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Gefangene des Teufels© by Natascha/Norynia () (Gedichte von Birgitt)
31 * * * Duncan * * * In der Zeit, als ich glaubte, mit dir eins zu sein Habe ich von dir gelernt, über deine Art zu leben, zu lieben, zu kämpfen Deine Art, so ganz anders als die meine Doch wäre ich ein schlechter Krieger Würde ich mich irgendeiner Art des Triumphs verschließen Mein Blut beginnt zu kochen, und das Verlangen macht sich in mir breit, dich hier und jetzt zu packen und an der Wand zu zerschmettern. Doch ich tue es nicht. Keine Ahnung wieso. Ich sehe die Angst in deinen Augen. Kommt es von meinem Anblick, oder von dem, was Sokar eben gesagt hat? Ich weiß es nicht, denn ich habe nicht zugehört. Habe nur noch dich gesehen, und alles andere um mich herum unbewußt ignoriert. Du hast dich umgedreht, zum Fenster, zu ihm. Von mir hast du dich wieder losgesagt, und es stört mich noch nicht einmal.
Sokar sieht mich lächelnd an, und ich blicke kalt zurück. Warum sollte ich etwas anderes tun? Ich werde mich nicht so unterwürfig verhalten, wie du es tust. Wie kann man nur so tief sinken, Methos? Diesem Monster auch noch Respekt zu zollen, ist das letzte, was ich von dir erwartet hätte. Nach dem, was er mit dir und mit mir gemacht hat. Du scheinst schwächer zu sein, als ich dachte.
"Mensch, es wird dich sicherlich freuen, zu hören, dass du zu deinem Heimatplaneten zurückkehren wirst."
Mit einem Ruck wende ich mich der Person zu, die mich angesprochen hat. Zu Sokar, dem Goa'uld. Sagte er Heimatplaneten? Zur Erde? Oder habe ich mir das nur eingebildet?
"Was?" frage ich laut und trete einen weiteren Schritt an ihn heran. Mein Gesicht zu einer Maske erstarrt, die nur noch Hass und Verachtung ausdrückt. Er dagegen lächelt immer noch. Und dies steigert mich in meinen negativen Empfindungen. Dieses Aas hat nach all dem noch die Frechheit mich anzugrinsen? Aus einem Schritt werden mehrere. Ich stürme auf ihn zu, spüre nur noch den Drang, ihn zu töten. Hier, sofort. Goa'uld hin oder her, auch er muss zu töten sein, und ich werde jetzt rausfinden wie. Doch so weit kommt es gar nicht. Du stellst dich schützend vor ihn und bringst mich zum Stehen. Breitest deine Arme aus und signalisierst mir mit dieser Geste, dass es für mich kein Durchkommen gibt.
"Nicht!"
Meine Augenbrauen ziehen sich fragend zusammen. Du verteidigst ihn? Dieses Wesen? Gegen mich? Für einen Moment bin ich ratlos, geschockt. Ich fasse es einfach nicht, kann es einfach nicht fassen.
"Warum tust du das?"
Dein Blick wird traurig. Dann leer. Du bist am Ende, das entgeht mir nicht, dennoch verstehe ich deine Handlung nicht, oder gerade deswegen. Du suchst nach Worten, und ich meine zu spüren, dass es da sehr viel gibt, was du mir sagen möchtest. Nur zu, Methos. Aber warte nicht zu lang, denn ich werde es auch nicht tun. Als du schließlich beginnst zu sprechen, bin ich enttäuscht, mal wieder. Ich habe etwas anderes erwartet. Was, weiß ich nicht so genau, jedoch sicherlich nicht das.
"Du hast keine Chance, Duncan. Beherrsche dich, sonst wird er dich nicht frei lassen!"
Und wieder spüre ich dieses Feuer in meinem Körper, das mein Innerstes erfüllt und den Hass auflodern lässt, zu einer tödlichen Waffe, die ich in diesem Moment gegen jeden richten würde. Du bist der einzige, der sich mir in den Weg stellt. Und so packe ich dich an den Schultern und schleudere dich gegen die Wand. Höre, wie deine Knochen brechen, und drücke dich weiter gegen das kalte Gold. Dein Schrei erfüllt mich mit Freude und Genugtuung. Jedoch reicht es mir nicht, und so schlinge ich meine Hände um deinen Hals, um zuzudrücken. Deine Lunge zu zerquetschen. Ich möchte dich sterben sehen, und dieser Gedanke verdrängt alles andere in mir, das dich jetzt noch retten könnte. Verzweifelt versuchst du, dich aus meinem Griff zu befreien, doch es ist zwecklos. Ich schöpfe meine Kraft aus einer Quelle, die du vor vielen Jahren hinter dir gelassen hast.
"Genug!"
Auf Sokars Befehl hin greifen die Wachen nach mir und zerren mich von dir weg. Uns auseinander. Ich schlage um mich, doch es sind zu viele, als dass ich eine Möglichkeit hätte, mich allein zu befreien und mein Vorhaben beenden könnte.
"Wie ich sehe, ist dein Freund nicht gut auf dich zu sprechen, Methos. Warum bloß?"
Ein kurzes Nicken zu den Wachen, und sie lassen mich wieder los, zwei von ihnen versperren mir den Weg zu dir. Ich kann nur sehen, was du tust, es jedoch nicht mehr beeinflussen. Zusammengekrümmt und keuchend kniest du am Boden. Die Hände um deinen Hals gelegt, nach Luft schnappend. Als etwas Silbernes neben mir aufblitzt, glaube ich erst an eine Illusion, oder ähnliches, doch als ich es genauer betrachte, erkenne ich, dass es real ist. Lächelnd nehme ich das Schwert in die Hand und sehe zu Sokar. Der nickt nur und dirigiert die Wache zu dir, der erschrocken hochfährt und von einem zum anderen blickt.
"Das ist nicht Euer Ernst!" entfährt es dir, und Panik macht sich in deinem Körper breit. Ich sehe es, und es gefällt mir, was ich sehe. "Anscheinend doch!" meine ich kühl, und schwinge das Schwert durch die Luft, bevor ich mich in Position bringe.
32 * * * Methos * * * Wie oft habe ich die Szenarios durchdacht und geplant, in denen wir uns als Feinde gegenüberstehen? In diesen Augenblicken intellektueller Herausforderung Verschloß ich mein Herz und meine Seele vor mir selbst Wissend, dass die Antwort hier und nicht in meinem Geist zu finden ist. Ich kann nicht fassen, was du vor hast. Was er vorhat. Ein Kampf? Wir beide? Gegeneinander? Das darf nicht wahr sein! Nicht jetzt, wo ich dich doch schon fast in Sicherheit hatte. Als ich dachte, es würde wieder gut werden. Nicht für mich, nicht zwischen uns, aber trotzdem, besser als jetzt. Ich balanciere das Schwert in meiner Hand. Die kalte Klinge bricht das Licht der Fackeln und strahlt mich an. Fordert mich heraus. Doch ich kann es nicht, werde es nicht tun. Auch wenn ich mit Schrecken feststellen muss, dass du dazu bereit bist, so werde ich es nie sein. Ich überlege, ob ich es fallen lassen soll, habe jedoch Angst, dass du die Gelegenheit nutzen und mich töten wirst. Und es ist furchtbar für mich, diese Gewissheit zu haben. Ich wollte dir doch helfen. Habe mich für dich geopfert, verkauft. Warum siehst du das nicht, nimmst es nicht wahr? Was muss ich noch tun, damit du gehst? Dass du mir verzeihst, verlange ich ja gar nicht, nur dass du akzeptierst. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, würde es ja gerne, aber es geht nicht. Und ich werde nicht in einer Zukunft leben, in der du nicht mehr bist!
"Duncan?" Meine Stimme ist heiser. Jedes meiner Worte tut mir weh. Meine Kehle wird von der Angst zugeschnürt, die von mir Besitz ergriff. Ich weiß nicht, was ich tun soll, sagen soll, um dich von deinem Vorhaben abzubringen, mein und auch dein Leben zu retten. Alleine schaffe ich es nicht. Ich brauche deine Hilfe dazu, deinen Willen! "Ich werde dich nicht töten, hörst du!?" Dein Blick ist kalt. Deine Augen durchbohren mich und fügen mir einen Schmerz zu, der in körperlicher Form kaum zu übertreffen ist. Langsam mache ich einen Schritt auf dich zu, als ich aber sehe, wie du den Knauf des Schwertes fester umschließt, bleibe ich wieder stehen. Es ist zu gefährlich, mich dir zu nähern, zumindest im Moment, und ich befürchte, es wird auch so bleiben. Wie gern würde ich dich jetzt in den Arm nehmen und an mich drücken. Dir meine Wärme geben, um dich wieder leben zu sehen, um dich wieder zu dem zu machen, was du warst. Du hast dich so verändert, so, dass ich dich kaum wiedererkenne.
"Lass uns reden." "Es gibt nichts mehr zu reden!" Mit einem Satz bist du bei mir und holst aus. Nur ein Fall nach hinten rettet mich vor deinem Schlag. Unsanft pralle ich auf den Boden und sehe zu dir hoch. Es will einfach nicht in meinen Kopf, will es nicht verstehen. "Lass es mich dir erklären! Es ist ganz anders, als du denkst, ich..." "Ich habe gewußt, dass du das sagen würdest, Methos. Für wie dumm hältst du mich eigentlich? Oder für wie naiv?" Wieder ein Schlag und ich rolle mich im letzten Moment zur Seite, stoße gegen die Wand und habe Mühe, mich wieder aufzurichten und dir erneut auszuweichen. Die Klinge deines Schwertes prallt gegen das Gold und lässt Funken sprühen. Völlig regungslos stehe ich da und sehe dich nur an. Unfähig mich zu bewegen, oder mich gar zu wehren. Gegen dich schaffe ich das einfach nicht. Zu groß ist meine Angst, dir wehzutun, dich zu verletzten, oder zu töten. Die Wunden würden zwar heilen, oder du würdest wieder erwachen, aber wäre dein Hass dann nicht nur noch größer? Sollte ich es wirklich darauf ankommen lassen? Ich denke nicht. "Warum nutzt du deine Chance nicht? Du kannst gehen, verdammt! Du bist frei!" "Ich bin erst frei, wenn er tot ist und ich mich an dir gerächt habe!" Und wieder schneidet dein Schwert durch die Luft, doch diesmal weiche ich nicht aus und spüre bald den brennenden Schmerz, der sich in der Wunde, quer über meiner Brust ausbreitet. Dunkles Blut quillt hervor und fließt in Bahnen an mir hinunter, färbt das Blau meiner Jeans schwarz. Mein Körper sackt in sich zusammen, gehorcht mir nicht mehr und sinkt zu Boden. Die Schmerzen rauben mir fasst den Verstand, meine Hände krampfen sich zu Fäusten und ich bin unfähig, sie wieder zu öffnen.
Nur schwer schaffe ich es, meinen Kopf zu heben. Und als ich dich ansehe, spüre ich auch schon den kalten Stahl an meinem Hals.
33 * * * Duncan * * * Niemals habe ich gewagt, mir das Ende vorzustellen Zu sehr war ich damit beschäftigt, dich vor den Herausforderungen, die andere an dich richten könnten, zu bewahren, indem ich alle Kämpfe auf mich zog Fühlte mich stark und unbesiegbar, so großmütig und tapfer, Dass ich niemals über meine Schulter blickte, um dich in meinem Schatten zu sehen Nie hätte ich gedacht, dass es zwischen uns einmal so weit kommen würde. Ich habe immer den Gedanken verdrängt, dass wir uns einmal im Kampf gegenüber stehen könnten, und es nur für einen von uns ein Weiterleben geben würde. Mir wird mal wieder gezeigt, dass alles anders kommen kann als erwartet. Was man zu wissen, zu fühlen, glaubt, ist nur ein Trugbild. Die Wahrheit ist anders. Undurchschaubar, und erst zu erkennen, wenn sie unerwartet über einen hereinbricht. Man kann sich nicht darauf vorbereiten. Und keiner wird es jemals können.
Dein Blick ist leer. Regungslos. Kalt. Deine Augen haben die meinen fixiert und halten daran fest. Dein Gesicht erstarrt zu einer Maske, so, wie meines es schon vorher war. Keine Gefühle mehr, keine Emotionen. Wie in Stein gemeißelt. Verdeckt das Innere, macht es für den anderen unsichtbar. Deine blutverschmierten Hände, die eben noch gegen deine Wunde gepresst waren, rutschen zur Seite und hängen an dir herunter. Zeigen, dass du nicht mehr bereit bist, sie zu bewegen. Dein Atem ist schwer, kein hastiges Keuchen mehr. Du starrst mich an und wartest. Darauf, dass ich zuschlage. Es zu Ende bringe. Mit einer langsamen Bewegung lasse ich den Stahl über deine Schulter gleiten, lasse zu, wie er eine feine, blutige Linie an deinem Hals hinterlässt. Vergebens warte ich auf eine Reaktion deinerseits. Du rührst dich nicht mehr, verharrst in deiner jetzigen Position. Hast bereits mit deinem Leben abgeschlossen und akzeptiert, dass es durch meine Hand geschieht. Für mich nicht nachvollziehbar. Du bist plötzlich so fremd, deine Erscheinung so unwirklich. Du bist nicht Methos, kannst nicht Methos sein. Sondern nur ein Fremder in seinem Körper, nichts weiter. Und ich frage mich, was mit dem alten Methos geschehen ist, oder ob er sich hinter dieser Maske so gut versteckt, dass ich ihn nicht mehr finden kann.
"Warum wehrst du dich nicht?"
Mein Schwert stoppt, und ich schiebe es wieder zu der Stelle zurück, an der es zuvor lag. Deine Stimme ist leise und würde ich sie nicht hören, könnte ich kaum glauben, dass du sprichst. Deine Lippen bewegen sich kaum, wie auch der Rest deines Körpers.
"Weil ich dich nicht töten werde."
Wie kannst du dir so sicher sein, dass du in einem Kampf, indem du ebenfalls dein Schwert führen würdest, gegen mich eine Chance hättest? Ich weiß, das klingt überheblich, aber diese Gewissheit in deinen Worten stört mich. Wann hörst du endlich auf, in mir das Kind zu sehen? Oder wirst du diese Einstellung bis zu deinem Tod beibehalten? Wir werden sehen, jedoch ist es nicht das, was mir zu denken gibt, sondern der Sinn, der in dem eben Gesagten steckt. Die Tatsache, dass du mich nicht töten wirst, auch nicht, wo doch dein Leben jetzt davon abhängt. Du weigerst dich, dein Schwert gegen mich zu erheben.
"Warum?" frage ich schließlich und lockere meinen Griff um den Knauf meiner Waffe. Lege meinen Kopf schräg und sehe dich an. Warte auf eine Gefühlsregung in deinem Gesicht. Deine Züge verändern sich nicht. Scheinbar ändert sich auch nichts an deiner Haltung. "Weil ich dich liebe", flüsterst du, und ich kann die Träne sehen, die plötzlich über deine Wange rinnt.
34 * * * Methos * * * Meine Pläne für mich endeten niemals mit meinem Tod Der Glaube, nein, das Wissen um unser Quickening bedeutet für uns Unsterbliche, dass es ein Nirwana nicht gibt Wir müssen nur glauben an den, der den Preis davonträgt, Dass er unsere Existenzen ebenso in sich trägt wie seine eigene Glaubst du an Engel? Nicht den Erzengel Raphael, oder andere biblische Geschöpfe. Ich meine Engel, die angeblich in uns stecken. Ständig bei uns sind und versuchen, uns den Weg in die richtige Richtung zu zeigen. Unerkannt, unentdeckt, aber allgegenwärtig. Viele Menschen glauben an sie, an ihre bessere Hälfte. Sie sagen, die Engel verweilen stets im Hintergrund und lassen uns den Glauben, selbst über die Art, die wir leben zu entscheiden. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Sicher, es wäre eine Erklärung für einige Handlungen in meinem Leben, aber würde das nicht auch heißen, dass ich beeinflußbar bin? Dass es nie mein Wille war, der mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin? Ich denke, das, was manche als ihren inneren Engel bezeichnen, ist nicht viel mehr als unser Gewissen, das sich manchmal zu Wort meldet. Ein Teil unserer Seele, den man nicht immer ignorieren kann. Keine Ahnung, wie ich jetzt darauf komme. Vielleicht, weil ich mir wünsche, dass auch in dir solch ein 'Engel' steckt, der dich jetzt bekehrt? Würde das einer allein überhaupt schaffen? Ich bin mir sicher, etwas von dem, das ich so sehr an dir liebte, ist noch irgendwo da drin. Tief verborgen in deinem Herzen. Wagt es nur nicht herauszukommen. Aus Angst, Furcht. Weil es schon zuviel gesehen hat, das ihm wehtat und verscheuchen konnte. Es verschließt sich vor der Außenwelt, darauf bedacht, weiteren Attacken auf das empfindlichste Innere zu entgehen. Ich verstehe es ja. Aber wäre es jetzt nicht an der Zeit, es wieder rauszulassen? Sofort? Eines Tages wirst du es tun, da bin ich mir sicher, aber wenn du zu lange damit wartest, wird es zu spät sein. Dann werde ich nicht mehr sein, verstehst du? Dann ist alles, was zwischen uns war, für immer vorbei, bevor es richtig angefangen hat.
Irgendwie, auf eine übermenschliche Art, werde ich immer noch bei dir sein, in dir sein. Denn du wirst mein Quickening empfangen und in dir aufnehmen. Ich werde weiterleben, in dir. Nur meine körperliche Hülle wird dir auf ewig im Gedächtnis bleiben und dein Herz zum Weinen bringen. Wer weiß, vielleicht werde ich sogar dieser 'Engel' sein, oder eben ein neuer Teil deiner Seele, deines Gewissens, das in dir ruht und nur herauskommt, wenn dein Leben in falsche Bahnen rutscht. Werde ich es sein, der dich tröstet, wenn du allein bist. Der dir Mut zuspricht, wenn du dich aufgibst. Der dich liebt, wenn alle dir den Rücken gekehrt haben.
Eines Tages wird es auf jeden Fall so sein, da bin ich mir sicher, und von dieser Überzeugung könnte mich auch niemand abbringen, aber muss es ausgerechnet jetzt sein? Wo ich es doch bin, den du am meisten brauchst, brauchen wirst, wenn du das hier überstehst? Was ist dir lieber? Die Erinnerung an mich, als lebenden Menschen, der hier irgendwo im Weltall lebt und an dich denkt, oder die Erinnerungen an deinen Schlag, der mich das Leben gekostet hat? Entscheiden musst du dich, keine Frage. Ich hoffe nur, dass du die richtige Entscheidung triffst. Ich kann es nicht mehr beeinflussen, ich werde ertragen, akzeptieren. Aber ich werde niemals aufhören, dich zu lieben.
Jetzt, wo ich dich vor mir sehe, und das gesagt habe, was ich fühle, meine ich sehen zu können, wie die Kälte aus deinem Körper entweicht, an den Wänden verpufft. Sag mir, ist es nur Einbildung, entsprungen aus meiner letzten Hoffnung, oder ist es die Wirklichkeit? Ich selbst bin mir nicht mehr sicher, was ich sehe.
35 * * * Duncan * * * Warum weckst du, den ich am meisten liebe, die größten Zweifel in mir? Wenn du fühlst, wie du sagst, warum Kannst du nicht einfach da sein und lieben mich halten und schützen gegen meine Ängste anstatt mich an die Grenzen zu treiben, an Orte, die ich fürchte? Wo sich mein Griff eben noch gelockert hat, öffne ich jetzt die Hand, in der das Schwert liegt, und balanciere den Knauf auf der Handfläche. Gebe dir wieder eine Möglichkeit, die du, meiner Meinung nach, nicht verdient hast. Zeige ich wieder mehr Menschlichkeit, als ich wollte. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, kann diese - deine - Worte nicht akzeptieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wegen Liebe zu mir dein Leben aufs Spiel setzt. Lieber stirbst, als ohne mich zu sein. Das ist es, das ich mir die ganze Zeit so sehr gewünscht habe. Dies zu wissen und genießen zu können. Mir deiner Liebe bis zum bitteren Ende hundertprozentig sicher sein zu können. Aber das ist es auch, was mich jetzt am meisten erschreckt. Ich hatte die Hoffnung verdrängt, dass ich dir wirklich so wichtig bin, ich dir doch soviel bedeute. Dass ich dein Leben bin. Ausgerechnet ich, der in diesem Moment den süßen Geschmack der Rache auf seiner Zunge schmeckt und in vollen Zügen auskosten will.
Die Wärme, die versucht, sich in mir auszubreiten, schmerzt. Alles in mir sträubt sich dagegen. Liebe und Hass, die sich jetzt gegenüberstehen. In mir tobt ein Krieg, den ich nicht mehr beeinflussen kann, nicht beenden kann. Jeder Körperteil scheint etwas anderes zu wollen, kooperieren nicht mehr miteinander, nicht mehr mit mir.
Schweigend stehe ich da. Ich zittere, unbewußt. Ich selbst merke es erst, als ich sehe, wie die Klinge des Schwertes auf deiner Schulter zu schwanken beginnt. Hastig umschließe ich es wieder und reiße es in die Luft, hinter meinen Rücken. In zwei Sekunden könnte alles vorbei sein. Das einzige, was ich jetzt noch tun muss, ist zuschlagen. Kurz und schmerzlos. Denn die wirklichen Schmerzen haben wir uns schon vorher gegenseitig zugefügt. Eigentlich ist es jetzt eine Art Erlösung. Befreiung. Ich befreie dich von deinem Leid. Den Schatten deiner Vergangenheit. Den Dämonen längst vergessener Zeiten. Aber was wird dann aus mir? Trage ich dann deine Erinnerungen in mir? Was ist, wenn sie sich bemerkbar machen, zum Vorschein kommen, nicht in den hintersten Ecken meines Bewußtseins bleiben, dort, wo ich sie nicht ertragen muss? Bin ich stark genug, um das zu verkraften? Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts mehr. Ich bin wieder dort angelangt, wo ich einst schon einmal war. Ich weiß nicht mehr, was ich hier tue, warum ich es tue. Was das Ganze soll. Mein Wille wird schwächer, langsam, und ich kann es spüren. Wenn ich jetzt noch länger warte, werde ich zu gar nichts mehr fähig sein. Werde ich wieder zu dem Wrack, das ich bis vor kurzem noch war. Werde ich wieder in diesen Zustand abdriften, der mir so verhasst ist, den ich endgültig hinter mir lassen wollte.
Ich reiße den Mund auf und zeige die Zähne, schreie so laut ich kann und unterdrücke die Tränen, die sich in meinen Augen sammeln, als ich die ganze mir verbliebene Kraft in meine Arme lege und die stählerne Klinge des Schwertes auf dich zurasen lasse. Antwort auf diesen Schlag ist ein lautes klirrendes Geräusch. Warum überrascht es mich nicht? Kenne ich dich doch mehr, als ich mir eingestehen wollte? Ein Lächeln zeichnet sich auf meinem Gesicht ab, und ich weiß nicht, ob es ein Lächeln der Freude ist, das signalisiert, wie glücklich ich darüber bin, dass ich dich nun doch nicht ermordet habe, weil du dich endlich wieder aufgerafft hast. Oder ob es ein Lächeln meiner Zufriedenheit ist, das signalisiert, dass etwas ganz tief in mir drin wußte, dass du das tun würdest, und sich jetzt bestätigt fühlt, und dass ich wohlwollend erkenne, dass ich nun doch noch meinen ersehnten Kampf bekomme.
36 * * * Methos * * * Wie begräbt man die Vergangenheit, ohne sein eigenes Grab zu schaufeln? Wie ignoriert man einen Teil seines Wesens, ohne das Ganze zu zerstören? Wie könntest du mich ohne Death lieben? Da ist es wieder. Dieses Gefühl, dieser Drang, diese scheinbar höhere Macht, die mich durch die Jahrtausende meines Daseins begleitet hat. Mein Überlebensinstinkt. Völlig unaufgefordert fließt er wie Blut durch mein Herz, vernebelt meine Gedanken, übernimmt die Kontrolle über mein Handeln. Doch diesmal ist es mehr. Er ist nicht allein, wird begleitet. Der Ruf der Vergangenheit hallt durch meinen Körper und dröhnt durch meinen Kopf. Ich erstarre, vor Schreck, vor Angst. Sehe nur noch zu, wie ich kämpfe, wie er kämpft. Er, Death, mein zweites Ich, das Zentrum meines Herzens, der Krieger, der ich einst war, und von dem ich glaubte, ihn längst hinter mir gelassen zu haben. Er ist wieder da, und bereit für diesen wichtigen Augenblick. So, wie ich es nicht war. Stärker als je zuvor. Hat dich verdrängt, und alles, was mich mit dir verband. Hat es sogar geschafft, mich selbst in den Hintergrund rutschen zu lassen, damit ich ihm nicht im Weg bin. Ich weiß, was er tun wird. Ich kenne ihn. Und genau das macht mir Angst. Es scheint, als hätte er die lange Zeit, die er verborgen verbringen musste, genutzt, um an Stärke zu gewinnen. Er steht wieder über mir und verfolgt nur ein Ziel. Nämlich das, was ich um jeden Preis zu verhindern versuchte. Du lächelst. Noch. Du kannst nicht wissen, was gerade in mir vorgeht. Früher vielleicht. Damals. Jetzt nicht mehr. Auch in dir ist etwas herangewachsen, das dich verändert. Du hast dich zurückgezogen und deinem Hass die Kontrolle überlassen. Weil es ja soviel einfacher ist, jemanden, oder etwas anderes, für sich handeln zu lassen. Ich kenne das, Duncan. Aber ich habe es hinter mir gelassen, zumindest dachte ich das immer. Dass es zurückkehren und mich besiegen wird, hätte ich nie für möglich gehalten, und selbst, wenn der Gedanke mal aufkam, habe ich ihn immer verdrängt. Fühlte ich mich doch in meiner neuen Welt, meinem neuen Bewußtsein und letztendlich in deinen Armen so sicher und unerreichbar. Man lernt nie aus, auch wenn es manchmal so scheint. Fluch nur, dass ich es ausgerechnet jetzt und hier rausfinden muss, und du der erste bist, der es zu spüren bekommt. In seinem vollen Ausmaß der Schrecklichkeit.
Ich versuche, mit ihm zu sprechen. Sinnlos. Irrational. Ich behandle ihn wie ein anderes, externes Wesen. Sehe ihn wie etwas Fremdes, das nicht zu mir gehört. Ich sollte lernen einzusehen, dass ich Death bin. Und Death ist ich. Nichts anderes. Aber warum schaffe ich es dann nicht mehr, ihn zu verdrängen, wieder zu mir zu kommen? Oder bin ich zu mir gekommen? Lebte ich die ganze Zeit in einer Art Scheinwelt? Aber wenn mein wirkliches Wesen das ist, was jetzt nach außen getragen wird, was war dann das andere?
Ich fühle mich überfordert, möchte mein Schwert fallen lassen, zu Boden sinken. Möchte gar nichts mehr tun, allein sein. Aber was ich möchte, mir wünsche, bleibt hier ohne Beachtung. Wie schon so oft in meinem Leben. Und ich beginne von neuem, es zu verfluchen. Von neuem, ohne Erfolg. Von neuem. Wie immer. Routine. Und ich schaffe es wieder nicht, mich daran zu gewöhnen. In meinem Kopf beginnen sich Bilder zu formen. Ich möchte sie nicht sehen, sie nicht beachten. Doch ich schaffe es nicht, mich davon loszureißen. Gesichter, Körper, Stimmen. Ich erkenne sie zuerst nicht, versuche weiterhin, mich der Erinnerung zu entziehen. Versuche, mich auf dich und unseren Kampf zu konzentrieren. Das Lächeln auf deinem Gesicht verblasst langsam. Auf deiner Stirn bilden sich kleine Schweißtropfen, perlen über die bronzene Haut, wandern dein Gesicht entlang. Mir geht es nicht anders, doch ich bin es nicht, den ich sehe. Und um ehrlich zu sein, möchte ich das auch gar nicht. Dein Anblick, bei meinen Schlägen gegen dich, reicht mir vollkommen aus. Furchtbar genug. Ein seltsames Gefühl kriecht durch meinen Körper. Kein Buzz. Zu schwach, aber ähnlich. Ich spüre, dass jemand hinter mir steht, habe sogar das Bild vor Augen, und als ich dann noch die Stimme höre, die dieser Person gehört, bildet sich eine Gänsehaut auf meinem Körper. Ich bin unfähig, mich umzudrehen, vielleicht besser so, auch wenn ich mich gern davon überzeugen würde, dass es nur Einbildung ist.
'Töte ihn!'
Mein Atem ist schwer, ich habe das Gefühl, als würde mir irgendetwas die Kehle zuschnüren. Und auf einmal sind es wieder deine Hände, die ich an meinem Hals spüre. Die Schmerzen, die du mir zugefügt hast.
'Töte ihn. Tu es für uns, für mich, deinen Bruder!'
Nein, ich will es nicht, spüre aber den Drang. Spüre wieder die Schmerzen. Die Vergangenheit, längst akzeptiert und abgehakt, brennt sich in mein Bewußtsein, verwandelt sich in die Gegenwart.
"Ich werde es nicht tun", presse ich hervor, stelle jedoch bald fest, dass diese Worte meinen Mund nicht verlassen.
'Du willst deine Schuld begleichen. Fange mit der des Verrates an mir, deinem Bruder, an. Er hat mich getötet, Methos. Und er konnte es nur durch deinen Verrat!'
Ich weiß es doch. Aber es war richtig so. So und nicht anders! Rede mir nichts ein, von dem ich nichts wissen will. Mein Körper ist meinem alten Ich verfallen, aber mein Geist gehört noch mir, und ich werde nicht zulassen, dass er durch solche Worte, gesponnen von den Erinnerungen an dich in mir, vergiftet wird. Nichts und niemand wird es schaffen. Auch nicht du, Kronos!
37 * * * Duncan * * * Wahrscheinlich ist Liebe wirklich nur Kehrseite des Hasses. Wie sonst wäre ich in der Lage, dich jetzt zu bekämpfen, entschlossen zu überleben, entschlossen dich zu töten, überzeugt, dass du den Tod verdienst, überzeugt, dass ich in der Lage bin, den letzten Schlag zu führen? Wie weit kann man es schaffen, Gefühle zu verdrängen? Außer Acht zu lassen? Ich weiß es nicht, ich war schon immer ein sehr emotionaler Mensch. Gefühle lenken das Handeln, und oft fallen sie genau dann über einen her, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Genauso geht es mir jetzt. Versuche ich doch, jede Möglichkeit zu nutzen, die dein Ende sein könnte. Doch selbst, wenn ich sicher bin, sie zu haben, scheine ich genau in diesem Moment unfähig zu sein.
Deine Bewegungen werden schneller, gezielter. Ich hätte nicht zögern dürfen, das sehe ich jetzt ein, leider zu spät, oder gar besser so? Ich kann mich immer noch nicht entscheiden. Habe keine Zeit, darüber nachzudenken, achte auf deine Schläge, deine Bewegungen, nehme jede Regung deines Körpers in mich auf, um deine nächsten Schritte vorhersehen zu können. Was anfangs noch so leicht schien, wird immer mehr ein Ding der Unmöglichkeit. Doch ich gebe nicht auf, ich kämpfe bis zum Schluß, werde bis zum Schluß kämpfen. Denn noch ist nichts entschieden, noch kniet keiner von uns vor dem anderen, noch senkt keiner seinen Kopf, um einen glatten Schnitt zu veranlassen, noch beugt sich keiner, noch sind wir beide am Leben.
Es kann nur einen geben. Jeder von uns hat es die ganze Zeit gewußt, und viele von uns haben sich sicherlich schon selbst als den Letzten unserer Art gesehen. Ich nicht. Denn immer hängen meine Gedanken bei denen, die dafür sterben müssten. Geliebte Freunde, die ich brauche, nicht verlieren will. Dass du es nicht sein würdest, haben wohl die meisten insgeheim gehofft. Zuviel war passiert, zuviel Schlechtes liegt in deiner Vergangenheit, das dich für diese Rolle unwürdig gemacht hat.
Ich sehe das kalte, mordlustige Funkeln in deinen Augen. Nun bist du das, was ich immer fürchtete, nun bist du du. Voll und ganz, mit all deinen Eigenschaften, Erinnerungen, Erlebnissen. Deinem ganzen Können und Handeln. Ich wußte immer, dass du mehr warst, als du vorgabst zu sein. Habe es oft genug auf die eine oder andere Weise erfahren müssen. Ich habe es in mich aufgenommen, verurteilt und sogar geschafft, es abzuhacken. Dass ich dies alles, deine ganze Seele zu einem vereint einmal erleben würde, hätte ich nicht gedacht, doch so ist es nun, und ich finde mich damit ab. Kann ich es denn ändern? Wohl kaum, und im Moment wäre ich auch gar nicht in der Lage dazu.
Als sich unsere Klingen erneut treffen und ich somit nur knapp einen Treffer deinerseits verhindern kann, stürmt eine der Wachen an uns vorbei. Keuchend, nach Atem ringend. Ich sehe nicht hin und nehme es trotzdem wahr. Seltsam. Eigentlich. Aber Tatsache. Ein lauter, dunkler Schrei ist die Folge. Ausgestoßen von Sokar, mit dieser unmenschlichen, dunklen Stimme. Ein Beben erschüttert das Schiff, und ich schaffe es nur mit Mühe, mich auf den Beinen zu halten. Die Wände wackeln, und ich habe das Gefühl, als würde alles jede Sekunde in sich zusammenbrechen. Vor Schreck lasse ich mein Schwert fallen und starre aus dem Fenster. Wie kann ich nur? Liefere ich mich dir damit doch schutzlos aus. Doch ich kann meinen Blick nicht von dem Planeten abwenden, der sich von dem Schwarz des Weltalls abzeichnet, und als ich sehe, dass es dir nicht anders geht, bin ich beruhigt. Wieder bebt der Boden, diesmal stärker, und ich falle, schlage hart auf dem Boden auf. Was du nun tust, ist für mich unverständlich und irritierend. Du greifst nach mir, hilfst mir wieder auf und zerrst mich aus dem Thronsaal, hinaus auf den Gang.
Was wird das, wenn es fertig ist? Ein Trick? Eine Falle? Führst du mich zu einer anderen Form, mit der du mich töten kannst? Du sagst nichts, sondern umschließt meine Hand noch fester und rennst. Ich folge dir. Unfähig mich loszureißen. Völlig perplex.
Nun hört das Beben nicht mehr auf. Und es fällt mir schwer, auf dem schwankenden Boden zu laufen. Stütze mich während unserer Flucht - wenn es denn eine sein soll - an der goldenen, kalten Wand ab. Als ich erneut Sokars Schrei höre, der noch lauter ist als die donnernden Geräusche, die seit Beginn des Bebens durch die Gänge hallen.
38 * * * Methos * * * Immer weitermachen, ganz gleich, was war, was ist, was sein wird? Nein, das stimmt so nicht, immer habe ich alle Ressourcen genutzt, Menschen benutzt, ausgenutzt, Gelegenheiten begriffen und ergriffen. Doch wie immer ein Plan aussah, der Kern war, ist und wird sein: Nie aufgeben, weiterleben für eine Sekunde, für eine Stunde, für die Ewigkeit. Die Schmerzen, die mir innerlich zugefügt werden, machen es mir schwer, dich nicht loszulassen. Es fällt mir so oder so schwer gegen diese Mächte standzuhalten, die mich innerlich bekämpfen. Sie sind zu zweit, kennen sich, kennen mich. Wissen, wo meine Schwächen sind und wie sie meine Stärken geschickt umgehen können. Doch noch haben sie mich nicht zu Fall gebracht, und ich hoffe, sie schaffen es auch nicht, bevor ich meinen Plan umgesetzt habe. Was heißt Plan? Einen solchen habe ich eigentlich nicht wirklich. Es ist ganz simpel. Wir befinden uns auf einem Schiff. In unmittelbarer Nähe zur Erde. Wir haben es geschafft, in die Gänge zu fliehen, und sind nun auf dem Weg in die Freiheit. Ich bin zu erschöpft, um dir das mitzuteilen, dennoch kenne ich die Frage, die du mir stellen würdest. 'Und was ist mit Sokar?' Eine gute Frage, wirklich. Doch diesmal habe ich eine Antwort. Ich kann mir nicht erklären warum, aber ich weiß, woher der Lärm kam, das Beben und was es zu bedeuten hat.
Das Innere des Schiffes würde zerstört. Der Energiekern in die Luft gesprengt. Von wem, weiß ich nicht, ich vermute, dass es das Werk eines Tok'ra Spions ist. Sie sind die einzigen Feinde der Goa'uld, die so vorgehen. Aber was ich weiß ist, dass die Explosion das ganze Schiff zerstören wird. Und wenn wir Glück haben Sokar dazu. Ihn und all seine treuen Untergebenen. Und wenn wir schnell genug sind, schaffen wir es, von hier weg zu kommen, bevor die Zerstörung auch uns einholen wird. Es ist traurig, aber wirklich glaube ich nicht daran. Es wäre einfach... ja, zu schön um wahr zu sein. Aber ein Versuch kann nie schaden. Sehr oft in meinem Leben wurden unmögliche Dinge wahr, und ich hoffe darauf, dass es auch diesmal vielleicht wieder so sein wird.
Meine Hand schließt sich fester um dein Handgelenk, und du läufst weiter hinter mir her, lässt dich ziehen, obwohl ich deine Hilfe im Moment nötiger hätte, als du meine. Ich habe das Gefühl, als würden meine Beine jeden Augenblick unter mir nachgeben. Ich bin müde, ausgelaugt. Und ich würde mich am liebsten einfach nur noch fallen lassen und auf das Feuer warten, das mich tötet. Ausradiert. Nichts mehr von meinem Körper zurücklässt. Meine Seele befreit und von den inneren Dämonen löst. Doch wenn ich das täte, wäre ich nicht der Methos, den ich über Jahrhunderte lang lebte. Wäre ich nicht mehr der Mensch, der dich so sehr liebt, dass er sein Leben für dich weggeschmissen hätte, und es immer noch tun würde. Diese Gänge in der Baukunst der Goa'uld sind unendlich lang und ähneln sich in einer erstaunlichen Weise. Doch mein Orientierungssinn wird mich schon nicht im Stich lassen. Bald sind wir da. Weg von hier. Zu Hause. Ein wunderschöner Gedanke, den ich für einige Zeit begraben hatte, aus Angst, an der bitteren Realität zugrunde zu gehen. Es wird wärmer. Die Hitze rast durch das Schiff, schneller als alles, was ich kenne. Unaufhaltsam. Der Boden zittert immer noch, und ich höre die schweren Schritte der Jaffa, die uns folgen. Nicht um uns aufzuhalten, sondern um ihr eigenes Leben zu retten. Wir sind schneller. Du und ich. Wir tragen nicht die Rüstungen, wir schleppen keine unnötige Last. Und als das Feuer durch den Gang schnellt und näher kommt, kann ich ihre Schreie hören. Ihre letzten, verzweifelten Laute, bevor die heiße Materie sie verschluckt.
Nur noch wenige Schritte, dann sind wir da. Nur noch ein kleines Stück. Die Hitze wird unerträglich, schmerzt auf meinem Rücken, vernebelt mir die Sicht. Flimmert durch die Luft und lässt alles so unwirklich erscheinen.
Dein Arm entgleitet meinem Griff, und als ich ihn wieder festigen will und meine zweite Hand dazu nehme, verliere ich das Gleichgewicht und falle zu Boden. Wie in Zeitlupe. So unerträglich langsam...
39 * * * Duncan * * * Wann wurde aus Liebe Gewohnheit? Wann wurde aus Lust Reflex? Wann wurde aus Leidenschaft Gedankenlosigkeit? Ich weiß, du bist schuld, dass es so kam. Ich weiß, dass ich dennoch an deiner Seite bin. Ich kann mir noch immer nicht erklären, was hier vor sich geht. Ich spüre nur die Erschütterungen, höre nur die Schreie, und ich habe Angst. Solche Angst. So, dass das Beben des Schiffes zu dem meines eigenen Körpers wird.
Es kommt mir irgendwie so sinnlos vor. Unsere Flucht. Bin mir nicht sicher, ob es etwas bringt oder wir unseren Tod damit nur noch hinauszögern. Doch irgendwie beruhigt mich der Gedanke, dass - wenn wir sterben - wir es gemeinsam tun. Keine Ahnung warum. Es sind wohl die Gefühle der Vergangenheit, die mir diesen Gedanken aufzwingen, und ich wehre mich auch nicht mehr dagegen. Ich spüre, wie meine Hand nach unten gezogen wird, und beginne wieder, mich auf meine Umwelt zu konzentrieren. Du fällst. Hältst dich an mir fest. Wie in Trance sehe ich zu, nehme es wahr, und dann geschieht etwas, dass ich nicht gedacht hätte. Ohne mein willentliches Zutun packe ich dich am Arm und reiße dich wieder in die Höhe. Presse dich fest an mich und laufe weiter. Du scheinst über diese Reaktion nicht weniger überrascht zu sein als ich. Warum sind diese Emotionen wieder zurückgekehrt? Warum helfe ich dir, ja, rette dein Leben, wo ich dich doch wenige Minuten zuvor noch zerstören wollte? Dich nie wieder sehen wollte? Nur deinen leblosen Körper als Zeichen meines Sieges.
Jetzt ist nicht die Zeit für Fragen und Erklärungen, vor allem, weil es letztere nicht gibt. Nicht wirklich. Es gibt eben Dinge, die kann man nicht erklären, für die gibt es keine Worte. Unbeeinflusst von dem, was man davon hält. Sollte ich noch dazu kommen, werde ich mir wohl über das hier, über das eben Geschehene viele Gedanken machen. Doch wie ich ahne ohne nennenswertes Ergebnis. Orientierungslos schleppe ich dich weiter, bis du dich plötzlich gegen den Boden stemmst und mich so zum Stehenbleiben zwingst. "Da rein!" rufst du mir zu, und ich habe Mühe, deine Stimme zwischen dem Lärm dieser Explosion ausfindig zu machen. Aber ich verstehe und nicke nur, als ich durch die große Öffnung in der Wand trete und dir folge. Du löst dich von mir, hältst nur noch meine Hand, wie schon zuvor und rennst auf ein großes Symbol am Boden zu, ehe du mich los lässt. "Stell dich da drauf!" Wieder gehorche ich. Ich weiß nicht warum. Ist es das letzte bisschen Vertrauen, das übriggeblieben ist, oder einfach nur die Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es noch schlimmer kommen könnte?
Ich stelle mich auf die markierte Fläche, ohne bemerkt zu haben, dass ich dich eingeholt habe. Warum bist du plötzlich so langsam? Gehetzt siehst du dich um, stolperst und landest zu meinen Füßen. Im letzten Moment ziehe ich dich aus Reflex wieder zu mir hoch, als die großen Ringe uns umschließen und ich das Feuer sehe, das in den Raum strömt. Ist es jetzt vorbei? Ich schließe die Augen und drücke dich an mich. Lege meine Arme um deinen geschwächten Körper und lege meine Hand auf dein schweißnasses, zerzaustes Haar, als grelles Licht uns umgibt und die Hitze des Feuers unerträglich wird. Und ich muss die Zähne mit aller Gewalt aufeinander beißen, um nicht laut loszuschreien.
40 * * * Methos * * * Tausende von Jahren konnten mich nicht lehren, wie ich diesen Ängsten begegnen kann die Angst, dich zu verlieren, dich aufgeben zu müssen, die Angst, dich bei mir zu haben, deine Nähe ertragen zu müssen, die Angst, dass ich es sein werde, der zwischen diesen Ängsten wählen muss Ich spüre die Brandblasen auf meiner Haut. Spüre, wie das Feuer mich langsam auffrißt. Doch plötzlich ist es weg, dieses Gefühl. Ich habe fest damit gerechnet zu sterben, doch ich tue es nicht. Es wird plötzlich kalt. Oder ist es gar nicht kalt, und ich bilde es mir nur ein, weil es zuvor so unerträglich heiß war? Von der einen Sekunde auf die nächste spüre ich weichen Boden unter uns. Das Licht verschwindet und lässt uns in der Dunkelheit zurück. Schwer atmend stehen wir da, liege ich immer noch in deinen Armen. Wenn du mich jetzt los lässt, werde ich fallen. Ich bin zu schwach, um aus eigener Kraft stehen zu können. Ich möchte nur noch Ruhe und für einen Moment nicht mehr an die Zukunft denken. Denn sie gefällt mir nicht.
Meine Vergangenheit hat unsere Freundschaft schon einmal fast zerstört. Diesmal war es schlimmer. Ich weiß nicht, ob deine Liebe stark genug ist, mir das, was meine Vergangenheit dir angetan hat, zu verzeihen. Ich weiß ja nicht einmal, ob ich mir das selbst verzeihen kann. Verzeihen, dass ich dich belogen habe. Es schien mir die beste Lösung, gab es doch schon genug, das dir das Vertrauen in mich beschwerte. Ich wollte dich nicht verlieren, nicht verschrecken. Es gibt Dinge, die wollte ich selbst vergessen, aus meiner Erinnerung verbannen. Und ich dachte wirklich daran, es schaffen zu können. Dass ausgerechnet Sokar mich einholen würde, hätte ich nicht gedacht. Verzeihen, dass ich dich fast getötet hätte. Wo ich mich anfangs deiner Klinge hingeben wollte, hat doch mein Überlebensinstinkt wieder Besitz von mir ergriffen. Ich, Methos kann sehr schwach sein, auch wenn man es nicht glauben mag. Doch Teile von mir, die zu Methos gehören, sind dafür umso stärker. Death zum Beispiel. Er ist in mir und wird es immer sein. Er ist es, der mich am Leben hielt, indem er mich zur Gegenwehr antrieb. Ich war nicht immer so, wie ich jetzt bin, habe mich im Laufe der Jahrtausende verändert. Vollkommen normal. Wer schafft es schon, seinem Wesen Treu zu bleiben? Ich kann mich ja kaum noch erinnern, wie ich zu Anfang meiner Unsterblichkeit war. Ich habe ein gutes Gedächtnis, aber ich bin nicht perfekt. Keiner ist das. Ich habe vieles vergessen, was mir nicht wichtig erschien - zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt -, vieles vergessen, was ich vergessen wollte. Und selbst, wenn ich versuche, mich daran zu erinnern, so ist es nur schemenhaft oder kaum zu erkennen. Ich habe mir vor langer Zeit eine Blockade gesetzt. Doch lässt sie sich leicht überwinden, wenn man wieder in ähnliche Situationen kommt. So war es bei Sokar, so wird es bei allem sein, das mich zeichnete, in welcher Art und Weise auch immer.
Du sinkst langsam zu Boden, ziehst mich mit dir, lässt mich nicht los. Einerseits bin ich froh darüber, froh über deine Nähe, dennoch ahne ich, dass damit dein Verstoß nur umso schlimmer für mich sein wird. Er lässt sich nicht vermeiden. Deine Handlungen auf dem Schiff haben es mir nur allzu deutlich gezeigt. Doch wie gesagt, ich will nicht an die Zukunft denken, will die Gegenwart genießen, so lange es noch geht, denn ich ahne, dass es bald vorbei sein wird. Du lehnst mit deinem Rücken gegen die Wand und ziehst mich wieder fester an dich. Als wolltest du dich an mir festhalten, wo ich doch im Moment der letzte bin, der dir Halt geben kann. Ich schließe die Augen und lehne meinen Kopf gegen deine Schulter, als ich dein Schluchzen höre. Meine Hand gleitet langsam nach oben, legt sich auf deine Wange und zieht deinen Kopf zu mir hinunter. Ich sehe auf und blicke in deine geröteten Augen, die mich ansehen.
Ich sehe keinen Hass mehr. Keinen Zorn, keine Wut. Nur noch Verzweiflung und Trauer. Angst und Unverständnis.
Ich bringe mich in eine sitzende Position, und nun bin ich es, der dich hält. Und für einen Moment überrascht es mich, dass du es geschehen lässt, dich in meinen Armen fallen lässt. Ich streiche dir über das nasse Haar, über die tränennassen Wangen, die trockenen Lippen. Lehne meinen Kopf gegen den deinen und spüre schließlich die erste Träne, die meinem Auge entweicht. Ich weiß, ich sollte jetzt stark sein. Aber ich kann nicht. Ich muss akzeptieren, dass es Momente gibt, in denen ich mich nicht unter Kontrolle halten kann. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch. So irgendwie.
41 * * * Duncan * * * Der Krieger in mir ist gewohnt zu handeln, Selbst wenn Geist und Seele leer und blind und taub sind Und so klammere ich mich an dich, Lasse mich von Hoffnungslosigkeit und Angst in deine Arme treiben Ignoriere die Wahrheit für den Augenblick und bete, dieser sei die Ewigkeit Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, weiß nicht, was ich tun soll, bin vollkommen überfordert. Ich weiß ja noch nicht einmal, was ich hier im Moment eigentlich tue. Keine meiner Handlungen entsteht durch meinen Verstand, durch Befehle, die mein Gehirn an meinen Körper sendet. Nicht bewußt. Es passiert einfach so. Eine Art Reflex. Oder Gewohnheit? Weil ich es so lange Zeit zuvor auch immer so tat? Will ich denn überhaupt, was ich hier tue? Keine Ahnung. Aber es fühlt sich nicht verkehrt an, also wehre ich mich nicht. Vielleicht brauche ich das. Solange, bis alles, was für diesen kurzen, irgendwie wundervollen Moment aus meinem Kopf verschwunden ist, wieder über mich zusammenbricht.
Ich spüre deine Hand, deine beruhigende Wärme, deine angenehme, dennoch seltsam fremde Nähe. Fremd? Warum fremd? Es war doch früher mal so. Ich erinnere mich, habe Bilder, Gefühle in meinem Kopf. Es war mal so... schön. Ein seltsames Wort. Ich habe das Gefühl, als würde das alles, als würde dieses WIR, das sich mir aufdrängt, schon so lange Zeit zurückliegen. Ich weiß nicht, wieviel Zeit seit unserer einst 'Heilen Welt' vergangen ist. Habe kein Zeitgefühl mehr. Ich weiß nur, dass da mal etwas zwischen uns war, das jetzt weg ist. Nein, das stimmt nicht so ganz. Es ist nicht weg. Nur nicht mehr so wie vorher. Es hat sich verändert. Ist anders. Wir haben uns verändert. Entfremdet. Sind förmlich dazu gezwungen worden.
Ich dachte immer, uns beide könnte nichts trennen. Falsch gedacht. Keine Liebe kann das zusammenhalten, was durch den Teufel zerrissen wird. Hätte ich es nicht erlebt, würde ich es nicht glauben, habe es damals nicht für möglich gehalten. Die Kluften zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben überdimensionale Formen angenommen. Größer als alles andere, was ich bisher erlebt habe. Auch wenn es gedauert hat, so konnte ich doch lernen, mit der Vergangenheit - ob sie mir gefiel oder nicht - zu leben. Aber jetzt... jetzt weiß ich es nicht. Ich ahne nur. Und diese Vorahnung will es mich nicht wirklich wissen lassen.
Vorsichtig schiebe ich mich an der Wand entlang zur Seite und entferne mich von dir. Du löst deine Umarmung, versuchst nicht, mich krampfhaft festzuhalten. Du weißt, dass ich das jetzt nicht gebrauchen kann. Manchmal beneide ich dich um dieses Wissen. Zu wissen, was zu tun ist und was man vermeiden sollte. Oder tust du es, ohne es zu wissen? Aus Instinkt? Ich schüttele den Kopf und somit die Gedanken beiseite. Ziehe mich am Fenstersims nach oben und stützte mich auf dem harten Holz. Meine Beine zittern. Immer noch. Wird das jemals wieder aufhören? Ich drehe mich um und sehe aus dem Fenster.
Graue Wolken haben sich am Himmel gesammelt. Haben jegliches Blau unter ihren Massen verschwinden lassen. Schwerer Nebel hängt in der Luft und feiner Regen fällt zur Erde. Alles, was ich dort draußen sehe, spiegelt mein Innerstes wieder. Genauso dunkel und trostlos. Und bald wird das Gewitter kommen, das alles aufmischt. Mit seinen Blitzen zerstört und die Welt unter seinem grollenden Donner zum Beben bringt.
42 * * * Methos * * * Warum gehe ich auf Distanz, wenn ich mir deine Nähe wünsche? Warum stelle ich Fragen, wenn ich sicher weiß, was ich will? Warum zweifle ich an dem, was ich über Jahrhunderte lernte? Und dann sehe ich dein Gesicht, spüre deine Traurigkeit. Und dann weiß ich, du bist die Antwort, die ich am meisten fürchte. Ich lasse mich gegen die harte Wand fallen und sehe mich um. Nichts scheint sich geändert zu haben seit unserer Entführung. Das Bett ist noch genauso zerwühlt, und ich meine, noch die Wärme zu spüren, die wir erzeugt haben, selbst wenn ich weiß, dass dies unmöglich ist. Wieder ein Relikt der Vergangenheit. Doch es ist noch da, präsent. Langsam stehe ich auf und gehe darauf zu. Deinen fragenden Blick, auf meine Handlung hin, nehme ich nur beiläufig aus den Augenwinkeln war. Wie habe ich es vermisst, dieses Bett, diese Umgebung. Meine Hand streicht langsam über den weichen Stoff, der die Matratze einhüllt. Vorsichtig, als könnte ich ihn zerstören. Woher ich diesen Gedanken nehme, kann ich nicht sagen. Ich denke, das ist auch nicht wichtig, wichtig ist nur, was ich hier sehe und bei diesem Anblick spüre. Ich knie vor dem Bett nieder und vergrabe meine Hände tief in der Decke. Ich erinnere mich an das, was wir hier taten, wie glücklich wir waren, wie unbeschwert. Ich erinnere mich, wie ich die Hoffnung aufgegeben habe, dies wieder zu sehen und mich genau an diese schöne Zeit zu erinnern. Ich habe fest damit gerechnet, mein restliches Leben in Sokars kalter Umarmung zu fristen. In seinen Ketten, bedroht von seinen Waffen, auf seinem harten Boden kauernd. Damit gerechnet, wie ich Beobachter meiner eigenen, langsamen Zerstörung werde, und jetzt... jetzt bin ich wieder hier. Mit dir. Zu Hause.
Mein Körper beginnt zu zittern, und ein schmerzhafter Kloß bildet sich in meiner Kehle. Tränen steigen mir in die Augen, und ich beginne, leise zu weinen. Wieder kann man es nicht hören, nur sehen. Mein Körper sackt in sich zusammen, und ich vergrabe mein Gesicht in dem Laken des Bettes. Ich weine nicht aus Schmerz, Trauer, Verzweiflung oder Wut. Nein. Diesmal nicht. Ich weine vor Freude, und ich kann mich nicht erinnern, wann ich es das letzte Mal getan habe. Vor Freude geweint.
Ich möchte am liebsten aus der Realität verschwinden und die Vergangenheit wieder aufleben lassen. Möchte alles vergessen und möchte, dass du es auch tust. Doch das geht nicht, wird niemals möglich sein.
Dein lautes, erschöpftes Seufzen lenkt meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Umgebung, auf dich. Ich lege den Kopf zur Seite, lehne meinen Oberkörper auf die weiche Matratze und verharre in dieser Position, während ich dich ansehe. Wieder starrst du aus dem Fenster. Scheinst ganz im Anblick des trüben, dunklen Himmels über Seacouver versunken zu sein. Es ist nicht gut für dich, ich sehe das. Sehe es an dem Ausdruck in deinem Gesicht. In dir brodelt es. Du versteifst dich auf das kürzlich noch Geschehene. Das solltest du nicht tun. Du kannst es dadurch nicht ändern. Nicht rückgängig machen, was passiert ist. Keiner von uns beiden kann das. Diesmal weiß ich nicht, wie ich dir helfen könnte, dich trösten. Nichts kann dir das wieder geben, was du dort oben, jenseits der Erde verloren hast. Verloren zu haben scheinst. Eigentlich alles, was dich einmal ausgemacht hat. Stolz, Ehre, Entschlossenheit... Liebe.
Er hat es dir nicht genommen, glaube das bitte nicht. Es ist immer noch da, irgendwo ganz tief in dir drin. Du musst es nur wieder finden. Das geht nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit. Du warst schon immer ein sehr ungeduldiger Mensch, aber jetzt wäre es an der Zeit, sich in der oft so wichtigen Geduld zu üben. Jetzt, wo du dazu gezwungen wirst. Ich kann dir nicht dabei helfen, und ich spüre, dass du das auch nicht willst. Du willst es selbst schaffen, was auch immer zu schaffen ist. Dich wieder aufbauen, wenn du stark genug dazu bist.
Ich richte mich langsam auf und setzte mich auf die Bettkante, und hole meinen Pullover unter der Bettdecke hervor. Mir ist immer noch kalt, und ich ziehe ihn schnell an, ehe ich die Arme vor meiner Brust verschränke und meine Beine an mich ziehe. Für einen kurzen Moment fällt mein Blick auf den Heizungsregler. Auf höchster Stufe, die ganze Zeit. Warum ist es dann nicht wärmer? Ich sollte aufhören, über solche Sachen nachzudenken, obwohl es mir fast richtig erscheint. Mich mit banalen Dingen zu beschäftigen, mich abzulenken. Das solltest du auch tun, Duncan.
Ich musste schon so vieles aus meinem Leben vergessen, um weiterleben zu können. So vieles verdrängen, um nicht in ewig währende Depressionen zu versinken. Ich verlange nicht, dass du vergisst, ich kenne dich zu gut und weiß, dass du das nicht kannst. Aber du solltest versuchen, es zu verdrängen oder zumindest damit zu leben. Ich werde dich nicht drängen, aber ich werde warten. Ich bin für dich da. Aber ich habe Angst. Dass du mich jetzt nicht mehr willst, nicht gebrauchen kannst. Eine Frage drängt sich in mir auf, entstanden aus deinem Anblick. Und ich bete, dass du die Antwort geben wirst, die ich mir so sehr wünsche, die das Licht am Ende des Tunnels wäre. Ich möchte sie nicht so direkt stellen, habe Angst vor der direkten Antwort, doch wir sind beide nicht in der Verfassung für endlose Diskussionen, die doch nur auf das eine hinauslaufen. Es muss so sein.
"Soll ich gehen?"
43 * * * Duncan * * * Du mit deiner Erfahrung, mit deiner Vergangenheit hättest mich warnen können Vor diesem Augenblick, oder zumindest vor dieser Gefahr. Wenn ich mich an dich wende und nach deiner Stärke suche Sehe ich nichts in deinen Augen als deine Akzeptanz meiner eigenen Schwäche Und mir wird klar, dass ich diese Schwäche nicht mehr mit dir teilen will Eigentlich sollten deine Worte mich erschrecken, aber das tun sie nicht. Im Gegenteil, es scheint, als habe ich mir unbewußt genau dieselbe Frage gestellt. Ob du gehen solltest. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich es nicht.
Im ersten Moment spricht alles dafür. Ich ertrage deine Anwesenheit nicht mehr, möchte dich nicht mehr sehen, nicht mehr an dich denken. Denn die einzigen Erinnerungen, die ich jetzt mit dir verbinde, sind die an Sokar, an das, was ich wegen dir ertragen und hinnehmen musste, weil ich nicht stark genug war, mich zu wehren, zu retten. Und du warst es auch nicht. Wir waren ihm vollkommen ausgeliefert, und ich habe Angst, dass so etwas noch einmal kommen könnte, und du wieder der Grund sein wirst, aus dem ich leiden muss. Aber ich denke in diesem Punkt nicht nur an mich, obwohl ich mir dieses Recht eingestehe. Was ist mit dir? Mit deinen Gefühlen, den Vorwürfen, die du dir machen musst? Jede meiner Bewegungen und Reaktionen in der nächsten Zeit werden dich daran erinnern. Macht dir das nichts aus? Kannst du wirklich so kalt sein? Nein, kannst du nicht, auch wenn du manchmal versuchst, so zu wirken. Aber würde ich es wirklich ertragen, allein zu sein? Ohne jemanden, der mich hält, wenn ich drohe zu fallen? Ohne jemanden, der mich tröstet, wenn ich in tiefe Depressionen versinke? Ohne jemanden, der sich mit mir freut, wenn ich es tue? Ohne jemanden, der mich auf den Boden der Tatsachen zurückholt, wenn ich abhebe? Ohne jemanden, der meine Liebe teilt? Teilen wir sie denn noch? Die Liebe? Oder hat sie sich verändert, sich umgekehrt? Kann aus Liebe Hass werden? Ja, das kann geschehen, und es tut weh. Aber ich weiß nicht, wie ich es ändern sollte, ich weiß ja nicht einmal, ob ich es wirklich will.
"Warum fragst du mich sowas?"
Ich starre immer noch aus dem Fenster. Vermeide es, dich anzusehen. Vielleicht ist es wirklich besser, Abstand zu gewinnen.
"Weil ich möchte, dass du dich mir mitteilst. Mit mir redest. Irgendetwas. Ich möchte dir helfen, und wenn diese Hilfe daraus besteht, dass ich gehe, werde ich es tun. Jedoch nur, wenn du es mir sagst!"
Ich kann deinen Blick spüren. Und er tut mir weh. Wieder etwas Fremdes, das von dir ausgeht, wieder etwas, das versucht, mir die Entscheidung zu vereinfachen.
"Nenne mir einen Grund, warum du es nicht tun solltest."
Schweigen. Wie ich es hasse. Zu wissen, dass ich nicht allein bin, mich trotzdem in Stille wiederzufinden. Ich habe dir doch eine einfache Aufgabe gestellt. Warum? Weil ich nicht in der Lage bin, mich zu entscheiden. Sie kotzt mich an, diese Schwäche, die von mir ausgeht. Was hat er bloß mit mir gemacht? Dieses Monster. Woher nahm er die Macht, mich zu brechen? Warum verfolgt er mich, wo er doch endlich tot ist?
"Liebe ist unkritisches Akzeptieren. Unbedingt."
Langsam drehe ich mich zu dir um, sehe dich an und erwidere deinen Blick. Versuche nachzuvollziehen, was du da eben zu mir gesagt hast.
"Was?"
Wenn ich genau hinsehe, meine ich ein kleines Lächeln in deinem Gesicht ausfindig machen zu können. Du lächelst? In der Situation, in der wir uns befinden? Ich bin überrascht, nein, überrascht ist das falsche Wort. Ich bin schockiert.
"Sam Keen. Ein weiser Mann."
Ich schüttele kurz mit dem Kopf und wiederhole deine letzten Worte noch einmal still in meinem Kopf. Ich kann es nicht fassen, will nicht begreifen, dass dies deine Antwort sein soll.
"Das ist ja so typisch. Wir sind am Ende, Methos! Siehst du das denn nicht? Und das einzige, was dir dazu einfällt, ist irgendein Zitat?!" "Das einzige, was mir dazu einfällt, ist, dass ich dich liebe und nicht verlieren möchte."
Dein Blick, der zuvor noch fast erheitert wirkte, schlägt plötzlich in unendliche Trauer und Ernst um. In den Ausdruck, den ich erwartet hatte, und dennoch gefällt er mir auch nicht. Weckt er doch wieder Gefühle in mir, die ich unbeachtet lassen wollte. Die es mir noch schwerer machen. Wo es im Moment doch schon schwer genug für mich ist. Schwer, mich selbst zu verstehen, zu begreifen. Was soll ich tun? Wie kann ich mir helfen? Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr weiterweiß. Früher ist mir immer eine Lösung für meine Probleme eingefallen, habe ich immer einen Ausweg gefunden. Vielleicht, weil es früher immer jemanden gab, dem ich die Schuld geben konnte. Aber diesmal ist der Schuldige tot, der Mann, das Monster, das mir das angetan hat. Aber warum stillt dieses Wissen meinen Wunsch nach Rache nicht?
Nun liegt es an mir, mit dem Geschehenen fertig zu werden, an mir ganz allein. Keiner kann mir dabei helfen, und wenn sich jemand anbieten würde, würde ich ihn abweisen.
Ich kam schon früher ganz gut allein zurecht, warum nicht jetzt auch?
44 * * * Methos * * * Ich muß von Sinnen gewesen sein, als ich mich mit dir einließ Und dieser Zustand hält wohl noch immer an... Warum sonst versuche ich, dich dazu zu bringen, offen zu mir zu sein, Deine Zweifel und deine Verachtung und deine Angst zu überwinden Die einzige uns verbliebene Chance zu nutzen: Vertrau auf unsere gemeinsame Stärke! Ich weiß, dass wir am Ende sind. Warum musst du mich daran erinnern, wo ich doch meinte, es erfolgreich verdrängen zu können? Warum reagierst du aggressiv, wenn ich dir etwas Gutes will? Ich bin nun einmal so wie ich bin, und ich habe nicht vor, mich zu ändern, lebte ich doch in der Vergangenheit gut damit.
Nach meinen letzten Worten hast du deinen Blick wieder von mir abgewendet. Dich von mir abgewendet. Ist es unwissentlich, oder versuchst du, mir mit Absicht weh zu tun? Was würde ich dafür geben, zu wissen, was du denkst, was du fühlst. Ich kann nur ahnen, schlussfolgern und habe Angst, falsch zu liegen und daher falsch zu handeln. Warum verschließt du sich so, Duncan? Warum nimmst du meine Hilfe nicht an? Stößt meine Hand weg, die dich halten will?
"Nein, du liebst mich nicht."
Erschrocken fahre ich aus meiner gebückten Haltung hoch und stehe auf. Trete einige Schritte auf dich zu, doch als ich sehe, wie du dich noch mehr verkrampfst, bleibe ich stehen.
"Was soll das jetzt heißen? Ich liebe dich nicht? Wie kommst du bloß darauf?"
Dein Blick wird wütend und böse. Deine Stimme laut und unangenehm. Aber was ist in diesem Moment schon angenehm?
"Wer hat sich denn Sokar hingegeben? Aufgegeben? Sag mir, Methos, wen habe ich kniend in seinem Schoß wiedergefunden? Wer hat mich vergessen und nur an sich gedacht?"
Ich starre dich nur an. Weiß für einen Moment nicht, was ich sagen soll. So denkst du also. Ich hätte uns verraten. Weggeschmissen und den leichten Weg gewählt. Wie kannst du nur so etwas von mir denken, kennst du mich wirklich so schlecht? Habe ich dir nicht oft genug bewiesen, dass ich nicht so bin? Dass ich an meinem Leben hänge und alles tun würde, um es zu schützen? Dass ich es mit deinem genauso tun würde? Jetzt hast du es geschafft, Duncan. Jetzt hast du mich soweit, dass meine Selbstkontrolle, die versuchte, dich zu schützen, bröckelt. Deine Unverständnis und deine Unwissenheit, die du nicht wahrhaben willst macht, mich noch wahnsinnig. Weißt du eigentlich, was du mir mit deinen Worte antust? Ich denke nicht. Und das ist traurig. Dass ich dir plötzlich so egal zu sein scheine.
"Du hast keine Ahnung, Duncan! Hörst du?! Keine Ahnung! Ja, ich habe mich ihm ergeben, aber weißt du auch warum? Na?"
Du zuckst zusammen und weichst einen Schritt zurück. Du hast wohl nicht geahnt, dass ich versuchen würde, mich derart zu verteidigen. Wir sind uns wirklich fremder, als ich dachte, als ich jemals für möglich gehalten hätte.
"Ich werde es dir sagen. Ich habe mein Leben geopfert. Ich habe ihm versprochen, bei ihm zu bleiben, und nie wieder den Versuch zu unternehmen, zu fliehen. Ihm ein ergebener Sklave zu sein, bis zum Ende meines Lebens..." Ich versuche, das zu ergründen, was deine Augen jetzt sagen, aber ich sehe nichts, will vielleicht auch gar nichts sehen. Zu enttäuscht bin ich, um mich zu zügeln. "...um dein Leben zu retten." Mein Atem ist schwer, und meine Kehle trocken. Ich lasse meinen Blick zu Boden schweifen, haltlos durch den Raum gleiten, um ihn dann wieder hochzureissen, begleitet von einem erschöpften Auflachen. "Er hatte mir geschworen, dich gehen zu lassen, wenn ich bleibe. Wenn du das als Verrat betrachtest, okay, dann habe ich dich verraten. Und obwohl du mir eben mit deinen Worten sehr weh getan hast, weiß ich, dass ich es jederzeit wieder tun würde."
Immer noch sagst du nichts. Siehst mich nur an. Fassungslos. Ich habe es nicht gern getan, aber selbst jetzt hast du mir einen Grund geliefert, dich zurechtweisen zu müssen. Dich meine Wut in meinen Worten spüren zu lassen, dich wohl ungewollt tiefer zu ziehen und dich zu verletzten. Verflucht seist du, dass du mir so etwas antust.
"Ich weiß, was du denkst. Du wirst dich fragen: Was ist nur mit Methos geschehen? Soll ich es dir sagen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was mit mir passiert ist, und um ehrlich zu sein, möchte ich es auch gar nicht wissen."
Wieder Schweigen, das uns umgibt. Du drehst dich langsam um und schaust wieder aus dem Fenster, kehrst mir den Rücken zu. Ich ertrage das nicht länger. Kannst du das nicht machen, wenn ich weg bin? Kannst du mir nicht endlich sagen, was du willst? Mit wenigen, schnellen Schritten bin ich neben dir und reiße dich mit einer ruckartigen Bewegung zu mir herum. Zwinge dich durch meinen Griff, mich anzusehen. Mich nicht weiter zu ignorieren. Nein, Duncan. Das lasse ich nicht mit mir machen, egal was geschehen ist. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich war auch ein Opfer, und ich lasse mich nicht als Täter beschimpfen, der ich nicht war.
"Und nun sag mir, ob ich gehen soll! Sag mir, was jetzt mit uns ist! Sag mir, wie lange ich auf dich warten soll, verdammt, oder ob es endgültig vorbei ist! Tu was!"
Für einen kurzen Moment wende ich mich ab und wische mir wütend die Träne weg, die über meine Wange rinnt, bevor ich den Blick wieder erhebe und dich rüttle, als du keine Antwort gibst.
"Duncan, verdammt noch mal, rede mit mir!"
45 * * * Duncan * * * Bevor ich es wagte, dich zu lieben, schien Vergebung ein viel zu großer Preis. Jetzt, wo ich wagen muss, dich aufzugeben, ist sie nichts mehr, ohne Bedeutung für mich. Statt dessen fühle ich nur den Schmerz, den der Verlust in mir entfacht. Auch dieser Preis, der unsere gemeinsame Zeit zu einer wertvollen Erinnerung macht, scheint zu hoch. Jedoch sind all diese Wahrnehmungen nur Mechanismen, um mich vor dem wahren Leben zu schützen. "Ja." Meine Stimme ist heiser, leise. Aber ich sage es ohne Anstrengung. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so leicht fallen könnte. Es ist ganz einfach, 'ja' zu sagen. Die endgültige Entscheidung zu fällen. "Ja!" wiederhole ich nun lauter und sehe dich an. Sage es mit mehr Kraft, mit mehr Willen. "Ja, was?" Ich höre das Schwanken in deiner Stimme. Die Angst, die dich langsam auffrißt. Und ich weiß nicht, was ich dabei empfinden soll. Wenn es stimmt, was du gesagt hast, wenn du dich wirklich für mich geopfert hast, dann schulde ich dir was. Schulde ich dir mein Leben, alles, was ich besitze. Aber was ist von mir denn noch übrig? Was könnte ich dir denn anbieten, was meine Schuld tilgen würde? "Was willst du?"
Du siehst mich überrascht an. Scheinst verwirrt. Langsam lässt dein Griff nach, entfernst du dich wieder von mir. Ich weiß, dass das, was ich eben gesagt habe, dich vollkommen aus dem Konzept gebracht haben muss. Weiß selbst nicht, was genau ich jetzt möchte, zuerst erreichen will. Aus so wenig wird plötzlich so viel, dass ich es nicht ordnen kann.
"Was ich will?"
Wieder trittst du einen Schritt zurück und stützt dich an einen Balken, lehnst dich mit dem Rücken daran und starrst auf die gegenüber liegende Wand.
"Wie meinst du das?" "Was willst du, für mein Leben? Für dein Opfer. Für das, was du hättest ertragen müssen, hätten wir es nicht geschafft zu fliehen."
Dein Blick sinkt zu Boden, dann wieder auf die Wand. Deine Hände streichen über das Holz des Balkens hinter dir. Auf und ab. Immer wieder. Dein Rücken presst sich fester an die Stütze.
"Ich will, dass du mir verzeihst."
Du sprichst so leise, dass ich Probleme habe, dich zu verstehen. Langsam komme ich näher, stelle mich dir gegenüber, greife nach deinen Händen und halte sie fest. Hindere sie an jeder weiteren Bewegung. Du lässt dir Zeit, bis du mich ansiehst und ich deine grüngoldenen Augen sehen kann. Die Angst und die Trauer sehe, die versucht, in mich überzugehen. Ich kann die Kälte spüren, die dein Körper ausstrahlt, und wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich meinen, du wärst tot.
"Würde es dir das Gehen erleichtern?"
Du nickst und schaust wieder zu Boden. Auch ich nicke, lasse von deinen Händen ab und lege sie auf deine blassen Wangen. Streichle die weiche Haut und beuge mich zu dir rüber. Berühre vorsichtig, tastend deine Lippen mit den meinen und küsse dich sanft. Spüre, wie du den Kuss erwiderst und deine Hände nach meinen Armen greifen, sich kaum merkbar daran festhalten. Als ich den Kuss beende, drehst du deinen Kopf von mir weg und leckst dir noch kurz über die Lippen, bevor du mich wieder ansiehst. Und ich spüre, dass ich mich von deinem Blick lösen muss, wenn ich nicht darin versinken und verloren gehen will. Ich trete einen Schritt zurück und lasse dich los. Wie du, wenn auch zögernder. Noch ein letzter Blick, dann wende auch ich mich von dir ab. Sehe dir nicht hinterher, als du dich von dem Balken abstößt und zur Tür gehst. Dir langsam deinen Mantel anziehst und dein Schwert darunter verbirgst. Ich kann es nur hören, und das ist für mich im Moment Wahrnehmung genug. Und ich kann auch deinen Blick spüren. Deine Augen, die mich fixieren und nicht mehr loslassen wollen. Aber du weißt, dass du es musst. Loslassen. Vielleicht wirken sie deshalb so traurig, wie ich aus den Augenwinkeln feststellen muss.
"Leb wohl", flüstere ich leise und drehe mich wieder zum Fenster um, gehe darauf zu und stütze meine Hände gegen das kalte Glas. "Auf Wiedersehen."
Ich unterdrücke den Drang, mich noch einmal umzusehen, als ich das Knacken des Schlosses höre und deine spürbare Anwesenheit mich verlässt. Ein trauriges Lächeln huscht über mein Gesicht. Verzieht es fast schmerzhaft, als ich meine Stirn meinen Händen folgen lasse und gegen das kalte Glas lehne.
"Auf Wiedersehen", hauche ich leise und lasse zu, dass mein Körper unter dem aufkommenden Tränenschwall erbebt.
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