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Der Kopf der Unsterblichen

© by Rieck, Kristina ()

 

Disclaimer: Methos, Joe und Duncan gehören Panzer/Davis und/oder Rhysher Entertainment. Diese Rechte sollen mit dieser Story nicht verletzt werden. Ich habe die Story zum reinen Vergnügen geschrieben, Geld verdiene ich damit nicht. (Schade!)
Dank: Mein Dank gilt meinem besten Freund Robert, der nie erwähnt werden wollte, es aber verdient hat, weil er ein tapferer Leser ist. Weiterhin danke ich meinem Mann für seine Ehrlichkeit. Ohne ihn hätte ich das Schreiben längst aufgegeben.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion

 
I.

 

Seit Jahrtausenden gieren Menschen nach Macht. Von dem Augenblick an, als ein Urzeitmensch einen Stein in die Hand nahm und einen Menschen damit erschlug, war eines klar: Macht bedeutet, die Entscheidung über Leben und Tod in der Hand zu halten. Auch wenn die Waffen mit den Jahrtausenden effektiver werden, bleibt das Ziel dasselbe: Macht! Je mehr Zerstörungsgewalt eine Waffe hat, desto mehr Macht repräsentiert sie. Das war immer so und wird immer so sein.

Aber selbst die raffiniertesten Waffen nutzen nur eine einzige Schwäche des Menschen: ihre Sterblichkeit. So gewaltig und ausgeklügelt die Tötungsmaschinen heute auch sind, sie funktionieren nur, weil Menschen Angst vor dem Tod haben. Könnte diese Furcht aufgehoben werden, hätten auch die besten Waffen keinen Einfluß mehr. Tötungsmaschinen wären bedeutungslos, Macht müßte neu definiert werden. Doch Menschen sind nun einmal nicht unsterblich... Sie würden alles dafür geben, diese Schwäche zu beseitigen!

 

* * * * *

 
II.

 

Die Unsterblichen hüteten ihr Geheimnis. Sie trugen ihre Kämpfe im Verborgenen aus und reisten von Land zu Land, damit niemand merkte, daß sie nicht alterten. Man könnte sagen, sie führten ein "ruhiges" Leben. So ruhig, wie es ihnen eben möglich war; bis die Beobachter auftauchten. Mit den Beobachtern kam die Gefahr. Plötzlich gab es Menschen, die ihre Macht kannten. Menschen, die ihnen die Unsterblichkeit neideten... und Menschen waren eine größere Gefahr als die Unsterblichen selbst, denn Menschen konnten sie nicht spüren.

 

Unter dem Namen Adam Pierson schleuste Methos sich bei den Beobachtern ein. Er wollte wissen, ob er es tatsächlich mit ernstzunehmenden Gegnern zu tun hatte. Doch er stellte fest, daß die Ziele dieser Menschen durchaus ehrbar waren: Sie wollten die Geschichten der Unsterblichen dokumentieren, aufzeichnen, wie sie lebten und mehr über sie erfahren, ohne sich jemals einzumischen. Seit ungefähr 800 Jahren führten sie diese Chroniken, die sich als äußerst nützlich für Methos erwiesen: Ohne sich in Gefahr zu begeben, wußte er über Aufenthaltsorte der anderen Unsterblichen bescheid. Methos lernte sein Doppelleben zu schätzen und die Arbeit der Beobachter zu achten.

Die meisten anderen Unsterblichen hielten die Beobachter trotz ihres Vorsatzes sich nicht einzumischen, für eine Gefahr. Kodex oder nicht, es blieben Sterbliche, deren Neid ebenso präsent war, wie bei allen anderen Menschen. Eines Tages, so glaubten viele, wären die Beobachter das Ende der Unsterblichen.

Methos glaubte nicht daran. Er war älter als die Beobachtergilde. In den 5000 Jahren, die er auf der Erde weilte, gab es immer Unsterbliche. Das würde sich nicht durch eine handvoll Menschen mit Tätowierungen an den Händen ändern.

 

* * * * *

 
III.

 

Methos hatte Katastrophen und Kriege gesehen, Revolutionen erlebt und die Abgründe seiner eigenen Psyche erfahren. Die bloße Lebenserfahrung machte ihn Glauben, nichts könne ihn mehr erschüttern. Doch das hier ließ Übelkeit in ihm aufsteigen. Es nahm ihm den Glauben an das Gute in den Menschen. Die Unsterblichen hatten mit ihren bösartigen Beschuldigungen den Beobachtern gegenüber recht behalten, und das traf ihn bis ins Mark. Dort vor ihm lag er, der Unsterbliche, gefangen in einer Zelle aus Plexiglas. Schläuche und Kabel ragten überall aus ihm heraus. Mannshohe Computer zeichneten seine Werte auf. Wie ein seltenes und gefährliches Versuchstier hatten sie ihn nackt und schutzlos auf ein Bett gefesselt. Resigniert hielt er die Augen geschlossen. Das Bild eines Besiegten. Das Laken des Bettes triefte von Blut. Auch auf dem gefliesten Boden waren teils frische teils angetrocknete Blutlachen zu sehen. Der Unsterbliche mußte mehr als einmal gestorben sein, das war offensichtlich. Jetzt wurde Methos klar, warum es so viele neue Ärzte in der Forschungsabteilung gab. Langsam trat er an die Plexiglasscheibe. Der Unsterbliche war für einen Moment in eine Welt abgetaucht, in der er keine Schmerzen fühlen konnte. Er schlief; aber er lebte. Das war alles, was zählte. Nur ungern weckte Methos ihn. "MacLeod", flüsterte er. Es klang fremd zwischen den summenden Maschinen, so menschlich. Methos hörte seine eigene Stimme wie aus weiter Ferne. Mit Bitterkeit mußte er daran denken, daß MacLeod seit Hortens Tod immer auf der Seite der Beobachter gestanden hatte. Offensichtlich wurde er zum wiederholten Mal Opfer seiner eigenen Gutmütigkeit. Betäubt von der Erkenntnis, daß er sich in geheimen Räumen im Hauptquartier der Beobachter befand, dachte Methos daran, daß er dies ohne Amanda nie entdeckt hätte...

 

Amanda wollte MacLeod besuchen, doch sie konnte ihn nirgends finden. Verzweifelt wandte sie sich an Methos und erzählte ihm ein Gerücht, das unter den Unsterblichen herumging. Demnach sollte es wieder einen sterblichen Wissenschaftler geben, der mit Unsterblichen Experimente machte. Methos hatte ihr mit einem schiefen Lächeln versichert, daß sie die einzige war, die mitMacLeod experimentierte; dennoch blieb ein ungutes Gefühl in der Magengegend zurück. Also begann er, in den Chroniken nach etwas brauchbarem zu suchen.

Dabei bemerkte er, daß viele Beobachter ihren Job nicht mehr allzu ernst nahmen. Viele Chroniken wiesen mehrere Wochen tiefe Löcher auf, weil die zuständigen Beobachter seit längerer Zeit nicht wußten, wo sich ihre Schützlinge aufhielten. Auch MacLeods Beauftragter interessierte sich mehr für das "neue Projekt". Über das Projekt selbst konnte Methos nichts in Erfahrung bringen, so sehr er sich auch bemühte. Alle schienen darüber bescheid zu wissen, nur er nicht. Es wurde ein Haufen neuer Leute eingestellt, hauptsächlich Ärzte. Doch um das eigentliche Beobachten kümmerten sich plötzlich nur noch wenige. Die meisten arbeiteten in der Forschung.

Methos ließ nicht locker. Er las die Aufträge und Ergebnisse jeder Abteilung, stöberte in noch so unscheinbaren Aktennotizen, untersuchte die Lebensläufe der neu eingestellten und kontrollierte fast jeden Arbeitsplatz; nichts!

Über McLeod war die ganze Zeit nichts in Erfahrung zu bringen. Sein Beobachter wußte schon seit ca. vier Wochen nicht mehr, wo er sich aufhielt. Er interessierte sich auch nicht dafür, denn er hatte "wichtigeres zu tun", mit "größeren Aufstiegschancen".

Amanda reiste voller Sorge ab und ließ Methos mit seiner Arbeit allein. Vielleicht war es ganz gut so, denn er arbeitete wesentlich konzentrierter, wenn er nicht noch Amanda trösten mußte. Er konnte seine ganze Energie dazu verwenden, den Beobachtern nachzustellen. Um jeden Preis wollte er das "geheime Projekt" aufdecken, aus Furcht, die Beobachter könnten sich doch noch gegen die Unterblichen wenden.

Als alles keine Ergebnisse brachte, beschattete Methos die "Neuen". Einer von ihnen führte ihn in einen verwinkelten Kellergang, den er noch nie zuvor betreten hatte. Bisher hatte er die verstaubten Räume für Lagerstätten gehalten. Erstaunt mußte er feststellen, daß hier überhaupt nichts gelagert wurde. Keine alten Schriftrollen, keine Computer, noch nicht einmal Nahrungsmittel.

Die folgenden zwei Wochen stieg Methos nun immer wieder hinunter, in der Hoffnung, Antworten zu finden. Doch er fand nichts. Obwohl er die beachtlich großen Kellerräume in mühevoller Kleinarbeit nahezu vollständig kartografierte, fand er nichts aufregendes. Er wollte schon aufgeben, als er auf eine kleine Unstimmigkeit in der selbst erstellten Karte stieß. Diese Unstimmigkeit war genau zehn Meter breit und fünfzehn Meter lang. Also suchte er noch einmal... und wurde endlich fündig.

Er entdeckte eine verschlossene Tür, die so geschickt in die Wand eingelassen war, daß sie nur ein Eingeweihter finden konnte - oder jemand, der danach suchte. Sollte es tatsächlich ein geheimes Projekt geben, dann hier!

Methos machte sich an der Tür zu schaffen. Da der Universal - Schlüssel der Beobachter nicht paßte, verschaffte er sich mit seinem privaten &qupt;Allzweckschlüssel" Eintritt.

Damit hatte er das "Forschungsprojekt" tatsächlich gefunden! Und Am Ende des Ganges, in einem doppelt gesicherten Raum und einem Plexiglasfenster an der Seite, fand er das "Forschungsobjekt": Duncan MacLeod.

Methos sah, daß er zu sich kam. Das Kardiogramm zeigte einen schnelleren Herzschlag und auch der Atem ging rascher. "Mac, ich bin es." Duncan öffnete die Augen und hob den Kopf ein wenig. "Ihr schon wieder", stellte er gleichgültig fest. Resigniert ließ er sich wieder in das kleine Kissen sinken. Jede Bewegung schien ihn ungeheure Kraft zu kosten. Methos zückte seinen Dietrich. "Ich hole dich da raus, Mac." Der Schotte reagierte nicht mehr.

Das Schloß an der Zellentür bereitete Methos wenig Schwierigkeiten. Mit leisem Klicken konnte er es öffnen. Doch wie sollte er Duncan unbemerkt von all den Geräten befreien?

Vorsichtig trat er an das Bett heran. Duncan hielt die Augen geschlossen. Er wirkte schwach und müde. Das Blut auf seinem Körper war noch nicht getrocknet.

Wahrscheinlich erholte er sich gerade von einem überstandenen Tod.

"Ich werde jetzt deine Handfesseln lösen und dich von den Geräten befreien, aber wir haben nicht viel Zeit. Fühlst du dich imstande aufzustehen und zu laufen?" Methos glaubte selbst nicht daran, wenn er ihn so ansah.

Plötzlich wandte der Gefesselte ihm das Gesicht zu und starrte ihn bösartig an. "Binde mich los. Damit ich dich töten kann!" Duncans Stimme war unerwartet scharf und bestimmt. Der haßerfüllte Glanz in seinen Augen ließ Methos zurückweichen.

"Mac, erkennst du mich nicht? Ich bin es: Methos!"

Duncan blinzelte. Der Haß war so schnell fort, wie er gekommen war. Nun war nur noch Unsicherheit in seinen Augen zu lesen. "Methos? Ich... ich dachte... aber..., du lebst?"

Verwirrt blickte er in das bekannte Gesicht. "Wie kann es sein, daß du hier bist?"

"Nennen wir es einfach weibliche Fürsorge, der ich nachgegangen bin." antwortete Methos Erleichtert. Ganz entfernt tönten Schritte auf dem Flur. Sie wurden rasch lauter. "Halt durch, Mac. Ich hol dich hier raus, versprochen!" Eilig verschwand er unter Duncans Bett. Kurz bevor es an der Tür rüttelte, zog er noch das Laken zurecht und hoffte, daß man ihn nicht bemerkte.

"Du Idiot! Schließ das nächste Mal gefälligst ab!" wetterte jemand

"Ich habe abgeschlossen", protestierte jemand anders. Methos war sich sicher, diese Stimme schon einmal gehört zu haben.

"Warum ist die Tür dann offen?" Schweigen.

"Ist ja auch egal. Er ist noch da, das ist wichtig. Laß' uns anfangen. Wir haben noch etwas vor."

Der Boden war feucht von Blut. Methos wurde übel. Er lag genau auf einem kleinen Abfluß. Der eiserne Blutgeruch stieg penetrant in seine Nase. Um den Brechreiz zu unterdrücken, atmete er so flach er konnte. Im richtigen Moment würde er eingreifen. Doch erst wollte er wissen, was die Beobachter vorhatten.

Duncan rüttelte an den Fesseln. Das ganze Bett klapperte. "Ihr Bastarde!"

Haß sprach aus jeder Silbe. Methos konnte sich gut vorstellen, was Mac empfand: Er war Menschen hilflos ausgeliefert, denen er im Kampf deutlich überlegen wäre. Dieses Gefühl war unerträglich für den ehemaligen schottischen Clanführer, der so viel auf Gerechtigkeit und Ehre gab. Etwas fiel mit lautem Scheppern vor Methos zu Boden. Ein Breitschwert! Eine Hand streckte sich danach aus. Deutlich erkannte er die Tätowierung der Beobachter. Nur wenige Zentimeter von ihm entfernt schloß sich die Hand um den Schwertgriff zur Faust. Es gab ein hartes Klirren, als das Schwert beim Aufheben über den Boden schabte. Methos spannte seinen Körper. Jetzt wagte er es nicht mehr, einzugreifen!

Die Beobachter wußten, wie die Unsterblichen zu töten waren. Bevor Methos den ersten überwältigt hatte, hätte der zweite Duncan schon den Kopf abgeschlagen. Während des folgenden Quickenings wäre es ihnen ein leichtes auch Methos zu enthaupten.

Die beiden Männer wurden still. Methos wagte es kaum zu atmen. Das einzig hörbare war Duncans Zischen: "Ihr elenden Verräter!" Die Kittel der Beobachter raschelten. Die kurze, angespannte Stille wurde durch Duncans Schrei zerfetzt. Es war ein Schrei aus Wut und Schmerz. Die Klinge des Breitschwertes fuhr unten aus dem Bett heraus und stoppte nur kurz über Methos. Ganz flach drückte er sich auf den Boden. Mit Entsetzen starrte er auf die Blutrinne der Klinge. Sie füllte sich schnell.

Duncans Schrei wurde leiser, bald war es nur noch ein Röcheln. Sein Atem ging bleiern. Der Schmerz ließ ihn immer wieder aufstöhnen. Es fehlte ihm die Kraft zum Schreien. Doch er starb nicht. Eine Gänsehaut jagte Methos über den Körper. Folterknechte! Sie töteten ihn nicht, sie schlachteten ihn! Wie ein Stück Vieh ließen sie ihn ausbluten. In diesem Moment bereute Methos seine Entscheidung das erste Mal.

Es war unglaublich, wie viel Blut aus einem Menschen herauskam und mit wie wenig er noch am Leben bleiben konnte. Warmes Blut floß wie Wasser an der Klinge herab und es wollte nicht aufhören. Duncan atmete noch sehr lange. Selten war es Methos so schwer gefallen, an einem Entschluß festzuhalten. Er wünschte sich, unter dem Bett hervorzutreten und zu morden. Er wollte seine Hände um einen Hals legen und Leben vernichten. Er wollte einen Krieg beginnen, zwischen Unsterblichen und Beobachtern. Er wollte töten und vernichten, bis niemand mehr übrig war, von denen, die um die Unsterblichkeit wußten.

Doch er tat nichts. Er blieb starr liegen und hörte sich an, wie Mac verblutete.

Die Männer sprachen nicht miteinander. Sie waren still, fast andächtig; als würden sie den Tod persönlich beobachten, wie er erbarmungslos schleichend näher kam, Schritt für Schritt, bis er dem Opfer mit seinem erdrückenden Gewicht den letzten Atemzug aus dem Körper presste.

Als es vorbei war, zogen sie das Schwert aus der Wunde. Mit lautem Scheppern landete es neben ihnen auf dem Boden. Zu weit weg für Methos!

Die Beobachter waren scheinbar zufrieden mit der Tat, die keine war. Schuldempfinden hatten sie nicht nötig. Der Ermordete war ja nicht wirklich tot!

Methos hörte ein ohrenbetäubendes Klicken.

"Welche Zeit schätzt du?"

"Die Verletzung ist schwer. Es wird dieses Mal eine Weile dauern."

Methos merkte erst jetzt, wie sehr er sich verkrampft hatte. Die Skrupellosigkeit dieser Männer brachte ihn dazu, seine Meinung über Sterbliche - insbesondere Beobachter - zu überdenken. Sie stießen Duncan das Schwert fast bis zum Heft in den Körper - um die Zeit zu stoppen, bis er wieder lebte! Wie abscheulich mochten ihre anderen Taten innerhalb der letzten Wochen gewesen sein?

Die Zeit verstrich. Methos fühlte, wie seine Hände einschliefen. Doch er wagte es nicht, sich zu rühren. Die Kleidung klebte erdrückend schwer auf seiner Haut, naß von Duncans Blut und er fühlte, wie es kalt wurde.

"Ich klammere jetzt die Wunde, damit sie offen bleibt. Mach den Weg für die Kamera frei. Es geht los."

"Diese Aufnahme wird besser als all die anderen vorher. Man kann sehen, wie das Herz anfängt in der offenen Wunde zu schlagen", kommentierte die bekannte Stimme.

Duncan atmete ruckartig ein. Er hustete schwach. Blut gurgelte in seiner Lunge. Noch einmal mußte er den Schmerz über sich ergehen lassen.

"Nimm die Klammern raus, die Wunde kann sich sonst nicht schießen."

Der andere rührte sich nicht.

Duncan keuchte angestrengt. Kurze, heftige Schreie unterbrachen sein unregelmäßiges Atmen. "Nimm endlich die Klammern raus, sonst stirbt er wieder!" Die Stimme wurde drängender.

"Einen Moment noch. Ich will wissen, wie lange dieser Zustand anhält!"

Erst, als Duncans Atmen wieder schwächer wurde, fielen klimpernd einige blutige Klammern auf den Boden. Kurz darauf wurde das Husten kräftiger. Einen Moment später verschwand auch das Gurgeln. "Habt ihr nicht langsam genug gesehen?" Duncan spie einmal blutig auf den Boden. Die Beobachter lachten amüsiert. "Anstatt stolz darauf zu sein, den Menschen helfen zu dürfen...", erwiderten sie mit bissigem Spott.

"Ihr werdet büßen!" Duncans Stimme klang dumpf und bitter. Auch Methos wünschte sich nichts sehnlicher, als die Schuldigen bezahlen zu lassen. An Duncans Seite würde er die Unsterblichen in einen Krieg gegen die Beobachter führen, Schrecken verbreiten und Blut vergießen. Ja!

"Und? Wie wollen Sie das anstellen? Lebend kommen Sie hier nicht raus, darauf können Sie sich verlassen." Der Beobachter hatte sich schon zum Gehen umgewandt. Die Tür schloß sich scheppernd hinter den Männern. Methos lauschte angestrengt auf den Gang. Die Schritte wurden immer leiser. Als er sich sicher fühlte, kroch er unter dem Bett hervor.

"Alles O.K. bei dir, Mac?"

"Verschwinde, du Feigling! Worauf hast du gewartet? Hat es dir auch solchen... Spaß gemacht?" dieser unbändige Haß in den Augen sprach Bände.

Methos hätte am liebsten die beiden Männer zurückgeholt und sie vor Duncans Augen zerfleischt, um ihm Loyalität zu beweisen und sich selbst abzureagieren.

Diesen Haß hatte er bisher nur einmal in Duncans Augen gesehen... und es damals fast mit seinem Leben bezahlt.

"Mac, jetzt hör zu: Ich werde die Fesseln lösen, die Schläuche abreißen und dann werden wir hier verschwinden; und das alles müssen wir geschafft haben, bevor die Jungs in ihrem Beobachtungsraum mit der Kamera sind. Meinst du, daß du es schaffst?"

Duncans Blick war haßerfüllt. "Du wirst schon sehen, was ich schaffe, wenn meine Hände frei sind." Seine Stimme klang boshaft und verachtend.

Die Zeit wurde knapp. Entweder er befreite ihn jetzt oder er mußte ihn hier lassen. Entschlossen riß Methos die Kabel und Schläuche aus Duncan heraus. Die Hand- und Fußfesseln schlug er mit seinem Schwert vom Bett ab. "Jetzt lauf. Schnell!"

Erschrocken blickte Duncan auf. "Methos..? Bist du es wirklich?" fragte er ungläubig. Der Haß war wieder diesem ungläubigen Erstaunen gewichen.

"Wenn du nicht sofort die Beine in die Hand nimmst, kannst du bleiben; ich trage dich nicht raus!" fuhr Methos ihn bestimmt an.

Benommen erhob Duncan sich, doch er konnte kaum sein Gleichgewicht halten.

Auf dem Weg nach draußen schleifte Methos ihn fast hinter sich her. Sie waren zu langsam. Er mußte etwas unternehmen...

Die Flucht gelang ihnen, doch Methos hatte die Befürchtung, daß es noch nicht vorbei war; etwas brodelte in Duncan. Dieser Wandel zwischen Haß und Unsicherheit war so ungewöhnlich für den Schotten; so untypisch, als wäre etwas in ihm, das - Methos erschrak bei dem Gedanken - ihn zerstörte...

 

* * * * *

 
IV.

 

Schweigend gingen James und Eddy den Gang zurück. Sie waren zufrieden mit sich. Heute war ihnen die mit Abstand beste Aufnahme gelungen, seit sie an diesem Projekt arbeiteten: Ein schlagendes Herz in einer klaffenden Wunde.

Damit gab es in der Forschungsabteilung wieder Material für mindestens eine Woche. Eine Woche, in der sie diesen Unsterblichen noch behalten konnten...

Beinahe fröhlich betraten sie den Video-Raum. Doch ein Blick auf den Monitor Der Überwachungskamera ließ sie stocken. Die beiden Männer trauten ihren Augen nicht. Die Kamera zeigte nur ein schwarzes Bild. Einen Augenblick lang standen sie fassungslos.

Doch nach vielen, schrecklich lähmenden Sekunden wurde ihnen klar, daß sie etwas unternehmen mußten. Eddy löste sich als erster aus seiner Starre und rannte los. "Kontrolliere das Video-Band!" rief er noch. Panisch rannte er den Flur entlang.

Als Eddy den Versuchsraum erreichte, packte ihn das kalte Entsetzen: Duncan MacLeod war verschwunden. Vor der Kamera hing das blutnasse Laken des Bettes und eine breite Blutspur führte auf den Gang hinaus. James stürzte aus dem Video-Raum. "Die Aufnahme ist noch da", brüllte er erleichtert den Gang hinunter. "Sie stoppt erst nach..." "Sei still", herrschte Eddy ihn an und deutete auf die breite Blutspur.

Wortlos folgten sie ihr. Sie hofften inständig, daß MacLeod in seinem Zustand noch nicht weit gekommen war. Er durfte ihnen nicht entwischen! Nicht lebend! Es wußte doch niemand - von ihrem Auftraggeber abgesehen -, daß diese Experimente hier und jetzt ausgeführt wurden! Sie fügten die Aufnahmen und Berichte nur den schon vorhandenen Chroniken hinzu und datierten sie auf mindestens 5 Jahre zurück. Dann übergaben sie diese Dinge der Forschung und behaupteten, sie eben erst in den Chroniken gefunden zu haben.

Die Spur führte wirr durch die Gänge. Offensichtlich hatte MacLeod seine Orientierung verloren. Vor einer Abstellkammer endete die Spur plötzlich. Das war ihre Chance! Die beiden waren sich sicher, ihr Versuchs"tier" endlich wiedergefunden zu haben. Erleichtert nickten sie sich zu. Doch sie fanden nicht, was sie erwarteten. In der Kammer lag nur ein bluttriefender Mantel und ein paar Schuhe. Man hatte sie an der Nase herumgeführt! Noch einmal suchten sie die Gänge ab. Auch den offiziellen Teil der Kellerräume. Sie fanden ihn nicht. Duncan MacLeod war entkommen! Jemand hatte ihn befreit, das lag auf der Hand.

Ein Freund? Ein Unsterblicher? Doch wie konnte ein Unsterblicher davon erfahren haben? Ein Mensch? Ein Beobachter? Es gab eine undichte Stelle!

Für Eddy und James bedeutete das über kurz oder lang den Tod. Fanden die Beobachter heraus, was hier geschehen war, mußten sie sich der Einmischung verantwortlich zeigen. Erholte McLeod sich, würde er sich rächen.

Aber vielleicht... vielleicht erholte MacLeod sich nicht. Vielleicht bemerkte niemand, daß etwas mit ihm nicht stimmte, bis ein anderer Unsterblicher ihn köpfte...

Und die undichte Stelle bei den Beobachtern? Eine zusätzliche Gefahr!

Besser, sie stocherten nicht weiter in dieser Angelegenheit herum. Sie mußten den Mantel verschwinden lassen und schnellstens die neuen "Einträge" in die Forschung bringen. Das verschaffte ihnen Zeit. Und dann? Dann mußten sie MacLeod ersetzen. Er war ohnehin zu jung! Je älter ein Unsterblicher war, desto besser war sein Gehirn an die Unsterblichkeit angepaßt. Also würden sie den Beobachter des ältesten, ihnen bekannten Unsterblichen in die Forschungsabteilung beordern. Dieser Unsterbliche sollte an MacLeods Stelle treten. Ihre Forschungen mußten Erfolg haben, jetzt noch nötiger als vorher, denn ihre einzige Überlebenschance war das Erreichen der Unsterblichkeit. Sie mußten handeln! Schnell!

 

* * * * *

 
V.

 

Duncan erwachte. Er fühlte sich schwach, müde und leer. Die Zunge lag trocken und pelzig im Mund. Mühsam setzte er sich auf. Es war dunkel. Die Umgebung konnte er nur schemenhaft wahrnehmen. Der Raum schien ihm unbekannt. War er noch im Labor? Nein, er konnte sich bewegen. Es hingen auch keine Schläuche mehr in seinem Körper und er war angezogen. Schleppend kehrte seine Erinnerung zurück. Sie war wie eine Leiter, der Sprossen fehlten. Viele Sprossen! Nur undeutlich erinnerte er sich an das Labor der Beobachter. Daran, wie sie ihn töteten. Er sah immer wieder das Zeichen an ihren Händen. Angeblich wollten sie die Unsterblichkeit erforschen, doch eigentlich folterten sie ihn. Wie lange er dort war, wie oft er starb, wußte er nicht mehr. In seiner Erinnerung gab es nur Schmerzen, die von kurzen Phasen des Todes unterbrochen waren. Kunstlicht gaukelte ihm die ganze Zeit über Tag vor. Ob er überhaupt geschlafen hatte, wußte er nicht. Die unglaubliche Müdigkeit ließ alles vor seinen Augen verschwimmen. Undeutlich erinnerte er sich an Schwerter, die bis zum Heft in seiner Brust steckten, an würgende, harte Stricke, die ihm das Atmen verwehrten, an das Gefühl, Wasser statt Luft in die Lungen zu saugen... an so viele Arten des qualvollen Todes und ebenso viele qualvolle Arten des Erwachens.

Doch nun war alles gut. Er hatte geschlafen, war in Sicherheit. Keine Schmerzen mehr - kein Tod.

Gerade wollte er sich beruhigt auf die andere Seite drehen, als ein anderer Gedanke ihn erschrocken auffahren ließ: Er hatte Methos im Labor gesehen. Sie hatten ihn auf ihre Seite gebracht, dessen war er sich plötzlich sicher. Denn selbst als Methos direkt vor ihm stand, hatte er ihn nicht spüren können...

Das war also der Plan der Beobachter! Sie wollten das Geheimnis der Unsterblichkeit lüften, um... alle Unsterblichen wieder sterblich zu machen? Solch ein idiotischer Plan konnte nur von Menschen gemacht sein! Wer war der Drahtzieher dieser absurden Aktion? Wer hatte ihn in das Labor gebracht? Duncan konnte sich nicht erinnern. Doch irgendjemand hatte ihn verraten; verraten und gefoltert.

Ein kratzendes Geräusch an der Tür riß ihn aus den Gedanken. Duncan wollte an sein Schwert. Er fand es nicht! Na schön, dann eben so. Mit einer handvoll Menschen kam er zurecht; auch unbewaffnet. Er mußte fliehen und herausfinden, wie viele der Unsterblichen jetzt wieder sterblich waren. Verräter!

 

* * * * *

 
VI.

 

Als Methos die Zimmertür öffnete, schlug ihm eine Faust mitten ins Gesicht.

Überrascht von dem Schmerz wich er zurück.

Duncan war wie von Sinnen vor Wut. Er versuchte, Methos mit Gewalthieben niederzustrecken. Doch so stark die Schläge waren, so vorhersagbar waren sie auch. Methos konnte ihnen relativ gut ausweichen. Mit routinierten Bewegungen brachte er Duncan zu Boden und unter seine Kontrolle. Schmerzhaft drückte er sein Knie in Duncans Hals und zog den quälenden Griff am Ellenbogen an.

"Du wirst dich hinsetzen und in Ruhe mit mir reden!" Methos stellte keine Frage. Er ließ Duncan überhaupt keine Wahl. Duncan nickte resigniert. Methos löste den Griff vorsichtig; jederzeit dazu bereit, wieder zuzupacken. Langsam nahm er sich einen Stuhl und setzte sich. Dabei ließ er den Schotten nicht aus den Augen.

Mühsam stand Duncan auf. Dabei hob er stöhnend die Hand zum Kopf, als hätte er Schmerzen. Mit torkelnden Bewegungen angelte er sich einen Stuhl und setzte sich Methos gegenüber. Der Haß in seinen Augen verschwand.

"Warum hast du mich angegriffen?" fragte Methos.

"Wer bist du?"

Methos runzelte die Stirn. "Erkennst du mich nicht? Ich bin Methos."

"Methos... nein, der bist du nicht mehr. Methos ist... verloren. Was spielst du für ein Spiel? Was hast du davon, sterblich zu sein? Bist du des Lebens so überdrüssig?"

Duncans Stimme klang müde und erstickt. Mit beiden Händen hielt er seinen Kopf. Er wirkte ziemlich durcheinander. Offensichtlich dachte er angestrengt über etwas nach.

"Ich? Des Lebens überdrüssig? Du weißt aber, wer ich bin, oder?" Methos wußte nicht recht, wie er mit Duncan umgehen sollte. Er hatte das Gefühl, einen Fremden vor sich zu haben.

"Wie haben sie das nur angestellt...?" Duncan überlegte angestrengt. Seine Stirn zog sich in Falten. Methos konnte förmlich sehen, wie mühsam es für Mac war, in seinen Erinnerungen nach etwas Brauchbarem zu suchen. Plötzlich richtete er sich auf und sah Methos mit entschlossenem Blick an. Es hatte den Anschein, als sei ihm etwas eingefallen. "Wo ist Joe Dawson?" fragte er düster.

"Das weiß ich nicht. Was willst du von ihm?" Natürlich wußte Methos, wo Joe sich aufhielt.

Aber in seinem momentanen Zustand stellte Duncan eine Gefahr dar, für jeden.

Die unkontrollierbare Wut machte ihn unberechenbar.

"Ich muß etwas verhindern", erwiderte Duncan knapp.

"Was?"

Duncans Blick war fest und stark. "Was meinst du wohl, wer verantwortlich ist für diese... Forschungen?"

Seine Worte hatten einen derart entschiedenen Nachdruck, daß Methos nicht wirklich an Joes Schuld zweifelte. Er schluckte trocken. Klang das wirklich so abwegig? Der Kopf der Beobachter als Befehlshaber für... Folter? Das würde erklären, warum Methos so lange nichts davon erfahren hatte. Joe war der einzige Beobachter, der um seine Doppelidentität bescheid wußte. "Joe? Warum? Ich dachte, er ist dein Freund!"

"Die Forschungen... Sie wollen..." Duncan verstummte, als er das Beobachterzeichen an Methos' Hand sah. Mit einer Drohgebärde stand er so heftig vom Stuhl auf, daß er hinter ihm umfiel. "Beobachter...", drohte er boshaft, "du weißt doch, wovon ich rede!"

"Mac, bleib ruhig, ich bin ein Freund!"

"Du hast das Zeichen an deiner Hand. Du bist nicht unsterblich! Du kannst kein Freund sein."

"Schön, ich bin ein Beobachter, aber... was?"

Duncan ging mit einer Härte auf ihn los, als hinge sein Leben davon ab.

Seine Angriffe bestanden aus einfachen, wuchtigen Attacken. Die Übersicht des kühnen Kämpfers, die er sonst an den Tag legte, war verschwunden. Verbissen schlug er auf Methos mit einer Kraft ein, die für Duncan ungewöhnlich war. Es machte ihn, trotz des stümperhaften Kampfstils, zu einer Gefahr.

Methos hatte viel Mühe mit ihm und mußte einige harte Treffer einstecken, bevor er ihn endlich bewußtlos schlagen konnte.

Erschöpft schleppte er Duncan in den Kellerraum und sperrte die Tür ab.

Duncans Worte hallten noch lange in seinem Kopf nach. "Du bist nicht unsterblich! Du kannst kein Freund sein."

Was hatten die Beobachter mit Duncan gemacht? Konnte Folter allein ihn sozerstören?

 

* * * * *

 
VII.

 

Methos mußte die Wahrheit ans Licht bringen.

Er besuchte Joe und erzählte ihm von dem geheimen Raum, in dem Mac festgehalten worden war. Beiläufig erwähnte er das viele Blut, das auf mehrere Tötungen hinwies. Daß Duncan Joe selbst für den Drahtzieher hielt und sich auf so merkwürdige Art verändert hatte, verschwieg Methos bewußt.

"Was sagst du zu der Geschichte, Joe?"

Joes Blick wanderte unruhig im Raum umher. "Und wo ist er jetzt?" Er fühlte sich offensichtlich nicht wohl unter Methos' Blick, wollte das Gespräch aber auch nicht beenden.

"Warum interessiert dich das?" gab Methos kühl zurück. Er fühlte, daß er Joe am Haken hatte.

Joe hob die Schultern. "Ich bin um ihn besorgt. Ist er in Sicherheit?"

"Was glaubst du denn? Meinst du, ich habe ihn in euren Fängen gelassen und warte nun seelenruhig ab, was ihr mit ihm vorhabt?" fuhr Methos ihn an.

Joe wich seinem Blick aus und sah zu Boden. Es dauerte eine Weile, bis er Antwortete "Meinst du, die Beobachter haben tatsächlich etwas schlechtes mit ihm vorgehabt? Wenn jemand eine Veränderung in ihm bemerkt hat, dann ist es doch ganz klar, daß man versucht, ihm zu helfen..."

"Von welcher Veränderung redest du, Joe?" fragte Methos bissig. Wütend starrte er ihm in die Augen.

Joe schwieg sehr lange.

"Wenn du Mac nicht helfen willst", ergriff Methos wieder das Wort, "dann laß es, aber wenn du vorhast, ihn ins Verderben rennen zu lassen, werde ich es zu verhindern wissen."

"Was soll das? Willst du mir ein schlechtes Gewissen einreden, weil die Beobachter eingegriffen haben? Damit haben wir dir und Mac schon oft geholfen, schon vergessen?" Joe wurde laut.

"Warum werde ich das Gefühl nicht los, daß ihr Schuld an seiner Veränderung seid?" Methos sah ihn finster an.

Joe überlegte nervös. Zusehends wurde er unruhiger. Immer wieder wanderte sein Blick im Raum umher und seine Hände spielten mit dem Stock. Am liebsten wäre er wohl aufgestanden und gegangen. Doch das tat er nicht. Er hatte noch etwas vor...

"Ich will mit Duncan reden", sagte er schließlich. Offenbar hatte er sich diese Worte gründlich überlegt.

Methos lachte leise. "Du willst mit ihm reden? Viel Spaß! Wie gut kannst du weglaufen ohne deine Beine? Mac ist stark! Er will dich umbringen, weil er die Beobachter für eine Gefahr hält! Ich kann es ihm nicht verdenken, nach dem, was er durchgemacht hat. Es wird dir schwer fallen, ihn dir vom Leib zu halten."

Drückende Stille lastete über den beiden.

Joe rutschte hin und her. "Gib mir eine Chance, Methos", sagte er schließlich, "um unserer Freundschaft willen. Laß mich beweisen, daß die Beobachter keine Schuld trifft."

 

* * * * *

 
VIII.

 

Methos zeigte Joe das Zimmer, in dem er Duncan eingesperrt hatte. Joe bestand darauf, allein mit Duncan zu reden. Methos zögerte. Er war sich sicher, daß Joe mehr wußte, als er zugab; doch war es wirklich schlechtes Wissen, das er verbarg? Außerdem war er Duncans Freund. Vielleicht konnte er tatsächlich diese Wut von ihm nehmen. Also ließ er Joe allein in den Keller. Methos wartete vor der Tür. Wenn etwas schief ging, würde er eingreifen.

Kaum hatte sich die Tür hinter Joe geschlossen, schmetterte ein Schuß durchs Haus. Methos verfluchte sich für seinen Glauben an gute Absichten. Mit angehaltenem Atem riß er die Tür auf. Einen Augenblick erstarrte er schaudernd von dem Szenario.

Joe stand nahe der Tür mit dem Rücken zu ihm. Vor ihm rauchte etwas. Mac stand mitten im Raum. Seine Augen starrten weit aufgerissen auf Joe. Beide Hände hielt er auf den Hals gepreßt. Helles Blut sickerte zwischen den Fingern hervor.

Duncan versuchte einzuatmen. Vor Anstrengung zitterte er deutlich. Ein feuchtes Gurgeln tönte stockend im Raum. Mac würde an seinem eigenen Blut ersticken. Ein langsamer, qualvoller Tod.

Entschlossen griff Methos nach Joes qualmender Waffe und drückte zweimal ab.

Wie ein nasser Sack brach Duncan zusammen. Er war sofort tot.

"Die Unsterblichkeit ist kein Spiel, Joe. Er hat genug gelitten. Es ist genauso abscheulich, ihn zu töten wie jeden anderen, auch wenn er nicht wirklich stirbt. Verlaß mein Haus!"

Methos blickte finster auf Joe hinunter. Langsam glaubte auch er daran, daß Joe zu einem Verräter geworden war. Aus welchen Gründen auch immer.

"Er griff mich an", verteidigte sich Joe schwach.

"Ich habe Augen im Kopf. Mac stand weit von dir entfernt. Wie hätte er dich angreifen sollen?" Joes Blick wanderte unruhig über den Boden. An Duncans totem Körper blieb er sekundenlang haften. Nervös befeuchtete er seine Lippen.

In Methos erwuchs ein unglaublicher Verdacht. "Du hast nicht zufällig ein Schwert bei dir, Joe? Wolltest du Mac etwa den Kopf abschlagen?"

"Methos, ich..."

Methos richtete die Waffe auf Joe. Drohend entsicherte er sie. "Hast du ein Schwert bei dir?"

Er sprach jede Silbe einzeln aus.

Joe sah einen Moment lang unglaublich traurig aus. Langsam schlug er den Mantel zurück.

Ein matter Schwertgriff schaute hervor. Es war Duncans Katana. "Das wolltest du ihm sicher nur zurückgeben, wie?" Methos griff nach dem Schwert. "Verlaß augenblicklich mein Haus! Du solltest dir eine gute Erklärung einfallen lassen, bis wir uns das nächste Mal begegnen."

"Du verstehst das nicht..."

"Allerdings nicht und ich verzichte im Moment auf Erklärungen. Verschwinde, bevor ich Lust bekomme, dich zu erschießen", rief Methos enttäuscht.

"Eine Frage noch, Methos: Dieses Gefühl, diesen Buzz, den ihr immer spürt, wenn ihr einem von euch begegnet... hast du das eben auch bei Mac gehabt?"

"Was soll diese Frage? Natürlich."

"Dann frag ihn, ob er es auch hatte." Mit diesen Worten verschwand Joe und ließ einen verwirrten Methos zurück.

 

* * * * *

 
IX.

 

Schwerhustend kam Duncan wieder zu sich. Hastig schnappte er nach Luft. Mit schmerzverzerrtem Gesicht griff er sich an den Hals. Dabei verteilte er das noch nicht ganz geronnene Blut auf seiner Kleidung. Er erholte sich schnell.

Als er sich ein wenig beruhigt hatte, sprach Methos ihn an.

Duncan zuckte zusammen und fuhr erschrocken herum.

Methos saß vor ihm, auf sein Ivanhoe gestützt. Das Katana lag zwischen den beiden.

"Soll das eine Herausforderung sein?"

Methos blieb gelassen. "Würdest du sie annehmen?"

"Warum sollte ich gegen einen Sterblichen mit einem Schwert kämpfen?"

"Aber... ich bin so wie du!"

Duncan ließ einen verächtlichen Laut hören. "Lügner. Du hast dich von ihnen verändern lassen. Ich spüre dich nicht mehr."

Das war es also. Joe hatte recht. Duncan spürte die Unsterblichen nicht mehr! Und was meinte er mit der Veränderung?

"Aber wenn du unbedingt sterben willst..." fuhr Duncan fort und griff nach seinem Schwert.

 

* * * * *

 
X.

 

Kurz vor Methos' Besuch...

Joe konnte das Bild des sterbenden Duncan nicht vergessen. Dieser Ausdruck in seinem Gesicht... Nicht ängstlich, nicht verwundert. Er hatte den Tod vor Augen und blickte dennoch wütend, ja, hassend auf seine Mörder. So konnte nur jemand aussehen, der keine Angst vor dem Tod haben brauchte. Joe beneidete ihn darum. Mac brauchte sich keine Sorgen um ein Breitschwert in seiner Brust machen und Joe konnte noch nicht einmal normal gehen. Hastig schob er das Gefühl der Ungerechtigkeit beiseite und blickte auf die nichtssagenden Seiten vollgeschriebenen Papiers. "Habt ihr auch etwas sinnvolles in den letzten drei Wochen herausgefunden?"

"Nun, wir vermuten, daß es die Zellen sind. Ist der Organismus gestorben, regenerieren sie, bis er wieder lebt. Außer dem Gehirn regeneriert alles vollständig und ohne Spuren zu hinterlassen." Eddys Stimme war angespannt; fast schrill.

Joe richtete sich auf. "Das ist, knapp gesagt genau das, was ihr hier auf 50 Seiten ausgetreten habt. Ich will Heilungsmöglichkeiten für Gehirn und Nerven sehen!"

"Die Chroniken sind diesbezüglich sehr lückenhaft..."

"Wenn man diese Dinge einfach so nachlesen könnte, warum hätte ich euch in die Forschung stecken sollen?" fuhr Joe den dünnen Arzt an.

Die beiden Männer warfen sich einen Blick zu. Ihnen war die Situation mehr als unangenehm. Offensichtlich wußte Dawson noch nichts. "Es ist schwer..." brachte Eddy hervor.

"Ich rate euch gut, macht weiter und macht es schnell. Ich will Ergebnisse haben!" Joe scheuchte die beiden jungen Ärzte mit einer wegwerfenden Handbewegung nach draußen. Hastig standen die beiden Männer auf und wandten sich zum Gehen. Doch vor der Tür hielt James inne. "Mr. Dawson? Vielleicht brauchen wir noch eine weitere Testperson..." Eddy zupfte ihn beschwörend am Ärmel. "Laß uns gehen", zischte er. Joe sah auf. "Selbst dieses eine Opfer war schon zu viel. Habt ihr mich verstanden? Macht eure Arbeit und macht sie schnell, ich will, daß er bald wieder der alte ist!"

Die beiden polterten hinaus. Dawson wußte also noch nichts...

 

* * * * *

 
XI.

 

Duncan hielt das Schwert in den Händen. Jetzt mußte Methos sich in acht nehmen. Duncan hatte den Willen zu töten in den Augen und sein Katana war die schnellere Waffe. "Du bist kein Unsterblicher mehr. Weißt du nicht, was das für uns alle bedeutet? Du hast unsere Art verraten", rief Duncan entschlossen.

"Weißt du noch, wie du in das Labor der Beobachter gekommen bist?" überging Methos die Anschuldigung.

"Nein!" Duncan hob das Schwert zum Gruß. "Aber es kann nur Dawson gewesen sein." Er stellte sich bereit.

"Weißt du, was sie im Labor mit dir gemacht haben?" bohrte Methos weiter.

Er richtete das Schwert auf Methos. "Sie töteten mich. Um zu forschen."

"Wer?"

"Ich kenne die Männer nicht, aber ich kenne Joe... und dich. Du warst auch dort." Er griff an.

Mehrere schnelle Attacken hintereinander. Aber zum Glück war er längst nicht so schnell wie sonst. Methos wich den Attacken aus und trat Duncan ins Knie. Mit einem überraschten Schrei auf den Lippen sank Duncan zusammen. Umständlich und hastig stand er auf. Schnell nahm er das Schwert zurück und lauerte.

"Was glaubst du, was ich dort gemacht habe?" Methos beobachtete ihn genau.

Er wollte jede Reaktion in Macs Gesicht sehen.

Duncan kramte in seinen Erinnerungen. Seine Stirn zog sich in Falten. "Du hast zugesehen, wie ich verblutet bin. Du warst dabei. Du stehst auf ihrer Seite!" In seinen Augen blitzte es.

Er hob das Schwert weit über den Kopf und holte zu einem Gewalthieb aus.

Methos konnte ihn nicht parieren. Das Schwert erwischte ihn im Bein. Die scharfe Klinge glitt durch seine Haut wie heißer Draht. Helles Blut sickerte in einem breiten Strom aus der tiefen Wunde.

"Ich schätze, damit haben wir Gleichstand", erklärte Duncan spöttisch.

Methos verbiß sich den Schmerz. Zeigte er Schwäche, konnte das seinen Tod bedeuten. Duncan war stark und unglaublich entschlossen ihn zu töten. Er würde Schwächen ausnutzen.

"Weißt du denn nicht mehr, wie du entkommen bist? Du hattest doch Hilfe."

Methos' Stimme klang beinahe bittend. Duncan blinzelte. "Ich kann mich an keine Flucht erinnern", er ließ das Schwert sinken. Der Haß glomm noch einmal kurz in seinen Augen auf und verschwand dann. "Methos! Was haben sie mit dir gemacht? Du bist sterblich!" Es klang fast bedauernd. Etwas passierte mit Duncan. Erst funkelte Unsicherheit, dann Schmerz in seinem Gesicht. Mit einer Hand griff er sich an den Kopf Torkelnd krümmte er sich zusammen. Nur mühsam konnte er sich noch auf den Füßen halten. Scheppernd fiel das Schwert zu Boden.

"Was haben sie mit dir gemacht?" gab Methos die Frage zurück. Spielte Duncan ihm nur etwas vor?

"Mein Kopf..." Er ließ einen unterdrückten Schrei hören.

"Was ist los?" Methos spürte, daß Duncans Schmerz echt war. Wie in Zeitlupe brach er vor ihm zusammen. Methos ließ das Schwert fallen und stürzte zu ihm. Bevor Mac auf dem Boden aufschlug, hatte er ihn mit festem Griff gepackt.

"Mein Kopf!" stöhnte Duncan. Dann wurde er bewußtlos.

Methos strich Duncan über die Haare. "Schon gut, mein Freund. Ich bin noch der alte, keine Sorge. Ich verrate dich nicht und ich töte dich nicht."

Methos stutzte. Er hatte etwas an Duncans Kopf gefühlt. Eine kahle Stelle zwischen den Haaren! Erschrocken blickte er darauf. Er ahnte, was es war. Sie hatten an seinem Gehirn "geforscht". Das war es! Sie hatten Duncans Gehirn auseinandergenommen, um in Erfahrung zu bringen, ob auch das heilte. Was immer sie dort angerichtet hatten, es schien nicht vollständig zu regenerieren. Vielleicht hatten sie einen Teil entfernt? Das könnte die Lösung für sein merkwürdiges Verhalten sein: Abgetrennte Körperteile wuchsen nicht einfach nach.

Das galt natürlich auch für das Gehirn!

Ratlos hielt Methos den bewußtlosen. Duncans Gerechtigkeitssinn, der Methos immer schon auf die Nerven ging, war zerstört, seine Kampffähigkeiten bis auf Rudimente verkümmert, dafür war er stark und voller Haß. Er sah in allen nur noch Betrüger und Verräter. Auch seine Fähigkeit, die anderen Unsterblichen zu spüren, hatte er verloren. Was war nur aus dem stolzen Krieger geworden? Ein hassender Mann, der töten wollte! Ein Teil von ihm war einfach ausgelöscht.

Wenn Duncan die Unsterblichen nicht mehr erkannte, war er ein leichtes Opfer für alle.

Methos mußte ihn töten, bevor das passierte. Er konnte nicht zulassen, daß ein Fremder Duncans Macht erhielt. Wenn er schon sterben mußte, dann sollte seine Energie wenigstens in Methos weiterexistieren. Ein schwacher Trost! Schwerfällig erhob sich Methos. Langsam griff er nach dem Ivanhoe. "Mac, es tut mir leid. Du warst einer meiner besten Freunde", er schluckte trocken, "deshalb bin ich dir das schuldig", flüsterte er mit erstickender Stimme. Ruckartig hob er das Schwert über seinen Kopf. Duncan lag regungslos. Er sah genauso aus wie immer. Ein Kämpfer und Ehrenmann, ein Freund und ein furchtbarer Moralapostel. Nie zuvor hatte Methos einen Mann kennengelernt, der sich mit dieser Leidenschaft für die Gerechtigkeit einsetzen konnte, wie Duncan MacLeod.

Und diesen Mann gab es jetzt nicht mehr. Die Beobachter hatten ihm das genommen, was ihn ausmachte: Seinen Geist. Duncan MacLeod war tot, gestorben durch die Hand der Beobachter, die sein Gehirn beschädigten. Methos ließ das Schwert sinken. Er brachte es nicht fertig.

 

* * * * *

 
XII.

 

Mit Vollgas raste Methos zum Hauptquartier der Beobachter. Er versteckte sich nicht. Mit den Waffen unter der Jacke marschierte er durch den Haupteingang. Die Arbeitenden starrten ihn an, doch Niemand hielt ihn auf. Das sollte man auch besser nicht versuchen: Methos hätte getötet!

Mit einer Glock 17 im Anschlag trat er jede Tür in dem Geheimgang ein, bis er den Videoraum gefunden hatte. Es saß nur ein einziger Mann darin. "Joe Dawson! Warum bin ich nicht überrascht?"

Joe zeigte sich unbeeindruckt von der Waffe. Er hatte damit schon längst gerechnet. "Und, hast du Mac gefragt?" fragte er ruhig.

"Allerdings, und ich habe eine Antwort erhalten. Du wußtest, daß sie seinen Geist zerstört haben! Du wußtest es von Anfang an."

Joe ließ den Kopf sinken. Er griff eine schmale Akte vom Schreibtisch und reichte sie Methos. Er nahm sie nicht. "Was ist das?" fragte er nur.

"Alle Organe von Unsterblichen regenerieren präzise, bis auf das Gehirn." erklärte Joe. "Es regeneriert nach Verletzungen anscheinend genauso unvollständig wie das der normalen Menschen und ganze Erinnerungen können gelöscht werden. Wir wollten herausfinden, was euch zu Unsterblichen macht, in der Hoffnung, mit dieser Erkenntnis die Medizin voranzutreiben."

"Das kannst du mir nicht erzählen, Joe. Es war nie dein Ziel, etwas großartiges in der Medizin zu erreichen. Was war dir so viel Wert, daß du MacLeod ausgeliefert hast?"

Joe reagierte nicht auf die letzte Frage. Unbeirrt berichtete er weiter. "Euer Gehirn unterscheidet sich nur durch eine zusätzliche aktive Stelle von unseren, wußtest du das? Vermutlich nicht. Wir fanden heraus, daß diese Stelle den Buzz auslöst."

Seine Stimme klang medizinisch nüchtern. "Und um diese Information zu erhalten, habt ihr Mac vernichtet?" Methos konnte es nicht fassen. Die Beobachter waren Verräter. Alle! Es waren Menschen...

"Das war nie geplant!"

"Wie war es dann geplant? Hätte es nicht MacLeod getroffen, wäre es ein anderer Unsterblicher gewesen. Es spielt doch keine Rolle, wen es getroffen hat. Das was ihr getan habt ist... ist unmenschlich! Es ist nicht zu verantworten!" Methos schwebte zwischen Wut und Verzweiflung. Joe blieb immer noch ruhig. "Ich wollte, daß die beiden Ärzte in den Chroniken forschen. Von einer tatsächlichen Versuchsreihe war nie die Rede. Aber wie du weißt, haben die Leute in der Forschung relativ freie Hand. Wenig Kontrollen und so." Er redete mit der Gleichgültigkeit eines Menschen, der alles verloren hatte.

"Du hast es nicht verhindert, als du es erfahren hast. Das macht dich genauso schuldig."

Methos Anklage klang erstickt. Er mußte töten, sonst hatte diese Geschichte nie ein Ende. Erst die Schuldigen und dann... das Opfer.

Joe schwieg. Methos erkannte seine Traurigkeit. Doch es änderte nichts mehr.

Auch Methos war schwermütig und mußte irgendwie damit zurechtkommen. "Warum, Joe? Sag mir noch, warum du das zugelassen hast, bevor du stirbst." Methos standen die Tränen in den Augen, als er die Waffe auf Joe richtete. Die Verantwortlichen mußten bezahlen, das war er Mac schuldig.

"Das weißt du doch längst, Methos. Ich habe gehofft, daß die Beobachter ebenso unsterblich werden könnten, wie ihr. Es hätte eine Welt werden können, in der niemand mehr sterben muß, verstehst du? Eine Welt, in der wir alle in Frieden miteinander leben könnten. Und vielleicht wäre das sogar meine Chance gewesen, wieder Beine zu haben, denn es sind die Zellen, die bei euch regenerieren..." Joe schüttelte den Kopf, als wollte er diesen Gedanken wieder vertreiben. Bevor er zu Methos aufblickte, atmete er tief ein. "Ich erfuhr erst davon, als sie das mit dem Gehirn in die Chroniken schrieben. Da war es schon zu spät für Mac. Aber ich zwang sie weiterzumachen, in der Hoffnung, eine Heilung für ihn zu finden. Du hast es verhindert, als du ihn befreit hast." Joe seufzte schwer. "Willst du mich dafür töten? Daß ich versucht habe, wiedergutzumachen, was andere angerichtet haben?"

Methos erinnerte sich an Joes Besuch bei Duncan. "Darum wolltest du ihn töten? Wiedergutmachung?" Sein ganzer Körper zitterte. Er wußte selbst nicht, ob vom Haß oder der maßlosen Enttäuschung. "Oder wolltest du nur verhindern, daß ich alles erfahre?" spekulierte er weiter.

Joe wand sich wie ein Aal. "Ich wußte, daß du dich einmischst, wenn du es erfährst. Das wollte ich unter keinen Umständen. Die beiden Ärzte wollten weitere Versuchspersonen; je älter, umso besser. Sie meinten, je älter ein Gehirn sei, desto mehr Informationen könnten sie daraus gewinnen. Das wollte ich um jeden Preis verhindern. Ich dachte, ein Opfer genügt, verstehst du das nicht?"

"Du bist nicht besser, als all die anderen Sterblichen!" Methos' Zeigefinger zuckte.

"Die Beobachter werden sich wehren", sagte Joe schnell. "Sie wissen, wie man euch töten kann und sie wissen auch, daß ihr sie nicht spüren könnt. Sie sind eine Gefahr für euch."

"Willst du mir damit drohen?"

"Nein, aber ein weiser Mann hat mir gesagt, daß geschehene Dinge nicht mehr zu ändern sind. Rache macht niemanden wieder lebendig." Brachte er die Worte von Duncan hastig heraus. "Wir haben längst eingesehen, daß es ein Fehler war. Es ist nicht wiedergutzumachen."

Eine lange Stille breitete sich zwischen den Männern aus. Einst nannte Methos ihn Freund, doch nun war er nichts mehr als ein Fremder.

Methos ließ die Waffe sinken. "Sag mir, was ich tun soll." flüsterte er mutlos. Er war bereit, sich an jeden Strohhalm zu klammern, nur damit das alles nicht umsonst war, damit er nicht seine letzten beiden Freunde an den Tod verlor.

"Bring ihn her zu mir, damit ich mit dir die Forschungen zu Ende führen kann!"

Fassungslos sah Methos auf. Einen Augenblick lang tat die Stille in seinen Ohren weh. "Das kannst du nicht von mir verlangen."

"Methos, es ist der einzige Weg, ihn nicht für immer zu verlieren."

 

* * * * *

 
XIII.

 

Methos tat sich schwer damit, in Duncans Auslieferung eine Chance zu sehen. Was, wenn die Forschungen keinen Erfolg hatten? Dann blieb das Ergebnis dasselbe, nur Duncan mußte mehr Schmerz ertragen. Doch hatte er eine Wahl? Methos' Innerstes weigerte sich fast körperlich gegen Duncans Enthauptung.

Mit gemischten Gefühlen schloß er den Kellerraum auf. "Mac?"

Duncan saß auf dem Bett und starrte leer ins Halbdunkel. Sein Schwert lag mitten im Zimmer. "Du hättest mich töten können; warum hast du es nicht getan?" fragte er ohne aufzusehen.

"Du bist ein Freund. Ich töte keine Freunde."

"Warum sperrst du mich dann ein?"

Methos wich seinem Blick aus. "Ich... habe die beiden Folterknechte gefunden. Willst... willst du... Rache üben? Ich führe dich hin."

"Kann ich dir vertrauen?"

In Methos Brust krampfte sich etwas zusammen. Die Waffe in seinem Schulterhohlster erschien plötzlich schwerer. "Ich sagte schon, ich bin ein Freund", sagte er bitter.

Duncan erhob sich schwerfällig vom Bett. Mit schmerzverzerrtem Gesicht griff er nach dem Katana. Methos glaubte, ein unterdrücktes Stöhnen zu hören. Duncan hob die Hand an die kahle Stelle und verharrte einen Augenblick. Erst dann folgte er Methos.

 

Die Fahrt verlief schweigend. Methos dachte über die Versuche nach. Was für eine Chance sollte Duncan noch haben? Die Beobachter hatten längst herausgefunden, daß das Gehirn nicht regenerierte; damit war Macs Schicksal besiegelt. Wie sollten sie Duncan seine Erinnerung wieder zurückgeben?

Methos stoppte den Wagen. "In diesem Gebäude dort ist die Forschungsabteilung der Beobachter. Hier habe ich sie eingesperrt."

Duncan sah auf. Sein Gesicht war von Erschöpfung gezeichnet, doch in seinen Augen glomm ein wütender Funke. "Warum hast du das getan?"

"Was getan?"

"Du sperrst zwei Menschen ein, damit ich sie töten kann?"

Methos verbarg seine Unruhe. "Sie haben den Tod verdient!"

"Warum hast du sie dann nicht selbst getötet?"

"Nun... Ehre, wem Ehre gebührt."

Methos erntete einen bohrenden Blick. Mit einem aufgesetzten ausdruckslosen Gesicht versuchte er es sekundenlang zu ertragen. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Allmählich fürchtete er, sein Plan würde nicht funktionieren.

Doch schließlich begann Duncan zu lächeln. Der Haß, der tief in seinem Innern flackerte, glühte aus seinen Augen. "Ich danke dir, mein Freund!"

 

* * * * *

 
XIV.

 

Wortlos ließ Duncan sich zum Videoraum führen. Methos blieb wie zufällig hinter ihm zurück. "Dort sind die Männer eingesperrt. Viel Spaß!" Methos bemühte sich um eine feste Stimme, wußte jedoch, daß es ihm mißlang.

Duncan ließ sein Schwert im Licht aufblitzen. "Das lasse ich mir nicht zweimal sagen."

Boshaft lachte er auf. Es klang fast wie das Bellen eines wütenden Hundes. Das zufriedene Lächeln fror in seinem Gesicht fest. Methos mahnte sich zur Vorsicht. Es war so einfach! Vielleicht ahnte Mac von der Falle?

Duncan schloß den Raum auf. Langsam drückte er die Klinke. Noch langsamer schob er die Tür in den Raum. Methos atmete durch und schloß die Augen. Seine Muskeln spannten sich. Jetzt war der richtige Zeitpunkt. Er mußte es tun! Ohne ein Geräusch zu verursachen, zog er die Waffe. Sein kurzes Zögern bemerkte nur er selbst. Mit einer kurzen Salve schoß er Duncan in den Rücken. Der Schotte schrie nicht einmal mehr. Leblos stürzte er in den Raum, dessen Tür er gerade geöffnet hatte. Das dumpfe Aufschlagen seines Körpers gab Methos das Gefühl, ein Henker zu sein. Sein Mund fühlte sich unglaublich trocken an. Aufdringlich bohrte sich ihm ein Satz in den Kopf, den er selbst vor kurzem noch gedacht hatte: Beobachter waren Verräter! Alle! Er bildete wohl auch nicht die rühmliche Ausnahme. Methos beobachtete stumpf, wie sich die Blutlache unter dem Toten ausbreitete. Macs Schwert rollte klimpernd von ihm weg. Er war nun keine Gefahr mehr. Methos hatte ihn ausgeliefert - Verraten!

Stockende Schritte hallten auf dem Gang. Methos brauchte nicht aufzusehen.

"Mach schnell, so lange er noch tot ist, Joe." Er hatte nicht das Gefühl, das Richtige getan zu haben.

 

* * * * *

 
XV.

 

Joe führte die Tests routiniert in dem Labor durch. Er nahm Blut ab, kontrollierte Gewebeproben unter dem Mikroskop und blätterte in Aufzeichnungen. Obwohl er schnell arbeitete, kam er zu keinem Ergebnis.

Duncan atmete wieder und öffnete die Augen. Nur kurz ruckte er an den Fesseln, dann hob er langsam den Kopf. Wortlos und bedrohlich sah er erst zu Methos, dann zu Joe.

"Verräter!"

Duncan flüsterte nur, doch er sprach so messerscharf, daß jede Silbe die Luft zerschnitt. Das Wort hallte lange im Raum nach und noch länger in Methos' Kopf. Methos konnte es nicht ertragen. Überall auf der Welt wollte er sein, nur nicht hier. Mit zusammengebissenen Zähnen blickte er zu Boden. Noch nie war es so schwer für ihn, eine Waffe durchzuladen. Er konnte nicht hinsehen, als er schoß.

Joe trat auf ihn zu. Es schien ihm ein selbstverständlicher Anblick, daß Duncan tot war. "Ich brauche eine Gewebeprobe aus dem Gehirn. Hilf mir, den Schädel aufzusägen."

Methos ließ die Waffe sinken. Seine Hand summte von dem Rückstoß und in seinem Kopf hämmerte noch immer dieses eine Wort: Verräter! "Willst du noch mehr von ihm zerstören? Wenn du ihm nicht helfen kannst, dann mach ihm ein Ende, aber nicht auf diese erbärmliche Weise."

"Ich habe eine Vermutung. Ich glaube schon, daß die Gehirnzellen regenerieren."

"Und weil du das glaubst, willst du ihm den Schädel aufsägen? Das kommt nicht in Frage. Du weißt doch, was die anderen herausgefunden haben: Das Gehirn regeneriert nicht. Das muß genügen. Laß dir was anderes einfallen."

Joe überlegte eine Weile. "Es muß eine Ursache haben. Wenn wir die gefunden haben, dann können wir ihm helfen." Er machte eine kurze Pause. "Schaffen wir ihn in den Röntgenraum."

 

* * * * *

 
XVI.

 

Duncan blieb lange genug ohne Bewußtsein. Sie konnten seinen Schädel aus allen Richtungen röntgen.

Methos handelte mechanisch nach Joes Anweisungen. Er fühlte sich taub. Es überzeugte ihn nicht, was er tat. Er quälte Duncan. Es war sinnlos! Hoffnung gab es nicht mehr. Es lief ohnehin auf das Unvermeidliche hinaus. Die ganze Zeit über versuchte er sich darauf vorzubereiten, daß er Mac den Kopf abschlagen mußte. Doch er sträubte sich immer mehr dagegen. Mac hatte den Tod nicht verdient; und noch weniger diese Quälereien.

Die Wunde in Duncans Brust begann sich zu schließen. Methos verband ihm die Augen mit einem Tuch. Noch einmal könnte er diesen Blick, diese Anklage, nicht ertragen. Fast ohne einen Schmerzenslaut kam Duncan zu sich. Er wollte wohl keine Schwäche mehr zeigen. Auch als er wach war, lag er still. Methos spürte diese stumme Anklage beinahe körperlich. Augenblicklich wurde ihm klar, daß er ihn niemals töten konnte.

Er würde ihn gehen lassen. Jetzt!

 

* * * * *

 
XVII.

 

Joe kam mit nachdenklichem Gesicht ins Labor zurück. Die Röntgenaufnahmen hielt er in der Hand.

Methos straffte seine Haltung. Es war vorbei!

"Methos, wir müssen..."

"Nein, das werden wir nicht!" unterbrach Methos ihn entschieden. "Wir werden Duncan gehen lassen. Ich will mit alledem nichts mehr zu tun haben. Ich verschwinde. Es soll da ein paar nette Klöster in Tibet geben." Damit wandte er sich zum Gehen.

"Warte", drängte Joe. "Sieh dir das doch erst einmal an."

Joe hielt ihm die Aufnahmen vor das Gesicht. Ohne es zu wollen, warf Methos inen Blick darauf. Sofort erkannte er, was Joe meinte. Es war nur auf einer einzigen Aufnahme zu erkennen. Methos krallte sich an das Bild wie an einen Rettungsanker. Als habe er einen kostbaren Schatz in den Händen, drehte er das Bild ins Licht. "Mac hatte die ganze Zeit über Kopfschmerzen. Das könnte die Erklärung sein! Schnell Joe, bereite eine Narkose vor."

Betreten blickte Joe auf den Boden. Methos' Gesicht verfinsterte sich. "Ihr habt keine? Das ist ein übler Scherz, habe ich recht?"

"Es war für unsere Zwecke nicht nötig..."

"Ihr Menschen seid die schlimmste Abart der Natur!" Mit einer wütenden Bewegung warf er die Aufnahmen Joe an die Brust. Ein fürchterlicher Gedanke schoß ihm durch den Kopf: Wenn keine Narkose vorgesehen war, dann hatten sie Duncan wahrscheinlich bei vollem Bewußtsein am Gehirn "operiert". Das Bild von Duncans blutendem, aufgeschnittenem Schädel und seinen weit aufgerissenen Augen brannte sich in sein Gedächtnis. Dazu hörte er tief in seinem Innern einen markerschütternden Schrei. Ein Schauer ließ ihn heftig zittern.

Methos richtete die Pistole auf Duncan. Duncan hob den Kopf, als er das Klicken hörte. Das Tuch verdeckte seine Augen, doch Methos fühlte, wie er ihn fixierte. "Solltest du mir je unter die Finger kommen, Beobachter, dann gnade dir Gott!"

Wie ein Donner hallte der Schuß im Raum wieder. "Er ist tot, Joe. Fangen wir an."

Joe sägte mit einer Knochensäge an Duncans Schädel. Methos fühlte heftigen Druck im Magen. Er hätte schwören können, Duncans Schrei in dem Kreischen der Maschine zu hören. Das Sägeblatt fraß sich schnell in den dicken Schädelknochen. Blut floß in Strömen aus dem Schnitt. Die dunklen Haare waren bald durchgeweicht und tropften. Als die Schädeldecke herunterklappte, hörte das elende Kreischen endlich auf. Doch die Übelkeit blieb. Methos trat an den geöffneten Schädel heran und versuchte, Duncan nichts ins Gesicht zu sehen. Doch sein Blick wanderte immer wieder auf die dunklen Tropfen, die ein groteskes Muster auf seine Stirn zeichneten. Angestrengt schob Methos den Gedanken beiseite, daß Duncan auch während der "Operation" aufwachen konnte.

Schluß jetzt! Er mußte sich zusammenreißen! Ein Freund brauchte ihn! Mühsam versuchte er, seinen wissenschaftlichen Geist zu wecken und betrachtete sich Duncans Gehirn genau. Drei etwa bleistiftdicke Metallbolzen schauten an verschiedenen Stellen daraus hervor. Das war der Schatten auf dem Röntgen-Bild! Kein Wunder, daß diese Stelle nicht regenerieren konnte.

Offenbar hatte sein Körper immer wieder versucht, die Stelle zu heilen, daher das Schwanken zwischen Unsicherheit und Wut. Methos' Haut zog sich vor Ekel so straff zusammen, daß er die Finger kaum bewegen konnte. Mit äußerster Konzentration gelang es ihm dennoch, die drei etwa 5cm langen Bolzen zu entfernen. Das war also das Werk der Ärzte! Sie wollten Ergebnisse vorweisen, um weiter "forschen" zu können. Die "Rätsel" produzierten sie selbst.

 

Als die Metallbolzen entfernt waren und die Schädeldecke von Duncan durch einen festen Verband am richtigen Platz gehalten wurde, begann die endlose Zeit des Wartens und Bangens. Methos hoffte. Sekunden schleppten sich wie zähflüssiges Gummi dahin. Nach langer Zeit sah Methos ein Zucken. Er sprang hastig auf. Hilflos mußte er mit ansehen, wie Duncan zu sich kam und gleich darauf wieder starb.

 

* * * * *

 
XVIII.

 

Duncan erwachte schwerfällig. Vor seinen Augen zuckten Blitze hin und her. Erinnerungen schossen wie Bilder vorbei. Sein Kopf schmerzte. Er fühlte sich schwer. Alles war mühsam, selbst das Atmen. Die pulsierenden Schmerzen, die im Kopf ihren Ursprung hatten, breiteten sich über seinen ganzen Körper aus. Er wagte keine noch so zaghafte Bewegung, aus Angst, sie könnte noch mehr Schmerzen auslösen. Angestrengt öffnete er die Augen. Er sah nichts, außer einem wabernden, roten Schleier. Von ganz entfernt drangen Stimmen an sein Ohr. Kannte er sie? Es war so furchtbar anstrengend, sich auf die Klänge der Stimmen zu konzentrieren. Dann hörte er etwas ganz klar. Es war Methos' Stimme: "Wir verlieren ihn, Joe!" Er begriff den Sinn der Worte nicht, doch er wußte, daß ihm nichts geschehen konnte, wenn Joe und Methos bei ihm waren. Seine Augen fielen zu und es wurde wieder schwarz.

 

* * * * *

 
XIX.

 

Die Zeit verstrich, ohne daß etwas geschah. Duncan lag seit Tagen bei Methos in der Wohnung an einem Tropf und wurde künstlich ernährt. Die Organe arbeiteten einwandfrei, doch seit diesem Tag war er nicht mehr zu sich gekommen.

Jetzt gab Methos die Hoffnung auf. Es war endgültig vorbei. Nichts konnte Duncan mehr zurückbringen. So lange hatte er es hinausgezögert, so lange hatte er sich an unbestimmte Hoffnung gekrallt. Warum hatte er nicht früher eingesehen, daß es vorbei war?

Es war sein Egoismus: Die ganze Zeit hoffte er, sich die Enthauptung sparen zu können. Tief im Innern ahnte er längst, daß der Posten verloren war, doch er wollte an ein Wunder glauben. Und nun hatte er alles noch schlimmer gemacht: Duncan mußte sogar in dem Glauben sterben, von seinen beiden besten Freunden verraten worden zu sein. Er mußte sich unendlich allein fühlen. Allein und betrogen. Methos griff sein Schwert mit beiden Händen. Er spürte Duncans Macht. Die von Kaspian, Kronos und Jakob und den vielen anderen, gegen die er gewonnen hatte. All das Böse und das Gute, vereint in einer einzigen Seele. Und Methos mußte dies alles nun in sich aufnehmen.

 

* * * * *

 
XX.

 

Duncan spürte Gefahr. Ein Unsterblicher war in der Nähe! Er hatte gelernt, auf dieses Gefühl zu reagieren. Selbst aus dem tiefsten Schlaf erwachte er davon. Dieses Mal war es mühsamer als sonst, aufzuwachen. Er schwamm durch einen See aus Erinnerungen und versuchte, nach oben zu gelangen. Seine Bewegungen gingen langsam, als würden sie gebremst und es war unendlich kräfteraubend. Bilder von Connor, Darius, Richie und vielen anderen tauchten unzusammenhängend vor ihm auf. Szenen aus den Kreuzungspunkten fremder Leben mit dem Seinen. Auch Methos war da. Er hielt ein grotesk riesiges Schwert in den Händen. Es war fast größer als Methos selbst. Warum hielt Methos ein Schwert? Er hatte doch gar keinen Gegner zum Kämpfen vor sich!

Schlagartig wurde Duncan klar, daß ihm das erhobene Schwert galt! Und es schien deshalb so grotesk riesig, weil es seinen Hals berührte.

Ruckartig versuchte er auszuweichen. Sein Körper reagierte schwerfällig. Als wären alle Bewegungen nur in zäher Zeitlupe möglich. Mit aller Gewalt zwang Duncan seinem Körper die jahrhundertelang antrainierte Bewegungsschule auf. er rollte sich auf die Seite. Dann stürzte er. Immer schneller wurde er Fall. Alles um ihn herum drehte sich. Ein stechender Schmerz in seinem Kopf brachte ihn zur Besinnung. Es war, als sei er aus einem langen, tiefen Schlaf erwacht, aber jeder Muskel in seinem Körper brannte vor Anstrengung. Duncan lag auf dem Boden. Neben ihm stand ein Klappbett. Schläuche hingen vor seinen Augen an einem Metallständer herab.

Er kannte den Raum. Ein Zimmer in Methos' Wohnung. Die Anwesenheit eines Unsterblichen bereitete ihm die Kopfschmerzen! Duncan tastete nach seinem Schwert. Seine Hand griff ins Leere. Ruckartig setzte er sich im Halbdunkel des Raumes auf.

Dabei spürte er, daß die Schläuche in seinem Handrücken mündeten. Ohne darüber nachzudenken, riß er sie ab. Suchend sah er sich um. Eine Bewegung in einer dunklen Ecke erregte seine Aufmerksamkeit. "Wer ist da?" fragte er, in der Hoffnung eine bekannte Stimme zu hören.

"Ich bin es: Methos."

Duncan atmete auf. "Einen Moment lang dachte ich, du wolltest meinen Kopf."

Er lachte leise und streckte ihm die Hände entgegen. "Komm, hilf mir auf."

Methos verbarg das Schwert tiefer unter seinem Mantel und griff Duncans Hand. Forschend beobachtete er MacLeod. War es am Ende doch überstanden?

Methos war anders als sonst; als verheimliche er etwas. Duncan fühlte die Spannung in der Luft wie kleine, elektrische Schläge. Irgendetwas stimmte nicht. "Was ist in den letzten Tagen passiert, Methos? Versuche erst gar nicht zu lügen, irgendwie erfahre ich die Wahrheit ja doch." Er bemühte sich, Humor in seine Stimme zu legen, doch es gelang ihm nicht.

Methos entspannte sich. Die Anspannung der letzten Tage fiel mit einem Schlag von ihm ab. Freude und Erleichterung brachen aus ihm heraus. Er fing an zu lachen wie ein kleines Kind.

"Du hast es vergessen?" fragte er ungläubig, "Du hast es tatsächlich vergessen?"

"Was vergessen?"

"Das ist...", sein Lachen schlug fast ohne vorherige Andeutung in ein erleichtertes Weinen um, "das ist Ironie!" schnappte er.

Duncan sah Methos genau an. In seinen Gesichtszügen konnte er ein Wirrwarr aus Gefühlen erkennen. Gleichzeitig erblickte er noch etwas anderes, das ihm zeigte, wie schrecklich die letzten Tage für Methos gewesen sein mußten. Etwas ungläubig nahm er seinen Kopf in die Hände. Ein Haar glänzte silbrig im Licht. Methos bekam mit 5000 Jahren sein erstes graues Haar...?

 
Ende

 
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