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DS9-HL-Crossover
Friends will be friends
Undiscovered Soul
Revenge
Crossroads

 

Undiscovered Soul

Teil 2 des DS9-HL-Crossovers
© by Counselor ()

 

Disclaimer: Alle Charaktere sind nur ausgeliehen, ich bekomme kein Geld dafür, die Geschichte dient rein zur Unterhaltung.
Ta'Isha Yazid bitte nicht ohne Absprache ausleihen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander und Star Trek-Sektion

 

Ta'Isha ging mit schnellen Schritten über das Promenadendeck. Noch immer versuchte sie vergeblich Quark, den Besitzer der Bar, loszuwerden.

"Quark! Ich kann doch nichts dafür, daß der Große Nagus Sie nach Ferenginar beordert hatte. Warum jammern Sie mir die Ohren voll?"

"Schließlich hatten Sie diese ... diese ... Chroniken von mir bekommen! Und auch das Holo-Programm habe ich entworfen...."

"Ohja, wenn ich es nicht schon gewußt hätte, hätte ich es spätestens dann gemerkt, als Joe Dawson mir frischen Schneckensaft anbot!"

Der Ferengi zog eine Grimasse. "Nun.. ich dachte mir, da das Programm nicht mehr für wissenschaftliche Zwecke gebraucht wird, könnte ich es ein wenig benutzerfreundlich gestalten!"

"Und dazu gehört, daß in Joe's Bar nun nackte Ferengi-Weibliche bedienen?"

Quark zuckte entschuldigend mit den Schultern. Dann holte er tief Luft. "Aber Sie lenken vom Thema ab, Counselor! Worauf ich hinaus will: ich, Quark, habe Ihnen die Chroniken gegeben, habe das Holo-Programm erstellt, habe als erster Methos entdeckt - als er auf die Station kam.... und Sie lassen es zu, daß ich das große Finale verpasse!"

"Mein lieber Quark", Ta'Isha blieb abrupt stehen und drückte ihm ihren Zeigefinger auf die knubbelige Nase, "auf dieses 'Finale', wie Sie es nennen, hätten wir sehr gut verzichten können. Arcadia Prime hat sich dem Dominion angeschlossen, die Cardassianer errichten dort einen Stützpunkt und es soll sich sogar ein Depot für Tetracel-White dort befinden! Alles in allem keine gute Ausgangsposition für die Föderation in ihrem Bestreben, das Dominion zurückzudrängen!"

Sie bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick und ließ ihn allein stehen, wohl wissend, daß ihr Plädoyer auf ihn kaum einen nachhaltigen Eindruck gemacht hatte. Odo hatte ihr vor wenigen Stunden davon berichtet, daß er Quark dabei überrascht hatte, wie dieser - nachdem er diverse Sicherheitssperren überbrückt hatte - mehrere Schwerter replizierte. Der Ferengi hatte geplant, sie als Souvenirs für Sammler zu verkaufen ... und zwar mit dem Zusatz "Das Schwert, mit dem Botschafter Demian geköpft wurde". Es war nicht zu fassen, was Quark sich aus Profitgier alles einfallen ließ.

Ta'Isha verbannte jeden Gedanken daran aus ihrem Kopf. Ihr stand ein Gespräch mit dem Captain bevor und dazu benötigte sie ihre volle Konzentration.

 

Schweißgebadet setzte Methos sich auf. Langsam schob er die leichte Decke beiseite und erhob sich vom Bett. Das Mondlicht tauchte seinen schlanken, durchtrainierten Körper in ein warmes Licht - er massierte seine Schläfen und wandte sich dann dem Computer-Terminal zu. Die Alpträume wurden häufiger, mittlerweile konnte er keine Nacht mehr durchschlafen. Zwar erholte sich sein Körper immer wieder von den Folgen des Schlafentzugs, aber er fühlte sich psychisch erschöpft. Es wurde Zeit, daß er etwas unternahm, und er wußte auch, wer ihm dabei helfen konnte. Schnell glitten seine Finger über die Tastatur. Einige Minuten später hatte er alle Sicherheitsbarrieren überwunden und bekam Zugriff auf die Dateien der Starfleet.

 

Captain Benjamin Sisko hatte gerade seinen Logbuch-Eintrag beendet, als Counselor Yazid um Einlaß bat.

"Counselor, kommen Sie herein!" Er wartete bis sich die Türen hinter ihr geschlossen hatten. "Ich habe einen Auftrag für Sie - leider müssen Sie dafür die Station verlassen."

Ta'Isha erkannte, daß sie hier nicht vor eine Wahl gestellt wurde, sondern einen direkten Befehl - der keinen Widerspruch duldete - bekam. "Was soll ich tun?"

"Wie Sie wissen, sind heute morgen wieder neue Verlustlisten eingetroffen", er sah zu seiner Untergebenen, die zustimmend nickte, "viele der Angehörigen befinden sich auf unserer Station oder auf naheliegenden Planeten. Starfleet hat - nach Absprache mit der Bajoranischen Führung - beschlossen, den Angehörigen intensive psychische Fürsorge zukommen zu lassen und wird einen kleinen Außenposten auf Bajor errichten."

Ta'Isha fiel ihm ins Wort: "Warum betreuen wir die Angehörigen nicht hier - wie bisher auch? Oder regt sich bei Starfleet langsam das schlechte Gewissen, weil soviele Väter und Mütter in den sicheren Tod gesch..."

"Counselor!" Der scharfe Ton in Sisko's Stimme ließ sie sofort verstummen. "Ihr Befehl ist es, den nächsten Transport nach Bajor zu nehmen, und bis auf weiteres dort bei der Betreuung der Trauernden Hilfe zu leisten. Die Beratungstätigkeit auf der Station wird solange Ihr Assisstent, Fähnrich Quintanna, übernehmen. Zwei weitere Counselor sind bereits unterwegs und werden in circa 48 Stunden auf Bajor eintreffen. Außerdem hat Kai Winn uns die Hilfe der bajoranischen Priester angeboten - die wir gerne annehmen. Noch Fragen, Counselor?"

"Nein, Sir!" Sie spürte die Anspannung des Captains. Der Krieg gegen das Dominion zehrte bei allen an den Nerven. Hinzu kam, daß sich die Lage noch weiter verschlechtert hatte, seit Arcadia Prime dem Dominion angehörte.

Sisko trat hinter seinem Schreibtisch hervor und legte ihr seine Hand auf die Schulter. "Sehen Sie es positiv, Counselor; in der wundervollen Natur von Bajor wird es Ihnen leicht fallen, sich von ihrer mentalen Arbeit zu erholen. Die letzten Wochen sind nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen - Sie können wirklich einen Ortswechsel gebrauchen!"

"Danke, Captain. - Ich melde mich, sobald ich mir einen groben Überblick verschafft habe."

Sisko blickte auf sein Chronometer. "Das nächste Shuttle verlässt die Station in 30 Minuten, ich schlage vor, Sie beeilen sich!"

 

Sie schloß die Augen und fühlte das harte, leicht strohige Gras unter ihren Fingern, die bajoranische Sonne wärmte ihren Körper und sie atmete tief die kühle, von Blütenduft angefüllte Luft. Endlich gelang es ihr, sich mental zu entspannen. Natürlich hatte man an der Universität auf Betazed gelehrt, wie man als Counselor mit dem Streß nach einem langen Tag umgehen sollte - doch eine derartige Situation, wie sie Ta'Isha und ihre beiden Mitstreiter momentan bewältigen mußten, übertraf das, was sich betazoidische Professoren unter einem arbeitsreichen Tag vorstellten, um ein vielfaches. All das Leid.....all die Trauer, die wie eine Woge über sie hereinbrach, sobald sie ihren Geist zu weit öffnete... - sie konnte sich glücklich schätzen, daß die bajoranischen Priester sich mit soviel Anteilnahme einsetzten.

Leichte Schritte näherten sich. Sie öffnete die Augen und blickte in ein Gesicht voller Sommersprossen.

"Schau' Ta'Isha ... Frosch." Und mit einem 'plumps' landete eine dicke Kröte auf ihrem Bauch. Obwohl diese Art von Tier nicht zu ihren Lieblingen gehörte, versuchte sie, das braungrüne glupsch-äugige Etwas mit Begeisterung zu betrachten.

"Das ist eine Kröte, Sarah, kein Frosch!"

Das kleine Mädchen nickte begeistert. "Kröte! Kröte!"

"Aber wir sollten sie wieder dorthin zurückbringen, wo du sie gefunden hast. Sie lebt unten am Fluß und hier auf der Wiese zwischen all den Feldern wird sie sich nicht wohlfühlen. Einverstanden?"

"Einverstanden!"

In ihrer linken Hand fühlte sie die kleinen, klebrigen Finger des Mädchens - in der rechten Hand hielt sie die ebenso klebrige Kröte. Gemeinsam gingen sie Richtung Fluß. Während des kurzen Spaziergangs betrachtete sie das rothaarige Mädchen. Die vierjährige Sarah hatte innerhalb von wenigen Tagen zuerst die Mutter und dann den Vater verloren - im Gegensatz zu ihrem Bruder Caleb begriff das Mädchen noch nicht, was das für sie bedeutete. Ihr Bruder mit seinen 10 Jahren konnte die Schrecken des Krieges bereits nachvollziehen - und er hatte sich vor allem verschlossen. Es war bisher niemandem gelungen zu ihm durchzudringen. Zwar kümmerte er sich um Sarah, aber er sprach weder mit seiner Schwester, noch mit anderen Personen. Einer der Priester hatte ihn bereits am ersten Tag dabei beobachtet, wie er seine Frustration dadurch abbaute, indem er eine wehrlose Blindschleiche quälte. Sie fürchtete, daß sich seine Aggressivität noch verstärkte, wenn sie nicht bald einen Weg fand, seine Mauer des Schweigens zu durchdringen.

 

Nachdem sie die Kröte am Flußufer abgesetzt hatten, folgte eine kleine Wasserschlacht, die Ta'Isha mit der gleichen kindlichen Freude genoß wie Sarah. Für einen kurzen Moment vergaß sie alles um sich herum und teilte uneingeschränkt das Glücksgefühl, das Sarah ausstrahlte. Doch dann empfing sie neue Gedanken und bemerkte zwei Männer, die im Schatten der großen Pekka-Bäume standen. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen und dem Mädchen an der Hand wandte sie sich den beiden zu.

"Rakeem - wie haben Sie uns gefunden?"

Der bajoranische Priester hatte ein belustigtes Glitzern im Blick. "Sarah und ich hatten uns heute morgen über die Tiere am Fluß unterhalten, also vermutete ich Sie in dieser Richtung. Und Ihr Lachen konnten wir schon von weitem hören!"

Ta'Isha erklomm den Abhang mit wenigen Schritten und erwiderte entschuldigend: "Wir waren schon beinahe auf dem Rückweg!"

Rakeem nickte. "Ich bringe Ihnen weitere Hilfe - Dr. Benjamin Adams traf vor einer Stunde mit einem Transport hier ein; er wollte zuerst mit Ihnen sprechen." Er trat zur Seite und gab den Blick auf seinen Begleiter frei.

Ta'Ishas Lächeln verschwand.

"Danke, Rakeem. Bringen Sie Sarah bitte ins Lager zurück. Ich werde mit.. Dr. Adams nachkommen."

Sie wartete bis der Priester und das Mädchen außer Hörweite waren, dann wandte sie sich an den dunkelhaarigen Mann, der sich lässig an einen Baumstamm gelehnt hatte.

"Was wollen Sie hier, Methos?"

 

Zwei Stunden später breitete sich Ruhe über das Dorf Bahtlaan. Viele der Trauernden waren bei Gastfamilien oder im nahegelegenen bajoranischen Kloster untergebracht, das auch die beiden zusätzlichen Counselor, Brennan und Lewis, beherbergte. Ta'Isha hatte eine kleine leerstehende Hütte am Dorfrand bezogen. Dort saß sie nun in der winzigen Küche und überdachte bei einem Becher Tee die Geschehnisse des Tages. Methos hatte ihnen seine Hilfe angeboten - aber sie wußte nicht recht, was sie davon halten sollte. Gedankenverloren drehte sie den Becher um seine eigene Achse und lauschte den leisen Geräuschen aus dem Zimmer nebenan. Sie war nicht begeistert darüber, daß der Unsterbliche dasselbe Haus wie sie bewohnte - aber es war kein anderes Quartier mehr frei. ......Nur diese unbenutzte Kammer in ihrem Haus. Zuerst hatte sie mit dem Gedanken gespielt, sofort Captain Sisko über Methos' Auftauchen zu informieren - andererseits konnten sie jede Hilfe brauchen. Immerhin war Methos im Laufe seines langen Lebens einige Male als Heiler und später als Arzt tätig gewesen. Darüber hinaus hatte er in mehreren tausend Jahren sicher mehr über die Psyche gelernt, als sie in ihrer Counselor-Ausbildung.

Da sich momentan außer ihr niemand der Stationsbesatzung auf Bajor befand, hatte sie sich letztendlich dafür entschieden gegenüber ihrem Vorgesetzten Stillschweigen zu bewahren. Sie konnte nur hoffen, daß Methos es nicht wieder auf einen Unsterblichen abgesehen hatte .... und sie ihm sein Vorgehen erleichterte, indem sie seine Anwesenheit verschwieg.

Es klopfte sacht an die angelehnte Holztür. Dazu erklang Methos' sonore Stimme.

"Darf ich reinkommen?"

"Natürlich. Wenn Sie möchten, können Sie sich bei meinem Kräutertee bedienen - die Kanne steht noch auf dem Herd."

Sie musterte ihn aus den Augenwinkeln während er sich einen Becher von der Anrichte nahm, und den heißen, wohlriechenden Tee eingoß. Obwohl er ihr den Rücken zukehrte, schien er ihren Blick zu spüren und begann zu sprechen: "Ich weiß, daß Sie mir nicht vertrauen - und das verlange ich auch nicht von Ihnen." Zwei kurze Schritte in Richtung Tisch. "Aber ich vertraue Ihnen." Rauhes Schaben der Stuhlbeine auf dem unebenen Boden.

Er zog seinen Stuhl neben den ihren und beugte sich zu ihr, mit seinem Blick den ihren suchend. "Ich vertraue Ihnen, Ta'Isha."

Sie öffnete ihren Geist, aber wie bei ihrer ersten Begegnung auf Deep Space Nine empfing sie von ihm keinerlei Gefühlsregungen. Bloß nicht zu nahe kommen. Sie rutschte mit ihrem Stuhl von ihm weg.

"Sie wissen, daß Sie eine große Gefahr eingehen, indem Sie sich in der Nähe der Station aufhalten? Warum tun Sie das? Sicherlich nicht aus reiner Nächstenliebe!?"

"Warum nicht? Und was sollte Ihr Captain überhaupt mit mir tun? Er ist ein Mann der Regeln, und er weiß, daß wir Unsterblichen unsere eigenen Regeln haben. Was meinen Sie? Würde er mich wirklich dafür verurteilen, daß ich unsere Gesetze befolgt habe?"

"Soviel ich weiß, sehen Ihre Gesetze aber vor, daß man seinen Gegner herausfordert bevor man ihm den Kopf nimmt!"

Er grinste. "Nunja, im Endeffekt zählt nur das Überleben. Was meinen Sie nun, würde Ihr Captain mich ausliefern?"

"Ich weiß es nicht, aber das Hauptquartier..."

"...das Hauptquartier der Sternenflotte ist weit. Ich sage Ihnen, er würde mich ignorieren."

"Nein, das glaube ..."

Sie wurden durch das Wehklagen einer Frauenstimme unterbrochen und kurz darauf pochte Rakeem heftig an die Eingangstür. "Counselor, bitte kommen Sie.....Caleb!"

 

Der Junge kniete im Stroh. Vor ihm lag der Kadaver eines Ferkels. Die blutverschmierten Hände hielten ein kleines Messer und er starrte teilnahmslos vor sich hin.

Ta'Isha besänftigte die Bäuerin mit dem Versprechen, Starfleet werde ihr das Tier ersetzen, und bat Rakeem, die zahlreichen Schaulustigen zurück in ihre Quartiere zu scheuchen. Methos trug das tote Ferkel hinaus, um es zu vergraben. In der nun folgenden Stille ging Ta'Isha auf den immer noch im Stroh kauernden Jungen zu, setzte sich ihm gegenüber und nahm seine blutigen Hände in die ihren. "Caleb?" Keine Reaktion. Auch der Versuch, Blickkontakt zu ihm zu bekommen, scheiterte - er schaute einfach durch sie hindurch. Mental empfing sie Wut, Haß, Aggression und Schmerz von ihm. Wie konnte sie diese Barriere nur durchbrechen?

Rakeem trat in den Stall und hüstelte, um auf sich aufmerksam zu machen. "Wir halten es für ratsam, den Jungen unter Aufsicht zu stellen. Wenn Sie zustimmen, werden ich ihn mit ins Kloster nehmen .... seine Schwester Sarah hat auch ihre Sachen gepackt..."

"Ist in Ordnung, Rakeem. Nehmen Sie ihn mit. Ich werde meine Beratungen morgen sowieso im Kloster durchführen und werde die erste Stunde mit Caleb verbringen. Bitten Sie die Propheten um Hilfe, daß wir einen Zugang zu diesem Kind finden - ich fürchte mich davor, daß wir ihn ganz verlieren."

Der Priester nickte und tippte Caleb auf die Schulter. Sofort erhob sich der Junge und trottete neben dem älteren Mann her. Fast mechanisch tat er das, was man von ihm erwartete - und doch erschien er wie eine leblose Hülle.

Vor dem Stall traf sie auf Methos, der Wasser aus dem Brunnen holte, um sich die Arme zu waschen. Die Dunkelheit hatte das trübe Grau der Dämmerung verdrängt - und überall am Himmel waren nun entfernte Planeten und Sonnen als winzige Lichtpunkte zu sehen. Sie trat neben ihn und steckte ihre Hände ebenfalls in den Wassereimer. Haut an Haut. Schlagartig wurde ihr seine Nähe bewußt. Hastig zog sie ihre Arme zurück und entfernte sich mit schnellen Schritten. Verwirrt wiederholte sie auf dem Weg zurück zur Hütte einen Satz wie ein Mantra: "Komm' ihm nicht zu nahe!"

 

Die folgenden Tage waren angefüllt mit endlos scheinenden Gesprächen. Sie erinnerte sich kaum an die Gesichter - nur an ihre Geschichten und Empfindungen. Auch die ohnehin schon seltenen Stunden der Erholung fielen bald gänzlich ihrer Arbeit zum Opfer. Da Brennan und Lewis ebenfalls Sonderschichten einlegten, war Methos' Hilfe sehr willkommen. Sie bekam ihn in diesen Tagen selten zu Gesicht und an diesem Morgen stellte sie mit Erstaunen fest, daß er etwas abseits mit Caleb unter einem Baum saß. Für einen Moment vergaß sie alles andere und beobachtete die beiden amüsiert. Methos schien etwas zu erzählen, schnitt dabei Grimassen und unterstrich seine Geschichte mit weit ausholenden Gesten. Wie Vater und Sohn. Caleb hing wie gebannt an seinen Lippen. Es war ein Anblick, der sie mit Glück erfüllte. Was sie am meisten überraschte war, daß Caleb ebenfalls sprach. Wenn sie zu den beiden ging, würde Caleb sich mit großer Wahrscheinlichkeit wieder in sein Schneckenhaus zurückziehen. Also widerstand sie diesem Bedürfnis, und nahm sich vor, die nächste Gelegenheit zu einem Gespräch mit Methos zu nutzen.

 

Es war weit nach Mitternacht als sie müde ihr Schlafzimmer betrat. Methos schien bereits zu schlafen. Nun gut, mußte das Gespräch eben bis morgen warten. Sie griff sich ihr leichtes Nachthemd - die Nächte waren schwül im bajoranischen Sommer - und ging in das kleine Badezimmer, dessen einziger Vorteil die funktionierenden hygienischen Einrichtungen waren. Stand man einmal in dem Raum, blieb einem kaum Platz sich umzudrehen.

Nach einigen Verrenkungen hatte sie sich ihrer Kleidung entledigt und stellte sich unter die Dusche. Das kalte Wasser raubte ihr den Atem. Genüßlich wusch sie sich mit der nach Minze duftenden Seife, die ihr eine alte Bajoranerin geschenkt hatte. Und noch einen Schwung kaltes Wasser. Kräftig mit dem Handtuch abgerubbelt und das Hemd übergeworfen. Ihre Haut war feuerrot und sie fühlte eine wohlige Mattigkeit.

Auf dem Weg zu ihrem Zimmer hörte sie Methos sprechen. War er etwa nicht allein? Mit gerunzelter Stirn horchte sie an der Tür - verdammte Neugier!

"Methos?"

Keine Antwort.

Sie lugte um die Tür. Er lag - allein - auf dem Bett, Oberkörper entblößt und wälzte sich im Schlaf hin und her.

Eine Vielzahl von Empfindungen ging von ihm aus, die meisten waren negativer Art.

"Methos?"

Von der Tür aus konnte sie ihn nicht aus seinen Alpträumen befreien. Sie ging zum Bett und setzte sich neben ihn. Im schwachen Licht, das durch das Fenster schien, erkannte sie kleine Schweißtröpfchen auf seiner Haut. Verteilt über den ganzen Oberkörper ... schimmernde Perlen ... in der kleinen Vertiefung zwischen Brust und Kehle ... rund um den Bauchnabel... Ta'Isha - ruf deine Hormone zur Ordnung. Sie würde ihn nicht wecken, nein, sondern zusehen, daß sie einige Meter und ein paar Mauern zwischen ihn und sich brachte.

Kaum eine Minute später lag sie in ihrem Bett, das rauhe Laken fühlte sich angenehm kühl an. Es gelang ihr, sich auf ihre Meditationsübungen zu konzentrieren, und wenige Augenblicke später glitt auch sie in die Welt der Träume.

 

Nachdenklich saß Ta'Isha in ihrem Schlafzimmer auf dem Bett. Wieder waren zwei Tage wie im Flug vergangen und noch immer hatte sich keine Gelegenheit für ein Gespräch mit Methos ergeben. Der Unsterbliche verbrachte weiterhin viel Zeit mit Caleb, und obwohl dieser im Beisein von Methos wie ein normaler Junge erschien, hatte er sich gegenüber anderen Personen nicht zugänglicher gezeigt.

Sie hob ihre Arme und dehnte sich in Richtung Decke, anscheinend hatte sich ihre gesamte Rückenmuskulatur zu einem Klumpen verbunden. Als sie zu weiteren Lockerungsübungen überging, bemerkte sie, daß sie nicht mehr allein war.

"Soll ich ihnen eine kleine Massage verabreichen? Ich bin wirklich gut darin." Als er ihre Grimasse sah, korrigierte er sich. "Ach, ich vergaß, das ist wohl nur Doctor Bashir vorbehalten."

Ta'Isha warf einen nichtssagenden Blick über ihre Schulter. "Was halten Sie von anklopfen?"

"Ihre Tür stand offen."

"Sie war angelehnt."

"Offen."

"Angelehnt."

"Wollen wir noch eine halbe Stunde so weitermachen, oder leisten sie mir bei einer Tasse Tee in der Küche Gesellschaft?" Seine Stimme klang leicht genervt, darum erwiderte Ta'Isha besänftigend: "Dann entscheide ich mich doch lieber für den Tee."

Sie folgte ihm in die Küche und nahm auf einem der Holzstühle Platz. "Außerdem wollte ich gerne mit ihnen über Caleb sprechen. "

"Wenn sie meinen."

Methos setzte die Kanne mit Wasser auf den Herd und hängte einen Stoffbeutel mit Kräutern hinein. Er drehte sich zum Fenster und nahm eine Tasche vom Fensterbrett.

"Sie haben doch sicher nichts dagegen, wenn ich während unseres Gespräches meine Kräuter sortiere?"

"Kräuter?" Sie betrachtete die kräftig duftenden Pflanzen auf dem Tisch. "Wozu brauchen Sie die?"

"Die meisten nehme ich, entweder frisch oder getrocknet, zur Herstellung von Tee - aber vieles eignet sich auch als Heilmittel, dann verwende ich sie als Zusatzstoff für Salben." Er hielt eine grün-violette Pflanze mit langen, schmalen Blättern hoch.

"Dieses Impacha-Kraut hat die gleiche desinfizierende Wirkung wie irdischer Salbei, und ist als Tee bei Halsschmerzen sehr wirksam - im Gegensatz zum Salbei ist Impacha-Kraut jedoch sehr wohlschmeckend. Die Tempa-Pflanze entspricht in ihrer Wirkung der Wurzel des irdischen Baldrian, also beruhigend, gegen Schlaflosigkeit und Erschöpfung. Übrigens habe ich für unseren Tee diese beiden Sorten benutzt. Oder haben sie etwas gegen einen erholsamen Schlaf einzuwenden?"

"Nein, ganz im Gegenteil. Einmal morgens erholt aufwachen, steht auf meiner Wunschliste ganz oben. Mir scheint, die schwüle Hitze in der Nacht laugt den Körper noch zusätzlich zum Streß am Tage aus." Sie seufzte leicht und blickte forschend auf ihr Gegenüber. "Ihre Träume scheinen auch nicht von positiver Art zu sein."

Methos erhob sich, um die Teekanne vom Herd zu nehmen und blieb ihr die Antwort schuldig. Ta'Isha verfolgte schweigend, wie er seine Kräuter in der Tasche verstaute, um Platz für Kanne und Becher zu schaffen. Nachdem er eine Dose mit Kandis-Zucker zwischen die Becher gestellt hatte, setzte er sich wieder auf seinen Stuhl und blickte Ta'Isha mit ausdruckslosem Gesicht an.

"Übrigens, vergaß ich eine bestimmte Eigenschaft der Tempa-Pflanze zu erwähnen. Man darf sie nur in geringem Maße verwenden, denn in zu hoher Dosierung ist sie giftig und verursacht Herz- und Kreislaufversagen."

 

Ta'Isha, die gerade einen Schluck Tee nehmen wollte, setzte ihren Becher so abrupt wieder ab, daß die heiße Flüssigkeit überschwappte.

"Das sagen Sie mir einfach so?"

"Tja, ich merke schon, ich hätte es mir besser für hinterher aufgespart!" Er grinste leicht.

"Woher wollen Sie denn wissen, daß sie eine ungefährliche Menge genommen haben?"

"Erfahrung."

"Erfahrung, Erfahrung. Prima! Ihnen kann es ja egal sein. Was auch immer passiert, Sie stehen wieder auf! - Aber ich nicht!"

"Ta'Isha", er griff über den Tisch und nahm ihre Hand, "glauben Sie wirklich, ich würde Sie absichtlich in Gefahr bringen?" Mit dem Daumen strich er leicht über ihren Handrücken. "Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie und ihre Skepsis!" Er seufzte. "Warten Sie einfach ab, was passiert, wenn ich meinen Becher leer habe, vielleicht entscheiden Sie sich dann, den Tee zu trinken! Wenn Sie mir schon nicht vertrauen!"

"Kann es sein, daß Sie mit ihrer Stichelei und Nörgelei erst aufhören, wenn ich diesen verdammten Tee trinke?"

"Zumindest probieren könnten Sie!"

Sie holte tief Luft, griff sich den Becher und nahm einen Schluck. "Hm, schmeckt jedenfalls gut."

Methos lachte. "Jaja, die Frauen haben sich über die Jahrhunderte nicht verändert. Zuerst zieren sie sich, aber dann können sie ihre Neugier nicht im Zaum halten!" Er grinste breit.

Sie grinste zurück. "Passen Sie bloß auf! Halb-Vulkanische Frauen, die nicht gelernt haben, ihre Gefühle zu beherrschen, reagieren auf Provokationen sehr heftig!" Sie leerte ihren Becher zur Hälfte. "Falls ich gleich doch vom Stuhl kippe, verraten Sie mir vorher noch, wie sie Caleb's Schutzmauern durchbrochen haben?"

Der mehrere tausend Jahre alte Unsterbliche wippte mit seinem Stuhl hin und her.

"Ich habe ihm Geschichten erzählt."

"Geschichten?"

Methos balancierte auf den hinteren Stuhlbeinen. "Ja, Geschichten. Sie schienen ihm zu gefallen, und irgendwann begann er Fragen zu stellen. Leider weigert er sich, über andere Dinge zu sprechen, besonders über seine eigenen Erlebnisse."

Der altersschwache Stuhl gab ein Knacken von sich, mit einem Knirschen brachen die beiden hinteren Stuhlbeine und Methos verschwand mit einem erschreckten Aufschrei unter dem Tisch. Tränen lachend stand Ta'Isha auf und bot Methos ihren Arm, um ihn hochzuziehen. Statt dessen zog er sie zu sich herunter. Zu nahe!

"Nein!" - Sie löste sich aus seinem Griff und setzte sich wieder auf ihren Stuhl. Kichernd beobachtete sie Methos dabei, wie er mit betretener Miene aufstand.

"Peinlich, würde ich sagen!" Er grinste verunsichert.

In diesem Moment wirkte er so liebenswert unschuldig, daß Ta'Isha sich sehr zusammennehmen musste, um nicht einfach zu ihm zu gehen....

"Ich denke, ich werde nun zu Bett gehen. Unser Gespräch über Caleb führen wir morgen weiter - vielleicht beim Abendessen?"

"Was immer du willst."

Sie reagierte nicht auf das vertrauliche ' du' , ging über den Flur in ihr Zimmer und schloß die Tür.

Warum muß das gerade mir passieren? 

 

Am nächsten Morgen fühlte sich Ta'Isha wesentlich ausgeruhter. Es schien als hätte der Tee seine Wirkung getan. Voller Elan machte sie sich auf den kurzen Weg zum Kloster und genoß die morgendliche Frische der Luft, die bald der schwülen Hitze des Tages weichen würde. Auf dem Weg durch den Klostergarten kam ihr schon Rakeem entgegen. Wie immer konnte man seiner Miene nicht entnehmen, ob er gute oder schlechte Neuigkeiten hatte. Er trug einige Blätter bei sich, die er Ta'Isha, kaum daß er sie erreicht hatte, aufgeregt überreichte.

"Guten Morgen, Counselor. Entschuldigen Sie bitte, daß ich Sie dermaßen überfalle, aber diese Sache beunruhigt mich sehr." Er deutete auf die Zeichnungen, die Ta'Isha in den Händen hielt. "Diese Bilder habe ich bei Caleb gefunden. - Zuerst freute ich mich, daß er seinen Gefühlen in Zeichnungen Ausdruck gibt", er seufzte tief, "aber als ich dann das Motiv sah, überkamen mich tiefe Zweifel."

Nachdenklich studierte die junge Frau die Bilder. Alle ähnelten sich, und auf jedem waren vier Pferde, auf deren Rücken dunkle furchterregende Gestalten saßen, dargestellt. Ta'Isha konnte die negative Energie, die von den vier Reitern ausging, förmlich spüren. Sie schüttelte irritiert den Kopf.

"Es kann nichts mit seinen Erlebnissen in den letzten Wochen zu tun haben - jedenfalls kann ich keinen Zusammenhang erkennen!" Es muß mit den Geschichten zusammenhängen!

"Was wollen Sie nun tun, Counselor?"

"Ich werde mit Dr. Adams darüber sprechen. Wenn jemand weiß, was das bedeuten soll, dann er. Wissen Sie, wo er sich momentan aufhält?"

Der Priester verneinte. Ta'Isha verabschiedete sich und trat in den Schatten zwischen den erdfarbenen Säulen des Vorhofes. Es hatte keinen Sinn, sich auf die Suche nach Methos zu machen, er konnte überall und nirgends sein.

Die Leichtigkeit des Morgens hatte sich verflüchtigt und es machte sich wieder Anspannung breit. Trotzdem nahm sie ihre Arbeit an diesem Morgen mental erholter in Angriff.

 

Die Übertragung war beendet. Der Bildschirm zeigte nur noch die Insignien der Föderation. Ta'Isha drehte dem Kommunikations-Terminal den Rücken zu. Auch in ihrer aktuellen Meldung an Captain Sisko hatte sie die Anwesenheit von Methos verschwiegen. Sie fragte sich ein ums andere Mal, ob sie das richtige tat. Spätestens nach Beendigung ihrer Arbeit auf Bajor würde ihr Vorgesetzter einen lückenlosen Bericht von ihr erhalten, und sie hoffte, daß die Konsequenzen daraus nicht zu hart ausfallen würden. Nach einem letzten Blick durch den Raum löschte sie das Licht und trat hinaus in den Säulengang. Ihre Schritte klangen hohl auf den steinernen Platten und sie war froh, als sie den Garten erreichte. Nach wenigen Metern bemerkte sie die dichten Wolken, die sich in einiger Entfernung am Abendhimmel ballten. Die Schwüle war unerträglich, sogar das Atmen fiel schwer.

Auf ihrem Heimatplaneten Betazed brachen Unwetter oft von einer Minute auf die andere los. Nun, so schnell würde es auf Bajor wahrscheinlich nicht geschehen, dennoch beschleunigte sie ihre Schritte.

Wenig später betrat sie das kleine Haus. Aus der Küche strömte ein köstlicher Duft von frischem Brot und ihr Magen meldete sich lautstark zu Wort. Sie trat durch die Tür und wurde von einem augenscheinlich schlecht gelaunten Methos empfangen.

"Dort drüben liegt frisch gebackenes Kräuterbrot, falls du Hunger hast!"

"Danke. Nette Begrüßung!" Sie nahm sich ein Messer. Das Brot war noch lauwarm, und wieder stieg ihr der herrliche Duft in die Nase. Erinnerungen. Fremde Erinnerungen. Es enstanden Bildfragmente vor ihrem inneren Auge. Wüste. Waffen. Lagerfeuer. Rauch, der ihr Tränen in die Augen trieb. Reiter - vier Reiter. Sie sperrte ihren Geist.

"Können wir unser Gespräch über Caleb fortführen oder deutet diese 'lass-mich-in-Ruhe'-Laune auf ein ernstes Problem hin?"

Mit einem unbeteiligten Gesichtsausdruck, sah Methos auf. "Ich lief heute mittag deinem Priester-Freund über den Weg. Er meinte, du wolltest mich wegen Calebs Zeichnungen zur Rede stellen. Ich wußte gar nicht, daß ich mich vom freundlich empfangenen Helfer nun zum Angeklagten gewandelt habe!"

"Ach, ich verstehe", sie beugte sich zu ihm hinunter, "wir haben heute unseren empfindlichen Tag!" Etwas versöhnlicher fügte sie hinzu: "Willst du mir nicht einfach sagen, was du ihm erzählt hast, und was es mit diesen Reitern auf sich hat?"

Weiterhin keinerlei Regung in seiner Mimik. "Ich kann dir sagen, was ich ihm erzählt habe. Geschichten. Böse Geschichten. Geschichten aus meiner Vergangenheit. Geschichten, die für mich Realität waren. Und ich - ich war einer der schlimmsten Bösewichte!" Ein herausfordernder Blick folgte seinen Worten.

Ta'Isha konnte sich seinen Stimmungswechsel nicht erklären und war für einige Augenblicke sprachlos. Methos nutzte die Gelegenheit und baute sich in voller Größe vor ihr auf. "Und soll ich dir noch etwas sagen?" Seine Augen schienen sie aufspießen zu wollen, obwohl seine Stimme noch immer ruhig war. "Ich war böse, ich bin böse und ich werde immer böse sein! Die dunkle Seite gewinnt immer die Oberhand. Auch in Caleb steckt das Schlechte. Und glaub' mir, selbst wenn du denkst, du hättest es erfolgreich bekämpft, kommt es irgendwann an die Oberfläche zurück!" Die letzten Worte waren angefüllt mit Verbitterung und Resignation.

"Und was soll ich deiner Meinung nach tun?" Sie nahm sein Gesicht in beide Hände. "Caleb einfach aufgeben und ihn seinem Schicksal überlassen? Was dich angeht..."

"Was Caleb angeht", er machte einige Schritte zurück und drückte ihre Arme nach unten, "für ihn wäre es das Beste, wenn ihn jemand aus dieser Situation erlöst. Und wo wir schon beim erlösen sind...", ein weiterer Schritt und er griff in die Lücke zwischen Anrichte und Wand und holte ein Schwert hervor.

Ta'Isha fühlte ein leichtes Frösteln, das langsam ihr Rückgrat hinaufkroch. Schweigen. Stumme Fragen. Der Moment dehnte sich zur Ewigkeit.

Dann hielt Methos ihr das Schwert hin. "Los, nimm' meinen Kopf!"

"Du willst doch nicht im Ernst deine Seele und alle anderen in dir dem Nichts überlassen, indem du dich von einer Sterblichen töten lässt?" Dieser Vorschlag von ihm erschien ihr grotesk.

"Es ist mir egal, ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr. Mach' dem ein Ende!"

Der Griff des Schwertes fühlte sich kalt an und das Gewicht der Waffe war unerwartet hoch. Bevor sie zu einer weiteren Erwiderung kam, stand plötzlich ein großer, dunkelhaariger Mann neben ihr. "Oh - non, non. Solch eine grobe Waffe gehört doch nicht in zarte Frauenhände." Mit einem Lächeln, das vor Selbstherrlichkeit nur so strotzte, nahm er Ta'Isha das Schwert ab. "Nun, mon ami, wenn Sie sich unbedingt duellieren wollen, dann mit mir." Er seufzte. "Ach, endlich ein bißchen Abwechslung."

Ta'Isha schloß für einen Moment die Augen. Vielleicht hatte Methos für sein Brot Kräuter mit merkwürdigen Nebenwirkungen verwendet. Doch als sie die Augen wieder öffnete, stand der Mann - in die Uniform der Starfleet gekleidet - noch immer neben ihr.

"Grübeln Sie nicht weiter, Counselor - wir wurden uns ja bisher noch nicht vorgestellt. Das werden wir nun schleunigst nachholen!" Wieder dieses selbstgefällige Grinsen. Aus dem Nichts ertönte eine Fanfare.

"Ich bin Q." Er deutete einen Handkuß an. "Sie sind Counselor Ta'Isha Yazid... und das dort drüben", es folgte eine abfällige Geste in Richtung Methos, "ist ein etwas aus der Art geratener Humanoider, der unbedingt seinen Kopf loswerden will. So - nun ist dem Protokoll genüge getan und jetzt los!"

 

Ein kurzes Fingerschnippen und sie befanden sich vor dem Haus, der Unsterbliche hielt sein Schwert wieder in der Hand und auch Q war bewaffnet. Methos, der nicht begriff, was um ihn herum passierte, war leicht blaß um die Nase und plötzlich schien es ihm nicht mehr so erstrebenswert, seinen Kopf auf's Spiel zu setzen.

Ta'Isha betrachtete weiterhin grübelnd die Wolken, die sich immer näher heranschoben. Sie erinnerte sich bruchstückhaft an interne Berichte von Starfleet Command über ein allmächtiges Wesen namens Q.

"Ohja, Sie liegen richtig mit ihren Gedanken!" flüsterte Q ihr ins Ohr. "In diesen Schilderungen ist von mir die Rede. Ihren Captain habe ich übrigens bereits kennengelernt, aber..", er zog die Augenbrauen zusammen, "nein, ... er ist kein Vergleich zu meinem Freund Jean-Luc!" Seine Stimme nahm einen trotzigen Tonfall an. "Können wir nun anfangen. Ich habe schließlich keine Ewigkeit Zeit. - Naja, genau genommen, hätte ich schon eine kleine Ewigkeit Zeit, aber ....nein, ich brauche mich nicht zu rechtfertigen. Mögen die Spiele beginnen!" Erneut eine Fanfare.

Q ging mit erhobenem Schwert auf Methos zu, doch dieser machte keine Anstalten sich zu verteidigen.

"Ta'Isha! Was soll das? Ist das irgendein Holo-Programm, mit dem du mich zur Vernunft bringen willst? Schalt' es ab, du hast es geschafft. Ich behalte meinen Kopf freiwillig."

Die ersten Regentropfen fielen, Donner grollte.

Sie zuckte mit den Achseln. "Tut mir leid, ich kann ihn nicht abschalten."

Q blickte gekränkt. "Mich abschalten?" Er seufzte tief und griff sich ans Herz. "Das trifft mich tief!"

"Bitte Q", startete Ta'Isha einen erneuten Versuch, "besuchen Sie Ihren Freund Captain Picard oder ordnen Sie ein paar Sternennebel neu an - aber lassen Sie uns unsere Probleme selbst lösen!"

"Das ist ganz was Neues: Probleme lösen! Ich gebe Ihnen einen Rat, nehmen Sie lieber noch ein paar Nachhilfestunden bei Ihrer Cousine Deanna!" Er wandte sich an den den Unsterblichen. "Methos - was für ein gräßlicher Name - lassen Sie uns endlich anfangen, bevor ich ganz durchnäßt bin!" Q betrachtete kopfschüttelnd seine Uniform als Methos seinen Angriff startete. Natürlich war es ein leichtes für Q den Schlag abzuwehren.

"Sehen Sie, was für ein hinterhältiger Kerl das ist?" rief er Ta'Isha zu.

Der Donner wurde immer lauter und die ersten Blitze zuckten über den schwarzen Himmel. Die beiden Männer kämpften verbissen, doch das Klirren der Schwerter ging im Tosen des Unwetters unter. Er hat keine Chance gegen ein allmächtiges Wesen wie Q, dachte Ta'Isha mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. Der Regen prasselte hart auf die Kämpfenden, während die junge Frau Schutz unter dem Dachvorsprung des Hauses suchte.

Methos hatte bereits mehrere Schnittwunden an den Armen erlitten, die zwar nicht gefährlich, aber sehr schmerzhaft waren. Q genoß es, mit seinem Gegener zu spielen. Ta'Isha hatte es aufgegeben, nach einem Ausweg zu suchen und fragte sich resignierend, warum Q es nicht einfach beendete.

"Gute Idee, Counselor!" stimmte dieser ihr telepathisch zu und als Methos zum nächsten Hieb ausholte, senkte Q sein Schwert. In dem Augenblick, in dem der Kopf fiel, schauten sowohl Methos als auch Ta'Isha ungläubig drein. Methos wurde noch blasser um die Nase, als er bemerkte wie der Kopf sich veränderte, und er sich auf einmal mit dem Haupt seines früheren Freundes Duncan MacLeod konfrontiert sah. Q liebte makabre Späße, und so war es kaum verwunderlich, daß der Kopf anfing zu sprechen. "Na, alter Mann! Werden da nicht Erinnerungen wach?"

Das Gewitter erreichte seinen Höhepunkt. Methos sank vor Erschöpfung in die Knie und verbarg sein Gesicht in den Händen. Der im Gras liegende Körper seinen Gegeners schnippte mit den Fingern und verschwand - ebenso wie der dazugehörige Kopf - in einem grellen Licht. "Au revoir. Bis zum nächsten Mal", ertönte Q's Stimme.

 

Methos schien völlig durcheinander und Ta'Isha hatte große Mühe, ihn ins Haus zu bekommen. Er stammelte unzusammenhängende Sätze und schien kurz davor, den Verstand zu verlieren. In seinem Zimmer schälte sie ihn aus den nassen Kleidern und packte ihn ins Bett. Anschließend holte sie in der Küche einen Becher heißen Tee. Sie wußte zwar nicht, ob Erkältungen bei Unsterblichen ein Thema waren, aber sie sorgte lieber vor. Er reagierte nicht. Nicht auf ihre Stimme, nicht auf den Becher Tee, den sie ihm an die Lippen hielt. Nach ein paar Minuten versuchte sie es erneut. Nachdem wieder keine Reaktion erfolgte, konzentrierte sie sich und griff zu einer außergewöhnlichen Methode: sie drang in seinen Geist ein. Im ersten Moment dachte sie, sie würde in der Dunkelheit versinken, doch dann entdeckte sie einen Lichtschimmer. Sie ging - mental - darauf zu und befand sich plötzlich in Joe's Bar. Methos kniete neben MacLeods Leiche und es schien, als wolle er diesen Platz nicht wieder verlassen! Sie mußte nun vorsichtig sein, ein falsches Wort und er würde nicht mehr zur Rückkehr zu bewegen sein.

"Methos?"

Er setzte sich zurück, und zog die Knie an, wie ein Kind, das sich ängstigt. "Ich habe ihn getötet."

"Methos, komm' mit mir." Sie streckte ihm ihre Hand entgegen.

"Ich kann nicht." Sein Gesicht nahm einen verzweifelten Ausdruck an, doch sein Blick wich nicht von dem leblosen Körper am Boden. "Ich habe ihn damals getötet - und heute noch einmal. Ich habe kein Recht mehr, dort draußen zu sein. Lass mich hier."

Sie ging zu ihm und nahm seine Hand. Für einen Moment glaubte sie, er würde seine Hand zurückziehen, doch dann griff auch er zu und sie wußte, daß sie es fast geschafft hatte. Wenn sie ihn nur von MacLeods Leiche ablenken könnte! "Ihr Propheten, und was auch immer sonst noch da draußen rumschwirrt, helft mir!"

"Was?" Er schaute hoch, das war die erhoffte Gelegenheit. Mit all ihrer mentalen Kraft zog sie sein geistiges Ich an die Oberfläche zurück. Die Realität traf sie wie ein Schlag und die Anspannung wich einem Wutausbruch. Sie schnappte sich ein Kissen und schlug damit auf Methos ein.

"Als ob ich nicht Probleme genug hätte, dazu noch dieser durchgeknallte Q und zu guter Letzt noch ein depressiver Unsterblicher. Das kann doch nicht wahr sein!" Methos sprang auf, entwand ihr das Kissen, schmiß sie auf das Bett und goß ihr den abgekühlten Tee ins Gesicht.

"Komm' endlich wieder zur Vernunft."

Im ersten Moment wollte sie wieder aufspringen, aber dann fühlte sie, wie die Wut langsam versiegte. Mit der Decke wischte sie sich den Tee aus dem Gesicht. "Das war nicht sehr professionell, entschuldige."

Er setzte sich zu ihr und strich eine feuchte Haarsträhne aus ihrem Gesicht. "War wohl etwas viel - für uns beide.

Es ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt, aber..", er stockte kurz, "willst du die Geschichte von jenem Abend hören?"

"Ja, ich hoffe, daß ich es dadurch besser verstehen werde! Doch vorher hätte ich gerne noch einen Tee - aber bitte nicht wieder ins Gesicht!"

Der jungenhafte Unsterbliche grinste. "Vielleicht solltest du dir vorher noch trockene Kleidung anziehen."

Ta'Isha lächelte süffisant. "Und vielleicht solltest du dir überhaupt mal was anziehen!"

 

"Nach Joes Tod gingen Mac und ich getrennte Wege. Aber nach relativ kurzer Zeit bemerkte ich, wie sehr ich ihn vermisste. Meine Nachforschungen ergaben, daß er wieder in Paris war. Er hatte Joe's Bar übernommen und wohnte wieder auf seinem Hausboot. Zuerst war ich nur froh, ihn wiederzusehen und ich dachte, ihm ginge es ebenfalls so. Aber er war nicht mehr er selbst, das hätte ich sofort erkennen müssen, als ich in seine Augen sah. Innerhalb weniger Wochen fielen mir einige Ungereimtheiten in seinem Verhalten auf und dann entdeckte ich, daß er jeden Unsterblichen tötete, den er in die Finger bekam. Über kurz oder lang würde er auch hinter meinem Kopf her sein, das wurde mir in dem Moment schlagartig bewußt. Ich packte also meine Sachen, bereit, Europa zu verlassen." Methos hielt kurz inne und rief sich die Ereignisse wieder ins Gedächtnis zurück. "Trotzdem ging ich ein weiteres Mal zu ihm in die Bar, um mich zu verabschieden. Es war eine dumme Idee. Als er erfuhr, daß ich gehen wollte, forderte er mich heraus. Da ich meinen Kopf behalten wollte, mußte ich mich verteidigen. Meine Chancen standen gering, da Mac im Kampf schon immer der bessere von uns beiden war. Ich kann nicht nachvollziehen wie genau es passierte, er muß gestolpert sein ... jedenfalls lief er genau in meinen Schlag. Als seine Energie mich traf, erkannte ich, daß ich alles verloren hatte." Er sah auf, als Ta'Isha ihre Hand auf seinen Arm legte. "Es war so ernüchternd. In diesem Augenblick brach eine Welt für mich zusammen. Es ist schwer zu erklären, aber Mac - er stand für Gerechtigkeit und für das Gute. Ich hatte an Mac geglaubt, aber das Böse findet jeden. Und so entschloß ich mich, mein Leben ohne Regeln und ohne Rücksicht auf andere weiterzuleben."

"Du gingst den einfachen Weg." Eine Feststellung.

"Was sollte es denn für einen Sinn haben, Moral zu predigen, das Gute zu verteidigen, wenn das Böse hinter jeder Ecke lauert?"

"Warum bist du dann hier? Warum erzählst du mir davon?"

"Seit jenem Tag verfolgen mich Alpträume. Immer wieder träume ich von Macs Tod - aber ich kann es nicht mehr ertragen. Ich wollte ihn nicht töten. Genausowenig wie ich Silas töten wollte. Ihm nahm ich den Kopf, um Mac zu retten, aber Macs Tod..."

"So wie du jetzt dein Leben führst: hättest du Skrupel Mac's Kopf zu nehmen? Ich sage dir, 'Ja', hättest du. Du bist nicht der böse Bube, der du unbedingt sein willst. Tief im Innern glaubst du noch immer an das, was MacLeod verkörpert hat - die Alpträume erinnern dich daran. Du bist an einer Weggabelung angekommen. Warum beendest du nicht den einfachen Weg und schlägst eine neue Richtung ein?"

"Ich kann nicht."

"Du kannst nicht oder du willst nicht?"

Er schlug einen lapidaren Tonfall an. "Was soll es bringen? Ein rücksichtsvolles Leben zu führen, neue Freunde finden, sich deren Unterstützung bewußt sein. Und dann?"

"Was dann? Was ist so schlimm daran, Freunde zu haben?"

"Daß man sie verlieren kann!"

Methos ahnte, daß er mehr von sich offenbart hatte als geplant. Er stand auf und streckte sich. Draußen dämmerte bereits der neue Morgen. "Ich gieße für später einen Tee auf. Willst du dich nicht noch ein Weilchen hinlegen?"

Ta'Isha ging ihm in die Küche nach. "Was ist mit Caleb? Wenn er den richtigen Rückhalt hätte!?" Sie maß ihn mit einem bedeutungsvollen Blick.

Methos wandte sich ab. "Ich werde ja noch nichtmal mit meinen eigenen Problemen fertig, wie soll ich dann vorbildlicher Ersatzvater für diesen Jungen sein? Entschuldige, aber dafür stehe ich nicht zur Verfügung."

 

Zwei Stunden später kam Ta'Isha frisch geduscht in die Küche. Der Tisch war gedeckt und sogar eine Vase mit Blumen stand darauf. Sie lächelte und goß sich Tee ein, der wie versprochen auf dem Herd stand. Dann entdeckte sie den Zettel, der auf dem Tisch lag. Es stand nur ein Satz darauf: Tut mir leid.

 

Vor dem Kloster stand eine Gruppe von Leuten zusammen und Ta'Isha erkannte eine vertraute Gestalt. Zwiespältige Gefühle machten sich in ihr breit. Als er sie bemerkte, kam er lächelnd auf sie zu.

"Guten Morgen, Ta'Isha."

"Hallo Julian, schön dich zu sehen. Gönnt mir Captain Sisko ein wenig zusätzliche Unterstützung?"

Sein erfrischendes Lachen hob ihre Stimmung. "In der Tat. Du sollst sogar ein wenig Urlaub machen. Heute morgen wurde bekanntgegeben, daß ein Waffenstillstandsvertrag zwischen dem Dominion und der Föderation unterzeichnet wurde, das könnte bedeuten, daß es - zumindest vorübergehend - hier keine Arbeit mehr für dich gibt!"

"Urlaub - klingt sehr utopisch für mich, aber es ist eine gute Idee!"

Als Julian sich im Klostergarten weiter mit den Leuten unterhielt, nahm Ta'Isha Rakeem beiseite. "Wo ist Dr. Adams?" Sie ahnte, was sie als Antwort hören würde.

"Er ist heute früh mit dem ersten Schiff abgereist. - Ich dachte, sie wüßten davon?" Der Priester beobachtete ihre Reaktion genau.

Sie setzte zu einer Antwort an, als Sarah weinend in den Garten rannte.

"Ta'Isha, Caleb will nicht aufwachen. Ich habe ihn gerüttelt, aber er steht nicht auf."

Ta'Isha blickte mit wachsender Verzweiflung zu Julian. Das konnte nicht sein. Sie rannte durch die Gänge, Hoffnung und Furcht wechselten sich ab. Endlich erreichten sie den Schlafraum. Julian beugte sich über den Jungen, studierte seinen Tricorder und schüttelte dann traurig den Kopf. "Ich kann nichts mehr tun, er ist tot." Nach einem weiteren Blick auf die Anzeigen fügte er hinzu: "Herzversagen."

Sie konnte es nicht begreifen. Schweigend ging sie an Rakeem und Sarah vorbei. Als sie das Kloster hinter sich gelassen hatte, rannte sie das letzte Stück zu ihrem Haus. Sie stürzte in Methos' Zimmer, legte sich auf sein Bett und umklammerte die Decke. Und erst dann ließ sie ihren Tränen freien Lauf.

 
Ende

 
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