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Where do dead immortals go?

© by Natascha/Norynia ()

 

Disclaimer: Die Serie Highlander und alle Figuren daraus gehören Panzer/Davis und Rysher Entertainment. Es wird hiermit kein Geld verdient. Archivierung nur mit Erlaubnis des Autors.
Anmerkungen: Birgitt ist schuld! Sie hat mir diesen Plotbunny...ahm...dieses KillerKaninchen auf den Hals gehetzt, das ich selbst nie entdeckt hätte! Außerdem hat sie die Torture-Meisterin DAS Natty geweckt. Oder sollte ich besser Sydatnat sagen? *eg* Ich möchte mich bei ihr auch für ihre Unterstützung bei dieser Story bedanken. Wenn ich mal nicht weiterwußte, war sie immer da und hat mir mit ihren Ideen und Vorschlägen sehr geholfen!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion

 

"Meisterin, morgen beginnt die dreizehnte Woche des Jahres. Sydatnat wird ein neues Opfer fordern." Der junge Mann, der diese Worte gesprochen hatte, erhob sich leicht aus seiner gebückten Haltung und sah die Frau vor ihm erwartungsvoll an.

Diese ließ sich Zeit. Ihre blassen Hände glitten durch die kleine Flamme der Kerze. Man konnte ein nur leises Zischen hören, das jedoch nicht von dem Feuer erzeugt wurde, sondern aus ihrem Mund drang. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, konnte man lediglich das schmale Kinn und die vollen Lippen erkennen, was darauf schließen ließ, dass sie sich eigentlich nicht hinter dem schweren schwarzen Samt verstecken müsste.

"Morgen 14:00 Uhr. Vierzig Meilen westlich von Las Vegas. Ein '55 Pink Cadillac. Fünf Meilen weiter werdet ihr ihn finden."

Damit verstummte ihre leise, verrauchte Stimme wieder. Der junge Mann nickte leicht und verließ den dunkel behangenen Raum. Die Meisterin hatte wieder eine Eingebung durch ihren Gott Sydatnat erhalten, jetzt mussten sie sich an die Arbeit machen.

 

Oft hatte er sich schon gefragt, wie seine Meisterin - die Botin von Sydatnat - wissen konnte, wann und wo sie das richtige Opfer finden konnten. Ohnehin hatte er sich schon oft gefragt, ob es diesen Sydatnat überhaupt gab oder ob diese rätselhafte Frau Informationen aus anderen, weltlichen Quellen zog. Doch er hatte gesehen, was mit denen geschah, die ihre Zweifel sichtbar zeigten. Er war noch jung, er wollte nicht sterben, und schon gar nicht durch die barbarischen Methoden, mit denen die traditionellen Opferungen alle dreizehn Wochen durchgeführt wurden. Er fügte sich, weil er wußte, niemals lebend diesem Kreise entfliehen zu können. Außerdem wußte er nicht, wohin er gehen sollte. Feige hin oder her, solange er damit sein eigenes Leben schützen konnte...

 

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Las Vegas. Die Stadt des schnellen Geldes und der ebenso schnellen Hochzeiten. Die Stadt der Städte, irgendwo in Nevada. Hier war jeden Tag Neujahr, zumindest sah es so aus. Alles erstrahlte durch Milliarden von Glühbirnen. War wohl besser sich nicht die Stromrechnung anzusehen...

 

Methos winkte sich ein Taxi heran und schmiss seine kleine Tasche auf den Rücksitz. Er verstand nicht, wie die Leute mit riesigen Koffern und sonstigen Unmengen von Gepäck reisen konnten. Viel brauchte man doch nicht. Er musste es wissen, er hatte vierzehn Tage gebucht und alles, was er für diese Zeit brauchte, passte in eine kleine, etwas verschlissene Sporttasche. Außer seinem Schwert, aber das hatte er extra vorausgeschickt, und er war schon fast überrascht gewesen, als es auch pünktlich am Schalter für ihn bereitlag.

 

"3570 Las Vegas Boulevard Süd", murmelte er und zog die Tür zu.

"Oh, Caesars Palace, Sir?"

Wieder folgte Gemurmel von dem Mann auf dem Rücksitz. Der Taxi-Fahrer musste sich damit zufrieden geben. Methos war verdammt noch mal müde und schlecht gelaunt. Da fliegt man stundenlang in einer engen Reihe sitzend, mit miesem Service, und darf noch nicht einmal Walkman hören. Das Angebot im Flugkanal war zum Gähnen und das Essen zum... na ja, und warum? Weil ein gewisser Herr von und zu MacLeod zu geizig war, seinem Freund etwas Geld vorzuschießen, damit er Erster Klasse fliegen konnte.

 

'Wenn ich mir alles aufschreiben würde, was ich dir schon zugesteckt habe, würdest du die nächsten fünftausend Jahre mit der Rückzahlung deiner Schulden verbringen.'

 

Der sollte sich mal nicht so anstellen. Immerhin fiel Methos' Miete weg, seit er bei Duncan eingezogen war, und hin und wieder ging er sogar von seinem wenigen Geld einkaufen... gut, er kaufte nur Bier ein, aber das trank Duncan ja auch!

Methos schloss die Augen und seufzte leise auf. Das war wirklich nicht sein Tag...

 

"Wie lange bleiben Sie in unserem schönen Las Vegas?" Der Fahrer sah in den Rückspiegel und schien sich wenig daran zu stören, dass Methos mehr tot als lebendig auf dem alten verrauchten Leder hing und ihn müde aus den Augenwinkeln anblinzelte.

"Zwei Wochen", knurrte er und gab sich schließlich in dem Wissen geschlagen, in diesem Auto keine Ruhe mehr zu finden. Also betrachtete er verschlafen die Aussicht, die ihm das kleine, mit-was- auch-immer verschmierte Fenster bot. Auch wenn er durch das schmutzige Glas nicht wirklich etwas erkennen konnte...

"Oh, Sir. Viel zu kurz sage ich Ihnen, viel zu kurz! Das hier ist so eine schöne Stadt, es gibt soviel zu sehen! Wissen Sie eigentlich schon, was Sie unternehmen wollen? So ganz allein? Oder treffen Sie sich mit jemandem hier? Falls nicht, könnte ich Ihnen ein paar gute Strip-Lokale empfehlen. Mit vielen netten Frauen, die Sie auch mal mehr machen lassen, als nur zuzusehen, wenn Sie wissen, was ich meine." Der Fahrer grinste ihn breit im Rückspiegel an und wartete auf eine Antwort; als diese nicht kam, murmelte er etwas von 'Unfreundlich' und 'da will man ihm mal was Gutes' und wendete sich wieder der Straße zu.

Methos wusste, was er meinte. Natürlich tat er das. Mein Gott, er war fünftausend Jahre alt. Er wusste, wie er etwas bekam, wenn er es wollte. Da konnte er auf die Tips eines alten Mannes, der seine Tage mit dem Befördern von Touristen und die Nächte mit dem Ansabbern von irgendwelchen halbnackten Frauen verbrachte, getrost verzichten.

Wieder seufzte er und fragte sich noch, ob das ein dauerhafter Zustand werden würde, als das Taxi scharf abbremste und Methos sich plötzlich hellwach am Rücksitz gekrallt wiederfand.

"Wir sind da, Sir", flötete der Fahrer nur gelassen und stieg aus.

 

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Das war also Caesar's Palace... zumindest ansatzweise. Das Original war selbstredend um einiges besser, doch dieses riesige Hotel, im alten römischen Stil und den ägyptischen Ecken, hatte auch seine Reize.

Vor allem das kostümierte Personal hatte es Methos angetan. Die Frauen liefen herum wie Kleopatra, und die Männer glichen den guten, alten Badesklaven, die er immer sehr geschätzt hatte.

 

Er checkte ein und ließ sich in sein Zimmer führen. Er dachte noch daran, dass Duncan ihn töten würde, wenn der erfuhr, über wessen Kreditkarte dies alles lief, und wenn der Flieger nicht schon ausgebucht gewesen wäre, hätte Methos auch erste Klasse umchecken können. Er ließ sich auf das geheizte Wasserbett nieder und entdeckte eine kleine Karte, die auf dem Nachtschränkchen lag.

"...and there's the always-rockin' Cleopatra's Barge Nightclub"

Interessant. Von der einen Sekunde auf die nächste, oder besser nach ein paar Zeilen aus der beiligenden Broschüre, beschloss der älteste lebende Unsterbliche, dass es unsinnig war, Duncans Vermögen zu schonen. Es würde so oder so Ärger geben, warum dann nicht richtig feiern, wenn man mal die Möglichkeit dazu hatte?

 

Er ließ Hotelzimmer Hotelzimmer sein und ging hinunter in die Lobby. Bis zur Show war noch Zeit, also stattete er der Bar einen Besuch ab. Die Auswahl an Bier war enorm und die Krüge, in denen es serviert wurde, waren ein Augenschmaus. Rom lebte!

 

Nach seinem dritten Krug fiel sein Blick auf die Bedienung, die gewechselt hatte und jetzt hinter dem Tresen auf und ab rannte. Von allen Frauen, die er heute gesehen hatte, sah diese Cleopatra noch am ähnlichsten. Sah sogar noch besser aus. Als sie seinen angeregten Blick bemerkte, kam sie hüftwackelnd auf ihn zu und grinste ihn mit ihren vollen, roten Lippen an.

"Nur Bier, Sir? Wollen Sie nicht einmal einen unserer Cocktails probieren?"

"Nein danke, ich halte nicht viel davon."

"Da verpassen Sie aber was. Ich werde Ihnen mal ein 'ägyptisches Bad' mixen, geht aufs Haus!"

Ägyptisches Bad? Methos stand nicht besonders auf den Geschmack von Badewasser, aber hier handelte es sich ja um ein alkoholisches Getränk, also konnte es so schlecht gar nicht sein. Obwohl ein Bad an sich jetzt auch nicht schlecht wäre. In einem großen Becken, umgeben von Badesklaven, Duftölen und Kerzen... ein Traum.

 

Als die junge Frau wieder zurückkam, und Methos das hochgeschwungene, große Glas mit der blauen Flüssigkeit und dem Zuckerschaum präsentierte, war der Unsterbliche so durstig, dass er das Glas fast in einem Zug leerte. Ihm gefiel der Geschmack, die Optik ebenfalls, und so grinste er nur und bestellte sich noch eins.

 

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Blau, grün, rot, violett, rosa, gelb... Drinks in allen Farben, garniert mit Zitronen- oder Orangenscheiben. Cocktailkirschen und Schirmchen, gefüllt mit den leckersten Geschmäckern, die Alkohol, Limonade, Fruchtsäfte und Farbstoffe so hergaben, und... Eiswürfeln.

 

Um ihn herum war plötzlich alles so warm, bunt und strahlend. Fremde Menschen lächelten ihn freundlich an. Die junge Frau, die sich als Lucy vorgestellt hatte, massierte seine Schultern, und für Nachschub wurde auch immer gesorgt. Was wollte man mehr? Methos fiel nichts ein, und um genau zu sein, wurde nach seinem fünften 'Gladiator' denken unmöglich...

 

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"Honey? Daaarling!" Lucy schüttelte ihren Freund und wartete auf eine Reaktion. Als diese nicht kam, stieg ihre Stimme in eine laute, schrille Tonlage. "Aufwachen!"

Dieser Schrei und der Schlag mit der flachen Hand in Methos' Gesicht hatten die gewünschte Wirkung.

"Was?" Die Frage ging in einem herzhaften Gähnen unter, als er Lucys zerrenden Händen nachgab und langsam aufstand. Immer noch etwas benommen, stützte er sich an der Wand des Gebäudes ab, an dem sie sich aufhielten, und sah sich um. In dieser Stadt wurde jede Nacht zum Tag gemacht. Die Beleuchtung war einfach enorm, und Methos erinnerte sich daran, wie schön es doch gewesen war, als es noch kein elektrisches Licht gab. Andererseits gab es damals auch noch keine Kühlschränke... wie auch immer.

 

Er begann, sich erst wieder zu konzentrieren - soweit es ihm denn gelang - als ein '55 Pink Cadillac neben ihm hielt und ein kleiner, rundlicher Mann, mit schwarzen seltsam geformten Haaren und einem weißen, hautengen Anzug, mit Schlag am Hosenbein, elegant von den weißen Sitzen des Oldies auf den grauen Asphalt trat.

"Preiset den King!"

King? Schwarze, verformte Haare? Weißer Anzug? Schlag? Das konnte doch nur...

"El?" Methos Augen schmälerten sich prüfend, als der Mann auf ihn zukam und ihm anerkennend auf die Schulter klopfte.

"Elvis", korrigierte er lächelnd und betrachtete Methos' Begleitung. "Nett, nett", meinte er nur und öffnete die Tür zum Inneren der Kapelle. "Na dann, auf zur Hochzeit, der King hat nicht ewig Zeit."

"Hochzeit?" Methos verschluckte sich fast an den Worten. Lucy strahlte ihn nur mit ihren knallroten Lippen an, und der Elvis-Verschnitt hielt sich vor Lachen den runden Bauch.

"Junger Mann, was dachten Sie denn, warum Sie hier sind?"

Methos wurde es plötzlich heiß und kalt auf einmal. Nicht, dass er noch nie geheiratet hätte, doch jedesmal hatte er vorher Bescheid gewußt. Wie konnte ihm das hier nur entgangen sein? 'Dieses bunte Teufelszeug', schoß es ihm durch den Kopf, der zur Strafe für das Nachdenken sofort wild zu pochen begann.

"Komm schon, Spätzchen, bringen wir es hinter uns. Cleopatra wartet nicht gern auf ihren Caesar. Wenn wir heiraten, haben wir den ersten Schritt hinter uns. Dann noch Kinder kriegen und bis an unser Lebensende glücklich miteinander leben, dann sind wir wie die Originale!"

 

Methos erschrak über die Tatsache, dass er sich nicht nur an kein Heiratsversprechen erinnern konnte, sondern dass die schwarze Perücke nicht auf das blonde Hirn seiner neuesten 'Errungenschaft' abzufärben schien. Als sie ihn dann noch fest am Arm packte, ihn in die kleine, extrem kitschig geschmückte Kapelle schleifte, und 'Love me Tender' auf einer kleinen, veralteten Orgel gespielt wurde, war es endgültig vorbei. Mit einem Ruck riß er sich los und rannte wieder ins Freie.

Er musste hier weg und das schnell. Lucys entsetzter Schrei ging ihm durch Mark und Bein, als er die laut aufschlagenden Absätze auf der Schwelle hörte und entschied, dass ein Wagen mit steckendem Schlüssel doch sehr einladend wirkte. Egal wie lächerlich er damit aussah.

Mit quietschenden Reifen verschwand der Cadillac in den hell beleuchteten Straßen von Las Vegas. Ohne ein Ziel, außer vielleicht dem, soweit weg wie möglich zu fahren!

 

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Als Methos seine Sachen aus dem Hotel geholt hatte und den dichten Verkehr endlich hinter sich ließ, war die Sonne schon wieder auf ihrem Weg in den Osten. Wie schnell doch alles gehen konnte, wenn man es eilig hatte.

 

Gelangweilt und müde drehte er alle Knöpfte durch und suchte nach einem annehmbaren Radiokanal. Diese Karre schien nur die Lieder eines gewissen Rock'n'Roll-Barden zu empfangen, und von Elvis hatte er bis in alle Ewigkeit genug!

Als er diesen nicht fand, gab er es schließlich auf, lehnte sich zurück und ließ sich den Fahrtwind durch das kurze Haare wehen.

 

Weit und breit nichts als Wüste. Hin und wieder ein kleiner verkrüppelter Strauch, oder ein Fels, sonst nichts. Da hatte er ja zu seinen Reiterzeiten schönere Gegenden gesehen. Er versuchte, so etwas wie eine Raststätte oder die nächste Stadt ausfindig zu machen, als ein stockendes Murmeln durch das Auto zuckte und der Motor verstummte.

"Was zum...", er stoppte, als der Wagen langsam ausrollte und zum stehen kam. Methos brauchte ein paar Minuten, um festzustellen, dass er mitten im Nirgendwo mit leerem Tank stand und weit und breit nichts Zivilisiertes zu sehen war. "Verdammt!" Er stieg aus und trat mit voller Wucht gegen den Wagen, was sein Fuß mit einem leisen Knacken und einem stechenden Schmerz beantwortete. Methos biß die Zähne zusammen und murmelte unendlich viele alte Flüche vor sich hin, als er sich umdrehte, Tasche, Mantel und Schwert schnappte und das einzige tat, was er in dieser Situation tun konnte. Laufen und hoffen. Hoffen auf ein vorbeifahrendes Auto oder eine andere Gelegenheit, schneller voranzukommen. Was für ein Urlaub. Er wußte schon, warum er bisher immer bei seinem Bier geblieben war!

 

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"I'm walking away... from the troubles in my life... I'm walking away... oh, to find a better day..."

 

Es war warm. Sehr warm. Methos hatte seinen Sweater ausgezogen und zusammen mit Mantel in die kleine Sporttasche gesteckt. Die Hälfte des Stoffes hing zwar raus und schleifte über dem Boden, aber das war ihm jetzt egal. Das Schwert lehnte über seiner Schulter, als er mit lässigem Schritt über den trockenen Asphalt schlurfte und sich wünschte, nicht was zu trinken vergessen zu haben. Konnte er denn ahnen, dass er es so lange ohne aushalten müsste? Selbst die grelle, brennende Sonne hoch oben am Himmel konnte nicht mehr, als ihm einen heftigen Sonnenbrand verpassen, der vergehen würde, wenn er nur für wenige Minuten Schatten bekommen würde.

Warum wurde er eigentlich nie braun? So wie Duncan. Naja, Duncan war eigentlich generell braun... aber trotzdem. Wenigstens ein bisschen.

"Fünftausend Jahre blass oder krebsrot, warum ausgerechnet ich? Hä? Blasse Haut und sexy? Im Winter vielleicht... im Wiiiihhiiinter!"

Wütend trat er gegen einen kleinen Busch und sah zu, wie die wenigen, verdorrten Ästchen leise knackend auf den goldenen Sand fielen. "Aber nein, ich werde nicht braun. Und dieses Schaf ist es permanent! Was eine Ungerechtigkeit!"

 

Er trat immer wieder zu. Wirbelte den feinen Sand auf und vernichtete den kleinen Strauch völlig. Er richtete seine Konzentration erst wieder auf seine Umgebung, als er einen Wagen hörte, der sich langsam näherte. Methos drehte sich um, ließ Tasche und Schwert fallen und begann, wild mit den Armen in der Luft umherzuwinken, und tatsächlich, der schwarze BMW hielt neben ihm.

"Strike!" Er brauchte nur wenige Sekunden, um sich wieder zu beruhigen und den Mann anzureden, der die Tür des Beifahrersitzes öffnete und ihm entgegentrat.

"Können Sie mich mitnehmen? Bis zur nächsten Stadt?"

Der Mann mit der dunklen Brille betrachtete ihn prüfend und nickte nur stumm. Als Methos den Schlagring an seiner rechten Hand entdeckte, war es schon zu spät. Nach einem kurzen Schlag gegen seine Schläfe wurde alles um ihn herum schwarz.

 

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Es war dunkel. Kalt. Die unangenehmen Gerüche verstärkten sich und schoben die Galle unaufhörlich weiter nach oben. Sein Atem war schwer, und er hatte bei jedem Atemzug das Gefühl, als würde der nötige Sauerstoff entweichen, noch bevor er sein Herz wirklich erreichen konnte.

Sein nackter, geschundener Körper wurde über den kahlen Betonboden gezogen. Die schmutzige Haut von kleinen, spitzen Unebenheiten aufgerissen und der Dreck fand seinen Weg in die offenen Wunden.

Der brennende Schmerz setzte sich in seinem Unterbewußtsein fest und nagte an seinen Kräften. Sein unterdrücktes, dennoch leise zu hörendes Wimmern ging in ein schmerzhaftes Stöhnen über, als er versuchte, die Augen zu öffnen, und es nicht wirklich schaffte. Seine Lider waren angeschwollen und schimmerten blau-violett. Seine Umgebung konnte er nur schemenhaft erkennen, wenn er überhaupt etwas sah. Überall nur dunkle Schatten, die sich vor den kahlen Wänden abzeichneten. Schatten von Menschen, Gegenständen, die er nicht erkennen konnte. Gespenstisch.

 

Eine große Holztür wurde knarrend aufgeschoben. Das Licht unzähliger Kerzen strahlte ihm entgegen, so dass es Methos die Tränen in die Augen trieb. Er wollte schützend die Arme vor sein angegriffenes Gesicht legen, doch seine Handgelenke wurden von zwei Männern gehalten, die ihn daran in diesen - für Methos viel zu hellen - Raum schleiften. Überall waren Menschen, junge Männer, die er nicht kannte. Fremde, die ihm nach dem Leben trachteten.

Als sie ihr Opfer erblickten, das hinein gezogen wurde, begannen sie zu jubeln. Die Füße trommelten auf den harten Boden, so dass der Unsterbliche meinte, ihn beben zu spüren. Doch das konnte nicht sein. Ein Trugbild seiner Wahrnehmung, wie er sich selbst sagte. Während seine Beine auf dem Boden schleiften, hing sein übriger Körper in der Luft. Der einzige Halt waren seine Arme, die hochgehalten wurden. Sie schmerzten, hing doch sein ganzes Gewicht seit einer Ewigkeit an diesen Gliedern. Erschöpft ließ er von seiner Umgebung ab, starrte auf den Untergrund, der sich veränderte, je weiter sie in diesen Raum traten. Das blasse Grau wurde dunkler, fast schwarz. Der Geruch von Blut stieg Methos in die Nase. Frischem Blut. Altem Blut... seinem Blut. Es war überall. Klebte an den Wänden, dort, wo die Fesseln angebracht waren, lag eingetrocknet in dem Staub auf dem Boden. Sie hatten es ihm gestohlen, sein Blut. Ihn erstochen. Immer und immer wieder. Tiefe Wunden in seinen Körper gezogen und zugesehen, wie die rote Flüssigkeit entfloh. In Behältern eingefangen und an die Wände geschmiert. Methos wußte nicht warum, und um ehrlich zu sein, wollte er das auch gar nicht wissen.

 

Sie stoppten. Der Griff um seine Handgelenke lockerte sich, und sein Körper kam auf dem nassen, klebrigen Boden zum Liegen. Den Kopf zur Seite gelegt starrte er an die Wand, an der Unmengen von kleinen und großen Messern hingen. Schusswaffen. Eisenketten. Peitschen. Schlagringe. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in ihm aus. Er konnte es nicht deuten, sich nur denken, dass es die betäubende Angst war, die sich in den letzten langen Stunden - oder waren es Tage? - im Hintergrund gehalten hatte. Methos hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Den Bezug zur Realität. Es war ständig dunkel gewesen, und wenn er nicht tot war, wurde er getötet.

 

Als er meinte zu spüren, wie seine Arme sich langsam wieder entspannten, wurde er erneut an ihnen hochgerissen und auf ein etwa drei Meter hohes Podest gezerrt. Zwei starke Hände richteten ihn auf und stützten seinen Körper, so dass er stehen blieb, auch wenn er meinte, seine Beine müssten jeden Moment unter ihm nachgeben.

Was war es diesmal? Wie würden sie ihn jetzt töten? Methos wußte es erst, als das Gejubel verstummte, das er nur gedämpft wie durch eine dicke Mauer wahrgenommen hatte, und ihm etwas Schweres um den Hals gelegt wurde. Er lächelte. Tatsächlich, ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Er würde wieder sterben, doch diesmal schnell und ohne Schmerzen. Anders als die letzten Male, die er ertragen musste.

"Möge unser Gott, Sydatnat, unsere Gabe des Opfers diesmal an sich nehmen. Möge dieser Mann nie wieder auferstehen aus dem Reich der Dämonen und der Unterwelt. Möge es nur seine körperliche Hülle sein, die bleibt und in der Glut der Mittagssonne zu Staub zerfällt. Sich der Wüste Nevadas anschließt und eins mit ihr wird."

Die grollende Stimme des Sprechers donnerte beschwörend durch den Raum. Wiederholte sich unzählige Male leise im Echo und verstummte schließlich wieder. Methos lächelte immer noch. Der Wunsch nach Ruhe hatte sich ihm aufgedrängt, und er konnte es auch dieses Mal kaum mehr erwarten, endlich Erfüllung zu finden.

"Sterbe wohl", flüsterte der Mann mit den starken Händen hinter ihm und schob ihn weiter nach vorne.

"Bis gleich", erwiderte Methos ruhig und schloß die Augen. Ja, er würde wieder aufwachen. Wieder in entsetzte und verängstigte Gesichter sehen. Und dann, wenn sie erkannt und akzeptiert hatten, würden sie sich eine neue Methode ausdenken, um ihn endgültig zu vernichten. Methos war schon mehrere Male kurz davor gewesen, ihnen zu sagen, dass sie seinen Kopf nehmen mussten, um sich und auch ihm endlich Frieden zu geben. Aber zu groß war die Angst vor der Endgültigkeit. War sie in seinen Gedanken noch so süß und verführerisch.

 

Nach einem festen Stoß von hinten spürte er den kurzen Fall, und schließlich hörte er auch das Knacken seines Genicks, bevor alles schwarz und gefühllos wurde.

 

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Ihm war so kalt. Sein Körper begann zu zittern und sich zu verkrampfen. Alles in ihm schrie nach Wärme, blieb jedoch unbeachtet. Grelles Licht flimmerte in seinem Gesicht. Huschte über seine geschlossenen Augen, wanderte weiter, dann wieder zurück. Methos wollte seine Hand schützend vor sein Gesicht legen und versuchte, den Kopf zur Seiten zu drehen, um diesem tanzenden Lichtstrahl auszuweichen. Doch der Schmerz, der daraufhin durch seinen Körper fuhr, ließen ihn in seiner Bewegung stoppen. Er spürte, dass etwas in sein Fleisch schnitt, sobald er versuchte, sich zu bewegen, spürte die dünnen Nylonfäden, mit denen er festgehalten wurde. Spürte das warme Blut, das aus den tiefer gewordenen Schnittstellen an Handgelenken und Hals floß. Hörte sogar, wie es auf den kahlen Boden tropfte.

 

Ein mühseliger Seufzer drang aus seiner trockenen Kehle, als er sich zwang, die Augen zu öffnen und seine Gegenüber, die hinter diesem künstlichen Licht im Dunkeln lagen, anzusehen. Er konnte sie nicht erkennen, aber wann hatte er das schon geschafft? Er kannte ihre Stimmen, ihre Waffen, ihre Methoden. Das war schon zuviel, da konnte er auf Gesichter verzichten.

"Ich sagte ja 'bis gleich'." Er erschrak über seine eigene Stimme. Konnte nicht fassen, dass sie wirklich zu ihm gehören sollte. Mehr ein Krächzen eines alten Raben als menschlich.

Das flimmernde Licht erlosch. Wieder legte sich Dunkelheit um ihn. Erdrückte ihn, mit ihr er Last und der Stille, die für eine kurze, dennoch fast unendlich scheinende Zeit von den Peinigern ausging. Und je stiller es war, desto mehr nahm er seinen Körper wahr, der geschwächt durch den Blutverlust seiner Kontrolle entwich und sich immer mehr gegen die unsichtbaren Fäden lehnte.

Etwas Kaltes legte sich auf seine Haut. Kälter sogar als sein eigener Körper. Verbannte die Wärme, die sein Blut auf seinem Weg Richtung Boden hinterließ. Positionierte sich in der Mitte, seiner Brust, um dann mit einer plötzlichen Bewegung nach unten zu schnellen und einen dünnen, jedoch sehr schmerzhaften Schnitt zu hinterlassen. Methos schrie leise auf, als die Wunde zu brennen begann, einige Nylonfäden zur Seite schnellten und die Risse, die sie verursacht hatten, noch vergrößerten. Ein kurzes, hastiges Keuchen folgte, bis auch dies durch den Schmerz unterdrückt wurde und sein Körper sich erholte, soweit es ihm gelang. Eine Hand - wahrscheinlich dieselbe, die das Messer geführt hatte - strich ihm über den Brustkorb und wischte das Blut weg. Die Schnitte waren wieder verheilt, wie immer. Methos lachte erschöpft auf, ließ die Augen diesmal geschlossen. Irgendetwas, ob Licht oder Schmerz, würde ihn ja doch wieder dazu zwingen, sie zu schließen.

"Dass ihr es immer noch nicht satt habt", murmelte er leise und spürte wieder das Messer, dessen Spitze sich bedrohlich in die Haut über seinem Herzen bohrte.

"Warum verheilen deine Wunden so schnell? Warum stirbst du nicht?"

Diese Stimme war dunkel und schien für Methos so unwirklich und so weit weg zu sein. Dennoch konnte er sie hören und verstand. Er hatte keine Lust zu antworten, würde er ihnen doch nur wieder dasselbe sagen, wie die unzähligen Male zuvor. Würde es doch nicht zu einem Ende dieser Leiden führen. Würden sie ja doch nicht verstehen und von ihm ab lassen.

"Dafür gibt es keine Erklärung." Er stoppte erschöpft und sog vorsichtig nach Luft. Unterdrückte aber ein Japsen. Sein Körper hatte sich mehr bewegt als für Methos in seiner augenblicklichen Situation gut war. "Ich habe mir das nicht ausgesucht, hatte keine Wahl. Es ist einfach so. Ich kann nicht sterben, lebe ewig. Lebe länger als ihr denken könnt. Und nach all dieser Zeit werdet ihr mit Sicherheit die Letzten sein, die es schaffen, diesem Leben durch eure Methoden ein Ende zu setzten."

Methos hatte es gerade noch geschafft, seinen letzten Satz zu beenden, als sein Körper begann, unter dem aufkommenden Hustenanfall zu erzittern. Die Fäden surrten sich fester um seine Gelenke, seinen Hals. Schnitten immer tiefer in das weiche Fleisch und setzten einen brennenden Schmerz frei. Es schmerzte sogar in seinem Hals, und es dauerte auch nicht lange, bis er das erste Blut auf seiner Zunge schmeckte. Tapfer schluckte er es wieder hinunter und unterdrückte das würgende Gefühl, das folgen wollte.

Das Nächste, was er hörte, war das wütende, schnaubende Geräusch des Mannes vor ihm. "Lüge! Was du von dir gibst, ist irrationales Geschwätz!" Die dunkle Gestalt beugte sich weiter nach vorne, so dass Methos seinen warmen Atem im Gesicht spürte und selbst unter starken Schmerzen wieder versuchte, dem Verlangen nachzugehen, seinen Kopf endlich zur Seite zu drehen.

"Wir werden einen Weg finden. Verlass dich drauf! Sydatnat, unser Gott, wird der Einzige sein, den du in deiner nächsten Ewigkeit erleben wirst!"

"Zum Teufel mit eurem Sydatnat!" presste Methos bestimmt hervor. Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, spürte er, wie die kalte Klinge des Messers in seine Haut eindrang. Sich mühelos einen Weg durch sein Fleisch, zu seinem Herzen bahnte. Etwas, das er bei vollem Bewußtsein erleben musste, bis die Spitze Klinge endlich sein Herz durchstieß.

Das Pochen wurde langsamer, schwächer. Und Methos stellte noch fast beiläufig fest, dass die Waffe nicht entfernt wurde und sein sterbender Körper gefallen wäre, wenn die Nylonfäden ihn nicht an dem mitten im Raum befestigten, großen Brett gehalten hätten, wobei sie seine Pulsadern mühelos durchtrennten. Das helle Blut bedeckte seine Arme völlig, als es aus den aufgeklappten Wunden quoll und mit ihm auch seine Lebensgeister erneut entwichen.

 

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Die erste Reaktion seines Körpers nach dem Aufwachen war Atmen. Gierig sog er nach Luft, als sich seine Lungen plötzlich mit Wasser füllten und er panisch die Augen aufriß. Dunkles, dreckiges Wasser, das in den Augen brannte, in seinen Körper floß. Er stemmte die Arme gegen den Boden und hievte sich in die Höhe, um dann festzustellen, dass das Wasser ihn freigab. In die Ferne rückte. Immer noch nach Luft schnappend begann er zu husten und spuckte das Wasser aus, das seine Atemwege blockiert hatte.

Um ihn herum zogen sich hohe Grasfahnen über die aufgeweichte Erde. Kleine Wasserperlen glänzten auf den dünnen Halmen, zogen sie dem Boden entgegen und perlten schließlich ab. Mit einer hastigen Bewegung strich er sich über das nasse Haar, über das verdreckte Gesicht und betrachtete seine Umgebung. Wo war er hier? Was war das für ein fremder Ort? Mit einem mühseligen Seufzer stand er schließlich auf und sah an sich hinunter. Seltsame Kleidung war das einzige, das er sah. Nass und schmutzig. Unbekannt. Auf seinen Schultern klebten Grashalme und Schlamm, und in seinem Kopf hämmerte es.

 

Langsam sank er wieder dem Boden entgegen. Ließ sich neben der zuvor so bedrohlich scheinenden Pfütze nieder und gab dem Verlangen seines Körpers nach, der nach Erholung schrie. Tausend Fragen schwirrten ihm im Kopf umher. Nicht gerade sehr verträglich mit den Kopfschmerzen, die versuchten, jeden klaren Gedanken zu verdrängen. Die wirren Gedankenfetzen, die unbeantworteten Fragen und der Schmerz dröhnten in seinem Kopf. Mit zusammengekniffenen Augen und aufeinander gepressten Zähnen drückte er seine Hände gegen seine Ohren und begann, vor und zurück zu wiegen. Formte mit seinen Lippen die Bitte, sein Innerstes möge doch zur Ruhe kommen. Völlig in dieser Handlung versunken bemerkte er erst sehr spät den Regen, der dem Anschein nach zum wiederholten Mal in kurzer Zeit zur Erde prasselte. Die ersten Blitze zuckten grell über den Himmel, bevor es nur wenige Sekunden später einen gewaltigen Schlag tat, und der Donner bedrohlich grollte.

Er wußte nicht, was er tun sollte, und sprang instinktiv auf, um in dem nahegelegenen Wald unter den Bäumen Schutz zu suchen. Plötzlich schien sich alles nur noch um dieses Gewitter zu drehen, das in nur kurzer Zeit immer näher kam. Irgendwie fühlte er sich unwohl unter den Bäumen. Als wäre etwas falsch daran, hier zu sitzen. Aber wo sollte er denn sonst hin? Hinaus, aufs offene Feld? Sollte er sich wirklich der Gefahr ausliefern, vom Blitz erschlagen zu werden? Sicher nicht und so presste er seinen vor Kälte zitternden Körper fester gegen einen Baumstamm und winkelte seine Beine an, um sie mit seinen Armen zu umschließen und so eine schützende Position einzunehmen.

 

Wo er vorher noch am liebsten liegengeblieben wäre und geschlafen hätte, war an Schlaf jetzt nicht mehr zu denken. Nicht zuordnenbare Gefühle fluteten durch seinen Körper, wollten ihn zum Aufstehen bringen. Wozu? Diese ständigen Fragen gingen ihm auf die Nerven, als es plötzlich Funken vom Himmel regnete und der Baum neben ihm umstürzte. Die Flammen schlugen hoch und griffen auf die Blätterkrone des Baumes über, unter dem er saß. Wie perplex saß er da und rührte sich nicht, sah noch, wie ein Ast sich löste und auf ihn nieder raste, als etwas ihn am Arm packte und aus der Gefahrenzone zerrte.

Ein kräftiger Mann, mit einem starken, fast schmerzhaften Griff, langen dunklen Haaren und bronzen schimmernder Haut zog ihn hinter sich her, zurück zur Wiese, wo sein Pferd stand und brav auf seinen Besitzer wartete. Erst, als sie fast bei dem Tier angelangt waren, löste sich der Griff, und sie kamen zum Stehen. Keuchend bückte er sich und stemmte seine Arme gegen seine Beine.

"Seid Ihr wahnsinnig?" Der Langhaarige sah ihn wütend an und verlangte wieder seine volle Aufmerksamkeit. Er sah langsam zu ihm auf und blinzelte, als die Regentropfen wieder sein Gesicht trafen.

"Wer bist du?" flüsterte er leise und versuchte immer noch, gegen das schwere Atmen anzukämpfen und seinen Körper zu beruhigen.

"Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod! Warum habt Ihr unter den Bäumen Schutz gesucht? Hat Euch niemand gesagt, wie gefährlich das ist?"

Er schüttelte mit dem Kopf und richtete sich langsam wieder auf. So, Duncan MacLeod hieß der Mann, der ihm wohl eben das Leben gerettet hatte. Er wollte sich ihm ebenfalls vorstellen, brachte jedoch kein Wort heraus.

"Hat es Euch die Sprache verschlagen?" kam es spöttisch von Duncan, der sich zu seiner vollen Größe aufbaute und die Arme vor der breiten Brust verschränkte.

"Ich--" Er fuhr sich erneut über das kurze, klebrige Haar und sah sich noch einmal zu der Brandstelle um, die mittlerweile fast keine mehr war. Der Regen hatte das Feuer weitgehend gelöscht und ließ nur die beiden verkohlten Überreste der Bäume zurück. "Ich weiß nicht, wie ich heiße", stellte er betroffen fest und sah den Fremden, dessen Namen er nun wußte, fast entschuldigend an.

"Von welchem Clan kommt Ihr?" fragte der nur und betrachtete die Kleidung seines Gegenübers. "Und warum tragt Ihr Eurer Haar so kurz?"

"Ich weiß es nicht, ich--" Er fuhr sich über das nasse Gesicht und schüttelte wieder und immer wieder mit dem Kopf. "Ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht, wer ich bin, wo ich bin, was--" Er brach ab und betrachtete den schiefen Blick von Duncan, der sich gegen sein Pferd lehnte und die Hand nach ihm ausstreckte.

"Lasst uns das später klären. Kommt, ich bringe Euch zu meiner Hütte. Hier bleiben könnt Ihr nicht."

Das Lächeln war so vertrauenerweckend, dass er nicht anders konnte, und der Aufforderung nachkam. Er ließ sich hinter Duncan auf das Pferd ziehen und konnte nicht vermeiden, dass sein Blick noch für eine Weile an dem Ort hängen blieb, wo er bis vor kurzem noch grübelnd und allein gesessen hatte, ehe er sich wieder geradeaus richtete und sich an Duncan festhielt, als dieser das Pferd in einen schnellen Galopp fallen ließ.

 

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Die Hütte lag an einem kleinen, fast kristallklaren See, umgeben von steinernen Hügeln, die jedoch hoch genug waren, um die Hütte vor der anderen Seite zu verbergen.

Mit einer fließenden Bewegung stieg er ab und wunderte sich noch über diese Handlung. Er hatte sie nicht bewußt ausgeführt, es war mehr wie ein Reflex gewesen. Etwas Einstudiertes. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals geritten zu sein. Naja, eigentlich konnte er sich an gar nichts mehr erinnern. Wer weiß, wer er war. Selbst das große Schwert, das Duncan in einem Heft befestigt auf seinem breiten Rücken mit sich trug, schien ihm ein vertrauter Gegenstand zu sein. Selbst Duncan kam ihm nach längerem Überlegen irgendwie bekannt vor. Doch genaue Erinnerungen, die das erklären würden, fehlten ihm.

Sein Gastgeber winkte ihn zu sich heran, dass er ihm folgen sollte, und schob den dunklen Vorhang beiseite, um ihm Einlass zu gewähren. Immerhin war es ordentlich in dieser Hütte, wenn auch das Dach nicht überall wirklich dicht war und Duncan leise fluchend kleine Behälter auf dem Boden verrückte, um das herein tropfende Wasser aufzufangen.

"Muss fürs Erste reichen", murmelte der Schotte vor sich hin und wendete sich dann wieder seinem Gast zu, der mit seinen Gedanken weit weg zu sein schien. "Ihr wollt Euch sicherlich etwas ausruhen. Wenn der Regen nachgelassen hat, werde ich Euch ein paar Vorräte überlassen, damit Ihr weiterziehen könnt."

"Du willst mich wieder wegschicken?" platzte es aus dem erschöpften Mann heraus, der Duncan ungläubig anstarrte.

"Ist nichts gegen Euch persönlich. Nur kann ich zur Zeit keine Gesellschaft gebrauchen." Duncans Worte waren leise, jedoch bestimmt und duldeten keine Widerrede. Er wendete sich von ihm ab und trat wieder hinaus in den Regen, um sein Pferd zu versorgen. Sein Besuch sah ihm noch kurz hinterher, ehe er weiter in die Hütte trat und einen zweiten Vorhang zur Seite schob, der ein paar Decken und ein Strohbett zeigte. Er hatte etwas anderes erwartet. Was, wußte er nicht, dennoch war es hier trocken und besser, als draußen unter irgendeinem Baum zu sitzen. Er sah noch einmal kurz zurück und horchte, wie Duncan das Pferd in den kleinen Verschlag führte, der neben der Hütte angebaut war, bevor er sich hinlegte und seine Glieder streckte. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt schloß er die Augen und genoß diese Ruhe, die sein Körper dankbar annahm. Der Gedanke bald wieder ziehen zu müssen, ohne ein Ziel und ohne zu wissen, wer er denn eigentlich war, gefiel ihm nicht. Aber was sollte er tun? Für eine längere Anwesenheit war er hier wohl nicht erwünscht, auch wenn ihn das seltsame Gefühl beschlich, dass er Duncan kannte und der es auch war, der ihm vielleicht helfen könnte.

 

Nach längerem Grübeln meldete sich das unangenehm pochende Gefühl in seinem Kopf wieder, und so gab er sich geschlagen und ließ seinen Geist endlich zur Ruhe kommen.  

Unmengen von Menschen in großen Räumen, roten Teppichen und unzähligen Tischen, auf denen mehr oder minder gut erhaltene Bücher lagen. Sein Blick glitt über einen dieser Tische, als er ohne sein Zutun darauf zuging und sich setzte. Er selbst bewegte sich eigentlich nicht. Er sah sich dabei zu, sah diesen Mann, der er selbst war, wie er eines der Bücher aufschlug und darin zu lesen begann. Den Text mit seinem Finger unterstrich und ein zweites Buch hinzuzog.

Etwas schien sein Interesse geweckt zu haben, als er schneller blätterte und schließlich leise auflachte. "Leute, ihr habt keine Ahnung", murmelte er und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, ehe er nach einem Stift kramte, um sich Notizen zu machen.

"Adam."

Langsam drehte er sich um und sah die sich nähernde Person mit einem Unschuldsblick an. Überhaupt nicht passend zu seiner letzten Aussage, die wohl unter anderem auch dem näherkommenden Mann gegolten hatte.

"Geht's voran?" Der Fremde blieb stehen und schielte auf die Bücher, ließ den Angesprochenen jedoch nicht aus den Augen.

"Alles bestens, danke", gab dieser zur Antwort und wollte sich wieder seiner Arbeit zuwenden, als der größere Mann im Anzug weiter sprach.

"Ich hoffe, du bist dir deiner Arbeit hier bewußt, Adam. Nichts davon darf nach außen dringen. Absolut nichts von dem hier darf diese Einrichtung verlassen!"

"Schon klar", nickte der Jüngere und lächelte beruhigend, bevor er wieder ganz mit den Büchern verschmolz.

 

Seine Augen begannen unter seinen geschlossenen Liedern hin und her zu wandern. Sein Körper verlagerte sein Gewicht zur Seite, um sich dann plötzlich doch wieder anders zu entscheiden und sich erneut umzudrehen. Hin und wieder war ein leises, stöhnendes Geräusch zu hören, bevor es wieder still wurde und der Körper wieder Ruhe gefunden zu haben schien. Nur um die letzten Bewegungen wenige Minuten später zu wiederholen.

 

Der Raum war verschwunden. Die vielen Menschen nicht. Nur waren es jetzt andere. Er saß auf einem hohen Hocker. An einem Tresen und stützte die Arme darauf. Er sah nicht mehr sich selbst wie eine andere Gestalt. Nun war er es, der hier saß und handelte. Auch wenn er nicht wußte, was er hier sollte. Irgendwie meinte er, schon einmal hier gewesen zu sein. Aber wann? Und wieso?

Ein älterer Mann mit grau-weiß meliertem Haar kam auf ihn zu. Seinen Griff fest um einen Stock geschlungen, der ihm als Gehhilfe diente. In der anderen Hand hielt er ein Glas mit einer golden-schimmernden Flüssigkeit, die er ihm auf den Tresen stellte und ihn mit freudig strahlenden Augen fixierte.

"Lange nicht mehr gesehen, Adam. Wie geht es dir?"

Sein Blick blieb an dem Handgelenk des älteren Mannes hängen. Betrachtete die Tätowierung, um danach seinen eigenen Arm zu betrachten und selbige auch dort zu finden.

"Adam?" wiederholte er leise und erwiderte den Blick des Fremden. "Wer ist das?"

Der Mann mit dem Stock zog beunruhigt die Augenbrauen zusammen und lehnte den freien Arm an den Tresen, um sich weiter zu ihm vorzubeugen.

"Methos, alles in Ordnung?" flüsterte er besorgt und schob das Bier zur Seite, das ihm im Weg stand. "Ist was passiert?"

 

Er fuhr sich mit der Hand über das kurze, schwarze Haar und drehte sich um. Die Menschen waren plötzlich verschwunden, selbst die Musik, die er meinte, zuvor noch leise wahrgenommen zu haben, war verstummt. Ein seltsames Gefühl flutete durch seinen Körper, hämmerte leicht, jedoch nicht schmerzhaft in seinem Kopf, jagte ihm dennoch einen Schauder über den Rücken.

Sein Blick wurde fast automatisch zur Tür gelenkt, die sich langsam öffnete.

"Das wird Mac sein", meinte der alte Mann freudig und wischte mit einem Lappen über das glänzende, klebrige Holz der Theke.

"Mac?" fragte er, während er auf die Tür starrte und versuchte, das seltsame Gefühl zu bekämpfen, das der Besuch in ihm auszulösen schien. Er beugte sich immer weiter nach vorne, als ihn plötzlich etwas packte und zu schütteln begann. Die Tür schloß sich wieder mit einem lauten Knall, ohne das jemand reingekommen war, selbst der alte Mann war weg. Seine Umgebung verschwand wie in einem dichten Nebel, bis es schließlich stockfinster und kalt wurde. Er schloß die Augen und versuchte, sich gegen die Hände zu wehren, die an ihm zogen, wollte wieder zurück. Wollte Antworten auf seine Fragen, als er die Augen wieder öffnete und braune ihn musterten.

 

"Alles in Ordnung mit Euch?" Duncan ließ von ihm ab und setzte sich. "Ihr wart--," sein Blick fiel auf den Haufen Decken und das zerwühlte Stroh, "sehr unruhig im Schlaf."

"Ich habe geträumt", flüsterte er, brachte sich jetzt mit einem leisen Seufzen ebenfalls in eine sitzende Position und über sein Gesicht fuhr. "Da waren Dinge, Menschen, die ich nicht kannte, obwohl sie mir vertraut vorkamen. Sie haben mich--" er stoppte wieder und sah Duncan fast verzweifelt an. "Sie haben mich beim Namen genannt. Aber ich erinnere mich nicht mehr."

"Auch nicht mehr an den ungefähren Wortlaut?"

Er schüttelte mit dem Kopf und legte sich wieder hin, um kurz danach wieder aufzuspringen. "A...Ad...Ar...irgend sowas. Aber es waren zwei Namen. An den anderen kann ich mich gar nicht mehr erinnern."

Duncan überlegte kurz und lehnte sich gegen die morsche Holzwand. "Artur vielleicht?"

Er sah ihn an und überlegte ebenfalls. Artur? War es das gewesen? Ähnlich klang es auf jeden Fall. "Vielleicht", nickte er langsam.

Duncan lächelte. "Dann hätten wir die Frage ja geklärt." Er stand wieder auf und reichte seinem Gast die Hand, um ihm aufzuhelfen. "Ihr solltet etwas essen, Artur. Geschlafen habt Ihr lange genug."

 

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Nach dem gemeinsamen Essen, das fast beängstigend schweigsam abgelaufen war, hatte Artur sich nach draußen auf einen alten Baumstumpf an den See gesetzt. Der Regen hatte schon lange aufgehört. Das Wasser lag still und wirkte einladend auf den jungen Mann, der seine schmutzigen Hände betrachtete. Wenn Duncan ihn wegschickte, würde er wohl wieder zu dem Ort gehen, an dem er aufgewacht war. Irgendwo in der Nähe musste es doch jemanden geben, der ihn kannte oder zumindest schon einmal gesehen hatte. Vielleicht würde der Ort ihm auch helfen, sich wieder zu erinnern, seine wahre Identität rauszufinden. Etwas ganz tief in seinem Unterbewußtsein sagte ihm, dass er nicht Artur hieß. Und sein Unterbewußtsein war es auch, das ihm dieses Gefühl gab, hier nicht hin zu gehören. Egal wie schön es hier vielleicht sein mochte. Er fühlte sich hier fehl am Platze. Eigentlich ein weiteres Argument zu gehen und am besten das Land zu verlassen. Aber da war etwas, das ihn nicht gehen lassen wollte. Es war ihm, als gäbe es hier etwas, das ihn an sich band, nicht freigab. Was, wußte er nicht, und er hatte es langsam satt, nachzudenken, ohne eine Antwort zu finden. Sein Blick fiel wieder auf den See. Zum Horizont, wo Wasser und Himmel sich trafen. Seine grün goldenen Augen schimmerten glänzend in der Wasseroberfläche, als er sich selbst betrachtete.

Ein kleiner Wasserspringer huschte über die Oberfläche, kleine Wellen waren zu sehen. Nur ganz leicht und sehr kurz. Aber es reichte, um sein Spiegelbild für wenige Sekunden undeutlich zu machen. Als sich das Wasser wieder beruhigte, sah das Bild anders aus. Langes, zerzaustes, schwarzes Haar lag auf seinen Schultern. Die rechte Hälfte seines Gesichts war blau angemalt. Seine Augen funkelten fast schwarz und wirkten plötzlich bedrohlich. Artur konnte seinen Blick nicht davon abwenden. Ließ seine Hand über die blaue Farbe gleiten und sah zu, wie es ihm sein Spiegelbild gleichtat. Dort, wo seine Hand seine Wange berührte, verschwand das Blau.

 

"Du hast mich verraten!"

 

dröhnte es plötzlich in seinem Kopf. Es war nicht Duncans Stimme, um das zu wissen, musste er sich nicht erst umdrehen und nachschauen. Er wußte es, wußte auch, dass diese Stimme in ihm war.

 

"Du hast mich, deinen Bruder, verraten!"

 

Hinter seinem Spiegelbild tauchte plötzlich eine weitere Person auf. Lächelte ihn kalt an. Ebenfalls lange, verfilzte, schwarze Haare. Über seinem rechten Auge prangte eine lange Narbe von der Stirn bis zur Wange. Sein Gesicht war mit schwarzen Mustern versehen. Wirkte beängstigend. Einschüchternd. Er legt seine Hand auf die Schulter seines Spiegelbilds und sofort formierte sich das Blau auf seiner rechten Gesichtshälfte wieder. Bedeckte sie nun wieder vollständig.

 

"Du gehörst mir!"

 

Die dunkle Stimme hinterließ ein Echo in seinem Kopf. Wiederholte sich immer und immer wieder. Jagte eine Gänsehaut über seinen Körper. Als er auf einmal wirklich eine Hand auf seiner Schulter spürte, sprang er erschrocken auf und lief einige Schritte ins seichte Wasser, um einen sicheren Abstand zu erreichen, bevor er sich wieder umdrehte.

"Ich wollte Euch nicht erschrecken", lächelte Duncan entschuldigend und legte einen sauberen Kilt auf den Baumstumpf, dort, wo Artur zuvor gesessen hatte. "Wenn Ihr wollt, könnt Ihr Euch im See waschen. Das Wasser ist sauber. Ich nehme dann Eure Kleidung zu mir und werde sie später reinigen. Für einen Aufbruch ist es heute zu spät." Dann wendete er sich ab und ging zurück in die Hütte.

Artur wartete einen Augenblick und sah noch einmal hinunter zum Wasser. Sein Spiegelbild schien wieder normal. Diese Visionen begannen langsam, seinen Verstand durcheinander zu bringen. Den nun wieder leise pochenden Kopfschmerz ignorierte er, als er aus dem Wasser trat und sich auszog. Seine Kleidung war seit dem Gewitter zwar längst wieder an seinem Körper getrocknet, doch nun nicht sehr angenehm zu tragen. Außerdem roch sie dementsprechend, und so war er froh, sie ablegen zu können.

 

Mit nur wenigen, hastigen Handgriffen hatte er sich von seinem Oberteil getrennt und es auf die andere Seite des Baumstammes geworfen. Überall auf seinem blassen Oberkörper waren bräunliche dünne Rinnen zu sehen, die wohl das schlammige Wasser dort hinterlassen hatte. Er setzte sich und zog die Stiefel aus. Eine Zeitlang verharrte er in dieser Position und starrte wieder hinaus auf das Wasser. Beobachtete die Sonne, die langsam hinter dem Horizont verschwand und den Himmel in ein wunderschönes Abendrot tauchte. Er musste sich beeilen, wenn er nicht im Dunkeln baden wollte, und schlüpfte schnell aus seinem Kilt, bevor er in das überraschend angenehm warme Wasser stieg.

Während es am Anfang noch sehr seicht blieb, wurde es nur wenige Schritte weiter umso schneller tiefer. Er lief weiter, bis das Wasser bis zu seinen Hüften reichte, bevor er das Wasser mit seiner hohl geformten Hand auffing und über seine Schultern laufen ließ. Es war, als hätte alles in ihm seit einer Ewigkeit nach einer Säuberung und etwas Erholung geschrien, und so machte sich ein leichtes Prickeln in ihm breit, als er sich umdrehte und einfach nach hinten fallen ließ.

Es war zwar noch nicht dunkel am Himmel, dennoch konnte man, wenn man genau hinsah, ein paar Sterne sehen, die noch unscheinbar ihren Platz am Firmament eingenommen hatten und darauf warteten, dass die Sonne verschwand, um den Himmel für sich zu beanspruchen.

Artur schloß die Augen und atmete tief durch. Es war so ein schönes Gefühl, sich treiben zu lassen, an nichts zu denken. Einfach war es nicht. Im Gegenteil, immer wieder versuchten seine Gedanken zu rotieren, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Doch Artur ignorierte weiterhin tapfer die Kopfschmerzen, die auftraten, wenn er versuchte, sich ihnen zu entziehen, und konzentrierte sich auf das Wasser. Auf die angenehme Wärme, die seinen Körper umschloß. Ihn zu umarmen schien. Er wollte nur ein paar ruhige Minuten haben, mehr verlangte er doch gar nicht. Erst als er sah, wie das Rot vor seinen geschlossenen Liedern verblasste und letztendlich wich, öffnete er die Augen wieder und stellte sich auf. Der Himmel war nun deutlich dunkler geworden, und die Sterne strahlten geradezu auf ihn hinab. Die einen mehr, die anderen weniger. Ein leises Seufzen war von dem jungen Mann zu hören, als er seinen Blick wieder zur Hütte richtete und schließlich mit gesenktem Kopf zurück ging.

 

"Fertig?" rief Duncan und trat vor die Hütte.

Artur blieb stehen und zögerte einen Augenblick. Irgendetwas wollte ihn dazu bringen, zu seinen Kleidern zu rennen und seinen Unterleib großzügig zu bedecken, aber eine andere, viel stärkere innere Kraft redete ihm ein, dass es völlig normal war, dass Duncan ihn so sah. Nichts, dem er sich entziehen musste. Ein gewohntes Bild. Ein leises Grinsen huschte über Arturs Gesicht. Warum, wußte er auch diesmal nicht, als er langsam - langsamer als vorher? - weiter schlenderte und Duncans Blick für einen kurzen Moment erwiderte. "Ja!" antwortete er nur knapp und sah zu, wie der Highlander auf ihn zukam, schließlich am Baumstumpf auf ihn wartete.

"Ihr habt Euch Zeit gelassen." Duncan reichte ihm den sauberen Kilt und wartete, bis Artur nahe genug war, um ihn entgegen zunehmen. Als ihre Hände sich für einen scheinbar kurzen und unbedeutenden Augenblick berührten, verwandelte sich das Bild des Schotten plötzlich. Artur sah nicht mehr denselben Mann vor sich, auch wenn es so schien. Seine Kleidung hatte sich verändert. Das Haar war kürzer und zusammengebunden. In seiner Hand hielt er andere Kleidung, die er ihm entgegenstreckte.

 

"Wir kommen zu spät," sagte er lächelnd und drückte ihm die Kleidung in die Hand. "Wir sollten Joe nicht ständig warten lassen, nur weil wir uns nicht beherrschen können."

 

Artur kniff die Augen zusammen und sah Duncan wieder an. Die Vision war verschwunden. Wieder stand der Schotte in seinem Kilt vor ihm. Mit dem offenen, gewelltem langen Haar und in Arturs Händen befanden sich die sauberen Sachen.

"Alles in Ordnung mit Euch?" fragte Duncan leicht besorgt und musterte seinen Besuch.

Artur nickte nur beiläufig und machte sich mit der nächsten Bewegung daran, sich anzukleiden. Wenn das so weiterging, würde er noch wahnsinnig werden.

"Wir sollten rein gehen, es wird kühl", fuhr der Highlander fort und drehte sich zur Hütte. "Heute nacht könnt Ihr noch bleiben. Es reicht, wenn Ihr morgen früh aufbrecht."

"Und wenn ich gar nicht gehen will?" Diese Frage war von Artur eigentlich gedacht. Nur hatte er das laut getan. Duncan drehte sich wieder zu ihm um und sah ihn überrascht an, bis auch Artur begriff, was er da eben gesagt hatte.

"Entschuldige, ich wollte nicht...doch natürlich wollte ich dir das sagen. Warum muss ich gehen? Ich meine, ich habe keine Ahnung, wo ich hin soll. Habe es gerade mal mit Müh und Not geschafft, mich an meinen Namen zu erinnern, obwohl ich mir fast sicher bin, dass es nicht der richtige ist. Was wäre so schlimm daran, wenn ich noch ein bisschen bleibe? Ich kann dir auch helfen beim...was auch immer du so tust. Besser als allein zu leben oder?"

Letzteres war weniger eine Frage als eine Feststellung, die Artur von sich gab. Duncan blickte zu Boden. Es schien, als würde er für einen kurzen Moment wirklich mit sich kämpfen, bevor er doch mit dem Kopf schüttelte und ein: "Nein!" ausstieß.

"Warum nicht?" Artur verschränkte die Arme vor seiner Brust und sah den Schotten herausfordernd an. "Warum kann ich nicht bleiben?" wiederholte er noch einmal umso entschiedener und suchte Duncans Augen, die versuchten, seinem Blick auszuweichen. Doch lange konnten sie das nicht. Artur entdeckte seine starke Willenskraft, und es gefiel ihm, diese zu haben. Dem Schotten wohl weniger.

"Weil ich im Moment keine Lust auf Gesellschaft habe! Ich möchte allein sein, ist das so schwer zu verstehen?"

"Ja." Ob Artur jetzt lieber aufhören und akzeptieren sollte? Nein, er war gerade so richtig in Fahrt und würde nicht nachgeben, bis ihn der Schotte fort prügeln würde. "Wenn du für dich sein willst, warum hast du mir dann geholfen, hm? Mich gerettet und hierher gebracht? Wenn du wirklich allein sein wolltest, hättest du mich genauso gut auf der Wiese zurücklassen können. Aber das hast du nicht, und soll ich dir sagen warum?" Er stoppte kurz und wartete auf Duncans Reaktion. Dieser sah wieder zu Boden und blieb stehen. Für Artur eine Bestätigung, dass er Recht hatte und fortfahren konnte. "Weil du in Wirklichkeit, ganz tief in deinem Innern, nicht allein sein willst. Du redest dir das nur ein. Vielleicht hast du auch einen guten Grund dazu, mag sein. Aber Tatsache ist, dass du dich selbst belügst. Ich kann es dir nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, ich bin ein ganz netter Kerl und werde mich auch benehmen, einverstanden?"

Als Duncan seinem Blick immer noch gekonnt auswich, beugte sich Artur nach unten und traf die braunen Augen dort. Der Highlander sah traurig aus. Artur schien ihn mit seinen Worten genau getroffen zu haben, und es überraschte ihn. Nach wenigen Sekunden des Schweigens, nickte Duncan schließlich und drehte sich schnell wieder zur Hütte, um sein Lächeln, das sich auf seinen Lippen formte, vor Artur zu verstecken. Artur folgte ihm. Ebenfalls lächelnd, denn er wußte, dass Duncan es auch tat.

 

* * * * *

 

Sie hatten das Stroh nun in dem ganzen, kleinen Raum verteilt, der als Ruhestätte diente, und es sich bequem gemacht. Nun, Duncan zumindest. Kein Wort war mehr über seine Lippen gekommen, er hatte sich einfach hingelegt und die Augen geschlossen. Artur dagegen hatte sich neben ihm im Schneidersitz niedergelassen. Seine Front zu Duncans schlafender Gestalt hin. Saß einfach da und beobachtete seinen neuen Weggefährten. Er dachte über die letzte, kurze Vision nach. An diesen anderen Duncan. Vertrauter als dieser hier. An die Zärtlichkeit in dessen Worten, als er zu ihm gesprochen hatte. Das Lächeln, das so viel sagte, und auch wieder alles zu verheimlichen schien. An die tiefbraunen Augen, die ihn angestrahlt hatten und zeigten, wie viel mehr noch dahinter steckte. An die Wärme, die von ihm ausgegangen war und in Arturs Körper überging. Es war so ein seltsames Gefühl gewesen, diese Gegenwart zu spüren. Seltsam in Form von: seltsam schön. Es hatte Artur gefallen, und es war ihm für diesen kurzen Augenblick, als wäre es so richtig. So, und nicht anders. Aber warum? Warum hatte er dieses Gefühl? Woher kamen diese Visionen? Reine Phantasie? Doch auch sie musste doch einen Hintergrund haben. Eine Basis, aus der sie entsprang. Phantasie konnte doch nicht soweit gehen, ihm Bilder und Gefühle zu übermitteln, die nicht vorhanden waren. Die er in dieser oder einer ähnlichen Form noch nie gesehen und gespürt hatte. Irgendwo musste das doch her kommen. Aus seiner Vergangenheit? Eine mögliche Erklärung, dennoch für Artur unglaubwürdig. Die Umgebung, die Kleider, das alles passte nicht in die Vergangenheit. Warum sah die Gegenwart dann so anders aus? Sah Duncan so anders aus. Nein, wenn es nicht die Vergangenheit und die Gegenwart waren, musste es die Zukunft sein. Sollte sie wirklich so aussehen? Aber was war dann mit seinem fremden Spiegelbild, mit dem Mann, der ihm dieses ungute Gefühl übermittelt hatte? War das Vergangenheit? Und wenn ja, wie weit lag sie zurück? War er wirklich dieser blau bemalte Krieger gewesen? Und was meinte der, mit den schwarzen Linien auf dem Gesicht, als er sagte, er gehöre ihm? Dieser fremden Gestalt? Wenn dem so war, wo war dieser Mann dann?

Artur stellte fest, dass seine Visionen nicht zueinander passten. Sie konnten unterschiedlicher nicht sein. So vollkommen gegensätzlich. Konnten es Erinnerungen sein? Aber warum war es ihm, als lägen so viele Jahre dazwischen? Und warum kam es ihm so vor, als wäre etwas ungewöhnlich an der Zeit, in der er sich jetzt befand?

 

Ein stöhnendes Geräusch riß seine Gedanken in die Realität zurück. Ließ ihn sich wieder auf seine Umgebung konzentrieren. Auf Duncan. Der starke Schotte hatte die Augenbrauen zusammengezogen und sich zur Seite gerollt. Formte mit seinen Lippen Worte, sprach sie jedoch nicht aus. Wieder entkam ein unterdrücktes Stöhnen seiner Kehle, und mit der nächsten Bewegung warf er sich wieder auf den Rücken. Presste seine Hände auf seine geschlossenen Lider, um dann, mit einer plötzlichen Bewegung, davon abzulassen und seine Arme über seinem Gesicht zu verschränken.

"Vater."

Feine Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn, verliehen der bronzenen Haut einen matten Schimmer. Artur meinte, diesen Anblick zu kennen, wenn er auch nicht wußte woher. Er überlegte einen kurzen Moment, ob er den Schotten wecken sollte, als dieser ausholte und seine Hand neben Artur im Stroh vergrub. Die Hand glitt tastend über den Untergrund, wanderte weiter, bis sie schließlich Arturs Oberschenkel berührte, der auf dem Boden ruhte. Wanderte noch höher, fuhr Arturs Unterarm entlang, um ihn dann zu packen und zu sich zu ziehen. Artur versuchte, sich gegen diesen Griff zu wehren, doch der Schotte war zu stark, und er spürte, wie einige Blutgefäße in seinem Oberarm in ihrem Lauf unterbrochen wurden. Schmerzhaft verzog er das Gesicht, legte seine freie Hand um Duncans geschlossene und versuchte weiterhin, den Schlafenden von sich zu lösen. Jedoch ohne Erfolg. Duncan zog ihn unerbittlich näher, in eine liegende Position. Nun griff auch die andere Hand nach Artur und zog ihn so weit zu Duncan heran, bis er Duncans warmen Atem in seinem Gesicht spüren könnte.

"Duncan", flüsterte Artur leise. Doch er hörte ihn nicht. Reagierte auf seine Befreiungsversuche mit noch festeren Griffen, so dass Artur meinte, gleich das Knacken seiner Knochen hören zu müssen. Er stöhnte auf vor Schmerz und verzog das Gesicht. Das konnte nicht gutgehen, wenn sein neuer Freund so weitermachte. "Duncan!" rief er nun wesentlich lauter und tatsächlich, der Angesprochene öffnete die Augen und erwiderte seinen Blick. Die braunen Augen blitzten im Dunkeln auf und verliehen ihm diesen endlos traurigen Ausdruck. Wie ein verwundetes Tier, das man getreten hatte und das jetzt um Vergebung bettelte.

"Vater, bitte!"

Auf Arturs Stirn bildeten sich Falten. Sah Duncan ihn denn nicht? Träumte er jetzt schon mit offenen Augen? "Ich bin nicht dein Vater, hörst du?!" Doch Duncan hörte nicht. Tränen blitzten auf, die über seine geröteten Wangen liefen. Seine Stimme begann zu schwanken und drohte, jeden Moment zu brechen.

"Bitte Vater, schick mich nicht fort!"

Artur wußte nicht, was er tun sollte. Duncan wecken konnte er anscheinend nicht, doch wenn er nicht bald etwas tat, würde dieses Schaf ihm alle Knochen einzeln brechen. Fieberhaft suchte er nach einer Möglichkeit, aber eigentlich hatte er diese die ganze Zeit schon im Kopf gehabt. Sollte er wirklich...? Er wußte nicht, wie Duncan darauf reagieren würde, wenn er es herausfand, aber vielleicht würde Artur auch früher aufwachen und sich rechtzeitig wieder in eine passablere Position bringen können. Diese innere Stimme war einfach zu stark, um sie vollkommen zu ignorieren, und so fügte er sich schließlich, sich selbst den Grund setzend, dass er es für seine Gesundheit tat, die ihm wichtiger war als eine eventuelle Blamage.

Er lockerte seinen Körper, soweit das denn ging, und wehrte sich nicht mehr gegen Duncans Griff. "Ich schick dich nicht fort", flüsterte er leise und spürte, wie Duncans Hände sich entspannten. "Wir bleiben beide hier, einverstanden? Weder ich noch du werden gehen." Duncans Atem wurde wieder flacher. Seine Augen schlossen sich, und die Tränen auf seiner Wange trockneten langsam.

Artur konnte Duncans Hände nun mühelos von sich lösen, entfernte sich jedoch nicht. Er blieb so liegen; seinen Körper an den des Schotten geschmiegt verweilte er und versuchte, das angenehme Gefühl zu verdrängen, das versuchte, sich in ihm breitzumachen. Er tat das hier nur für sich selbst. Morgen würde er sich nach einem anderen Schlafplatz umsehen. Vielleicht war ja im Stall bei dem Gaul noch etwas Platz für ihn. Eine solche Nacht würde er sich und seinen geschundenen Armen nicht noch einmal zumuten. Was Duncan wohl mit seinen Worten gemeint hatte? Sein Vater solle ihn nicht fortschicken. Wo war sein Vater überhaupt? Artur erinnerte sich daran, dass Duncan ihn wegschicken wollte, weil er keine Lust auf Gesellschaft hatte. Angeblich. Sich heimlich doch nach dieser sehnte. War dieser Alptraum eine Erinnerung gewesen? Eine Situation, die Duncan bis jetzt nicht mehr losließ? Hatte man ihn weggeschickt? Wann auch immer? Wenn ja, warum?

Artur verbrachte die nächsten Minuten damit, sich zu fragen, ob er Duncan am nächsten Morgen darauf ansprechen sollte, bis auch er schließlich einschlief.

 

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Die ersten Sonnenstrahlen erhellten die Hütte. Das Licht flutete durch den Vorraum, drang jedoch nur gedämpft durch den zweiten Vorhang, der das Schlafzimmer abtrennte. Die beiden Männer, die sich darin befanden, warfen kurze, dunkle Schatten an die Wand. Einer dieser Schatten bewegte sich, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Verharrte schließlich fast in seiner vorherigen Position, nahm nur seine Arme von dem anderen Körper und betrachtete ihn.

Artur brauchte etwas länger, um wach zu werden. Spürte sofort das Augenpaar, das ihn musterte, zu durchbohren schien. Müde öffnete er langsam die Augen und blinzelte die Person an, die ihn betrachtete.

Das Licht war zwar gedämpft, aber hell genug, um die Erscheinung unwirklich zu machen.

 

"Na, endlich wach?"

Eine Hand strich sanft über seine Wange, zeichnete den Schatten nach, der sich darauf abzeichnete. Artur versuchte, sich auf die Person vor sich zu konzentrieren, doch ein genaues Bild blieb ihm verborgen. Er konnte nur die Umrisse erkennen, die auf Duncan schließen ließen. Arturs Hand strich über den Boden. Er war weich. Kein Stroh, auf dem er lag. Es war ebener, weitaus angenehmer. Sein Blick folgte seiner Hand. Schwarzer, glänzender Stoff. Genauso wie die Decke, die seinen plötzlich nackten Körper bedeckte. Er wollte sich aufsetzen, doch eine Hand, die sich auf seine legte, ließ ihn in seiner Bewegung inne halten. Noch einmal versuchte er, die Person genau zu erkennen. Das Bild wurde schärfer. Die Vermutung wurde bestätigt. Es war tatsächlich Duncan, der da neben ihm lag. Ebenfalls unbekleidet. Den starken, dunklen Körper nur spärlich unter der dünnen Decke verborgen.

Der Schotte beugte sich zu ihm vor, und noch bevor Artur reagieren konnte, spürte er die weichen, vollen Lippen seines Gegenübers auf den seinen. Die Hand, die von seiner abließ und begann, seinen Nacken zu streicheln. Duncans Zunge tastete zärtlich über Arturs Lippen, und wie aus einem Reflex heraus öffnete er sie und gewährte ihr Einlaß. Schmeckte er Duncan, spürte die neckende Zunge, die seine zu massieren begann. Ein Prickeln machte sich in seinem Körper breit. Er hatte es vermisst, dieses Gefühl. Unbewußt. Doch jetzt nahm er es umso stärker wahr. Zögernd erwiderte er die Liebkosung, dann immer heftiger. Ließ zu, dass Duncan ihn fester an sich zog und eine Hand in seinen kurzen Haaren vergrub. Ließ sich auf den Rücken drängen und spürte den heißen Körper des Schotten auf seinem. Schaffte es nicht, einen leisen Seufzer zu unterdrücken, der von Duncan mit einem Stöhnen beantwortet wurde, als Artur seine Unterlippe einsog und mit den Zähnen sanft bearbeitete. Es war, als wäre es einstudiert, etwas Alltägliches. Vollkommen normal.

Duncans freie Hand rutschte tiefer. Streichelte über Arturs Bauch. Umkreiste seinen Bauchnabel und wanderte weiter. Strich behutsam über die dunklen Locken, tastete sich noch etwas hinab und streichelte die empfindlichen Körperteile zwischen seinen Beinen. Arturs Atem wurde schneller, lauter. Er flocht seine langen Finger in die gewellten Haare des Schotten und zog ihn tiefer zu sich heran. Soweit das denn noch möglich war. Der einst zarte Kuß wurde heftiger. Was ihre Zungen mal in Arturs, mal in Duncans Mund austrugen, glich einem lieblichen Kampf um die Führung des anderen.

 

"Ich hab dich vermisst", murmelte Duncan während des kurzen Atemholens und umschloß mit einem zärtlichen Griff die Männlichkeit seines Geliebten. Artur löste sich von dem Kuss und legte den Kopf in den Nacken. Biss die Zähne aufeinander, um vor Lust nicht laut aufzuschreien. Duncans Lippen widmeten sich nun der empfindlichen Haut an seinem Hals. Leckte neckend die ersten Schweißperlen auf, die sich auf der hellen Haut sammelten. Klares Denken wurde für Artur nun unmöglich, als die Gefühlsflut durch seinen zitternden Körper jagte und ihm ein leises, dunkles Stöhnen entlockte.

"Ich hab dich so vermisst", wiederholte Duncan mit einem kehligen Seufzer und begann, seine Hand weit unter der Decke zu bewegen. "So vermisst."

Artur presste die Augen zusammen und bäumte sich dem Schotten entgegen. Versuchte, sein Becken synchron mit Duncans Bewegungen rotieren zu lassen. Das Atmen wurde immer schneller, bis es nur noch ein hastiges Keuchen war, das zu hören war. Der Griff seiner Hand in Duncans Haar festigte sich. Als wolle er vermeiden, dass er aufhören und verschwinden könnte. Immer fester stieß er zu und streichelte über Duncans Rücken, bis seine Hand nach Halt suchte und helle Striemen auf dem dunklen Körper hinterließ. Alle Gedanken schienen wie weggefegt, als diese Hitze sich in seinem Unterleib sammelte, bis es unerträglich wurde, und sein Körper sich mit seinem lauten, lustvollen Aufschrei ein letztes Mal aufbäumte, und die Hitze in ihm explodierte.

Noch ein langes stöhnendes Aufatmen, dann sank er zurück in die weichen Kissen und zog Duncan mit zu sich hinunter, um unzählige kleiner, gehauchter Küsse auf seinem Gesicht zu hinterlassen und sich an ihn zu klammern.

Er wollte dieses Glück, das er empfand, nie wieder freigeben. Duncan nie wieder freigeben. Ihn ewig festhalten und spüren. Nie mehr etwas anderes tun.

 

"Ich muss gehen", kam die plötzlich laute, bestimmte Stimme von Duncan, die die Ruhe, unterbrochen nur von dem etwas lauterem Atmen der beiden, beendete.

"Was?" Artur öffnete wieder die Augen und sah ihn an. Wollte nicht wahrhaben, was er da gerade gehört hatte.

"Es ist nicht richtig so." Der Highlander löste sich aus Arturs Griff und rollte sich zur Seite. Artur richtete sich ebenfalls auf, in eine sitzende Position, und beobachtete, wie der andere am Rande des Bettes sitzen blieb und sich noch ein letztes Mal zu ihm umdrehte.

"Komm zurück."

Zurück kommen? Er hatte sich doch nicht abgewendet, war doch gar nicht gegangen. Artur verstand Duncans Worte nicht. Klangen sie doch plötzlich so fremd und unwirklich. Die Gestalt des Schotten verblasste wieder, verschwamm in dem flimmernden Licht, das sie umgab.

"Wie?" stieß Artur noch hervor, ehe er Duncan vollkommen aus seinem Blickfeld verlor. Seine Stimme klang verzweifelt. Ängstlich. Er wollte diese irgendwie gewohnte Situation nicht hinter sich lassen, wollte, dass es so blieb, wie es war.

"Du musst aufwachen. Komm wieder zurück zu mir, bitte." Duncans Stimme verhallte in einem leisen Echo, bis sie schließlich vollkommen verschwand und Artur allein zurückließ.

 

Panisch sah er sich in alle Richtungen um, doch Duncan war verschwunden. Auch die Decken, der schwarze, glänzende Stoff war fort. Er lag wieder auf einem zerwühlten Strohbett. Seine Haare klebten nass auf seiner Stirn, und auf seiner Oberlippe glänzte Schweiß. Sollte er das alles nur wieder geträumt haben? Eine neue Vision, Erinnerung aus seinem Kopf?

Artur spürte die sich abkühlende, klebrige Flüssigkeit zwischen seinen Beinen und ließ sich zurück ins Stroh fallen. Ein sehr realistischer Traum, musste er feststellen.

Sein Blick fiel noch einmal zur Seite, schweifte dann im Raum umher. Duncan war nicht mehr da. Nicht der Duncan aus seinem Traum, sondern der reale. Aber was genau war jetzt eigentlich real? Wo gehörte er nun wirklich hin? Was sollten diese plötzlichen Gefühle, die er für den Schotten empfand? Waren sie wirklich so plötzlich oder schon die ganze Zeit anwesend gewesen und hatten sich nur zurückgehalten? Artur wußte es nicht. Es war ihm, als bestünde sein Leben nur noch aus wirren Träumen, Visionen und Erinnerungen.

Was war real und was Traum? Was echt und was unwirklich? Was tatsächlich und was unwahr? Oder stimmte alles? So irgendwie?

 

Artur seufzte leise auf und quälte sich in die Höhe. Er war also nicht, wie er gehofft hatte, zuerst aufgewacht. Duncan war schneller gewesen und würde sich wohl wer-weiß-was denken. In Artur kroch die Angst herauf, etwas Falsches gemacht zu haben, auch wenn ihn sein Unterbewußtsein in seiner vergangenen Handlung, Duncan zu beruhigen und mit seinem Körper ihm gegenüber eine beschützende Haltung einzunehmen, bestätigte. Artur hatte es nur gut gemeint. Für sich UND für Duncan, wie er widerwillig zugeben musste. Aber was, wenn Duncan das anders sah? War das zuviel für die erste gemeinsame Nacht gewesen? Zuviel an Zuwendung, wenn auch ohne bewußte Hintergedanken?

Dies galt es nun herauszufinden, und so versuchte Artur, sich innerlich auf Duncans Reaktionen vorzubereiten. Soweit das denn möglich war...

 

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Es war noch früh am Tag. Der Nebel, der über dem Wasser des Lochs lag, ließ sich nur langsam von der Sonne verdrängen. In den hohen Grasfahnen am Rande des Wassers zirpten Grillen munter vor sich hin. Auf dem Wasser hüpften kleine Wasserspringer um die Wette, und am Himmel flogen kleine Vögel umher, verzogen sich schließlich in den Baumkronen des Waldes, der auf der anderen Seite des Lochs lag.

Artur hätte am liebsten wieder kehrt gemacht und sich noch einmal hingelegt. Er hatte mit einer späteren Tageszeit gerechnet. Aber die wohl bevorstehende Aussprache mit Duncan war in der Vordergrund gerückt und ließ Artur nicht mehr los. Hier draußen schien er nicht zu sein, in der Hütte hätte er ihn auch bemerkt... Ein flüchtiger Blick zum offenen Verschlag zeigte, dass Duncans Pferd ebenfalls nicht da war. Also war der Schotte ausgeritten. Auf und davon.

Vielleicht eine Kurzschlussreaktion? Artur schüttelte entschieden mit dem Kopf und somit auch die Gedanken weg. Nein, er konnte sich nicht vorstellen, dass Duncan wegen dieser Banalität abgehauen war. Eher hätte er es verstanden, wenn der Schotte ihn aufgeweckt und nun doch fortgeschickt hätte. Aber das hatte er nicht getan, und das ließ doch schon mal hoffen. Vielleicht hatte Duncan die eigentlichen Absichten ja selbst entdeckt. Vielleicht hatten sie sich im Schlaf in andere Positionen gebracht, so dass nichts Ungewöhnliches mehr zu entdecken gewesen war. Alles war möglich, warum nicht auch die Tatsache, dass es Duncan nichts ausgemacht hatte, am Morgen in Arturs Armen aufzuwachen?

Wie dem auch sei, Artur würde Duncan auf jeden Fall - wenn auch nur vorsichtig - auf seine nächtliche Unruhe aufmerksam machen müssen. Wie sonst sollte er Duncan erklären, dass er nach einem anderen Schlafplatz Ausschau hielt? Die Schlafstätte war zu klein, um sich bewußt weit genug von Duncan entfernen zu können. Erst jetzt spürte Artur den Druck in seinen Oberarmen. Er schob die Kleidung beiseite und entdeckte auf beiden Seiten die Blutergüsse, die Duncan dort mit seinen Händen hinterlassen hatte. Auf Arturs sachtes Tasten hin meldeten sich sofort leichte, pochende Schmerzen an den angegriffenen Stellen. Warum schien es ihm ungewöhnlich? Warum hatte etwas in ihm damit gerechnet, diese eigentlich natürliche Reaktion seines Körpers nicht zu sehen? Was hatte er dann erwartet? Gar nichts? Warum?

Artur kam aus der innerlichen Fragerei nicht mehr raus. Er ließ von den Zeichen Duncans unruhiger Nacht ab und überlegte, was er tun sollte. Duncan war nicht da, es war noch früh...was sprach dagegen, sich noch einmal hinzulegen? Hier rumzustehen würde auch nichts bringen, und so entschied er sich für das Strohbett, allerdings nicht, bevor er noch einmal zum Wasser getreten war, um gewisse Körperstellen zu reinigen. Auch feuchte Träume waren etwas, das ihm irgendwie bekannt vorkam, er jedoch nirgends zuordnen konnte.

Vielleicht würde sich das noch ändern. Wenn das so weiterging, wäre es voraussichtlich bis zum kompletten Gedächtnis nicht mehr weit. Aber warum hatte er plötzlich Angst vor der totalen Erinnerung? Warum beschlich ihn dieses ungute Gefühl, wenn es bis zur Findung seiner Identität nicht mehr weit zu sein schien?

 

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"Wo warst du?" Artur trat aus der Hütte und beobachtete Duncan, der sein Pferd absattelte. Die lauten Hufe des Pferdes auf dem harten Boden des Verschlags hatten Artur aus seinen Schlaf gerissen. Es hatte ihn zuerst einige Überwindung gekostet, wirklich aufzustehen. Immerhin war der kurze Schlaf traumlos gewesen. Weitaus angenehmer, als von neuen zusammenhangslosen Visionen heimgesucht zu werden. Jedoch hatte Duncans Rückkehr für Artur höhere Priorität. Sich selbst eingestehen, dass er bei der Rückkehr des Schotten so schnell aufgesprungen war, dass er sich dabei fast den Kopf an der harten Holzwand eingeschlagen hätte, nur um Duncan schnellstmöglich zu sehen, würde er nicht.

"Jagen", antwortete der Schotte trocken und streckte ihm zur Unterstreichung seiner Aussage einen toten Hasen entgegen. "Oder habt Ihr gedacht, das Essen kommt vorbei und klopft an die Tür?"

Die letzten Worte hatten einen scharfen Unterton, was das vorhin noch verdrängte, schlechte Gefühl in Artur erneut aufbrodeln ließ. Duncan hatte wohl schlechte Laune. Artur überlegte, was ihm in diesem Moment lieber wäre. Gebrochene Arme oder ein ungutes Gefühl in der Magengrube? Artur entschied sich für letzteres. Seine Arme waren wichtiger. Zumindest vorerst.

"Konnte ich nicht wissen", entgegnete er daher nur und wollte seine Hände in den Taschen verstecken. Doch an seinem Kilt waren keine. Schon wieder so eine Reflexhandlung, die keinen Sinn zeigte.

"Ihr müsst auch nicht alles wissen", flüsterte Duncan und brach abrupt ab. Er sah irgendwie erschrocken aus, und der Ausdruck, mit dem er ihn ansah, schien ihn um Entschuldigung bitten zu wollen. Er schob sich an der Wand entlang an Artur vorbei und verließ den Verschlag. "Ich geh ihn ausnehmen."

"Wen?" fragte Artur verwirrt und lief ihm hinterher.

"Den Hasen." Duncan zog die Augenbrauen zusammen und musterte den Schmäleren. "Was dachtet Ihr denn?"

"Ich?" Artur verfluchte sich innerlich selbst für seine Begriffsstutzigkeit und rieb sich verlegen über den Nacken. "Gar nichts", log er schließlich und stoppte neben Duncan, als dieser vor einem anderen, kleinen Baumstumpf neben der Hütte stehengeblieben war.

Natürlich hatte er an etwas gedacht, nur nicht an diesen verdammten Hasen. Er hatte sich gefragt, was Duncan wohl gerade im Kopf herum ging. Und als er die Wärme des starken Körpers gespürt hatte, der sich an ihm vorbei geschoben hatte, hatte er wieder an seinen Traum mit dem Schotten denken müssen.

 

Artur sah interessiert zu, wie Duncan den schlaffen Körper des Hasen auf den hellen Baumstumpf legte und mit einem Dolch sauber den Kopf von dem Körper trennte. Als er Arturs Blick bemerkte, schmiss er den kleinen Kopf zur Seite und hielt ihm seinen Dolch hin. "Möchtet Ihr?"

Artur schreckte auf und sah den Schotten fragend an. Er sollte sich auf seine Umgebung konzentrieren, wenn Duncan da war und sich keine schmutzigen Gedanken machen. Erst langsam begriff er, was Duncan eigentlich von ihm wollte, und genauso langsam griff er schließlich nach dem Dolch und tauschte seinen Platz mit dem des Schotten.

Als er den kleinen, leblosen Körper auf den Rücken drehte und die Spitze des Dolches in den Halsansatz bohrte, veränderte sich das Bild vor ihm wieder. Verschwand der kleine Hase. Verschwand Duncan. Verschwand alles um ihn herum und formte sich neu.

 

Mit einem brutalen Hieb hatte er seinen Dolch in den Hals seines Opfers gestoßen und lauschte angeregt den gurgelnden Geräuschen der Frau unter ihm, bis sie schließlich gar nichts mehr von sich gab und starb.

Keuchend riß er die Klinge aus dem leblosen Körper und ließ sie in seinem Stiefel verschwinden, bevor er aufstand und seine Hose schloß. Diese schreienden Weiber waren doch immer wieder eine nette Sache, wenn sie nur aufhören würden, um Gnade zu winseln. Mittlerweile sollte die ganze Welt wissen, dass das Wort 'Gnade' bei den Reitern nicht existierte, und schon gar nicht bei dem Tod höchstpersönlich.

Er betrachtete das dunkle Blut, dass noch immer aus der Wunde floß, und lehnte sich gegen die morsche Wand der kleinen Holzhütte, in die er eingedrungen war. Ein zufriedener Seufzer war von ihm zu hören, als er schließlich ins Freie trat und sich einen Holzscheit suchte. Ein paar Schritte weiter entzündete er ihn an einer nahegelegenen, fast abgebrannten Hütte und ging zurück, um ihn in den Raum zu werfen, in der die Frauenleiche lag.

 

Mit einem dämonischen Grinsen auf dem Gesicht beobachtete er, wie das kleine Feuer sich ausbreitete und sich gierig durch das trockene Holz fraß. Schließlich hohe Flammen in Richtung Himmel schlug.

Den Blutstropfen, der sich auf seinem Handrücken befand, leckte er grinsend ab.

 

Artur stoppte in seiner Bewegung. Starrte ungläubig auf das Tier, dass sich vor ihm befand, als wäre es etwas Fremdes, Abstoßendes. Als er sah, dass seine Hände zitterten, ließ er schnell von dem Dolch ab und wich einen großen Schritt zurück. Hob abwehrend die Hände.

"Was habt Ihr?" fragte Duncan mit einer Mischung aus Besorgnis und Unverständnis über Arturs letzte Handlung.

Artur presste die Hände gegen seinen Kopf und ließ sie schließlich durch sein kurzes Haar, hinunter zu seinem Nacken gleiten, bevor er sie vor seiner Brust verschränkte.

"Eine Vision", flüsterte er schließlich und sah den Schotten Hilfe suchend an. Auch wenn er bezweifelte, diese bekommen zu können. "Ich habe ständig...Visionen, Träume, Erinnerungsfetzen oder wie auch immer man das nennen soll."

"Tatsächlich?" Arturs Antwort hatte Duncans Interesse geweckt. "Vielleicht Hinweise auf Eure Identität. Erlebnisse aus Eurem Leben."

"Wenn das, was ich eben gesehen habe, mein Leben ist, möchte ich mich gar nicht mehr daran erinnern!" Arturs Stimme zitterte, genauso, wie seine Hände es immer noch taten. Er hatte das Gefühl, als würde er beginnen zu schwitzen, und strich sich über die kalte, trockene Stirn. Er war verwirrt, vollkommen. Er trat einen weiteren Schritt zurück und rutschte langsam an der Wand der Hütte nach unten, um sich auf dem kaltem Boden niederzulassen und seine Beine an sich zu ziehen. Unbewußt nahm er wieder eine sich selbst schützende Position ein, dieselbe, wie am vergangenen Tag unter dem Baum, als das Gewitter über das Land gezogen war. Und wieder zitterte er, wie in diesem längst vergangenen Moment.

Wütend über sich selbst und die Tatsache, dass er sich nicht mehr im Griff zu haben schien, schlug er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Immer und immer wieder. Die Kopfschmerzen, die sich langsam in seinem Kopf breitmachten, bemerkte er nicht. Er ignorierte sie unbewußt und schlug immer wieder zu, bis seine Hand festgehalten wurde. Irritiert sah er auf und musterte fragend den Schotten, der nun neben ihm kniete und seine Hand festhielt.

"Ihr solltet Euch nicht für etwas bestrafen, für das Ihr nichts könnt. Egal, was Ihr gesehen habt, Ihr könnt es nicht leugnen oder ignorieren. Nicht ungeschehen machen. Es ist nun einmal so, wie es ist. Nicht alles ist gut im Leben, mein Freund. Entweder, wir lernen damit zu leben, oder wir gehen daran zugrunde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Eure Vergangenheit so grausam ist, dass sie Euch vernichten könnte."

Artur wollte etwas erwidern, ihm widersprechen. Duncan sagen, wie harmlos doch seine Vermutungen waren, wie weit sie doch von der anscheinenden Realität entfernt waren, doch die Worte verhallten in seinem Innern und drangen nicht nach draußen. Nur ein kleine Träne rann über seine Wange und glänzte auf der blassen Haut. Und dann kam etwas, was er nicht erwartet hätte. Duncan zog ihn zu sich heran, und legte die Arme um ihn. Lehnte Arturs Kopf an seine Schulter und legte seinen eigenen darüber.

So verharrten sie für eine ganze Weile. Keiner sagte etwas, keiner versuchte, weiter zu erklären und zu analysieren. Für einen kurzen Moment akzeptierten sie. Und für eben diesen kurzen Moment, hatte Artur das Gefühl, vergessen zu können. Das zu vergessen, was ihn später wieder einholen sollte. Er konnte nicht vor allem, was ihm missfiel, davonlaufen. Schon gar nicht vor seinem eigenen Leben. Vor dem, was er war, ist und sein würde. Doch noch erkannte er das nicht...

 

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Duncan nahm den fertig ausgenommenen und gehäuteten Hasen und spießte ihn auf einen dünnen Stock. Die Enden des Stockes legte er auf zwei hölzerne Gabelungen, die rechts und links von der kleinen Feuerstelle aufgestellt waren, die er bereits entzündet hatte. Er setzte sich auf den Boden und beobachtete ihr Essen. Drehte den Stock hin und wieder und stemmte schließlich die Arme gegen den Boden, um sich darauf zu stützen, während er sich ein wenig nach hinten lehnte. Er horchte auf die Geräusche der nachgebenden Erde, der kleinen Äste, die unter Arturs Schritten zerbrachen, als er sich näherte. Mit einer langsamen Bewegung drehte er den Kopf zur Seite und sah zu Artur auf. Folgte ihm mit seinem Blick, bis Artur sich neben ihn setzte und die Beine kreuzte.

"Wie fühlt Ihr Euch?"

Artur erwiderte für einen kurzen Moment seinen Blick und ließ ihn dann auf das Feuer gleiten. "Es geht", flüsterte er und versuchte zu lächeln, was ihm aber kläglich mißlang. "Ich bekomme keine Ordnung in meinen Kopf. Das ist so..." Er stoppte und starrte zu Boden. Zeichnete mit seinem Finger kleine, unscheinbare Muster in die weiche Erde.

"Verwirrend?" vollendete Duncan seinen Satz und sah hinaus auf das Wasser, das durch die Strahlen der Sonne glitzerte.

Artur nickte nur und malte weiter. Was genau er da gerade zeichnete, wußte er nicht. Doch nach einer Weile kam ihm das Zeichen, das sein Finger in der Erde hinterließ, bekannt vor. Als er erkannte, dass es das Zeichen aus seiner Vision war, das der alte Mann und er an den Handgelenken getragen hatten, wischte er mit der flachen Hand schnell über die Erde und ließ es verschwinden. "Darf ich dich was fragen?" versuchte er schließlich, ein Gespräch zu beginnen und sich selbst abzulenken, und wartete auf Duncans Reaktion, ehe er weiter sprach.

"Nur zu."

Artur sah zu ihm auf und stemmte die Arme gegen seine Oberschenkel. Wie sollte er anfangen? Er wußte es nicht. Am besten von vorne, mit einer kleinen Frage. Ganz harmlos. Sehen, wie Duncan reagierte und sich dann überlegen, ob es ratsam wäre, weiter zu reden. "Warum bist du hier? Ich meine, so ganz allein. Wo ist dein Clan?"

"Ich habe keinen Clan." Duncans Stimme war emotionslos. Als wäre es ihm egal. Doch Artur konnte an seinen Gesichtszügen erkennen, dass es das nicht war. Duncans Augen starrten weiter auf das Wasser des Lochs. Schienen darin verloren zu gehen. Und Artur war es, als würde der Schotte sich darin vollkommen verlieren, nach seiner Frage auch gar nicht mehr zurückkommen wollen.

"Doch, hast du." Artur konnte sich nicht erklären, woher er dieses Wissen nahm. Duncan konnte doch genauso gut ein Einsiedler sein. Aber er hatte Eltern. Irgendwo. Zumindest einen Vater, soviel hatte der Schotte ihm schon verraten. Wenn auch nicht beabsichtigt.

"Ich hatte mal einen", gab Duncan schließlich zu und sah Artur mit einem gekünstelten Lächeln an. "Aber das war mal. Man lebt auch ohne ganz gut."

"Was ist passiert?"

"Das wißt Ihr doch schon."

Artur zuckte innerlich zusammen. Wie hatte er sich verraten?

"Ich habe geredet ihm Schlaf, nicht wahr?" antwortete Duncan auf Arturs unausgesprochene Frage und winkte beschwichtigend ab. "Kommt vor."

Arturs Gesicht war nunmehr nur noch ein großes Fragezeichen, als er Duncan musterte und sich still unzählige Fragen stellte, sich aber im ersten Moment nicht traute, sie laut auszusprechen. Duncan nahm ihm diese Entscheidung ab, indem er einfach weiter redete. Er brauchte das, so irgendwie. Und Artur würde ja doch irgendwann wieder kommen und weiterfragen.

"Ich habe von meinem Vater geträumt. Und als er sagte, er würde mich nicht fortschicken, wußte ich, dass etwas nicht stimmte. Dann, am nächsten Morgen, als ich mich in Euren Armen wiederfand, war mir klar, dass ich lebhaft geträumt hatte." Duncan sah Artur für einen kurzen Moment in die Augen, bevor er seinen Blick auf den Boden lenkte und ein: "Danke", murmelte.

"Gern geschehen", grinste Artur und sah, wie sich auch Duncan ein leises Lächeln nicht verkneifen konnte. Gut, das hätten sie schon mal geklärt. Eigentlich hätte Artur jetzt mit der Schlafplatzverteilung weitergemacht. Doch irgendwie taten sich nach dieser Klärung weitere Fragen auf, wurde sein Interesse geweckt. "Warum hat er dich fortgeschickt?"

Für einen Moment sagte Duncan nichts. Starrte nur auf den Boden. Seine Erscheinung schien kleiner geworden zu sein. Ein Erzeugnis von Arturs Einbildung. Doch es sah für ihn wirklich so aus. Als wolle Duncan verschwinden, sich unsichtbar machen, um diese Frage nicht beantworten zu müssen. Artur überlegte, ob er auf ein anderes Thema lenken sollte, Duncans Vergangenheit in Ruhe lassen sollte, als der Schotte seinen Dolch aus seinem Kilt zog und gegen das Feuer hielt. Er umschloß die Klinge fest mit seiner Hand und zog sie mit einem Ruck wieder ins Freie. Blut tropfte aus der geschlossenen Hand. Klebte auf der Haut, als Duncan die Hand wieder öffnete und Artur die Wunde zeigte, die er sich selbst zugefügt hatte.

Artur sah ihn mit einem Ausdruck von Unverständnis an, doch Duncan streckte ihm seine blutende Hand entgegen, zeigte ihm mit dieser Geste, dass Artur sich darauf konzentrieren sollte. Der Schmälere lenkte seinen Blick um und sah auf den Schnitt, auf Duncans Handfläche. Doch da war kein Schnitt mehr. Da war nur noch das Blut, das langsam zu trocknen begann. Artur zog fragend die Augenbrauen zusammen und wischte mit seiner Hand das Blut weg. Es war keine Wunde mehr zu sehen. Irgendwie kam ihm das bekannt vor. Was er hier beobachtet hatte, war das, was er auch von seinem eigenen Körper erwartet hatte, als er die Blutergüsse an seinen Armen betrachtet hatte.

Duncan hatte mit einer heftigeren Reaktion von seinem Gast gerechnet. Doch in Arturs Augen spiegelte sich jetzt nur Verständnis. Als wäre es das Normalste überhaupt. "Ihr kennt das?" fragte er verwirrt und zog seine Hand wieder zurück, um sich an seinem Kilt das Blut abzuwischen.

"Ich weiß nicht." Artur folgte Duncans Hand und sah den Schotten dann wieder direkt in die Augen. "Es kommt mir bekannt vor. Als würde ich es kennen, und vielleicht tu ich das. Aber wie in den letzten Stunden so oft, fehlen mir auch hier genauere Erinnerungen."

"Ich bin anders. Ich... sterbe nicht. Meine Wunden heilen rasend schnell."

Artur nickte bestätigend. Ja, er kannte das wirklich irgendwoher. Und auch diesmal wollte er am liebsten mit dem Kopf gegen die Wand rennen, um seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen.

"Deshalb hat mich mein Vater fortgeschickt. Mich aus dem Clan verbannt. Ich bin bei einer Schlacht mit einem verfeindeten Clan gestorben und dann... wieder aufgewacht. Als wäre nichts gewesen. Ich war verwirrt. Ich verstand es einfach nicht. Das einzige, das mein Vater daraufhin sagte, war, dass er keinen Sohn mehr hätte."

Duncans Stimme wurde immer leiser und machte Artur deutlich, wie weh seinem Freund diese Erinnerung tat. Für eine Weile sagten sie nichts mehr. Was hätten sie denn auch sagen sollen? Duncan wollte wohl nicht mehr weiterreden. Und Artur hatte keine Ahnung, was er jetzt noch sagen sollte, ohne den Schotten ungewollt tiefer in die Vergangenheit zu ziehen und ihn damit zu verletzten.

 

Duncan machte den Dolch, wie zuvor seine Hand, an seinem Kilt sauber und zerlegte den Hasen über dem kleinen Feuer. Als er Artur ein Stück hinhielt und darauf wartete, dass dieser das Essen ergriff, sprudelten die Worte nur so aus Artur heraus. Ihm selbst war das erst bewußt, als es schon zu spät war.

"Vielleicht musst du deinem Vater nur beweisen, dass du sein Sohn bist. Ihm deinen Wert zeigen, verstehst du? Irgendetwas machen, das ihn beeindruckt. Stolz macht. Ich bin mir sicher, er war über deinen Zustand genauso überrascht wie du und hat vielleicht nur vorschnell gehandelt. Vielleicht bereut er seine Entscheidung schon und wartet nur darauf, dass du zurückkommst!" Artur stoppte genauso abrupt, wie er mit seinem Wortschwall angefangen hatte. Hatte er das eben wirklich gesagt? Wieder ärgerte er sich über die Tatsache, dass seine Selbstkontrolle den Bach hinunter gegangen war, während er das Augenpaar spürte, das ihn überrascht musterte und zu durchbohren schien. "Es wäre immerhin eine Möglichkeit", murmelte Artur schließlich kleinlaut und griff nach dem Fleisch, das Duncan ihm immer noch hinhielt und biß rein. Er wandte seinen Kopf zur Seite, so dass Duncan sein Gesicht nicht sehen konnte, das er jetzt aus Schmerz verzog. Er konnte sich nicht erinnern, wann er sich schon einmal dermaßen die Zunge verbrannt hatte. Durch Worte und Nahrung. Das Vieh war aber auch verdammt heiß...

 

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Duncan hatte kein Wort mehr über seinen Vater oder Arturs Vorschlag verloren. Es waren nun einige Tage, die dieses Gespräch schon zurücklag, und Artur war drauf und dran, es zu vergessen. Er versuchte es zumindest. Fast jede Nacht wurde er daran erinnert, wenn Duncan im Schlaf sprach. Artur nahm ihn dann immer die Arme und strich ihm die schweissnassen, langen Haarsträhnen aus dem Gesicht, bis der Schotte sich wieder beruhigte. Artur hatte anfangs gespürt, dass es Duncan unangenehm war, sich an ihn geschmiegt wiederzufinden. Er hatte oft still beobachtet, wie der Schotte noch im Dunkeln aufgestanden war, um Abstand zu haben. Doch mit der Zeit wurde es weniger, und Duncan schien es akzeptiert zu haben. Er wußte wohl, dass er es nicht ändern konnte.

Da sie jetzt zu zweit waren, war Duncan öfter auf der Jagd, brauchten sie doch nun mehr Nahrung als der Schotte zuvor ohne seinen neuen Freund. Artur blieb jedesmal allein zurück. Allein am See, an der Hütte. Umgeben von dem Wald und den hohen Felswänden. Eingekesselt von den Naturgewalten. Vollkommen allein. Er hätte genügend Zeit gehabt, zu versuchen sich zu erinnern. Doch das vermied er, so gut es ging. Er war nun erst wenige Tage hier. Aber hatten diese wenigen Tage ausgereicht, ihn eine Entscheidung fällen zu lassen. Er würde alles in seiner Macht stehende tun, um sich nicht mehr zu erinnern, nicht weiter nach seiner Identität zu forschen. Er war Artur, und er war glücklich damit. Er war glücklich mit dem Gedanken, dass Duncan bei ihm war, ihm Halt gab und ein Gefühl der Geborgenheit. Warum sollte er sich erinnern, wenn er hier doch alles hatte, was er brauchte? Warum sollte er das wegschmeißen, wo es ihm doch gut ging? Wer weiß, wer er früher gewesen war, vielleicht konnte er sich ja selbst nicht einmal leiden, und es war so eine Art Segen, dass er sein Gedächtnis verloren hatte. Ein Neubeginn. Eine einmalige Chance, die es zu nutzen galt.

Die Stunden verstrichen, und Duncan war immer noch nicht nach Hause gekommen. Ein seltsamer Gedanke. Nach Hause. Zu Artur. Ein Lächeln zeichnete sich auf dem Gesicht des jungen Mannes ab. Auch, wenn er nicht wußte, was genau er für den Schotten fühlte, er hing an ihm. Ein weiterer Grund, als Artur weiter zu leben. Denn Artur wußte, dass er ohne seinen Gedächtnisverlust nie auf Duncan getroffen wäre. Das war doch ein Schicksal, mit dem man sich anfreunden konnte. Er hörte auf, über seine Visionen und Träume nachzudenken. Über die Stimmen, die zu ihm gesprochen hatten. Er räumte alle Zweifel mit einem Schlag aus dem Weg.

 

Als es dunkel wurde, zog ein kühler Nachtwind über das Land und ließ Artur frösteln. Nach einem langen Blick auf den Waldrand und minutenlangem Horchen auf irgendwelche Bewegungen von dort aus, ging er schließlich in die Hütte und legte sich schlafen. Er war nicht wirklich müde, doch ihm war langweilig. Was Duncan wohl so lange trieb? Ob ihm was passiert war? Oder wollte er einfach doch nur mal kurz alleine sein? Artur dachte wieder an Duncans Vater und überlegte noch, was er in Duncans Situation tun würde, und schlief schließlich mit dem Wissen ein, dass er es nicht wusste.

 

"Du liebst ihn."

"Vielleicht."

"Nicht vielleicht, du tust es."

"Was ist daran verkehrt?"

"Das ist nicht deine Welt."

"Doch das ist sie."

"Du weißt, dass es nicht wahr ist."

"Ich weiß gar nichts."

"Weil du dich nicht erinnern willst."

"Woran soll ich mich denn erinnern? Wie ich wehrlose Frauen vergewaltigt und ermordet habe? Wie andere Macht über mich hatten?"

"Da war noch mehr, da ist noch mehr."

"Es passt alles nicht zusammen."

"Wenn du dich erinnerst, wirst du es verstehen."

"Ich will mich nicht erinnern, verdammt!"

"Eines Tages wirst du es."

"Nicht, wenn ich es verhindern kann."

"Das kannst du nicht."

"Oh doch, ich kann. Ich kann das aufrecht erhalten, was mich glücklich macht."

"Was macht dich denn glücklich?"

"Das hier."

"Duncan?"

"Auch."

"Wenn sein Vater ihn wieder annimmt, wird er dich nicht mehr brauchen. Dann wird er dich allein lassen. Hast du darüber schon mal nachgedacht?"

"Es wird nicht so kommen!"

"Doch, das wird es, und du weißt es. Warum sollte er bei dir bleiben? Aus Liebe? Er ist ein schottischer Krieger. Er ist anders erzogen worden, und er wird seinen Clan dir vorziehen. Warum tust du das?"

"Warum tu ich was?"

"Ihm helfen?"

 

Artur drehte sich im Schlaf zur Seite und vergrub sein Gesicht im Stroh. Egal, wie sehr er es versuchte, er konnte diese innere Stimme nicht abstellen. Musste er sich denn erst mit ihr auseinandersetzen, um sie für immer los zu werden? Es schien so. Es schien, als habe er gar keine andere Wahl. Verflucht sei dieses Unterbewußtsein.

 

"Ich möchte, dass er glücklich ist."

"Und dich selbst damit unglücklich machen?"

"Er wird es nicht tun. Das war nur dummes Gerede. Er wird es schon vergessen haben."

"Nein, hat er nicht. Du hast ihm eine Möglichkeit aufgetan, die sein Interesse geweckt hat. Egal, was du denkst oder dir wünschst, er wird es auf jeden Fall versuchen."

 

Und damit erstarb diese innere Stimme wieder. Ließ Artur allein mit den aufgewühlten Gefühlen. Hatte neue Angst in ihm gesät. Und im Schlaf weinte er. Spürte nicht die Hand, die durch ihre Berührung versuchte, ihn zu beruhigen. Spürte nicht den wärmenden Körper, der sich an ihn drängte und versuchte, das Zittern seines Körpers ersterben zu lassen. Hörte er nicht die Stimme, die auf ihn einredete und versuchte, ihn zu wecken.

Er hörte nur noch das leise Echo in seinem Kopf, das ihm sagte, wie zerbrechlich sein kurzes Glück doch in Wirklichkeit war.

 

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Als Artur am nächsten Morgen aufwachte, hatte er furchtbare Schmerzen. Alle Gelenke taten ihm weh. Er musste in der Nacht sehr unvorteilhaft gelegen haben. Mit einem leisen, mühseligen Stöhnen drehte er sich auf den Rücken und starrte an die Decke. Seine Lider waren schwer und taten weh. Artur erinnerte sich an seinen Traum. An die fremde Stimme, die eigentlich seine eigene war und mit ihm geredet hatte. Er verwarf den Gedanken daran wieder und ließ seine Hand über das Stroh neben ihm gleiten. Es war noch warm und ließ ihn spüren, dass Duncan erst vor kurzer Zeit aufgestanden war. Mit einem Ruck zwang er sich in die Höhe und verließ das warme Bett. Der Schotte erwartete ihn schon draußen, auf dem Baumstumpf vor dem See und betrachtete den Sonnenaufgang. Artur setzte sich neben ihn und folgte seinem Blick.

"Ich werde es tun."

"Was?" Artur sah Duncan fragend an und wartete, bis dieser seinen Blick erwiderte.

"Ich werde meinem Vater beweisen, dass ich es wert bin, sein Sohn zu sein."

Artur schluckte hart. Also doch. Er fuhr sich über das Gesicht und das zerzauste Haar und starrte wieder zum Himmel, auf die aufgehende Sonne. Die Morgenröte am Horizont.

"Wie?" fragte er schließlich leise und konnte nur schwer das Schwanken seiner Stimme unterdrücken.

"Die Cambpells haben uns einige Schafe gestohlen. Ich werde sie zurückholen."

"Ist das gefährlich?" Artur kannte die Antwort eigentlich schon; er musste sich selbst eingestehen, dass es ein versteckter und misslungener Versuch war, Duncan von dem Vorhaben abzubringen, das Artur ihm in den Kopf gesetzt hatte.

"Ich bin anders, vergesst das nicht. Sie könnten mich höchstens aufhalten. Ich habe also nichts zu verlieren." Duncan klang bestimmt und als wäre er sich seiner Sache sicher. Das war er auch. Artur fällte einen Entschluß, den zweiten in kurzer Zeit. Er war sich sicher, dass es nicht funktionieren würde, aber er würde Duncan helfen. Hier rumsitzen und nichts tun würde er auf keinen Fall.

"Ich komme mit", sagte er schließlich in demselben Tonfall wie Duncan, der verdeutlichen sollte, dass er keine Widerrede duldete. Dass die trotzdem kam, war ihm allerdings bewußt.

"Das geht nicht. Ich habe nur ein Pferd."

Artur lachte leise auf und sah Duncan wieder in die Augen. "Du hast vor, eine ganze Herde von Schafen zu stehlen, da sollte ein einzelnes Pferd doch kein Problem sein."

Duncan erwiderte seinen Blick, doch er lachte nicht. "Ihr könntet sterben."

"Ich werde schon nicht sterben."

"Und wenn doch?" In Duncans Stimme klang Besorgnis, und Artur war für einen kurzen Moment überrascht, das zu hören. Doch dann lächelte er wieder und stellte eine Gegenfrage: "Was tust du, wenn dein Vater dich wieder annimmt?"

Duncan zog fragend die Augenbrauen zusammen. "Wie meint Ihr das?"

"Sag's mir. Was tust du dann?"

"Dann werde ich zu meinem Clan zurückkehren."

Artur nickte bestätigend. Sicher würde Duncan das tun. Und vielleicht bestünde sogar die Möglichkeit, dass Artur sich dem Clan ebenfalls anschließen könnte. Doch das wäre nicht dasselbe, er könnte ihm nie wieder so nah sein, wie in der Zeit, in der sie allein waren.

"Siehst du, ich habe also auch nichts zu verlieren." Mit diesen Worten stand er auf und ignorierte die vielen Fragen, die Duncan noch auf der Zunge hatte, und die sich in seinem Gesichtsausdruck widerspiegelten. Erst, als Artur am Verschlag des Pferdes angekommen war, drehte er sich wieder zu ihm um. "Na los. Wir sollten uns um ein zweites Pferd kümmern, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit, MacLeod!"

 

* * * * *

 

"Na, wo reiten wir hin?" Artur lehnte sich nach vorne, an Duncans Schulter vorbei und versuchte so, den Blick des Schotten einzufangen, doch der hatte sich starr geradeaus gerichtet und zeigte Artur nur allzu deutlich, dass er über seinen Plan mitzukommen wenig begeistert war. Mit einem leisen Seufzer setzte Artur sich wieder gerade hin und begutachtete das zweite Zaumzeug, das neben ihm am Pferd baumelte.

"Zu einer Herde ganz in der Nähe", kam es plötzlich von Duncan, so dass Artur überrascht über seine Antwort aufsah und die Augenbrauen zusammenzog.

"Eine Herde? Ein einzelnes Pferd würde mir schon reichen."

Duncan lächelte und drehte den Kopf zur Seite, so dass er Artur ansehen konnte. "Wie habt Ihr Euch das vorgestellt? Bei einem Clan ein Pferd zu stehlen, ist nicht einfach, mein Freund."

"Und wem gehört dann die Herde?"

"Niemandem."

"Niemandem?!" Artur sah nach vorne und erblickte neben den Hügeln eine Gruppe Pferde, die graste. "Wenn sie niemandem gehören, sind sie wild. Alles klar, Duncan, lustiger Witz. Könnten wir jetzt bitte wieder ernst werden?"

Duncan lächelte wieder. Irgendwie gefiel es Artur, das zu wissen. Doch bei den derzeitigen Umständen passte es ihm gar nicht. "Das ist nicht dein Ernst!"

"Doch." Duncan hielt sein Pferd an und griff nach einem Strick. "Ihr müsst absteigen. Zu zweit sind wir zu langsam.

Artur hielt es für besser, keine Fragen mehr zu stellen, zumindest vorerst nicht. Er rutschte vom Pferd und sah zu dem Schotten auf, der gelassen eine Schlinge knotete.

"Irgendwelche Wünsche?" fragte Duncan fast beiläufig und erwiderte Arturs Blick.

"Gegen den Schwarzen hätte ich nichts", antwortete er mit derselben Gelassenheit, die ausstrahlte, wie sehr er doch an Duncans Vorhaben zweifelte.

"Geht nicht, das ist der Leithengst." Duncans Blick glitt über die Herde, die sie entweder noch nicht wahrgenommen hatte oder die ihre Anwesenheit herzlich wenig zu stören schien. "Ich such Euch was Schönes raus", fügte er schließlich noch hinzu und trieb sein Pferd an.

Artur blieb stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. Er konnte über diese Idee des Schotten nur mit dem Kopf schütteln. Ein Wildpferd? Na klasse. Da würde Duncan sich mit herumschlagen dürfen. Artur dachte ja gar nicht daran, sich einen unkontrollierbaren Untersatz andrehen zu lassen. Würde es ihn abwerfen, könnte er sich unter Umständen auf einige Verletzungen freuen. Duncan war hier der Unsterbliche, ihm würde das nichts ausmachen. Artur beobachtete, wie Duncan langsam auf die Herde zuritt und ein Pferd fixierte, das auf einem kleinen Felsvorsprung weidete und so kaum Raum zur Flucht hatte. Dort blieb er stehen. Wartete auf den richtigen Augenblick. Und er wartete lange. Artur drehte sich irgendwann um und suchte sich einen kleinen Felsen aus, um sich hinzusetzen und dort weiter zu warten. Es waren ihm Höchstfall zwei Minuten, die er dafür benötigte, doch als er sich wieder umdrehte, kam Duncan schon wieder auf ihn zugeritten. Am Strick das Pferd, das Artur zuvor noch frei grasend gesehen hatte.

"Wie..." Artur stoppte. Auf die Entfernung, die zwischen ihm und dem Schotten noch bestand, würde Duncan ihn so oder so nicht hören. Mit einem völlig überraschten Gesichtsausdruck kletterte er auf den kleinen Felsen und wartete, bis Duncan neben ihm stoppte und auf seinem Pferd nun dieselbe Augenhöhe hatte.

"Sie sind alle zugeritten, doch halten sich die Clans nur so viele, wie nötig sind", antwortete Duncan auf Arturs fragenden Ausdruck und stieg ab, um dem eingefangenen Schimmel das zweite Zaumzeug anzulegen. Artur kletterte nun wieder hinunter und stellte sich neben Duncan. Beobachtete für eine Weile die Bewegungen des Schotten, bis er fertig war und Artur die Zügel entgegenhielt.

"Wollt Ihr immer noch mitkommen?" Die Frage kam leise. Als würde Duncan die Antwort schon kennen, dennoch auf eine andere hoffen.

Artur sah ihn an und nickte schließlich, wenn auch zögernd. "Alleine schaffst du das nicht."

"Warum helft Ihr mir?" Duncan musterte Artur, eine Antwort fordernd, und ließ seinen Blick nicht mehr von ihm ab. Fixierte die grün goldenen Augen, bis sie sich von ihm abwendeten und Artur auf das Pferd stieg.

"Warum nicht?" stellte er die Gegenfrage und trieb sein Pferd an.

Artur fragte sich selbst, warum er das tat. Würde er es nicht, wäre Duncans Erfolg mäßig, oder unmöglich. Die Chance wäre höher, dass er aufgeben und sich mit der Verbannung abfinden würde. So, wie er es vor Arturs Vorschlag auch schon getan hatte. Artur verfluchte sich selbst dafür, Duncan diese Möglichkeit aufgetan zu haben, dennoch wollte er jetzt keinen Rückzieher machen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Lieber eine kurze, aber schöne gemeinsame Zeit mit Duncan, als ewig seine Alpträume und Leiden mit ansehen zu müssen.

Doch es missfiel Artur, sich, seine Bedürfnisse und Gefühle dazu in den Hintergrund drängen zu müssen.

 

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Es war ein halber Tagesritt bis zu ihrem Ziel. Sie standen auf einem Hügel und blickten auf die weiten Wiesen hinunter, auf der ein paar Rinder und Schafe weideten. Ein Blick zu Duncan genügte, um zu wissen, dass es die richtige Herde war. Sein Blick war starr auf die Tiere gerichtet. Er achtete für einige Minuten nicht einmal mehr auf seine Umgebung, um Mitglieder des anderen Clans ausfindig zu machen. Ob er auch so wußte, dass keine hier waren? Artur wußte es nicht. Er wartete nur geduldig neben Duncan und übernahm die Aufgabe des Ausschauhaltens. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Herden unbewacht sein sollten, es wäre zu einfach.

Seine Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen, als er auf seinem Pferd hin und her rutschte und schließlich hinter sich blickte. Doch das einzige, was er sehen konnte, waren Felsen, Wiese, die Rinder und Schafe und... Duncan.

Der Wind hatte zugenommen und wirbelte das lange gewellte Haar des Schotten über dessen Schultern. Die dunklen Strähnen tanzten durch die Luft und erinnerten Artur an ein Gemälde. Wie genau er jetzt darauf kam und Duncan durch glänzende Ölfarben in einem Rahmen verewigt wiederfand, konnte er sich nicht erklären. Aber es gefiel ihm, und er konnte diese Ölfarbe, die Duncan auf der Leinwand wiedergab, sogar riechen. Nur war die Wirklichkeit noch sehr viel schöner als dieses Bild. War Duncan plötzlich noch wirklicher als jemals zuvor.

"Wollen wir?" Duncan drehte sich langsam zu ihm um und betrachtete ihn fragend mit diesen großen, braunen Augen, die wild funkelten. Artur reagierte nicht. Starrte ihn einfach nur weiter an. "Artur?"

Duncan lehnte nun seinen Oberkörper zur Seite und Artur entgegen. Dieser verweilte noch etwas in seinem Trance ähnlichen Zustand, bevor er plötzlich zusammenzuckte und zu keuchen begann. Erst jetzt wurde ihm bewußt, dass er aufgehört hatte zu atmen, ohne es bemerkt zu haben. Seine Hände krallten sich in die Mähne seines Pferdes, als er seinen Blick abwendete und nach dem so nötigen Sauerstoff sog.

Duncan hatte sein Tier umgelenkt und es erst direkt neben seinem Freund wieder zum Stehen gebracht. Fast zögerlich legte er seine Hand auf Arturs Schulter und festigte seinen Griff.

"Alles in Ordnung?"

Artur versuchte, etwas zu sagen, was zwischen dem hektischen Ein- und Ausatmen nur schwer gelang und schließlich damit endete, dass er sich verschluckte und aus dem Keuchen ein schmerzhaftes Husten wurde. Duncan klopfte ihm auf den Rücken. Zumindest wollte er das. Seine Hand verweilte plötzlich auf dem Kreuz des Freundes und strich sanft darüber. Mit einem Mal hatte Artur sich beruhigt und saß nun wieder unbeweglich auf seinem Pferd. Starrte immer noch auf die weiße Mähne des Tieres und versuchte, seinen Atem so flach wie möglich zu halten. Die Wärme, die seinen Körper bei dieser Berührung durchflutete, erschreckte ihn für einen kurzen Moment, obwohl es ihm vertraut war. Er wußte, dass er es kannte und in letzter Zeit öfter gespürt hatte, wenn Duncan ihn zufällig berührt hatte. Doch diesmal war es nicht zufällig. Dieses Mal war diese Berührung bewußt und ihre Auswirkungen stärker als je zuvor.

Artur spürte, wie der Vorsatz des flachen und ruhigen Atmens schwerer umsetzbar wurde, je fester Duncan mit seiner Hand über seinen Rücken fuhr. Schließlich seine Schultern erreichte und über den Nacken glitt. Mit halb geschlossenen Augen drehte er sich zu Duncan um und sah ihn an. Es kam ihm vor, als würde sein Blick in den Augen des Schotten verloren gehen. Jetzt fühlte er sich wie Duncan, als dieser mit seinem Blick im Anblick des Lochs versunken war, als Artur ihn gefragt hatte, warum er allein lebte. Er wollte nie wieder wegsehen, für immer diese Augen vor sich haben. Wollte sich nie wieder bewegen, die Zeit anhalten und für den Rest seines Lebens in diesem Standbild verharren, als ob es nichts anderes mehr auf der Welt gäbe, und in diesem Moment tat es das auch.

 

"Versprich mir, dass du für immer bei mir bleibst." Duncan sah ihn bittend an, umschloss seine Hände und drückte sie gegen seine Brust. "Bitte."

Er wollte diesem Blick entfliehen, doch egal wohin er sich wendete, er konnte ihn noch spüren. Er konnte es immer spüren, wenn Duncan ihn ansah. Man konnte diesen Blick nicht ignorieren. Manchmal Freud, manchmal Leid. "Du weißt, ich kann es nicht."

Duncan nickte wissend und sah für einen Moment auf ihre Hände.

Er registrierte, dass sein Griff fester wurde. Als würde er sich an Duncan festhalten, ihn nicht mehr loslassen wollen, aber wissen, dass er es irgendwann musste.

"Ich weiß, aber dieses Wissen gefällt mir nicht. Es macht mir Angst, verstehst du. Es erinnert mich ständig an die Vergänglichkeit, die ich nicht wahrhaben möchte."

"Alles geht einmal zu Ende. Daran können wir nichts ändern, wir müssen lernen, damit zu leben."

"Und wenn ich das nicht will?" Duncans Griff um seine Hände wurde fester, tat weh, sehr weh. Doch er ließ sich nichts anmerken. Entzog seine Hände auch nicht denen seines Geliebten. Stand einfach nur da und sah ihn an.

"Das Schicksal fragt uns nicht nach dem, was wir wollen."

Wieder nickte Duncan wissend. "Aber ich würde mich besser fühlen, wenn du es sagen würdest. Für die Zeit, in der es so ist."

Duncans Augen hatten wieder diesen bittenden Blick, als er ihn erwiderte und ihm dieses Mal standhielt. Schließlich entzog er ihm eine Hand und legte sie um Duncans Wange, zog ihn weiter zu sich heran. Bis ihre Stirne sich berührten und auch ihre Münder nur noch wenige Millimeter voneinander entfernt waren.

"Für immer", flüsterte er leise und schloß die Augen.

Duncan tat es ihm gleich, und so verweilten sie für einige Sekunden, bevor der Highlander noch ein leises "Ich liebe dich", flüsterte. Er nickte und legte seine Hand um Duncans Nacken.

"Für immer", wiederholte er leise.

 

Als Artur im kalten Wind fröstelte und wieder in die Realität zurückstieg, fand er sich fast in derselben Position wieder, in der er sich schon in seiner Vision gesehen hatte. Wie das passiert war, wußte er nicht. Aber er spürte Duncans Hand auf seinem Nacken, fühlte den warmen Atem in seinem Gesicht und strich mit seiner Hand durch Duncans Haaransatz. Langsam überwand er die kleine Distanz zwischen ihren Gesichtern und ließ zu, dass seine Lippen die des Schotten berührten. Leicht und vorsichtig. Als er merkte, dass Duncan sich nicht zurückzog, wurde sein Kuß fester. Er wollte ihn spüren. Noch mehr als jetzt. Wollte seine Wärme in sich aufnehmen und nie wieder fort lassen. Wollte ein Teil von ihm sein und wollte, dass Duncan auch ein Teil von ihm wurde.

Tastend glitt seine Zunge über Duncans volle Lippen. Vergrub sich seine Hand noch tiefer in dem langen, weichen Haar des Schotten. Er wollte jetzt alles von ihm. Ihn spüren, riechen, schmecken. Hier und jetzt wollte nicht mehr warten, sich nicht durch die Visionen und Träume verwirren lassen. Als Duncan seinen Mund leicht öffnete, schob Artur seine Zunge zwischen die kleine Öffnung der Lippen und suchte die von Duncan. Berührte sie leicht, umspielte die Spitze, sog sie langsam ein.

Immer fester und fordernder zog er Duncan zu sich heran, als der Arturs Hand plötzlich von sich stieß und sich auf seinem Pferd wieder aufrichtete. Artur sah überrascht auf, und brachte sich nur langsam wieder in eine gerade, sitzende Position.

Es war ihm nicht peinlich, was er gerade getan hatte. Es hatte sich gut angefühlt, richtig. Alles hatte auf einmal gestimmt, einen Sinn gehabt. Den Sinn, den er solange gesucht hatte und von dem er nicht erwartet hätte, ihn in dieser Form zu finden.

Duncans Blick wirkte fassungslos. Ihm ging es offensichtlich nicht ganz so wie Artur. Er schüttelte mit dem Kopf und ließ seinen Blick noch einmal kurz über die Herde schweifen, bevor er den Kopf hob und zum Himmel blickte.

"Wir haben nicht viel Zeit", flüsterte er leise, bevor seine Stimme wieder lauter und bestimmter wurde. Als wolle sie durch ihren Ton das vergessen machen, was eben zwischen ihnen passiert war, und noch hätte passieren können. "Wir müssen die Schafe durch den Wald gebracht haben, bevor es dunkel wird."

"Duncan?" Artur streckte die Hand nach ihm aus. Wollte die angespannte Haltung lösen, die von dem Schotten Besitz ergriffen hatte. Wollte irgendetwas tun, nur nicht schweigen und folgen. Doch Duncan sah das wohl ganz anders. Aus den Augenwinkeln beobachtete er Arturs Bewegung und trieb sein Pferd noch im selben Moment an. Nach wenigen Schritten stoppte er wieder und sah zu Artur zurück, der seine Hand nun wieder um die Zügel gelegt hatte.

"Ihr wolltet mir helfen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr haltet Euch daran und bringt mit mir die Schafe zu meinem Clan zurück, oder Ihr geht."

"Gibt es nur diese zwei?"

Duncan nickte und drehte sich wieder zu der Herde um. Er wartete auf Arturs Entscheidung, und, als er hörte, wie das Pferd des Freundes sich ins Bewegung setzte, lauschte er konzentriert. Als er erkannte, dass Artur auf ihn zu und nicht von ihm weg ritt, atmete er erleichtert auf und wartete weiter, bis Artur seine Höhe erreicht hatte, bevor auch er sein Pferd wieder antrieb.

 

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Die Schafe blieben still und schenkten den beiden Besuchern nur müde Blicke, bevor sie sich wieder dem saftigen grünen Gras unter sich widmeten. Duncan und Artur positionierten sich jeweils rechts und links hinter der Herde, um sie geradeaus über die Felder treiben zu können, danach durch den Wald, von dem Duncan gesprochen hatte, bis sie den Clan der MacLeod erreichten.

Artur war nervös. Er konnte sich nicht daran erinnern, so etwas jemals zuvor gemacht zu haben, und seine Unsicherheit ging in sein Pferd über, das unter ihm zu tänzeln begann. Man konnte Artur ansehen, dass er sich nicht wohl fühlte, aber er würde keinen Rückzieher machen. Auf keinen Fall! Er würde diese Sache jetzt durchziehen. Wäre ja noch schöner, Schwäche und Unfähigkeit zu zeigen.

Er atmete noch einmal tief durch und sah hinüber zu Duncan, der ihn fixiert hatte und auf seine Bereitschaft wartete. Artur war nicht bereit. Würde es aber auch nie sein, daher nickte er Duncan nur zu und wartete auf sein Zeichen. Der Schotte ritt noch etwas weiter nach links, bevor er deutlich sichtbar seine Hand hob und einen markerschütternden Schrei losließ.

Die Schafe reagierten sofort, indem sie die kleinen, wollbedeckten Köpfe in die Höhe streckten und sich erschrocken umsahen. Als sie die beiden Reiter erblickten, die mit Kampfgebrüll auf sie zugerast kamen, setzten sich sofort in Bewegung und liefen davon. Von den Reitern weg. In die Richtung, in der Duncan sie haben wollte.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell so ein Schaf sein konnte, wenn es um sein Leben rannte. Nur hin und wieder blieben welche zurück oder rückten aus. Duncan und Artur, die auf den Tieren mit den längeren Beinen saßen, holten sie jedoch schnell wieder ein und trieben sie zu ihrer Herde zurück, weiter in Richtung Wald, der sich langsam am Horizont auftat.

Arturs Atem wurde schwer. Seine Augen huschten über die kleinen weißen Leiber vor ihm, konzentrierten sich auf die Herde und darauf, sie zusammenzuhalten. Sein Pferd schien gut eingeritten und für solche Vorhaben trainiert, denn es reagierte schnell auf seine Anweisungen und konnte sie teilweise schon erahnen, wenn eines der Schafe sich zu weit von der Gruppe entfernte.

Artur lenkte seinen Blick nach oben, Richtung Himmel. Duncan hatte recht gehabt. Sie mussten sich beeilen. Bis zur Dämmerung war es nicht mehr lang und mit diesem Tempo im Dunkeln durch den Wald zu reiten, wäre reiner Selbstmord. Er drehte sich wieder zu seinem Freund um und pfiff, so dass dieser reagierte und seinen Blick erwiderte. Artur zeigte nach oben und machte auf die sich langsam heranschleichende Dämmerung bemerkbar. Duncan folgte der Richtung seines Fingers und nickte. Noch im selben Moment begann er wieder zu schreien, um die Tiere vor ihnen zu mehr Schnelligkeit anzutreiben.

Auch Artur richtete sich wieder nach vorne und überlegte, wie lange die Schafe dieses Gebrüll noch aushalten würden, bevor sie vor Angst starben. Die dunkle Stimme des Schotten in dieser Lautstärke war nicht ohne, selbst die Pferde zuckten jedesmal zusammen. Doch Artur ließ es kalt. Wieder bemerkte er, dass er das Hetzen von etwas, begleitet von diesem Kampfgeschrei, kannte. Und er spürte auch, dass dies aus einer Zeit stammte, auf die er nicht gerade stolz war. Wohl nicht seine beste Zeit. Artur spürte, wie alles um ihn herum wieder in einem dichten Nebel unterzugehen drohte, je mehr er darüber nachdachte. Er versuchte, krampfhaft die Erinnerung zu verdrängen und nicht wieder in einer dieser wirren Visionen abzudriften, nicht jetzt, wo der Wald so nah lag und er sich konzentrieren musste. Doch es half alles nichts, gegen sein Unterbewußtsein kam er nicht an.

 

Es wurde wärmer. Die Temperatur stieg in rasender Geschwindigkeit an, genauso schnell, wie die Luft sich veränderte, sie war trockener als zuvor, und er konnte nur schwer ein Husten unterdrücken, welches ein Versuch war, den Staub aus seinen Lungen zu bekommen.

Sein Blick glitt nach rechts, auf den Reiter neben ihn. Das war nicht mehr Duncan, nicht einmal annähernd. Er konnte das Gesicht auch nicht mehr erkennen. Der Reiter trug eine Maske, genauso wie die anderen zwei, die links von ihm ritten.

Sein Blick glitt fast automatisch wieder nach vorne. Um ihn herum war nur Sand. Feiner, goldener Sand, der von den Hufen der Pferde aufgewirbelt wurde und in seiner Lunge brannte. Doch vor ihm war noch mehr Staub. Eine dicke Wolke, die ihm den Blick versperrte, den Blick auf das, was sich vor ihnen befand. Er konnte nur Schreie hören. Panische, hysterische Schreie.

Die Staubwolke legte sich, schien still zu stehen und ihn hindurchreiten zu lassen. So, wie die Männer an seiner Seite. Sie jagten etwas, soviel wußte er schon. Aber was? Tiere? Konnten Tiere so schreien? Er sah sich noch einmal zu dem Mann um, der rechts neben ihm ritt. Er hatte die Distanz zwischen ihnen überbrückt, war näher gekommen und plötzlich spürte Artur dieses Kribbeln, das sich in seinem Kopf sammelte und gegen seine Schädeldecke pochte. Für einen Moment schien es ungewohnt, er hatte es schon lange nicht mehr gespürt. Aber er wußte auch, dass es ein ständiger Begleiter in seinem Leben gewesen sein musste oder immer noch war.

Erst jetzt wurde sein Blick wieder klar, die Luft wieder durchschaubar. Für einen Moment hatte er das Gefühl, sein Herz würde aussetzen, als er die vielen Menschen sah, die vor ihnen her rannten, von ihnen weg. Er jagte sie, er und die drei Männer an seiner Seite jagten diese Menschen, mit ihren schmutzigen Körpern, den Fetzen, die sie als Kleidung am Leib trugen. Er wollte sein Pferd zum Stehen bringen, anhalten und umdrehen. Weg von hier, weg von den drei maskierten Gestalten. Doch er konnte nicht. Eine neue, starke Gefühlsflut breitete sich in ihm aus. Fast schmerzhaft verdrängte sie alles andere, was er für einen Moment noch zu wissen und zu spüren glaubte. Sein Kopf wurde leer gefegt und neu gefüllt. Er nahm die Hände von den Zügeln und presste sie gegen seine Schläfen, nahm nun umso mehr seinen schweren Atem war, den übernatürlich schnellen Herzschlag.

"Nein." Seine Stimme war heiser und kaum mehr als seine auszumachen. Sein Körper begann zu zittern, als würde er frieren, doch das tat er nicht. Er schloß die Augen und versuchte, sich wieder zu beruhigen, doch sein derzeitiger Zustand war zu stark, als dass er ihn einfach hätte verdrängen können.

"Nein!" Er schrie, er schrie so laut er konnte, nahm seine Hände wieder herunter und riß die Zügel seines Pferdes nach hinten, lenkte das Tier um und hatte Mühe, sich im Sattel zu halten. Als das Pferd stehen blieb, krümmte sein Körper sich erschöpft zusammen und verharrte so, für wenige Minuten. Solange, bis er dieses kribbelnde Gefühl in seinem Kopf wieder spürte und er den Reiter hörte, der sich von hinten näherte. Artur wollte sich nicht umdrehen, wollte nicht mehr zurückschauen. Sein Blick fiel in die weite, dürre Leere, die ihn umgab. In die Endlosigkeit, die jetzt von dem Mann unterbrochen wurde, der sich auf seinem Pferd vor ihm aufbaute und sich wütend die Maske vom Gesicht riß.

Artur zuckte zusammen. Er kannte dieses Gesicht, er kannte es sogar sehr gut. Es war lange her, dass er es das letzte Mal gesehen hatte. Real vor sich. Aber er hatte es vor kurzem in einer Vision gesehen. Bei Duncans Hütte. Sein Spiegelbild im Wasser. Das blaue Gesicht und das mit schwarzen Zeichen bemalte des Mannes, der seine Besitzansprüche an ihm kundtat. Oh ja, er kannte diesen Mann.

"Was ist in dich gefahren?" Der andere, kräftiger Gebaute funkelte ihn wütend an.

"Ich mach das nicht."

"Was soll das heißen? Bist du jetzt vollkommen durchgedreht?"

Nach den Worten des Mannes mit der schwarzen Kriegsbemalung begann er zu lächeln. Sein Blick streifte kurz über die fahle Mähne seines Pferdes, bevor er ihn wieder aufrichtete. "Ich habe das vor langer Zeit hinter mir gelassen. Das hier ist nicht real, nicht mehr existent. Vergangenheit."

Seine Augen verengten sich, und er nahm fast beiläufig den Knauf des Schwertes wahr, der an dem Sattel befestigt war und sich gegen sein Bein presste. "Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nur, dass ich viele Leben gelebt habe, viele Welten gesehen habe, wie auch immer das möglich ist. Und ich weiß auch, dass dies hier hinter mir liegt und ich hier nichts mehr zu suchen habe."

Auf dem Gesicht des kräftiger gebauten Kriegers machte sich ein Grinsen breit, das jedem Sterblichen den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hätte. Das Lächeln der Pest, die mit dem Tod, Krieg und Hungersnot über das Land gefegt war, um jegliches Leben zu zerstören oder sich untertan zu machen.

"Ich weiß", nickte er und ein leiser Seufzer war zu hören, als er die Zügel in einer Hand sammelte und sich mit der anderen ein paar schwarze Strähnen aus dem Gesicht streifte. "Aber du wirst es nie vergessen können. Es ist ein Teil von dir, und wird es immer sein, Bruder."

"Ich bin nicht dein Bruder."

"Doch das bist du. Vor allem in deiner Erinnerung. Denn diese ist es, die uns ewig zusammen hält. Und sie ist es auch, die dich ständig zu uns zurückführen wird." Und mit einem dämonischen Lächeln fügte er hinzu: "Und sie ist wirklicher als das Leben, dass du in den vergangenen Tagen geführt hast... Artur."

Er lenkte sein Pferd zur Seite und machte Artur somit den Weg frei. "Man kann vor seiner Vergangenheit nicht davonlaufen. Aber wenn du es versuchen willst, nur zu. Du hast deine Chance bekommen und warst nicht stark genug, sie zu nutzen. Ein neues Leben zu leben. Deinem eigenen Wissen zu entfliehen. Oder ihm zu folgen, wie man es nimmt."

"Du sprichst in Rätseln." Artur ritt einige Schritte voran und drehte sich dann noch einmal um. "Ich kann deine Worte nicht deuten. Woher nimmst du dieses Wissen?"

"Aus deinem Kopf", grinste der andere nur und tippte sich gegen seinen eigenen, bevor eine neue Staubwolke aufwirbelte und er von der einen auf die nächste Sekunde verschwand.

 

Der Wald befand sich nun in unmittelbarer Nähe, als Artur aufschreckte und sich bei Duncan wiederfand. Der schien seine geistige Abwesenheit nicht bemerkt zu haben, und auch Artur versuchte, nicht über die Worte des alten Bekannten nachzudenken, sondern sich wieder auf die Schafe zu konzentrieren. Würde im Wald eins ausrücken, wäre das Wiedereinfangen um einiges schwieriger. Höchstwahrscheinlich würden sie viele im dichten Unterholz verlieren. So war es immer, wenn etwas die Gruppe verließ. Und Artur wußte, dass er es auch so gemacht haben musste. Irgendwann, in einer Zeit, an einem Ort, an dem es einfacher für ihn war, zu verschwinden und unterzutauchen.

Der Waldboden war hart und trocken. Artur konnte die Hufe der Tiere hören, die darauf trommelten. Sein Pferd verlangsamte sein Tempo und versuchte, auf dem unebenen Boden nicht den Halt zu verlieren. Die Schafe jagten um die Bäume herum, dachten wohl nur noch an die Flucht nach vorne, nicht zur Seite. Ein Vorteil für die beiden Reiter, die jetzt genug damit zu tun hatten, ihre Pferde durch die Baummassen zu lenken.

Ein unangenehmes Gefühl beschlich Artur. Nicht eine sich ankündigende Vision, nicht dieses Mal. Er horchte und meinte, noch mehr Pferde zu hören. Mehr als ihre zwei. Er drehte sich kurz um und entdeckte die Gruppe von Reitern, die ihnen folgte. Sie waren noch in einer sicheren Ferne, doch Artur ahnte, dass sie keine guten Absichten hatten, sonst würden sie nicht ihre Schwerter durch die Luft wirbeln. Er verließ seinen Posten nur um wenige Meter, um Duncan näher zu sein, und sah sich noch einmal um, um den Abstand zwischen den Fremden und sich abzuschätzen.

"Duncan!" Er musste zweimal rufen, bis der Angesprochene reagierte und seinem Blick folgte. Der Schotte sah nicht wirklich überrascht aus, im Gegenteil, er nickte wissend.

"Cambpell!" rief er zurück und richtete seinen Blick wieder Artur zu. "Wir müssen uns beeilen!"

Artur nickte nun auch und trat seinem Pferd in die Flanken. Dieses wollte den Befehl seines Reiters nicht so recht ausführen, war es doch klug genug, um zu wissen, wie gefährlich diese Aktion war, doch Artur ließ nicht locker, bis das Tier folgte und schneller wurde. In einer atemberaubenden Geschwindigkeit fegten sie über den harten Boden und schrien so laut sie konnten, um die Schafe noch weiter anzutreiben. Artur hatte alle Mühe, im Sattel zu bleiben, und lehnte sich weiter nach vorne, um den peitschenden Ästen auszuweichen. Dennoch konnte er nicht vermeiden, dass einer ihn traf und einen langen Riß quer über seiner rechten Gesichtshälfte hinterließ. Er biss die Zähne zusammen und ritt weiter, presste seine Oberschenkel an den Körper des Pferdes und trieb es immer weiter an.

 

Das Kampfgeschrei der Cambpells kam nicht wirklich näher, dennoch war es für Arturs Geschmack zu nah. Sie waren nun mitten im Wald und könnten ohne jegliche Probleme im Dickicht fliehen, doch das war nicht der Plan. Der Plan war, die Schafe auf die andere Seite in das Territorium der MacLeods zu bringen. Und um dies zu schaffen, durften sie jetzt nicht aufgeben, nicht jetzt, wo sie so nah dran waren.

Vor ihnen wurde ein langer Baumstamm sichtbar, der sich quer über ihren Weg erstreckte. Ausweichen konnten sie nicht, der Umweg hätte zur Folge, dass die Männer des anderen Clans sie einholen würden. Also ritten sie weiter darauf zu und hofften, dass die Schafe auch springen würden. Doch leider taten das nicht alle, fast die Hälfte rückte aus, und schlug einen Seitenweg ein. Artur reagierte sofort und folgte ihnen nach rechts, während Duncan die anderen weiter durch den Wald trieb. Doch Artur riß sein Pferd zu plötzlich zur Seite, so dass dieses auf dem unebenen Boden den Halt verlor und stürzte.

Der Aufprall war hart. Für Reiter und Pferd. Das Tier schaffte es zwar sofort wieder, sich aufzurappeln, doch Artur schaffte es nicht. Das Pferd war auf sein Bein gefallen, das danach verdächtig geknackt hatte und ihm eine unerträgliche Hitze durch den Körper trieb. Der Schmerz, der darauf folgte, war nicht weniger unangenehm, und so krümmte Artur sich zusammen und konnte einen Aufschrei nicht unterdrücken. Das Pferd rannte weiter, ebenso wie die ausgerückten Schafe. Auch Duncan mit der restlichen Herde war nur noch in weiter Entfernung zu hören und machte Artur klar, wie allein er doch im Moment war, als er die Hufe der Campbell-Pferde hörte, die auf ihn zugeritten kamen. Artur versuchte aufzustehen, schaffte es aber erst, als er sich an einem Baum abstützte und sich daran in die Höhe zog. Jede Bewegung schmerzte höllisch und machte in ihm den Wunsch breit, einfach nur liegenzubleiben und sich gar nicht mehr zu rühren.

In einer gebückten, dennoch fast stolzen Haltung stand er an den Baum gelehnt und erwartete die vier Reiter, die um ihn herum stoppten. Sie hatten ihn eingekesselt und in Position gebracht. Wofür wußte Artur nicht. Weglaufen würde er wohl kaum können, und er hoffte doch stark, dass sie nicht auf die Idee kamen, irgendein Ritual zu vollziehen. Müde schaute er auf und versuchte, jeglichen Schmerz aus seinem Gesicht zu verbannen, was ihm jedoch kläglich mißlang. Er schaffte es nicht einmal, seinen Atem zu normalisieren, der immer noch viel zu schnell und zu laut war.

"Einen hätten wir." Einer der Reiter streckte Artur sein Schwert entgegen und hob sein Kinn damit noch weiter nach oben und musterte ihn. Und Artur sah zurück. Seine Augen hatten sich verengt und strahlten nunmehr nur noch Verachtung aus, bis der Reiter hinter ihm mit seinem Schwert gegen Arturs verletztes Bein schlug und ihn somit zu Fall brachte.

"Ihr Ratten", presste er hervor und lehnte seinen Kopf gegen den Baumstamm, als seine Hand nach seinem Bein tastete, sich aber nicht wirklich traute, es zu berühren. Spätestens, als er den Knochen spürte, der aus der fiebernden Haut drang, zog Artur sie wieder zurück und wischte sich die nassen Strähnen aus der Stirn.

"Hört, hört. Liegt dort am Boden und spuckt noch große Töne. Ihr seid nicht gerade in der Position, Beleidigungen zu verteilen, mein junger Freund." Wieder streckte der Reiter sein Schwert nach ihm aus, doch Artur schlug wütend dagegen und somit von sich weg.

"Was wollt ihr tun? Mich töten? Nur zu, warum wartet ihr?" Artur versuchte krampfhaft, das Schwanken seiner Stimme zu unterdrücken, doch auch dies gelang ihm nicht. Die Schmerzen, die sein Bein verursachte, waren zu stark.

"Keine Angst, das kommt noch", lächelte der Mann, der anscheinend eine Anführerposition inne hatte, und zog sein Schwert wieder zurück. "Wo ist denn Euer Freund geblieben? Hat Euch wohl im Stich gelassen, hm?"

"Er tut nur, was richtig ist!"

"Und was wäre das? Seinen Mitstreiter dem Feind zu überlassen? Ihr solltet in der Wahl Eurer Freunde wählerischer sein, man gerät so schnell an Verräter."

"Duncan ist kein ..." Artur war bei dem ersten Wort aufgesprungen, musste dann aber abbrechen, als der Schmerz die nächsten Worte verschluckte, die er sprechen wollte. Gequält sah er zur Seite, um sich dem Blick der Reiter zu entziehen, doch sie waren überall, um ihn herum, und was sie sehen wollten, dass sahen sie auch. Ob er wollte oder nicht, hier war er machtlos.

"Duncan? Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod, der Verbannte? Ihr scheint wirklich ein Talent zu haben, Euch die falsche Gesellschaft auszusuchen."

Artur sah wieder auf und fixierte den Reiter mit seinem Blick. Plötzlich war es nicht mehr Schmerz, der seine Gesichtszüge zeichnete, jetzt waren es Wut und Hass, die aus diesem Gesicht sprachen, und für einen kurzen, kaum ersichtlichen Moment, zuckte der Reiter zusammen, und auch das Pferd reagierte, indem es einen Schritt zurücktrat. Artur ignorierte in diesem Moment seine Verletzung, den Schmerz. Unbewußt. Er zog sich wieder in die Höhe und richtete sich auf. Ließ seine Hände von dem Baum und stand nun fast kerzengerade vor dem Mann, der von seinem Pferd auf ihn hinunter blickte.

"Ihr habt ja keine Ahnung! Gut, sein Vater hat ihn verbannt, wegen etwas, das er nicht kannte, nicht verstand und ihm Angst machte. Kennt ihr den wahren Grund, warum Duncan gehen musste?"

Der Reiter musterte ihn überrascht, ehe er antworte und versuchte, so gelassen wie möglich zu wirken. Doch Artur bemerkte seine Unsicherheit, konnte sie förmlich riechen. Wie ein Wolf Blut auf hunderte von Metern Entfernung riechen und deuten konnte. "Die Götter haben ihn verlassen. Ihn aus seiner verdienten Endgültigkeit gerissen und als Untoten zurückgelassen. Er starb und erwachte wieder. Ein Dämon, umgeben von dem Zauber der Hexen des Hochlandes."

Artur lächelte. Er hatte ja so einiges erwartet, aber das... Dennoch schien es passend für einen Haufen Schotten, die zum ersten Mal von solch einem 'Phänomen' hörten und es auf Götter, Dämonen und Hexen zurückführten.

"Er ist unsterblich. Keiner kann ihn töten, vor allem ihr nicht! Seine Wunden heilen in rasender Geschwindigkeit und lassen keine Narben zurück. Sicher, die Erklärung durch Dämonen oder Hexen ist einfach, aber nicht wahr. Er ist ein Auserwählter, zu einem ewigen Leben auserkoren, welches ihr nie haben werdet. Er hat die Macht, die euch für immer versagt bleibt, und ist stärker als ihr alle zusammen, und genau darum habt ihr Angst! Weil ihr nicht wißt, wie ihr ihn loswerden könnt, er aber weiß, wie er euch töten kann!" Er stoppte und rang nach Luft, wartete, bis sich seine Lungen mit genügend Sauerstoff gefüllt hatten, um weiter sprechen zu können. "Er wollte euch nie etwas Böses. Denkt doch mal daran, wie vorteilhaft es wäre, einen Krieger in seinen Reihen zu haben, der niemals stirbt, dessen Wunden nie versorgt werden müssten. Aber weder sein, noch euer, noch irgendein anderer Clan haben dies gesehen. Und das war der Fehler! Man hat ihn verbannt, weil es ja soviel einfacher ist, etwas, das man nicht versteht und nicht kennt, von sich zu stoßen!"

"Aber Ihr seid nicht so wie Euer Freund?" hakte der Reiter nach einer Schweigeminute nach und blickte an Artur hinunter, auf das gebrochene Bein, dessen Knochen aus dem Fleisch ragten und das von dickflüssigem Blut umspült wurde. "Also können wir Euch töten!"

Artur antwortete nicht, nahm seinen Blick aber auch nicht von dem Mann. Der hatte seine Frage gestellt und sich auch selbst beantworten können. Artur konnte jetzt nichts mehr tun, als auf den tödlichen Hieb des Schwertes zu warten, der wohl kommen würde. Oder sich auf weitere Schmerzen vorzubereiten, die jetzt noch folgen könnten.

Er lehnte seinen erschöpften Körper gegen den Baumstamm, und sah den Krieger weiter an. Er wollte ihn ansehen, wenn er starb, wollte, dass dieser Mann sein Gesicht niemals vergaß. Nur aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie der Griff des Reiters um sein Schwert fester wurde und er mit seinem Pferd einige Schritte näher herankam.

"Du traust dich noch nicht einmal abzusteigen?" fragte er laut und zog die Augenbrauen zusammen. "Hätte nicht gedacht, dass du so feige wärst." Artur war sich sicher, ihn so zu reizen und einen schnellen Tod zu bekommen, doch dies schien nicht der Fall. Der Mann blieb gelassen. Stieg auch nicht ab.

"Jede weitere Bewegung als die, mein Schwert durch Euren Körper zu jagen, wäre Verschwendung!" Und kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, stieß er auch schon zu, hatte er sich einen perfekten Punkt ausgesucht, um Artur schwer zu verletzten, aber nicht sofort zu töten. Für den ersten Moment sah es so aus, als habe er sein Herz durchbohrt, doch dem war nicht so. Er hatte es nur knapp verfehlt, wenige Zentimeter zu tief und dies mit Absicht.

 

Obwohl die Dämmerung mittlerweile hereingebrochen war, wurde Artur plötzlich von einem grellen Licht geblendet, um sich danach in totaler Dunkelheit gehüllt, von dünnen Fäden an einem großen Holzbrett gefesselt wiederzufinden. Vor sich vier dunkle Schatten. Er spürte den Schmerz in seiner Brust, seinen Gelenken und seinem Hals. Sah die glänzende Klinge in der Hand eines der Fremden. Spürte, wie sein Blut aus unzähligen, brennenden Wunden floß und über seinen nackten Körper rann. Es war nicht mehr als ein Blinzeln, das er vollbrachte, als der Mann ihm den Dolch wieder ins Herz stieß.

Wieder sah er dieses grelle, unnatürliche Licht. Riß die Augen auf und schnappte nach Luft. Er war nicht tot, er war auch nicht hier gewesen. Woanders, an einem finsteren Ort. Aber wo? Und wie war das möglich? Sein Körper erzitterte unter dem hohen Blutverlust, als der Reiter das Schwert aus der tiefen Wunde zog und erneut zu stach, diesmal nur knapp über seinem Herzen.

Das weiße Licht kam zurück, schickte ihn wieder an den kalten, fremden Ort. Dasselbe Bild, das ihn begrüßte. Vier Fremde, ein Dolch. Wieder Blut, das aus seinem Körper floh, wieder Schmerzen, die ihn innerlich verbrannten. Wieder die kalte Luft um ihn herum, die ihn jeden einzelnen Schnitt deutlich spüren ließ und ihm die Tränen in die Augen trieb. Er öffnete seinen Mund, wollte etwas sagen. Fragen, wo er war. Doch noch bevor ein Ton sein Innerstes verließ, spürte er schon wieder die kalte Klinge des Dolches, der sich noch tiefer als zuvor in seinen Körper bohrte und sein Herz durchstieß.

Er schloß die Augen, wollte nichts mehr sehen. Weder das Licht, noch die Reiter, noch die Fremden. Wollte nichts mehr spüren, nichts mehr hören. Er registrierte nur noch, dass sich kein Fremdkörper mehr in seinem Körper befand, als dieser in sich zusammensackte und auf den harten Boden prallte. Er schaffte es nicht mehr, sich zu bewegen, noch nicht einmal, seine Hand gegen die offenen Wunden zu drücken, um somit zu versuchen, der starken Blutung Einhalt zu gebieten. Es würde ja sowie so nichts helfen. Er würde hier sterben, hier, allein, mit diesen vielen Fragen, dieser Verwirrung, voller Unverständnis und Angst. So hatte er sich sein Ende nicht vorgestellt. Nicht so. Aber wie dann? Er wußte es nicht, er wußte nur, dass etwas an seinem Tod nicht stimmte, schaffte es aber nicht, dieses Rätsel zu lösen. War zu schwach, um seine Gedanken noch ein letztes Mal rotieren zu lassen.

Er hörte die Stimme des Reiters, die plötzlich so dumpf und weit weg klang, sich in Wirklichkeit jedoch, wie schon zuvor, in unmittelbarer Nähe befand. "Ich lasse Euch die Wahl: Euch hier liegen und Eurem Schicksal zu überlassen oder Euch den Todesstoß zu gewähren. Sucht es Euch aus."

"Nun bring es schon hinter dich", stöhnte Artur nur leise und ließ seinen Kopf zur Seite rollen. Ihm war ein schneller Tod lieber, denn überleben würde er das hier auf keinen Fall. Soviel wußte er, und dieses Wissen gefiel ihm gar nicht.

 

Der Reiter hob sein Schwert und wartete wenige Sekunden. Wollte es mit viel Schwung durch den schwachen Körper unter ihn jagen und den gequälten Aufschrei hören, als er das Trommeln von vier weiteren Hufen hörte, das sich schnell näherte. Sein Blick folgte den Geräuschen, und schon bald hatte er den Urheber gefunden. Er kannte diesen Mann, hatte er doch damals bei seinem Tod zugesehen. Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod, mit einem finsteren, tödlichen Blick, gehobenem Schwert und einem schnell galoppierenden Pferd. Er sah noch einmal hinunter, zu dem sterbenden Artur, und entschied sich dann, für den heutigen Tag genug geleistet zu haben, als er sein Pferd antrieb und davon ritt, zusammen mit seinen drei Leuten. Artur blieb allein zurück, bis Duncan ihn erreichte und vom Pferd sprang. Mit wenigen Schritten war er bei seinem Freund angekommen und hatte sich neben ihm auf die Knie niedergelassen, das Schwert an den Baum gelehnt, als er Artur zu sich heranzog und seinen Kopf auf seinen Oberschenkeln bettete.

"Artur?" flüsterte er kaum hörbar und mit zitternder Stimme, als er vorsichtig über das verkrustete Blut auf Arturs Wange strich. Sein Bein begutachtete und schließlich das Blut entdeckte, das aus den zwei großen Stichwunden in der Herzgegend floß. "Oh Gott." Er riss sich einen Fetzen seiner Bekleidung vom Leib und faltete ihn zusammen, um ihn dann gegen die frischen Wunden zu pressen und die Blutung zu stoppen. Artur reagierte mit einem schmerzhaften Stöhnen und einem mühevollen Blinzeln. Als er Duncan erkannte, zeichnete sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht ab, das jedoch bald wieder erstarb.

"Ich dachte schon, du würdest gar nicht mehr kommen", keuchte er leise und versuchte, seinen Blick aufrecht zu erhalten, was ihm nur mit Mühe gelang. "Habe es aber gehofft."

"Jetzt bin ich ja hier", flüsterte Duncan und presste den sich aufweichenden Fetzen fester gegen die Wunde. "Nur zu spät", stellte er selbst fest und verfluchte sich innerlich dafür, nicht schnell genug auf Arturs Verschwinden reagiert zu haben.

"Besser spät als nie", antwortete Artur schwach und zog die Augenbrauen zusammen. "Was wird aus den Schafen?"

"Vergiß die Schafe! Ich bringe dich nach Hause, alles wird wieder gut!" Duncan wollte sich erheben und Artur zum Pferd bringen, doch dieser griff nach seiner Hand und hielt ihn zurück. "Nichts wird gut, Duncan. Bis nach Hause schaffe ich es nicht, hörst du! Ich werde es ja nicht einmal mehr bis zum Pferd schaffen." Er begann zu husten. Sein ganzer Körper erbebte, und das erste Blut floß in einer dünnen Bahn aus seinen Mundwinkeln.

"Was soll ich tun?" fragte Duncan besorgt und strich Artur ein paar Strähnen aus der Stirn. Was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, doch er konnte nicht hier sitzen und nichts tun. Musste etwas machen, und wenn dieses Tun nur daraus bestand, Artur zu berühren.

"Lass mich nicht allein", antwortete Artur leise und schloß die Augen wieder. Duncan strich ihm sanft über das schweissnasse Gesicht und drückte weiter den aufgeweichten Stofffetzen gegen die Wunde. Auch wenn er ahnte, dass es nichts mehr half. Er wollte es einfach nicht wahrhaben, nicht einsehen, dass er Artur hier verlieren sollte. Er wünschte sich, ihn niemals mitgenommen zu haben, sich niemals dieser Idee angenommen zu haben. Zu spät, wie er bitter feststellen musste. Es war alles zu spät und nicht mehr rückgängig zu machen. "Ich bleibe bei dir", flüsterte er leise. "Ich lass' dich nicht allein."

Wieder huschte ein kleines Lächeln über Arturs Lippen, als seine Hand sich hoch tastete und die von Duncan suchte. Der Schotte ergriff sie sofort und presste sie gegen seine trockenen Lippen. Ließ zu, dass eine Träne seinem Auge entwich und auf Arturs blasse Haut tropfte.

"Ich will nicht sterben", kam es plötzlich von Artur, dessen Stimme nur noch schwer zu verstehen war. Duncan beugte sich weiter nach unten, um ihn besser zu hören. "Ich habe Angst."

"Ich auch", nickte Duncan leicht und versuchte erst gar nicht wirklich, das Beben seiner Stimme zu unterdrücken, hervorgerufen durch die Tränen, die über seine Wange liefen. "Ich wünschte, ich könnte irgendetwas tun, um dir zu helfen. Ich..." Er brach kurz ab, und ein leises Schluchzen war zu hören, ehe er weiter sprach. "...ich wünschte, ich könnte meine Unsterblichkeit mit dir teilen. Was bringt sie mir, wenn sie nicht das bewahren kann, was ich liebe?"

"Was du liebst?" hakte Artur erschöpft nach und schluckte hart, um einem erneuten Hustenanfall zu entgehen.

Duncan nickte wieder und umklammerte Arturs Hand fester. Als wolle er sich daran festhalten, hoffen, Artur damit bei sich halten zu können. "Ja", flüsterte er und küsste Arturs Hand. "Verflucht sei mein Geist, der versuchte, meine Gefühle zu verdrängen. Wenn ich das schon früher... Ich hätte niemals versucht wieder zu meinem Clan zu kommen. Dann wäre das alles hier nicht passiert."

Artur versuchte, den festen Griff zu erwidern, scheiterte jedoch an seiner mangelnden Kraft, die in den letzten wenigen Minuten noch mehr abgenommen hatte. "Es ist richtig so", meinte er plötzlich und versuchte, so laut und deutlich wie möglich zu sprechen. "Die Visionen, die ich hatte, bedeuteten etwas. Sie versuchten mir zu sagen, dass etwas nicht stimmt. Etwas mit mir, mit dieser Welt. Ich weiß nicht warum, aber ich gehöre hier nicht hin. Komme aus einer anderen Zeit, einer anderen... Welt." Er sog vorsichtig nach Luft, um das Kratzen seiner Kehle nicht zu provozieren. "Wenigstens bekomme ich jetzt meine Ruhe, und muss mich nicht mit den vielen Fragen quälen, die in meinem Kopf herumspuken." Wieder versuchte er zu lächeln, wieder misslang es ihm. Er schaffte es nicht mehr, sich zu bewegen. Jedes Wort und jeder Atemzug wurden zu einer Qual für seinen erschöpften Körper.

"Vielleicht ist das der Punkt", wisperte Duncan heiser und drückte den sterbenden Körper fester an sich. "Vielleicht musst du dich erinnern, um zurück in deine Welt zu kommen. Und vielleicht kommt diese Erinnerung nur durch deinen Tod wieder zu dir zurück."

"Was nützen mir Erinnerungen, wenn ich tot bin?"

"Vielleicht stirbst du nur hier. Nicht in deiner Welt." Er schluckte schwer und vergrub sein Gesicht in Arturs kurzen, schwarzen Haaren. "Lass uns darauf hoffen, dass dein Tod in dieser Welt nicht endgültig ist, sondern nur dein Weg nach Hause." Duncan spürte noch den letzten Atemzug seines Freundes, bevor Arturs Herz stoppte und der Körper zur Ruhe kam. Jegliche Lebensgeister entwichen.

 

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Als Methos aufwachte, war alles um ihn herum nur durch einen dichten Nebel zu sehen. Er konnte auch Duncan nicht mehr spüren, der ihn in seinen Armen gehalten hatte. Sein Blut nicht mehr riechen, das aus seinem Körper entflohen war. Er spürte nur noch den weichen Untergrund, auf dem er lag. Die Wärme, die ihn umgab. Langsam und noch etwas benommen richtete er sich auf und tastete seinen Brustkorb ab. Da waren keine Wunden mehr. Mit einem Ruck zog er die Decke zur Seite, um festzustellen, dass sein Bein auch wieder in Ordnung war. Nirgends mehr diese Nylonfäden, die ihn fesselten und tief in sein wehrloses Fleisch schnitten. Langsam stand er auf und stütze sich an der Bettkante, als er sich vorsichtig aufrichtete und seine Umgebung begutachtete. Er befand sich in Duncans Wohnung, in Seacouver. Er dachte an seinen wirren Traum zurück und zwang seinen Geist dazu, sich noch weiter an das Vergangene zu erinnern, noch tiefer zu graben. Was war mit dieser Sekte? Warum war er nicht mehr dort? Und war das andere wirklich nur ein Traum gewesen? Hervorgerufen durch seine Phantasie? Es kam ihm alles so wirklich, so real vor. Konnte er diese Gefühle, die Liebe und den Schmerz wirklich nur geträumt haben?

Sein Blick wurde klarer, als er einige Schritte weiter in den Raum trat und kurz darauf den Buzz eines Unsterblichen spürte. Er drehte sich um und lauschte dem Aufzug, der nach oben fuhr, und konnte schließlich Duncan erkennen, der daraus trat.

"Methos!" Sofort hatte der Schotte sein Handtuch zur Seite geschmissen, und Methos konnte den frischen Schweiss riechen, der auf dem Körper des Highlanders klebte. Wie sehr er das vermisst hatte.

"Wie komm' ich hierher?" fragte er leise und fixierte Duncans braune Augen, die vor Freude aufblitzen.

"Die Polizei hat eine Razzia gemacht. In einem alten Bunker, zwanzig Meilen südlich von Las Vegas. Als Joe mich anrief und mir mitteilte, dass man einen gewissen Adam Pierson in Nevada tot aufgefunden hätte, wußte ich was zu tun war." Er kam näher und verschränkte die Arme vor der Brust. "Was haben die mit dir gemacht? Die Polizei erzählte was von einer Opferung. Du warst drei Tage bewußtlos!"

"Drei Tage?" hakte Methos nach. "Mir kam es vor wie eine Ewigkeit", setzte er hinzu und ließ seinen Blick über den glatten Boden gleiten.

"Alles in Ordnung?" fragte Duncan besorgt und nahm seine Arme wieder runter. Methos sah zu ihm auf und überlegte einen Moment, bevor er sich entschied, dass Fragen und Antworten noch Zeit hatten, und er auf Duncan zutrat, um ihn nach hinten zu schieben.

"Methos?" Duncan versuchte, stehen zu bleiben, doch Methos schob ihn mit einer ungeahnten Kraft weiter. "Was tust du? Du solltest dich schonen!"

"Das habe ich lange genug getan", wisperte Methos heiser, als er wartete, bis Duncan rückwärts auf das Bett gefallen war, und so hastig folgte, dass die Schrauben aus der Verankerung brachen und die Leisten samt Matratze zu Boden krachten.

 
Ende

 
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