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Krieg und Liebe
Teil 1
Teil 2
 
 

Krieg und Liebe

© by Tara TP ()

 

Disclaimer: Star Trek Voyager gehört Paramount/Viacom. Dies ist Fanfiction. Es sollen keine Rechte verletzt werden.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek-Sektion.

 
Computerlogbuch, Captain Janeway.

Wir sind auf dem Weg zu der Heimatwelt der Xaor, um dort Lieutenant Paris und Torres abzuholen, die dort das Dilithium begutachtet haben. Durch den Ausfall des Warpantriebes, der durch den Angriff einer von uns noch nicht identifizierten Spezies verursacht wurde, verzögert sich unsere Ankunft. Das bedeutet, daß wir den Planeten nicht vor morgen früh erreichen werden.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 17:46 Uhr

 

"Captain, meine Sensoren registrieren ein Trümmerfeld, direkt vor uns." Harry Kim sah von seiner Konsole auf und schaute den Captain an.

"Ein Trümmerfeld? Wieso entdecken unsere Sensoren das erst jetzt?"

"Es ist uns erst vor kurzem gelungen, sie zu reparieren Ma'am!"

"Auf den Schirm!"

Auf dem Schirm erschien ein zerstörtes Schiff. Captain Janeway stand von ihrem Sessel auf und trat etwas näher an den Sichtschirm heran.

"Was für ein Schiff ist es Fähnrich?"

Harry tippte auf seiner Konsole und machte dabei ein ernstes Gesicht.

"Es ist ein Frachter der Xaor Captain!"

"Lebenszeichen?"

"Keine. Aber ich registriere Spuren von Trilithium."

"Trilithium?" Captain Janeway war sichtlich verwirrt. "Tuvok, beamen Sie einige Wrackteile ins Wissenschaftslabor, zur Analyse. Fähnrich Kim, Sie und Fähnrich Loyess werden das übernehmen."

Die junge, rothaarige Betazoidin stand von ihrem Sessel auf und folgte Harry Kim in den Turbolift.

 

 
XAORUS, HEIMATWELT DER XAOR; LAGERHALLE; 17:56 Uhr

 

"War das jetzt endlich alles Paris?" B'Elanna Torres und Tom Paris befanden sich in einer eher primitiv gebauten großen Halle mit Strohdach, in der viele Kisten standen. Diese hatten die beiden zuvor mit Hilfe einiger Xaor in den Lagerhallen ähnlichen Raum getragen. Aus Erschöpfung hatte B'Elanna sich auf eine dieser Kisten gesetzt und Tom stand neben ihr, an die Wand gelehnt.

"Das waren alle 114 Kisten. Als wir ihnen anboten, ihnen beim Tragen der Kisten zu helfen, die sie von uns erhalten hatten, hätten sie uns ruhig sagen können, daß sie es so verstanden hatten, daß wir ihnen auch beim Umtransportieren ihrer eigenen Vorräte helfen wollten."

"Ich denke, wir sollten langsam jemanden fragen, wo wir übernachten können, es wird schon dunkel. Sonst müssen wir womöglich noch im Freien übernachten."

"Und uns gegenseitig wärmen. Was ist daran so schlimm?" Tom grinste und sah zu B'Elanna.

"Träumen Sie weiter Paris!" (Was denkt er denn? Daß er unwiderstehlich ist und er mich mit seinen Bemerkungen schwach machen kann? Wenn das doch nur nicht so gut funktionieren würde! Was denke ich denn da? Nein, ich werde auf keinen Fall schwach werden!)

B'Elanna stand von der Kiste auf und ging zum Eingang der Halle. Tom sah ihr nach, folgte ihr jedoch nicht. B'Elanna sah sich um und wandte sich dann wieder zu Tom.

"Wir sollten versuchen, Krofkar zu finden und ihn nach unserer Unterbringung fragen."

"Gute Idee. Gehen wir am besten in das Hauptgebäude, dort werden wir ihn bestimmt finden."

 

 
VOYAGER; WISSENSCHAFTSLABOR; 18:38 Uhr

 

"Wie kommen Sie voran?" Schnellen Schrittes betrat Captain Janeway das Wissenschaftslabor. Überrascht blieb sie stehen, als sie bemerke, daß nur einer der von ihr beauftragten Fähnriche anwesend war.

"Wo ist denn Fähnrich Kim?"

"Er wurde in den Maschinenraum gerufen, müßte aber gleich wieder da sein, Ma'am!", antwortete Fähnrich Tara Loyess, mit ihren Fingern auf einem Wrackteil tippend.

"Was hat sich bis jetzt ergeben?"

"Unsere Sensorenanzeigen wurden bestätigt, es gibt Trilithium Rückstände. Harry..., ich meine Fähnrich Kim und ich vermuten, daß..."

Harry Kims plötzliches Erscheinen im Labor unterbrach sie.

"Oh, äh, verzeihen sie meine Verspätung Captain, man benötigte im Maschinenraum meine Hilfe."

"Schon in Ordnung. Fähnrich Loyess war gerade dabei mir zu berichten, was sie in der Zwischenzeit herausgefunden haben."

Janeway warf einen Blick zu Tara, in Erwartung, daß diese ihren Satz beenden würde.

"Wie ich eben sagen wollte, wir vermuten, daß eine Art Trilithiumbombe auf dem Schiff explodiert ist."

"Eine Trilithiumbombe?" Auch diese Nachricht brachte Janeway wenig Aufschluß.

"Ja Ma'am!"

"Kehren Sie an ihre Stationen zurück. Harry, scannen Sie die Umgebung nach Schiffen oder Planeten, auf denen es Trilithium Vorkommen gibt."

"Wir sollten auch nach Dilithium und Paralithium scannen. Es kann in Trilitium umgewandelt werden."

Als Harry dies sagte, stockte Janeway einen Moment.

"Die Xaor besitzen doch Dilithiumminen. Wenn wir bei ihnen ankommen, sollten wir sie darüber befragen, vielleicht war es ja auch nur ein Unglück. Aber führen Sie trotzdem ihre Scans durch!"

"Verstanden."

Janeway drehte sich um und wollte gerade das Labor verlassen, als Tara Loyess sie aufhielt.

"Captain, was soll ich mit den Wrackteilen machen?"

"Behalten Sie sie noch an Bord, wir werden sie mit zu den Xaor nehmen."

Tara nickte und Janeway verließ nun das Labor. Tara wandte sich wieder den Wrackteilen zu, um diese zu verstauen. Gerade wollte auch Harry gehen, da blieb er in der Tür stehen und drehte sich wieder um. Mit äußerst verlegenem Gesichtsausdruck ging er nun wieder in Taras Richtung.

(So schlimm wird es nicht werden. Ich frage sie und wenn sie nein sagt, dann halt nicht. Sie wird mich schon nicht auslachen. Oh Gott, hoffentlich liest sie nicht gerade meine Gedanken!)

"Äh, wenn Sie heute Abend noch nichts vorhaben, ich habe eine neues Holoprogramm, eine Strandsimulation. Wenn Sie wollen, könnten wir einen Spaziergang am Strand machen!"

Tara drehte sich zu Harry um und lächelte schüchtern.

"Das wäre sehr schön." (Ich dachte schon er würde nie fragen.)

"Schön. Wie wäre es mit 19:30 Uhr, würde Ihnen das passen?" (Sie hat tatsächlich "ja" gesagt!)

"Ja, 19:30 Uhr paßt mir gut."

Nervös zupfte sie an ihrer Uniform.

"Dann sehen wir uns heute Abend, Holodeck 2."

"Bis heute Abend also."

Bei dem Versuch, daß Labor rückwärts zu verlassen, wäre Harry beinahe gestolpert, schaffte es aber schließlich doch, den Raum unversehrt zu verlassen.

Als er draußen war, lehnte er sich an die Wand und atmete tief durch und fing dabei an zu lächeln.

 

 
XAORUS; HAUPTGEBÄUDE; 18:49 Uhr

 

"Und ich sage Ihnen, wir hätten bei der letzten Tür nach rechts gemußt."

B'Elanna Torres und Tom Paris liefen orientierungslos durch das zwar primitive, aber dafür sehr große Hauptgebäude der Xaor.

Tom hielt einen Plan des Gebäudes, welchen er bei ihrer Ankunft erhalten hatte, in der Hand und bemühte sich so zu tun, als ob er wissen würde, wo sie seien.

"Wir sind hier vollkommen richtig." (Das hoffe ich jedenfalls!)

"Ach ja? Und wie kommt es dann, daß wir bereits zum vierten Mal an diesem Schild vorbeikommen?"

Auch Tom hatte dieses Schild bereits bemerkt, wollte aber nicht zugeben, daß er den Plan nicht richtig gelesen hatte.

"Gut, wenn Sie denken, daß Sie es besser können, bitte, probieren Sie ihr Glück!"

"Das werde ich!" B'Elanna riß ihm den Plan aus der Hand. Nachdem sie ihn viele Male gedreht und gewendet hatte, deutete sie mit dem Finger nach links.

"Wir müssen nach dort."

"Sind Sie sich auch ganz sicher? Langsam tun mir meine Füße weh."

"Tja, Sie würden ihnen nicht weh tun, wenn Sie uns nicht die ganze Zeit in die Irre geführt hätten. Natürlich bin ich mir sicher! (Ansonsten würde ich mich auch ziemlich blamieren.)

Plötzlich faßte eine Hand auf B'Elannas Schulter, woraufhin sich diese erschrocken umdrehte. Zu ihrer Erleichterung war es Krofkar, der Xaor, mit dem sie bisher die Geschäfte abgeschlossen hatten. Der etwas ältere Mann lächelte die beiden, noch immer etwas geschockten Offiziere an.

"Lieutenant Paris, Lieutenant Torres, suchen Sie etwa mich?"

"In der Tat. Sie hatten uns eine Unterkunft für diese Nacht angeboten und nach dieser wollten wir uns erkundigen."

"Natürlich!" Er berührte eine Fläche auf seinem Handrücken und aus der Tür, die etwa drei Meter von den Dreien entfernt war, trat eine Frau und kam auf sie zu.

"Meine Schwester, Xia Milmaj wird sie zu ihrer Unterbringung führen. Es ist eher bescheiden, aber wir sind es nicht gewohnt, Gäste zu haben."

"Vielen Dank."

Krofkar flüsterte Milmaj etwas zu, was Tom und B'Elanna jedoch nicht hören konnten. Als er aufgehört hatte zu reden, signalisierte Milmaj Tom und B'Elanna mit einer Handbewegung, daß sie ihr folgen sollten. Die beiden liefen mit ungefähr drei Metern Abstand hinter ihr her.

"Was meinen Sie Paris, dafür, daß die Xaor Warpantrieb haben, leben sie nicht gerade fortschrittlich."

B'Elanna bemühte sich, so leise wie möglich zu sprechen, damit Milmaj sie nicht hören konnte.

"Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Vielleicht ziehen sie es ja vor, so zu leben."

"Ja vielleicht. Aber etwas seltsam ist es schon."

Sie erreichten nun den Ausgang des Gebäudes. Sie mußten über einen, vom Regen matschig gewordenen Weg laufen, um das kleine Strohdachhaus zu erreichen, in welchem Tom und B'Elanna die Nacht verbringen sollten. Als sie hereinkamen, fanden sie einen kalten, schmutzigen Raum vor, den eine Öllampe beleuchtete und der bis auf einen Holzschrank, einen kleinen Teppich, einen Tisch mit Stuhl und einem Bett, auf dem ein Kissen und eine Wolldecke lagen, vollkommen leer war.

"Wir... wir sollen hier die Nacht verbringen?" B'Elanna versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben.

"Etwas anderes haben wir nicht."

"Aber... es gibt hier nur ein Bett!" (Nicht, daß mich das stören würde.)

"Es tut mir leid, aber etwas anderes können wir Ihnen nicht bieten. Gute Nacht."

Milmaj verließ den Raum und schloß die Tür hinter sich. Tom und B'Elanna standen noch immer wie angewurzelt an der selben Stelle und schauten sich verdutzt an.

 

 
VOYAGER; VOR HOLODECK 2; 19:32 Uhr

 

(Er wird mich versetzen, bestimmt. Vielleicht hat er unsere Verabredung ja auch nur vergessen. Oder es war gar nicht ernst gemeint. Ich warte noch zehn Minuten, dann gehe ich. Vielleicht auch 15 Minuten, aber nicht mehr.)

Tara Loyess lief nervös vor dem Holodeck auf und ab.

Da sie schon sehr viele Jahre nicht mehr an einem Strand gewesen war, abgesehen von Neelix' Erholungscenter, hatte sie keine Ahnung gehabt, was sie anziehen sollte. Also hatte sie einfach ein knielanges Kleid angezogen, welches mit Wildblumen gemustert war. Ihre langen roten Locken hatte sie locker zu einem Zopf zusammen gemacht.

Als es ihr mit dem auf und ab gehen zu viel wurde, blieb sie stehen und lehnte sich an die Wand. Kaum hatte sie die Augen kurz geschlossen, um besser nachdenken zu können, da hörte sie Schritte und öffnete ihre Augen blitzartig wieder. Es war Harry, wie sie gehofft hatte.

"Hallo Tara! Bin ich zu spät?"

"Oh, nein, ich war nur etwas zu früh dran!" (Ob er zu spät war? Ich wäre fast gegangen!)

Harry betrachtete sie vorsichtig von oben bis unten.

"Sie sehen toll aus!" (Ob das aufdringlich war?)

Tara spürte regelrecht, wie sie rot wurde.

"Danke! Sie aber auch."

Harry sah an sich herunter. Er hatte ein hellblaues T-Shirt und eine dunkelblaue Hose an.

"Wenn Sie das finden!" Beide lächelten.

"Wollen wir gehen?"

"Ja... natürlich. Computer, Programm ,Kim Alpha 2' aktivieren!"

Vom Computer kam das bestätigende Geräusch und als Harry und Tara näher traten, öffnete sich die Tür. Bei dem Anblick des wunderschönen Strandes mußte Tara staunend stehenbleiben. Harry hatte einen Sonnenuntergang programmiert und die rot schimmernde Sonne stand niedrig am Himmel. Das Wasser war ruhig und die Wellen rauschten sanft.

"So etwas Wundervolles habe ich noch nie gesehen!"

"Wirklich nicht?"

"Nein. Es ist noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte."

"Vielen Dank. Wollen wir ein Stück spazierengehen?"

"Klar... ich meine, sehr gerne."

Die beiden gingen nah am Wasser, die Schuhe hatten sie ausgezogen und trugen sie in der Hand. Als eine Welle Taras Füße kitzelte, mußte sie kichern und sie versuchte so leise wie möglich zu sein. Auf einmal blieb sie stehen und starrte zum Horizont.

"Ist etwas nicht in Ordnung?" (Ich habe irgendwas falsch gemacht.)

"Lassen Sie uns ins Wasser gehen!"

"W... was? Hier? Jetzt? Sofort?"

"Ja!"

"A... aber wir... wir haben gar keine Schwimmsachen dabei!"

"Dann gehen wir halt so!"

"Ich denke, das ist keine besonders gute Idee."

"Warum nicht? Ich war noch nie im Meer baden! Bitte Harry! Lassen Sie sich doch einfach mal gehen!"

Harry zögerte.

"Also schön."

"Prima, Sie sind ein Schatz!" (Warum muß ich immer so direkt sein?)

Tara ging erst vorsichtig und dann immer schneller ins Wasser. Langsam folgte Harry ihr ein Stück ins Wasser.

Es war eindeutig zu kalt für ihn, aber er wollte Tara den Gefallen tun. Er setzte langsam einen Fuß vor den anderen und erreichte bald Tara, die schon tiefer im Wasser stand, aber noch immer gut stehen konnte. Nun hatte auch Harry sich langsam an das kalte Wasser gewöhnt. Ermutigt sah er zu Tara herüber.

"Lassen Sie uns etwas weiter nach draußen schwimmen, um warm zu werden."

Taras glücklicher Gesichtsausdruck wurde jetzt ernster, trauriger und sie sah nach unten.

"Was... was ist? Können Sie nicht schwimmen?" Anstatt zu antworten, schüttelte Tara nur den Kopf.

"Wieso wollten Sie dann schwimmen gehen?" Nun brachte Tara ein beschämtes Lächeln hervor.

"Eigentlich wollte ich nur im Wasser baden, von schwimmen war keine Rede. Und um ehrlich zu sein, hatte ich nicht gedacht, daß Sie ja sagen würden!" (Jetzt hab ich' s geschafft. Er hält mich jetzt garantiert für total bescheuert und geht sofort. Hätte ich doch bloß nicht diese blöde Idee mit dem ins Wasser gehen gehabt!)

Doch Harry blieb.

"Was... was halten Sie davon, wenn ich ihnen schwimmen beibrächte?"

Tara sah Harry jetzt wieder an und lächelte erst zaghaft, dann zunehmend mehr.

"Das würden Sie tun?"

"Natürlich! Wenn sie wollen?!"

"Das wäre unglaublich süß von ihnen, wirklich!"

Nun war es Harry, der merkte, wie er rot wurde.

"Aber jetzt lassen Sie uns erst einmal aus dem Wasser gehen! Wir holen uns sonst noch den Tod!"

Als Harry hinüber zum Strand sah, küßte Tara ihn sanft auf die Wange und flüsterte dabei: "Danke Harry!"

Dann ging sie langsam aus dem Wasser. Harry blieb noch einen Moment so stehen und folgte ihr dann.

 

 
XAORUS; UNTERBRINGUNG; 19:45 Uhr

 

"B'Elanna, warum nehmen Sie nicht einfach das Bett?"

Seit bereits knapp einer Viertelstunde stritten Tom und B'Elanna sich in ihrer Unterbringung darum, wer die Nacht auf dem Bett und wer sie auf dem Boden verbringen sollte. Noch immer standen sie in der Mitte des ungemütlichen Raumes.

"Ich brauche das Bett nicht unbedingt! Warum nehmen Sie es nicht?"

"Oh, Sie denken wohl, nur weil ich ein Mensch bin, brauche ich ein weiches, warmes Bett was?"

"Das haben Sie gesagt! (Und damit haben sie auch Recht!) Aber wenn es Ihnen so viel bedeutet, Ihre Härte zu beweisen und auf dem kalten Boden zu schlafen, dann werde ich halt das Bett nehmen."

"Na also, es geht doch. Und ich muß gar nichts beweisen!"

"Natürlich nicht."

"Schön, daß wir das geklärt haben." (Das ist ja schon fast wie in einer Ehe!)

Einen Moment herrschte Stille.

"Wir... wir sollten dann jetzt auch schlafen. Morgen wird ein anstrengender Tag."

B'Elanna ging zu dem Bett und begann die Wolldecke auseinanderzufalten. Kaum hatte sie das beendet, riß Tom ihr die Decke aus der Hand und legte sie sich auf den Boden.

"Hey, was soll das?"

"Beschweren Sie sich nicht, Sie haben schon das Bett, da werden Sie doch wohl auf die Decke verzichten können!"

"Aber es ist kalt!"

"Wir haben immer noch die Möglichkeit, uns die Decke und das Bett zu teilen und uns gegenseitig zu wärmen."

Tom drehte seinen Kopf in ihre Richtung und grinste sie an. Und obwohl B'Elanna empört sein wollte, konnte sie sich ein Lächeln nicht verkneifen.

"Ich denke, da werde ich wohl doch eher frieren. So schlimm ist es dann doch noch nicht." (Aber wir können uns trotzdem das Bett teilen!)

"Ganz wie Sie wollen. Aber beschweren Sie sich nachher nicht! (Ob sie weiß, daß das Angebot ernst gemeint war?)

 

 
23:37 Uhr

 

(Ob er schon schläft? Ich kann ihn ja schlecht fragen. Er friert bestimmt noch mehr als ich. Aber ich kann ihm ja nicht anbieten, zu mir ins Bett zu kommen, wie würde das denn aussehen?)

B'Elanna war noch immer nicht eingeschlafen und betrachtete Tom, dessen Gesicht in dem fahlen Licht der Öllampe leuchtete. Vor lauter Kälte zitterte er am ganzen Körper. Schließlich konnte B'Elanna Toms Zittern nicht mehr mit ansehen.

"Tom", flüsterte sie "Tom, schlafen Sie schon? Tom! Wachen Sie auf!"

Langsam öffnete Tom die Augen. Vorsichtig richtete er sich auf und blinzelte zu B'Elanna.

"Was ist?"

"Ich fürchte, ich muß ihr Angebot doch annehmen, Paris."

Tom mußte wieder grinsen.

"B'Elanna! Sie bitten mich gerade in ihr Bett!" (Endlich.)

"Gewöhnen Sie sich nicht daran, das war das erste und das letzte Mal! Kommen Sie schon, ihnen ist kalt, mir ist kalt, es ist rein gar nichts Persönliches." (Ich konnte auch schon besser lügen.)

"Natürlich nicht! Ich verspreche auch, daß ich mich benehmen werde. Falls ich es doch nicht schaffe, brechen Sie mir bitte keine Knochen, das würde nicht besonders gut vor unseren Gastgebern aussehen."

"Wenn Sie sich nicht benehmen, werde ich etwas ganz anderes mit Ihnen machen." (Oh Gott, bitte laß ihn das zweideutige überhört haben!)

"Machen Sie mit mir, was Sie wollen."

"Sie sind ein Schwein Paris!"

"Ich weiß, daß sagen Sie mir schließlich oft genug!" (Das war doch bloß ein verzweifelter Flirt-Versuch.)

Noch etwas wackelig auf den Beinen, stand Tom langsam auf und bewegte sich, samt Decke zu dem Bett. B'Elanna rutschte sofort ein Stück nach links, um Tom genug Platz in dem engen Bett zu lassen. Sie legte sich auf ihre linke Seite, um mit dem Rücken zu Tom zu liegen. Dieser breitete die Decke über den beiden aus und legte sich ebenfalls mit dem Rücken zu B'Elanna hin. Doch beide konnten nicht schlafen.

(Ich werde mich garantiert nicht umdrehen. Nachher denkt B'Elanna noch, daß ich zu aufdringlich bin. Nicht, daß sie das nicht sowieso schon denken würde. Sie hat mich tatsächlich Schwein genannt!)

(Das ist absolut lächerlich. Ich werde doch wohl schlafen können. Nein, ich kann es nicht! Er macht mich viel zu nervös. Ob ich mich umdrehen soll? Sonst hält er mich vielleicht noch für prüde! Andererseits war ich schon den ganzen Tag abweisend zu ihm. Ach was, ich drehe mich jetzt einfach um. So schlimm wird es nicht werden.)

Tom mußte die selbe Idee gehabt haben, denn sie drehten sich zur selben Zeit um. Sie lagen nun ziemlich nahe beieinander und ihre Nasen berührten sich fast. Als die beiden spürten, wie nahe sie sich waren, öffneten beide die Augen. Für einige Momente sahen sie sich tief in die Augen.

"B'Elanna?" Tom flüsterte so sanft, daß B'Elanna eine Gänsehaut bekam.

"Was... was ist?"

"Was wäre, wenn ich Sie jetzt küssen würde?"

(Warum muß er das fragen? Warum tut er es nicht einfach? Was denkt er denn, was ich sage 'Dann werde ich ihnen um den Hals fallen' oder was? Was soll ich denn jetzt tun? Nichts sagen?)

B'Elanna drehte sich wieder um und mußte sich zusammennehmen, um Tom nicht doch zu verfallen.

(Ich denke, das war ihre Antwort. Deutlicher hätte es nicht sein können.)

Tom setzte sich auf und stieg dann aus dem Bett, um die Nacht auf dem Boden zu verbringen. B'Elanna rührte sich nicht.

 

 

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Computerlogbuch, Captain Janeway.

Wir haben die Heimatwelt der Xaor erreicht. Wir mußten mit Impulsgeschwindigkeit fliegen, da der Warpantrieb noch immer nicht repariert ist. Lieutenant Torres und Paris sind an Bord zurückgekehrt. Nach ihrer Meinung, ist das Dilithium der Xaor brauchbar. Ich habe ein Treffen mit Mr. Krofkar arrangiert, um ihn zu der Trilithiumbombe zu befragen.

 

 
VOYAGER; KONFERENZRAUM; 11:39 Uhr

 

Captain Janeway, Chakotay und Tuvok saßen an dem großen Tisch und warteten auf die Ankunft Krofkars. Tuvok ging noch einmal alle Fakten durch und tippte in regelmäßigen Abständen auf seinem Pad.

Endlich öffnete sich die Tür mit einem zischenden Geräusch und Krofkar wurde von einem Offizier in den Raum eskortiert.

"Mr. Krofkar, ich freue mich, daß Sie auf unser Schiff gekommen sind." Janeway stand auf, um ihren Gast zu begrüßen.

"Ich danke Ihnen für Ihre Einladung, Captain. Ihr Schiff ist wirklich sehr beeindruckend."

"Vielen Dank." Janeway deutete auf einen Stuhl. "Bitte setzen sie sich doch!"

"Danke, sehr aufmerksam." Beide setzen sich. Tuvok übergab Janeway sein Pad.

"Mr. Krofkar, der Grund, wegen dem ich Sie hergebeten habe, ist der, daß wir gestern auf einen Ihrer Frachter getroffen sind. Er war zerstört. Als wir die Trümmer genauer untersuchten, fanden wir Rückstände von Trilithium. Wir schlossen aus näheren Untersuchungen, daß eine Art Trilithiumbombe auf dem Frachter explodiert ist. Können Sie das bestätigen?"

"Eine Trilithiumbombe?" Krofkar wurde nachdenklich. "Das muß der Unfall gewesen sein, von dem mir berichtet wurde. Der Frachter sollte den Prototyp einer Trilithiumbombe transportieren. Dabei ist die Bombe dann detoniert."

"Weswegen ist sie detoniert?"

"Es war, wie gesagt, nur ein Prototyp. Unsere Ingenieure müssen sich in einem Detail vertan haben und so ist sie dann detoniert. Wir untersuchen zur Zeit die Ursache. Ich hoffe, daß dieser Vorfall keinerlei Auswirkung auf unser Geschäft hat!"

"Natürlich nicht. Es wird alles wie besprochen ablaufen."

"Sehr schön."

"Da wir das nun geklärt haben, was würden Sie davon halten, sich die Voyager anzusehen?"

"Das wäre phantastisch."

Janeway tippte auf ihren Kommunikator.

"Janeway an Loyess."

"Loyess hier!" Taras Stimme erklang.

"Mr. Krofkar würde gerne die Voyager besichtigen. Haben Sie Zeit um ihn herumzuführen?"

"Natürlich! Ich komme sofort in den Konferenzraum. Loyess Ende."

 

Zwei Minuten später erschien Tara und sie lächelte wie gewohnt freundlich. Krofkar folgte ihr aus dem Raum, Janeway, Chakotay und Tuvok blieben sitzen.

"Also meine Herren, was sagen Sie zu Krofkars Erklärung?"

"Sie klingt plausibel."

Tuvok zog eine Augenbraue hoch, so wie er es immer tat, wenn er Chakotay widersprechen wollte.

"Mr. Krofkars Erklärung ist alles andere als plausibel. Es wäre unlogisch gewesen, etwas so Wichtiges wie einen Prototyp einer Bombe auf einem kaum bewaffneten Frachter zu transportieren. Außerdem glaube ich nicht, daß es sich um einen Prototyp gehandelt hat, denn die Spezifikationen für die Bombe waren korrekt. Sie ist auf jeden Fall absichtlich detoniert."

"Nur warum sollte Krofkar uns etwas vorenthalten?"

Auch Captain Janeway stellte sich diese Frage.

 

 
VOYAGER; CASINO; 12:16 Uhr

 

"Und, wie ist es bei den Xaor gelaufen?" Harry und Tom saßen zusammen an einem Tisch in der Nähe des Fensters. Beide hatten eine Tasse Kaffe in der Hand.

"Fragen Sie nicht Harry!"

"Haben Sie sich nicht mit B'Elanna verstanden?"

Tom mußte kurz lachen.

"Wenn es nur das gewesen wäre!"

"Warum, was ist denn noch passiert? Hat Sie Sie wieder gebissen?" Grinsend sah Harry von seiner Tasse auf.

"Ha, ha, sehr komisch! Sagen wir's so, ich habe eine ziemlich deutliche Abfuhr bekommen."

Harrys Grinsen wandelte sich zu einem lauten Lachen.

"Sie sind bei B'Elanna abgeblitzt? Tom, man könnte langsam denken, Sie seien in B'Elanna verliebt!"

"Das bin ich nicht!" (Das dachte ich jedenfalls immer.)

Bevor Harry ihm etwas entgegnen konnte, stand Neelix neben den beiden.

"Guten Morgen! Möchten Sie etwas essen?"

"Danke, ich möchte nichts, Neelix!"

"Und sie Tom?"

"Ich auch nichts, danke. Ich muß in den Maschinenraum, um bei den Reparaturen zu helfen."

Tom drückte Neelix die leere Tasse in die Hand und verließ dann zügig das Casino. Als Neelix in die Küche zurück verschwand, wollte auch Harry gehen, doch dann sah er, wie Tara und Krofkar das Casino betraten. Er sah, daß Tara Krofkar in die Küche, zu Neelix, brachte. Einige Momente später kam sie alleine wieder heraus und setzte sich mit einem Glas in der Hand an einen Tisch. Harry nahm all seinen Mut zusammen und ging zu ihr.

"Hallo Tara!"

Als Tara Harry bemerkte, richtete sie sich blitzartig auf und stellte das Glas auf den Tisch.

"Hi! Setzen... setzen Sie sich doch zu mir!"

"Gerne." Harry nahm Platz.

"Ich führe gerade Mr. Krofkar, oder einfach Xer, wie ich ihn nennen soll, durch das Schiff."

"Sie sollen ihn mit Vornamen ansprechen?"

"Ja. Er nennt mich sogar ,meine Kleine'!"

"Und das stört Sie nicht?"

"Ein bißchen schon. Aber was soll's, wenn's ihm gefällt!" Tara bemerkte Harrys teils bedrückten, teils etwas eifersüchtigen Gesichtsausdruck. "Außerdem ist er viel zu alt für mich und überhaupt nicht mein Typ.", fügte sie schnell hinzu.

"Uns was wäre Ihr Typ?" (Oh mein Gott, wie kann ich sie das nur so direkt fragen?)

"Mein Typ wären eher Sie!" (Warum hab ich ihm nicht gleich gesagt, daß ich an ihm interessiert bin?)

Beide lächelten verlegen und sahen auf den Boden.

 

 
VOYAGER; MASCHINENRAUM; 12:25 Uhr

 

Es war ziemlich schwierig, für Tom und B'Elanna, nach der letzten Nacht im selben Raum zu arbeiten. Ständig sahen sie zueinander hinüber, richteten ihren Blick aber sofort wieder auf ihre Konsolen.

Tom war in seinen Gedanken noch so sehr bei der letzten Nacht, daß er sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren konnte.

(Ich muß mich zusammenreißen! Ich bin bei ihr abgeblitzt, gut, sie ist nicht die einzige Frau an Bord. Es gibt Dutzende Frauen, die so ein Angebot nicht abgelehnt hätten!)

Er sah sich um. Sein Blick fiel auf Fähnrich Danielle Miller.

(Fähnrich Miller zum Beispiel wartet schon ewig darauf, daß ich mit ihr flirte. Und warum eigentlich nicht. Es kann ja nicht so schwer sein, B'Elanna zu vergessen! Hey, vielleicht wird sie ja sogar eifersüchtig wenn ich mit Fähnrich Miller flirte!)

So gesellte sich Tom zu Fähnrich Miller und begann mit dem Satz 'Hallo schöne Frau', mit ihr zu flirten.

B'Elanna war dies nicht entgangen. Sie beobachtete die beiden von der anderen Seite des Maschinenraums aus, während sie mit halber Aufmerksamkeit ein Pad las, und vernahm ab und zu ein kurzes Lachen.

(Was fällt ihm ein? Und ausgerechnet mit Danielle Miller! Was ist denn schon Besonderes an der? Sie ist launisch, unfreundlich, arrogant... und sieht leider viel zu gut aus. Ich muß irgendwas tun, bevor sie ihn einwickelt.)

B'Elanna legte das Pad auf eine Konsole und ging zielstrebig und verärgert auf Tom und Fähnrich Miller zu.

"Lieutenant Paris, könnte ich Sie einen Moment sprechen." B'Elanna blieb so ruhig wie sie nur konnte.

"Ich bin beschäftigt." (Sie hat angebissen.)

"Es ist dringend!"

Gerade wollte Tom ihr etwas entgegnen, da zog B'Elanna ihn am Ärmel zur Seite.

"Hey, was soll das B'Elanna?"

"Wie kommen Sie dazu, derart mit Fähnrich Miller zu flirten? Ich... ich meine... während der Arbeit, Sie wissen schon." (Ich klinge wie eine eifersüchtige Ehefrau! Na ja, bis auf die Ehefrau stimmt das ja auch.)

"Lieutenant Torres, sind Sie etwa eifersüchtig?" (Jetzt hab ich sie!)

(JA!) "Nein! Ich finde nur... ich meine, nach letzter Nacht, da..."

"Hey, Moment, Sie waren diejenige, die mich hat abblitzen lassen, nicht umgekehrt!"

"Das ist mir schon klar, nur wieso wollen Sie mich küssen und flirten dann mit Danielle Miller?"

"Wer hat denn gesagt, daß ich Sie küssen will?"

"Sie haben das gesagt!" B'Elanna geriet immer mehr in Rage.

"Nein, ich habe Sie gefragt was wäre wenn, aber daß ich es auch tun wollte, habe ich nicht gesagt!"

"Natürlich wollten Sie mich küssen, das war doch eindeutig!"

"Und Sie behaupten, mein Ego sei groß!"

"Das ist es auch!"

"Wissen Sie, wissen Sie was? Am besten wir fangen noch mal ganz von vorne an!"

"Schritt für Schritt."

"Genau. Also... Frieden?"

B'Elanna atmete tief durch.

"Gut. Frieden."

"Schön. Ich... ich muß jetzt auch wieder an die Arbeit... alleine! Ich will Sie ja nicht eifersüchtig machen!"

B'Elanna wollte ihm eigentlich etwas auf diese Bemerkung und sein darauf folgendes, freches Grinsen erwidern, lächelte aber nur und beließ es dabei.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 14:37 Uhr

 

"Mr. Krofkar und ich haben unsere Tour beendet, Captain." Tara Loyess betrat gefolgt von Krofkar die Brücke. Captain Janeway und Commander Chakotay erhoben sich von ihren Stühlen. Als Tara und Krofkar vor den beiden standen, kniff Krofkar Tara leicht in den Arm.

"Ich habe Ihnen doch schon oft genug gesagt, daß Sie mich Xer nennen sollen, meine Kleine."

Er schaute zu Janeway. "Das gilt auch für Sie Captain!"

"Gut, wenn Sie darauf bestehen!" Janeway lächelte etwas irritiert.

"Sie haben wirklich ein wundervolles Schiff."

"Vielen Dank."

"Ich würde gerne eine kleine Feier aufgrund unserer Zusammenarbeit in Ihrem Casino abhalten, wenn Ihnen das nichts ausmacht!"

"Oh nein, das wäre schön!"

"Sehr gut. Wir bringen einige unserer Spezialitäten und unseren berühmten Wein mit, ich habe bereits mit

Mr. Neelix gesprochen. Aber ich warne Sie, unser Wein ist sehr stark!"

"Das ist Blutwein auch!"

"Blutwein?"

"Das ist ein klingonisches Getränk. Wenn sie möchten, können Sie heute Abend etwas davon probieren."

"Sehr gerne! Wenn Sie mir dann auch verraten, wer die Klingonen sind!?"

Janeway lachte.

"Das werde ich. Sagen wir heute Abend um 18:00 Uhr?"

"Einverstanden!"

 

 
VOYAGER; HOLDECK 2; 15:15 Uhr

 

"Ich bin wirklich keine besonders gute Schülerin, daß sollten Sie wissen!"

"Es ist wirklich nicht schwer! Und außerdem werde ich Ihnen ja helfen!"

Vorsichtig tippte Tara mit ihrer Zehe in das Wasser des 20m langen und 5m breiten Schwimmbeckens, welches Harry für sie auf dem Holodeck kreiert hatte. Sie befanden sich in einer großen Schwimmhalle, deren Wände größtenteils aus Fenstern bestanden.

Harry war bereits in seiner dunkelroten Badehose in das Holodeck gekommen. Tara hatte hingegen noch einen langen Bademantel über ihrem Schwimmsachen.

Tara war äußerst beeindruckt von der Halle, die Harry kreiert hatte, und Tara sah sich genau in ihr um.

"Gibt es diese Halle wirklich irgendwo, oder ist sie Ihrer Phantasie entsprungen?"

"Frei erfunden."

"Wow, ich könnte mir nie so etwas einfach ausdenken und dann auch noch so umsetzten!"

"Vielen Dank, aber ich habe gehört, daß Sie auch sehr schöne Programme haben! Zum Beispiel das Programm des amerikanischen Bürgerkrieges von 1861."

Tara war ziemlich überrascht von Harrys Kenntnis über ihr Holoprogramm.

"Woher kennen sie meine Holoprogramme?"

(Oh je, jetzt ist sie garantiert sauer auf mich) "Fähnrich... Fähnrich Lang erzählte mir davon. Sie waren einmal mit ihr dort."

"Ich wußte gar nicht, daß Sie sich so gut mit Fähnrich Lang verstehen."

"Das tue ich auch nicht! Ich meine... natürlich verstehe ich mich mit ihr, aber nicht so wie, na ja, ich meine..."

Lachend faßte Tara Harry auf die Schulter.

"Ich weiß schon, Harry. Sie müssen mir nichts erklären! Lassen Sie uns jetzt aber lieber mit dem Unterricht beginnen, wir haben das Holodeck nur bis 16:00 Uhr."

"Gut, fangen wir an."

Tara zog den Bademantel aus, unter dem sie nur einen Bikini trug.

Ihr Anblick verschlug Harry die Sprache. Als er merkte, daß er sie anstarrte, schaute er schnell auf die kleine Treppe, die in das Wasser führte.

"Ich... ich werde... schon mal... ins... Wasser gehen."

Das Wasser im Becken war eindeutig wärmer als das in dem Meer, in dem er am vorigen Tag mit Tara baden war.

Als Harry ganz im Wasser war, fing auch Tara an, die kleine Treppe hinunterzugehen.

An dem Ende, an dem sie ins Wasser gegangen waren, war das Wasser noch so flach, daß es den beiden bis zum Bauch ging. Am anderen Ende war es hingegen schon ungefähr drei Meter tief.

"Also, was soll ich machen?"

"Als erstes müssen Sie die Bewegung lernen."

"Wie die Bewegung aussieht, weiß ich. Meine Eltern waren mit mir oft auf Risa im Urlaub, als ich noch kleiner war. Ich selber durfte nicht schwimmen, also habe ich die anderen beobachtet!" (Wozu langweile ich ihn eigentlich jetzt damit?)

"Wieso durften Sie nicht schwimmen?"

"Genau weiß ich das auch nicht. Ich schätze meine Eltern hatten Angst, daß mir etwas passiert, während sie nicht da waren!"

"Jetzt wird ihnen bestimmt nichts passieren, denn ich werde Sie nicht aus den Augen lassen."

"Ich wünschte, Sie wären damals schon da gewesen!"

Wieder lächelten beide etwas verlegen.

"Also, Sie werden sich jetzt auf's Wasser legen und die Schwimmbewegungen machen."

"Aber... dann werde ich untergehen!"

"Ich halte sie mit meinen Händen oben. Sie werden nicht untergehen."

"In Ordnung, versuchen wir's."

Tara legte sich mit dem Bauch auf das Wasser und Harry hob sie mit den Händen an ihrem Bauch hoch.

Als Tara ihr Gleichgewicht gefunden hatte, begann sie langsam, die Bewegungen nachzumachen, die sie als kleines Kind gesehen hatte.

"Mache ich das so richtig?"

"J... ja, voll...vollkommen richtig." (Gestern habe ich mich kaum getraut, sie um eine Date zu bitten und heute habe ich schon meine Hände auf ihrem Bauch.)

Harry wurde so nervös, daß seine Hände zitterten. Plötzlich fing Tara an zu lachen.

"Was ist?"

"Sie kitzeln mich!"

Augenblicklich zog Harry seine Hände unter ihrem Bauch weg. Tara konnte sich gerade noch ausbalancieren, um sich wieder hinzustellen.

"Das... das tut mir leid, wirklich!" (Für was hält sie mich jetzt wohl?)

"Das muß Ihnen doch nicht leid tun!" (Was ihm leid tun sollte, ist das er mich noch nicht geküßt hat!)

"Muß es nicht?"

"Aber natürlich nicht!" Tara lächelte ihn an und trat einen Schritt näher an ihn heran.

"Gut, dann tut es mir nicht leid!" Beide mußten lachen. "Wir müssen noch an Ihrer Armbewegung arbeiten. Sie müssen das Wasser praktisch wegschaufeln."

Tara trat wieder eine Schritt zurück, um genug Platz zu haben. Mit einem etwas hilflosen Gesichtsausdruck versuchte sie Harrys Ratschlag so gut wie möglich umzusetzen, was ihr jedoch nicht ganz gelang.

"So etwa?"

"Nein, nicht ganz. Warten sie, ich zeige es Ihnen."

Harry drehte sie um und trat dicht hinter Tara. Er nahm ihre Hände und führte sie vor ihrem Bauch zusammen, so das ihre Handflächen geschlossen waren. Seine Hände legte er außen auf ihre. Dann begann er ihre Hände zu bewegen.

"Sehen Sie, es ist ganz einfach. Vom Körper weg, öffnen, daß Wasser wegschaufeln und die Hände wieder schließen. Ganz einfach." (Wieso kann ich nicht ewig so stehenbleiben?)

Die beiden wiederholten die Bewegung noch ein paar mal. Tara konnte sich jedoch nicht wirklich konzentrieren, ihr Herzschlag hatte sich dazu viel zu sehr beschleunigt.

"Hat... hat ihnen schon mal jemand gesagt, daß Sie ein ausgezeichneter Lehrer sind, Harry?"

Tara sah nach rechts, um Harry, der über ihre Schulter sah, in die Augen schauen zu können. Dieser grinste unsicher.

"Nein, daß hat mir noch niemand gesagt. Sie sind auch die Erste, der ich schwimmen beibringe. Denken... denken Sie, daß Sie die Bewegung jetzt raus haben?"

"Ich denke, wir sollten sie noch ein paar Mal gemeinsam wiederholen, dann habe ich den Dreh bestimmt raus."

Harry lächelte zufrieden. Er blieb gerne noch so stehen.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 16:58 Uhr

 

Auf der gesamten Brücke war es ruhig. Das einzige, was man hören konnte, waren die Geräusche, die die Konsolen machten, wenn man sie berührte.

Captain Janeway saß auf ihrem Stuhl und las ein Pad. Normalerweise unterhielt sie sich mit Commander Chakotay, wenn ihr langweilig war, doch dieser hatte zur Zeit keinen Dienst. Die ganze Brücke schien wie ausgestorben zu sein. Außer ihr befanden sich nur noch Tuvok an seiner Station, Tom Paris an der Conn, Tara Loyess an der Wissenschaftsstation und Sue Nicoletti an der Ops. Der Rest der Offiziere, die sich jetzt auf der Brücke hätten befinden sollen, hatte sich freiwillig gemeldet, um Neelix beim Dekorieren des Casinos zu helfen.

Ein lautes Piepsen, welches von Tuvoks Station kam, riß Janeway aus ihren Gedanken.

"Captain, es wird ein stark beschädigtes Schiff an Backbord registriert. Es ist das Selbe, das uns angegriffen hat. Ihre Waffen sind deaktiviert."

" Lebenszeichen?"

"Ein sehr schwaches."

"Beamen sie ihn auf die Krankenstation und schicken sie ein Sicherheitsteam hin. Ich möchte wissen, warum sie uns angegriffen haben und wer ihr Schiff angegriffen hat."

Tuvok tippte auf seiner Konsole.

"Transport abgeschlossen."

Janeway stand von ihrem Stuhl auf und ging zum Turbolift.

"Ich werde ebenfalls auf die Krankenstation gehen. Sie haben die Brücke Commander."

"Ja Captain."

Janeway betrat den Turbolift und die Türen schlossen sich hinter ihr.

 

 
VOYAGER; KRANKENSTATION; 17:11 Uhr

 

"Wie ist sein Zustand Doktor?"

Janeway war auf der Krankenstation eingetroffen und stand jetzt vor dem Kraftfeld, welches der Doktor um das Biobett des Patienten errichtet hatte.

"Er hat schwere Verbrennungen und einige Schäden der Niere, der Milz und einigen Organen, die mir nicht bekannt sind. Ich habe ihn für den Moment stabilisiert, doch es wird noch einige Zeit dauern, bis ich mit seiner Physiologie vertraut bin."

"Rufen Sie mich, sobald ich mit ihm sprechen kann!"

"Das werde ich. Doch stellen Sie sich darauf ein, daß das nicht vor morgen früh der Fall sein wird."

"Verstanden."

Janeway drehte sich um und verließ die Krankenstation.

 

 
VOYAGER; DECK 3; 17:49 Uhr

 

Tom Paris stand vor der Tür des Turboliftes und starrte in Gedanken versunken auf den Boden. Er war froh darüber, daß er nicht die Ausgehuniform tragen mußte, sondern sich seine Garderobe selbst aussuchen konnte.

(Hoffentlich bin ich nicht allzu früh dran. Aber noch länger untätig in meinem Quartier zu sitzen und an das Gespräch mit B'Elanna zu denken und daß wir ganz von vorne anfangen, wäre unerträglich gewesen.)

Das zischende Geräusch der Turbolifttür riß ihn aus seinen Gedanken. Tom sah auf, um den Turbolift zu betreten, doch er blieb überrascht stehen, als er B'Elanna bemerkte, die sich im Turbolift befand.

Schließlich schaffte er es aber doch, sich in den Turbolift zu begeben.

"Guten Abend B'Elanna."

"Guten Abend Lieutenant."

"Hey, als ich sagte, daß wir noch mal von vorne anfangen sollten, meinte ich etwas weiter als die 'Lieutenant'- Ebene!"

"Und... welche Ebene meinten sie?" (Hoffentlich sagt er jetzt nicht 'die freundschaftliche Ebene')

"Wie wäre es mit... Freunden?" (Oder mehr? Sie muß es nur sagen!)

"Freunde? (Kann er Gedanken lesen?) Freundschaft ist gut!"

"Genau, nichts ist wichtiger als eine gute Freundschaft!" (Wie soll sie das glauben, wenn ich es nicht mal tue?)

"Freundschaft ist der Grundstein für jede Beziehung... ich meine im freundschaftlichen Sinne."

"Und... unsere Freundschaft ist mir sehr wichtig!"

"Mir auch!"

"Wieso sollten wir sie also gefährden?"

"Es gibt keinen Grund." (Nein, es gibt hunderte!)

"Wir sind also Freunde."

"Freunde."

Einen Moment war es still. B'Elanna biß sich auf die Unterlippe, wie immer, wenn sie nervös war.

Vorsichtig wagte Tom einen Blick in B'Elannas Richtung. Das lange, veilchenfarbene Kleid mit den langen Ärmeln stand ihr, wie er fand, ziemlich gut.

"Ganz von Freund zu Freund muß ich Ihnen sagen, B'Elanna, Sie sehen einfach umwerfend aus."

"Finden Sie? Ich hoffe, ich habe mich nicht allzu sehr in meiner Kleiderwahl vergriffen."

"Und wenn schon. Sie sehen doch immer großartig aus!"

"Vorsicht Lieutenant, sie driften von der freundschaftlichen Ebene ab!"

Der Turbolift hielt und die Tür öffnete sich. B'Elanna stieg aus und ging in Richtung Casino. Tom blieb noch kurz im Turbolift stehen.

"So war es auch gedacht!"

In der Gewißheit, daß B'Elanna seinen letzten Satz nicht mehr gehört hatte, folgte er ihr zum Casino.

 

 
VOYAGER; CASINO; 17:55 Uhr

 

Obwohl es noch zu früh war, waren bereits einige Gäste eingetroffen. Unter ihnen waren Captain Janeway, Krofkar, Chakotay, Harry, und Tom und B'Elanna, die eben eingetroffen waren.

Neelix hatte sich bei der Dekoration des Raumes viel Mühe gegeben. Alles war ziemlich bunt, an den Wänden waren verschiedene Stoffe kunstvoll aufgehängt und prachtvolle Blumengestecke schmückten einige Tische. Neelix war zuvor in einem Tempel der Xaor gewesen und hatte das Casino mit der Genehmigung Krofkars dem Tempel nachempfunden.

Krofkar hatte drei Fässer seines berühmten und angeblich selbst gekelterten Weines mitgebracht und hatte bereits an alle anwesenden Gäste ausgeschenkt.

Tom hatte sich mit einem der großen Kelche voll Wein, welche Neelix speziell für diesen Abend repliziert hatte, an einen Tisch, möglichst weit weg von den anderen Gästen, hingesetzt und starrte wieder ganz in Gedanken in seinen Becher.

Doch er blieb nicht unentdeckt wie er gehofft hatte, denn Harry hatte ihn entdeckt und sich einfach zu ihm gesetzt.

"Ich muß mit Ihnen reden Tom!"

"Ich bin heute Abend kein besonders guter Gesprächspartner Harry!"

"Aber es ist wirklich dringend!"

"Also schön, schießen Sie los!"

Tom hob seinen Blick und sah Harry in die Augen.

"Ich fürchte, ich habe mich verliebt!"

"Da sind Sie nicht der Einzige!", gab Tom zur Antwort und wurde auch sogleich wieder bedrückter. "Hologramm oder lebendig?"

"Absolut lebendig."

"Ist sie eine Xaor?"

"Nein, sie ist ein Crewmitglied."

"Dann ist sie mit einem anderen zusammen?"

"Soweit ich weiß nicht."

Bisher hatte Harrys Geständnis Tom noch nicht sonderlich beeindruckt, doch jetzt war er ziemlich irritiert.

"Sie ist also ein lebendiges, lediges Crewmitglied?"

"Ja."

"Und wo ist dann der Haken? Sind Sie nicht ihr Typ?"

"Doch, jedenfalls hat sie das gesagt."

"Verzeihen Sie meine Frage, aber... was ist dann ihr Problem?"

"Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es einfach zu perfekt, vielleicht habe ich auch nur Schuldgefühle wegen Libby!"

"Harry, Libby ist Tausende von Lichtjahren entfernt! Wenn sie sie überhaupt wiedersehen, dann ist sie bestimmt selbst mit einem anderen zusammen. Sie können nicht ewig ihre Schuldgefühle gegenüber Libby vorschieben, wenn Sie noch nicht zu einer Beziehung bereit sind! Sie haben jetzt eine Chance, sich Ihr Leben hier mit jemanden aufzubauen. Nutzen Sie sie."

"Meinen Sie?"

"Natürlich! Darf man fragen, wer die Glückliche ist?"

"Tara Loyess."

"Oh. Gute Wahl." (Ich sollte wohl nicht erwähnen, daß ich bei ihr vor ein paar Jahren abgeblitzt bin.)

"Danke, ich weiß. Aber wie meinten Sie das vorhin, als Sie sagten, daß ich nicht der Einzige wäre, der verliebt ist? Sagen Sie nicht, daß Sie sich verliebt haben!"

"Hey, Sie waren hergekommen, um über Ihre Probleme zu reden. Außerdem, was wäre so ungewöhnlich daran, wenn ich mich verliebt hätte?"

"Oh, gar nichts. Ich habe Sie nur noch nie so bedrückt wegen einer Frau gesehen!"

"Ich bin nicht bedrückt! Ich habe hier eine Menge Spaß mit meinem Wein!"

Allein Toms ironischer und ärgerlicher Unterton verdeutlichte seine Stimmung.

"Wer ist es, sagen Sie schon!"

"Wer sind Sie, der neue Counselor?"

"Nein, ich bin bloß neugierig! Außerdem habe ich Ihnen auch erzählt, in wen ich verliebt bin!"

"Ist das meine Schuld?"

"Es ist B'Elanna, nicht war?"

Der Schrecken war regelrecht in Toms Augen abzulesen.

"Wie kommen Sie auf B'Elanna?"

"Sie beide schleichen doch schon seit einiger Zeit umeinander herum. Und außerdem haben Sie mir doch erzählt, daß Sie es bereits bei ihr versucht hätten."

"Und abgeblitzt bin! Nein, das mit B'Elanna war nur so eine Laune. Wir sind nur gute Freunde, nicht mehr. Ich weiß auch gar nicht, was ich an ihr gefunden habe."

"Es ist B'Elanna!"

"Tun Sie mir einen Gefallen Harry und kümmern Sie sich zuerst mal um ihre Beziehungsschwierigkeiten! Ihre Herzdame ist soeben eingetroffen."

Tom deutete mit seinem Finger in Richtung der Tür. Nur um sicher zu gehen, daß Tom ihn nicht nur loswerden wollte, drehte Harry seinen Kopf so unauffällig wie möglich zur Tür und erblickte, wie er gehofft hatte, Tara.

"Sie entschuldigen mich Tom, ich muß mich um meine... Beziehungsschwierigkeiten kümmern! Trinken Sie nicht mehr so viel!"

"Ich doch nicht!" (Nach dem ersten Faß höre ich bestimmt auf!)

Harry stand auf und gesellte sich zu Tara.

 

 
18:53 Uhr

 

"Das ist also Blutwein."

Krofkar und Captain Janeway standen vor dem Replikator. Krofkar hielt einen Becher Blutwein in der Hand, welchen Janeway ihm repliziert hatte.

"Normalerweise ist er wesentlich stärker, dieser hier ist synthetisch hergestellt. Schließlich wollen wir unsere Gäste nicht betrunken machen!"

"Unsere Spezies kommt hervorragend mit dem Alkohol klar! Es sind große Mengen von Alkohol notwendig, um uns betrunken zu machen!" Krofkar sah sich im Raum um. "Anscheinend verfügt Ihre Spezies nicht über diese Eigenschaft!"

Janeway lachte.

"Nein, ich fürchte, die besitzen wir nicht!"

"Und diese... Klingonen, von denen Sie mir erzählten, was ist mit denen?"

"Sie werden zwar nicht so schnell betrunken wie wir Menschen, aber sie sind es trotzdem oft und gerne! Meine Chefingenieurin, B'Elanna Torres, ist eine Halb-Klingonin."

"Sie meinen die reizende Dame, die dort hinten sitzt und der ich eben nachgeschenkt habe? Sie sieht nicht so aus, als würde sie den Alkohol besser vertragen als Ihre anderen Offiziere!"

"Normalerweise trinkt sie auch nichts. Ich weiß nicht genau, was heute Abend mit ihr los ist!"

"Sie amüsiert sich nur! Und daran sollten Sie sich ein Beispiel nehmen! Kommen Sie, wir tanzen eine Runde! Kann Ihr Computer auch etwas Schnelleres spielen?"

"Ja, das kann er!"

Janeway programmierte einen Mambo, tanzte jedoch selbst nur kurz und riß dann Tara mit der Bitte, das restliche Lied mit Krofkar zu tanzen, da sie sich so gut mit ihm verstehen würde, aus ihrer Unterhaltung mit Harry.

Tara willigte ein, also setzte sich Harry wieder zu Tom, um zu kontrollieren, wie es ihm ging.

"Hey Paris, sind Sie schon total betrunken?"

Vor Tom standen vier leere Kelche auf dem Tisch, wodurch sich Harrys Frage eigentlich erübrigt hätte.

Tom saß halb schwankend noch immer auf seinem Stuhl und betrachtete, auf den Ellenbogen gestützt, eine der Blumen, die er sich aus einem der Gestecke gepflückt hatte.

"Ich bin nicht betrunken. Nicht ganz. Vielleicht halb. Ein bißchen. Sie etwa nicht?"

"Nein. Ich habe mich den ganzen Abend mit Tara unterhalten." Verträumt sah er zu Tara und beobachtete sie, wie sie tanzte. Der ganze Raum klatschte, um sie und Krofkar anzufeuern. "Ist sie nicht einfach wunderbar?"

"Ganz wunderbar. Haben sie B'Elanna irgendwo gesehen?"

"Ich glaube, sie sitzt rechts hinten in der Ecke und ist mindestens genauso betrunken wie Sie!"

Harrys Ton hatte etwas Vorwurfsvolles, doch Tom kümmerte sich nicht besonders darum.

Schließlich war der Mambo vorbei und der Computer begann wieder, langsamere Musik zu spielen. Doch bevor Tara die Tanzfläche verlassen konnte, fing Harry sie ab.

"Darf ich um diesen Tanz bitten?"

(Na und ob er das darf, darauf warte ich doch den ganzen Abend schon!)

Tara lächelte über das ganze Gesicht und sah fragend zu Krofkar.

"Tanzen Sie nur, meine Kleine, tanzen Sie nur, Sie müssen mich nicht fragen!"

Vorsichtig legte Harry seine Arme um Tara, um nicht zu aufdringlich zu wirken, doch diese zog ihn ziemlich nah zu sich und sie bewegten sich langsam zur Musik.

 

 

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Computerlogbuch, Captain Janeway.

Der gestrige Abend hat, soweit ich es beurteilen kann, der gesamten Crew gutgetan. Es ist uns endlich gelungen, den Warpantrieb zu reparieren, was bedeutet, daß wir unsere Reise fortsetzen können, sobald uns die Xaor die vereinbarte Menge Dilithium übergeben können. Zuvor möchte ich allerdings mit unserem fremden Patienten sprechen.

 

 
VOYAGER; B'ELANNA TORRES' QUARTIER; 07:30 Uhr

 

"Es ist 7:30 Uhr."

Die Stimme des Weckcomputers schien B'Elanna durch ihren Kater unerträglich laut zu sein und sie bereitete ihr Kopfschmerzen. B'Elanna hatte gestern Abend vergessen, ihren Weckcomputer neu einzustellen, denn heute hatte sie erst später Dienst als sonst. Es fiel B'Elanna überhaupt schwer, sich an den gestrigen Abend zu erinnern.

(Das Letzte, an das ich mich erinnern kann, sind die fünf leeren Kelche, die vor mir auf dem Tisch standen. Na ja, darüber kann ich auch noch nachdenken, wenn ich ausgeschlafen habe.)

B'Elanna schloß die Augen wieder und drehte sich um, um zu schlafen. Doch kaum hatte sie sich umgedreht, stieß sie mit ihrem Fuß an etwas. Langsam tastete sie das, was auch immer es war, mit ihren Zehen ab. Blitzartig zog sie ihren Fuß zurück, als sie erschrocken feststellen mußte, daß noch jemand mit ihr im Bett lag.

Sie wagte kaum die Augen zu öffnen, doch es mußte sein und sie würde nicht darum herum kommen.

Wer auch immer mit ihr im Bett lag, bewegte sich jetzt, anscheinend war er ebenfalls wach geworden.

B'Elanna nahm all ihren Mut zusammen und öffnete ihre Augen.

Sie schaute in zwei himmelblaue Augen und es war, wie B'Elanna es sich gedacht hatte: neben ihr lag nicht irgend jemand, es war Tom Paris.

Mit einem Schrei schreckten beide auf, als sie endlich die Situation erkannt hatten.

Beide zogen an der Decke, um sich möglichst vollständig bedecken zu können. Auch Tom war nun definitiv wach und beruhigte sich langsam, nach dem anfänglichen Schock.

"B'Elanna! Was... was machen Sie hier?"

"Ich wohne hier! Was machen Sie hier?"

Auch wenn es unangebracht war, konnte Tom sich ein kleines Grinsen einfach nicht verkneifen.

"Ich glaube, es ist recht eindeutig, was ich hier mache, oder besser gesagt, was wir hier gemacht haben!"

"Oh Gott, wir haben doch wohl etwa nicht, oder?"

"Ich würde es ihnen sagen, wenn ich es noch wüßte!"

"Sie meinen, Sie können sich an nichts mehr erinnern?"

"Das wollte ich damit ausdrücken. Wieso, können Sie etwa?"

Wieder grinste Tom und B'Elanna konnte daraus regelrecht ablesen, daß er nicht so sehr von dieser Situation geschockt war, wie er es eigentlich hätte sein sollen. Nein, sie schien ihm sogar zu gefallen, was B'Elanna noch ärgerlicher machte.

"Wie können Sie nur ihre Scherze darüber reißen? Gestern Abend haben wir uns noch auf eine freundschaftliche Ebene geeinigt und heute wachen wir nebeneinander auf!"

"Beruhigen Sie sich B'Elanna, wir waren betrunken und wußten nicht, was wir tun!"

"Da haben Sie Recht, das wußten wir nicht."

"Sehen Sie. Wir sollten versuchen, das Beste aus der Situation zu machen."

"Ach ja? Und wie stellen Sie sich das vor? Einfach die Zeit zurückdrehen?"

"Nein! Wir tun einfach so, als sei nichts passiert! Das müßte Ihnen doch recht sein, denn darin haben wir doch jetzt schon Übung!"

"Was wollen Sie denn damit sagen?"

"Jedesmal, wenn zwischen uns etwas passiert, was die Freundschaft übersteigt, heißt es 'Lassen Sie uns so tun, als ob nichts passiert wäre'. Ich hab dieses Spielchen langsam satt, also sagen Sie mir, können Sie nach dieser Nacht, nachdem wir miteinander geschlafen haben, immer noch sagen, es sei nichts gewesen?"

B'Elanna sah in seine wunderschönen Augen und wußte, daß sie das nicht sagen konnte. Doch sie kam nicht dazu zu antworten, denn plötzlich ertönte der Türmelder. Beide schreckten von dem Geräusch auf, welches den beiden so laut erschien.

"Wer kann das sein?"

"Woher soll ich wissen, von wem Sie Besuch bekommen?"

"Das war auch eine rhetorische Frage!"

B'Elanna erblickte den Bademantel, der neben dem Bett lag, und griff hinunter, um ihn zu sich auf das Bett zu ziehen. Als sie das geschafft hatte, zog sie ihn sich unter der Decke an und sprang, sobald sie ihn angezogen hatte, aus dem Bett.

"Sie müssen sich verstecken!"

"Wo?"

"Im Bad."

"Aber meine Sachen!"

Tom wickelte sich die Decke um die Hüfte und stieg ebenfalls aus dem Bett. B'Elanna betrachtete die Sachen, die überall auf dem Boden verstreut lagen, und sammelte sie schnell auf. Sobald sie dachte, sie hätte alles, drückte sie Tom den Haufen auf den Arm und schob ihn ins Bad.

Erneut ertönte der Türmelder.

"Ich bin sofort da! Einen Moment noch!"

Tom war mitsamt den Kleiderhaufen im Bad verschwunden und B'Elanna schaute sich noch einmal im Zimmer um, nur um sicher zu gehen, daß sie nichts vergessen hatte, was sie verraten könnte.

"Kommen Sie herein."

B'Elanna versuchte, trotz aller Aufregung, so natürlich wie möglich zu wirken.

Als die Tür sich öffnete, kam Chakotay herein, der etwas Besorgtes in seinem Blick hatte.

"Guten Morgen B'Elanna."

"Guten Morgen."

"Ist mit Ihnen alles in Ordnung?"

Diese Frage machte B'Elanna sichtlich nervös.

"Wi... wieso fragen Sie?" (Ob er es weiß?)

"Na ja, Sie waren gestern Abend ziemlich betrunken, was sonst eigentlich gar nicht Ihre Art ist. Ich wollte auch eigentlich nur überprüfen, ob Sie gut in Ihrem Quartier angekommen sind."

"Warum sollte ich nicht gut angekommen sein?"

"Tom wollte Sie gestern noch zu Ihrem Quartier bringen, aber ich schätze, er war auch nicht viel nüchterner als Sie."

"Es... es ist ja trotzdem alles gut gegangen." B'Elanna drehte sich zu ihrem Bett, um dieses machen zu können und bemerkte dabei, daß sie doch nicht alle Kleidungsstücke erwischt hatte. (Oh Gott, da liegt ja einer von Toms Schuhen halb unter dem Bett! Hoffentlich hat Chakotay den noch nicht entdeckt!)

Sofort drehte sich B'Elanna wieder in Chakotays Richtung und hoffte dabei den Schuh verdecken zu können. Dann versuchte sie ihn vorsichtig mit dem rechtem Fuß unter das Bett zu schieben, doch der Schuh klemmte.

"Kann ich noch etwas für Sie tun Commander?"

"Es wäre nett, wenn ich mir bei Ihnen die Hände waschen könnte, ich habe Kes eben geholfen, einige Pflanzen in den Hydroponischen Garten zu tragen und hatte noch keine Gelegenheit, mir die Hände zu waschen!"

"Nein!", schrie B'Elanna und hätte fast den Schuh vergessen, indem sie sich vor die Tür zum Bad gestellt hatte.

"Warum, was ist mit Ihrem Bad?"

"Ich... äh... es ist nicht aufgeräumt! Ich habe eben geduscht und es liegen überall meine Sachen herum!"

"Das macht mir nichts aus."

"Mir aber! Ich fürchte Sie werden sich Ihre Hände woanders waschen müssen!"

"Gut, wenn Sie so darauf bestehen. Ich werde dann jetzt wohl besser gehen."

Chakotay war ein bißchen empört, gar beleidigt und B'Elanna hoffte, er würde es ihr nicht allzu übel nehmen.

Als er gegangen war, atmete B'Elanna tief durch.

"Sie können wieder raus kommen Tom!"

Während Tom wieder angezogen aus dem Bad kam, kniete B'Elanna sich neben das Bett und zog den eingeklemmten Schuh mit aller Gewalt heraus.

"Wer war es denn?"

"Chakotay." Sie hielt ihm den Schuh hin und stand auf. "Hier, der gehört Ihnen."

"Danke! Ich habe mich schon gefragt, wo er ist."

Tom setzte sich auf das Bett, um sich den Schuh anzuziehen.

"Ich denke, es ist besser, wenn Sie jetzt gehen Tom."

Den Schuh angezogen, sah Tom zu B'Elanna auf und er sah ärgerlich und genervt aus.

"B'Elanna, Sie werden sich nicht um dieses Gespräch drücken können! Wir müssen darüber reden, wie es jetzt weitergehen soll!"

"Ich will mich nicht darum drücken, ich will es nur verschieben! Wir beide müssen erst einmal darüber nachdenken."

"Na schön." Er stand auf und ging zur Tür. "Ganz wie Sie wollen."

Er schien nicht mehr so ärgerlich zu sein, aber etwas Wut konnte B'Elanna ihm anmerken, als er den Raum verließ.

 

 
VOYAGER; JANEWAYS BEREITSCHAFTSRAUM; 08:09 Uhr

 

Captain Janeway saß, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, an ihrem Schreibtisch und las die Daten, die ihre Crew bis jetzt über die Xaor aufgezeichnet hatte.

(Irgend etwas muß faul sein! Vielleicht ist es auch nur Einbildung, aber ich spüre förmlich, daß da etwas nicht stimmt. Wir sind einfach schon zu oft hinters Licht geführt worden und Krofkar verheimlicht uns etwas. Aber vielleicht bin ich auch einfach überarbeitet.)

"Doktor an Janeway."

Das plötzlich Erklingen der Stimme des Doktors hatte Janeway so erschreckt, daß sie sich versehentlich etwas Kaffee auf die Jacke geschüttet hatte.

"Janeway hier." Sie stellte die Tasse ab und suchte nach etwas, um ihre Jacke zu reinigen.

"Kommen Sie bitte zur Krankenstation, ich habe meinen Patienten geheilt und Sie können jetzt mit ihm sprechen."

"Verstanden, ich bin auf dem Weg. Janeway Ende."

Gerne hätte sie sich noch umgezogen, aber dafür blieb jetzt keine Zeit mehr.

 

 
VOYAGER; KRANKENSTATION; 08:13 Uhr

 

Als Janeway die Krankenstation betrat, befand sich der Doktor in seinem Büro. Als er Janeway sah, kam er sofort auf sie zu, um sie zu empfangen.

"Captain, gut, daß sie kommen! Ich habe soeben etwas Erstaunliches festgestellt. Ich wollte gerade die medizinischen Daten, die wir über die Xaor haben, durchsehen und dabei ist mir etwas aufgefallen."

Der Doktor führte sie zu Kes, die an einer Konsole stand, auf welcher diese schnell tippte, als sie Janeway sah. Auf der Konsole erschien etwas, das wie ein DNA- Strang aussah.

"Das ist die DNA der Xaor und das..." Kes tippte erneut und ein zweiter Strang erschien. "... ist die des Fremden."

Die Überraschung zeichnete sich in Janeways Gesicht ab. Die beiden Stränge waren identisch.

"Wollen sie damit sagen, daß sie zur gleichen Spezies gehören?"

"Exakt."

"Aber... warum haben sie uns dann angegriffen?"

"Das werden Sie ihn wohl selbst fragen müssen. Kes, wecken Sie den Patienten bitte auf."

"Ja Doktor."

Kes nahm ein Hypospray in die Hand und drückte es dem Mann auf dem Biobett an den Hals.

Janeway trat an das Bett heran und der Mann erwachte.

"Ich bin Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager."

"Wo bin ich?"

"Sie befinden sich auf meinem Schiff auf der Krankenstation. Wir haben Sie aus ihrem schwer beschädigten Raumschiff gebeamt und Sie geheilt."

"Warum? Wollen Sie mich als Geisel oder wollen Sie nur Informationen?"

"Eigentlich möchte ich nur wissen, warum Sie uns angegriffen haben."

"Das liegt doch auf der Hand! Sie sind Verbündete der Xaor."

"Wir schließen lediglich einen Handel mit Ihnen ab! Sind Sie mit den Xaor im Krieg?"

"Tun Sie doch nicht so, als ob Ihnen das nicht schon lange bekannt sei! Die Zuil und die Xaor sind schon seit ewigen Zeiten verfeindet."

"Aber wir wußten nichts davon, bevor Sie mir davon erzählt haben! Wir haben einige Lebensmittel gegen etwas Dilithium getauscht, mehr nicht. Warum sollten wir uns in Ihren Krieg einmischen?"

"Das weiß ich nicht, ich kenne Sie ja nicht. Warum haben Sie dann die Trümmer des Xaor Frachters geborgen?"

"Wir wollten sie untersuchen, da wir Rückstände von Trilithium registrierten. Sind Sie für diese Bombe verantwortlich?"

"Nein, das ist die Handschrift der Yeyt. Sie bevorzugen diese kleinen Angriffe durch Bomben oder ähnliches."

"Die Yeyt? Gehören sie auch zu Ihrer Rasse?"

"Ich sehe, Sie wissen Bescheid. Ja, auch die Yeyt gehören unserer Rasse an."

"Darf ich fragen, warum sich Ihr Volk gespalten hat?"

"Aus irgendeinem Grund vertraue ich Ihnen Captain. Sie wollen wissen, was passiert ist? Gut, ich werde es ihnen sagen. Die Zuil waren einst die Sklaven der Xaor. Es kam zu einer Rebellion und die Zuil nahmen den Xaor jede Art von Technik. Nach einigen Jahrzehnten schlugen die Xaor zurück und konnten den Planeten zurückerobern. Sie verzichten noch immer auf Technik. Die Yeyt haben sich erst später gegründet. Sie sind eine machtbesessene, aber neutrale Gruppe, die darauf wartet, daß die Xaor und die Zuil sich gegenseitig vernichten. Sie beschränken sich auf kleinere Attentate, wie die Trilithiumbombe. Sie sind schwer zu finden und stark bewaffnet, deshalb traut sich niemand, sie anzugreifen."

"Haben Sie noch nie daran gedacht, sich mit den Xaor zu verbünden?"

"Ich wußte, Sie würden es nicht verstehen. Unsere Völker sind verfeindet!"

"Doch, daß verstehe ich. Wir werden Ihr Volk kontakten und Sie ihnen übergeben."

"Warum machen Sie das?"

"Wir haben nichts mit diesem Krieg zu tun, das sagte ich bereits. Wie ist Ihr Name?"

"Legat Zun Nergnu."

"Ich sage ihnen Bescheid, sobald wir Ihr Volk kontaktet haben."

Nergnu hatte nicht die Absicht, sich in irgendeiner Weise zu bedanken. Statt dessen schloß er wieder die Augen, um sich auszuruhen.

Janeway verließ die Krankenstation. Ihr Verdacht war bestätigt worden.

 

 
VOYAGER; MASCHINENRAUM; 09:26

 

Um nicht die ganze Zeit an die letzte Nacht zu denken, hatte B'Elanna beschlossen, sich in ihre Arbeit zu stürzen. Und dennoch kam sie mit ihren Gedanken einfach nicht von diesem Ereignis weg.

Völlig in Gedanken starrte sie, auf den Ellenbogen gestützt, in die Gegend, als ihr jemand ein Pad unter die Nase hielt.

"Hier sind die wissenschaftlichen Daten, um die Sie gebeten hatten."

B'Elanna konnte die Stimme sofort als die von Tara Loyess identifizieren. Noch immer nachdenklich nahm B'Elanna ihr das Pad aus der Hand.

"Danke."

Tara ging jedoch nicht weg und sah B'Elanna nach wie vor an.

"Kann ich noch etwas für Sie tun, Fähnrich?"

"Ist etwas mit Ihnen nicht in Ordnung?"

"Warum fragen mich das heute nur alle?"

"Na ja, Sie sind unaufmerksam, unkonzentriert, nachdenklich und haben so ein Leuchten in den Augen. Hatten Sie Sex?" (Oh Gott, wie kann ich sie das nur fragen? Ich kenne sie kaum und sie mag mich nicht einmal!)

B'Elanna war nun kurz vor einem Wutanfall, konnte sich aber noch rechtzeitig beruhigen.

"Was fällt Ihnen ein? Sind Sie immer so direkt?"

"Nur an guten Tagen. B'Elanna Sie müssen sich nicht aufregen, ich werde es niemandem erzählen!"

"Das geht Sie auch gar nichts an!"

"Aber irgendwann müssen Sie mit jemandem reden." (Wieso gehe ich nicht, warum mische ich mich da ein?)

"Wer sind Sie, der Counselor?"

"Nein, nur jemand, der sich Sorgen macht! Es war vorherzusehen, daß Sie und Tom früher oder später zueinanderfinden." (Ich bin so gut wie tot, es geht mich wirklich nichts an, ich sollte gehen!)

"Woher wissen Sie, daß es Tom ist?"

"Oh Gott, es war tatsächlich Tom? Das war nur ein Schuß ins Blaue! Ich wußte ja nicht, daß ich auch gleich ins Schwarze treffe!" (Ich werde dieses Gespräch nicht überleben! Hätte ich das doch nur nie gefragt.)

"Hören Sie, wenn Sie auch nur einer Menschenseele davon erzählen..."

"Dann brechen Sie mir das Genick, ich weiß! Ich werd's schon für mich behalten, keine Angst!"

"Das will ich Ihnen auch raten!"

Um B'Elanna nicht noch mehr zu verärgern, beschloß Tara zu gehen, drehte sich aber vorher noch einmal um.

"Wenn Sie mit jemandem reden wollen, Sie wissen, wo Sie mich finden!" (Sonst geht's mir aber noch gut!)

Als B'Elanna nicht antwortete, ging Tara, ohne noch etwas zu sagen.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 10:03 Uhr

 

"Wir bekommen endlich eine Antwort Captain!"

Seit bereits einer Stunde warteten Captain Janeway und die Brückencrew darauf, daß die Zuil, die sie kontaktet hatten, sich meldeten.

"Na endlich, ich dachte schon, sie würden uns noch ewig warten lassen! Auf den Schirm."

Tuvok tippte auf seiner Konsole und auf dem Schirm erschien ein Zuil, der ebenso unsympathisch wirkte, wie sein Artgenosse auf der Krankenstation.

"Ich bin Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff..."

"Ich weiß wer Sie sind Captain!", unterbrach sie der Zuil. "Was wollen Sie von uns?"

"Es befindet sich ein Mitglied ihres Volkes an Bord unseres Schiffes. Legat Zun Nergnu."

"Ich verstehe. Was wollen Sie, um die Geisel freizulassen?"

"Er ist keine Geisel! Wie wollen ihn bloß..."

"Oh erzählen Sie mir nicht so etwas Captain! Was soll dieses Spiel? Die Yeyt verwenden solche Täuschungsmanöver, aber die Xaor, das wäre neu."

"Wir sind keine Verbündeten der Xaor. Wir wollen Ihnen lediglich Legat Nergnu übergeben."

"Und warum sollte ich Ihnen das glauben?"

"Weil Sie keine andere Wahl haben. Wir haben absolut nichts mit ihrem Krieg zu tun, wir sind hier, um ein Geschäft abzuschließen nicht mehr!"

"Also schön. Wir übermitteln Ihnen die Koordinaten für unseren Treffpunkt, welcher in unserem Gebiet liegt. Und kommen Sie alleine!"

"Ich denke, Sie sind nicht in der Position, Forderungen zu stellen!"

"Oh, das sehe ich ganz anders. Wenn Sie uns den Legat nicht freiwillig übergeben, werden wir angreifen und so einen erneuten Krieg entfachen! Sie wären ziemlich schnell in diesen Krieg verwickelt."

Janeway dachte kurz über die Worte des Zuil nach und kam zu dem Schluß, daß er Recht hatte. Trotzdem hatte sie Bedenken und das konnte man ihr deutlich ansehen.

"In Ordnung, unter einer Bedingung. Sie garantieren uns einen sicheren Flug durch Ihr Gebiet."

"Gut, wenn es sein muß."

"Wir werden uns zu Ihnen begeben, sobald es uns möglich ist."

Der Zuil nickte und unterbrach die Verbindung.

"Captain, darf ich offen sprechen."

"Natürlich Tuvok." Janeway schien noch immer unzufrieden mit ihrer Entscheidung zu sein.

"Es ist nicht besonders logisch, in das Gebiet einer aggressiven Rasse zu fliegen, die uns deutlich an Waffen überlegen ist." Wieder zog er eine Augenbraue hoch.

"Ich weiß, aber wir haben keine andere Wahl."

"Darf ich sie daran erinnern, daß die Xaor erwarten, daß wir hier verweilen, bis sie uns die vereinbarte Menge Dilithium übergeben können?"

"Ein Team wird mit einem Shuttle auf dem Planeten warten, bis wir wieder hier sind. Wir werden in einer Stunde aufbrechen."

"Verstanden."

Janeway setzte sich auf in ihren Sessel, stützte sich auf ihrem Ellenbogen und atmete tief durch.

 

 
VOYAGER; HOLODECK 2; 10:15 Uhr

 

"Oh Harry, bitte sagen Sie mir, was Sie mir mitgebracht haben!"

Tara Loyess befand sich in Harrys Schwimmbad-Simulation und hielt sich mit den Händen am Beckenrand fest, während sie mit den Beinen, auf dem Wasser liegend, Schwimmbewegungen machte. Harry saß neben ihr auf dem Beckenrand, die Beine im Wasser baumelnd.

"Sind Sie immer so neugierig?"

"Eigentlich schon! Bitte, sie lassen mich schon lange genug zappeln. Was ist es?" (Ein Strauß Rosen, ein Ring...)

"In Ordnung, jetzt da Sie brav ihre Übungen gemacht haben, werde ich Ihnen zeigen, was ich Ihnen mitgebracht habe."

Die Weise, auf welche Harry das gesagt hatte, brachte Tara dazu, sich wie ein kleines Mädchen zu fühlen, das eine Belohnung bekommt, wenn es sein Zimmer aufräumt.

Harry zog seine Beine aus dem Wasser und ging zu der langen weißen Bank, die kurz vor dem Eingang an der Wand stand und auf welcher beide ihre Sachen abgelegt hatten.

Er wühlte in seinen Sachen und holte schließlich etwas heraus, das wie ein breiter Gürtel aussah, nur kürzer, so daß er gerade den Bauch bedecken konnte und mit kleinen Schwimmkissen an beiden Enden.

"Bitte sehr!" Stolz präsentierte Harry Tara den merkwürdigen Gürtel.

"Was... was genau ist das?"

"So etwas wie... Schwimmflügel."

"Schwimmflügel?" (... oder einfach Schwimmflügel!)

Tara begutachtete den Gegenstand äußerst skeptisch.

"Na ja, es ist, um Sie über Wasser zu halten. Sie legen sich mit dem Bauch darauf und können so schwimmen. Und gehen garantiert nicht unter."

"Wirklich nicht?"

"Nein, bestimmt nicht. Außerdem passe ich ja auf." Er reichte ihr den Schwimmgürtel. "Hier, probieren Sie es!"

Harry stieg zu ihr ins Wasser und Tara versuchte sich mit dem Gürtel. Als sie sich den Gürtel unter den Bauch gelegt hatte, versuchte sie verzweifelt vorwärts zu kommen, verlor jedoch die Balance und stellte sich wieder auf beide Beine.

"Ich kann es nicht. Ich habe darauf kein Gleichgewicht!"

"Kommen Sie, Sie sind doch sonst niemand, der so schnell aufgibt. Legen Sie sich noch einmal auf den Gürtel und versuchen sie Folgendes; Sie machen einfach die Augen zu und stellen sich vor, Sie wären wieder auf Risa, nur daß Sie dieses Mal mitschwimmen können. Stellen Sie sich vor, Sie hätten nicht diesen Gürtel unterm Bauch und lassen Sie sich einfach treiben."

Tara schloß ihre Augen, wie es ihr gesagt wurde und ließ sich treiben. Nachdem sie kurze Zeit einfach nur auf dem Wasser gelegen hatte, begann sie plötzlich zu schwimmen.

Sie hatte noch immer die Augen geschlossen und schwamm zum tieferen Teil des Beckens.

"Sie haben Recht Harry, es geht wie von selbst."

Harry stieß sich mit den Füßen vom Beckenrand ab und schwamm Tara hinterher.

"Und Sie schaffen es sogar, ins tiefe Wasser zu schwimmen, ohne in Panik zu geraten!"

"Was?", schrie Tara, öffnete schlagartig ihre Augen und begann in Panik so stark zu zappeln, daß der Schwimmgürtel weg rutschte.

Bevor sie jedoch unterging, kam Harry zu ihr geschwommen und hielt sie fest. Tara klammerte sich sofort mit ihren Beinen um Harrys Hüfte und mit ihren Armen um seinen Hals. Als sie endlich zur Ruhe gekommen war, löste sie ihre Beine von Harrys Hüfte wieder.

"Oh, Verzeihung."

"Schon... schon in Ordnung!"

Die beiden sahen sich tief in die Augen. Sie waren sich so nahe, daß jeder den anderen atmen hören konnte.

Plötzlich zeichnete sich ein leichtes Grinsen in Taras Gesicht ab.

"Aber Fähnrich, so etwas denkt man doch nicht."

"W... was, sie haben doch nicht, ich meine ich wollte nicht..."

"Harry, seien sie still."

Gerade wollte Tara Harry küssen, da zog er seinen Kopf zurück.

"Sind Sie sich wirklich sicher?"

Tara lächelte.

"Wie... wie wäre es, wenn wir endlich zum 'du' übergehen?"

Harry lächelte ebenfalls und küßte sie dann erst vorsichtig, dann etwas leidenschaftlicher.

Sie mußten lachend abbrechen, als sie merkten, daß sie dabei waren, unterzugehen.

"Verrat meinem Schwimmlehrer nichts, aber ich würde den Schwimmunterricht lieber ausfallen lassen und wieder dahin getragen werden, wo ich stehen kann."

Harry lachte.

"Ich werde nichts verraten, versprochen! Warte, ich hol dir den Schwimmgürtel und dann schwimmst du selbst zurück."

"Zu Befehl, Sir!"

Der Gürtel war ungefähr einen Meter von Harry und Tara weggeschwemmt worden, also mußte Harry nicht großartig wegschwimmen, um ihn zu holen.

Beide schafften es dann, das flache Ende des Beckens ohne weitere Zwischenfälle zu erreichen.

Tara legte den Schwimmgürtel auf den Rand des Beckens, trat wieder auf Harry zu und schlang ihre Arme erneut um Harrys Hals.

"Und Coach, was ist die nächste Übung?"

Harry legte seine Arme ebenfalls um sie und tat so, als würde er angestrengt nachdenken.

"Weißt du, es ist wirklich wichtig, die Mund- zu- Mund- Beatmung zu beherrschen."

"Ach wirklich?"

Anstatt zu antworten küßte Harry Tara erneut. Nach einer Weile konnte Tara sich wieder losreißen.

"Habe ich die Prüfung bestanden?"

"Zu vollster Zufriedenheit."

Harry zog Tara wieder zu sich und ihre Lippen fanden sich wieder.

 

 
VOYAGER; KONFERENZRAUM; 10:42 Uhr

 

Captain Janeway hatte ein Briefing einberufen, um ihren Flug in das Zuil Gebiet und die Besetzung des Teams, daß mit einem Shuttle zurückbleiben sollte, bekanntzugeben.

"Der... charmante Zuil, mit dem ich sprach, als wir die Zuil kontakteten, ließ mir keine Wahl; wir müssen in ihr Gebiet fliegen."

"Captain, wer sagt uns, daß das keine Falle von ihnen ist?"

"Niemand Mr. Paris, aber ich werde lieber das riskieren, als Auslöser eines Krieges zu sein. Da die Xaor erwarten, daß wir hier warten, werde ich ein Team mit einem Shuttle auf den Planeten schicken."

"Wieso mit einem Shuttle, warum beamen wir nicht?"

"Falls es Schwierigkeiten gibt, soll das Team in der Lage sein, zu fliehen. Lieutenants Torres und Paris, Sie werden dieses Team bilden."

Tom und B'Elanna schreckten auf und sahen sich geschockt an. Als sich ihre Blicke trafen, senkten beide ihren Blick schnell wieder.

"Das halte ich für keine gute Idee Captain!" (Tom wird auf einem klärenden Gespräch bestehen.)

"Protestieren hilft nichts B'Elanna, ich habe schon alles mit Krofkar abgesprochen. Er bestand darauf, daß Sie beide dieses Team bilden, er meint, er hätte sich besonders gut mit Ihnen verstanden."

"Aber er hat sich noch mit anderen Leuten angefreundet, zum Beispiel mit Fähnrich Loyess. Sie könnte mitgehen." (Alles, nur nicht noch eine Nacht alleine mit Tom auf diesem Planeten.)

"Nein", brachte Harry energisch ein, was zur Folge hatte, daß der ganze Raum verstummte und die Blicke der anderen auf ihm ruhten. "Ich... ich meine Fähnrich Loyess muß mir hier helfen, ich kann sie nicht entbehren!"

Anscheinend genügte den anderen diese Erklärung und sie konzentrierten sich wieder auf ihr Gespräch.

"B'Elanna, es steht alles fest. Treffen Sie sich in einer Viertelstunde auf der Shuttlerampe."

"Ja Ma'am.", gaben beide unzufrieden zur Antwort.

"Wegtreten."

 

Alle erhoben sich von ihren Stühlen und einer nach dem anderen verließ den Raum. Tom wartete noch auf Harry, da die Beiden zusammen ins Casino gehen wollten.

"Was war denn eben mit Ihnen los Harry?"

"Was meinen Sie?"

"Na kommen Sie, warum wollten sie Tara unbedingt hier behalten?"

"Ich brauche ihre Hilfe bei einigen Analysen, das habe ich doch gesagt." Harry wurde sichtlich nervös.

"Das können Sie vielleicht Captain Janeway erzählen, aber doch nicht mir! Hat sich etwa etwas Neues bei Ihnen ergeben?"

Die Beiden stiegen in den Turbolift.

"Deck 5." Der Turbolift setzte sich in Bewegung.

Obwohl er sich darüber ärgerte, daß Tom aus ihm wie aus einem Buch lesen konnte, lächelte Harry verlegen.

"So kann man das sagen."

"Könnten Sie etwas präziser werden?"

"Wir...wir sind zusammen."

"Na endlich, ich dachte schon, das würde nie mehr etwas werden!"

"Und wie steht es bei Ihnen und B'Elanna?"

"(Woher weiß er davon?) Wi... wieso fragen sie?"

"Na ja, immerhin hat sie eben energisch versucht, jemand anderen für diese Mission zu einzuspannen. Haben Sie sich schon wieder gestritten?"

"Ja; ja wir haben uns gestritten." (Gott sei Dank, er weiß doch nichts.)

"Sie werden sich nie ändern, ständig müssen Sie sich streiten!"

Der Turbolift hielt und Harry stieg gefolgt von Tom aus.

(Und genau das werde ich jetzt versuchen zu beenden.)

 

 
VOYAGER; SHUTTLERAMPE; 11:01 Uhr

 

Nervös mit ihren Fingern auf ihrem Bein tippend, saß B'Elanna in einem Shuttle auf ihrem Stuhl und wartete auf Tom.

(Am besten ich rede die ganze Zeit von der Mission und von belanglosen Sachen, so wie immer. Vielleicht läßt er es ja dann, zu versuchen, ein Gespräch zu beginnen.)

B'Elanna hörte Schritte und das zischende Geräusch der Tür. Zwar wußte sie, daß es Tom sein mußte, beschloß aber, sich nicht umzudrehen, um ihn zu begrüßen.

Als er sich im Shuttle befand, schloß er die Luke und setzte sich auf den Platz neben B'Elanna. Vorsichtig sah er einige Male zu ihr hinüber, doch B'Elanna konzentrierte sich voll und ganz auf ihre Konsolen, auch wenn es ihr schwer fiel.

"Wir haben Starterlaubnis."

Die große Luke der Shuttlerampe öffnete sich und Tom flog das Shuttle hinaus.

"Ich setzte einen Kurs."

"Gehen Sie auf Warp 5."

Tom nickte. Das Shuttle flog los und es herrschte Stille.

B'Elanna lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und verschränkte ihre Arme. Sie merkte deutlich, daß Tom verzweifelt versuchte, ein Gespräch zu beginnen, er wußte nur nicht, wie.

"(Oh verdammt, er wird jeden Moment mit seinem "klärenden" Gespräch beginnen und ich wäre dem vollkommen ausgeliefert. Ich brauche etwas Anderes, worüber wir reden können, etwas Unwichtiges, Belangloses!) Ich habe gehört, daß sie und Harry ein neues Holoprogramm kreiert haben!"

"Ja,... das stimmt." Toms Tonart hatte etwas Überraschtes und dennoch klang er irgendwie verärgert und genervt, als hätte man ihn bei einer spannenden Stelle in einem Buch unterbrochen.

"Worum geht es?" (Gut, er hat angebissen!)

"Es ist eine Abenteuergeschichte. Kennen Sie Indiana Jones?" (Sie denkt doch wohl hoffentlich nicht, daß ich darauf eingehe!)

"Ja, Harry hat mir schon einmal davon erzählt."

"Er ist ganz begeistert davon. Nur... im Moment eher weniger." (Man muß nur ein paar Mal geschickt das Thema wechseln.)

"Wie meinen sie das?"

"Na ja, er hat seine Aufmerksamkeit zur Zeit eher Fähnrich Loyess gewidmet."

"Sind die Beiden ein Paar?" (Er versucht das Thema zu wechseln...)

"Tja, die Beiden haben sich getraut, über ihre Gefühle zu sprechen."

"Ich freue mich für ihn. Hoffentlich wird es keine Enttäuschung." (... und er ist verdammt gut!)

"Harry ist nicht der einzige mit einer komplizierten Beziehung! B'Elanna... wir müssen über letzte Nacht reden!"

"Aber im Moment sollten wir uns auf unsere Mission konzentrieren!" (Wie hat er das geschafft?)

B'Elanna blieb kalt wie Eis und gerade das machte Tom ärgerlich.

"Ja und wenn wir sie beendet haben, suchen Sie sich eine neue Ausrede, um nicht über unsere... ,Beziehung' reden zu müssen."

"Ich suche keine Ausreden."

"Oh wirklich? Und auf was genau müssen wir uns im Moment konzentrieren? Darauf, daß ich nicht versehentlich den falschen Knopf erwische und sich unser Kurs ändert oder darauf, daß mein Fuß nicht einschläft? Was gibt es denn hier so Wichtiges, was unsere vollste Aufmerksamkeit erfordert? Kommen Sie schon, Sie können mir doch nicht erzählen, daß Sie diesem Thema nicht aus dem Weg gehen wollen!"

"Ich denke, daß wir beide auf dieser Mission einen klaren Kopf behalten sollten. Reden können wir, wenn wir genug Zeit haben und keinen Job erledigen müssen."

Daß B'Elanna trotz Toms ironischer und vorwurfsvoller Anspielungen noch immer wirkte, als würde sie das ganze unberührt lassen, verwirrte Tom nur noch mehr, es machte ihm fast Angst.

"Ja,... Lieutenant!", gab er ärgerlich von sich. (Gut, wenn sie's unbedingt so haben will, bitte, mir soll's recht sein. Beschränken wir unsere Beziehung also auf' s... Berufliche.)

 

 
VOYAGER; CASINO; 11:13 Uhr

 

Tara Loyess betrat völlig gestreßt das Casino. Sie steckte bis zum Hals in Arbeit und war froh, daß Fähnrich Wildman ihre Schicht übernehmen konnte. Endlich wollte sie sich eine Pause im Casino gönnen.

Als sie gerade zur Küche gegangen war, tauchte plötzlich Neelix vor ihr hinter einem Tresen auf. Erschrocken wich sie zurück.

"Oh verzeihen Sie Fähnrich, ich wollte Sie nicht erschrecken!"

"Schon in Ordnung Neelix."

"Was kann ich für Sie tun?"

"Haben Sie schon das Rezept für die Uttabeer- Kekse ausprobiert, das ich Ihnen gegeben habe?"

Neelix grinste stolz. "Ich hatte gehofft, daß Sie das fragen. Ich habe es gleich ausprobiert. Ein wirklich sehr interessantes Gebäck, finde ich."

"Ja, ich habe eine Schwäche für jegliches Gebäck, insbesondere für Kekse. Aber es gab noch nie besonders gute Köche oder Bäcker in meiner Familie und ich bin in dieser Hinsicht wohl die Ungeeignetste! Ich schaffe es noch nicht mal Toast zu machen, ohne ihn komplett zu verbrennen. Für Leute wie mich wurden Replikatoren erfunden!"

"Warten Sie einen Moment, dann hole ich ihnen einen... Uttabeer- Keks."

"Danke Neelix!"

Neelix verschwand wieder und Tara hielt nach jemandem Ausschau, zu dem sie sich hätte setzten können.

Als sie Fähnrich Danielle Miller bemerkte, drehte sich Tara schnell um, um nicht von ihr gesehen zu werden.

(Oh nein, nicht die. Diese arrogante, hochnäsige...)

"Fähnrich Loyess, setzen Sie sich doch zu mir!"

Fähnrich Miller hatte sie doch bemerkt. Tara drehte sich vorsichtig um und lächelte zuckersüß.

"(Lieber würde ich mich eine Woche mit zehn betrunkenen Klingonen einsperren lassen.) Aber gerne."

Tara setzte sich schweren Herzens zu der verhaßten, blonden jungen Frau.

"Ich habe gehört, Sie hätten sich Fähnrich Kim geangelt, stimmt das?"

"(Woher weiß sie das schon wieder?) Ja, daß ist richtig. Ich habe ihn mir 'geangelt'."

"Dann muß ich Ihnen ja gratulieren, daß Sie, nachdem Sie es ja bei so fast jedem Mann an Bord versucht haben, endlich jemanden gefunden haben, der Sie nimmt."

Fähnrich Miller hatte wie immer diesen arroganten, herablassenden Ton in ihrer Stimme.

"(Dieses Biest. Aber von der lasse ich mich doch nicht provozieren!) Oh, vielen Dank.", gab Tara in ähnlich künstlich freundlichem Ton von sich. "Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie diesen jemand noch nicht gefunden!"

"Wie ist das so, wenn man mit einem verlobten Mann zusammen ist?", konterte Danielle." Kommen Sie sich nicht schäbig vor?"

"(Sie sollte lieber aufpassen, was sie sagt, es liegt noch ein Messer auf dem Tisch!) Nein, ich komme mir keinesfalls 'schäbig' vor. Und wie läuft es bei Ihnen? Ich habe gehört, Sie machen sich Hoffnungen bei Tom Paris, er hätte mir Ihnen geflirtet. Wo ist er eigentlich? Oh... ich weiß, er ist bei B'Elanna.

Die beiden sind alleine auf einer Außenmission und müssen dort die Zeit miteinander verbringen. Wer weiß wie lange die Voyager weg sein wird, die Nächte dort sind äußerst kalt und was ich so gehört habe, müssen sie in einem Bett schlafen."

Tara konnte sehen, wie sich die Wut in Fähnrich Miller ansammelte. "Oh, das tut mir leid, hat man ihnen das nicht gesagt? Die Beiden sind sich schon das letzte Mal näher gekommen. Aber B'Elanna wird ja keine Gefahr für Sie sein, nachdem Tom ja immerhin schon mit Ihnen geflirtet hat!"

"Oh Sie kleines..."

"Entschuldigen Sie mich jetzt bitte, Harry wartet in seinem Quartier auf mich, Sie wissen ja wie das ist! Oh, das habe ich ganz vergessen, sie wissen es nicht!"

Ihren Triumph genießend stand Tara auf und schnappte sich im Herausgehen den Keks, den Neelix ihr gerade bringen wollte.

 

 
XAORUS; HAUPTGEBÄUDE; 11:28 Uhr

 

Krofkar saß an einer Art Schreibtisch in seinem Büro. Es war ein ziemlich kleines Zimmer, mit einem großen Fenster an der hinteren Wand.

Der Tisch bestand aus Holz und war auch nicht besonders groß. Dadurch, daß er mit Stapeln von Papieren beladen war, wirkte er noch kleiner. An der linken Wand hing eine große Karte von Xaorus und den Gebieten der Zuil und der Yeyt.

Krofkar trug gerade etwas in diese Karte ein, als es an der Tür klopfte und Milmaj eintrat.

"Xer, die Lieutenants der Voyager sind eingetroffen und möchten dich gerne begrüßen. Willst du sie empfangen?"

"Natürlich. Wir müssen unsere guten Beziehungen zu der Voyager schließlich aufrecht erhalten. Schick sie herein."

Milmaj nickte und ging wieder hinaus. Wenige Momente später traten Tom und B'Elanna ein.

Krofkar lächelte die Beiden in seiner gewohnt liebenswerten Art an und es fiel den Beiden schwer, in ihm einen Lügner oder Betrüger zu sehen.

"Ah, da sind Sie ja! Ich habe bereits auf Ihre Ankunft gewartet. Wie lange werden Sie bleiben?"

"Das wissen wir nicht genau.", antwortete B'Elanna "Es kommt darauf an, wie lange die Voyager weg sein wird."

"Apropos, wo fliegt die Voyager eigentlich hin, wenn ich das fragen darf?"

"Es... es hat sich eine Situation ergeben, welche die vollste Aufmerksamkeit der Crew erfordert."

"Ich verstehe."

B'Elannas Blick wich ab und als Krofkar ihn verfolgte, merkte er, daß B'Elanna die Karte anstarrte. Sofort ging er zu der Karte und zog vor ihr einen kleinen Vorhang zu, um sie zu bedecken.

"Was war das für eine Karte?", fragte Tom, dem die Karte ebenfalls aufgefallen war.

"Nur eine Sternenkarte unserer Umgebung."

"Und warum verdecken Sie sie?"

"Eigentlich sollte es eine Überraschung sein, ich wollte Ihnen eine Karte der Umgebung schenken, damit Sie ihre Reise ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen können."

"Ich bin sicher, daß sich Captain Janeway freuen wird."

"Schön zu hören! Sie möchten sich jetzt vielleicht etwas frisch machen und ausruhen, ich habe Ihnen für nachher eine Besichtigungstour durch unser Sodeera organisiert, das ist ein großes Tal mit einer unglaublichen Pracht an Pflanzen und Wildblumen und mit einem kristallklaren See in der Mitte."

"Vielen Dank, das klingt sehr gut."

"Sehr schön. Milmaj wird Sie zu ihrem Zimmer bringen." Krofkar berührte wieder eine Fläche auf seinem Handrücken und Milmaj kam herein.

"Milmaj, bringe unsere Gäste bitte zu ihrer Unterbringung."

Milmaj nickte und deutete Tom und B'Elanna an, ihr zu folgen. Sie folgten ihrer Aufforderung und die Drei verließen den Raum.

 

Während sie zu ihrer Unterbringung gingen, sagte niemand etwas. Als sie ankamen, öffnete Milmaj die knarrende Tür und Tom und B'Elanna traten ein.

Der Anblick des ihnen vertrauten Raumes, weckte in den Beiden die Erinnerung an ihre letzte Nacht in diesem Raum.

"Ich werde Sie hier in zwei Stunden wieder abholen. Rufen Sie mich, wenn Sie etwas brauchen!"

Milmaj lächelte die beiden erstmals wirklich freundlich an und schloß dann die Tür hinter sich.

"Ich glaube nicht, daß das eine Sternenkarte war, die Krofkar so schnell verdecken mußte. Was meinen Sie Paris?" B'Elanna setzte sich auf den Stuhl.

"Ganz recht, Lieutenant, es sah eher nach einer Art Schlachtplan aus. Wenn ich es richtig gesehen habe, waren die Gebiete der Zuil und der Yeyt eingezeichnet, sowie Angriffstaktiken."

"Was machen wir jetzt? Wir können die Voyager nicht kontakten und mit dem Shuttle können wir auch nicht einfach weg von hier."

"Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als hier zu warten." Tom legte sich auf das Bett. "Und wenn Sie gestatten, Lieutenant, würde ich jetzt gerne schlafen, ich habe anscheinend letzte Nacht nicht besonders viel Schlaf bekommen."

B'Elanna wollte ihm eigentlich noch etwas wegen dieser Bemerkung an den Kopf werfen, doch er hatte seine Augen bereits geschlossen.

 

 
VOYAGER; HARRY KIMS QUARTIER; 12:18 Uhr

 

Harry hatte gerade sein Quartier aufgeräumt, schließlich bekam er zum ersten Mal Besuch von Tara und er wollte einen guten Eindruck machen. Nun saß er nervös auf seinem Sofa und fand immer wieder etwas, was er ändern wollte.

Endlich ertönte der Türmelder und Harry sprang sofort auf.

"Herein!"

Die Tür öffnete sich mit einem Zischen und Tara kam lächelnd auf ihn zu. Nachdem sie sich umarmt und geküßt hatten, sah Tara sich um.

"Du bist genauso ordentlich wie ich es mir gedacht hatte." Sie nahm ein Foto seiner Familie von einem der Schränke und betrachtete es.

"Wie... wie meinst du das?"

"Na ja, ich finde, du bist der ordentliche Typ."

Sie stellte das Bild wieder ab, setzte sich auf sein Sofa und wurde etwas nachdenklich. Ihr Gespräch mit Danielle Miller ging ihr nicht aus dem Kopf. Harry bemerkte, daß sie etwas bedrückte, und setzte sich zu ihr.

"Was ist denn los."

"Harry... bist du noch in Libby verliebt?"

"Was? Wie kommst du darauf?"

"Du bist, oder warst, schließlich mit ihr verlobt, das muß doch heißen, daß du sie sehr geliebt hast. Und die Sache mit uns kommt so schnell, was ist, wenn du erkennst, daß du doch lieber eine andere willst? Ich meine, was weißt du denn schon großartig von mir?"

"Was ich alles von dir weiß? Mal sehen, du wurdest auf Betazed geboren, deine Eltern waren einflußreiche Leute. Ab deinem dritten Lebensjahr habt ihr auf eurem eigenen Schiff gelebt, da deine Eltern als freiwillige Berater der Föderation ständig unterwegs waren. Als du sieben warst, starben sie bei einem Unfall und von da an wurdest du von einer menschlichen Pflegemutter aufgezogen. Du bist nicht so offen wie die meisten deiner Spezies und liest nicht die Gedanken der anderen, wenn sie es nicht möchten und legst auch sonst keinen besonderen Wert auf betazoidische Traditionen."

"Nicht ganz, auf den Gong beim Essen bestehe ich immer noch. Woher weißt du das alles?"

"Oh, ich weiß noch mehr. Deine Lieblingstiere sind Katzen, deine Lieblingsfarbe ist grün, du hast eine Schwäche für Uttabeer- Kekse... soll ich weitermachen?"

"Harry, wie..."

"Ich habe doch schon wesentlich länger ein Auge auf dich geworfen. Natürlich habe ich mich über dich informiert."

Tara mußte etwas lachen.

"Du... hast dich über mich informiert? Was hast du gemacht, die gesamte Crew über mich ausgefragt?"

"Zum Beispiel. Tara, wie sagte schon Tom, Libby ist Tausende von Lichtjahren entfernt."

"Du sprichst mit Tom über mich?"

"Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ich liebe dich Tara und niemand anderen."

"Ich liebe dich auch."

Gerade wollten sie sich küssen, da piepte Harrys Kommunikator.

"Fähnrich Kim, melden sie sich sofort auf der Brücke, wir haben den Treffpunkt erreicht."

"Ich bin unterwegs. Kim Ende." Er sah zu Tara. "Tut mir leid, du hast es gehört."

"Schon in Ordnung. Sehen wir uns nachher?"

"Natürlich."

Beide standen auf und verließen Harrys Quartier. Als Harry Taras Hand nahm, lächelte sie zufrieden. Dieses Gespräch hatte ihre Zweifel verschwinden lassen.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 12:22 Uhr

 

Noch immer Hand in Hand, betraten Harry Kim und Tara Loyess die Brücke. Als sie Captain Janeways Blick bemerkten, lösten sich ihre Hände augenblicklich und beide gingen an ihre Stationen. Janeway konnte sich ein Grinsen jedoch nicht verkneifen.

"Wir haben den Treffpunkt erreicht, das Zuil Schiff ist aber noch nicht erschienen. Harry, haben Sie ihr Schiff auf den Sensoren?"

"Nein Captain."

"Was ist mit den Langstreckensensoren?"

"Auch nichts. Moment mal!"

"Was haben Sie?"

"Vor uns enttarnt sich gerade ein, nein, vier Schiffe der Zuil!"

"Auf den Schirm!"

Auf dem Schirm konnte man erkennen, wie sich vier Schiffe, eines nach dem anderen enttarnten. Sie waren alle ungefähr halb so groß wie die Voyager und eines von ihnen wäre in einer Schlacht zu besiegen gewesen, doch mit vier dieser Schiffe konnte es die Voyager nicht aufnehmen.

"Wir werden gerufen!"

"Hoffentlich sprechen wir nicht wieder mit dem sympathischen Herrn vom letzten Mal. Auf den Schirm!"

Janeways Wunsch wurde nicht erhört; auf dem Schirm erschien derselbe Zuil, mit dem sie bereits zuvor gesprochen hatte.

"Captain Janeway, es wird aber auch Zeit, daß Sie endlich kommen, wir warten hier schon ewig!"

"Wir waren uns nicht sicher, ob Sie uns die richtigen Koordinaten übermittelt hatten, schließlich konnten wir keines ihrer Schiffe registrieren. Sie hätten uns sagen können, daß Sie über eine Tarnvorichtung verfügen!"

"Und als nächstes werden wir ihnen dann unsere Schildmodifikationen mitteilen, machen Sie sich nicht lächerlich Captain. Am besten Sie übergeben uns jetzt Legat Nergnu und verlassen unseren Raum dann wieder."

"Wer garantiert mir, daß Sie uns nicht angreifen, sobald wir Ihnen Nergnu übergeben haben?"

"Niemand. Wir werden nur angreifen, wenn Sie oder Ihre Xaor Eskorte uns angreifen!"

"Unsere was?"

"Ihre kleine Eskorte, wir haben sie registriert. Sie sind eben aufgebrochen, um unseren Raum wieder zu verlassen."

"Wir haben keine Xaor Schiffe registriert."

"Sowohl die Zuil als auch die Xaor haben Möglichkeiten, Ihre primitiven Sensoren mit unserer Tarnvorrichtung zu täuschen. Seit Sie in unseren Raum geflogen sind, sind Ihnen zwei Schiffe der Xaor gefolgt. Sie waren keine Bedrohung für uns, deshalb haben wir Sie verschont."

"Wir werden Nergnu auf ihr Schiff beamen und dann ihren Raum sofort verlassen. Ich hoffe, ich kann mich auf ihr Wort verlassen."

"Das können Sie."

"Das hoffe ich."

Die Verbindung wurde unterbrochen und der Zuil verschwand vom Sichtschirm.

Mit ziemlich ernstem Gesicht drehte sich Captain Janeway zu ihrer Crew um.

"Die Xaor werden jetzt wahrscheinlich denken, daß wir uns mit den Zuil verbündet haben. Wir müssen das unbedingt richtigstellen. Setzen Sie einen Kurs zu der Heimatwelt der Xaor, Warp 6."

 
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