|
DS9-HL-Crossover
Friends will be friends Undiscovered Soul Revenge Crossroads Friends will be FriendsTeil 1 des DS9-HL-Crossovers© by Counselor ()
Das Türsignal holte Ta'Isha aus ihren Tagträumen zurück. Sie streckte sich und nahm einen kleinen Schluck Raktajino aus der Tasse, die vor ihr auf dem Tisch stand. "Herein!" Die Tür öffnete sich und Captain Benjamin Sisko, der Abgesandte der Propheten und gleichzeitig der oberste Verantwortliche auf der Raumstation Deep Space Nine, trat ein. "Counselor, ich habe gehört, es gab Schwierigkeiten?" "Nicht der Rede wert, Captain. Chief o'Brien kümmert sich um die Instandsetzung des Computer-Terminals in meinem Arbeitszimmer, und irgendwo auf dieser Station wird sich mit Sicherheit eine neue Einrichtung für den Beratungsraum auftreiben lassen! Außerdem habe ich auf diese Weise noch einen weiteren freien Tag!" Leichter Sarkasmus schwang in ihrer Stimme mit. Sie hatte gehofft, nach 2 Wochen endlich mit der Beratertätigkeit für die Besatzung und die Durchgangs-Reisenden beginnen zu können. Leider hatten zwei randalierende Klingonen ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Counselor - haben Sie eine Vermutung, warum die Klingonen ausgerechnet Ihr Büro verwüstet haben? Es scheint, als hätten Sie dort etwas gesucht!?" Captain Sisko blickte sich bei dieser Frage in dem standardmäßig eingerichteten Privatquartier um. Es hatte den Anschein, als wäre Ta'Isha Yazid erst heute auf der Station eingetroffen. Im Wohnbereich lagen mehrere Taschen, halb ausgepackt und achtlos zur Seite gestellt; auf dem Arbeitstisch sowie auf dem kleinen Couchtisch türmten sich Bücher, dazwischen lagen mehrere Stifte und diverse Habseligkeiten. Ta'Isha erhob sich aus ihrem Sessel und strich sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht, dem Blick ihres Vorgesetzten folgend. "Keine Sorge, Captain, bei meiner Arbeit bin ich absolut zuverlässig - lassen Sie sich durch das Chaos hier nicht beeindrucken! Und was die Klingonen betrifft: Nein, ich habe keine Ahnung, was die beiden gesucht haben könnten." Seufzend schlenderte sie durch den Raum. Sisko sah sich erneut um "Bei der Beurteilung Ihrer Arbeit verlasse ich mich auf die Berichte, die Starfleet mir übersandt hat. Ich denke, Sie können Ihre Fähigkeiten bald unter Beweis stellen. In zwei Wochen erwarten wir den Botschafter von Arcadia Prime, ich bin froh, daß wir dann einen Counselor an unserer Seite haben, der empathische Fähigkeiten hat. Aber ...." "Aber andererseits", fiel ihm Ta'Isha ins Wort, "hatten Sie von einer Halb-Vulkanierin eher einen Hang zur Ordnung erwartet, richtig? Ich muß Sie leider enttäuschen, manchmal denke ich, das einzige was ich von meinem Vater geerbt habe, sind die äußerlichen Merkmale!" Mit beiden Händen schob sie das dichte braune Haar zurück, zeigte ihre spitzen Ohren und versuchte den unbeteiligten Gesichtsausdruck der von Logik bestimmten Vulkanier nachzuahmen. Ein kleines Lächeln erschien auf dem Gesicht von Captain Sisko. Er konnte nicht glauben, daß diese junge Frau - die ihm wie ein 'Frischling' von der Starfleet-Akademie erschien - als Beraterin von Admiral Nechayev zur Lösung festgefahrener Verhandlungen beigetragen hatte. Doch die von Starfleet übermittelten Empfehlungen sprachen für sich. Als sich seine Gedanken wieder den Klingonen zuwandten, ertönte ein Signal an seinem Communicator. "Odo an Sisko." "Sisko hier. Sprechen Sie Constable!" "Unsere Gäste in der Arrest-Zelle sind zur Kooperation bereit." "Wir kommen!" Gemeinsam mit Ta'Isha verließ Sisko das Quartier und machte sich auf den Weg zu Constable Odo's Büro.
Julian drehte sich lachend auf dem Hocker an Quark's Bar, und wandte sich nach einem Blick auf den kleinen profitgierigen Ferengi - der dem Etablissement seinen Namen gab - wieder dem Counselor zu. "Oh nein, Ta'Isha, erzählen Sie weiter, es ist einfach zu köstlich .... habe ich das richtig verstanden? Sisko hat Quark an den Ohren zu Ihrem verwüsteten Büro gezerrt?" "Ja genau", ertönte die Stimme des Ferengi, "und es sollte in die Bestimmungen der Föderation ein Paragraph hinzugefügt werden, der es Starfleet-Angehörigen untersagt, armen, unschuldigen, sich keiner Schuld bewusst....." "Quark, es reicht!" fiel Ta'Isha ihm aufgebracht ins Wort. Julian beobachtete, wie sie auf ihrer Unterlippe kaute. Ganz und gar nicht wie die beherrschten Vulkanier. Während er sich Gedanken darüber machte, ob ihre Gefühle auch in anderen Situationen so offensichtlich wären, erklang die quäkende Stimme des Ferengi: "Aber Counselor, Sie wissen gar nicht, wie es sich anfühlt, wenn man am empfindlichsten Körperteil.." "Und Sie, Quark, Sie wissen anscheinend nicht, wie man sich fühlt, wenn etwas zerstört wird, worauf man sich lange vorbereitet hat, worauf man sich gefreut hat und ... ach", Ta'Isha hob beide Arme in einer abwehrenden Geste, "es hat bei Ihnen gar keinen Zweck, sich auf solche Argumentationen einzulassen. Sie denken ja nur an Profit, Sie können sicher nicht nachvollziehen, was es für mich bedeutet, anderen zu helfen!" Seufzend massierte sie mit einer Hand ihren Nacken und atmete tief durch. Julian bedachte sie mit einem mitleidsvollen Blick aus seinen großen braunen Augen und widerstand dem Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen. Statt dessen sah er über die Theke hinweg auf Quark, der unruhig Flaschen und Gläser sortierte. "Was ich an der Geschichte nicht verstehe, Quark, ..... warum haben Sie den Klingonen erzählt, Sie hätten in Ta'Isha's Arbeitsräumen ein Faß echten Blutwein versteckt? Sie müssen sich doch darüber im klaren gewesen sein, was passieren würde, wenn sie dort nichts finden!" Der Ferengi setzte zu einer Antwort an, als Constable Odo, der die Unterhaltung mitverfolgt hatte, sich einmischte: "Bei Problemen mit unangenehmen Gästen bittet man normalerweise den Sicherheitschef um Hilfe. Aber unser lieber Quark hier, nimmt lieber in Kauf, daß solche Individuen die Station unsicher machen. Nicht wahr, Quark?" Quark goß sich ein Glas frischen Schneckensaft ein und murmelte etwas durch seine kleinen spitzen Zähne. "Wie war das?" hakte Odo sofort nach, "Wir haben Sie nicht gehört, Quark." Quark wand sich vor Unbehagen. Einen Fehler zuzugeben, und das noch vor Zeugen, konnte einen Ferengi ganz schön in die Zwickmühle bringen. Er führte mit Odo seit geraumer Zeit eine Fehde, und dieser genoß es sichtlich, ihn in die Enge zu treiben. Ta'Isha wartete gespannt auf seine Reaktion. Schließlich seufzte Quark, fügte sich seinem Schicksal und gab zu, einen Fehler begangen zu haben. Dann griff er wieder zu seinem Glas und setzte mit erhobener Stimme hinzu: "Aber Sie sollten nicht vergessen, daß ich mich sofort bereit erklärt habe, die Einrichtung des Counselor-Büro's zu ersetzen!" "Ich bin nur gespannt, wer demnächst an meine Tür klopft, und seine Möbel zurückfordert!" Quark blickte gekränkt auf Ta'Isha, und überlegte kurz. "Counselor, wenn ich Ihnen sage, Sie haben etwas bei mir gut, sind Sie dann zufrieden?" Überrascht erwiderte Ta'Isha seinen Blick und vergewisserte sich bei Julian und Odo, daß sie richtig gehört hatte. Das hatte sie nicht erwartet. Nun gut, ihr sollte es recht sein, und auch Odo nickte zustimmend. In seinen Augen war Quark nichtsdestotrotz noch immer ein kleiner Heuchler, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht war - er, als Sicherheitschef der Station, würde sich von dieser Zusage nicht beeindrucken lassen. "Counselor,.....Doctor Bashir, entschuldigen Sie mich bitte, es ist Zeit für meinen Rundgang auf dem Promenadendeck!" Odo verschränkte die Arme auf dem Rücken, nickte Quark kurz zu und verließ die Bar. Langsam stand Ta'Isha auf, gab Julian einen leichten Klaps auf die Schulter und verabschiedete sich. Noch immer das Gefühl ihrer Hand auf seiner Schulter genießend blickte Julian der mittelgroßen Halb-Betazoidin hinterher; es wurde Zeit, ein wenig mehr von seinem Charme einzusetzen.
Seine Erregung steigerte sich. Der Geruch des frischen Blutes ließ sein Herz schneller schlagen. Bald würde er seinen Plan in die Tat umsetzen, er musste nur noch ein wenig Geduld haben. Die Vorbereitungen waren getroffen, die Kontakte hergestellt. Die Zeit spielte für ihn keine Rolle, dennoch sehnte er sich geradezu schmerzlich nach dem Gefühl der Macht. Jenes Gefühl, das ihn jedesmal durchströmte, wenn er Wesen, gleich welcher Rasse, dominieren konnte. Wenn sie ihm bedingungslos ausgeliefert waren - sei es als Opfer, wie diese erbärmliche Kreatur zu seinen Füßen, sei es als Anhänger, denen nichts wichtiger war, als seine Wünsche zu erfüllen und seine Gier nach Zerstörung umzusetzen. Er leckte sich die Lippen. Der blutige Klumpen Fleisch, der einmal ein Mensch gewesen war, wimmerte leise, flehte um Erlösung. Ein kräftiger Fußtritt - das Wimmern wurde lauter; ohja, das war Musik in seinen Ohren. Leider konnte er sich nicht länger dem Vergnügen widmen, er blickte sich um, es gab noch so viel zu tun. Langsam hob er sein Schwert.......
Ta'Isha befand sich auf dem Weg zum "Replimat". Entgegen dem, was sie sich vorgenommen hatte, hatte sie einer Verabredung zum Mittagessen zugestimmt. Der junge Doctor hatte diese umwerfende Art von Charme, der man sich nicht so leicht entziehen konnte. Außerdem halfen ihr die Gespräche mit Julian dabei, die Probleme der anderen Leute aus ihrem Kopf zu verbannen. Der Job als Counselor konnte wirklich sehr anstrengend sein. Nach langen Arbeitstagen fehlte ihr meist die nötige Konzentration, um sich vor den Gedanken der DS9-Bewohner und -Besucher abzuschirmen, doch nach einem kurzen Plausch mit Julian ging es ihr besser. Als sie in Höhe von Garaks Schneider-Geschäft war, bemerkte sie Quark, der ihr mit suchendem Blick entgegenkam. "Counselor - gut, daß ich Sie endlich gefunden habe!" Er zog eine Grimasse, die wohl ein freundliches Lächeln darstellen sollte. Unter seinem Arm klemmten mehrere große Bücher - ein Anblick, den man sehr selten sah, zum einen, weil es keine Druckereien mehr gab, zum anderen, weil die Verbindung zwischen Ferengi und Buch kaum denkbar war - es sei denn, es ginge um Verträge oder Erwerbsregeln! "Nun, Quark, womit kann ich Ihnen helfen? Sind Sie über Erwerbsregeln gestolpert, die Ihnen ein schlechtes Gewissen bereiten? Oder haben Sie eine Regel etwas weiter ausgelegt, und ärgern sich nun, weil Sie nicht hemmungslos Profit gemacht haben?" "Aber Counselor Yazid!" Quark drückte sich an ihre Seite, " ..... Oder darf ich Sie Ta'Isha nennen?" "Nein!" Mit einem kurzen Kniff in das große Ohr an ihrer Schulter entledigte sie sich des aufdringlichen Ferengi. Quark blickte etwas geknickt: "Ich überlege mir ernsthaft, ob ich Ihnen diese Bücher geben soll! Sie könnten ruhig etwas freundlicher zu mir sein!" "Warum sollte ich die Bücher überhaupt haben wollen?" "Ich habe gehört, daß Sie sehr an dieser Art Lesestoff interessiert sind, aber, ... müssen wir das hier besprechen? Wir könnten uns ein lauschiges Plätzchen suchen...." "Tut mir leid Quark", Ta'Isha beschleunigte ihren Schritt, "ich bin bereits zum Essen verabredet. Vielleicht ein anderes Mal."
Julian betrat den "Replimat" und schaute sich um. Kurz vor seiner Pause war ein Patient in kritischem Zustand auf die Krankenstation gebracht worden. Da er sich selbst um dessen Erstversorgung kümmern wollte, erschien er nun mit einiger Verspätung zu seiner Verabredung. Hoffentlich hatte er Ta'Isha nicht verpasst. In diesem Moment entdeckte er sie - sie saß mit dem Rücken zu ihm an einem der äußeren Tische und bei ihr war ......Quark. Quark erhob kurz den Blick, als Julian zu ihnen trat. "Hallo, Doctor Bashir! Aber warum runzeln Sie so die Stirn? Kennen Sie nicht das terranische Sprichwort 'Eine schöne Frau soll man nicht warten lassen' oder 'Wer zuerst kommt .....hmpffff....." Mit einem boshaften Grinsen hatte ihm Ta'Isha den Rest ihres Schokoladen-Kuchens in den Mund gestopft. "Julian, schön, daß Sie endlich da sind!" Lächelnd schaute sie zu ihm hoch. Dann zog sie einen weiteren Stuhl herbei ...... direkt an ihre Seite, wie Quark frustriert bemerkte, während er noch immer damit beschäftigt war, dieses gräßliche Schokoladenzeugs herunterzuwürgen. "Schauen Sie mal hier. Quark hat einige interessante Bücher entdeckt! Ich dachte, ich hätte bereits alle terranischen Rassen und Kulturen bis ins 20. Jahrhundert studiert. Aber das hier, wenn das wahr ist, dann gab - besser gesagt: dann gibt es - ein Rasse, die unsterblich ist." "Haben Sie in Betracht gezogen, daß sich eventuell schon damals Mitglieder des Q-Kontinuums einen Spaß mit den Menschen erlaubt haben?" fragte Julian, ihre Begeisterung beschwichtigend. Ein eisiger Blick aus ihren grün-braunen Augen traf ihn. "Aber natürlich ist mir das Q-Kontinuum ein Begriff. Nur ist mir bis jetzt noch nicht zu Ohren gekommen, daß sich die Q gegenseitig die Köpfe mit Schwertern abschlagen - oder liege ich da falsch?" "Köpfe?......Schwerter?...." Julian wirkte etwas irritert. "Von was reden Sie?" "Das wollte ich Ihnen eben erklären; diese Bücher beschreiben einen Zeitraum im Leben zweier Unsterblicher und enden dann ganz abrupt zum gleichen Zeitpunkt!" "Und wer hat diese Aufzeichnungen verfasst? Vielleicht ist es ja nur ein Phantasieprodukt - so eine Art Roman?" Ta'Isha schüttelte den Kopf. "Nein, für einen Roman sind die Eintragungen zu abgehackt und nicht zusammenhängend genug. Außerdem wurden die Bücher von verschiedenen Personen geschrieben. Diese Personen nannten sich selbst 'Beobachter' und ihre Gruppierung existierte wohl mehrere Jahrhunderte lang...... vielleicht sogar heute noch!" Sie blätterte in dem dickeren der beiden Bücher. "Laut diesem Beobachter hier - Joe Dawson ist...war... sein Name - war es ihre Aufgabe, die Unsterblichen zu....zu..wie soll ich es sagen?..." "Wie wäre es mit: 'zu beobachten'?" warf Quark von der anderen Seite des Tisches ein. Julian grinste amüsiert, während Ta'Isha etwas ungläubig dreinschaute. Dann rümpfte sie die Nase und beugte sich wieder über das Buch. "Ohja, ähm, .... wie der Name schon sagt, sie sollten die Unsterblichen beobachten, und das Leben und Sterben jener in sogenannten Chroniken dokumentieren!" Sie machte eine kurze Geste in Richtung des Buches vor ihr. Wieder mischte sich Quark ein: "Und stellen Sie sich vor, Doctor, diese Beobachter haben das freiwillig getan - sie haben dabei keinen Profit gemacht!" "Dann können wir eins mit Sicherheit sagen", Julian richtete den Blick auf Quark und gab seiner Stimme einen verschwörerischen Unterton, "die Beobachter waren keine Ferengi!" Ta'Isha verschluckte sich vor Lachen an ihrem Kräuter-Tee und schnappte verzweifelt nach Luft. "Es scheint, als wäre meine Hilfe hier nicht willkommen", nörgelte Quark, "darum ziehe ich es vor, mich wieder um mein Geschäft zu kümmern. Schließlich muß ich Profit machen, um meine Existenz zu sichern!" Beleidigt schob er seinen Stuhl zurück und stapfte davon. Gerade als sie sich wieder den Chroniken zuwandten, ertönte ein Signalton an Julian's Communicator. "Medizinische Station an Doctor Bashir." "Ich höre. Bitte sprechen Sie!" "Unser Notfall ist wieder bei Bewußtsein - Sie wollten darüber informiert werden." "Ja, in Ordnung. Ich komme." Er drehte sich zu Ta'Isha. "Es tut mir leid....." Sie lächelte: "Ich weiß! - Wie wäre es, wenn wir uns nach Dienstschluß weiter unterhalten? Ich nehme die Bücher mit in mein Büro, und Sie könnten mich dort abholen!" Sie nahm die Bücher vom Tisch und fügte hinzu "Und da meine Pause sich ebenfalls dem Ende zuneigt, werde ich Sie noch ein Stückchen begleiten."
Constable Odo runzelte die Stirn als er die drei Personen betrachtete, die im Quark's an dem Tisch in einer ruhigeren Ecke der Bar zusammensaßen. Daß Counselor Yazid und Doctor Bashir ihre Freizeit miteinander verbrachten wunderte niemanden, aber was wollten sie nur dauernd mit diesem Ferengi? Derweil besprachen Ta'Isha und Julian die Erkenntnisse, die sie aus den Beobachter-Büchern gewonnen hatten. Quark hörte interessiert zu. "Also, Sie sagen, diese Beobachter hatten strikte Anweisung unerkannt zu bleiben und sich in keinem Fall einzumischen?" Julian nickte. "Korrekt, Quark!" Er schaute über seinen Drink hinweg auf den Counselor. "Klingt ein wenig wie die Oberste Direktive der Starfleet, finden Sie nicht auch, Ta'Isha?" "Und im Falle von Joe Dawson können wir mit Sicherheit sagen, daß er sich nicht daran gehalten hat!" "Woher wissen Sie das?" fragte Quark neugierig. "Nun ja", Ta'Isha zupfte sich am Ohrläppchen und lehnte sich zurück, "es scheint, als hätte der zweite Beobachter nicht nur 'seinen' Unsterblichen, sondern auch seinen Kollegen Joe beschattet!" Quark beugte sich nach vorn, mit einem gierigen Funkeln in den Augen. "Sagen Sie es mir. Dieser 'Beobachter-Beobachter' hat dies doch nicht ohne Grund getan! Es ging um etwas .... eine Belohnung, ein Preis?" "Ich muß Sie enttäuschen, Quark", mischte sich Julian wieder in das Gespräch ein, "einen Preis gibt es nur für die Unsterblichen ..... genauer gesagt, für den letzten, der übrig bleibt! Dieser Beobachter, Jaques Laroux, hat wohl nur den Auftrag seiner Vorgesetzten ausgeführt." "Also, weshalb darf ich dann an Ihrem Gespräch teilnehmen?" erkundigte sich Quark ungeduldig. Ta'Isha zeigte ihr strahlendstes Lächeln. "Weil wir Sie um einen Gefallen bitten wollen!" "Und...warum..sollte..ich..Ihnen..helfen?" frage Quark, jedes Wort stark betonend. Noch immer war das Lächeln auf Ta'Isha's Gesicht, Sie blickte stumm auf den Ferengi. Dieser rutschte auf seinem Stuhl hin und her, die Lippen fest aufeinandergepresst. Doch plötzlich spuckte er die Worte förmlich aus: "Jaaa, Sie haben noch etwas gut bei mir!" Er trank sein Glas in einem Zug leer. "Was soll ich tun?"
Er blickte sich kurz um, musterte noch einmal die karge Landschaft des Planeten. Er würde nicht zurückkehren. Seine Aufgabe wartete an einem anderen Ort auf ihn. In seiner Phantasie hörte er Menschen in Panik aufschreien, sah Blut aus ihren zerfetzten Leibern in den Boden sickern. Vorfreude erfüllte ihn, und er lächelte. Der Aufforderung des Piloten folgend betrat er den Raumgleiter. Sein Ziel war Deep Space Nine.
Wieder einmal betraten Ta'Isha und Julian gemeinsam Quark's Bar. Sie setzten sich an den Tresen und bestellten Raktajino. Nach einer Weile gesellte sich Quark zu ihnen "Ich habe alles fertig! Wie gewünscht habe ich sämtliche Informationen, die sich über Duncan MacLeod, Joe Dawson und Adam Pierson finden ließen, besorgt. Zusätzlich dazu, versorgte mich ein Informant von der Erde mit digitalisierten Aufzeichnungen der Beobachter, inklusive Bild- und Tonmaterial. Und ich möchte nur so nebenbei erwähnen, daß ich dafür meinerseits sehr viele Gefallen einfordern musste!" Ta'Isha leerte ihre Tasse bevor sie sich fragend an Quark wandte: "Ist es Ihnen gelungen, ein Holo-Programm aus den Informationen zu entwickeln?" "Natürlich ist mir das gelungen! Ich habe alle Ereignisse aus den Chroniken gespeichert, dazu das Bild- und Tonmaterial, und alles, was sich sonst noch finden ließ .... einschließlich der Bemerkungen über Charaktereigenschaften der Unsterblichen! Aber was wollen Sie mit diesem Programm?" "Wir suchen nach Antworten", sagte Ta'Isha. Und Julian fügte erklärend hinzu "Wir hoffen, daß wir herausfinden, warum beide Aufzeichnungen zum selben Zeitpunkt enden!" Quark lachte kurz auf "Vielleicht haben diese .... diese Beobachter einfach beschlossen, mit der Spioniererei aufzuhören? Es gibt ja noch andere Dinge im Leben!" Ta'Isha erhob sich langsam von ihrem Hocker "Bald wissen wir es....." Quark übergab Julian ein kleines Röhrchen, welches das Programm enthielt. "Wie gewünscht habe ich Ihnen für heute eine Holo-Suite reserviert!..Viel Spaß!" "Danke, Quark", Julian folgte Ta'Isha, die sich bereits auf der Treppe ins Obergeschoß der Bar befand, als der Ferengi ihm noch etwas hinterher rief. Er blickte über seine Schulter zurück. "Wie war das Quark?" "Oh, ich fragte nur, ob Sie nicht doch lieber das Programm 'Romantischer Sonnenuntergang am Strand von Risa' möchten?" Julian grinste breit. "Vielleicht das nächste Mal!" Dann erklomm er die letzten Stufen hinauf zur Holo-Suite, wo Ta'Isha bereits ungeduldig wartete.
Ta'Isha blickte sich um. Sie befanden sich direkt vor Dawson's Haus. Es war bereits dunkel und ein kühler Wind zog von der Seine auf. Über dem Eingang prangte eine blaue Neon-Leuchtschrift. "Le Blues Bar", las Ta'Isha, "Blues? Gehe ich richtig in der Annahme, daß dies eine der vielen musikalischen Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts ist?" "Ja, genau - und eindeutig nicht mein Geschmack!" erwiderte Julian. "Tja, Julian, es tut mir wirklich leid, das Ihren Ohren zuzumuten - aber Duncan MacLeod und Methos, besser bekannt als Adam Pierson, verbringen sehr viel Zeit hier. Wenn wir sie treffen möchten, ist dies der günstigste Ort!" "Gut. Bitte nach Ihnen!" Kurz nacheinander betraten sie die Bar. Dort bot sich Ihnen ein merkwürdiger Anblick. Hinter dem Tresen stand ein älterer Mann mit grauem Vollbart, der mit einer Pistole auf zwei Männer zielte, die sich in der Mitte des Raumes gegenüberstanden. Der größere der beiden, ein häßlicher Kerl mit einer Narbe auf der Stirn, zielte mit seinem klobig wirkenden Schwert auf den Hals seines Gegners. Als die Tür hinter Julian und Ta'Isha zufiel, zogen sie die Aufmerksamkeit der Männer auf sich. "Und da heißt es in allen Büchern Paris sei die Stadt der Liebe!" bemerkte Ta'Isha sarkastisch. Der eben noch unterlegene Mann nutzte die kurze Unachtsamkeit seines Gegners, um nach dem Griff seines auf dem Boden liegenden Schwertes zu greifen. Er drehte sich in einer fließenden Bewegung und Julian beobachtete mit Schrecken, wie der Kopf des Häßlichen vom Rumpf getrennt wurde. Bevor jemand etwas sagen konnte, grollte heftiger Donner und Blitze zuckten. Der Mann in der Mitte des Raumes fiel auf die Knie, während ihn mehrere Energieentladungen trafen. Der Donner wurde zu einem Tosen, alle Lampen und die Scheiben der Fenster zerbarsten mit einem lauten Krachen. Julian warf Ta'Isha zu Boden und versuchte, sie vor herumfliegenden Glassplittern zu schützen. Nach endlos scheinenden Sekunden war der Spuk vorbei. Ta'Isha lag in der Dunkelheit und hörte Julian flüstern "War das Duncan MacLeod? Ich dachte, es ist gegen die Regeln, einen Kampf im Beisein von Sterblichen auszutragen .... und MacLeod ist laut Beobachter-Berichten ein Mann, der sich genau an Regeln, Moralvorstellungen und ähnliches hält!?" "Julian", unterbrach ihn Ta'Isha, "dieses Ereignis war in den Büchern dokumentiert, Quark hat es programmiert .... also mußte es stattfinden, egal, ob mit oder ohne uns!" In diesem Augenblick wurde die Finsternis durch Kerzenschein erhellt. Vor ihnen stand der Sieger des Kampfes, sichtlich geschwächt durch die vorangegangene Energieübertragung. Er half Ta'Isha auf die Beine, während Julian sich noch einige Scherben von der Uniform zupfte. "Ich bin Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod", sprach der Fremde mit tiefer, angenehmer Stimme, "und wer sind Sie?" "Meine Name ist Ta'Isha, und das ist Julian, wir sind....." "Touristen!" kam Julian ihr zu Hilfe. "Entschuldigen Sie, daß wir so reingeplatzt sind, aber wir ...." "Sparen Sie sich die Entschuldigungen. Ich möchte von Ihnen nur das Versprechen, daß Sie mit niemandem darüber reden was hier passiert ist!" Er schaute Ta'Isha tief in die Augen, im Kerzenlicht musterte sie das männliche Gesicht, die dichten schwarzen Augenbrauen, die die Intensität seines Blickes noch verstärkten. Als er den Kopf in Julian's Richtung drehte, sah sie, daß das dunkle halblange Haar im Nacken von einer silbernen Spange zusammengehalten wurde, ihr Blick wanderte weiter ... "Programm anhalten!" "Julian, was ist los?" Es war eine rein rhetorische Frage - durch die Empfindungen und Gedanken, die sie von ihm empfing, wußte sie bereits was ihn störte. "Ich dachte, wir wollten herausfinden, warum die Aufzeichnungen im April des Jahres 1999 enden. Statt dessen stehen Sie hier und scheinen nichts mehr wahrzunehmen.... außer diesem Schotten!" "Ich nutze nur die Gelegenheit, mir den Mann, von dem ich soviel gelesen habe, in 'natura' an- zuschauen. Und Sie müssen zugeben, daß es ein höchst angenehmer Anblick ist!" Sie stand mit einem provozierenden Grinsen vor ihm. "Gut, machen wir einen Kompromiß ..... starten wir das Programm an einem späteren Zeitpunkt ... sagen wir, am nächsten Vormittag?" Sie gab die entsprechenden Daten in den Computer ein. Sofort wandelte sich das Bild. Noch immer standen sie in Joe's Bar, doch nun schien helles Sonnenlicht durch die notdürftig mit Plastikplanen abgedichteten Fensteröffnungen. Joe kam ihnen auf seinen Stock gestützt entgegen. "Schön, daß Sie wiedergekommen sind. Heute ist es etwas friedlicher als gestern. Wie wäre es, wenn ich Sie zu einem Drink einlade?" Er ging zwischen den gut besetzten Tischen hindurch Richtung Tresen. Julian blickte ihm nachdenklich hinterher. "Würde er in unserer Zeit leben, wäre er nicht auf die Prothesen und den Stock angewiesen! Die Medizin ist mittlerweile soweit, daß wir die Möglichkeit genutzt hätten, aus seinem DNA- Material in Nährlösung neue Beine wachsen zu lassen!" "Julian, würde er in unserer Zeit leben, hätte er seine Beine nicht im Vietnam-Krieg verloren!" Ta'Isha betrachtete den jungen Mann an ihrer Seite. "Sie können nicht allen helfen - und schon gar nicht den Leuten, die bereits mehrere hundert Jahre tot sind." Sie griff nach seinem Arm und zog ihn zum Tresen. Dort saß in Jeans und Sweatshirt ein junger Mann mit kurzen dunklen Haaren, er unterhielt sich angeregt mit Joe Dawson und musterte die beiden Ankömmlinge mit prüfendem Blick, bevor er in leicht amüsiertem Ton feststellte: "Also Sie hatten gestern das Vergnügen bei der Mords-Fete dabei zu sein?" Joe seufzte auf, als er an den vorherigen Abend erinnert wurde. Als er sich bewußt wurde, daß Ta'Isha und Julian ihn fragend anblickten, deutete er auf den jungen Mann. "Darf ich vorstellen? Ein guter Freund von mir: Adam Pierson."
Ta'Isha schlenderte über das Promenaden-Deck und ging in Gedanken die Erkenntisse, die sie in der Holo-Suite gewonnen hatten, durch. Die Begegnung mit Adam Pierson war etwas besonderes gewesen. Leider hatte Quark zur Programmierung von Pierson außer wenigen Fotos und einer Stimmprobe keine weiteren Hinweise gehabt. Dafür waren die Informationen von Jaques Laroux zu spärlich gewesen. Aber immerhin hatten sie durch die Beobachtungen von Laroux erfahren, daß Adam Pierson in Wirklichkeit der älteste Unsterbliche zu jener Zeit war. Methos - so sein richtiger Name - war Ende des 20. Jahrhunderts bereits über 5000 Jahre alt, ein für Ta'Isha fast unvorstellbarer Zeitraum. Ein Lächeln zog über ihr Gesicht. Das einzige, was sie mit Sicherheit sagen konnte betraf den Mann aus den schottischen Highlands, Duncan Mac Leod. Obwohl er sich in vielen Dingen von Julian unterschied, hatten beide jedoch eine ähnliche Wirkung auf Frauen. Bevor sie den Vergleich zwischen den beiden Männern beenden konnte, zog ein völlig aufgebrachter Quark wie wild an ihrer Uniform. "Quark, wo kommen Sie her, und was ist überhaupt los mit Ihnen?" "Coun.....se...lor!" Der Ferengi schnappte ein paarmal nach Luft. "Haben Sie schon gesehen?...Nein, bestimmt nicht.....!" "Quuuuaaark!Was ist los?" "....Eben traf der Raumgleiter von Arcadia Prime ein!....Und sehen Sie doch..... dort!" Er zeigte mit seinem kurzen Finger auf einen Mann, der sich unschlüssig auf der Promenade umsah. Ta'Isha stutzte. Dieses Gesicht, diese Bewegungen. Dann formten ihre Lippen lautlos einen Namen: Methos.
Zielsicher schritt er durch den schwach beleuchteten Gang. Das Schwert, das er unter seinem Umhang verborgen hatte, rieb sich am rauhen Stoff seiner Hose. Für ihn war es wie eine Aufforderung. Seine Finger legten sich um den Griff. Er spähte um die nächste Biegung und entdeckte einen Talassianer, der sich von einer Luftschleuse entfernte. Mit wenigen Schritten hatte er den blauhäutigen Mann erreicht.
Sie saßen sich im Counselor-Büro auf der bequemen Couch gegenüber, Julian hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt und lachte leise vor sich hin. "Das ist einfach unglaublich. Gibt es das -- Zufall? Vielleicht ja, vielleicht nein." Er setzte sich auf. "Ta'Isha, nun haben wir die Möglichkeit aus erster Hand zu erfahren, was damals passiert ist!" "Vorausgesetzt, wir finden Methos!" Sie raufte sich die Haare und seufzte. "Zu dumm, daß ich ihn aus dem Blickfeld verloren habe." "Keine Sorge! Quark kümmert sich bereits darum. Er wird ihn schon finden!" Ta'Isha erschrak als ihr Blick auf das Chronometer fiel. "Julian, ich muß los. In ein paar Minuten treffen Captain Sisko und ich den Botschafter von Arcadia Prime. Sein privater Raumgleiter muß inzwischen hier angedockt haben, und ich will auf keinen Fall zu spät kommen!" "Sie haben recht. Das würde einen schlechten Eindruck machen. Sehen wir uns später noch?" "Ich denke nicht. Die Gespräche könnten länger dauern.Ich melde mich morgen früh bei Ihnen!" Julian verließ den Raum und Ta'Isha kontrollierte noch einmal ihre Uniform. Ihre erste Bewährungs-Probe als Counselor der Station stand bevor. Sie holte tief Luft und trat aus der Tür.
Langsam schritt Tai'Isha durch den spärlich beleuchteten Gang. Laut Chronometer war es früher Morgen und sie war auf dem Weg zu Julian's Quartier. Und wieder dieses merkwürdige Gefühl, nicht genau zu definieren aber eindeutig beunruhigend. Endlich erreichte sie ihr Ziel. Nachdem Julian durch ein knappes "Herein" die Türöffnung aktiviert hatte, schlüpfte sie durch die schmale Lücke und seufzte erleichtert auf. Dann blickte sie sich erstaunt um. "Julian .....wir frühstücken hier?" Der kleine Tisch im Wohnraum war gedeckt und mit frischen Blumen dekoriert. Es duftete nach Raktajino und Ta'Isha bemerkte ein goldgelbes Gebäck, woraufhin ihr Magen sich lautstark zu Wort meldete. Julian, der sie bisher beobachtet hatte, erklärte: "Ich dachte, wir machen es uns hier gemütlich. Es ist auf alle Fälle ruhiger als im Replimat oder bei Quarks... und so können wir uns besser unterhalten.....aber nicht, daß sie das falsch verstehen...." "Nein, nein", Ta'Isha lächelte als sie sah, wie der junge Arzt plötzlich nervös hin und her ging, "Sie haben recht, hier redet es sich besser.... und ich kann ein Gespräch gut gebrauchen. Etwas geht auf der Station vor." "Wie meinen Sie das?" Julian ließ sich neben ihr in einen Sessel sinken. "Nein, lassen Sie uns zuerst etwas essen. Croissants?" "Was ist Croissants?" "Diese leckeren Hörnchen ... die warm noch besser schmecken als kalt", er grinste, "eine Spezialität aus Frankreich." "Nun sagen Sie nur, Joe Dawson hätte Sie darauf gebracht?" Ta'Isha knabberte vorsichtig an dem knusprigen Gebäck und nickte anerkennend. "Ich muß Sie leider enttäuschen, Croissants kannte ich schon vor unserem Ausflug in der Holosuite! Übrigens habe ich noch Kurambeeren-Marmelade von Betazed repliziert, aber Sie können auch terranische Kirsch-Marmelade haben." Da bemerkte Julian den forschenden Blick und die gerunzelte Stirn seines Gegenübers. "Habe ich etwas falsches gesagt?" "Sind Sie sicher, daß Sie nicht doch irgendetwas im Sinn haben? Nein, ich merke schon, Sie haben keine Ahnung. Ähm, diese Kurambeeren haben eine ähnliche Wirkung auf Betazoiden wie zum Beispiel Austern auf Menschen...ich spreche von .....Aphrodisiaka!" "Äh, wirklich?" "Ja, wirklich. Ich denke, ich esse das Croissant pur." Julian suchte unterdessen verzweifelt nach einem Loch im Boden, das ihn verschlucken könnte. Auf einmal spürte er die Hand der jungen Frau auf seiner. "Julian, ich mag Sie und ich nehme es Ihnen nicht übel!" Ihr Lächeln nahm ihm etwas von seiner Unsicherheit. "Sie wissen doch, die Bewohner von Betazed gehen offen mit ihrer Sexualität um. Selbst, wenn Sie mir die Kurambeeren-Marmelade mit irgendwelchen Hintergedanken angeboten hätten, hätte ich es nur als Kompliment gesehen!" Sie strich ihm über den Handrücken und ließ ihre Finger über seinen Unterarm gleiten. Abrupt setzte sie sich auf. "Ich muß Ihnen noch etwas erzählen!" "Wie?" "Ja, ich erwähnte doch vorhin, daß etwas auf der Station vorgeht!" "Aha." "Ich glaube, es hat etwas mit dem Botschafter von Arcadia Prime zu tun!" "Lassen Sie mich kurz einen Schluck Raktajino nehmen - vielleicht bin ich dann wieder imstande zu denken." Julian schaute leicht verdrießlich drein. Er nahm seine Tasse in beide Hände und fixierte einen Punkt an der Wand. Nachdem er die Tasse geleert hatte, wandte er sich wieder Ta'Isha zu. "Nun, was stimmt nicht mit dem Botschafter?" "Er hat seine Gedanken sehr gut im Griff. Man könnte fast meinen, er sei Vulkanier. Gut, daß ist nichts schlimmes, aber ich spürte bei den Gesprächen eine Art Unaufrichtigkeit, die von ihm ausging." "Haben Sie Captain Sisko darüber informiert?" "Ja, wir hatten eine längere Besprechung nach dem Treffen. Aber der Captain meinte, es wäre erstmal unsere Aufgabe, den Botschafter bei seinen Bemühungen Handesbeziehungen mit Bajor zu knüpfen zu unterstützen.Schließlich liegt Arcadia Prime am Rande des Cardassianischen Raums, es könnte ein wichtiger Stützpunkt für die Föderation werden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind bereits erhöht, und wir müssen abwarten was geschieht." Sie seufzte:" .....Bevor ich zu Ihnen kam, hatte ich das Gefühl, als ob mich Jemand oder Etwas verfolgte, aber vielleicht habe ich mir auch nur zu viele Gedanken über Botschafter Demian gemacht und das wirkte sich in einer Art Verfolgungswahn aus!" Sie vergrub ihr Gesicht in beide Hände und massierte sich die Schläfen. In die Stille hinein ertönte das Signal des Communicators. "Quark an Counselor Yazid." "Quark? Was ist los?" "Unser ..... Freund .....ich habe ihn gefunden! Er sitzt in der Arrestzelle bei Constable Odo!"
Odo saß hinter seinem Schreibtisch und blickte hinüber zur Arrestzelle, in der der Fremde es sich auf der Liege bequem gemacht hatte. Der Mann, der nach Odo's Einschätzung etwa 30 Menschenjahre alt war, hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt und schaute teilnahmslos zur Decke. Odo hatte auf seine Fragen keine Antworten erhalten, auch sonst zeigte der Mann seit seiner Festnahme keine Reaktionen. Weder, daß er randalierte, noch, daß er seine Unschuld beteuerte - letzteres hätte Odo sowieso nicht überzeugt, da der Mann sich in einer eindeutigen Situation befand als er verhaftet wurde. Odo wurde aus seinen Gedanken gerissen als die Tür zu seinem Büro sich öffnete und Counselor Yazid gefolgt von Julian Bashir eintrat. "Nun, Counselor, kann ich etwas für Sie tun?" Seine Stimme machte deutlich, daß er nicht allerbester Laune war. Julian ging zur Arrestzelle, die nur durch ein Energiefeld gesichert war, und betrachtete den Mann, der ihn seinerseits keines Blickes würdigte. "Was hat er getan?" "Er hat versucht den Botschafter zu töten ..... mit einem Schwert! Was sich als äußerst uneffektiv herausstellte. Hätte er einen Phaser benutzt, hätte ich den Botschafter leider nicht mehr retten können. So wurde ich auf meinem Rundgang durch die Frachträume durch den Lärm, den er bei der Verfolgung von Botschafter Demian machte, aufmerksam.....und konnte ihn daran hindern, seinen Plan auszuführen." "Was wollte der Botschafter denn in den Frachträumen?" fragte Ta'Isha. "Er sagte, er wollte die Gastgeschenke, die er für das morgige Treffen mit Kai Winn ausgesucht hat, auf ihre Vollständigkeit überprüfen und wurde dabei von diesem Individuum überrascht!" Ta'Isha kam ein Gedanke. "Und Sie haben nicht zufällig bei Botschafter Demian ebenfalls ein Schwert gefunden?" Sie spürte die irritierten Blicke von Odo und Julian, beobachtete aber weiterhin den Gefangenen, der den Kopf in ihre Richtung gedreht hatte und sie prüfend musterte. "Odo, wir müssen ihnen etwas zeigen. Julian, gehen Sie mit dem Constable vor in die Holosuite .... ich hole die Bücher." Odo wollte zuerst widersprechen, doch dann erinnerte er sich an die Reaktion, die Counselor Yazid's Bemerkung bei seinem Gefangenen bewirkt hatte. Vielleicht wußten der Counselor und der Doctor etwas, was ihm weiterhelfen konnte.
In Joe's Bar blätterte Odo in den Chroniken. Ta'Isha und Julian warteten gespannt auf seine Meinung. Mit einer ruckartigen Bewegung schloß Odo das Buch. Er machte eine kreisförmige Hand- bewegung. "Und diese ganze Spielerei soll mich bitte ... von was... überzeugen? Nun gut, es scheint als wäre mein Gefangener ...Methos, oder wie auch immer er sich augenblicklich nennt, mehrere tausend Jahre alt. Aber was hat das mit der Tatsache zu tun, daß er den Botschafter angreift?" "Nun", Ta'Isha erwiderte den fragenden Blick Odo's, " ich will darauf hinaus, daß der Botschafter ebenfalls ein Unsterblicher ist, und Sie ..." "Und ich die beiden überrascht habe, als sie versuchten, sich gegenseitig den Kopf abzuschlagen? Nur da gibt es etwas, das nicht in ihre Theorie passt: der Botschafter war nicht bewaffnet!" "Vielleicht hat er seine Waffe irgendwo im Frachtraum versteckt, oder er hatte sie schon verloren, als sie ihm zu Hilfe kamen. - Könnten wir nicht den Frachtraum durchsuchen?" "Counselor - selbst, wenn man dort solch ein Schwert fände, es würde nichts beweisen." "Und, wenn wir beweisen, daß er unsterblich ist?" warf Julian ein. Odo sah mit seinem ausdruckslosen Gesicht vom Counselor zu Doctor Bashir. "Wie sollen wir das machen, lieber Doctor? Sollen wir ihn ein bißchen umbringen, um zu sehen, ob er nach ein paar Minuten wieder aufsteht?" Ta'Isha stand auf und nahm die Bücher vom Tisch. "Wie wäre es, wenn wir Methos erstmal mit den Büchern konfrontieren? Vielleicht erklärt er uns, was er von Demian will?"
Noch immer war Methos durch den Energieschild in der Zelle gefangen. Nachdem sie ihm die Chroniken gezeigt hatten, war er wenigstens bereit, mit Ihnen zu reden. Er saß mit angezogenen Beinen auf der Liege und wartete auf die erste Frage. Odo stand hinter seinem Schreibtisch und blickte mißbilligend auf Ta'Isha, die fasziniert auf den Mann in der Zelle starrte. "Also.... Methos....sagen Sie uns, warum Sie Botschafter Demian angegriffen haben?" Methos' Gesicht blieb ausdruckslos. "Er ist ebenfalls ein Unsterblicher - und es sind unsere Regeln, so ist das Spiel." "Aber nicht auf meiner Station! Ich dulde so etwas nicht!" Odo verlor langsam die Geduld und bedeutete Ta'Isha mit der Befragung fortzufahren. "Methos, ich spüre so etwas wie Rachegefühle bei Ihnen. Ich glaube nicht, daß es Ihnen nur um das Spiel geht! Nachdem was ich über Sie aus den Chroniken erfahren habe, sind Sie wohl nur deshalb so alt geworden, weil Sie sich stets im Hintergrund und aus Kämpfen heraus gehalten haben. Was wollen Sie von Demian?" "Sie sind Empathin, habe ich recht? Ist es nicht schwierig für Sie, sich durch all diese Erinnerungen und Gedanken, die meinen Kopf beherrschen, hindurchzuwühlen? Glauben Sie nicht, Sie könnten sich täuschen und statt eines realen Gefühls eine alte Erinnerung empfangen?" Er war von der Liege aufgesprungen und stand nur noch eine Fußlänge von Ta'Isha entfernt. Sie hielt seinem stechenden Blick stand, doch dann drang eine Flut von Bildern in ihren Kopf und wankend wich sie zurück. Julian schob sich sofort zwischen sie und Methos. "Ist alles in Ordnung?" "Jaja, es ist schon gut", sie holte tief Luft, "es kam nur so plötzlich, und ich konnte mich nicht derartig schnell abschirmen. Ich hätte wissen müssen, wie überwältigend es ist, von solch gebündelten Gefühlen getroffen zu werden." "Hören Sie, Demian hat bestimmt nichts Gutes im Sinn. Was tut es da zur Sache, ob ich ihm früher schon begegnet bin oder nicht? Fest steht: Wäre dieser Formwandler nicht dazwischengekommen, hätten Sie nun ein Problem weniger!" "Bestimmt nicht!" ertönte die tiefe Stimme von Captain Benjamin Sisko, der bei Methos' letzten Worten das Büro des Constable betreten hatte. "Unsere Aufgabe besteht zuerst einmal darin, die Handelsbeziehungen zwischen Arcadia Prime und Bajor zu fördern, und dazu brauchen wir den Botschafter!" "Glauben Sie mir, er wird Ihnen großen Ärger bereiten!" versuchte Methos ihn zu überzeugen. "Derjenige, der mir momentan am meisten Ärger bereitet, sind aber Sie. Alles andere sind Behauptungen ihrerseits, die für mich nicht sehr überzeugend sind!" Er wandte sich seinen Offizieren zu: "In einer halben Stunde findet eine Lagebesprechung in meinem Büro statt - Botschafter Demian bat um Auslieferung des Attentäters. Bevor ich meine Entscheidung treffe, will ich alle Fakten hören!" Als Sisko das Büro verlassen hatte, drehte sich Ta'Isha in Richtung Methos. "Ich denke, es wird Zeit, daß Sie uns mehr Informationen geben; sonst können wir nichts für Sie tun!"
Als Ta'Isha exakt 30 Minuten später das Büro von Captain Sisko betrat, spürte sie sofort die angespannte Stimmung, die in der Luft lag. Der Captain stand regungslos an seinem Schreibtisch und betrachtete ein Schwert. Ta'Isha blickte fragend zu Odo, der in seiner "Denker-Haltung" - wie sie es insgeheim nannte - ein Stück abseits stand. "Nachdem Sie mein Büro verlassen hatten schickte ich zwei Sicherheitskräfte, um nach einem weiteren Schwert zu suchen. Wie Sie sehen können, war die Suche erfolgreich. Das Schwert befand sich unter den Kisten mit den Geschenken für Kai Winn. Es könnte also tatsächlich sein, daß Methos den Botschafter gerade entwaffnet hatte als ich dazu kam. Das bringt uns in eine Zwickmühle." "Captain?" wandte sich Ta'Isha an ihren Vorgesetzten. Langsam schaute Benjamin Sisko auf. "Am Griff dieses Schwertes sind die Fingerabdrücke von Botschafter Demian. Im Luftschacht eines nicht genutzten Frachtraums fand man die zerstückelte Leiche eines Talassianers. Doctor Bashir bestätigte mir eben, daß die Blutspuren des Schwertes mit der Blutzusammensetzung des Talassianers übereinstimmen. Ein guter Grund, um mir den Kopf darüber zu zerbrechen, nicht wahr, Counselor?" Er nahm den Baseball von seinem Schreibtisch und begann, ihn in kurzen Abständen gegen die Wand zu werfen. "Ich muß die Interessen der Föderation vertreten, das Hauptquartier sieht die Beweislage als nicht aussagekräftig genug! Außerdem genießt Demian diplomatische Immunität." Er lachte kurz auf. "Was soll ich also tun?" "Ich weiß nur eines: Sie dürfen Methos auf keinen Fall an ihn ausliefern! So wie es jetzt erscheint, könnte es doch sein, daß Methos sich lediglich verteidigt hat? Also, kein Grund ihn weiter festzuhalten!" Sisko schüttelte leicht den Kopf. "Counselor, Sie verstehen nicht! Ihnen und mir ist es klar, daß der Botschafter nicht der ist, der er zu sein scheint - doch das Hauptquartier will davon nichts wissen. Die Föderation will diesen Pakt mit Arcadia Prime um jeden Preis. Gut, Demian scheint gewisse "Ausfälle" zu haben - er hat nun rund um die Uhr zwei persönliche Bewacher aus Odo's Sicherheitsteam. Er macht die weiteren Verhandlungen aber davon abhängig, daß wir ihm den Gefangenen übergeben!" Ta'Isha blickte ihren Captain ungläubig an. "Es gibt bereits einen Toten, und wenn Sie Methos ausliefern, hat er keine Chance." Sie funkelte Sisko wütend an. "Ja, ich weiß, Sie wollen nichts von diesem Unsterblichkeits-Gefasel hören - aber es ist doch offensichtlich, daß Demian uns nun benutzt, um an Methos heranzukommen." Sisko ließ sich in seinen Sessel gleiten. "Wir benutzen Demian ebenfalls. Um auf den Toten zurückzu- kommen....wenn das Handelsabkommen mit Bajor zustande kommt und Arcadia Prime der Föderation beitritt, wird uns erlaubt auf Arcadia einen Stützpunkt zu errichten. Sie wissen, wie wichtig das für uns ist. Damit können wir viele Leben retten...." "....und da zählt ein einzelnes Leben nichts mehr?" Ta'Isha holte tief Luft und blickte empört zu Odo, der mit dieser Entscheidung ebenfalls nicht einverstanden war. Benjamin Sisko erhob sich wieder. "Die Diskussion ist beendet. Sie können gehen!" Seine Stimme ließ keine Widerworte zu.
"Gut, Odo. Ich denke, ich komme alleine zurecht." "In Ordnung Counselor. Ich werde mich an den Tisch dort vorne setzen." Ta'Isha nahm neben Methos Platz. "Nun? Gefällt es Ihnen hier?" Methos schaute sich um. "Es ist wirklich beeindruckend. Ich wußte gar nicht, wie sehr ich das vermisst habe. Und es wirkt alles so echt." In diesem Moment trat Joe Dawson an ihren Tisch. "Hey, Ta'Isha .... Adam! Was kann ich euch bringen?" Methos schluckte heftig und Ta'Isha empfing verschiedene Gefühlsregungen von ihm. Tiefe Verbundenheit, gefolgt von Trauer und Wut. Einen Augenblick später hatte er sich wieder unter Kontrolle. "Hallo Joe. ....gib' mir ein Bier." "Für mich Orangensaft", fügte Ta'Isha hinzu. Als Joe den Tisch verlassen hatte, beugte sich Methos nach vorne. "Sie werden mir keine Ruhe lassen, bis Sie wissen, was damals passiert ist - richtig? Gut, ich werde es Ihnen erzählen, sozusagen als Danke dafür, daß ich nochmals an diesen Ort zurückkehren durfte." Er blickte auf Joe, der ihnen die Getränke brachte. "Wissen Sie, Ta'Isha, .... es war eine schöne Zeit, und ich gäbe alles dafür, wenn ich Joe heute noch als Freund an meiner Seite hätte!" Ta'Isha spürte die Aufrichtigkeit, die in diesen Worten lag. "Er ist - zu was immer Sie im April 1999 aufbrachen - dabei gestorben?" "Ja, und es schmerzt noch immer daran zu denken." Methos machte eine kurze Pause und schien sich die Einzelheiten ins Gedächtnis zurückzurufen. "Damals gab es einen Krieg auf dem Balkan. Joe und Mac unterstützen verschiedene Hilfsorganisationen finanziell. Dann kam der Punkt, an dem Joe das Leid der Leute nicht mehr mitansehen konnte. Er beschloß, den Leuten ... besonders den Kindern.... vor Ort zu helfen. MacLeod ging mit, um Joe zu beschützen." "Und Sie?" fragte Ta'Isha an ihrem Kaffee nippend. "Ich? Ich hatte auch nichts besseres vor!" "Was passierte dann?" "Mac und ich begleiteten eine Gruppe Kinder - sozusagen als lebende Schutzschilde - während Joe sich in einem größtenteils evakuierten Dorf um die Zurückgebliebenen kümmerte. Nachdem wir die Kinder in ein Flüchtlingscamp gebracht hatten, kehrten wir in das Dorf zurück. Von weitem hörten wir die Schüsse, ..... wir rannten den letzten Kilometer.... aber wir konnten nichts mehr tun. Es war eine Söldner-Truppe, die nur auf's Blutvergießen aus war - denn zu plündern gab es schon lange nichts mehr....." "Methos, Sie wissen, daß ich ihre Gedanken empfangen kann?" Er lachte gequält auf. "Jaja, Sie spüren was kommt. Aber Sie möchten, daß ich alles erzähle .... für's Protokoll und für den da vorne." Er deutete auf Odo, dann fuhr er mit leiser Stimme fort. "Als wir die ersten Häuser erreichten, spürten wir die Anwesenheit eines weiteren Unsterblichen. Er war der Anführer der Söldner und ging mit einer Grausamkeit vor, die an einen Wahnsinnigen erinnerte. Alle, die im Dorf zurückgeblieben waren, waren auf dem Dorfplatz zusammen getrieben worden - dann hatten die Soldaten einfach in die Menge gefeuert. Wir sahen Joe blutüberströmt dort liegen, aber er bewegte sich noch. Mac schrie dem Unsterblichen seine Herausforderung entgegen. Doch dieser gab seinen Männern einfach den Befehl, uns zu erschießen." Methos versank in Schweigen. Ta'Isha war tief bewegt und warf einen Blick zum Tresen, wo Joe Gläser in ein Regal sortierte. "Was passierte als Sie wieder aufwachten?" "Als ich wach wurde, saß Mac zwischen den Toten und hatte Joe's Leichnam im Arm. Er war mehrere Stunden nicht ansprechbar und ich befürchtete, er würde den Verstand verlieren. Irgendwann - als wir alle Toten begraben hatten - beschlossen wir, das Gebiet zu verlassen. Es gab keine Möglichkeit, an diesen Unsterblichen heranzukommen. Natürlich war die Zeit auf unserer Seite und so schworen wir an Joes Grab Rache." Plötzlich stand Odo zwischen ihnen. "Demian, nicht wahr?" Methos blickte auf. "Es wird Zeit, daß er endlich dafür bezahlt!" Ta'Isha erhob sich von ihrem Stuhl. "Odo, wir können nicht zulassen, daß Methos an Demian ausgeliefert wird!" Der Constable räusperte sich. "Aber genauso wenig können wir ihn bei seinem Plan unterstützen - was wir indirekt tun würden, wenn wir ihn gehen ließen." Methos wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Ta'Isha ihn ansprach. "Was denken Sie, was Demian vorhat?" Methos überlegte kurz. "Nun - nachdem was ich in all der Zeit über ihn in Erfahrungen bringen konnte, geht es ihm immer darum größtmöglichen Schaden zu verursachen - natürlich nur zu seinem Spaß." "Und was könnte das Ihrer Meinung nach sein? Die Zerstörung der Station?" fragte Odo. "Nein", Ta'Isha lief aufgeregt hin und her, "wir müssen das schwächste Glied der Kette finden. Es muß mit diesen Verhandlungen zusammenhängen.......aber ja, das ist es." Methos und Odo schauten interessiert auf sie. "Bajor ist noch immer im Aufbau befindlich. Es gibt innerhalb der Bevölkerung Unstimmigkeiten, die Bajoraner wissen nicht, wohin Sie Ihre Zukunft führt. Und es gibt etwas, daß Ihnen und Ihrem Glauben großen Schaden zufügen würde..." "...der Verlust des religiösen Führers", beendete Odo den Satz.
"Also hier hinten ist alles in Ordnung!" Julian Bashir studierte die neuesten Daten auf seinem Tricorder. Er warf einen kurzen Seitenblick auf Methos, der das ganze scheinbar gelangweilt verfolgte. Ta'Isha blickte sich zu Odo um. "Alle Geschenke scheinen in Ordnung zu sein. Vielleicht suchen wir doch an der falschen Stelle. Eventuell hat Demian Attentäter angeheuert .... oder...ach, ich weiß auch nicht!" Sie trat mit dem Fuß wütend nach einer Kiste. "Odo! Ta'Isha! Kommen Sie doch mal hier rüber, ich glaube, ich habe etwas gefunden." Julian kniete vor einer weiteren Kiste und hatte eine kleine Schatulle in der Hand. "Oh, was für ein wunderschönes Collier!" Ta'Isha wollte danach greifen, aber Julian hielt sie zurück. "Nein! Dieses Schmuckstück ist mit einem Gift bestrichen. Ich vermute, bei Hautkontakt wirkt es tödlich - ohne weitere Untersuchung kann ich aber nichts genaueres sagen!" "Tut mit leid, Doctor", Odo schüttelte verneinend den Kopf, "es wäre zu riskant, die Schatulle mit in Ihr Labor zu nehmen. Falls jemand von der Arcadianischen Delegation das Fehlen des Colliers entdeckt, und es bei Ihnen gefunden wird, könnte man Sie der Manipulation beschuldigen." Julian verstaute die Schatulle wieder in der Kiste, in der er sie entdeckt hatte. "Ich denke, es ist Zeit den Captain zu informieren." Odo nickte ihm zu. "Ich schlage vor, Sie und der Counselor erstatten dem Captain Bericht, während ich den Gefangenen in seine Zelle zurückbringe." Nachdenklich stand Ta'Isha etwas abseits und beobachtete, wie Odo mit Methos den Frachtraum verließ. Sie blickte auf als Julian zu ihr trat. "Julian, ich weiß nicht warum......aber irgendetwas stimmt hier nicht!" "Wie meinen Sie das?" "Kann ich leider nicht sagen .... es ist nur so ein Gefühl!"
Ta'Isha schlenderte in Gedanken versunken über das Promenadendeck. Der Captain war über ihren Bericht nicht sehr begeistert gewesen, genausowenig wie über die Tatsache, daß der Gefangene zeitweise die Arrestzelle verlassen hatte - zwar unter Odo's Aufsicht, aber trotz allem gegen seine Anweisung. Momentan führte der Captain eine hitzige Diskussion mit dem Starfleet-Hauptquartier, danach wollte er entscheiden, ob man Methos mit dem nächstbesten Schiff, das die Station verließ, gehen lassen sollte. Nach den Neuigkeiten, die Benjamin Sisko von seinem 1. Medo-Offizier und seinem Counselor erfaren hatte, war er sich nicht mehr sicher, ob er den Gefangenen ausliefern sollte. Allem Anschein nach gab es keine Möglichkeit mehr, Konflikte mit der Arcadianischen Delegation zu vermeiden - also konnte er genausogut darauf bestehen, Methos dem Strafrecht der Station zu unterstellen. Plötzlich sah sie Julian mit seinem Notfallkoffer in Richtung Odo's Büro rennen. Sie beschleunigte ihren Schritt und wäre fast über den jungen Arzt gestolpert, der sich vor der Arrestzelle über einen bajoranischen Sicherheitsmann beugte. "Was ist denn hier passiert?" "Ich wurde von Borun informiert, es gäbe einen medizinischen Notfall bei unserem Gefangenen...." Ta'Isha zog die Augenbrauen in die Höhe und biß sich auf die Lippe. "Und nun ist der Sicherheitsmann ein Notfall und der Gefangene ist weg!" Sie betätigte ihren Communicator. "Counselor Yazid an Constable Odo!" "Ich höre." "Machen Sie sich sofort auf den Weg zu Botschafter Demian, ich treffe Sie dort. - Methos .... hm,... hat unerlaubt seine Zelle verlassen!" Das Fluchen des Constable unterbrechend betätigte Sie ein weiteres Mal den Communicator um auch den Captain zu unterrichten.
Als Ta'Isha aus dem Turbolift trat, stand Demian mit einem Schwert vor ihr. Erschrocken wich sie einen Schritt zurück. "Botschafter...." Sie sah sein vor Wut verzerrtes Gesicht. "Sie kommen gerade richtig! Geben Sie es zu - Sie stecken mit ihm unter einer Decke. Bestimmt haben Sie ihn absichtlich rausgelassen!" Nervös blickte er sich um. "Oh, ich habe es schon bei der ersten Unterredung gemerkt wie Sie mich so merkwürdig musterten. Nein, nein, mit mir nicht. In anderer Leute Gedanken rumschnüffeln .... das kann ich nicht dulden! Dem muß ein Ende bereitet werden..." Die Schwertspitze näherte sich ihrem Hals, Ta'Isha wagte kaum zu atmen - und auf einmal kippte Demian's Kopf von seinen Schultern. Hinter dem zusammensackenden Körper stand Methos mit starrem Blick. "Ich bin Methos .... und ich fordere dich heraus", er zuckte mit den Schultern, ".... aber leider hast du schon verloren!" Aus dem Nichts ertönte ein dumpfes Grollen, die Station erbebte unter ihren Füßen und das Tosen wurde immer lauter. Ta'Isha sah wie Methos unablässig von blauen Energieblitzen getroffen wurde, auch er konnte sich kaum auf den Beinen halten - dann spürte sie einen heftigen Schmerz und es gab nur noch Dunkelheit.
"Ta'Isha? Können Sie mich hören? Machen Sie die Augen auf! Ta'Isha!" Sie versuchte sich aus der Schwärze zu befreien. Nach einigen Versuchen gelang es ihr die Augen zu öffnen. Ihre linke Seite schien taub zu sein und sie konnte sich ein leichtes Keuchen nicht verkneifen. "Ganz langsam!" Julian legte einen Arm um sie und zog sie hoch. "Keine Sorge, Sie sind noch in einem Stück...... ein paar heftige Prellungen, eine leichte Gehirnerschütterung - das kriegen wir schon wieder hin!" Außer Julian befand sich noch Odo im Gang, der den kopflosen Torso vor sich betrachtete. Ta'Isha schluckte einige Male. "Was ist mit mir passiert?" Odo stieg über den Leichnam hinweg und kam näher. "Als wir Sie fanden, lagen Sie unter einem Lüftungsgitter. Es hatte sich durch das Beben aus der Deckenverankerung gelöst!" "Was ist mit Methos?" "Er ist weg! Kurz nach Ende des Bebens verließen zwei kleinere Schiffe die Station unerlaubt. Leider sind einige Systeme ausgefallen und so waren wir nicht imstande, Sie mit dem Traktorstrahl zurückzu- holen. Wir vermuten, daß Methos sich an Bord befand. Beide Schiffe flogen durch das Wurmloch..." "Hat der Captain vor, Sie mit der Defiant zu verfolgen?" "Nein. Es hätte sowieso keinen Sinn. Die Arcadianer sind sehr aufgebracht darüber, daß wir den Botschafter nicht schützen konnten und verlassen die Station in wenigen Minuten. Außerdem haben die Bajoraner ihr Interesse an Handelsbeziehungen mit Arcadia Prime verloren .... Kai Winn hat nämlich eine anonyme Nachricht erhalten, in der das mutmaßlich von den Arcadianern geplante Attentat auf sie erwähnt wurde....!" Julian unterbrach ihn. "Odo, ich denke, Counselor Yazid braucht nun ein wenig Ruhe!I In einer Stunde ist von Captain Sisko eine Mannschafts-Besprechung angesetzt worden - bis dahin sollte ich mich um Ihre Verletzungen kümmern!" Odo verdrehte die Augen und Ta'Isha lächelte. Weiterhin auf Julian gestützt betrat sie den Turbolift. Ihre Gedanken entfernten sich von der Station und noch immer hatte sie ein ungutes Gefühl.
Fasziniert betrachtete er das Collier in seinen Händen. Der Plan hatte wunderbar funktioniert. Wie hatte Kronos immer gesagt? 'Du bist der Verstand, Bruder!' Es erfüllte ihn mit Genugtuung, seine Ziele erreicht zu haben - und alles zum Andenken an die vier Reiter der Apokalypse! Wie er sie vermisste, Kronos, Silas und Caspian!Er seufzte. Joe Dawson fehlte ihm ebenso, obwohl er es anfangs nicht wahrhaben wollte - Gefühle sind schon eine merkwürdige Sache. Und MacLeod? Mit einem diabolischen Grinsen legte er seine Hand auf sein Herz und flüsterte: "Du wirst immer bei mir sein, Highlander!"
|