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Schwere Entscheidung

© by Svenja ()

 

Disclaimer: Weder 'Stargate' noch Jack und Daniel sind meine Erfindung. Ich spiele nur ein bisschen mit ihnen und kriege garantiert kein Geld dafür.
Notiz: Vielen Dank an meine lieben Betas, Astrid und Mareen. Die Fehler, die noch drin sind, sind alle meine... vor allem die mit dem ß!! *s* Ich hab' auch nicht alles gemacht, was die beiden mir gesagt haben... also wie gesagt, alles, was immer noch nicht stimmt, ist meine Schuld. Danke auch an Tina, die mich zu dieser Geschichte inspiriert und am Ende sogar den Titel gefunden hat!! *s*
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Stargate-Sektion.

 

"Wieso sieht der Mond im Fernsehen eigentlich immer so gross aus? Ich meine, da haben wir die afrikanische Savanne, und der Mond sieht doppelt so gross aus wie der Kilimandscharo." stellte Jack plötzlich fest und fing an, nachdenklich auf seinem Bleistift herumzukauen.

Sam sah ihn leicht entsetzt an. Sie hatte schon vor einer Weile gemerkt, dass der Colonel nicht ganz bei der Sache war, aber jetzt machte sie sich ernsthafte Sorgen um ihn. "Ist alles in Ordnung?" wollte sie wissen.

"Sicher, wieso nicht?" fragte Jack ohne ernsthaftes Interesse an ihrer Antwort. Er starrte weiter die Wand an und dachte nach. Ob sie im Raum war oder nicht, schien ihm relativ gleichgültig zu sein.

"Nun, du bist irgendwie merkwürdig, weisst du?" Sie bekam keine Antwort und beschloss, ihn eine Weile sich selbst zu überlassen und mit ihrer Arbeit fortzufahren. Das ging eine Weile gut, aber je öfter sie in seine Richtung sah und feststellte, dass er sich immer noch nicht wieder bewegt hatte, desto merkwürdiger fühlte sie sich.

 

Das ging soweit, dass sie nach einigen Minuten entnervt ihren Stift und zur Sicherheit ein paar Radiergummis nach ihm warf.

Als er ein wenig abwesend aufsah, fragte sie nicht mehr ganz freundlich: "Was ist mit dir los? Du machst mich ganz verrückt, wie du da sitzt! Und was sollte diese Sache mit dem Mond eben?"

"Ich habe nur laut gedacht." antwortete Jack ruhig.

Sam hatte nicht vor, es dabei bewenden zu lassen. "Warum denkst du über die Grösse des Mondes im Fernsehen nach, wo wir schon seit Stunden an diesem blöden Bericht sitzen?"

"Tu ich ja nicht." gab Jack zurück.

"Über den Bericht aber auch nicht." gab sie zu bedenken.

"Richtig." erwiderte Jack.

Sam war mit ihrer Geduld fast am Ende. "Noch so eine einsilbige Antwort, und ich werfe dich aus meinem Büro. Also, was ist mit dir?"

"Hmm... ich vermute, ich bin in einer Identitätskrise." vertraute er ihr an.

"Wirklich? Warum? Ist etwas passiert?" Carter war natürlich neugierig - sie war davon überzeugt, dass das eine wichtige Eigenschaft für einen Wissenschaftler war -, aber sie hielt sich zurück und wartete, bis Jack irgendwann antwortete: "Nun... da ist etwas passiert... letzte Nacht, auf diesem Planeten... P3X-wasauchimmer, ich hab' schon vergessen, wie das Ding hiess. Ist auch egal. Schliesslich liegt es nicht an dem Namen. Auf jeden Fall ist etwas passiert, was nicht hätte passieren dürfen. Es ist aber trotzdem passiert, und jetzt befinde ich mich bis über beide Ohren in einer Identitätskrise. War das eine erschöpfende Antwort?"

Sam blinzelte ein paar mal, bis sie die Informationen verarbeitet hatte, dann entgegnete sie: "Also... wenn du darüber reden möchtest..."

"Nein, danke. Ist so schon merkwürdig genug. Wenn ich jetzt noch anfange, mich irgendwo auszuheulen, ist es ganz und gar um mich geschehen. Abgesehen davon könnte ich es dir gar nicht sagen, nicht mal, wenn ich wollte. Militär-Regeln und alles."

"Was hast du denn bloss gemacht?" fragte sie besorgt.

"Ich hab'..." Er verstummte, schüttelte den Kopf und sagte: "Gar nichts. Ich spinne nur ein bisschen. Muss an den Medikamenten liegen, die ich nehme."

"Medikamente?"

Ihr völlig schockierter Gesichtsausdruck brachte ihn zum Lachen. "Das war ein Scherz, Carter. Okay? Können wir weitermachen?"

"Ja... natürlich."

 

Etwas später wurde Carters Anwesenheit in einem der Labors verlangt, und Jack nutzte die Unterbrechung, um einen Abstecher in Daniels Büro zu machen. Die Tür stand offen, und Jack klopfte an den Türrahmen, bevor er fragte: "Bist du sehr beschäftigt, oder können wir reden?"

"Nie zu beschäftigt, um mich zu unterhalten." antwortete Daniel mit einem Lächeln. "Komm rein."

Jack trat ein und schloss die Tür hinter sich. So gut es ging, liess er sich auf einer freien Ecke von Daniels Schreibtisch nieder, weil alle Stühle mit Büchern und allem möglichen Kram besetzt waren.

Weil Jack nichts sagte, begann Daniel nach einer Weile: "Du hast kein Wort mit mir geredet seit heute morgen. Jetzt sagst du, du willst reden, tust es aber nicht... was ist los mit dir?"

"Ich... es ist wegen letzter Nacht. Das... Daniel, sowas darf nie wieder passieren."

"Wieso? Ich dachte..." fing Daniel an, wurde aber gleich unterbrochen.

"Dann hast du falsch gedacht. Egal, was du gedacht hast, okay? Weisst du eigentlich, was passiert wäre, wenn jemand uns erwischt hätte?"

"Ich weiss, dass das Militär strenge Regeln hat, Jack. Man hat mich nicht erst gestern aus dem Wald gelockt, weisst du? Aber es war niemand dort, der uns in Schwierigkeiten bringen würde. Was ist nur dein Problem?"

"Kein Problem. Es ist passiert, gut. Es wird nie wieder passieren, auch gut. Absolut kein Problem." stellte Jack fest und verschränkte die Arme vor der Brust.

"Oh, richtig. Ich hab' dazu wohl gar nichts zu sagen, hm?" wollte Daniel wissen.

"Nein, hast du nicht. Weil ich es nicht will. Überhaupt nie wollte. Da war was im Wasser oder so..."

Daniel unterbrach ihn: "Und weil da was im Wasser war, bist du jetzt hier und versuchst, uns beide zu überzeugen, dass wir das nicht wollten und nie wollen werden? Deine Beweisführung ist recht dünn, findest du nicht? Ich hatte gestern kein bisschen das Gefühl, dass du's nicht wolltest. Und dass *ich* es wollte, weiss ich ganz sicher. Übrigens bist du zu mir gekommen, wenn ich mich recht erinnere."

"Das spielt keine Rolle. Ich hab' keine Ahnung, warum das passiert ist, aber es wird nicht wieder passieren. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen."

"Das sehe ich anders." warf Daniel ein. "Wenn nicht gegenseitige Anziehung der Grund war, nenn' mir einen anderen. Für die Suche nach einem Bettwärmer war es nicht kalt genug. Die Aphrodisiaka im Wasser haben wir auch schon ausgeschlossen. Oh, was ist mit Hypnose? Der Haken ist nur, dass da niemand war ausser unserem Team..."

"Hör schon auf damit! Ich sage doch, ich habe keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte. Ich weiss nur, dass ich nichts von dir will. Wenn du was von mir willst, musst du sehen, wie du damit fertig wirst."

"Wow." machte Daniel, der jetzt langsam die Geduld verlor und ebenfalls die Arme vor der Brust kreuzte. "Wer hätte gedacht, dass du einer von denen bist, die im Bett leere Versprechungen machen?"

"Hör mal..."

"Nein, jetzt hörst du mir zu! Das gestern... das war nicht nur so eine Dummheit. Wir sind beide keine Teenager in der Probierphase mehr, und wir sind auch keine Matrosen, die zwei Jahre am Stück kein Land sehen und deswegen anfangen, die Hängematte zu teilen! Nichts und niemand hat uns dazu gezwungen. Wir wollten es beide, Jack. Was zwischen uns passiert ist, hatte Bedeutung über den Schlafsackrand hinaus, weisst du? Wenn du es dabei belassen willst, muss es wohl so sein... aber du solltest damit zurechtkommen, weil es unbestreitbar eine bewusste Entscheidung war, die wir beide getroffen haben. Ich werde es nicht wiederholen, weil ich weiss, dass du es nicht hören willst, aber ich habe dir gesagt, was ich für dich empfinde. Deswegen... ich... mach nicht weniger daraus, als es war. Zwischen uns ist etwas gewesen letzte Nacht. Mehr als Sex. Du... erwiderst meine Gefühle nicht... das ist in Ordnung, nur..."

"Vielleicht ist es genau das..." sagte Jack leise... gedankenverloren.

"Vielleicht stimmt das gar nicht. Vielleicht..." Er verstummte.

Daniel wartete eine Weile, aber Jack blieb stumm, also fuhr er selbst fort: "Ich weiss... diese Sache macht dir Angst. Mir auch. Eine Menge. Man denkt jahrelang, man weiss, wie der Hase läuft, und in einer einzigen Nacht wird alles anders. Aber weisst du... es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass sich die sexuelle Orientierung im Laufe des Lebens..."

Daniel stellte fest, dass dieser Satz aus einem ihm unbekannten Grund sehr unglücklich gewählt war. Mit einem Satz war Jack bei ihm, drückte ihn mit der flachen Hand fest in seinen Stuhl zurück. Leise und drohend sagte er: "Nichts... rein gar nichts... hat sich an meiner sexuellen Orientierung geändert. Mag wohl sein, dass du dir das wünschst... aber so ist es nicht."

Daniel schubste ihn weg und sprang auf. "Hör endlich auf, diesen Mist zu erzählen, Jack! Mein Gott, du bist ja nicht mal zu dir selbst ehrlich! Letzte Nacht hat sich das mehr angehört wie..."

"Treib es nicht zu weit, Jackson. Ich warne dich. Keine Ahnung, was du letzte Nacht mit mir angestellt hast, damit ich das mit dir veranstalte. Will ich auch nicht wissen. Aber ich rate dir: lass in Zukunft die Finger von mir, oder du lernst mich kennen!" Damit stürmte Jack aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.

Daniel setzte sich wieder hin, kreuzte die Arme auf dem Tisch und legte den Kopf darauf. Das war es nicht wert gewesen, stellte er fest. Jack nach all der Zeit endlich zu spüren, war wunderbar gewesen, aber das Opfer ihrer Freundschaft war diese eine kurze Nacht nicht wert. Das dumme war nur, dass es jetzt viel zu spät war, um etwas zu ändern.

 

Daniel hielt es nicht lange in seinem Büro aus. Nach etwa einer halben Stunde, in der er vergeblich versucht hatte zu arbeiten, zog er sich um und verliess die Basis. Vor seinem Haus angekommen stellte er fest, dass er nicht hineingehen wollte. In der Wohnung zu sitzen, würde nicht viel anders sein, als im Büro zu sitzen, also liess er sein Auto stehen und wanderte ziellos durch die Strassen.

Er wusste nicht, wie lange er unterwegs gewesen war, aber das spielte auch keine grosse Rolle. Am Ende landete er im Park. Dorthin ging er immer irgendwann, wenn ihn etwas sehr beschäftigte. Es gab dort einen kleinen See, und Daniel setzte sich auf eine Wiese am Ufer und sah über das Wasser, weil er hier am besten nachdenken konnte.

Nur, dass diesmal alles nachdenken nicht helfen würde. Mal wieder alles vermasselt.

Hervorragend, Jackson.

Wenn er nur ein bisschen, ein kleines bisschen nachgedacht hätte, wäre er sicher in der Lage gewesen, wenigstens ihre Freundschaft zu retten.

Aber nein, er musste auf seinem Standpunkt beharren.

Musste versuchen, Jack davon zu überzeugen, dass sie für mehr bestimmt waren.

Wenn er Jack Zeit gelassen hätte, sich allein damit auseinanderzusetzen...

Aber all das führte zu nichts, weil die Dinge nun mal so passiert waren, wie sie passiert waren.

Daniel sass lange am See, versuchte, nicht an Jack zu denken, tat es natürlich doch.

 

Als es begann, dunkel zu werden, und Daniel gerade darüber nachdachte, ob es nicht langsam Zeit wurde, nach Hause zu gehen, sagte hinter ihm plötzlich jemand: "Manchmal bist du wirklich schwer zu finden, weisst du?"

Daniel wollte eigentlich nicht, antwortete aber trotzdem: "Das liegt möglicherweise daran, dass ich nicht gefunden werden wollte, Jack."

"Kann ich mich zu dir setzen?"

"Ist nicht meine Wiese." gab Daniel zurück.

Jack setzte sich neben ihn und schwieg ein Weile, bevor er sagte: "Es tut mir leid. Was ich gesagt hab'... ich war wirklich ein Arsch."

Daniel stimmte zu: "Warst du. Mann... hätte es nicht gereicht, nein zu sagen? Ich kam mir vor wie der Schwarze Ritter, der die Ehre des Burgfräuleins geraubt hat."

Jack musste lachen, aber Daniel blieb ernst und fuhr fort: "Ich hab' den halben Tag hier gesessen und mich gefragt, ob das stimmt. Nein, nicht das mit dem Burgfräulein..." ergänzte Daniel mit einem kurzen Grinsen, bevor Jack etwas sagen konnte, "Ich meinte... hab' ich dich wirklich zu irgendwas gebracht, was du nicht wolltest?"

"Nein." antwortete Jack leise. "Nein, das hast du nicht. Ich wüsste auch gar nicht, wie du das hättest machen sollen. Schliesslich..."

Er verstummte und sprach erst nach längerer Zeit weiter: "Ich bin zu dir gekommen. Weil ich das wollte. Besser gesagt..." Wieder eine Pause, diesmal nicht ganz solange. "Besser gesagt... weil ich dich wollte."

 

"Was wird jetzt?" fragte Daniel nach einiger Zeit.

Jack dachte darüber nach und antwortete: "Ich weiss nicht. Wirklich. Vielleicht..." Jack brach ab und zuckte die Schultern. "Keine Ahnung, Daniel."

"Hm... wirklich nicht?"

"Nein. Es... einfach zu viele Möglichkeiten."

"Ist das ein Fall von 'Schatz, ich hab' nichts anzuziehen'?" wollte Daniel wissen.

Jack schüttelte grinsend den Kopf. "Du kannst wirklich toll mit Worten umgehen, Danny. Grosse Klasse, im Ernst."

"Das nennt man 'bildliche Darstellung', Jack. Ich benutze sowas, damit auch jemand wie du versteht, was ich meine. Entschuldigung, das hätte ich nicht sagen sollen."

"Seit wann entschuldigst du dich für sowas? Du redest seit Jahren so mit mir."

"Ich weiss auch nicht. Ich will nichts falsch machen. Weil ich nicht wieder angebrüllt werden will, schätze ich. Ich hab' dich noch nie so wütend gesehen. Das war echt zum Fürchten." gab Daniel zu.

"Bist du mir noch böse deswegen?" fragte Jack.

"Ich bin noch erschrocken deswegen. Dass dir das, was passiert ist, am nächsten Morgen nicht mehr unbedingt wie eine gute Idee vorkommen könnte, hatte ich in Erwägung gezogen... ich hätte aber nie gedacht, dass du so reagieren würdest."

"Was hast du gedacht, was danach werden würde?" wollte Jack wissen und legte sich ins Gras.

"Ich hab' nicht ernsthaft darüber nachgedacht. Ich dachte... ich weiss nicht, ich dachte, wir würden beide unsere Identitätskrise hinter uns bringen, nach einer gewissen Zeit feststellen, dass es egal ist, wen man liebt, solange man es überhaupt tut und..."

Daniel brach ab, und Jack fuhr an seiner Stelle fort: "Zusammenziehen und was kleines adoptieren?"

"Nein, ich würde keine Kinder wollen. Ich mag Kinder... solange ich sie irgendwann dem rechtmässigen Besitzer zurückgeben kann. Was das zusammenziehen betrifft, das wäre natürlich nicht offiziell gewesen. Ich weiss, was auf dem Spiel steht."

Es dauerte lange, bis Jack sagte: "Ich... es tut mir leid, Daniel... aber ich glaube nicht, dass ich das kann."

"Das weiss ich jetzt auch. Hätte ich vielleicht schon früher, wenn ich ernsthaft darüber nachgedacht hätte. Und es muss dir auch nicht leid tun... es ist deine Entscheidung." stellte Daniel fest.

"Das... versteh mich nicht falsch... das heisst nicht, dass ich nicht will. Im Grunde hast du recht... die Verpackung bedeutet nicht mehr viel, wenn man verliebt ist... das ist inzwischen sogar mir klar geworden. Ausser uns beiden haben das aber leider noch nicht allzuviele Leute rausgefunden, weisst du? Wenn... wenn wir uns wirklich entschliessen würden, es miteinander zu versuchen, und jemand fände das heraus... du würdest rausgeworfen, ich käme vors Kriegsgericht. Der Versuch wäre dieses Risiko wert... wenn es nicht so wichtig wäre, mit dem Stargate weiterzumachen. Da draussen sind jetzt Leute, die sich auf uns verlassen... ganz abgesehen davon haben wir Skaara und Sha're immer noch nicht gefunden. Und wenn wir schon dabei sind... ich bin nicht sicher, ob deine Frau besonders begeistert wäre, wenn wir sie irgendwann befreien und du ihr sagst, dass wir beide sehr glücklich miteinander sind." gab Jack zu bedenken.

"Nein, das wäre sie wohl nicht." stimmte Daniel zu. Er schwieg eine Weile, bevor er hinzufügte: "Ich weiss, dass du recht hast... es ist nur, dass ich nicht will, dass du recht hast, verstehst du?"

"Ich auch nicht. Wirklich. Ich... hatte auch insgeheim gehofft, dass meine Logik Lücken hätte, die du jetzt aufdecken könntest." entgegnete Jack.

"Wenn ich so überlege... was du gerade gesagt hast, ist ein mächtiger Sprung von deiner... 'Argumentation'... von heute mittag." fiel Daniel auf.

Grinsend antwortete Jack: "Was soll ich sagen? Hysterische Burgfräulein haben eben radikale Stimmungsumschwünge von Zeit zu Zeit."

Daniel musste lachen und drehte sich zu Jack um. Zum ersten Mal seit Beginn dieses Gesprächs sahen die beiden sich direkt an... und taten dann minutenlang nichts anderes.

 

Jack dachte wieder an all die Möglichkeiten, die ihnen offenstanden... überlegte, wie es wäre, das Stargate einfach sich selbst zu überlassen und mit Daniel irgendwie, irgendwo neu anzufangen. Natürlich wusste er, dass das unsinnig war und niemals gutgehen konnte. Aber für einen Augenblick... nur für diesen einen zeitlosen Augenblick schien alles möglich.

Weil es Liebe war, das wusste er jetzt, und es würde Liebe bleiben, egal, wie sehr er sich dagegen sträuben mochte.

Und wenn er es genau betrachtete, war es schön zu wissen, dass er sich noch verlieben konnte.

Jack seufzte, rollte sich auf den Bauch, nahm Daniels Hand und sagte leise: "Ich liebe dich, Danny. Wir sind nur zur völlig falschen Zeit am völlig falschen Ort..."

"Wie meistens." seufzte Daniel und bekam dafür ein halbes Lächeln von Jack. "Ich liebe dich auch, weisst du? Aber manchmal ist das eben nicht genug."

"Damit hat das nichts zu tun. Der richtige Satz wäre gewesen: Manchmal sind die Dinge so, wie sie eben sind. Es gibt Menschen, die uns brauchen. Also treten wir zurück und tun was wir müssen, um für sie da sein zu können. Unsere eigenen Bedürfnisse spielen keine Rolle. Und das ist auch wie meistens." Jack liess Daniels Hand los, setzte sich auf und sah über den See.

Daniel rückte näher an ihn heran, nah genug, dass ihre Arme und Oberschenkel sich berührten. "Nimm's nicht so schwer. Weisst du... es gibt bestimmt eine andere Realität, in der es für uns gut ausgegangen ist."

Jack schwieg eine Weile, bevor er sagte: "Ich glaube nicht, dass mir das sonderlich hilft. Dir?"

"Nun... ja, irgendwie schon. Irgendwo sind ein Jack und ein Daniel glücklich miteinander. Wer weiss... vielleicht träumen wir von ihnen." überlegte Daniel.

"Vielleicht. Das wäre schön." gab Jack zu. "Siehst du... ich denke nicht gern über solche Dinge nach, deswegen werde ich auch gleich nach Hause gehen, aber... wer auch immer dich bekommt... in dieser und jeder anderen Realität... ist ein sehr, sehr glücklicher Mensch."

"Da wäre ich nicht so sicher. Du weisst..." begann Daniel, aber Jack unterbrach ihn.

"Ich meine das ernst." Er drehte sich zu Daniel um und nahm seine Hand. "Ich kann das nur einmal sagen, also hör gut zu... Du bist was besonderes. Der einzige Mensch, den ich kenne, der freiwillig und ohne darüber nachzudenken mehr von sich hergibt, als er von anderen bekommt. Letzte Nacht hast du mir gehört... letzte Nacht hatte ich all das in der Hand, und wenn ich könnte, wenn ich nur irgendwie könnte, würde ich es behalten... aber ich kann nicht... nicht in diesem Leben. Mir bleibt nur, dich so gut ich kann zu beschützen... und das hier ist ein Teil davon. Ich will, dass du weisst, dass du mir unglaublich wichtig und wertvoll bist, und dass ich dich von ganzem Herzen liebe. Ich hoffe, dass du daran denkst... und daran, dass ich immer für dich da bin. Egal, worum es geht. Versprich mir, das nie zu vergessen."

"Ich versprech's." wisperte Daniel, nahm Jacks andere Hand und legte vorsichtig seine Stirn an die des älteren.

Das war nicht der Jack, den er kannte. Eigentlich war Daniel ziemlich sicher, dass ausser ihm nur sehr wenige Menschen diesen Teil kennengelernt hatten. Jack behielt normalerweise seine Gefühle für sich, sprach so gut wie nie darüber. Dass er es jetzt getan hatte, zeigte Daniel, wie wichtig ihm das gesagte war... und wie ehrlich er es meinte.

"Ich werd's nicht vergessen, Jack." Und er küsste Jack... nur dieses eine Mal noch.

Der Kuss war warm und süss und voller Liebe... aber trotzdem natürlich nicht annähernd genug als Ersatz für alles, was hätte sein können. Danach sassen sie noch einen Augenblick zusammen, bis Jack Daniels Hand drückte und aufstand.

"Machs gut, Danny." sagte er leise und ging.

Daniel rief ihm hinterher: "Jack?"

"Ja?" Jack drehte sich um.

"Uns bleibt immer Paris." zitierte Daniel die berühmte Zeile aus 'Casablanca'.

Jack lächelte und gab zurück: "Nicht Paris. P3X... was auch immer. Ich kann mir den Rest nie lange merken." Er wollte weitergehen, blieb aber nach ein paar Schritten wieder stehen und drehte sich nochmal um.

"Wir sind noch Freunde, oder?" wollte er wissen.

"Ja. Sicher." antwortete Daniel.

"Na dann... bis morgen."

"Bis morgen." gab Daniel zurück. Jack ging weiter und war bald im dunklen Park verschwunden.

 

Daniel blieb noch eine Weile sitzen, bis ihm kalt wurde. Er stand auf und sah zum Mond hoch.

"Du hast es gut. Dir ist das alles egal." sagte er zu dem Himmelskörper, seufzte und machte sich ebenfalls auf den Weg nach Hause.

 
Ende

 
Du bist der 1906. Leser dieser Geschichte.