Zurück
 

Geteiltes Leid ist halbes Leid

© by T'Atja ()

 

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Star Trek gehören Paramount. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek-Sektion

 

"Hatschi" So ging es bereits den ganzen Tag. Mit einem, mittlerweile eher gespielten als ehrlich mitleidigen Blick saß Spock am Bett seines T'hy'la und erfüllte gewissenhaft die ihm zugeteilte Aufgabe. Er war dazu ausersehen worden, Jim fortwährend mit frischen Papiertaschentüchern zu versorgen und langsam begann der Vulkanier sich Sorgen zu machen, denn sein Material wurde langsam knapp.

"Der ganze Urlaub ist ruiniert! Und dabei hätte alles so schön werden können." murrte Jim zum wiederholten Male mit nasaler Stimme. Seine Laune war alles andere als prächtig. Er hatte die dicke Decke bis ans Kinn hochgezogen und bemühte sich, einen möglichst leidenden Eindruck zu machen.

Spocks leidende Miene hingegen war ehrlich und es fiel ihm schwer, ein entnervtes Hochziehen der rechten Augenbraue zurückzuhalten, als er sich an den Beginn ihres Urlaubes erinnerte.

 

**********
 

Ja, es hätten wirklich ein schöner Urlaub werden können. Obwohl Spock am Anfang skeptisch gewesen war, hatte Jim ihm die ganze Sache so schmackhaft gemacht, dass er sich letztendlich darauf gefreut hatte. Sie wollten die Weihnachtfeiertage in den Bergen verbringen, in einer romantische Blockhütte - nur sie beide allein.

Es hatte auch alles gut angefangen. Am Nachmittag des Heiligen Abends hatten sie ihren Urlaub angetreten und sich direkt von der Enterprise zu ihrer gemieteten Hütte beamen lassen.

Den Abend hatten sie mit einem romantischen Essen begonnen. Sie hatten sich eine Menge Köstlichkeiten von der Enterprise mitgebracht und als sie dann bei Kerzenlicht dicht beisammen saßen, schien es noch ein vielversprechender Urlaub zu werden. Ihr Glühwein dampfte in ihren Tassen, der Kamin knisterte leise im Hintergrund und vor dem Fenster rieselte lautlos der Schnee.

 

Doch dann kam es zu der ersten Komplikation - dem Auspacken der Geschenke. Spocks Gesichtsausdruck, als er erwartungsvoll das rote Papier von seinem Geschenk geschält hatte und das, was er darunter entdeckte misstrauisch begutachtete, war anscheinend nicht das, was Jim von ihm erwartet hatte.

Dass Spock dann auch noch fragte, was das wohl wäre, was er da bekommen hatte, machte das ganze nicht besser. Jims Gesicht hatte einen Ausdruck offenbart, der irgendwo zwischen enttäuscht und sauer gelagert war.

"Das ist ein Wolpertinger." hatte Jim missmutig erklärt. "Es ist ein Fabelwesen aus dieser Gegend. Ich dachte du würdest ihn mögen. Schließlich sammelst du doch kulturelle und mystische Gegenstände von verschiedenen Planeten. So was fehlt dir noch in deiner Sammlung."

Angesichts der guten Absichten, die Jim ganz offensichtlich bei der Auswahl des Geschenkes gehabt hatte, rang sich Spock dazu durch, das 'Ding' nochmals genauer zu begutachten. Es hatte eine Schwanz, der von einem Hasen zu stammen schien, zwei Hörner auf dem Kopf und Pfoten, die einstmals einem Fuchs gehört hatten. Nein, beim besten Willen, Spock hatte sich für dieses Geschenk nicht begeistern können, auch wenn die unterschiedlichen Tierteile eindeutig Imitationen waren und sein Gesichtsausdruck verriet das auch deutlich.

"Wenn es dir nicht gefällt, kannst du es ja umtauschen." Mit diesen Worten hatte ihm Jim beleidigt das Geschenk aus den Fingern gerissen und es zur Seite gestellt. Spock hatte es geflissentlich vermieden zu erwähnen, dass er diese Möglichkeit auch sehr wohl in Erwägung ziehen würde.

Der Wolpertinger wurde den Rest des Abends ignoriert und unter Spocks aufopferungsvoller Hingabe verbesserte sich auch Jims Stimmung bald wieder.

 

**********
 

"Hatschi" Jims demonstratives Niesen riss Spock aus seinen Gedanken. Pflichtbewusst reichte er dem Menschen ein weiteres Taschentuch, der sehr geräuschvoll davon gebrauch machte. Als Jim damit fertig war, sich ausgiebig die gerötete Nase zu putzen, blickte er Spock mit einem vorwurfsvollen Blick an, den Spock mittlerweile gut kannte. "Es ist alles deine Schuld!"

Auch diese Anschuldigung hatte Spock schon mehrfach in den letzten Stunden gehört und diesmal konnte er sich ein Seufzen nicht verkneifen. Er sah die ganze Sachlage etwas anders.

 

**********
 

Eigentlich war die Schneeballschlacht Jims Idee gewesen. Der Captain begeisterte sich über die weiße Pracht, die sich vor der Blockhütte türmte, wie ein kleines Kind. Darum hatte es Spock auch nicht im geringsten gewundert, dass Jim es am ersten Weihnachtsfeiertag gar nicht erwarten konnte, nach dem Frühstück nach draußen zu kommen um sich an dem herrlichen Weiß zu erfreuen. Was Spock allerdings doch erstaunte, war, dass sich sein Captain dabei auch benahm wie ein kleines Kind. Nachdem er sich dick mit Jacke, Schal und Handschuhen eingepackt hatte, rannte er hinaus um sich direkt mit einem dumpfen Plumps in den nächsten Schneehaufen fallen zu lassen. Spock war ihm gefolgt, noch ein wenig dicker eingepackt, und hatte amüsiert beobachtete, was sein T'hy'la da trieb. Er hatte allerdings nicht das geringste Interesse daran verspürt, sich an diesem 'Spaß' zu beteiligen. Jim war damit ganz und gar nicht einverstanden gewesen. Nachdem er sich eine Weile selbstversunken im Schnee gewälzt hatte, richtete er sich auf und sah seinen T'hy'la an.

"Spock" hatte er ihm zugerufen. "Du musst mitmachen! Es macht einen riesigen Spaß."

Spock hatte wenig begeistert den Kopf geschüttelt. "Mach' du nur weiter, Jim. Ich seh' dir gerne zu." hatte er ihm geantwortet und in seinem Kopf formte sich die Vorstellung von nassen Handschuhen, kalten Füssen und durchweichten Hosen. Bevor er jedoch seinen Assoziationen beenden konnte wurde sie zu harter Realität. Jim hatte den Überraschungsmoment genutzt, um auf ihn zuzustürmen und ihn mit in den Schnee zu ziehen.

Als sich Spock von seiner Überraschung erholt hatte, entwickelte sich schnell eine Rangelei, aus welcher der Vulkanier letztendlich doch als Sieger hervorgegangen war. Rittlings hatte er über seinem, auf dem Boden liegenden Geliebten gesessen und drückte dessen Hände in den Schnee um weiteren Attacken vorzubeugen. Der Schnee, mit dem er über und über bedeckt war, kroch bereits als unangenehme Nässe durch seine Kleidung. Dem Menschen, dem es nicht besser gehen konnte, schien das nichts auszumachen. Er amüsierte sich köstlich wie man an seinem lachenden Gesicht erkennen konnte. Spock empfand die Tatsache als extrem störend.

"Es reicht jetzt, Jim!" hatte er sich beschwert. "Ich bin doch kein Eisbär."

Jim hatte daraufhin schmollend den Mund verzogen. "Du bist ein Spielverderber, Spock!" murrte er, während er versucht hatte, sich aus Spocks Griff zu befreien, aber seine Bemühungen erübrigten sich allerdings sowieso bald, denn Spock hatte ihn losgelassen und war aufgestanden. "Mir ist kalt. Ich werde jetzt zurück ins Haus gehen."

Ohne ein weiteres Wort und ohne auf Jim Protest zu achten, hatte sich Spock auf den Weg zur Hütte gemacht.

Als er die halbe Strecke zurückgelegt hatte, hörte er ein deutliches 'Plopp' und spürte einen dumpfen Schlag. Ein Schneeball hatte den Vulkanier mitten auf den Rücken getroffen. Spock hatte sich davon allerdings nicht beirren lassen und war noch zwei weitere Schritte an die Hütte heran getreten.

'Plopp' noch ein Schneeball saß exakt zwischen den Schulterblättern des Vulkaniers. Nun war es genug! Das hatte Spock nicht auf sich sitzen lassen können. Er drehte sich um, hatte sich nach einer handvoll Schnee gebückt und diese zu einem Ball zusammengedrückt. Dann visierte er sein Ziel an - Jims Hintern. Der Mensch hatte sich gerade umgedreht um sich aus einem besonders üppigen Schneehaufen einen besonders schönen Schneeball zu formen.

Spock hatte ausgeholt und geworfen. Unglücklicherweise richtete sich Jim gerade in diesem Moment auf und der Ball flog mit unglücklicher Präzision direkt in Jims Nacken. Das darauffolgende Geschrei ließ Spock für einige Sekunden erstarren.

 

**********
 

"Du bist dran schuld" wiederholte Jim noch einmal und riss Spock damit abermals aus seinen Gedanken. Es war im deutlich anzusehen, dass er sich nur mürrisch verhielt, weil der Vulkanier noch immer nicht bereit war, seine Schuld an seiner Grippe und dem verdorbenen Urlaub anzuerkennen.

"Wenn du mir nicht den Schneeball in den Nacken geworfen hättest, hätte ich mich nicht erkältet." Demonstrativ zog Jim die Decke noch ein wenig höher und schniefte deutlich vernehmbar.

Der Vulkanier seufzte innerlich. Er war es langsam leid, sich gegen diesen Vorwurf verteidigen zu müssen, ließ sich aber trotzdem noch mal dazu herab, seine Verteidigung auszuführen. "Jim, du glaubst doch nicht, dass es nur an diesem einen Schneeball lag. Du hast dich fast eine halbe Stunde mit deiner nassen Kleidung im Freien aufgehalten. Du hättest dir wahrscheinlich in jedem Fall einen Erkältung zugezogen."

Jim verzog beleidigt den Mund,. Obwohl er es immer wieder darauf anlegte, konnte er Spocks Ausführung wieder nichts entgegen setzten.

"Du hast das extra gemacht." warf er seinem T'hy'la daher vor.

Spock zog überrascht die rechte Augenbraue nach oben. Dieser Vorwurf war neu für ihn.

"Und warum hätte ich das tun sollen?" fragte er deshalb und war sehr auf die Antwort gespannt.

"Weil du dich rächen wolltest." erklärte Jim knapp.

Diesmal wanderten beide Augenbrauen des Vulkaniers nach oben. "Wofür?" Diesmal war die Überraschung deutlich in Spocks Stimme zu hören.

Jim verdrehte kurz die Augen. Warum versuchte Spock noch immer, sein Motiv zu verleugnen? Wo es doch so offensichtlich war.

"Weil ich dir den Wolpertinger geschenkt habe und er dir nicht gefallen hat." erklärte Jim weiter und sein Tonfall wurde merklich missmutiger.

Jetzt verstand Spock endlich Jims Gedankengänge, aber es war ihm noch immer unverständlich, wie sein Bindungspartner auf eine solche Idee kommen konnte. Er schob es auf die Krankheit und die damit verbundene schlechte Laune.

"Jim, das ist doch völliger Unsinn." begann er sich zu verteidigen. "Ich habe dir doch schon erklärt, dass es ein Versehen war."

"Ach, erzähl mir doch nichts. Du willst jetzt nur nicht deine ach so menschliche und emotionale Handlung zugeben." Jim verschränkte die Arme vor der Brust und schob die Unterlippe nach vorne . Er fühlte sich absolut im Recht.

Spock zog es vor, zu diesem Thema lieber nichts mehr zu sagen. Er hatte das unvulkanische Gefühl, dass er sowieso den Kürzeren ziehen würde. Also schwiegen sie beide vorerst.

 

Nach einigen Minuten ging Jim die Stille auf die Nerven. Geduld war nie seine große Stärke gewesen und Spock schien tatsächlich auch nicht klein beigeben zu wollen. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, war er dem Vulkanier auch gar nicht mehr wirklich böse. Es ging ihm nur ums Prinzip. Aber eigentlich stand ihm der Sinn nach ganz etwas anderem.

"Mir ist kalt!" murrte der Captain daher.

Mit einem ergebenen Seufzen stand Spock auf. "Ich werde noch etwas Feuerholz für den Kamin holen." meinte er und wandte sich Richtung Tür.

"Das meine ich nicht." erwiderte Jim ungeduldig und schüttelte den Kopf. Er rutschte ein wenig auf die Seite des Bettes und klopfte neben sich auf das Laken. "Ich will, dass du zu mir kommst."

Ein dünnes Lächeln umspielte die Lippen des Vulkaniers, als er sich wieder umdrehte.

Die Stimmungsschwankungen seines T'hy'las erstaunten ihm immer wieder, aber er würde sein Glück nun bestimmt nicht in Frage stellen. Er konnte schließlich nicht voraussagen, wie lange sein T'hy'la versöhnlich gestimmt war. Mit schnellen Bewegungen streifte Spock seine Kleidung ab und ließ sich neben Jim unter die Decke gleiten. Der Mensch schmiegte sich sofort an ihn und bettete seinen Kopf auf die Brust des Vulkaniers.

"So, ist es schon viel besser." murmelte er und schniefte noch einmal durch seine verschnupfte Nase. Ehe er sich versehen hatte, hatten ihn seine Erkältung und der Schlaf übermannt. Spock beobachtete seinen Geliebten noch eine zeitlang, dann driftete auch er in das Reich der Träume.

 

**********
 

Als er am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich bereits viel besser. Er reckte sich ausgiebig und wandte sich dem neben ihm liegenden Vulkanier zu.

"Guten Morgen, mein T'hy'la." flüsterte er zärtlich und hauchte Spock einen Kuss auf die Lippen.

Dieser öffnete die Augen und erwiderte den Blick seines Geliebten. Er konnte allerdings nichts sagen. Ein übermächtiges Kitzeln herrschte in seiner Nase und bevor er wusste, wie ihm geschah, bahnte sich ein heftiges "Hatschi" seinen Weg nach draußen.

Als Jim das so vertraute Geräusch hörte, musste er lachen. Er griff nach dem auf dem Nachttisch liegenden Päckchen mit Papiertaschentüchern und reichte Spock eines davon.

"Tja, mein Schatz," meinte er grinsend. "geteiltes Leid ist halbes Leid." Spocks Antwort bestand nur aus einem kräftigen Schnäuzen.

 
Ende

 
Du bist der 3539. Leser dieser Geschichte.