ihnen erneut ausgeliefert. Ich öffne meine Augen nicht, kann mir denken, was sie vorhaben, was er vorhat. Und ich kann hören. Hören, wie sie die Flüssigkeit umfüllen.

Eine der Wachen, wahrscheinlich dieselbe, die meinen Kopf hält, drückt meine Wangen zusammen, zieht meinen Unterkiefer nach unten und hält mit diesem Griff meinen Mund geöffnet. Ich versuche nicht, ihn zu schließen, weiß, dass ich keine Chance habe. Versuche nur, den gegenwärtigen Schmerz zu bekämpfen. Und ich schlucke. Die Flüssigkeit, die sie mir aufzwingen, die Flüssigkeit, die unglaublich real erscheinende Halluzinationen hervorrufen kann. Und ich erinnere mich an den Geschmack. An Sokars Blut. An das Blut des Teufels.

 

 

7
* * * Duncan * * *
 
Für eine kurze Zeit lebte die Illusion
du - der Einzige, für den ich jeden Preis zahlen würde -
koste mich nichts
Aber auch wenn du nichts von mir forderst
so kommen Andere, um mir deinen Wert zu zeigen
 

Es ist kalt geworden. Sehr kalt sogar. Selbst das Feuer, das in unzähligen Fackeln um mich herum brennt, scheint meinem Körper keine Wärme mehr zu spenden. Hastig schnappe ich nach Luft und drehe den Kopf zur Seite. Die Schmerzen rauben mir den Verstand, machen mich wahnsinnig.

Der Fremde vor mir lächelt nur. Dann richtet er die Waffe, die einer gekrümmten Schlange gleicht, erneut gegen mich, und sieht zu, wie die blauen Energieblitze durch meinen Körper jagen, bevor ich sterbe.

 

Woher wissen sie von meiner Unsterblichkeit? Woher weiß dieser Mann, dass er mich töten kann so oft er will, ohne mich endgültig zu verlieren?

 

Es dauert eine Weile, bis ich in diese Folterei zurückkehre und schmerzhaft aufstöhne. "Warum tust du das?" frage ich schwach und habe Mühe, meine Augen offen zu halten.

"Damit du vorbereitet bist", bekomme ich schroff zur Antwort. Die Wache nähert sich erneut dem kleinen Tisch, der neben dem Bett steht, legt die Waffe auf die schwarze Seide zurück und nimmt eine neue in die Hand. Für mich ist sie gar nicht so neu. Sie gleicht einem Dolch, einer menschlichen Waffe, wie ich sie schon oft gesehen habe. Wie sie mir in diesem Moment gar nicht gefällt.

Grinsend beugt er sich über mich und lässt die Klinge über meinen Brustkorb gleiten, schneidet hier und da dünne Linien in die Haut, sieht zu, wie sie verheilen, und gleitet in tiefere Regionen. "Glaub mir, was ich hier tue, ist nichts im Vergleich zu dem, was unser Gott Sokar machen wird." Nach diesen Worten sticht er zu. Direkt in das Zentrum meines Bauchnabels, dreht den Dolch noch einmal herum und stößt ihn noch tiefer in meinen zitternden Körper.

 

Ich will es nicht, aber ich schreie. Muss den Schmerzen einen Weg nach draußen ermöglichen, bevor sie mich innerlich vernichten. Ich wünsche mir den Tod herbei, nur wenige Minuten entfernt von all dem hier, und der Fremde gibt meinem bittenden Blick nach, steht auf und zielt wieder mit dieser seltsamen Waffe auf mich, die diese schmerzhafte Energie freisetzt. Beim ersten Schuss beginnt sich alles zu drehen, während mein Körper rebelliert und sich von dem Bett abstößt. Nach dem zweiten Schuss finde ich endlich wieder die Ruhe, nach der ich mich zuvor so sehnte. Und in dieser Stille versucht mein Körper, neue Kraft zu schöpfen, wieder bereit zu sein für das, was kommen könnte. Er muss sich beeilen, denn für lange werde ich keinen Frieden haben.

 

 

8
* * * Methos * * *
 
Ich suche nach dem Teil in mir, der nur dir gehört
Konzentriere mich auf Gefühle, die ich nur dir zeige
Verliere mich in dem, was du mir gegeben hast,
als mein Traum von dir meine Wirklichkeit wurde
als dein Alptraum von mir endlich endete
 

Wo bin ich? Mein Augen erforschen langsam die Umgebung, die mir sehr bekannt erscheint. Zu bekannt. Sollte ich dies alles nur geträumt haben? Ein Alptraum, so real, dass ich ihn für wahr hielt?

 

Mit einem Ruck drehe ich mich um und betrachte das Gesicht neben mir. Die geschlossenen Augen mit den langen Wimpern, den vollen Mund, die bronzene Haut. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, und ich habe das Gefühl, als würde mir ein ganzes Gebirge vom Herzen fallen.

"Duncan", flüstere ich leise und lasse meine Hand sanft über das Gesicht meines Geliebten gleiten. Der Highlander kräuselt seufzend die Nase und dreht sich noch ein Stück weiter in meine Richtung. Ich liebe seinen Anblick, wenn er schläft. Diese Ruhe und Geborgenheit, die er dabei ausstrahlt, ist überwältigend. Überwältigend schön.

Ich atme tief durch und nehme seinen Geruch in vollen Zügen in mich auf, fühle mich sicher. Nur noch glücklich und ich rutsche näher zu ihm heran. Lehne meinen Kopf an seine breite Brust und schließe die Augen.

 

Einige Sekunden vergehen, bis ich seine Hand auf meinem Rücken spüre, fühle, wie er mich umarmt und fester an sich presst. Ich stöhne wohlig unter diesen Berührungen auf und räkle mich in seiner Umarmung. Lege den Kopf in den Nacken und genieße seine warmen Lippen auf den meinen. Liebkose seine Zunge, sauge an ihr und massiere sie, so, wie er es mit meiner tut. Seine Hände sind plötzlich überall, überall dort, wo ich sie haben möchte. Kein Fleck meines Körpers bleibt unertastet, und mein bisher leises Seufzen geht in ein kehliges Stöhnen über, als ich seine Erregung nur allzu deutlich zu spüren bekomme, und meine eigene noch dagegen presse.

"Duncan", flüstere ich erneut, doch diesmal mit mehr Leidenschaft. Mehr Feuer steckt hinter diesem Wort, Sehnsucht, Verlangen und die Bitte nach mehr. Reibe mich an dem matten Körper meines Geliebten, lasse mich auf dem Rücken nieder und ziehe ihn auf mich, so fest es geht, klammere mich an ihn, wie sich ein Ertrinkender an einen Strohhalm klammert.

Seine Zunge liebkost die empfindliche Haut an meinem Hals, seine Hand krault mich am Nacken, während die andere über meine Lenden gleitet, bis sie meine Männlichkeit fest umschließt und mich auffordert zuzustoßen. Oh, ich liebe diesen Mann, diesen jungen Schotten, den Highlander. Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod. Mein Leben.

Mein Körper beginnt zu zittern, vor Glück, Erregung. Ich flechte meine langen, schlanken Finger in das schulterlange Haar meines Geliebten, ziehe seinen Kopf mit sanfter Gewalt zu meinem und küsse ihn erneut. Kann nicht genug von ihm bekommen. Lächelnd öffne ich die Augen und schaue in die seinen. Möchte in diesem warmen Braun versinken, das mich nicht mehr freigibt und mich zum Höhepunkt begleitet.

 

Doch ich sehe es nicht. Es sind nicht seine Augen, können nicht seine Augen sein. Denn die, in die ich blicke, sind gelb.

Ich befinde mich in den Armen des Teufels.

 

 

9
* * * Duncan * * *
 
Ich weiß, es gibt einen Ort
tief in mir, an dem ich sicher bin
Denn du bist dort
und nichts kann uns dort trennen
Doch wenn ich nun den Weg nicht finde?
 

Als ich meine Augen wieder öffne, denke ich zuerst, ich sehe doppelt, doch dem ist nicht so.

Zwei Wachen stehen jetzt vor dem Bett, auf dem ich liege.

Die eine kenne ich noch, mein Mörder, die andere ist mir fremd. Jedoch bin ich nicht begierig, sie kennenzulernen. Für mich sehen sie alle gleich aus. Dieselbe Uniform, derselbe kalten Ausdruck in den Augen. Bringen mir Hass und Verachtung entgegen, und ich weiß noch nicht einmal, warum. Vielleicht ist das auch besser so, vielleicht hat es ja nicht einmal etwas mit mir zu tun. Weiß ich, wer diese Männer sind? Kenne ich ihre Beweggründe? Darf ich über sie richten? Nein.

Dennoch nehme ich mir die Freiheit, nicht gut zu finden, was sie mit mir getan haben.

 

Die Ketten klirren. Ich hebe den Kopf, um zu sehen, was sie machen. Tatsächlich. Sie öffnen meine schweren Fesseln und legen die schmerzenden Gelenke frei. Ich möchte aufspringen, doch einer Männer hält mir seine stabförmige Waffe entgegen. Ich erinnere mich an die Wirkung, an das, was mit Methos geschah, als ihr Schuss ihn traf, und so bleibe ich liegen.

 

"Dahin!" donnert die Wache zu mir hinunter und zeigt auf die nahe gelegene Wand, an der weitere Fesseln angebracht sind.

 

Zu früh gefreut, zu früh Hoffnung geschöpft. Sie lassen mich nicht frei, bringen mich nicht fort oder geben mir meine Kleider zurück. Nein, sie verlegen mich nur. Und als ich aufstehe und ihrer Aufforderung widerwillig nachgehe, versuche ich, den Lauf, der sich schmerzhaft in meinen Rücken bohrt, zu ignorieren. Nicht nur, dass er im Aussehen dem Kopf einer aggressiven Kobra gleicht, er fühlt sich auch genauso an.

Ich kann kaum fassen, was ich tue. Ohne Gegenwehr stelle ich mich rücklings an die Wand und sehe zu, wie das Gold um meine Gelenke zuschnappt. Arme und Beine erneut gefangen. Doch diesmal belassen sie es nicht dabei. Eine weitere breite Schnalle legt sich um meinen Hals, und als die Wache sie schließt, habe ich im ersten Moment das Gefühl, ersticken zu müssen.

 

"Verabschiede dich von dem Komfort eines Bettes, denn diesen unverdienten Luxus wirst du nie mehr genießen können!" Der Fremde ist so nah, dass ich seinen fauligen Atem in meinem Gesicht spüren kann. Instinktiv schließe ich die Augen und warte darauf, dass er wieder geht. Doch das tut er noch nicht.

Ich spüre seine von kaltem Metall umschlossene Hand, die meine Brust entlang gleitet, bis hinunter zu meinen Lenden. Frage mich, ob dieses Metall eine Waffe darstellt. Etwas, das mir Schmerzen zufügen kann, oder ob es sich nur um einen seltsamen Schmuck handelt? Vielleicht ist es auch ein Schutz, gegen was auch immer. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, was hier gerade geschieht, was nicht geschehen darf, aber doch tut. Ich spüre seinen Blick, der sich in meine Haut brennt, seine Hand, die fest mein Glied umschließt, höre sein leises Stöhnen, das seine Bewegungen begleitet.

 

Ich sage nichts, kann mich ja kaum bewegen. Ich ertrage und versuche, an etwas anderes zu denken, mich auf etwas Angenehmeres zu konzentrieren. Es gibt so viele Möglichkeiten, doch nichts schafft es, mich auch nur für kurze Zeit aus dieser bitteren Realität zu reißen.

 

Seine Berührungen beginnen zu schmerzen, aber noch unangenehmer als am Anfang können sie nicht werden. Ich schlucke hart, drehe den Kopf zur Seite, versuche, seine Präsenz zu ignorieren, doch es gelingt mir nicht.

Plötzlich lässt er los. Ich weiß nicht warum, aber er wendet sich von mir ab und geht. Der zweite Mann begleitet ihn. Sie lassen mich allein in diesem riesigen Raum. Allein mit mir selbst und meiner Angst. Mein Körper ist schwach, sinkt in sich zusammen, doch die Ketten halten mich aufrecht, erlauben mir keine bequemere Position. Krampfhaft versuche ich, stehen zu bleiben. Jeder weitere Zentimeter dem Boden entgegen, jedes zusätzliche Gramm, das auf meinen Gelenken lastet, bereitet mir Höllenschmerzen.

 

Ich kann mir kaum vorstellen, dass es noch schlimmer werden kann, jedoch nach den Worten meiner Peiniger schien das erst der Anfang gewesen zu sein.

Aber lange halte ich nicht mehr durch.

 

 

10
* * * Methos * * *
 
Mitternacht ist ein Ort, den man nicht meiden kann
Und auch meine Zeit ist eine Flut von Zimmern
Ich bin fest entschlossen, die Türen
zu einigen der Räume niemals mehr zu öffnen
Leider gibt es Andere, die einen Zweitschlüssel haben
 

Ich reiße meinen Körper herum, stoße mich von der Gestalt ab und schlage hart auf dem Boden auf. Doch das macht nichts, ich will nur weg, blicke nicht mehr zurück, spüre nur noch den Ekel in mir aufsteigen.

 

"Jaffa, Kree!" brüllt er hinter mir. Aber ich gehorche nicht, werde es nie tun. Doch andere tun es. Zwei Wachen halten mich auf, packen mich und schleifen meinen - sich wehrenden - Körper in den Raum zurück. Zurück zu der Gestalt, vor der ich geflohen bin.

Sokar lächelt siegessicher und mustert Stellen an meinem Körper, die ich jetzt lieber in einer Hose verborgen wissen würde. Den roten Samt um seinen weißen, unmenschlichen Körper geschlungen liegt er da und sieht mich an.

 

Mein Hass steigt bis ins Unermessliche und, wenn ich könnte, würde ich ihn hier auf der Stelle töten. Doch ich kann nicht, wieder nicht. Ich habe es damals so oft versucht und bin immer wieder gescheitert. Sokar hat mich jedoch nie töten lassen. Er tötet seine Opfer nicht. Er lässt sie lieber leiden. In den Höllenfeuern von Netu unter unwürdigen Bedingungen arbeiten oder in seinem Gemach bis zur Willenlosigkeit foltern. Auch ich war einmal soweit, auch ich hatte meinen Kampfgeist verloren und mich ihm hingegeben. Doch ich hatte lange Zeit, um neue Kraft zu schöpfen, und diesmal werde ich nicht zulassen, dass er mich bricht. Diesmal werde ich ihm trotzen, bis zum Schluss. Ich weiß, ich tue es nicht für mich, nein, ich tue es für Duncan.

 

"Willst du deinem Gott gehorchen oder dich ihm erneut widersetzten? Überlege es dir gut, Methos. Du weißt, was passieren kann."

Oh ja, ich weiß es, kann mir so einiges vorstellen. Er wird neue Methoden entwickelt haben, neue Möglichkeiten, Schmerzen zuzufügen; dennoch, ich muss stark bleiben. "Ich habe in den letzten Jahrhunderten viel gesehen, gelernt und getan. Ich bin stärker geworden, habe mich mehr verändert, als du dir vorstellen kannst. Habe mehr vollbracht, als du denkst. Wir beide wissen, dass du kein Gott bist, sondern ein Heuchler. Ein Parasit und du bist der letzte, vor dem ich mich beugen würde!"

Seine Augen leuchten in diesem kalten Gelb. Erbost, gereizt und geschockt. Ich habe ihn überrascht und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen, welches ihn noch mehr in seine Raserei treibt.

"Bringt ihn zu seinem Freund", brüllt er den Wachen entgegen, und man sieht ihm an, wieviel Mühe es ihn kostet, auch nur halbwegs seine Beherrschung zu wahren. "Wir werden ja sehen, wer von uns beiden siegt, Methos. Was ich mit deinem Freund machen werde, ist paradiesisch im Vergleich zu dem, was dir blüht!" Und dann lacht er. Dieses kalte, dunkle, markerschütternde Lachen. Und ich kann spüren, wie sich die Muskeln, der Wachen neben mir anspannen.

 

Jetzt habe ich genau das Gegenteil erreicht. Ich habe seine Aufmerksamkeit nicht nur auf mich gelenkt, nein. Er weiß, wie er mir am meisten weh tun kann. Wo meine Schwäche liegt. Duncan - und egal, was er sich ausgedacht hat, es wird furchtbar sein.

 

Ich lasse mich rausführen, durch die Gänge zerren, bis wir vor einem dunklen Raum stoppen und sie mich in einen Käfig sperren, der im Vergleich zu der Größe des Raumes winzig erscheint. Die Gitter aus schwarzem Eisen, bedrohlich und erdrückend. Er ist so klein, dass ich mich beugen muss. Ich setzte mich hin und erkunde die Umgebung. Nur ein dünner Lichtstrahl dringt durch eine der Wände zu mir durch. Ist es überhaupt eine Wand? Bei näherem Betrachten meine ich, einen Vorhang zu erkennen. Als die Tür hinter mir zufällt, weht ein schneidender Wind durch den Raum, der diesen dunklen Vorhang für kurze Zeit ein Stück zur Seite fegt und mir einen Blick in das noch größere Zimmer dahinter gewährt. Eine breites Bett ist zu sehen, welches von brennenden Fackeln umschlossen scheint.

 

Ich lehne mich zurück und atme tief durch. Mir ist so kalt, und ich habe das Gefühl, als wäre ich längst gestorben, ohne es bemerkt zu haben.

 

 

11
* * * Duncan * * *
 
Ich suche nach deiner Hand, hoffe auf deine Berührung
Ich lausche auf deine Stimme, hoffe auf deinen Trost
Ich sehne mich nach deinem Lächeln, hoffe auf meine Befreiung
Doch du bist nicht da
und ich greife verzweifelt nach der Erinnerung, bevor sie endgültig verblaßt
 

In unregelmäßigen Abständen durchfluten Schmerzen meinen geschwächten Körper. Mittlerweile nahezu permanent. Mein Brustkorb hebt und senkt sich, immer schneller, immer mühevoller. Ich atme in vollen Zügen den plötzlich so rar scheinenden Sauerstoff ein, der sich mit dem Geruch des kalten Schweißes vermischt hat, welcher sich auf meinem zitternden Körper befindet. Aus allen Poren kriecht und mir lebenswichtige Flüssigkeit entzieht.

Mein langes Haar klebt auf meinen nassen Schultern und benetzt sie, wie eine zweite Haut.

Meine Gelenke sind wund und aufgescheuert. Ohne mein Zutun. Im Gegenteil, ich habe nichts getan, gar nichts. Ich habe nur versucht, stehen zu bleiben. Doch mein Körper entzieht sich meinem Willen, entgleitet mir.

Die körperliche Beeinträchtigung lässt Panik in mir aufsteigen. Ich spüre, wie ich langsam aber sicher dem Wahnsinn verfalle. Meine Umgebung verwandelt sich in höhnende, furchtbar entstellte Fratzen. Gesichter mit glutroten Augen, stark überstehenden Unterkiefern, eingefallenen Wangen starren mich an. Blecken ihre blutbeschmierten Fangzähne. Kommen näher, immer näher. Ich schließe die Augen, ertrage diesen Anblick nicht, der nicht real sein darf, nicht real sein kann. Alles eine Ausgeburt meiner Fantasie, der Angst, die an mir nagt und sich in die tiefsten Regionen meines Unterbewusstseins frisst.

 

Ein kalter Wind jagt durch den Raum, zischt an mir vorbei und lässt mich zusammenzucken. Wieder jagen Schmerzen durch meinen Körper, ich möchte schreien, doch aus meinem Mund kommt kein Ton. Sie finden keinen Ausweg, enden in einer Sackgasse und verhallen innerlich.

 

Ich lausche meiner Umgebung, höre jedoch nur das Knistern des lodernden Feuers der Fackeln.

Feuer. Hitze. Hölle. Alles so nah beieinander. Bin gefangen im Höllenschlund, habe das Gefühl, als würde mein Körper innerlich verglühen.

Als der Wind vorüber ist, verstärkt sich dieses Gefühl, und erst jetzt bemerke ich, dass ich das Atmen eingestellt habe. Dass ich jegliche Bewegungen, Regungen gestoppt habe.

Ich reiße den Mund auf und schnappe nach Luft, doch das, was durch meine Lungen gleitet, erscheint mir zu wenig, scheint nur langsam voran zu kriechen und das Zentrum meines Körpers nicht zu erreichen, sondern sich auf dem Weg dorthin zu verflüchtigen. Im Nichts zu verpuffen.

Panisch reiße ich die Augen auf und warte geradezu auf die Dämonen, die über mich herfallen, doch sie sind verschwunden. Stattdessen öffnet sich die große Tür, die neben mir liegt, jedoch sehr weit entfernt scheint. Eine verdeckte Gestalt betritt den Raum. Gekleidet in eine rote Robe. Ruhe und Macht ausstrahlend. Ich kann ihr Gesicht nicht erkennen. Der Schatten der Kapuze verdeckt es. Nur zwei gelb glühende Punkte, die mich fixieren und auszulachen scheinen.

 

Ist das der Tod? Das personifizierte Ende meiner Zeiten?

 

Ich kann nicht mehr darüber nachdenken. Spüre noch, wie meine Knie nachgeben, mein Körper sich streckt. Höre noch, wie unzählige Knochen brechen und werde von einer erneuten Hitzewelle in die Dunkelheit getragen.

 

 

12
* * * Methos * * *
 
Verflucht meine Hilflosigkeit
Verflucht meine Verletzlichkeit
offen für Folter
offen für Manipulation
Verflucht meine Liebe, die mein Herz, aber keine Fesseln sprengen kann
 

Ich presse mich fester an das Gitter, den leisen Geräuschen entgegen, die ich eben noch vernommen habe. Da war jemand. In diesem Raum, hinter dem Vorhang. Aber wer? Sokar? War er es, der dort auf mich lauerte, wartete, um dann erneut zuzuschlagen? Seine kleinen, grausamen Spielzeuge an mir auszuprobieren?

 

Er hatte Duncan erwähnt, dass er etwas mit ihm machen würde. Wie ich diesen falschen Gott kenne, wird es etwas Grausames sein. Doch wo ist Duncan? Ist er auch hier? Und wenn ja, warum kann ich ihn nicht spüren?

 

Meine Gedanken werden von den hallenden Schritten einer Person unterbrochen, die ich nicht sehen kann. Sie scheint sich ebenfalls auf der anderen Seite dieser lockeren Wand zu befinden. Dann ist es plötzlich wieder still. Sehr still. Kein Laut ist zu hören, einfach gar nichts. Schließlich lehne ich mich wieder zurück und streiche mir über das schweißnasse, kurze Haar. Schließe die Augen und denke nach. Überlege, wie ich das Ganze hätte verhindern können, was notwendig gewesen wäre, um dieser neuen, unliebsamen Begegnung aus dem Weg zu gehen. Doch ich weiß, dass da nichts zu machen war. Es war nun mal passiert. ER hatte mich gefunden, wie weiß ich nicht, aber er hatte es geschafft. Er hatte immer bekommen, was er wollte, und da ich der einzige war, der es gewagt hatte, sich ihm zu widersetzten, und es sogar geschafft hatte, sich aus seinen Klauen zu befreien, muss ich den Jagdinstinkt in ihm geweckt haben.

Vielleicht hatte er auch die ganze Zeit über gewusst, wo ich war. Vielleicht hatte er nur auf den richtigen Moment gewartet. Auf den Tag, an dem ich etwas haben würde oder an etwas hängen würde, mit dem er mich erpressen, bezwingen, brechen konnte.

 

Glückwunsch, du Bastard. Das Warten hat sich gelohnt. Du hast mich an meiner empfindlichsten Stelle getroffen, einen Weg gefunden, mich für ewig in deine Ketten zu legen. Du weißt, ich würde alles für diesen Mann tun. Das Unmögliche wahr machen. Du hast dich kein Stück verändert. Aber das sollte man von einem Goa'uld auch nicht erwarten.

 

Ein Stöhnen erregt meine Aufmerksamkeit. Ein mühseliges, leises Stöhnen. Wieder lehne ich meinen Körper gegen das Gitter, um dem Zimmer, dessen Inneres ich nicht sehen kann, so nahe wie möglich zu kommen. Lauschend, fühlend, wartend.

 

Sokars metallische Stimme erklingt in dem Raum. Füllt alles aus und scheint sogar die Luft zu verdrängen. Sie ist vernichtend, diese Stimme, und ich hasse sie. "Du hast lange gebraucht, Mensch."

Mensch? Ein Mensch war bei ihm? Vielleicht doch... nein. Ich würde ihn spüren, auf jeden Fall. Er konnte es nicht sein, durfte es nicht sein. Nicht bei ihm, nicht bei diesem Teufel, der Ausgeburt der Hölle.

 

Wieder wird es still. Sie legt sich wie ein schweres Tuch über mich. Rückt unerbittlich näher, scheint mich erdrücken zu wollen. Ich fühle mich plötzlich wie in einer Schrottpresse. Wenn die Wände näher kommen, an einen heran schleichen und einen langsam zerquetschen. Langsam und schmerzhaft. Immer mit diesem Bewusstsein im Hinterkopf, dass man nicht weg konnte. Gefangen war. Ausgeliefert.

 

"Wer bist du?" hustet es durch den Raum. Steckt mich an, schnürt mir die Kehle zu. Er ist es. Duncan. Mein Duncan. Und er ist bei IHM.

 

Ich habe das Gefühl, mit dem kalten Eisen, das mich umgibt, eins zu werden. Versuche irrsinniger Weise, mich durch die schmalen Öffnungen zu zwängen. Vergeblich. Natürlich. Doch ich kann nicht sitzen bleiben. Muss zu ihm, ihm helfen, ihn verteidigen.

 

Ein lautes Summen lässt mich zurückschrecken. Mit einem Ruck beginnt der Vorhang sich zu bewegen, wird durch eine unsichtbare Hand zur Seite geschoben und gibt mir die Sicht in das zuvor verborgene Zimmer frei. Und ich kann ihn sehen, den Highlander. Wie er dort steht. In Ketten, zitternd, mehr tot als lebendig.

 

Er ist so weit weg. Viele Meter müssen zwischen uns liegen. Daher konnte ich ihn nicht spüren, seine Präsenz nicht fühlen, nach der ich mich in den letzten Stunden so gesehnt habe.

 

Ein verzweifeltes Lächeln zeichnet sich auf meinem Gesicht ab, doch er sieht es nicht. Sieht mich nicht. Sein Blick trifft zwar auf meinen, doch er scheint durch mich hindurch zu sehen.

 

 

13
* * * Duncan * * *
 
Wann wird aus Liebe Hass? Was muß ich tun, um es zu verhindern?
Kein Kampf, den ein Schwert gewinnen kann
Kein Kampf, den ich kontrollieren kann
Ein Kampf, den ich nicht verlieren darf
Wo ist mein Gegner? WER ist mein Gegner?
 

Ich bin verrückt geworden. Wundert mich nicht. Mich wundert nur, dass ich weiß, dass ich es bin. Wie lange stehe ich schon hier? Wie lange bin ich schon von ihm getrennt? Ich habe mein Zeitgefühl verloren. Vielleicht brauche ich es auch nicht mehr, nie mehr. Vielleicht habe ich Glück und sterbe an dem Wahnsinn. Auch eine Möglichkeit. Ist jemals ein Mensch an Wahnsinn gestorben? Bestimmt, oder? Wenn nicht allein am Wahnsinn, dann durch Handlungen in diesem unliebsamen, abstoßenden Zustand.

 

Ich kneife die Augen zusammen und warte ein paar Sekunden. Dann reiße ich sie wieder auf. Die seltsame Gestalt vor mir bleibt, und als mein Blick über deren Schulter gleitet, sehe ich, dass diese Illusion ebenfalls noch da ist.

 

Methos. Nackt. Zusammengekrümmt, in einen kleinen Käfig gepfercht. Zu weit weg, um ihn spüren zu können, doch nah genug, um ihn zu erkennen.

Ein trauriges Lächeln, blasse Gesichtsfarbe. Seinen blanken Körper, gegen die schwarzen Stäbe gepresst. Als wolle er durch sie hindurchgleiten oder als nehme er an, dass sie unter seinem Druck nachgeben würden.

 

Die Gestalt vor mir lässt die Kapuze nach hinten rutschen und legt den kahlen Kopf frei. Dieser Mann war nicht nur blass, er sah aus wie eine wandelnde Leiche, so, wie ich mir einen Zombie vorstelle. Die Adern treten unter der Albinohaut hervor, heben sich in diesem kalten Blau davon ab. Genauso kalt wie seine komplette Erscheinung.

 

Er folgt meinem Blick, dreht sich kurz um und lächelt, als er mich erneut fixiert. "Wie ich sehe, hast du deinen Freund schon entdeckt. Ich habe ihm den Logenplatz für unser kleines Spiel freigehalten."

Meinen Freund schon... keine Illusion? Sollte ich wirklich noch Herr - wenigstens einiger - meiner Sinne sein? Also war es dann wirklich Methos, der mich anstarrte?

Ich weite die Augen und sehe ihn an. Kann meinen Blick nicht mehr von ihm lassen. Er ist wirklich hier, hier bei mir, kann mich sehen. Die Entfernung ist zu groß, als dass wir uns spüren könnten, und das ist es, was ich jetzt bräuchte. Dieses Gefühl in meinem Körper, das mir sagt, dass er in meiner Nähe ist. Seine Präsenz, die durch meinen Körper flutet und dieses Kribbeln auslöst. Seine bloße, spürbare Anwesenheit, die mich beruhigen würde.

 

Der Fremde macht einen weiteren Schritt auf mich zu, so dass ich meine Aufmerksamkeit reflexartig wieder auf ihn lenke. Wenn ich genau hinsehe, ist es sogar noch breiter geworden, dieses Grinsen. Seine gelben Augen gleiten über meinen Körper. Ich hasse es zu wissen, wo er hinsieht, was er alles sieht. Mein Blick wandert nach oben, der Decke entgegen, als seine dunkle, unmenschliche Stimme erneut erklingt und mich zusammenzucken lässt.

"Wir werden viel Spaß miteinander haben."

 

Doch der schmerzhafte Griff seiner Hand zwischen meinen Beinen überzeugt mich vom Gegenteil.

 

 

14
* * * Methos * * *
 
Alles erlebt, alles gesehen, alles getan
Eine Wahrheit, wie sie leerer und bedeutungsloser nicht sein kann
Jedes Mal ist anders: Jedes Lächeln, jede Träne, jede Liebe
Wo immer, was immer, wer immer ich auch war -
Neugeboren erlebe ich jede Sekunde meiner Existenz
 

Mein Körper verkrampft sich. Versucht, sich noch kleiner zu machen, genau in dem Moment, in dem Sokar ihn berührt. Ich kann es sehen, kann alles sehen, und jede Berührung an meinem Geliebten kommt mir wie eine an meinem eigenen Körper vor. Das zu sehen schmerzt. Sokar weiß das, das ist sein Plan, sein krankes Spiel. Der alleinige Zweck des Ganzen.

 

Die Erkenntnis, nichts, aber auch gar nichts tun zu können, breitet sich in mir aus und treibt die Verzweiflung weiter voran. Dieser Teufel hat mich in seiner Hand, und das, ohne mich zu berühren. Er hat ihn, Duncan. Und es tut so weh, zu sehen, was er mit ihm macht. Ich habe keine Vorstellung davon, wie es weitergeht, aber das Gegenwärtige ist schon zuviel.

 

Seine Robe öffnet sich, legt den nackten, kalten Körper frei, der sich jetzt gegen den brennenden, dunklen Körper drängt. Die langen Fingernägel des Goa'uld gleiten tastend über Duncans Oberarme, auf und ab, fast zärtlich, beruhigend, um dann zu stoppen und die spitzen Nägel durch die weiche Haut zu bohren, tief im Fleisch des Opfers zu vergraben. Ich kann seinen leisen Schmerzensschrei hören, sehe das Blut, das über seine Muskeln fließt, als Sokar seine Hand wegnimmt und beginnt, das Gesicht des Highlanders zu erkunden. Über die Augenlieder zu streichen, die Konturen der Lippen nachzuzeichnen, indem er eine dünne Blutlinie darauf hinterlässt. Wieder presst er seinen unmenschlichen Körper gegen Duncan, fester, brutal. Seine Hände krallen sich an ihm fest. Darauf bedacht Schmerzen zuzufügen, dem Opfer ein leises Wimmern zu entlocken, ihn zu quälen. Langsam, sehr langsam. Pervers.

 

Mein Mund ist weit geöffnet, während ich auf diese Prozedur starre, sie verfolge. Meine Hände haben sich fest um die Eisenstäbe gelegt, die Haut färbt sich Gelb. Es muss weh tun, doch ich spüre es nicht. Sehe nur noch, was dort geschieht, die Signale meines eigenen Körpers nehme ich nicht mehr wahr.

 

Seine Hand schiebt sich zwischen ihre Körper, rutscht tiefer. Schroff über Duncans Intimitäten, die diesem Monster schutzlos ausgeliefert sind. Rutscht noch tiefer, zwischen seine Beine. Dann stößt er zu.

Duncans Schrei hallt durch den Raum, und ich habe das Gefühl, als würde der Boden unter mir erbeben. Tränen laufen über mein Gesicht. Ich weine, lautlos. So, wie ich es gelernt habe. Man kann diese Schwäche nicht hören, man kann sie nur sehen, aber dazu sind sie zu weit weg. Und zu beschäftigt:

 

Duncan, den Schmerz zu überwältigen, nicht in eine endlose Leere abzutriften, der Gefühlsflut Herr zu werden.

Sokar, Schmerz zuzufügen, Leiden zu verursachen und sich daran zu ergötzen. Sich seine Befriedigung zu holen. Egal um welchen Preis. Dabei ist er derjenige, der nimmt und nichts bezahlen muss. Zahlen müssen nur die anderen, muss Duncan.

 

Ich schließe die Augen und atme tief durch. Ich kann es nicht mehr sehen, will es nicht mehr sehen. Ich zittere, weine, leide. Und verfluche mich selbst.

 

 

15
* * * Duncan * * *
 
All das Training, all der Schweiß, all die Entschlossenheit
um Perfektion zu finden, um bereit zu sein, allzeit bereit
um dich mit dieser vollkommenen Stärke zu überschütten
Doch du fandest sie nur erschreckend, abstoßend, kalt
Und jetzt, wo ich diese Kraft bräuchte, erkenne ich ihre Schwäche
 

Ich kann das Blut spüren, das aus meinem Inneren fließt. Fühle die Verletzungen, die sich aufgetan haben. Meine Augen fest geschlossen, versuche ich ihn zu verdrängen. Meinen neuen Gefährten, der mich während meines ungewollten Aufenthalts hier begleitet. Den Schmerz. Ich habe ihn schon in so vielen Varianten wahrgenommen. Seelisch wie körperlich. Beides zwei völlig unterschiedliche Dinge. Nicht miteinander zu vergleichen, beide grausam und ungeliebt. Diesmal ist es anders. Diesmal erlebe ich beides auf einmal.

 

Seelisch: Ausgeliefert. Schutzlos. Verloren. Und nicht allein. Methos kann es sehen, es verfolgen. Sieht zu, wie ich hier stehe, wehrlos, schwach, und es ist mir mehr als unangenehm. Lässt mich den Vorhang zurück wünschen, der bis vor kurzem noch zwischen uns hing, und mich somit vor seinem entsetzten Blick schützte. Ich schäme mich, traue mich nicht mehr, ihn anzusehen. Ich habe meine Schwächen noch nie gern gezeigt, wollte ihm somit deutlich machen, dass ich vielleicht jung, aber sehr stark bin. Wollte sein Beschützer sein. Das Böse von ihm fernhalten. Wollte, dass wir glücklich sind und nichts zwischen uns stehen lassen. Frieden und Glück. Anfangs ein bescheidener Wunsch. Leider muss ich jetzt einsehen, dass er unerfüllbar ist. Was einmal so nah schien, in weite Ferne gerückt ist. Ungreifbar, unantastbar, undenkbar.

Sollte dies alles einmal ein Ende finden, wird nichts mehr so sein wie zuvor. Wird sich unser komplettes Leben verändern. Wenn wir denn dann noch eins haben. Ich zweifle daran, jemals wieder frei zu sein. Denn eine Erinnerung an das hier, würde mich, ihn, ewig gefangen halten und nie mehr freigeben. Schlimmer kann der Tod nicht sein.

 

Körperlich: Die Brutalität, mit der dieser Fremde vorgeht, zerreißt mich. Lässt meine Gedanken durcheinander wirbeln. Kaum noch Platz für klares Denken. Alles wird von Emotionen verdrängt. Von den Schmerzen. Mein Körper hat sich verkrampft, was das Ganze noch schlimmer macht. Versucht, diese Abwehrhaltung aufrecht zu erhalten, um sich zu schützen. Doch damit bewirkt er genau das Gegenteil. Mir wird schlecht, ich schmecke die Galle, würde mich am liebsten übergeben, doch nicht einmal das kann ich. Er hat mich vollkommen in seiner Gewalt und nutzt dies schamlos aus. Schwankt zwischen bedrohlichem Spiel und bitterem Ernst. Seine Handlungen sind unvorhersehbar. Ständig muss ich mit etwas anderem, eventuell noch Schlimmeren rechnen. Mein Henker, der den Weg zu mir fand. Ich mutierte zum Schaf auf der Schlachtbank. Kaum dass meine Wunden verheilt sind, kommen auch schon die nächsten. Das Blut rinnt in dünnen Linien meine Beine hinab. Immer wieder stößt er zu. Und der Druck wird immer größer. Ich bin nur dankbar, dass ich nicht zusehen muss. Das würde ich nicht auch noch ertragen.

Als ich das Gefühl habe, innerlich zu zerbrechen, befreit er seine Finger aus meinem Körper, der sich daraufhin etwas entspannt, dennoch auf der Hut bleibt.

 

Langsam öffne ich die Augen und beobachte seine nächste Handlung. Er lächelt, wieder. So abstoßend, mit seinen kalten, gelben Augen. Dann öffnet er meine Fesseln. Eine nach der anderen. Beine, Arme und sogar die Schnalle an meinem Hals. Dann tritt er einen Schritt zur Seite und sieht zu, wie ich falle. Der Boden mir entgegenrast.

Mit einem dumpfen Knall schlage ich auf. Schaffe es nicht, wieder aufzustehen. Das will er auch gar nicht. Langsam spreizt er meine Beine, kniet sich hinter mich, bis ich seine Genitalien zwischen meinen Pobacken spüren kann. Ich versuche mich zu wehren, will seiner Berührung entgleiten, indem ich mich weiter nach vorne ziehe, doch er hält mir ein seltsames Gerät vor die Stirn, verbunden mit seiner Hand. Ein goldener, spiralförmiger Armreif, der seinen Unterarm schmückt. Schlängelt sich hoch zu seiner Hand, die von weiterem Gold fast vollständig verdeckt wird. In der Mitte, dort, wo die Handfläche ist, ragt mir eine orangenfarbene Halbkugel entgegen. Ich höre sein dunkles Lachen, als sie zu glühen beginnt. Diese Halbkugel, und die Energie auf mich niederfließt.

 

Ich kann Methos schreien hören. Verstehe ihn jedoch nicht mehr. Alles klingt dumpf und unwirklich.

Wärme flutet meinen Körper. Sammelt sich in meinem Kopf. Ich spüre langsam, wie ich in eine Welt zwischen Schein und Sein versinke. Bin unfähig, mich zu bewegen, und doch bei vollem Bewußtsein. Diese Waffe ist besser als alle Fesseln, sie lässt einem die Illusion, frei zu sein, um einen mit einer fremden Macht doch gefangen zu halten. Als das Licht erlischt, sinkt mein Kopf zu Boden, schließe ich die Augen. Mein Körper gehorcht mir nicht mehr, dennoch kann ich ihn spüren. So wie den Fremden, der seine Hände um mein Becken schließt und sich näher an mich drängt. Was folgen wird, kann ich mir nun denken.

 
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