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Weihnachten wider Willen

© by Shannon ()

 

Disclaimer: Highlander gehört Panzer, Davis und Rhysher. Dies ist 'nur' Fanfiction.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.

 

Es wurde schon dunkel, als Duncan MacLeod am heiligen Abend die Tür zum Dojo öffnete. Er kam gerade von einem langen Spaziergang zurück. Draußen schneite es, und in Duncans schwarzem Haar glitzerten Schneeflocken. Duncan mochte die Adventszeit mit den hell erleuchteten Straßen und den fröhlichen Leuten, aber andererseits mußte er in dieser Zeit immer an die Menschen denken, die er verloren hatte. In Gedanken versunken fuhr er mit dem Fahrstuhl in seine über dem Dojo liegende Wohnung. Noch bevor er das Gitter hochschob, spürte er es, dieses Gefühl, das ihm ankündigte, daß ein anderer Unsterblicher in der Nähe war. Seine Hand glitt unter den Mantel zu seinem Schwert, das an seiner Seite hing. "Nana, warum denn gleich so aggressiv?" klang es aus Richtung der Couch.

"Natürlich", dachte Duncan und schob sein Schwert wieder in die Scheide, "wer auch sonst...". Laut sagte er: "Du schon wieder. Ich hätte es mir denken können."

"Hättest du, aber dafür müßtest du denken können", kam es von der Couch zurück.

Die Person, die Duncans Fähigkeit zu denken in Frage stellte, hatte kurze dunkle Haare und lümmelte sich auf Duncans Sofa, die Füße auf dem Couchtisch und eine Bierflasche in der Hand. Es war Methos, der älteste der Unsterblichen, in Beobachterkreisen auch bekannt als Adam Pierson. Auch ein strenger Blick von Duncan schaffte es nicht, Methos dazu zu bringen, die Füße vom Tisch zu nehmen. Resigniert gab Duncan auf, ließ sich in einen Sessel fallen und seufzte.

"Da nimmt man sich einmal die Zeit und Ruhe, einen Weihnachtsspaziergang durch den Schnee zu machen, und was findet man vor, wenn man wiederkommt....Du solltest das auch mal machen, würde dir bestimmt guttun. All die geschmückten Straßen..."

"Ach was, MacLeod", wehrte Methos ab. "Weihnachten ist doch auch wieder nur so eine Modeerscheinung. In tausend Jahren feiert bestimmt niemand mehr Weihnachten. Dann ist es sozusagen 'out'."

Von der Warte hatte Mac das noch gar nicht gesehen. Natürlich nicht, wie sollte er auch. Er war eben viel jünger als der Mann, der ihm gegenüber an seinem Bier nippte. Wie so oft schon fragte er sich, was Methos in den 5000 Jahren seines Lebens schon erlebt haben mochte. Sein Freund enthüllte nur selten etwas von seiner Vergangenheit, und er wäre wohl auch kaum so alt geworden, wenn er nicht solche und andere Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt hätte. Dennoch versetzte es Duncan manchmal einen Stich, wenn er sich fragte, warum ihm Methos so mißtraute. Bei solchen Gedanken rief er sich dann selbst zur Ordnung. Vermutlich hatte er die Vergangenheit hinter sich gelassen. Jemand, der so lange gelebt hatte, richtete seine Gedanken sicher auf die Gegenwart und die Zukunft, wie ein Schachspieler, der die gegenwärtige Stellung analysiert und die nächsten Züge des Gegners berechnet.

 

Duncans Gedanken wurden von einem Buzz unterbrochen, jenem Gefühl, das Unsterbliche vor einem Angriff eines der ihren bewahren sollte. Auch Methos saß kerzengerade auf dem Sofa - der Buzz hatte geschafft, was Duncan mißlungen war: Methos' Füße standen zum Aufspringen bereit auf dem Boden. Seine linke Hand tastete nach dem Schwert, das unter dem Mantel auf der Sofalehne lag.

Als er es gefaßt hatte, mußte er allerdings feststellen, daß er es nicht brauchen würde. Denn durch die Tür zum Treppenhaus trat Richie Ryan, der junge Unsterbliche, den Duncan unter seine Fittiche genommen hatte.

Im Moment sah man allerdings von Richie nicht viel mehr als die blonden Locken über den blauen Augen, da der Rest seines Oberkörpers von einer Unmenge von Kartons und Paketen verdeckt war, die er auf der Küchenzeile ablegte.

"Hallo, ihr beiden. Könnt ihr mir mal helfen? Da sind noch ein paar Kisten im Auto." Und schon war er im Fahrstuhl verschwunden, hatte das Gitter hinter sich heruntergezogen und fuhr ins Erdgeschoß. So blieb Duncan und Methos nichts anderes übrig, als die Treppe zu nehmen. Als sie vor dem Dojo ankamen, sahen sie Richie schon die nächsten Kisten ausladen.

"Ist dir eigentlich bewußt, daß das mein Auto ist? Bei den ganzen Kisten, die du da eingeladen hast, könnte es glatt einen Achsbruch geben." Besorgt musterte Duncan seinen schwarzen Thunderbird. Vielleicht sollte er den Schlüssel doch immer mitnehmen. Richie sah das offenbar anders:

"Ach komm schon, Mac. Es ist für einen guten Zweck."

"Soso, für einen guten Zweck also." Mac blieb mißtrauisch. "Für welchen denn, wenn man fragen darf?"

Aber da war Richie schon wieder auf dem Weg nach oben. Verwundert sahen Methos und Duncan sich an. Schließlich nahmen sie die restlichen Pakete und Tüten und trugen sie hoch. Oben angekommen mußte Duncan feststellen, daß Richie sich schon beinahe in der ganzen Wohnung ausgebreitet hatte.

"Richie, könntest du mir jetzt endlich sagen, was das soll?" fragte er leicht genervt.

Richie hatte gerade eine Rolle Geschenkpapier in der Hand und drehte diese nun verlegen hin und her.

"Hmm...du weißt doch, daß ich als Kind viele Jahre im Waisenhaus gelebt habe. Und neulich ist mir aufgefallen, wie anders Weihnachten ist, seit ich nicht mehr dort bin. Die Leute dort haben sich zwar alle Mühe gegeben, aber leider fehlte das Geld, um es wirklich weihnachtlich zu machen. Als Kind habe ich immer die reichgeschmückten Weihnachtsbäume in den Kaufhäusern und Bahnhofshallen bewundert, und jetzt dachte ich...naja, ich habe ein wenig von dem Geld, das ich mit den Motorradrennen verdient habe, zur Seite gelegt. Und einen Teil habe ich jetzt hierfür ausgegeben." Er machte eine Geste, die das ganze Chaos in der Wohnung umfaßte.

"Ich muß ja zugeben, daß das ganze sehr nobel von dir ist, Richie", entgegnete Duncan, "aber warum schleppst du das ganze Zeug in meine Wohnung?"

Richie grinste: "Weil du mir dann beim Einpacken helfen kannst", konterte er. "und weil ich dich fragen wollte, wo Methos steckt. Aber das hat sich jetzt ja erledigt."

Argwöhnisch mischte Methos sich ein: "Moment mal! Was habe ich mit dieser Sache zu tun?"

Richie strahlte: "Na, ganz einfach: du bist der perfekte Weihnachtsmann!"

"Das ist nicht dein Ernst!" Methos' weit aufgerissene Augen zeigten, daß er doch an Richies Ernsthaftigkeit glaubte. "Ich mache mich doch vor diesen Kindern nicht zum Narren! Nein, vergiß es. Ohne mich!"

"Bitte, Methos. Die Kinder würden sich so freuen." Richie wollte Methos nicht so einfach davonkommen lassen. Auch Duncan schlug sich auf Richies Seite: "Vielleicht bekommst du dann ein Gefühl für Weihnachten."

"Unsinn, MacLeod", schnappte Methos. "Ich hatte noch nie ein "Gefühl für Weihnachten", wie du das nennst, und ich lege auch keinen gesteigerten Wert darauf."

"Ach ja: kenn' ich nicht, mag ich nicht. Man kann sich das Leben auch bequem machen." Duncan übernahm es jetzt, den alten Mann zu bearbeiten. Methos verzog keine Miene. "Ja, kann man. In meinem Alter hat man sich das verdient."

"Aber was hast du zu verlieren?"

Schweigen antwortete Duncan auf diese Frage, während man Methos ansah, daß er fieberhaft überlegte. Augenscheinlich fiel ihm kein Grund ein, und Duncan ließ es auch gar nicht erst soweit kommen. "Na also, ich besorge dir ein Kostüm"; sagte er. Methos machte den Mund auf, um zu protestieren, stellte aber fest, daß Duncan schon gegangen war. So blieb es bei einem "Wozu braucht man da eigentlich noch Feinde...?", bevor er zu etwas Konstruktivem überging und Richie beim Einpacken der Geschenke half.

 

Einige Zeit später war alles vorbereitet, die Geschenke waren eingepackt und in den Wagen geladen, das Kostüm war angezogen und das "Hohoho!" war eingeübt. Nun befanden sich Duncan und Richie mit einem Methos, der immer noch nicht ganz wußte, wie ihm geschah, auf dem Weg zum Waisenhaus.

Es wurde zu einer gelungenen Überraschung, sowohl für die Kinder als auch für die Mitarbeiter im Heim. Und Methos mußte erstaunt feststellen, daß ihm seine Rolle durchaus gefiel. Besonders das Leuchten in den Augen der Kinder berührte ihn. Einige der jüngeren Kinder freuten sich so sehr, daß sie ihn umarmten.

Nach einer gelungenen Feier waren sie auf dem Weg zu Macs Wohnung. Irgendwann bemerkten Richie und Duncan ein Geräusch, das von der Rückbank zu kommen schien.

Sie sahen sich an und lächelten.

Der älteste Mann der Welt summte ein Weihnachtslied.

 
Ende

 
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