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Greifbare Erinnerung
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Greifbare Erinnerung

© by Bender, Franziska ()

 

Disclaimer: Alle Rechte bleiben bei der Autorin, Weiterleitung in andere Medien oder Netze nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Autorin.
(Paramount owns the rights to Star Trek, The Next Generation, and all its characters.)
Achtung: In dieser Geschichte geht es zu wie im wahren Leben. Wenn Sie unter 18 sind oder zu den empfindsamen Gemütern gehören, die von Ausdrücken wie "Penis" oder "bumsen" zu schocken sind, sollten Sie hier nicht weiterlesen.
Wenn Euch Franziskas Geschichten gefallen, gibt es Nachschub im Buchhandel: 'Klaviertrio' und 'In einer Sommernacht', beide im Heyne Verlag erschienen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 
Part 4

 

Er brauchte fast eine Minute, bis er wieder ruhig atmen konnte. Er wollte sich zur Seite rollen, doch sie hielt ihn fest.

"Nein, bleib so."

Sein erschlaffter Penis glitt aus ihr, sie streckte die Beine, verharrte noch einen Moment, dann schloß sie die Beine, so daß er zwischen ihren zarten Oberschenkeln zu liegen kam. Ihre Hände streichelten seinen Rücken und kneteten seine Pobacken. Er richtete sich auf dem Ellbogen auf und betrachtete ihr Gesicht. Sie hatte die Augen geschlossen, lange Wimpern beschatteten die Wangen, die Locken über der Stirn krausten sich in feinem Schweiß. Ihr Mund war etwas geöffnet, er sah weiße Zähne zwischen den vollen Lippen blitzen. Ihr Ausdruck war für ihn nicht zu deuten, doch war waren ihre Hände und ihre Schenkel. Sie spannte immer wieder etwas die Muskeln an, der sanfte Druck massierte seinen Penis.

Obwohl er noch einen Augenblick davor gedacht hatte, vollkommen befriedigt zu sein, löste die Bewegung neue Lust in ihm aus. Er beugte sich über sie und küßte sie.

Ihre Zungen spielten miteinander, er genoß ihren Geschmack und die Weichheit ihrer Lippen. Doch nun drängte ein Gedanke in seinen Kopf. Energisch löste er sich von ihr und rollte neben sie.

"Max - bist du Yamagochis Geliebte?"

Ihre Augen blieben geschlossen, doch ihre Wimpern zuckten.

"Was tätest, wenn ich es wäre? Gehen? Bißchen spät, findest du nicht?"

Er biß sich auf die Lippen - sie hatte ja recht.

"Aber wenn es dich beruhigt: Ich bin nicht seine Geliebte." Sie lächelte spöttisch. "Du mußt also nicht befürchten, in deines Vorgesetzten Revier gewildert zu haben. Kensai ist mein Stiefvater. Er war 26 Jahre lang sehr glücklich mit meiner Mutter verheiratet. Er trauert immer noch um sie - und darum lebe ich jetzt bei ihm."

Jean-Luc atmete tief durch. Erleichterung durchströmte ihn. Er hatte keine Sekunde an seine Karriere gedacht, dennoch war ihm die Vorstellung von Max und Yamagochi gräßlich gewesen. Die Zärtlichkeit, mit der sie den Großadmiral geküßt hatte - natürlich, es war die Zärtlichkeit einer liebenden Tochter gewesen.

"Und Daniels?" Die Frage war ausgesprochen, bevor er darüber nachgedacht hatte.

Max öffnete die Augen und schaute ihn an: "Jean-Luc, ich möchte nicht mit dir reden. Nicht jetzt. Jetzt möchte ich, daß du deinen Kopf zwischen meine Beine bringst und mich küßt."

Sie kannte ihn zu gut. Ein Teil der Faszination, die sie auf ihn ausübte, war ihre Direktheit im Bett. Sie hatte ihn schon auf Dworak III fast wahnsinnig gemacht.

Tagsüber, in der Gesellschaft anderer, war sie die intellektuelle Wissenschaftlerin, die bei aller Kameradschaftlichkeit sogar etwas wie zurückhaltende Damenhaftigkeit ausgestrahlt hatte. Soviel und manchmal anzüglich im Team geblödelt wurde, so oft ihm von einem der Männer ein kleines Grinsen entgegenkam, das ihm zeigte, daß sie durchaus mitbekamen, was nachts in seinem Quartier ablief - bei Max machte keiner eine Anspielung.

Manchmal, wenn sie in einer der Besprechungen kühl und überlegt ihre Meinung äußerte und die anderen ihr aufmerksam zuhörten, schweiften seine Gedanken ab und er fragte sich, ob sich wohl einer von diesen Männern vorstellen konnte, wieviel Feuer unter dem Eis kochte. Und immer war es diese Direktheit gewesen, die ihn erregt hatte. Er kannte keine andere Frau, die so offen sagte, was sie wollte und ihre Wünsche so deutlich machte.

So wandte er sich ihr zu und begann, ihren Körper zu streicheln und zu küssen. Sein Mund glitt über ihren Bauch, spielte am Nabel und verharrte am Ansatz ihres Dreiecks. Er entdeckte einen ganz dünnen, rötlichen Streifen, der genau parallel dazu auf der Haut verlief.

Als er ihm sanft mit einem Finger folgte, zuckte sie zusammen und versteifte sich. Die Berührung war ihr offensichtlich unangenehm, so ließ er von dieser Stelle ab und kraulte dafür sanft ihr Schamhaar, bis sie sich wieder ganz entspannt hatte. Nun ließ er seine Hände über ihre Oberschenkel streichen, griff nach ihren Knien und schob sie nach oben. Max verstand und stellte sie auf, dabei die Beine weit spreizend. Er angelte nach einem Kissen und schob es unter ihr Becken, dann brachte er sich zwischen ihren Oberschenkeln in Position und betrachtete ihr Geschlecht. Es schimmerte feucht, die Schamlippen zeichneten sich in einem kräftigen Rosaton gegen das dunkle Haar ab und erinnerte ihn an eine exotische Blüte im Morgentau.

"Du bist wunderschön!" sagte er leise.

Mit einem Finger strich er sanft von unten nach oben und spreizte ihre Schamlippen ein wenig, bis sich am oberen Ende die Lustknospe zeigte. Er tippte mit der Zunge dagegen, Max hielt den Atem an. Nun umschloß er sie mit den Lippen und saugte zart, den Geschmack ihrer Säfte genießend. Ganz vorsichtig, sie kaum berührend, knabberte er daran, bis sie stöhnte und eine Hand auf seinen Kopf legte, um ihn an sich zu drücken. Für sie war es wohl genug des sanften Spieles - und er ging auf ihr Bedürfnis ein, schob zwei Finger in sie und begann, sie intensiv zu lecken und zu streicheln, bis der Orgasmus sie überwältigte. Sein Penis war mittlerweile wieder steif geworden, er konnte nicht mehr warten. Fast grob packte er sie an den Hüften.

"Dreh dich um!" befahl er.

Sie rollte sich auf den Bauch, am Becken zog er sie auf Knie und Hände. Sie wollte die Beine spreizen, doch war er schon über ihr und hielt mit den Knien ihre Schenkel zusammen. Er lotste seine Erektion in Position und drang ein, die feuchte Enge machte ihn stöhnen und nahm ihm den letzten Rest Selbstbeherrschung. Wild und heftig pumpte er, dabei ihre Hüften umklammernd. Er spürte, wie seine Hoden sich zusammenzogen, fast schmerzlich baute sich ein Höhepunkt in ihm auf. Er wollte ihn bremsen, er wollte sie vorher noch einmal zum Orgasmus bringen, doch er konnte es nicht mehr aufhalten, aufseufzend ergoß er sich in sie.

Als er wieder sprechen konte, rollte er sich zur Seite und zog sie in seine Arme.

"Entschuldige - ich war zu schnell für dich."

"Zwei zu zwei, Commodore! Der Spielstand ist ausgeglichen. Aber..." Ihre Hand glitt an seinem Körper entlang und schloß sich um seinen ermüdeten Krieger. "... wenn wir hier fertig sind, will ich Vorsprung haben."

"Vergiß es, Schönheit!" lachte er. "Ich habe das Gefühl, meine Ladung für die nächsten zwei Wochen im Voraus verschoßen zu haben."

Sie küßte ihn auf die Wange.

"Das hast du immer erzählt. Du weißt genau, daß du mich damit provozierst!"

Sie bewegte sich zur Bettkante, stand auf und streckte ihm die Hand hin: "Komm!"

Ächzend erhob er sich. Er fühlte sich müde und sehnte sich nach Schlaf, doch gleichzeitig war er neugierig. Was hatte sie jetzt vor? Er folgte ihr vor die Hütte. Inzwischen war es dunkel geworden, der Sternenhimmel blitzte über ihnen. Er legte den Kopf in den Nacken und betrachtete die vertraute Konstellation.

"Suchst du dein Schiff?" fragte sie lächelnd.

"Das muß ich nicht suchen. Ich verliere es nämlich selten.

Ich weiß genau, wo es ist - wir haben auf der McKinley- Station angedockt, bekommen einen neuen Warpkern und in vier Tagen werden wir dann in den Delta-Quadranten aufbrechen."

Sie lehnte den Kopf an seine Schulter.

"Wirst du mich diesesmal begleiten?" Er hatte nicht fragen wollen. In dem Augenblick, in dem er den Satz ausgesprochen hatte, schalt ihn schon eine innere Stimme: "Du lernst es nie. Für sie bist du nicht mehr als eine angenehme Abwechslung. Sie liebt dich nicht. Begreif es endlich und hör auf, mehr zu wollen!"

Sie war von ihm weggetreten und hatte ein kleines Computerterminal in der Wand der Hütte geöffnet. Die Sensortasten leuchteten rötlich, in ihrem Licht wirkte ihr Gesicht fremd und fast feindlich. Offensichtlich hatte sie nicht vor, auf seine Frage zu antworten, stattdessen drückte sie drei Tasten. Er erschrak fast, als sich zwei Meter neben ihm der Boden öffnete. Er gab eine gekachelte Fläche und ein rundes Becken frei, in dem Wasser wallte, in der kühlen Nachtluft dampfend. Sie setzte sich auf den Rand des Beckens und ließ die Beine ins Wasser baumeln. Er ging zu ihr.

"Kein schlechtes Liebesnest, daß du dir da ausgesucht hast." Die erneute Frustration über die unbeantwortete Frage ließ seine Stimme wieder kühl klingen.

"Es war das Wochenendhaus von Kensai und meiner Mutter. Kensai hat es eingerichtet..."

"Weiß er, daß du es benutzt?"

"Das geht dich nichts an, Jean-Luc!"

Platzverweis, er begriff es. Nun klang auch in ihrer Stimme wieder Aggression.

Er ließ sich ebenfalls am Rand des Beckens nieder, das warme Wasser gurgelte einladend um seine Beine. Wieder fühlte er Müdigkeit. Ein Bad würde wohltun. Er ließ sich ins Wasser sinken und entspannte sich mit einem zufriedenen Seufzen. Max kicherte und rutschte neben ihn, den Kopf an seine Schulter lehnend. Eine ganze Weile schwiegen sie, er schaute in den Himmel.

"Sag mal, Jean-Luc - warst du in letzter Zeit mal in der Nähe von Beutel-Geuze?" Ihre Stimme war wieder friedlich, Neugier war daraus zu erkennen.

Er lächelte: "Warum fragst du?"

"Weil ich wissen will, wann er endlich zur Nova wird." Sie räkelte sich und zog seinen Arm um ihren Bauch, um sich noch bequemer an ihn lehnen zu können. "Als ich das erstemal hier war, war ich sechs oder sieben Jahre alt. Meine Mutter und Kensai waren frisch verliebt. Kensai hatte ihr gerade einen Antrag gemacht, aber sie war noch unsicher, weil sie nicht wußte, wie ich darauf reagieren würde. Kensai hat darauf beschlossen, erstmal mein Herz zu erobern - und das ist ihm gelungen. Als wir hier waren, durfte ich abends lange aufbleiben und er schaute mit mir in den Himmel. Dabei hat er mir von Beutel-Geuze erzählt. Er meinte, daß ich wohl erleben würde, wie der Stern zur Nova wird und dann würden wir wochenlang auf der Erde in ihrem Licht sein. Nachts würden wir von einem Ende des Horizonts bis zum anderen ihre Strahlen sehen und in der Galaxis würden alle Schiffe, die sich dem Sektor 0 nähern, in ihrem Licht schimmern. Seit damals wollte ich zur Sternenflotte. Kensai kann sehr überzeugend sein - ich glaub' fast, er wird auch Joy anstecken mit seiner Begeisterung für die Sterne..."

Sie verstummte und er spürte, wie ihr Körper sich anspannte.

"Wer ist Joy?" fragte er dennoch neugierig.

"Niemand, den du kennst." wies sie ihn ab, um dann sofort das Thema zu wechseln: Wie bist du eigentlich zur Flotte gekommen?"

"Ich weiß es nicht. Seit ich denken kann, habe ich in den Himmel geschaut und davon geträumt, zwischen den Sternen zu leben und das unbekannte da draußen zu erforschen. Schon als kleiner Junge galt mein ganzes Streben den Sternen und der Flotte."

"Wie warst du als Junge?" wollte sie wissen.

Er zuckte mit den Schultern: "Ein Träumer, ziemlich verschlossen, sehr ernst, ein Streber. Mein Bruder hat mich dafür gehasst."

Er atmete tief durch. "Robert und mein Vater hatten wenig Verständnis für meine Träume von der Galaxis. Sie wollten, daß ich zuhause bleibe und Weinbauer werde."

"Wie war deine Mutter?"

"Wundervoll - sie war schön und sie war gescheit, sie war voll Herzlichkeit und Humor. Ich habe sie sehr geliebt."

"Sie war sicher sehr stolz auf ihren erfolgreichen Sohn."

Er schüttelte den Kopf: "Bedingt. Mein Vater und ich hatten uns zerstritten, als ich zur Academy ging. Er wollte mich nicht mehr sehen. Mutter hat sehr darunter gelitten." Er küßte ihre Schulter. "Aber seit wann interessieren dich meine Kindheitsgeschichten? Sie sind Vergangenheit."

"Gut, reden wir von deiner Zukunft. Ich habe gehört, daß du als potentieller Nachfolger von Kensai gehandelt wirst."

"Nonsense!" wehrte er ab. "Abgesehen davon, daß dein Stiefvater noch einige Jahre Dienst tun wird, bin ich nur Commodore - und auf seinen Stuhl lauern bereits x Admiräel. Außerdem wollte ich es gar nicht - ich müßte mein Schiff aufgeben."

"Du wirst nicht verhindern können, daß du eines Tages im Hauptquartier landest. Und du solltest es nicht verhindern wollen. Es sind so viele Pappnasen und Bürokraten bei Starfleet..."

Er unterbrach lachend: "Du meinst, da fehlte nur noch ich, um die Sammlung zu vergrößern?"

"Im Gegenteil." erwiderte sie ernst. "Ich glaube, daß Starfleet etwas geben könntest, was fast verloren ist: Integrität und Glaubwürdigkeit."

Er schwieg einen Moment, dann räusperte er sich und sagte, um einen leichten Ton bemüht "Man könnte fast meinen, du hieltest etwas von mir."

Max drehte sich und rutschte auf seinen Schoß: "Ich halte eine ganze Menge vom Offizier Jean-Luc Picard..." Sie legte die Hände auf seine Brust und massierte die festen Muskeln. "...aber fast noch mehr halte ich von dem Liebhaber Jean-Luc."

Bevor er etwas erwidern konnte, tauchte sie ab und nahm die Spitze seines Penis zwischen ihre Lippen. Ein Schaudern überkam ihn, als er ihre Zähne an der Eichel spürte und ihre Zunge, die mit der Öffnung spielte. Sein Körper reagierte auf ihre Liebkosung und er zog sie über sich, drang in sie ein und diesesmal fanden sie gemeinsam ihren Höhepunkt.

 

Irgendwann im Lauf der Nacht waren sie wieder in die Hütte zurückgegangen und hatten sich noch einmal geliebt. Danach war er, nun wirklich restlos erschöpft, in ihrem Arm eingeschlafen. Er erwachte, als Sonnenstrahlen seine Nase kitzelten. Mit geschlossenen Augen drehte er sich und tastete nach ihr, doch der Platz neben ihm war kalt und leer. Er öffnete die Augen und sah sich in der Hütte um. Sie war leer - und mehr als das: Der Sessel, über den er seine Uniform gehängt hatte, war ebenfalls leer. Auf dem Couchtisch glitzerte nur noch sein Communicator. Stöhnend erhob er sich. In seinem Rücken brannte etwas, er verrrenkte sich, um danach zu tasten und fand einen langen Striemen. Er erinnerte sich - irgendwann in dieser verrückten Nacht hatte sie sich in seinem Rücken verkrallt und ihm dabei die Haut aufgerissen. Außerdem war da noch der leise Schmerz an seinem Hals. Er trat vor die Fensterfläche und betrachtete sein Spiegelbild. Drei Fingerbreit unter seiner unrasierten Wange prangte ein riesiger, roter Knutschfleck. Außerdem entdeckte er den Abdruck ihrer Zähne in seiner Schulter.

Er schaute durch das Fenster nach draußen. Das Bad war wieder unter der Wiese verborgen. Es überraschte ihn nicht, daß von Max keine Spur zu entdecken war, trotzdem fühlte er wieder Zorn aufsteigen.

Er angelte nach seinem Communicator und drückte darauf.

"Picard an Sito."

"Sito hier" kam postwendend die Meldung.

Jean-Luc spitzte die Ohren und schluckte einen Fluch hinunter. Er hörte Stimmen im Hintergrund, Sito war offensichtlich nicht alleine.

"Commander, begeben Sie sich sofort in mein Quartier!" befahl er.

"Ich bin schon auf dem Weg."

"Picard - Ende."

Er deaktivierte den Communicator und wartete ungeduldig, dabei von einem Bein auf das andere tretend. Dann ertönte das erwartete Piepsen.

"Sito an Picard."

"Bist du in meinem Quartier?"

"Ja, Sir."

Picard meinte, Neugier in Bastis Stimme zu hören.

"Tu mir einen Gefallen: Beam mir bitte eine komplette Standarduniform auf diese Koordinaten. Diskret, wenn's möglich wäre!"

"Ja, Sir!" bestätigte Basti formell die Anweisung.

 

Er konnte sich ein Grinsen dabei nicht verkneifen. "Ob Max ihm die Uniform geklaut hat?" überlegte er. Er war schon in der Nacht fast sicher gewesen, daß Jean-Luc mit Max verschwunden war. Optimistisch, wie er manchmal sein konnte, hoffte er auf eine Aussprache und Versöhnung.

"Wenn er dabei seine komplette Uniform losgeworden ist, muß es ja erfolgreich gewesen sein!" sagte er sich, während er mit dem Bündel unter dem Arm in einen Transporterraum marschierte. Er entließ den Transporterchief und beamte die Kleider hinunter, dann lehnte er sich an die Wand und wartete. Drei Minuten später meldete sich Jean-Luc und wollte an Bord gebeamt werden. Basti entsprach dem Wunsch und lächelte ihm entgegen, doch Picards Miene war steinern. Sito klemmte das Lächeln weg. Er hatte das Gefühl, daß es besser wäre, keine Fragen zu stellen und beschloß, seinenVorgesetzten betont dienstlich zu begrüßen.

Picard erwiderte den Gruß und stieg von der Transporterplattrform. Energisch ging er zur Tür, über die Schulter knurrte er: "Ihre Freundin Max hat manchmal einen sehr eigenwilligen Humor!"

 

Eine halbe Stunde später erschien er in Bastis Büro, mittlerweile rasiert und geduscht. Er bestellte am Replikator eine Tasse Tee, nahm einen Schluck un ließ sich im Sessel gegenüber dem Schreibtisch nieder. Fast amüsiert registrierte Basti, daß sein sonst so korrekter Chef unter dem Standardoverall einen nicht ganz vorschriftsmässigen Pullover mit hohem Rollkragen trug, der aber den roten Fleck an seinem Hals nicht ganz verbergen konnte. Doch der Gesichtsausdruck seines Freundes amüsierte ihn weniger. Er signalisierte nur zu deutlich, daß der Commodore keineswegs in der Laune für einen freundschaftlichen Plausch war.

"Nach Versöhnung sieht das nicht aus - schade..." dachte Basti und nahm ein Datenpadd auf, gerade in dem Moment, als Jean-Luc fragte.

"Was liegt an?"

"Sie haben um 1100 einen Termin mit Admiral Radek im Hauptquartier wegen der Probleme mit der Flottenausrüstung. Heute nachmittag um 1500 haben Sie eine Kommando-Besprechung. Außerdem hat sich Dr. Crusher zurückgemeldet. Sie ist momentan im Hauptquartier und würde sich freuen, Sie um 1300 h im Casino auf einen Lunch zu treffen."

 

Beverly Crusher freute sich. Zwar hatte sie die zwei Wochen Urlaub auf Risa zusammen mit ihrem Ehemann Surek sehr genossen und sich nur ungern von ihm verabschiedet, aber nun war es doch schön, wieder einmal auf der Erde zu sein und im Flottenhauptquartier jede Menge alter Freunde wieder zu treffen. Vor allem amüsierte sie sich wieder einmal über den Flottentratsch, der als Hauptthema das Admiralsbankett am Vorabend hatte. Sie war noch kaum richtig in der medizinischen Abteilung gewesen, als sie schon von einer Kollegin angesprochen wurde.

"Bev - du hast gestern abend richtig was versäumt! Dein Commodore hat dem Großadmiral die Freundin ausgespannt. Da muß echt was losgewesen sein! Also, ich hab' ja nie verstanden, was alle Frauen an ihm finden (Haare können es schließlich nicht sein), aber seine Wirkung auf die Begleiterin des alten Haifisches muß umwerfend gewesen sein. Er hat nur zwei Minuten mit ihr getanzt, dann hing sie schon an ihm und ein paar Minuten später waren sie weg und wurden nicht mehr gesehen. Dem Großadmiral blieb nur noch, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, aber wenn ihr Pech habt, wird die Enterprise jetzt in den Epsilon-Quadranten zum Wurmloch-Putzen versetzt, auf daß Picard die nächsten 20 Jahre keine Gelegenheit mehr hat, dem Großadmiral in die Quere zu kommen."

Bis Beverly alles notwendige erledigt hatte, und sich auf den Weg ins Casino machen konnte, hate sie die Geschichte noch mindestens fünfmal gehört und jedesmal war sie ein bißchen sensationeller geworden. Belustigt dachte sie: "Flottentratsch! Wahrscheinlich hat er gerade mal ein bißchen mit der Freundin des Alten getanzt und geflirtet. Wenn die Story noch ein paarmal weitergegeben wird, kommt am Ende schließlich ein Duell mit dem Großadmiral und ein Kind raus, daß er der Lady angedreht hat..."

 

Picard erwartete sie bereits an einem Fenstertisch in dem großen Raum. Als er sie sah, stand er auf und streckte ihr die Hand entgegen. Sie küßte ihn freundschaftlich auf die Wange. Ihr professioneller Medizinerblick glitt über sein Gesicht - er sah müde aus, unter den haselnußbraunen Augen lagen tiefe Schatten. Sie registrierte den roten Fleck an seinem Hals und faßte danach.

"Was hast du denn da? Laß mal sehen.. oh, Jean-Luc, das sieht nach einem Kntuschfleck aus! Mir scheint, die wilden Gerüchte über dich.."

Unhöflich unterbrach er sie: "Doktor, können Sie nicht noch ein wenig lauter reden? In der hinteren Ecke sitzt noch ein Benzite, der Sie vielleicht noch nicht gehört hat! Wenn Sie dem vielleicht auch noch Auskunft über meine Fertilität geben würden?"

Beverly kannte ihn zu lange, um sich von seinem Sarkasmus beeindrucken zu lassen. Sie setzte sich und lächelte.

"Deine Fertilität habe ich schon lange nicht mehr untersucht. Aber wenn nur ein Viertel von dem wahr ist, was man sich heute über dich erzählt, muß man sich ja wenigstens um deine Potenz keine Sorgen machen."

Er hatte sich ebenfalls gesetzt und funkelte sie an.

"Würde es dir etwas ausmachen, das Thema zu wechseln? Ich bin nicht in der Laune für geschmacklose Scherze."

Beverly erkannte Schmerz in seinen Augen. Sie legte die Hand auf seinen Arm.

"Entschuldige, Jean-Luc - ich wollte dich nicht verletzen."

Er nahm die Hand und küßte sanft die Fingerspitzen. Bev strich über seine Wange.

"Du siehst müde aus - und so, als ob du die Schulter einer Freundin brauchen könntest. Du weißt, daß dir meine immer zur Verfügung steht?"

 

In ihrem freundschaftlichen Dialog hatten sie nicht bemerkt, wie still es plötzlich im Casino geworden war. Sie hatten auch die energischen Schritte nicht bemerkt, sie schraken erst auf, als ein Schatten über sie fiel. Beverly sah auf und registrierte eine junge Frau in der blauen Uniform des Wissenschaftsoffiziers im Rang des Lieutenant Commanders. Sie ließ ein Bündel auf den Tisch fallen, eine rote Uniformjacke mit goldenen Verzierungen rutschte auf den Boden. Picard sprang auf.

"Max!"

Sie ignorierte ihn und schaute Beverly in die Augen.

"Dr. Crusher, vermute ich?"

Beverly nickte sprachlos.

"Sie sollten besser auf den Commodore aufpassen. Kaum drehen Sie ihm den Rücken, fällt er schon in mein Bett. Eine besonders gute Figur macht er darin allerdings nicht - wahrscheinlich ist er einfach besseres gewöhnt als ein Flittchen mit der Moral einer streunenden Katze!"

Alle Augen im Raum richteten sich auf die Szene, ihre eiskalte Stimme drang mühelos durch das gespannte Schweigen. Beverly war wie gelähmt. Bevor sie wieder zu Luft kam, hatte sich Max de Simon schon umgedreht und war hochaufgerichtet in Richtung Ausgang verschwunden.

Picard zitterte vor Zorn. Er hatte die Fäuste geballt, auf seiner Stirn zuckte eine Ader, seine Augen sprühten Funken.

"Irgendwann bringe ich sie um!" knirschte er zwischen zusammengebissenen Zähnen. Er setzte sich und legte eine Hand über die Augen. Beverly sammelte unterdessen seine Galauniform auf und packte sie auf den leeren Stuhl am Tisch.

Langsam löste sich die Atmosphäre im Raum, alle Anwesenden bemühten sich, so zu tun, als ob nichts vorgefallen wäre. Beverly meinte dennoch, die Seitenblicke auf Picard zu bemerken.

"Das war also die berühmte Max de Simon." sagte sie leise. "Temperament und Mut hat sie, das muß man ihr lassen."

"Mir wäre lieber, sie hätte Anstand!" schimpfte Picard.

Eine Weile schwiegen beide. Jean-Luc stand immer noch die steile Zornfalte zwischen den Augen. Beverly legte ihm wieder die Hand auf den Arm.

"Ich glaube, du solltest mir doch erzählen, was eigentlich geschehen ist. Commander de Simon geht offensichtlich davon aus, daß du und ich..."

Er unterbrach barsch: "Wovon immer sie ausgeht - es berechtigt sie nicht zu einem derartigen Auftritt!"

Beverly sammelte ihre Gedanken.

"Jean-Luc", begann sie vorsichtig. "Sicher war dieser Auftritt nicht gerade ladylike. Darin sind wir uns einig. Aber es muß einen Grund dafür geben. Sie sieht nicht aus wie jemand, der nur zum Spaß jemanden öffentlich demütigt..."

Er schien nur mit einem Ohr zugehört zu haben und antwortete nicht. Dafür stand er auf: "Entschuldige - mir ist der Appetit vergangen. Ich brauche frische Luft!"

 

Er stürmte aus dem Raum, Beverly schnappte das Uniformbündel und eilte ihm nach. Im Park an der Mauer kam er zum Stehen. Beverly legte ihre Last ab und setzte sich auf die Mauer.

"Ich verstehe ja, daß du wütend bist..." begann sie.

"Ich bin nicht nur wütend!" brüllte er. "Ich bin empört, ich bin panzersauer, ich platze fast vor Zorn - und diesesmal kommt sie mir nicht ungeschoren davon! Diesesmal kaufe ich sie mir!"

"Jean-Luc! Was willt du denn tun? Willst du sie wegen Insubordination vor ein Kriegsgericht zerren? Abgesehen davon, daß sie nicht deinem Kommando untersteht, würdest du dich doch nur lächerlich machen!" widersprach Beverly energisch.

"Ich brauche mich nicht mehr lächerlich zu machen - das hat sie schon für mich erledigt! Ich könnte sie mit bloßen Händen erwürgen!"

"Ich weiß. Aber es würde dennoch nicht schaden, wenn du wieder von der Palme kommen und darüber nachdenken würdest, was du ihr getan hast, daß sie so sehr das Bedürfnis hat, dir eine reinzuwürgen!"

"Ich ihr?" Picard schrie mit jetzt hochrotem Kopf. "Auf welcher Seite stehst du eigentlich, Beverly?"

"Ist das ein Krieg, Jean-Luc? Ein Krieg, in dem beide Parteien alle Gesetze der Fairness und des Anstandes aufgekündigt haben? Merkst du eigentlich, wie überzogen du gerade reagierst?"

"Laß mich doch zufrieden!" fauchte er.

Beverly stand auf und schaute ihn an - traurig und zugleich ein wenig amüsiert.

"Dein Wunsch ist mir Befehl, Commodore. Und falls du mich brauchen solltest - du findest meinen Laden an der gewohnten Ecke!"

 
Part 5

 

Langsam entfernte sie sich, ihn seinem Zorn überlassend. Es würde besser für ihn sein, erst einmal eine Weile auszudampfen. In ihr formte sich eine Idee. Sie beschleunigte ihren Schritt und marschierte zielbewußt in die medizinische Abteilung. Ihre alte Freundin, Dr. Linda Martinez, zuständig für die medizinische Betreuung des Personals auf Terra, saß in ihrem Büro. Beverly trat ein und zog die altmodische Tür hinter sich ins Schloß.

"Linda, ich brauche deine Hilfe für eine nicht ganz legale Aktion. Ich möchte eine Akte sehen."

Linda Martinez hob den Kopf und schaute die Freundin an.

Sie lächelte verschmitzt: "Ich glaube, ich ahne sogar, welche - wobei dich wohl besonders der Aufenthaltsort von Commander de Simon interessiert..."

Beverly staunte: "Woher weißt du das schon wieder?"

"Du weißt doch: Tratsch verbreitet sich bei Starfleet in Warpgeschwindigkeit. Vermutlich diskutiert inzwischen schon der romulanische Geheimdienst darüber, was es zu bedeuten hat, wenn ein Lieutenant Commander einem Commodore öffentlich seine Unterhose um die Ohren haut."

Sie stand auf. "Ich darf dich die Akte nicht sehen lassen, das weißt du. Aber wenn ich sie auf dem Schirm hätte und in mein Labor ginge - für fünf Minuten - also, dann wüßte ich gar nicht, daß jemand reingeschaut hat..." Sie drückte ein paar Tasten, dann stand sie auf: "Ich glaube, ich muß jetzt mal für fünf Minuten ins Labor..."

Sie verschwand. Beverly spurtete um den Schreibtisch. Eigentlich hatte sie nur den Kopf der Akte mit der Angabe des momentanen Einsatzortes sehen wollen, doch dann glitt ihr Blick weiter und blieb an einer anderen Zeile hängen.

"Das wird ja immer besser! Und dieser Vollidiot von einem Mann hat nichts davon bemerkt!" sagte sie zu sich selbst. "Jetzt wird es wohl wirklich Zeit für ein Gespräch unter Frauen."

Sie stand auf und eilte zum Labor, streckte den Kopf durch die Tür und rief hinein: "Danke, Linda! Ich muß dringend weg - aber ich ruf' dich nochmal an."

 

Zehn Minuten später materialisierte sie auf dem Campus der Academy. Energisch marschierte sie auf das Verwaltungsgebäude zu und bog in den Flur ein, der zu den Büros der Dozenten führte. Vor der Tür mit der Aufschrift "Lieutenant Commander Prof Dr. M. de Simon" blieb sie stehen und betätigte den Türmelder.

Eine energische Stimme bat sie herein, sie trat durch die Tür und schaute sich um - ein Standardbüro, doch verschönt durch unzählige Pflanzen vor dem großem Fenster. Max de Simon saß am Schreibtisch, bei Beverlys Anblick stand sie auf.

"Dr. Crusher - Sie hätte ich nicht erwartet. Schickt er sie?"

"Falls Sie mit 'er' Commodore Picard meinen - der würde Ihnen momentan gerne die Pest vorbeischicken. Und ich habe fast das Gefühl, daß Sie es verdient hätten."

"Er braucht Sie zu seiner Verteidigung?" fauchte Max.

Beverly schüttelte den Kopf: "Bestimmt nicht. Aber ich hatte das dringende Bedürfnis, mit Ihnen zu reden. Unter Müttern..."

Uneingeladen ließ sie sich in einen Stuhl sinken und schlug die langen Beine übereinander. Fast genüßlich beobachtete sie die Wirkung ihres Satzes - zunehmende Nervosität. Max de Simon war bleich geworden und drehte Beverly nun den Rücken zu.

"Ich verstehe nicht, was Sie damit sagen wollen." sagte sie schließlich.

Beverly lächelte sardonisch: "Ich habe einen Sohn aus erster Ehe: Wesley. Sein Vater verunglückte tödlich, als Wesley noch ein ganz kleines Kerlchen war. Mein Sohn hat lange Jahre sehr darunter gelitten, keinen Vater zu haben. Er hat Jack schrecklich vermißt. Aber als er in das Alter kam, in dem Jungen am dringendsten einen Vater brauchen, bekam er so etwas wie einen Ersatzvater: Jean-Luc Picard."

"Wie rührend!" sagte Max schnippisch. "Wollen Sie mir jetzt erzählen, daß ich ihn in Ruhe lassen soll, um das Familienidyll nicht zu stören?"

"Keineswegs." erwiderte Beverly ruhig. "Das Familienidyll, wie Sie es nennen, hat nie in der Art stattgefunden, wie Sie sich das offensichtlich vorstellen. Jean-Luc und ich waren immer nur Freunde."

"Ah - Sie haben eine sehr zärtliche Art, mit Ihren Freunden umzugehen! Ich habe vor drei Jahren zufällig gesehen und gehört, wie Sie Ihren Freund begrüßt haben, als er von Dworak III zurückkam..."

Beverly erinnerte sich und schluckte tief.

"Oh nein - Sie dachten, daß wir ein Verhältnis haben, weil ich ihm um den Hals gefallen bin?"

"Wenn ich mich richtig erinnere, teilten Sie ihm mit, daß sie ihn ja so sehr vermißt hätten, worauf er erwiderte, daß er es auch kaum mehr ausgehalten habe - oder so. Danach verschwanden Sie mit ihm in seinem Quartier..."

"... und wir wurden für Stunden nicht mehr gesehen." vollendete Beverly. Sie stand auf und trat neben Max. "Ich verstehe, daß Sie das falsch verstanden haben. Wahrscheinlich hätte ich an Ihrer Stelle ebenso reagiert."

Max schluckte, plötzlich wirkte sie mädchenhaft und verletzbar. "Das war noch nicht alles. Gestern abend hat er offensichtlich sofort angenommen, daß ich ein Verhältnis mit meinem Stiefvater habe und er sprach mit seiner Councelor darüber. Ich habe das Gespräch zufällig mitgehört - ich sei ein 'Flittchen mit der Moral einer streunenden Katze'."

"Sie hatten Ihre Rache - heute." merkte Beverly an.

"Hmmm. Das dumme ist nur, daß ich mich nicht besser fühle."

Beverly nickte. "Das kann ich mir vorstellen. Es wird Ihnen bestimmt nicht leichtfallen, die Geschichte eines Tages Ihrem Sohn zu erklären - oder wollen Sie ihm etwa für alle Zeit verheimlichen, wer sein Vater ist? Ebenso, wie sie die Existenz von Johannes Kensai Lucas de Simon seinem Vater verheimlicht haben? Sie hätten ihm vielleicht einen anderen Namen geben sollen - der Weg von einem deutschen Johannes Lucas zu einem französischen Jean-Luc ist doch sehr nahe!"

Max stützte sich an der Wand ab.

"Wir nennen ihn Joy." sagte sie leise. "Woher wissen Sie von ihm?"

"Das spielt keine Rolle." wehrte Beverly ab. "Ich weiß es - und ich finde unverantwortlich von Ihnen, daß Sie Ihrem Sohn den Vater vorenthalten. Ich finde es unfair von Ihnen Jean-Luc gegenüber. Es mag sein, daß in Ihrer Beziehung zu ihm einiges schiefgegangen ist - aber daß Ihnen Ihre verletzte Eitelkeit offensichtlich mehr bedeutet als das Recht Ihres Sohnes an seinem Vater und seinen Rechten an ihm, finde ich mies!"

"Ich ging davon aus, daß er mit Ihnen zusammen ist und an uns kein Interesse hat." verteidigte sich Max.

Beverly hob eine Augenbraue.

"Sie haben sich getäuscht. Ich denke, es wird Zeit, daß Sie Ihren Fehler korrigieren."

"Jean-Luc wird mich umbringen, wenn ich ihm noch einmal unter die Augen komme!"

Beverly nickte: "Vorher hatte er zumindest gute Lust dazu. Allerdings will ich es Ihnen erleichtern - obwohl Sie es nicht unbedingt verdient haben. Lieben Sie Jean-Luc?"

Max senkte den Kopf und biß sich auf die Unterlippe, dann nickte sie.

"Das habe ich mir gedacht." konstatierte Beverly. "Um derartig wütend zu werden, muß man jemanden lieben. Und das beruht auf Gegenseitigkeit: Jean-Luc würde für Sie die Galaxis auf den Kopf stellen und er würde Sieund Ihren Sohn auf Händen tragen, wenn Sie ihn nur lassen würden. An dem Abend, als er von Dworak III zurückkam, habe ich ihm gesagt, daß ich wieder heiraten möchte. Und er erzählte mir, daß er die Frau seines Lebens kennengelernt habe. Er wollte Ihnen einen Heiratsantrag machen und er hat mich sogar gefragt, ob er in seinem Alter wohl noch Kinder haben könne..."

Max sank in ihren Schreibtischsessel. Nach einer Weile sagte sie: "Ich war anscheinend das größte Rindvieh in der ganzen Galaxis."

"Es sieht danach aus." erwiderte Beverly strocken und setzte sich wieder in den Besucherstuhl. Mit einer anmutigen Bewegung strich sie eine ihrer roten Locken aus der Stirn. "Max, ich bin neugierig - haben Sie ein Holo von Joy?"

"Natürlich!" Max wurde lebhaft. Sie zog ihre Schreibtischschublade auf und legte mehrere Holowürfel auf den Tisch. Sie aktivierte einen, es erschien eine kleine Figur - ein etwas zweijähriger Knabe mit einem dunklen Lockenkopf, der aus blauen Augen strahlte. "Er sieht Jean-Luc ähnlich, finden Sie nicht? Als ich ihn gestern abend wieder sah, bin ich fast erschrocken. Ich dachte plötzlich, daß jeder, der meinen Sohn schon einmal gesehen hat, diese Ähnlichkeit auffallen müßte. Joy hat Jean-Lucs Augen und seinen Mund und sein Kinn. Er ähnelt ihm sogar schon in den Bewegungen! Und ich bin sicher: Die süße Stupsnase, die er jetzt noch hat, wird eines Tages genauso ausgeprägt sein wie die seines Vaters."

Beverly betrachtete das Holo und lächelte.

"Sie haben recht - er ähnelt Jean-Luc wirklich."

Bei Max schien nun der Damm gebrochen. Sie aktivierte ein anderes Holo, das ihren Sohn als Baby zeigte.

"Er war sehr süß! So wütend ich damals auf Jean-Luc war - in Joy habe ich mich auf den ersten Blick verliebt."

"So ging es mir mit Wesley damals auch - und man denkt, daß ma nnie mehr jemanden so sehr lieben wird, um dann festzustellen, daß es Steigerungen gibt..."

Max nickte. "Ja..." Sie seufzte auf. "Verdammt, ich war so dumm. Aber wie sage ich es nun Jean-Luc?"

Beverly spürte Sympathie für die junge Frau wachsen.

"Ich beneide Sie nicht um diese Aufgabe." Sie atmete tief durch. "Aber wenn ich Ihnen einen Tip geben darf: Machen Sie es schnell. Die Enterprise ist nur noch zwei Tage im Dock. Im Moment hat der Commodore noch etwas Ruhe..."

"Wann kann ich ihn alleine erwischen?"

Beverly lächelte: "Sie sind entschlossen? Gut! Heute abend wird er garantiert niemanden sehen wollen - ich vermute, er verzieht sich in sein Quartier."

"Wenn ich da auftauche, schmeißt er mich raus..." graulte sich Max. "Aber ich versuch's..."

 

Nachdem Beverly das Büro an der Academy verlassen hatte, stand Max noch eine ganze Weile nachdenklich am Fenster.

Dann räumte sie die Holos wieder in ihren Schreibtisch und ging zur Transporterstation. Sie ließ sich direkt nach hause beamen. Joy spielte mit seiner Betreuerin im Garten.

Max blieb am Fenster des Wohnraumes stehen und betrachtete ihn gedankenverloren. Sie stand erst ein paar Minuten so, als Kensai Yamagochi den Raum bedreht. Max drehte sich um und schaute ihn verlegen an. Schweigend schüttelte er den Kopf, nahm ein Glas aus dem Schrank und schenkte sich einen Schluck aus einer bereitstehenden Flasche ein.

"Entschuldige, Kensai..." begann sie leise.

"Bei mir mußt du dich nicht entschuldigen."

Beide schwiegen einen Moment, dann sagte sie: "Ich werde nachher auf die Enterprise beamen und mich bei ihm entschuldigen. Und..." Sie räusperte sich. "...ich werde ihm von Joy erzählen."

"Darum beneide ich dich nicht. Er wird nicht sehr erfreut sein, daß du erst jetzt damit kommst."

"Das hat Dr. Crusher auch gesagt. Sie war vorher bei mir und hat mir einen Anpfiff erster Güte verpaßt."

"Den hast du verdient." Yamagochi trat zu ihr ans Fenster und schaute in den Garten hinaus. "Ihr werdet mir fehlen, du und Joy. Das Haus wird sehr leer sein ohne euch..."

"He, wer sagt denn, daß wir dich verlassen wollen?"

Er lächelte: "Die Enterprise geht auf eine Zweijahresmission. Du solltest mitfliegen. Joy braucht seinen Vater und du brauchst einen Mann."

"Ob der mich noch haben will?" zweifelte Max.

"Das wird von dir abhängen. Wenn ich er wäre, würde ich dich übers Knie legen - und nachher in die Arme nehmen." Sie schwieg eine Weile, dann legte sie ihm die Hand auf die Schulter.

"Kensai, kannst du mir einen Gefallen tun? Ich möchte direkt auf die Enterprise in sein Quartier beamen."

"Gut. Unter einer Bedingung: Du versprichst mir, daß du zu Kreuze kriechst. Er hat alles Recht der Welt, dich erstmal gründlich zur Schnecke zu machen. Widersprich nicht. Steck's weg! Halt die Klappe, auch wenn du fast am Platzen bist. Bezügle einmal dein Temperament, vergiß einmal deinen Stolz - es geht nämlich um Joy! Versprichst du mir das?"

 

Eine Stunde später materialisierte Max in Picards Quartier auf der Enterprise. Sie wußte sofort, daß sie richtig war - im Raum lag der herb-frische Duft, an den sie sich so gut erinnerte. Erleichtert atmete sie auf - er war noch nicht da. Das verschaffte ihr die Chance, sich zu besinnen und umzuschauen. Sie war neben einem Schreibtisch aus Glas gelandet, der vor einem Bücherregal stand. Ein Kasten mit einer kleinen Flöte stand darauf, sie betrachtete das Instrument interessiert. Dann registrierte sie den Rest der Einrichtung - eine gemütliche Sesselgarnitur unter dem großen Panoramafenster, auf dem Tisch davor stand eine leere Teetasse neben einem aufgeschlagenen Buch. Sie beugte sich darüber und las ein paar Zeilen: "O God! That one might read the book of fate, and see the revolution of the times..." Shakespeare, Henry The Fourth.

Auf dem Bord hinter dem Sofa entdeckte sie ein Artefakt - eine kleine Figur aus Stein. Sie nahm sie in die Hand, Erinnerungen überwältigten sie: Das Figürchen einer nackten Frau war auf Dworak III gefunden worden, die Kollegen bei der Ausgrabung hatten es "Max" getauft, weil es ihr angeblich ähnelte und sie hatten es Picard zum Abschied geschenkt. Es rührte sie, daß er es immer noch htte. Sie schloß die Hand darum und es gab ihr Mut.

Mit einem leisen Geräusch öffnete sich die Tür, Jean-Luc Picard betrat energisch den Raum.

"Computer - Licht!" befahl er.

Die indirekte Beleuchtung wurde heller und hüllte den Raum in einen warmen Schimmer. Sein Blick fiel auf Max, die immer noch neben dem Sofa stand.

"Wie bist du hier reingekommen?" Seine Stimme klang eisig.

Sie schluckte und räusperte sich.

"Jean-Luc, ich muß mit dir reden."

"Ich wüßte nicht, was wir noch zu reden hätten." wies er ab. "Du hast genau 30 Sekunden Zeit, aus meinem Quartier und von meinem Schiff zu verschwinden. Solltest du es bis dahin nicht geschafft habe, werde ich den Sicherheitsdienst alarmieren."

"Bitte, Jean-Luc..." sie schluckte noch einmal, ihr Mund war ausgetrocknet, das Blut rauschte durch ihre Adern, im Magen fühlte sie Übelkeit. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen."

"Eine wundervolle Idee!" höhnte er. "Vielleicht sollten wir uns morgen mittag im Casino treffen? Dann kannst du deine Entschuldigung so öffentlich loswerden wie deine Beleidigung." Er lehnte sich an seinen Schreibtisch und verschränkte die Arme über der Brust. "Bis dahin: Deine 30 Sekunden laufen..."

Sie trat einen Schritt auf ihn zu.

"Soll ich mich in einen Sack hüllen, Asche auf mein Haupt streuen und dir öffentlich zu Füßen sinken?" Ihr Ton klang ein wenig spöttisch, aber lange nicht so angriffslustig, wie er es von ihr gewohnt war. Sie nahm sich vollends an die Zügel und sagte bittend: "Jean-Luc, es tut mir leid. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe mich schlecht benommen und ich habe dir wehgetan."

Sie verstummte. Er schwieg ebenfalls, immer noch in Abwehrhaltung. Ein paar Sekunden schauten sie sich in die Augen - seine waren eisig und undurchschaubar. Max senkte den Blick.

"Ich kann verstehen, daß du verärgert bist." sagte sie leise.

"Verärgert? Meine liebe Maximiliane, das ist ein Euphemismus." begann er mit einem zynischen Lächeln und leiser Stimme.

Doch dann wurde er mit jedem Wort lauter: "Ich bin so wütend, daß ich dich am liebsten schlagen würde. Aber soweit wirst du mich nicht auch noch bringen! Ich möchte nur noch eines von dir: Daß du aus meinem Leben verschwindest und nie wieder auftauchst!"

Max kämpfte um Beherrschung. Sie ballte die Fäuste, schluckte eine wütende Erwiderung und hob dann den Kopf.

"Gut, Jean-Luc - ich werde gleich gehen. Aber eines muß ich dir noch geben."

Sie nahm einen Holowürfel aus der Tasche ihres schlichten Ziviloveralls und streckte ihn ihm zu. Er rührte sich nicht. Also legte sie den Holowürfel auf den Schreibtisch und aktivierte ihn. Mit einem Seitenblick betrachtete er das Bild des kleinen Jungen.

"Was soll ich damit?"

"Das ist Joy." sagte sie leise. "Oder, um genau zu sein: Johannes Kensai Lucas de Simon, mein Sohn." Sie sah, wie ihn eine erste Ahnung überkam. Seine Augen weiteten sich, unwillkürlich faßte er nach dem Holowürfel. "Ja, Jean-Luc..." sagte sie ruhig. "Er ist von dir. Er ist dein Sohn. Er sieht dir sogar ähnlich - immer, wenn er mich anschaut, sehe ich deine Augen. Er lächelt mit deinem Mund."

Jean-Luc starrte auf das Holo.

"Warum hast du mir nichts davon gesagt?"

"Weil ich verrückt vor Eifersucht war. Als wir von Dworak III zurückkamen, hast du abends auf der Starbase Beverly Crusher begrüßt - ich sah und hörte euch zufällig und ich dachte..." Sie stockte und sprach dann beherzt weiter: "Ich war fest davon überzeugt, daß ich für dich nicht mehr als ein Urlaubsvergnügen war, daß deine Worte von Liebe nur dem Zweck dienten, mich ins Bett zu bekommen, daß du nie mehr als Sex gewollt hattest..."

"Wolltest du denn mehr?" fragte er leise.

"Ja, Jean-Luc. Ich wollte mehr. Ich liebte dich vom ersten Moment an. Und jetzt - du bist Joys Vater. Ich kann ihn nicht anschauen, ohne an dich zu denken. Ich liebe ihn - mehr als ich je einen Menschen geliebt habe. Aber ein Teil dieser Liebe gilt dir - er ist ein Teil von dir. Ich wäre nie zu dir gekommen, wenn es nicht um ihn ginge und wenn Beverly mir nicht klargemacht hätte, daß er ein Recht auf dich hat - und du eines auf ihn."

Er löste sich langsam von der Schreibtischkante und trat zu einem der Fenster.

"Warum hast du mir so wenig vertraut?" fragte er über die Schulter hinweg.

Sie zögerte, dann sagte sie leise: "Ich war verheiratet. Mit 18 habe ich mich in ihn verliebt - er war Kadett bei der Sternenflotte. Als ich zur Uni ging, machte er gerade seinen Abschluß und wurde auf die Invincible versetzt. Ein Jahr haben wir uns nicht gesehen, dann hatten wir vier Wochen Urlaub, bevor er wieder für sechs Monate verschwand. So ging es zwei Jahre lang, bis er Lieutenant wurde. Ich war jung und dumm, ich dachte, es wäre die große Liebe und ich war sicher, daß nichts und niemand uns trennen könnte. Dann haben wir geheiratet und alle waren glücklich - Kensai strahlte vor Stolz und meine Mutter träumte von Enkelkindern. Ich habe ihm blind vertraut. Ich kam gar nicht auf die Idee, daß er über Treue anders denken könnte als ich. Ich kam nicht auf die Idee, daß er mich vielleicht gar nicht aus Liebe geheiratet hat. Ein Jahr nach unserer Hochzeit habe ich ihn dann überraschend auf Starbase Erhart besucht - und traff ihn mit einer anderen Frau im Bett. In der folgenden Auseinandersetzung sagte er mir, daß er mich nie geliebt hätte. Aber ich sei immerhin die Stieftochter des Großadmirals und daher nicht schlecht für die Karriere..."

Sie hatte betont ruhig und sachlich erzählt, doch Picard meinte, den Schmerz in ihrer Stimme zu hören. Nun atmete sie tief durch. "Du warst der erste Mann nach der Scheidung und als ich dich dann mit Beverly sah, war es für mich, wie wenn sich alles wiederholen würde."

 

Er hatte sich mittlerweile umgedreht und schaute sie ernst an.

"Du hättest mich dennoch sagen müssen, daß ein Kind von mir hast!"

Sie nickte. "Du hast recht. Dafür, daß ich es nicht tat, gibt es wohl keine Entschuldigung."

Er verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln: "Vielleicht keine Entschuldigung - aber eine Wiedergutmachung. Ich möchte Joy kennenlernen."

"Er schläft jetzt. Aber morgen früh..." Sie zögerte einen Augenblick, dann trat sie neben ihn. "Ich muß dir noch etwas sagen - gestern abend... ich habe gehört, daß du deiner Councelor gesagt hast, daß ich ein Flittchen mit der Moral einer streunenden Katze sei. Ich war sehr wütend auf dich. Als wir dann zusammen tanzten und du so kalt warst, war ich so wütend, daß ich dir unbedingt zeigen wollte, daß...." Sie zögerte, dann begann sie neu. "Ich wollte dich verletzen. Aber das war nur die eine Seite. Die andere... Jean-Luc, ich liebe dich immer noch."

Langsam nahm er ihre Hand und legte sie an seine Wange.

"Heute nachmittag hätte ich dich am liebsten umgebracht..."

"Und jetzt?"

Er zog sie in den Arm, sein Mund suchte ihre Lippen.

"Jetzt möchte ich endlich eine Antwort auf die Frage, die du heute nacht ignoriert hast. Kommst du zu mir?"

Sie umarmte ihn und hielt sich an ihm fest.

"Wenn du Joy dazu nimmst - ja."

"Und wirst du bei mir bleiben?"

"Ja." flüsterte sie und wollte ihn küssen. Er drehte den Kopf zur Seite.

"Wirst du mich heiraten?"

"Ja!"

"Gut." sagte er knapp, dann nahm er sie auf die Arme und trug sie in seinen Schlafraum, wo er sie aufs Bett legte.

"Dann sollten wir zusehen, daß Joy Geschwister bekommt - als Einzelkind aufzuwachsen, ist nicht gut. Man sieht es ja an dir."

 
Ende

 
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