|
DS9-HL-Crossover
Friends will be friends Undiscovered Soul Revenge Crossroads
© by Counselor () |
| Disclaimer: Alle Charaktere sind nur ausgeliehen,
ich bekomme kein Geld dafür, die Geschichte dient rein zur Unterhaltung.
Ta'Isha Yazid und James Dawson bitte nicht ohne Absprache ausleihen Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek- und Highlander-Sektion |
Die Schwärze des Alls schien jeden einzelnen ihrer Gedanken aufzusaugen. Den Blick in die tiefen Weiten des Universums gerichtet, ließ sie ihre Sinne schweifen. Kein fremder Gedanke drang durch ihre mentalen Schilde und die Gespräche der Mitreisenden waren nur ein leises Raunen im Hintergrund. Counselor Ta'Isha Yazid erhob sich von ihrem unbequemen Sitz und ging langsam umher - soweit dies die anderen Passagiere zuließen - während sie erneut die Entwicklungen der letzten Zeit überdachte. Nach ihrem kleinen Abenteuer auf der USS Explorer, hatte sie ihren Vorgesetzten um Versetzung auf das Forschungsschiff gebeten. Doch Captain Sisko hatte diese Bitte abgelehnt und so befand sie sich auf dem Weg zurück nach Deep Space Nine. Ihre Reise dauerte nun schon mehrere Tage und langsam machte sich ein Kribbeln in ihrer Magengegend breit. Sobald das Schiff unter Warp ging, würde man die majestätische Raumstation am Rande des Wurmlochs zum Gamma-Quadranten mit bloßem Auge erkennen können. Ein Lächeln erschien auf dem Gesicht der jungen Frau. Sie freute sich auf das Wiedersehen mit ihren Kollegen - doch gleichzeitig dachte sie mit Wehmut an die neugewonnenen Freunde, die sie auf der Explorer zurückgelassen hatte.
Nach dem routinemäßig verlaufenen Andockvorgang verließen die Passagiere das kleine Transportschiff. Ta'Isha schulterte ihre Reisetasche und stieg von der Luftschleuse aus in den Turbolift, der sie zum Promenadendeck bringen würde. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie sich nun erst einmal in ihrem Quartier eine Schalldusche und einen großen Becher Raktajino gegönnt. Doch das Prozedere der Sternenflotte sah einen anderen Ablauf vor und daran musste auch sie sich halten. Mit einem leichten Rucken hielt der Turbolift und Ta'Isha mischte sich unter die Besucher auf dem Promenadendeck. Einen kurzen Moment ließ sie die geschäftige Stimmung auf sich wirken, lauschte dem gleichmäßigen Gemurmel der Händler - beobachtete den bajoranischen Priester, der mit einer kleinen Glocke zum Gebet rief. Rechts von ihr klangen aus Quark's Bar begeisterte "Dabo"-Rufe. Sie fragte sich zum wiederholten Male, warum Captain Sisko dem gierigen Ferengi den Betrieb eines Spielcasinos erlaubt hatte; standig tummelten sich dort zwielichtige Gestalten, die dem Sicherheitspersonal fast ununterbrochen Arbeit lieferten. Nach einem weiteren Augenblick wandte sie sich nach links und erreichte nach kurzer Zeit das Büro von Odo, dem Formwandler, der den Posten des Sicherheits-Chefs innehatte.
Als Odo sie erblickte, erhob er sich von seinem Stuhl. "Counselor, schön Sie zu sehen", sagte er mit seiner leicht schnarrenden Stimme. "Sie werden schon erwartet." Dann wandte er sich um und reichte ihr einen kleinen Gegenstand.
Mit einem kurzen Nicken nahm sie den Kommunikator entgegen und befestigte ihn an ihrem Pullover.
Langsam machte sich die Müdigkeit der langen Reise bemerkbar und mit einem Gähnen streckte sie ihren Körper.
"Der Captain erwartet Sie!" erinnerte Odo mit regungslosem Gesicht.
Ta'Isha mobilisierte ihre letzte Energie und machte sich auf den Weg zur OPS. Als sie den großen Raum betrat, in dem alle Belange der Raumstation gelenkt wurden, widerstand sie der Versuchung, zuerst die Offiziere an den einzelnen Stationen zu begrüßen. Sie ging über eine kleine Treppe direkt zum Büro des Captains. Die Aufforderung einzutreten kam, noch bevor sie die transparente Tür erreicht hatte.
"Ihr Schiff hatte Verspätung." Der vorwurfsvolle Unterton ließ keinen Zweifel über die Stimmung des Captains.
"Tut mir leid, Sir, es lag nicht in meiner Macht, dies zu ändern!" erwiderte Ta'Isha mit fester Stimme. Sie war verunsichert, wollte sich aber nichts anmerken lassen.
"Seien Sie in 30 Minuten an Bord der Defiant. Sie begleiten Major Kira, alle weiteren Informationen und Befehle erhalten Sie von ihr. - Wegtreten!"
Nachdem sie dieser Aufforderung schleunigst nachgekommen war und wieder im großen Kommando-Raum stand, warf sie einen fragenden Blick in die Runde. "Liegt das an mir oder...?"
"Machen Sie sich nichts daraus, Counselor!" ertönte die Stimme des Chef-Ingenieurs Miles o'Brien, "So ist er, seit dieser .... Typ .... erschienen ist. Wir müssen seine Laune schon mehrere Tage ertragen!"
"Na, dann kann ich ja von Glück sagen, daß ich erst heute hier eingetroffen bin .... und mich sofort wieder auf den Weg machen darf!" Ta'Isha verzog das Gesicht zu einem humorlosen Grinsen.
"Und, was ist das für ein ....Typ, der dem Captain diese Laune beschert hat?"
Major Kira Nerys, ihres Zeichens erster Offizier an Bord der Station, trat neben Ta'Isha. "Das werden sie noch früh genug erfahren. Counselor, ich schlage vor, sie suchen sich ihre Sachen zusammen - wir starten in 27 Minuten!"
Nahezu lautlos glitt die Defiant durch das All. Entgegen den größeren Schiffen der Galaxy-Klasse, die kombinierte Erkundungs- und Verteidigungsschiffe waren, kam die Defiant als reines Kampfschiff mit einer relativ kleinen Besatzung aus. Ausgerüstet mit den neuesten Waffen-Systemen sowie mit einer romulanischen Tarnvorrichtung, wurde sie häufig für heikle Missionen eingesetzt. Ta'Isha saß in ihrem engen, unbequemen Quartier und grübelte. Über das Ziel dieses Auftrags war noch nichts bekanntgegeben worden und die Crew stellte stündlich neue Mutmaßungen an. Ihre Aufgabe als Counselor bestand in den letzten Tagen darin, sich die wildesten Gerüchte anzuhören und die Besatzung zu beruhigen. Es waren erfahrene Offiziere, die schon die schwierigsten Aufgaben gemeistert hatten - doch geradewegs ins Ungewisse zu fliegen, ohne einen Grund dafür zu kennen, zerrte an den Nerven eines Jeden.
Das Signal des Kommunikators riß sie aus ihren Gedanken. "Counselor Yazid sofort auf der Brücke melden!"
"Bin unterwegs!"
Gegenüber des Quartiers war ein Zugang zum Turbolift und wenige Augenblicke später betrat Ta'Isha die Brücke. Auf den ersten Blick dieselbe Szenerie wie bereits seit Tagen. Der große Bildschirm an der Front der Brücke zeigte vorbeihuschende Lichtpunkte. Die Kontroll-Terminals gaben regelmäßig Signale von sich, welche die reibungslose Funktion aller Stationen bestätigten. Chief o'Brien führte Standard-Checks durch, während die Trill Jadzia Dax gelangweilt auf ihrem Drehstuhl wippte. Worf, der Klingone, der in Regelfällen die Missionen der Defiant leitete, stand nun an den taktischen Terminals und prüfte zum wiederholten Male die Einsatzfähigkeit der Phaserbänke und Quanten-Torpedos. Major Kira stand mit dem Rücken zu ihr und daneben.....
Der dunkelhaarige Mann drehte sich um und kam mit einem offenen Lachen auf Ta'Isha zu.
"Hey, ich bin Dennis Booker!" Er schnappte sich ihre Hand und schüttelte sie heftig. "Schön, sie kennenzulernen!"
Dann steckte er die Hände in die Hosentaschen und grinste breit. Ta'Isha musterte ihn skeptisch von Kopf bis Fuß. Schwarze, zerzauste Haare, dunkle Augen unter dichten Brauen; gekleidet war er in blaue Hosen eines ihr unbekannten Stoffes, dazu ein weißes Shirt. Um seinen Hals hingen mehrere Lederbendel mit Anhängern und er trug einen Ohrring, der aber keinesfalls mit dem bajoranischen Ohrschmuck von Major Kira zu vergleichen war. Als Empathin nahm sie viel positives von ihm wahr, aber nun konnte sie gut nachvollziehen, warum Captain Sisko nicht sehr begeistert von der Idee war, diesem Mann seine Defiant zu überlassen. Er war schlicht und einfach zu jung und die Begriffe Respekt und Disziplin existierten in seinem Wortschatz mit Sicherheit nicht.
Booker bemerkte den fragenden und zugleich abschätzenden Blick der Counselor. Seufzend nahm er eine Hand aus der Tasche und fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar. "Tja, da dachte ich, ich erwische mal ein paar Typen, die etwas lockerer drauf sind, aber nein - ich gerate wieder an typisch trockene Sternenflotten-Offiziere! Na gut....", er blickte in die Runde, "Major Kira, Worf, o'Brien und Counselor Yazid, in zehn Minuten im Bereitschaftsraum!"
Kaum, daß sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, platzte es aus Jadzia Dax heraus: "Ist der nicht süüüüß?"
Von den taktischen Konsolen ließ Worf ein Knurren hören und auch Kira empörte sich: "Süß? Höre ich da richtig? .... Süß?" Die Hände hinter dem Rücken verschränkt stapfte sie wütend umher. "Ich denke, wir sollten uns weniger Gedanken darum machen, ob uns dieser Kerl gefällt, sondern darüber, was er überhaupt will! Ich meine..... er taucht auf, beschlagnahmt mit Kommando-Codes der höchsten Priorität unser Schiff und... und...!" Sie hob die Hände in einer hilflosen Geste und verstummte kopfschüttelnd.
Ta'Isha trat zu ihr und versuchte, sie zu beruhigen: "Major, ich finde, wir sollten mit unserem Urteil bis nach der Besprechung warten. Ich gebe zu, äußerlich wirkt er sehr.... jung... und... naja....die Situation ist sehr sonderbar ; aber ich gehe davon aus, daß Captain Sisko sich seine Befehle vom Sternenflotten Hauptquartier bestätigen ließ, wir können also sicher sein, daß es sich um eine wichtige Angelegenheit handelt! Geben wir ihm einfach eine Chance."
Kira schaute mit ihren großen braunen Augen zur Counselor, warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu und verließ dann fast fluchtartig die Brücke. Die Unsicherheit der Mannschaft lag nahezu greifbar in der Luft. Jadzia ergriff als erste wieder das Wort. "Sie dürfen Kira das nicht übel nehmen, Counselor!"
Ta'Isha brachte sie mit einer Handbewegung zum schweigen. "Dax, in meinem Job geht es nicht darum, jemandem irgendetwas übel zu nehmen! Meine Aufgabe ist es zu beobachten, wenn nötig, Ratschläge zu erteilen und einzugreifen, wenn ein Crew-Mitglied den psychischen Belastungen nicht mehr standhält. Major Kira ist nicht damit einverstanden, daß dieser Booker momentan die Befehlsgewalt hat - gut! Es ist nichts, was man ihr vorwerfen kann - solange sie sich an die Regeln hält. Es zählt nur, daß wir unseren Auftrag, was immer es sein mag, erledigen - egal, wer die Befehle gibt!"
"Wenn ich dazu etwas anfügen dürfte..?" ertönte Worf's brummende Stimme.
"Bitte!" Ta'Isha forderte ihn mit einem Nicken zum weitersprechen auf.
"Major Kira ist ein guter Offizier - nur.. manchmal etwas eigensinnig. Aber ich würde ihr jederzeit mein Leben anvertrauen!"
"WORF! Nun werden Sie bloß nicht melodramatisch!"
Auch Dax sprang zur Verteidigung ihrer Freundin Kira ein. "Es liegt an ihrer Vergangenheit. Kira mußte soviel durchmachen, und ihre jetzige Stellung im bajoranischen Militär zu erreichen, war ein harter Kampf. Ich glaube, sie kann einfach nicht einsehen, warum sie plötzlich von solch einem unerfahrenen Frischling von der Akademie Befehle annehmen soll!"
"Nachvollziehbar, doch völlig unlogisch!" Ta'Isha holte tief Luft. "Außerdem sollten wir uns bewußt machen, daß wir es hundertprozentig nicht mit einem einfachen Akademie-Absolventen zu tun haben."
Sie spürte die verwunderten Blicke ihrer Kollegen und fuhr fort: "Nach Berücksichtigung aller Fakten, ist die logische Schlußfolgerung, daß Dennis Booker einer besonderen Abteilung angehört, in der es auf besondere Qualifikation und nicht auf das Alter ankommt! Starfleet Intelligence - der Geheimdienst der Sternenflotte!"
Während Dax und o'Brien verwundert dreinschauten, vezog Worf keine Miene. "Ich möchte anmerken, daß mir dieser Booker nicht besonders qualifiziert erscheint!"
Ta'Isha lächelte leicht. "Wenn sie sich da mal nicht täuschen! - Außerdem: würde die Sternenflotte ihr einziges Schiff mit einer funktionierenden Tarnvorrichtung leichtfertig auf's Spiel setzen?"
O'Brien räusperte sich. "Es tut mir außerordentlich leid, Ihre interessante Diskussion unterbrechen zu müssen, aber wir kommen zu spät zur Einsatz-Besprechung."
"Dax", wandte sich Ta'Isha an die Trill, "Sie haben die Brücke!"
Worf saß regungslos auf seinem Stuhl und starrte Löcher in die Wand, o'Brien inspizierte aufmerksam seine Fingernägel und Ta'Isha verfolgte gespannt das hitzige Wortgefecht zwischen Major Kira und Dennis Booker.
"Wie konnte das überhaupt passieren?" empörte sich die Bajoranerin gerade.
Booker saß rittlings auf einem Stuhl und hatte die Arme auf der Lehne gekreuzt. "Tut mir leid, Major, darauf weiß momentan niemand eine Antwort zu geben. Fest steht, daß dieser Ferengi nun im Besitz der Tarnvorrichtung ist und sie meistbietend verkaufen wird. Egal, an wen. Und sie wissen, was passiert, wenn das Dominion die Vorrichtung in die Finger bekommt!? Unser Vorteil wäre dahin; die Ausrüstung unserer Flotte hinfällig. Wie die Romulaner reagieren werden, wenn sie erfahren, daß sie nicht mehr auf ihre Tarnung bauen können, weil die Föderation einen Prototyp verloren hat....? Ohoh, ich fürchte, sie werden nicht mit Kuchen zum Kaffee kommen!" Er schnitt eine Grimasse. "Sie erkennen sicherlich die Dringlichkeit des Problems?"
"Natürlich erkenne ich die Dringlichkeit des Problems! Aber warum hat man ausgerechnet Sie geschickt!?"
Ta'Isha schnappte nach Luft. "Major, bitte! Das geht zu weit."
Alle Augen auf sich, erhob sich der dunkelhaarige Mann und ging um den Tisch herum zu Kira, die ihm trotzig entgegenblickte. Er beugte sich soweit hinunter, daß sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten.
"Sie mögen mich nicht! Ich sag' Ihnen was: Sie waren auch nicht meine erste Wahl! Doch Captain Sisko bestand darauf, daß Sie seinen Platz einnehmen. Wie hat er sich gleich noch ausgedrückt? 'Major Kira ist einer meiner fähigsten Offiziere...' - da hat er sich wohl getäuscht. Jedenfalls, wenn Sie mich fragen."
Seine Stimme wurde eine Spur leiser und verdeutlichte seine herausfordernden Worte. "Und noch etwas, wenn Sie nicht in der Lage sind, Antipathien außer Acht zu lassen und im Team zu funktionieren, dann haben Sie - trotz Ihrem süßen bajoranischen Hintern - auf einem Schiff der Sternenflotte nichts zu suchen!"
Er richtete sich auf und wandte sich an den Klingonen, der noch immer mit unbewegter Miene am Tisch saß. "Mr. Worf, kontaktieren Sie Föderationsschiffe, die sich in ungefährer oder näherer Entfernung wie wir zu unseren Zielkoordinaten befinden. - Mal sehen, wer von unseren Jungs sich noch da draußen rumtreibt." Nachdem er einen letzten forschenden Blick in die Runde geworfen hatte, verließ er den Besprechungsraum.
O'Brien brach zuerst das bedrückte Schweigen. "Verdammt, Nerys, ich weiß, daß Sie durch die Schwangerschaft gereizt sind - besonders da es nicht Ihr eigenes Kind ist. Aber Sie müssen es doch nicht an diesem Kerl auslassen! Vers...."
"Jetzt ist kein günstiger Zeitpunkt für weitere Vorwürfe!" mischte sich Ta'Isha ein. Sie wollte nicht riskieren, daß sich innerhalb der Crew ein Riß bildete und musste entsprechend reagieren. "Ich schätze, Major Kira hat Mr. Bookers Argumente vollkommen verstanden. Lassen wir unsere Emotionen aus dem Spiel und konzentrieren uns auf das Wesentliche! Zeigen wir ihm, daß wir ein gutes Team sind."
"Ich hoffe, daß wir das noch sind!" seufzte der Chef-Ingenieur, bevor er Worf folgte, der bereits auf halbem Weg zur Brücke war, um Bookers Befehl auszuführen.
Zwei Tage später hatten sich die Wogen ein wenig geglättet. Zuerst war Major Kiras Hormonspiegel auf der Krankenstation ins Gleichgewicht gebracht worden und danach beschränkte sich die Bajoranerin auf den nötigsten Kontakt zu Dennis Booker - der seine freie Zeit ohnehin alleine auf dem Holodeck verbrachte.
Ta'Isha hatte ihre Schicht gerade beendet und war auf dem Weg zu ihrem Quartier, als ihr Jadzia Dax entgegenkam.
"Hallo Counselor! Täusche ich mich, oder könnten Sie ein wenig Abwechslung gebrauchen?" Die Trill stand breit grinsend in Freizeitkleidung vor ihr und wedelte mit einem Handtuch. "Ich habe für das Holodeck ein wunderbares Programm kreiert - perfekt zum entspannen. Na, wie wär's? Hätten sie Lust, mich zu begleiten?"
Die Aussicht auf ein paar Augenblicke, in denen sie die Gedanken an bevorstehende und bewältigte Probleme hinter sich lassen konnte, bescherte ihr ein leichtes Gefühl der Vorfreude. Sie sagte zu, in kurzer Zeit nachzukommen und beeilte sich, ihr Quartier zu erreichen. Ein schneller Sprung unter die Schalldusche, luftige Kleidung und schon war sie bereit für Entspannung pur.
Wenige Minuten später betrat sie das Holodeck. Sofort wurde sie vom Duft exotischer Pflanzen umhüllt, ein Gefühl von angenehmer Mattigkeit überfiel sie, als ihr Körper sich der hohen Temperatur anpasste. Als sie dem sandigen Pfad folgte, begegneten ihr nur wenige Personen. Nach einer Biegung fiel ihr Blick auf eine Lichtung, deren Mittelpunkt von einem großen Springbrunnen beherrscht wurde. Links von ihr machte Jadzia auf sich aufmerksam. "Hallo, Ta'Isha, kommen sie hierher!" Die Trill lag auf einer mit Moos bedeckten Erhebung und nuckelte aus einem Strohhalm grüne Flüssigkeit, die sich in einem großen Becher befand. Ta'Isha entdeckte eine weitere natürliche 'Liege' einen halben Meter neben Dax und nahm diese in Beschlag. Sofort näherte sich ein junger Mann mit einem Tablett, darauf eine Auswahl eisgekühlter, farbenfroher Getränke. Nach einem interessierten Blick, entschied sich Ta'Isha für tellaritischen Rhiumba-Saft. Die grünen Rhiumba-Früchte galten als ungenießbar, doch sobald der Saft ausgepresst war, nahm er eine purpurne Färbung an und wurde zu einem süßen Nektar.
"Ich muß gestehen, es ist wirklich ein wunderbares Programm!" flüsterte Ta'Isha mit müder Stimme zwischen zwei Schlucken. Das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Wassers beruhigten ihre Sinne, das Moos kitzelte sanft in ihrem Nacken und die Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die dichten Blätter gebahnt hatten, strichen sanft über ihr Gesicht.
"Oh, das ist noch nicht alles!" tönte es aus Jadzias Richtung. Eigentlich völlig zufrieden mit sich und der Welt hob Ta'Isha leicht den Kopf und öffnete die Augen, um sie augenblicklich wieder zu schließen. "Jadzia - was ist das?"
"Das sind die Männer, die uns jetzt eine erfrischende Fußreflexzonen-Massage verabreichen werden", kommentierte Jadzia freudig. Das einzige, was Ta'Isha beim Anblick der beiden muskelbepackten, sonnengebräunten männlichen Wesen in den Sinn kam, war: "Typisch Dax." Sie wandte sich der Trill zu. "Na gut, solange mein Masseur sein Handwerk beherrscht, will ich mich zufrieden geben. Aber das nächste Mal hätte ich gerne etwas weniger quadratisches!"
Einige Momente später schlug sie zum wiederholten Male mit dem Badetuch nach der Hand, die an der Innenseite ihres Schenkels hinaufglitt. "Also, ich glaube, wir interpretieren das Wort 'Entspannung' unterschiedlich!"
Jadzia ließ ihr glockenhelles Lachen hören und setzte zu einem Kommentar an, als Bookers Stimme über den Kommunikations-Kanal ertönte.
"Counselor Yazid in den Bereitschaftsraum - sofort!"
Sie berührte leicht ihren Kommunikator. "Yazid, verstanden." Dann erhob sie sich zügig von ihrer Liege, während Jadzia aufseufzte.
"Hach, ich wünschte, dieser Booker würde mal so fordernd nach mir verlangen! ...... Bereitschaftsraum... hmmm, dieser große Tisch darin bietet sich geradezu an....."
Ta'Isha wandte sich ein letztes Mal um. "Jadzia, egal was sich da in ihrem Becher befindet - ich würde vorschlagen, sie trinken besser nicht weiter! Computer - Ausgang."
Gegenüber der feuchten Hitze auf dem Holodeck wirkten die klimatisierten Räume der Defiant unangenehm kühl - zumindest für Ta'Isha, die aufgrund des dringlichen Tonfalls von Booker darauf verzichtet hatte, sich in ihrem Quartier Dienstkleidung überzuziehen. Nun stand sie im Bereitschaftsraum, zupfte den engen Rock zurecht und nestelte an ihrem knappen Bikini-Oberteil, während Booker sie grinsend beobachtete.
"Von mir aus dürfen Sie das öfter im Dienst tragen, Counselor!"
Ta'Isha schnitt mental eine Grimasse, ihre Stimme dagegen blieb teilnahmslos. "Ihrem Tonfall entnahm ich, daß Ihr Anliegen von äußerster Dringlichkeit ist, darum kam ich ohne Verzögerung hierher. Dürfte ich nun erfahren, worüber Sie mit mir reden wollen?"
Ihr momentaner Vorgesetzter nickte traurig lächelnd. "Ich merke schon - Sie hätten's gerne auf die offizielle Tour! Na gut." Seine Stimme wurde deutlich kühler und das Lächeln verschwand. "Wir werden in Kürze Kontakt mit einem Föderationsschiff aufnehmen; Sie, o'Brien und meine Wenigkeit werden dorthin wechseln, weil ein Forschungsschiff auf Cattra IV weniger Aufmerksamkeit erregen wird als ein Kampfschiff. Die Defiant wird sich tarnen und uns den Rücken freihalten."
Ta'Isha spielte mit dem Gedanken nachzufragen, warum er nicht von vornherein ein 'unauffälligeres' Schiff für seine Mission ausgewählt hatte, unterließ aber diese versteckte Provokation. Über das Kommunikations- Terminal erklang Worf's Stimme. "Wir haben die Verbindung, Sir."
"Danke Mr. Worf - stellen Sie durch!"
Der Bildschirm flimmerte kurz, dann erschien ein für Ta'Isha bekanntes Gesicht auf dem Monitor.
"Hier spricht Captain James Dawson von der USS Explorer - was können wir für Sie tun?"
Die Counselor fühlte die plötzliche Anspannung, von der der junge Mann neben ihr erfüllt war. Er holte tief Luft und brachte sein Anliegen vor: "Mein Name ist Dennis Booker. Ich habe im Auftrag von Starfleet das Kommando über die Defiant. Wir übermitteln Ihnen jetzt unsere Zielkoordinaten, passen Sie ihren Kurs an. Mein Team und ich werden uns an Bord beamen, sobald wir in Transporter-Reichweite sind. Dann erhalten Sie weitere Erklärungen."
Dawson blickte ziemlich verdutzt und machte keine Anstalten, auf diese Aufforderung zu reagieren. Ungeduldig zog Booker Ta'Isha zu sich vor das Terminal. "Wenn Sie mir nicht glauben, dann vielleicht ihr!?"
Beunruhigt zog der vollbärtige Captain die Stirn in Falten, aber Ta'Isha machte eine besänftigende Geste. "Captain! Auch, wenn es für Sie im Moment merkwürdig erscheinen muß, kann ich Ihnen versichern, daß Mr. Booker rechtmäßig das Kommando über unser Schiff hat. Ich schlage vor, Sie holen sich Ihre Rückversicherung bei Admiral Ross, während Sie sich auf den Weg zu uns machen!?"
"Das werde ich mit Sicherheit tun, Counselor!" Mit seinen nächsten Worten wandte er sich direkt an Booker. "Wir werden alles für Ihre Ankunft vorbereiten. Dawson Ende." Der Monitor erlosch.
"War das der Grund, warum Sie mich herzitiert hatten? Weil Sie wußten, daß ich Captain Dawson überzeugen würde?" Ta'Isha versuchte, nicht vorwurfsvoll, sondern interessiert zu klingen - der Versuch mißlang.
"Natürlich! Sie waren vor einiger Zeit auf Dawsons Schiff und haben mit ihm persönlich zusammengearbeitet - warum sollte ich Sie nicht hinzuziehen?" Er schüttelte ärgerlich den Kopf und zuckte mit den Achseln.
"Vielleicht wäre es besser gewesen, Sie hätten sich einfach ihre Uniform übergezogen - was übrigens auch den Umgang mit der restlichen Crew erleichtert hätte."
"Ich habe keine Uniform, denn ich gehöre nicht der Sternenflotte an. Und ich denke nicht, daß das etwas geändert hätte - denn von Beginn an betrachtete mich jeder als Feind, obwohl ich hier nichts anderes tue als meine Pflicht!" Sie spürte die Bitterkeit in seiner Stimme als er weitersprach. "Ich bin nicht dafür geschaffen, andere zu kommandieren, doch in diesem Falle musste ich mich den Befehlen meiner Vorgesetzten beugen. Ganz ehrlich, Counselor, ich wünschte, es wäre anders und die Umstände hätten uns nicht zu dieser Vorgehensweise gezwungen! Aber es ist nunmal so und anscheinend schließt diese Tatsache automatisch aus, daß ...... ach, vergessen Sie es. - Ich denke, wir haben noch ein paar Stunden Zeit, bis wir auf die Explorer treffen - falls irgendjemand das Bedürfnis hat, mit mir zu sprechen ... ich bin auf dem Holodeck." Mit diesen Worten verließ er den Raum und Ta'Isha wurde bewusst, daß sie in Bezug auf Booker als Counselor versagt hatte. Zu sehr hatte sie sich von ihren Gefühlen leiten lassen, anstatt professionell und objektiv als Beraterin zu fungieren. Und ich werfe ihm auch noch vor, daß er keine Uniform trägt!.... ächzte sie in Gedanken ..... das sind Fehler, die passieren Studenten im ersten Jahr, aber doch keiner ausgebildeten Counselor!
Captain James Dawson zupfte nachdenklich an seinem sorgfältig gestutzten Vollbart, während er die harten Worte des Admirals Revue passieren ließ. Typisch Sternenflotte. Schickten irgendwelche jungen Hüpfer, die keiner kannte und erwarteten noch, daß man denen frohlockend sein Schiff überließ! Er grummelte noch immer ärgerlich vor sich hin, als ihm jemand beruhigend die Hand auf die Schulter legte.
Methos, der älteste Unsterbliche, dessen Geburt soweit in der Vergangenheit lag, daß selbst er sich nicht mehr an das genaue Jahrhundert - geschweige denn an das Jahr - erinnern konnte, nahm auf der anderen Seite des Tisches Platz. "Warum so griesgrämig, James? Schlechte Nachrichten?"
"Ta'Isha wird in den nächsten Stunden an Bord kommen."
Methos runzelte die Stirn. "Und - sollten wir uns darüber nicht freuen?"
Dawson rang sich ein Grinsen ab. "Es geht hier nicht um sie, sondern um ihre Begleitung. Die Sternenflotte drückt mir einen Neuling auf's Auge und ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll! Was ist aus den guten, alten Zeiten geworden, als es nur darum ging, die Erde zu verlassen und den Weltraum zu erforschen? Jede Crew auf sich gestellt, die Admiräle weit weg an ihren Schreibtischen und man hatte sich nur der Ersten Direktive zu verantworten! Statt dessen..."
"Ähm, wenn ich dich mal kurz unterbrechen darf? ...Erstens warst du damals noch gar nicht geboren und zweitens war die Zeit gar nicht so toll! Apropos - nur der Ersten Direktive verantwortlich. Hat sich da eigentlich jemals jemand dran gehalten? Nimm' doch nur mal diesen James T. Kirk...."
"Jaaaaa!" fiel ihm Dawson ins Wort. "Ich glaube wir kommen vom Thema ab."
Methos lümmelte sich auf seinem Stuhl und grinste breit. "Ich hätte da aber noch ein paar Geschichten parat, die dich interessieren dürften!"
Der Captain machte eine abwehrende Geste. "Bloß nicht. Das endet doch nur wieder damit, daß ich völlig desillusioniert hier sitze und du dich über mein enttäuschtes Gesicht kaputt lachst! Nein, danke!" Mit gespielten Ernst fügte er noch hinzu: "Setz' dich gefälligst richtig hin - wir sind im Dienst!" Womit er bei seinem Gegenüber aber auf taube Ohren stieß.
Die beiden Männer scherzten noch eine Weile, doch gerade als Dawson's Laune sich zu bessern schien, kam von der Brücke die Nachricht, daß die Defiant sich in Transporterreichweite befand. Mit einem Aufseufzen erhob sich der Captain. "Dann wollen wir mal."
Ta'Isha stieg mit Chief o' Brien und Dennis Booker von der Transporter-Plattform, nachdem das unangenehme Gefühl der Desorientierung verschwunden war. Im Grunde genommen behagte ihr diese Art des Transports nicht sonderlich, aber es war die gängigste Art, kurze Distanzen zu bewältigen, wenn ein Shuttle zur Beförderung nicht in Betracht kam. Captain Dawsons Begrüßung fiel etwas zurückhaltend aus, was ihr in Anbetracht der Umstände nicht ungewöhnlich erschien. Eine kleine Enttäuschung bereitete ihr allerdings die Tatsache, daß Methos nicht dem Empfangskomitee angehörte, aber da ihre Ankunft eine offizielle Angelegenheit war und er nicht zur Crew gehörte, war ihr Wunsch nach seiner Anwesenheit eine unlogische Gefühlsduselei.
Nachdem sie den Transporterraum verlassen hatten, gingen o'Brien und Ta'Isha schweigend hinter Booker und Dawson her. Trotz Dawsons Vorbehalten gegen den jüngeren Mann, gab er sich nun relativ offen und interessiert. Natürlich wurde auf dem Weg zum Bereitschaftsraum des Captains das eigentliche Anliegen noch nicht zur Sprache gebracht, doch Ta'Isha fühlte, daß sich zwischen den so unterschiedlichen Männern eine spontane Sympathie entwickelte, die eine gute Basis für die weiteren Gespräche bilden könnte. Scheinbar ohne jeglichen Anlass stoppte Booker plötzlich ab und Ta'Isha, die einen Moment unachtsam war, wurde relativ unsanft aus ihren Gedanken gerissen.
"Oh, Verzeihung, ich...", setzte sie gerade zu einer Entschuldigung an, als ihr der gehetzte Ausdruck in Bookers Augen bewusst wurde. Einen Wimpernschlag später hatte er sich wieder völlig unter Kontrolle und die unausgesprochene Frage in Ta'Ishas Augen blieb unbeantwortet. Ruckartig setze er sich wieder in Bewegung. Weder Dawson noch o'Brien schien das kurze Zwischenspiel Kopfzerbrechen zu bereiten, doch die Counselor achtete nun auf jede Geste bei dem jungen Mann, der sich aber keine Blöße mehr gab. Sobald sich die Gelegenheit ergab, würde sie einen gewissen Jemand zu diesem Vorfall befragen.
Nach zwei Stunden war Captain Dawson bis ins kleinste Detail informiert und auch er zeigte sich äußerst beunruhigt anhand der Tatsache, daß es gelungen war, einen Prototyp der romulanischen Tarnvorrichtung von Deep Space 5 zu entwenden. Chief o' Brien hatte sich in den Maschinenraum zurückgezogen, um Tricorder so zu modifizieren, daß man damit die Signatur der gestohlenen Vorrichtung orten konnte. Aus Ta'Ishas Sicht war die Besprechung sehr erfolgreich gewesen. Was Booker bei Captain Sisko und seiner Mannschaft vergeblich versucht hatte, war ihm bei James Dawson gelungen - er hatte sein Vertrauen gewonnen.
"Somit dürfte alles klar sein", erklärte Dawson mit seiner leicht angerauhten Stimme, "o'Brien wird versuchen, die Tarnvorrichtung zu orten, während sie und Ta'Isha sich nach potentiellen Käufern umsehen - offiziell werden wir für die Explorer diverse Ersatzteile anfordern, so daß unser Aufenthalt im Orbit gerechtfertigt ist."
Ta'Isha nickte. "Wir werden versuchen, einen von Mr. Bookers Informanten zu treffen - falls das fehlschlägt, müssen wir uns selbst auf die Suche nach dem Ferengi machen - und dann haben wir ein Problem!"
"Cattra IV ist der geeignetste Planet um unterzutauchen", nahm Dennis Booker den Faden auf, "dicht besiedelt, ein großer Anteil der Bevölkerung besteht aus ehemaligen Strafgefangenen unzähliger Rassen. Ein Resozialisierungs-Projekt sollte es werden - und geschaffen haben sie ein Paradies für sämtliches Gesindel der angrenzenden Sektoren. Wir müssen verdammt vorsichtig sein. Die Defiant wird unser Schutzengel sein, falls irgendwelcheVerrückten versuchen sollten, die Explorer zu kapern oder ...."
"....uns in die Hölle zu pusten!" Dawson zog eine Grimasse. "Ich dachte immer, auf einem Wissenschaftsschiff könnte ich richtig gemütlich durchs All schippern.....na dann; wir haben noch 'ne Weile Zeit bis Cattra. Ta'Isha, vielleicht können sie Mr. Booker ein bißchen herumführen?"
"Gerne. Aber dürfte ich vorher noch etwas erledigen?" Sie schenkte den Männern ihr strahlendstes Lächeln.
"Kein Problem", erwiderte Booker, "ich werde jetzt mein Quartier in Beschlag nehmen und noch ein paar Informationen abrufen."
Erleichtert verabschiedete sich Ta'Isha und im Bewußtsein, daß Booker es ihr gleichtun würde, startete sie sofort ihre Suche nach Methos. Wenigstens wußte sie, nach wem sie suchte und mit Hilfe des Bordcomputers hatte sie ihn schnell ausfindig gemacht - in ihrem Quartier.
Kaum hatte sich die Tür mit einem leisen Zischen hinter ihr geschlossen, stürzte der älteste noch lebende Unsterbliche auf sie zu.
"Der Kerl, der mit dir an Bord gekommen ist....."
"Ich weiß!" Ta'Isha hob abwehrend die Hände. "Er ist ein Unsterblicher. - Aber er ist mit Sicherheit nicht hinter dir her."
Methos zog zweifelnd die Augenbrauen in die Höhe. "Ach? Darauf würde ich mich nicht verlassen!" Dann zog er sie an sich. "Schön, daß du wieder da bist."
Die junge Frau schmiegte sich an den mittelgroßen, braunhaarigen Mann, genoß seine Umarmung und das Kitzeln seiner Bartstoppeln an ihrer Wange. "Du solltest dich mal wieder rasieren, alter Mann!"
Er verzog das Gesicht zu einem Grinsen. "Ich denke, das ist im Moment meine geringste Sorge."
"Vielleicht solltest du von dir aus zu Booker gehen - je schneller wir Klarheit schaffen, desto besser", schlug Ta'Isha vor.
"Booker heißt er also. - Hmmm, ist mir kein Begriff, jedenfalls soweit ich mich erinnern kann." Er runzelte die Stirn, während seine Gedanken in die Vergangenheit schweiften.
"Er hat dich gespürt und wird nach dir suchen - früher oder später wird er dich finden." Dann spürte sie, wie sich seine Muskeln unter ihren Fingern anspannten.
"Eher früher, würde ich sagen...", flüsterte Methos tonlos.
In der nun folgenden Stille, wurde das Summen des Türsignals zu einem bedrohlichen Dröhnen.
Nach ihrem knappen "Herein" betrat Booker das Quartier. Interessiert und zugleich etwas enttäuscht blickte er sich um. "Sie haben keinen Besuch?"
"Besuch?" Sie wußte, daß der dunkelhaarige Unsterbliche Methos noch immer spüren konnte. Jener hatte sich beim Ertönen des Türsummers schleunigst ins Schlafzimmer zurückgezogen und es Ta'Isha überlassen, etwas über die Absichten Bookers herauszubekommen. Ta'Isha unterdrückte ein Grinsen. "Wie kommen Sie darauf, ich hätte Besuch?"
Dennis Booker steckte seine gepflegten Hände tief in die Hosentaschen und zuckte mit den Schultern. "Och... ich dachte, ich hätte Sie mit jemandem reden hören."
"Ich wußte gar nicht, daß Sie über vulkanisches Hörvermögen verfügen..... ich hätte eher darauf getippt, Sie spüren die Anwesenheit eines anderen Unsterblichen! Sie wissen doch: zuerst wird einem heiß und kalt zugleich....dann beginnt alles zu prickeln, man fühlt sich wie ein Nadelkissen.... "
Jegliche Farbe wich aus Bookers Gesicht und sein Unterkiefer klappte soweit hinunter, daß Ta'Isha befürchtete, man würde die Hilfe des medizinischen Offiziers in Anspruch nehmen müssen, um das Gelenk wieder an seinen von der Natur aus vorbestimmten Platz zu befördern. Nach einem kurzen Moment des Zögerns fand der junge Mann jedoch seine Fassung wieder. "Sie wissen davon?"
Statt einer Antwort tippte Ta'Isha mit den Fingerspitzen ihren Kommunikator an. "Counselor Yazid an Captain Dawson."
"Dawson hier."
"Captain, Mr. Booker und Mr. Pierson ....ähm... liegen sozusagen auf derselben Wellenlänge. Würde es Ihnen etwas ausmachen, in mein Quartier zu kommen?"
"Bin schon auf dem Weg."
Sie wandte sich wieder Booker zu und in der Gewißheit, daß Methos' Ohr förmlich an der anderen Seite der Schlafzimmertür klebte, antwortete sie: "Ja, ich hatte bereits das äußerst zweifelhafte Vergnügen mit Unsterblichen. - Und, wie sie bereits bemerkt haben, befindet sich noch jemand ihrer Spezies an Bord. Jedoch endete die letzte Begegnung dieser Art damit, dass ein Kopf durch die Gegend kullerte - und sie haben sicher Verständnis dafür, wenn ich mich versichern möchte, daß das nicht wieder passiert!?"
Bookers Blick war fest und aufrichtig. "Ich nehme schon lange nicht mehr an diesem Spiel teil - viele von uns haben sich davon zurückgezogen. Also, bitten Sie diesen ... Mr. Pierson - wenn ich eben richtig gehört habe - doch zu uns."
Ta'Isha verharrte noch einen kurzen Moment, dann atmete sie tief durch und ging in Richtung Schlafraum, um die Tür zu öffen.
Methos schlenderte erwartungsvoll doch mit einer gewissen körperlichen Anspannung in den Raum.
Die Counselor meinte ein kurzes erkennendes Aufblitzen in seinen grün-braunen Augen gesehen zu haben, doch Dennis Booker ließ sich seinerseits nichts anmerken und schritt mit breitem Grinsen auf den ältesten Unsterblichen zu. "....Pierson.... soso...." Scheinbar aus dem Nichts schlug er einen Aufwärtshaken, Methos - der einen kurzen Blick zu Ta'Isha gewagt hatte - konnte nicht schnell genug reagieren und ging mit einem Ächzen zu Boden. Ta'Isha schaute ungläubig von einem zum anderen, dann kroch eine unbändige Wut in ihr hoch. Unterstützt durch die emotionale Anspannung schien sich ihre körperliche Kraft zu verdoppeln und sie stieß Booker hart gegen die Wand, nur um ihn im selben Augenblick die Handkante an den Kehlkopf zu pressen. "Soviel ist Ihr Wort also wert?" fauchte sie und ihre Augen funkelten wild. Obwohl er ihr körperlich überlegen war, wehrte er sich nicht, sondern blickte nur still zu Boden.
Da auf den Türsummer keinerlei Reaktion erfolgte, verschaffte sich Captain Dawson mit seinem Sicherheitscode Zugang zum Quartier. Der Anblick, der sich ihm bot, versetzte seiner Laune einen Tiefschlag und mit lauter Stimme polterte er los: "Bin ich denn hier in einem fliegenden Irrenhaus? - Euch kann man noch nicht mal zwei Minuten den Rücken zudrehen und schon hat man das reinste Chaos! Ich fasse es nicht... " Er ließ ein Geräusch hören, das entfernt an ein Schnauben erinnerte und setzte dann seine Standpauke fort. "Counselor - Sie fahren sofort Ihre Krallen ein und stellen sich dort hinten in die Ecke -" Ein warnender Blick in Ta'Ishas Richtung. " .... und keine Widerworte! Die beiden anderen - zu mir!"
Methos hatte sich inzwischen wieder aufgerappelt und kam der Aufforderung sofort nach, während Booker sich den schmerzenden Hals massierte.
James Dawson schoß mit seinen Augen imaginäre Pfeile auf die beiden Unsterblichen ab. "Was auch immer hier los war - ich will es nicht wissen!" Die Schärfe seines Tonfalls verfehlte ihre Wirkung nicht - keiner rührte sich und es blieb still, bis der Captain weitersprach. "Wir benötigen noch einen Mann für's Außenteam - Adam, du hast dich gerade freiwillig gemeldet und wirst Chief o'Brien unterstützen, Ta'Isha und Booker bilden den zweiten Suchtrupp. Ich muß euch sicher nicht sagen..." Er hielt kurz inne. "Doch... euch muß ich es sagen: Benehmt euch unauffällig! Und falls diese Mission scheitert, weil irgendwer seine persönlichen Differenzen nicht außen vor lassen kann, dann setze ich euch auf einem unbewohnten Asteroiden aus! Verstanden?" Als Antwort erhielt er zustimmendes Gemurmel aus verschiedenen Teilen des Raumes.
Nachdem Chief o'Brien die Modifikationen an den Sensoren der Explorer vorgenommen hatte, konnte der Aufenthaltsort der Tarnvorrichtung auf ein kleineres Gebiet eingeschränkt werden - jedoch mussten die beiden Außen-Trupps die große Streuung des Signals durch eine Suche mit Tricordern direkt vor Ort weiter eingrenzen.
Es war ihnen gelungen, Bookers Informanten zu kontaktieren. Dieser hatte ihnen nicht nur Zeitpunkt und Ort der von dem Ferengi geplanten Auktion verraten, sondern hatte sie ebenfalls über die geringen Sicherheitsvorkehrungen des großohrigen Diebes unterrichtet. Einerseits war es ein logisches Verhalten für einen Ferengi: je weniger Leute an einer Aktion beteiligt waren, desto größer der Profit für den Einzelnen - andererseits ... auf einem Planeten wie diesem, auf dem es vor habgierigem Gesindel nur so wimmelte, lief der Ferengi Gefahr sein "Handelsgut" und somit den erhofften Latinum-Segen von einem auf den anderen Augenblick an einen tugendlosen Zeitgenossen und seine Kumpane zu verlieren. Da aber vermutlich noch niemand - außer ihnen - ahnte, was der Ferengi auf seiner Versteigerung feilbieten wollte, blieb den Teams unter Bookers Kommando noch etwas Zeit.
Ta'Isha hob den Arm um ihre Augen gegen die ungefährlichen, aber intensiven Strahlen der roten Morgensonne auf Cattra IV abzuschirmen. Leichter Wind blies unaufhörlich den schimmernden Sand der weiten Ebenen in jeden einzelnen Winkel der Stadt. Trotz eines Tuches zum Schutz der Atemwege, kam es der jungen Frau vor, als fühlte sie die winzigen Kristalle in ihrer Lunge kratzen. Nach einem kleinen Schluck aus der Trinkflasche, zog sie den rauhen Stoff wieder über ihr Gesicht und folgte Booker, der mit raschen Schritten voran ging. Zu dieser frühen Tageszeit fielen sie in der großen Menschenmasse kaum auf. Die meisten Geschäfte wurden am Morgen oder in den späten Nachmittags- und Abendstunden getätigt, in der heißen Mittagszeit wirkten die Straßen jedoch wie ausgestorben und die große Siedlung rund um den Raumhafen glich einer Geisterstadt. Während Ta'Isha zügig hinter Booker herstapfte, schoß sie in Gedanken imaginäre Pfeile auf seinen Rücken ab - eine positive Wirkung hatte dieses Spielchen jedenfalls, sie spürte, wie ihre Wut auf den jungen Mann mit jedem Geschoss sank. Wären die Pfeile echt, sähe er inzwischen aus wie ein Stachelschwein. Sie kicherte leise. Vor ihr schwenkte Booker in eine Seitenstraße und nachdem er sie durch ein nicht enden wollendes Gewirr von engen Durchgängen und holprigen Pfaden geführt hatte, betraten sie wieder eine der viel genutzten Strassen und hatten einen direkten Blick auf den Raumhafen. Booker überprüfte unauffällig die Tricorder-Daten. "Laut der Anzeige müsste sich die Vorrichtung auf der uns gegenüberliegenden Seite des Geländes befinden."
"Also, in der Richtung, aus der das zweite Außenteam kommen sollte!"
"Richtig! - Ich werde o'Brien kontaktieren. Bis wir bei ihnen sind, sollten er und Pierson alle nötigen Informationen gesammelt haben, damit wir sofort zuschlagen können."
"Und falls wir keinen Erfolg haben, bleibt uns noch immer die Auktion!?"
Booker seufzte auf. "Korrekt. Aber hoffen wir, daß Plan A funktioniert." Er ließ eine Hand in seiner Tunika verschwinden und betätigte den Kommunikator. "O'Brien, hören Sie mich?"
"Klar und deutlich."
"Wie sieht's bei Ihnen aus?"
"Das Objekt scheint sich in einer der Lagerhallen auf der zu uns gewandten Seite des Raumhafens zu befinden, aber wir können noch nicht definitiv sagen in welcher."
"Beobachten Sie das Gelände weiterhin und versuchen Sie die genaue Position eventueller Wachen herauszufinden, wir kommen zu Ihnen und entscheiden dann über unsere weitere Vorgehensweise."
"Versta.... ooohh!" Das Signal brach unvermittelt ab.
"Soviel zu Plan A!" bemerkte Ta'Isha trocken.
Methos' Gesicht zeigte keinerlei Regung als er den zusammengesunkenen Körper des lockenköpfigen Ingenieurs betrachtete. Nachdem er den Kommunikator seines Begleiters zerstört hatte, ließ er mit einer geschmeidigen Bewegung den Phaser wieder unter seiner Tunika verschwinden. Langsam wandte er sich um und ein Lächeln erschien auf seinen Lippen, als ein blonder Mann aus dem Schatten heraus zu ihm trat. Die beiden Männer begrüssten sich mit einer brüderlichen Umarmung.
"Xyon, es tut gut dich zu sehen!"
"Methos, es ist mir wie immer eine Freude!" Die dunklen Augen des Neuankömmlings schweiften aufmerksam über das umliegende Gelände. "Ich schätze, das war's vorerst mit den Nettigkeiten. Wir sollten uns beeilen." Mit einem Kopfnicken wies er auf o'Brien. "Wie lange wird der da schlafen?"
"Der Phaser stand auf volle Betäubung - ich schätze, das reicht für mindestens eine halbe Stunde. So lange wird es auch dauern, bis die beiden anderen hier sind." Methos wirkte völlig entspannt.
"Dank deiner Nachricht traf ich bereits gestern hier ein und konnte mich umsehen." Der von Methos als Xyon angesprochene schien ebenfalls ruhig zu sein, doch konnte man in seinen Bewegungen und Blicken ständige Wachsamkeit erkennen. "Wir haben Glück, es scheint nur zwei Wachen zu geben - das dürfte also kein Problem ....."
"Und wenn es doch mehr als zwei sind?" fiel Methos ihm ins Wort.
Xyon lachte auf. "Wirst du ängstlich auf deine alten Tage? Kein Risiko, kein Spaß! - Nun lass' uns loslegen, bevor deine Freunde doch früher als erwartet hier auftauchen. ....Hier entlang!"
Ta'Ishas Herz hämmerte ihr bis zum Hals. Zum wiederholten Male musste sie ihren Lauf - bedingt durch ein kreuzendes Lasten-Fahrzeug - stoppen. Da der direkte Weg der schnellste zu sein schien, hatten sich Booker und Ta'Isha zu einem Sprint quer über das Gelände des Raumhafens entschlossen - dabei aber leider nicht die Flut von Transportfahrzeugen, Händlern und einsam rumstehenden Kisten bedacht, so daß sie sich bereits nach wenigen Metern in einer Art Hindernislauf befanden. Während ein Teil ihres Gehirns sich auf die Aufgabe konzentrierte, ihren Körper von jedweder Art fester Gegenstände fern und ihre Beine in Bewegung zu halten, beschäftigte sich ein anderer Teil mit der Ursache dieses Dauerlaufs. Es gab zwei Möglichkeiten ... nunja, eigentlich gab es unzählige Möglichkeiten - aber die wahrscheinlichsten waren, daß entweder beide Mitglieder des Teams außer Gefecht gesetzt worden waren oder Methos hatte Chief o'Brien mundtot gemacht. Beide Varianten fand Ta'Isha wenig berauschend. Welchen Grund sollte Methos gehabt haben, o' Brien zum schweigen zu bringen? Gut, sie fand diese dauernden ausschweifenden Erzählungen des Chiefs über die Nachbildung der "Schlacht um Alamo", die er gemeinsam mit Doc Bashir in mühevoller Kleinarbeit erstellen wollte, auch zutiefst langweilig, aber das war doch kein Grund... oder? Andererseits, was war wenn der Chief von einem fremdartigen Parasiten befallen war, der sich in das Gehirn seines Wirts einnistete und den Körper zu irgendwelchen abnormalen Handlungen zwang? Die Counselor drängte ihren Verstand, sich wieder auf das Gebiet der Logik zu begeben. Zu akzeptieren, daß Captain Dawson und sie sich in ihrem unsterblichen Freund getäuscht hatten, fiel ihr schwer. Aber undenkbar war es nicht.
Xyon schaute zufrieden auf die beiden perfekt verschnürten Ferengi zu seinen Füßen. "Siehst du, Methos, es waren nur zwei!"
Methos blickte sich etwas enttäuscht in dem kleinen Lagerraum um. "Hm. Eigentlich hätten sie uns kommen hören müssen."
"Wahrscheinlich sind wir einfach zu gut!" Xyon sah erwartungsvoll zu seinem Freund.
Methos reagierte prompt. "Jaaa, ich denke du hast recht!" Die beiden tauschten amüsierte Blicke und machten sich daran, die Tarnvorrichtung aus der unauffälligen Kiste zu heben. Nach wenigen Schritten setzte Xyon seine Seite ab. "So, ich denke das müsste reichen, Lyla wird imstande sein, das Signal zu erfassen. - Bist du sicher, daß du noch mit an Bord kommen willst, Methos?"
Der Unsterbliche nickte. "Auf diese Weise können wir die Vorrichtung schneller installieren und ich kann mir sicher sein, daß du wohlbehalten hier rauskommst."
"Na dann." Xyon betätigte seinen Kommunikator. "Lyla, mein Signal erfassen. Zwei Personen und ein Objekt an Bord beamen."
Der Befehl wurde ohne Verzögerung ausgeführt und die beiden Männer fanden sich an Bord eines kleinen Raumschiffes wieder. Xyon band sein langes Haar zurück und machte sich sofort daran, einige Abdeckungen im Maschinenraum zu entfernen, während Methos sich mit der Tarnvorrichtung beschäftigte. "Mit Lylas Hilfe könnten wir in einer Viertelstunde soweit sein, daß das Ding funktioniert", tönte es von Xyons Seite.
"Ich kann mir nicht vorstellen, wie du das anstellen willst. Die Vorrichtung ist zu komplex...."
"Mach' dir keine Gedanken, Methos, es muß nur solange funktionieren, bis ich genug Raum zwischen mich und die Starfleet-Schiffe gebracht habe. Um die Feinheiten kann ich mich auf meiner weiteren Reise kümmern. - Lyla? Hast du deine Datenbanken geprüft, kannst du uns bei den Anschlüssen helfen?"
Lyla, das in den Hauptcomputer des Schiffes integrierte biologische Bewusstsein, antwortete mit angenehmer Stimme. "Kein Problem Xyon, die erforderlichen Konfigurierungen meiner Schaltkreise sind in 12 Minuten und 17 Sekunden abgeschlossen - allerdings werden in dieser Zeit die Schutzschilde außer Funktion sein."
"Verstanden."
Methos zuckte die Schultern. "Und du wunderst dich, daß du gesucht wirst? Ich meine, du hast ihnen dieses Schiff unter dem Hintern weggekl..."
"Stop, sag' es nicht. Ich würde es eher so ausdrücken: Lyla war ein armes Versuchskaninchen - und ich, ich habe sie vor den bösen Professoren gerettet! Hm?"
"Ach, und was ist mit den Cardassianern, die hinter dir her sind?"
"Erzähle ich dir ein anderes Mal, ok? - Übrigens, Danke, für deine Hilfe, die Tarnvorrichtung... du weißt schon!"
"Seit wann seid ihr Xenexianer so sentimental? Xyon, du hast damals meinen Kopf gerettet - ich schulde dir mehr als eine läppische Tarnvorrichtung!"
"Ich glaube nicht, daß deine Starfleet-Freunde das so sehen!" Der blonde Mann mit den dunklen Augen blickte fragend zu Methos.
"Das Wichtigste für Starfleet ist, daß die Vorrichtung nicht dem Dominion in die Hände fällt - und das ist doch gewährleistet, schließlich liegt der Thallonianische Raum praktisch in der entgegengesetzten Richtung. Außerdem wird mir sicherlich eine plausible Geschichte einfallen." Er grinste breit. "Dann noch ein paar Bier, und schon kann man das Gras über die Sache wachsen hören!"
Xyon nickte, wohl wissend, daß sein Freund nicht so glimpflich davonkommen würde.
Stöhnend setzte Miles o'Brien sich auf, sein Kopf fühlte sich an wie nach dem letzten Blutwein-Gelage mit Worf. Verschwommen sah er zwei Gestalten vor sich, dann setzte die Erinnerung wieder ein. "Wo ist dieser Mistkerl?"
"Ganz ruhig, Chief, sie haben wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung! Den Rest klären wir später." Ta'Isha legte ihrem Kollegen beruhigend eine Hand auf die Schulter.
Booker zog eine Grimasse. "Das war ja klar, daß er mit seinem irischen Dickschädel ausgerechnet dort hinfallen mußte, wo diese Kiste steht."
"Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, daß sie ein unsensibler Mistkerl sind?"
"Das höre ich jedesmal, wenn ich die Frauen vor dem Frühstück rausschmeiße!"
Ta'Isha schluckte eine bissige Bemerkung hinunter und betätigte ihren Kommunikator. "Yazid an Explorer. Notfalltransport. Einen Verletzten direkt auf die Krankenstation. O'Briens Signal erfassen!"
"Explorer verstanden", erklang Dawsons Stimme und gleichzeitig entmaterialisierte sich Miles o'Brien.
"Captain, die Vorrichtung ist nicht mehr in Reichweite unserer Tricorder - können Sie uns neue Koordinaten geben?"
"Wir beamen Sie näher ran!" Es begann zu rauschen und zu knistern, dann waren nur noch einzelne Worte zu verstehen. "...Besuch....Cardass ....Störsignal.... beeil.. "
Der Raumhafen verschwamm vor Ta'Ishas Augen. Das Erste, was sie nach ihrer Rematerialisierung erblickte, waren sechs Cardassianer - mit dem Rücken zu ihr in weniger als 100 Metern Entfernung. Die als Verbündeten des Dominion bekannten Cardassianer befanden sich ziemlich genau auf der Hälfte der Distanz zwischen dem Starfleet-Team und einem kleinen Raumschiff. Instinktiv griff die Counselor nach Bookers Arm. Stumm bedeutete er ihr, Schutz hinter einer kleinen Felsformation zu suchen - vorsichtig schlichen sie über den Sand, immer mit der Angst im Nacken, einer der Cardassianer könnte sich umdrehen. Glücklicherweise blies der Wind aus Richtung des Schiffes - so konnten sie teilweise die Gespräche der Soldaten hören, mussten aber nicht befürchten, daß das leise Knirschen des Sandes unter ihren Schuhen Aufmerksamkeit erregte.
"Verdammt, wie konnte das passieren?" flüsterte Booker. "Sie können die Frequenz der Tarnvorrichtung nicht haben - das ist unmöglich!"
"Vielleicht haben sie es auf jemandem im Raumschiff abgesehen?" mutmaßte Ta'Isha und ahnte nicht, daß sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
In diesem Moment eröffneten die Cardassianer das Feuer.
Dawson streifte über die Brücke der Explorer wie ein Tiger im Käfig. Immer wieder blieb sein Blick an der Sensoren-Anzeige hängen. Bisher hatten die Cardassianer ihre Waffen noch nicht aktiviert. Konnte es sein, daß sie sich rein zufällig im Orbit von Cattra IV befanden?
"Ellison! Ich brauche die Verbindung zu unserem Außen-Team! Was ist mit dem Transporter?"
"Wir arbeiten daran, Sir!"
"Arbeiten Sie schneller!!"
"Ja, Sir!"
Cardassianer. Major Kira Nerys zog die Stirn in Falten. "Das fehlte noch zu meinem Glück!"
Ihre Spannung übertrug sich auf die gesamte Brücken-Crew. Jeder war sich der Verantwortung bewusst: ihr Schiff war der Schutzengel für die gering bewaffnete Explorer. Von der Aufmerksamkeit dieser Crew konnte das Leben vieler Menschen abhängen - und sie hatten nicht vor zu versagen.
"Major?"
"Stellen Sie sicher, daß die Waffen einsatzbereit sind, - aber vorerst halten wir Funkstille und warten ab! Jeder bleibt auf seinem Posten."
"Xyon, wir werden beschossen."
"Ich höre es Lyla! Starte die Triebwerke - wir müssen weg hier!" Xyon glitt hinter die Steuer-Konsole. "Funktioniert die Tarnvorrichtung?"
"Noch 2 Minuten und 15 Sekunden bis meine..."
"Ja, ist ja schon gut."
Methos setzte sich auf den freien Sessel neben Xyon. "Ich nehme an, ich werde dich noch ein Stück begleiten?"
"Möchtest Du lieber aussteigen?"
Eine neuerliche Erschütterung traf das Schiff. "Wir sind noch immer ohne Schutzschilde, wir sollten starten, Xyon!"
"Lyla, tue es einfach - oder brauchst du neuerdings alle Befehle schriftlich?"
Lyla schwieg beleidigt. Dann gewann das Schiff langsam an Höhe.
"Lyla, einen Kurs innerhalb der Atmosphäre programmieren solange bis die Tarnung aktiviert werden kann. Und schicke noch einen kleinen Abschiedsgruß an unsere Freunde dort unten."
Ta'Isha und Booker beobachteten den Start des Raumschiffs. Ihnen blieb nichts weiter zu tun, als sich zurückzuziehen und zu hoffen, daß die Defiant das Schiff beim Verlassen des Orbits würde abfangen können. Aus dem Augenwinkel sah Ta'Isha das Schiff kurz innehalten, dann explodierte der Sand um sie herum und sie verlor das Bewußtsein.
Booker sah vier Cardassianer tödlich getroffen zu Boden stürzen, als er bemerkte, daß Ta'Isha nicht mehr an seiner Seite war. Ihm blieb keine Zeit nach ihr zu suchen, denn die beiden unverletzten Mitglieder des cardassianischen Außen-Teams hatten ihn entdeckt und eröffneten sofort das Feuer. Ohne Deckung blieb ihm nichts anderes übrig, als das Feuer zu erwidern. Es gelang ihm ein direkter Treffer, bevor ein heißer Feuerstrahl seinen Phaser außer Gefecht setzte; ein weiterer Schuß in die Hüfte ließ ihn zu Boden gehen.
Dennis Booker wartete. Er wartete bereits seit fast 400 Jahren. Wartete auf das Ende. Sekunden wurden zu Stunden. Kleine Schweißtropfen perlten ihm über die Stirn, tanzten auf seinen Wimpern und verwischten seine Sicht. Er kniete angeschlagen auf der Erde, feuchter Sand klebte an seinen Fingern - sein Phaser außer Reichweite und sowieso defekt. Im Moment bewegte ihn nur eine einzige Frage: Warum benutzte sein Gegenüber nicht endlich die Waffe? Ein kurzer, gezielter Energiestoß auf maximaler Stufe und seine Atome würden sich in der Atmosphäre zerstreuen - das überlebte niemand, auch kein Unsterblicher. Er hatte es selbst gesehen .... zu oft. Nun endlich stand ihm der Tod bevor. Der letzte Tod. Nach unzähligen, qualvollen Momenten des Sterbens .... und den ebenso qualvollen Momenten des Wiedererwachens nun das endgültige Ende. - Erlösung.
Der Energiestrahl traf den Körper mit voller Wucht. Er schien kurz aufzuleuchten, bevor die Atome auseinander gesprengt wurden, dann war dort nur noch ein Nichts.
Ta'Isha wischte sich das Blut von der Stirn, ihr ganzer Körper schmerzte und dieser Sand - dieser verdammte Sand. Sie zwang sich, einen Fuß vor den anderen zu setzen und als sie ihr Ziel endlich erreicht hatte, ließ sie sich erschöpft auf den Boden sinken.
Trotz des Gefühls, ein Reibeisen in der Kehle zu haben, versuchte sie in ihrer Stimme eine gewisse Heiterkeit mitklingen zu lassen. "Haben sie was verloren? Oder warum stecken sie ihre Nase in den Sand?"
Dann trafen ein paar tiefbraune Augen ihren Blick. Booker richtete seinen Oberkörper auf, die Tunika zerrissen, das Gesicht durch ein Gemisch von Schweiß und Sand verkrustet, saß er einige Momente wortlos und schüttelte ungläubig den Kopf. "Konnten Sie mich nicht einfach sterben lassen?"
"Aber klar doch!" Die Counselor schnaubte empört. "Dennis Booker, unsterblich und lebensmüde, lässt sich mal eben von 'nem durchgedrehten Cardassianer atomisieren und damit sind alle Probleme gelöst?"
"Für mich schon!"
"Ha, typisch Mann! Für mich aber nicht!"
"Typisch Frau, kümmern Sie sich doch um ihren eigenen Kram!" konterte der junge Unsterbliche.
"Das werde ich tun, sobald Sie mir erzählt haben, was auf der Erde im 20. Jahrhundert zwischen ihnen und Methos vorgefallen ist."
"Oha, neugierig sind Sie also auch noch .... Sie.... " Die letzten Worte verhallten ungehört, als beide vom Transporterstrahl der Explorer erfasst wurden.
Kira hörte noch immer Dawsons Stimme. "Das cardassianische Außen-Team ist ausgelöscht, wir wissen nicht, was sie ihrem Schiff noch mitteilen konnten." Sie hörte die Worte wie in einer Endlos-Schleife immer und immer wieder. Es war als wagte die Crew kaum zu atmen. Alle warteten und starrten auf die Sensoren-Anzeigen.
Dann dröhnte Worf's Stimme durch die Stille. "Sie erfassen die Explorer und aktivieren die Waffen!"
"Sie haben uns erfasst!"
"Alarmstufe Rot - auf den Einschlag vorbereiten!"
Captain James Dawson stand regungslos auf der Brücke und blickte seinem Schicksal entgegen.
"Tarnung fallen lassen - und FEUER!"
Tausende Gedanken schienen durch seinen Kopf zu rasen. Die Verantwortung für die vielen Leben an Bord war am eindringlichsten. Es war ihm, als könne er den Torpedo auf die Explorer zukommen sehen. Doch im nächsten Augenblick verwandelte sich das cardassianische Schiff in einen Feuerball.
"Lieutenant Ellison - übermitteln sie der Crew der Defiant unseren herzlichsten Dank! - Und beenden sie Alarmstufe Rot."
Mit der Souveränität, die allen Captains der Sternenflotte zu eigen war, überspielte er seine Erleichterung und verließ die Brücke.
Nach dem obligatorischen Besuch auf der Krankenstation, trafen Booker und Ta'Isha in Captain Dawsons Bereitschaftsraum wieder aufeinander. Der Unsterbliche schien sich mit seiner Situation abgefunden zu haben und reichte der Counselor die Hand. "Ich sollte mich wohl bei Ihnen bedanken, - Sie wussten ja nicht...."
"Klar, ich bin ja auch nur eine Frau, eine sterbliche noch dazu, wie sollte ich auch!?" Ta'Ishas Antwort entlockte ihrem Gegenüber ein Grinsen.
Dawson blickte seinerseits etwas verwirrt, entschloss sich aber, besser nicht nachzuhaken. Zielstrebig ging er zu einem der Fenster und sah hinaus in die unendliche Weite des Alls, in die sich ein getarntes Schiff in der Hitze des Gefechts geflüchtet hatte. Plötzlich bemerkte er die Wärme der Counselor neben sich und spürte die unausgesprochene Frage. Dawson gönnte sich den Luxus, seine Gedanken noch einen weiteren Moment schweifen zu lassen, dann flüsterte er: "Ich hoffe für Methos, er hat eine gute Erklärung parat, wenn ich ihn wieder in die Finger kriege!"
Ende
Du bist der
2621. Leser dieser Geschichte.