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Red Moon© by Natascha/Norynia ()
Und immer noch frage ich mich, ob ich das Richtige getan habe. Vielleicht hätte ich ihnen den Kartenschlüssel doch nicht geben dürfen. Ich weiß, es war dein Wunsch, sie nur aufzuhalten, egal wie lange. Ihre Ankunft einfach nur etwas hinauszuzögern, und ich habe dir diese Bitte erfüllt. Du zähltest auf mich. Dennoch... ich frage mich, ob es richtig so war. Vielleicht hast du geahnt, was passieren könnte, vielleicht aber auch nicht. Ich habe es nie geschafft, deine Gedankengänge zu ergründen, hinter diese Maske zu blicken, die ein Teil von dir schien. Du hast mir oft mehr erzählt, als ich eigentlich wissen wollte, doch manche Dinge, Details, hast du verschwiegen. Dinge, über die ich mir jetzt Gedanken mache, die ich selbst herauszufinden versuche. Wie jetzt, wenn ich zum Himmel blicke und den Mond betrachte. Darauf warte, dass er sich rot färbt. Doch das tut er nicht mehr. Alles in mir sträubt sich gegen das vermeintliche Wissen, dass es nun für immer vorbei sein soll, hofft darauf, dass dieses Wissen falsch ist. Dass ich dich wiedersehen werde. Egal wann, egal wo, aber eines Tages. Bestimmt.
Ich habe dich oft für deine Art gehasst. Dass du dich - wenn du dich verabschiedet hast - es auf eine endgültige Art und Weise tatest. Es hat mir weh getan, und das tut es immer noch. Doch Hass wird mich nicht besiegen. Und erst recht nicht meine Liebe. Musste sie doch schon so viel durch dich ertragen, und ist sie dadurch doch nur noch stärker und unsterblich geworden. Du wußtest, was ich für dich empfunden habe, immer noch empfinde. Doch du hast diese Liebe nicht mit mir geteilt. Deine einem anderen geschenkt. Oder ihn mit dieser Liebe verflucht. Man kann es sehen, wie man will. Für mich wäre sie ein Geschenk gewesen, doch damit, dass du sie mir vorenthieltst, hast du mich verflucht. Eben mit der Tatsache, unerfüllt zu bleiben. Doch ich habe diesen Fluch bekämpft, indem ich meine Erwartungen zurückgeschraubt habe, indem ich nicht mehr auf deine Liebe, sondern nur auf deine pure Anwesenheit gehofft habe. Auch wenn es weh tat. Ich bin ein starker Mann. Bin es schon immer gewesen. Meine einzige Schwäche liegt in meiner Liebe zu dir. Du bist nicht wegen mir nach Kyoto gekommen. Noch nie. Du kamst nur wegen der geistigen Energie und der beruhigenden Wirkung, die dieser Ort auf dich hatte. Zumindest hast du das gesagt. Aber besser ausgedrückt kamst du nur, wenn du etwas vorhattest. Ich habe immer versucht, mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr mich das doch verletzte. Meine Gefühle darauf gelenkt, dass du immerhin da warst. In meiner Nähe. Es kam ja schließlich selten genug vor. Und solange nicht dieser endgültige Abschied kam, für den ich dich innerlich immer wieder verflucht hatte, wußte ich, dass du in absehbarer Zeit zurückgekommen würdest. Oft mein einziges Glück in dieser schmerzhaften Situation. Und jedesmal habe ich auf deine Rückkehr gewartet. Egal, wie lange es dauerte. Selbst nachts, wenn mich die Müdigkeit befiel und zum Aufgegeben zwingen wollte. Ich habe nie aufgegeben. Es wäre eine Schwäche gewesen, und ich bin nicht schwach. Außer in dem Punkt, nie von dir losgekommen zu sein. Aber vielleicht wollte ich das auch gar nicht wirklich. Ich bin einfach nur wach geblieben und habe gelauscht. Auf jedes Geräusch, das dich hätte verraten können. Ich musste mich sehr konzentrieren, denn du verstehst es, lautlos zu erscheinen und genauso geräuschlos wieder zu verschwinden. Doch ich musste dich nicht hören, um zu wissen, dass du da bist. Ich konnte es spüren und jedesmal hat es mich glücklich gemacht. Denn dann bist du zu mir zurückgekehrt. Unwichtig wie lange es auch andauern mochte.
Ich weiß noch, als du an diesem einen Morgen zu mir in den Garten kamst und mir beim Training zugesehen hast. Lautlos und fast unbemerkt. Ich habe dich bemerkt. Habe ich doch immer all meine Sinne auf dich gelenkt. Du fragtest, ob es eine morgendliche Übung wäre, und ich antwortete mit Ja. So war es auch, schon immer und immer noch. Das, zusammen mit dem Nachdenken über die Träume, die ich von dir habe. Jeden Tag, jede Nacht. Ein Teil meines Lebens. Ich habe dir nie deutlich gezeigt, was ich für dich empfinde. Vielleicht einmal, vor langer Zeit. Aber seitdem... ich war immer für dich da, wenn du mich gebraucht hast. Habe alles getan, was du von mir verlangt hast. Ich habe das alles für dich getan, Muraki. Wie man es von einem guten Freund erwarten kann, und ich würde es jeder Zeit wieder tun. Nur für dich. Ich kenne keinen anderen Menschen, der solch eine Faszination ausstrahlt wie du. Der so schön und mysteriös ist wie du. Und so verrückt. Nein, ich kann nicht glauben, dass das wirklich das Ende sein soll. Kann nicht glauben, dass es eine Hand voll Shinigami wirklich geschafft haben soll, dich zu vernichten, oder auch nur einer davon. Oder war deine Liebe zu diesem Mann so stark, dass auch du Schwäche gezeigt hast? Schwach geworden bist? Du, der so etwas nicht zu kennen schien? Jeder Verrückte hat einen Grund für das, was er tut. War es bei dir wirklich die Liebe? Wundern sollte es mich eigentlich nicht, nicht bei dir. Dich wirklich zu verstehen ist unmöglich. Und selbst, wenn ich es damals, vor langer Zeit mal versucht hatte, habe ich bald mit dem Wissen aufgegeben, es nicht zu schaffen. Dich so akzeptiert, wie du nun einmal bist. Dich so geliebt. Warum habe ich nur jemanden wie dich als Freund? Jemanden, der mir durch seine Art mehr weh tut als mich glücklich macht? Aber wir können uns die Menschen, die wir lieben, nun einmal nicht aussuchen. Gefühle nicht immer kontrollieren, dafür aber verbergen. Auch wenn ich zugeben muss, es bei dir nicht immer geschafft zu haben. Spätestens, als du mich gebeten hast, die Shinigami mit dem Kartenschlüssel aufzuhalten, und dich verabschiedet hattest, war es mit meiner Selbstbeherrschung vorbei. Habe ich dir zuerst befohlen, dann dich angefleht, es nicht zu tun, nicht zu gehen. Wie ein kleines Kind an seine sterbende Mutter habe ich mich an dich geklammert und geweint. So versucht, dich am Gehen zu hindern. Doch du hast dich davon nicht beeindrucken lassen. Dich damit entschuldigt, dass dies ein Verhalten wäre, das dir irgendwann einmal einprogrammiert wurde. Als ob du eine Maschine wärst, deren Handlungen von den Menschen abhängt, die dich erschufen, oder formten. Du bist keine Maschine, Muraki. Du bist ein Mensch, der selbst handelt. Der selbst für das verantwortlich ist, was er tut. Der so gesehen, so behandelt, und so geliebt wird. Das bist du, und nichts anderes. Aber ich werde dir nicht vorschreiben, was du zu tun hast, oder wie du zu leben hast. Weiß ich doch, dass du nicht auf mich hören würdest. Hast du es noch nicht einmal getan, als ich dich auf Knien anflehte. Ich habe mich dir nie aufgedrängt, und auch in diesem Moment habe ich dich gehen lassen, als du mich abgewiesen hast. Als du gesehen hattest, welchen Einfluß du doch auf mich hast. In diesem Moment habe ich dir das gezeigt, von dem ich tief in meinem Inneren immer wollte, dass du es siehst, jedoch zu stolz war, es dir wirklich zu offenbaren. Jetzt ist es zu spät. Du hast es gesehen, und du bist gegangen. Hast mich zurückgelassen. Du bist ein sehr rücksichtsloser Mensch. Ich wußte das schon immer. Doch ich weiß bis heute nicht, warum du so bist. Nicht wirklich. Und vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Meinen Geist nicht weiter mit Zweifel vergiften und schöne Erinnerungen wahren. Denn die gab es auch. Und diese gilt es heraus zu filtern. Meiner Liebe Nahrung zu geben. Stirbt meine Liebe, sterbe auch ich. Dies gilt es zu verhindern. Am Leben zu bleiben und auf dich zu warten. Denn ich weiß, du wirst zurückkommen, wie immer. Wenn auch nicht wegen mir, so wirst du dennoch diesen Weg finden. Dann werde ich hier sein. Hier in Kyoto, im Ko Kaku Ro. Und jede Nacht werde ich wie jetzt zum Himmel blicken und den Mond beobachten. Und wie jede Nacht seit deinem Abschied werde ich darauf warten, dass er sich rot färbt.
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