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Duncan ließ sich vor der Apartmenttür nieder - keiner da; ausgerechnet jetzt, wo er sich wie ein Häufchen Elend fühlte. Seit Kronos war das echt das elendste Quickening - obwohl ... Er überlegte kurz. Nein, das war das elendste Quickening überhaupt in seinem Leben. Ebenso elend, wie der Unsterbliche, von dem es stammte und der heute in Joes Bar aufgetaucht war. Kaum hatte er sich gemütlich niedergelassen und genoss seinen Scotch, spürte er auch schon die Präsens. Allein das Aussehen des Unsterblichen war bedauerlich, aber zu allem Überfluss ließ er sich bei Duncan nieder und statt ihn zum Duell zu fordern, erzählte er ihm seine überaus bedauerliche Lebensgeschichte. Wie Duncan feststellte, war er durch und durch pessimistisch eingestellt und hielt es deshalb für klug zu schweigen und nur ab und zu zustimmend zu nicken. Innerhalb kürzester Zeit hatte der Typ doch Tatsache zwei Flaschen Wodka in sich hineingeschüttet. Dann forderte er Duncan auf, mit ihm zu kommen, lallte irgend etwas von wegen, dass er ihm etwas zeigen wollte, aber Duncan wusste nur zu gut, was kommen sollte und alles gute Zureden konnte es nicht abwenden. Es dauerte nicht einmal eine Minute und Duncan hatte dem betrunkenen Unsterblichen den Kopf von der Schulter getrennt. Das Quickening war nicht besonders stark, aber dafür äußerst depressiv. Und nun saß er vor Methos' Tür um sich dieses grauenvolle Gefühl von der Seele zu reden. Egal, was in den Weihnachtsfeiertagen geschehen war, er musste mit Methos reden. Aber der war nicht da.
Methos schlenderte durch die Straßen. Er hatte es geschafft. Eine Woche, fast eine ganze Woche war er dem Schotten schon nicht über den Weg gelaufen. Er hatte alle Orte gemieden, die in irgendeiner Beziehung mit ihm standen. Auch Joe hatte er nicht besucht - gerade Joe nicht. Selbst sein Handy hatte er abgestellt, er war für niemanden zu erreichen. In seinem Überschwang hatte er sogar diesem komischen Typen den Kopf gelassen, der ihn am Vormittag genervt hatte. An anderen Tagen hätte er das nervige Gequassel auf seine eigene Art und Weise abgestellt, aber so hatte er sich aus dem Staub gemacht und den Typen einfach stehen lassen. Er hatte die erholsame Zeit damit verbracht, durch die verschneiten Straßen von Paris zu laufen und nachzudenken, über die letzten Tage; das Weihnachtsbaumschlagen, die Weihnachtsfeier, der Brunch bei Duncan und die Zeiträume, die dazwischen lagen. Die zarten Berührungen und Küsse kamen ihn immer wieder in den Sinn und dass er versprochen hatte, sich bei Duncan zu melden. Das würde er auch tun, aber nicht vor Morgen, so viel Zeit brauchte er mindestens noch um seine Gedanken zu ordnen und das Erlebte richtig zu analysieren und über die Zukunft zu entscheiden. Keine Frage, das, was sich zwischen ihm und Duncan abgespielt hatte, war mit echten Gefühlen, aber wie tief gingen die? Waren sie stark genug, für das, was die Zukunft bot? Der Himmel begann sich zu verdunkeln und kündigte einen neuen Schneeschauer an. Methos zog den Mantel etwas enger und machte sich auf den Weg nach Hause. Als er dort ankam, seufzte er. Noch bevor er ihn sah, spürte er seine Präsens. Er hatte doch gesagt, dass er sich melden würde. Warum war er gekommen? Dann sah er ihn vor der Tür sitzen und das Blut wich aus seinem Gesicht. Ohne lange nachzudenken, hockte er sich neben Duncan und schüttelte ihn an der Schulter. "Mac!" Nur langsam kam Bewegung in den Schotten und er blickte zu ihm auf. "Methos." Methos spürte das Zittern unter seiner Hand. "Was machst du denn hier draußen?" Er konnte einen leisen Vorwurf in seiner Stimme nicht unterdrücken. Bevor Duncan antworten konnte, zog Methos ihn auf die Beine und hielt ihn in seinen Armen. "Was ist denn passiert? Du kannst dich ja nicht mal mehr auf den Beinen halten." Duncan lehnte seinen Kopf an Methos' Schulter. Ihm war übel, alles drehte sich um ihn und er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Er wusste nur, dass Methos da war. Methos schaffte Duncan ins Apartment und direkt auf die Couch. Der Schotte war leichenblass und die Augen matt, er zitterte am ganzen Körper. Er kniete sich vor ihn und schob den Mantel über die Schultern zurück. Dann zog er den Pullover und die Schuhe aus. Er legte eine Decke um den klammen Körper und schloss ihn in seine Arme. "Was ist passiert?" Aber die einzige Antwort war ein leises Schluchzen und zwei Arme, die sich um seine Schultern legten. Er holte tief Luft. Dann wand er sich aus Duncans Umarmung, stand auf und zog den Highlander auf die Beine. "Komm, du solltest dich erst einmal aufwärmen!" Mit diesen Worten schaffte er ihn in sein Bett und deckte ihn zu. "Ruh dich aus!" Als er den Schlafbereich verließ, schüttelte er den Kopf. Das war genau das, was er nun überhaupt nicht gewollt hatte, den Highlander in seiner Nähe, noch dazu in seinem Bett - nicht heute. Aber wenigstens schlief er jetzt erst einmal. Methos holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank, suchte sich ein Buch aus dem Regal und ließ sich auf die Couch fallen. Das war es, was er mal wieder brauchte, eine gute Lektüre am Abend und dazu ein kühles Bier. Fehlte nur noch ... eine Pizza. Er ging zum Telefon. Als er den Hörer von der Gabel nahm, wunderte er sich etwas. Die Leitung war tot. Dann fiel ihm ein, dass er den Stecker gezogen hatte. Als er ihn wieder eingesteckt hatte, bestellte er die Pizza und zog den Stecker anschließend gleich wieder raus. Kurz darauf klopfte es bereits an der Tür. Mit der Pizza kehrte er zu Couch, Buch und Sixpack zurück und genoss die Ruhe. Es war schon Ewigkeiten nicht mehr so ruhig beim ihm gewesen. Irgendeine Anspannung und irgendein Geräusch waren immer da, aber nun war es vollkommen ruhig. Er hatte keine zehn Seiten gelesen, als er das Buch auch schon wieder zur Seite legte und nachdenklich an seinem Bier nippte. Was trieb den Highlander nur dazu scheinbar eine halbe Ewigkeit vor seinem Apartment zu warten? Und warum war er so deprimiert? Einen Moment später dämmerte es ihm. Er stellte das Bier ab. Klar! Der Schotte war sicher auch diesem seltsamen Typen über den Weg gelaufen und hatte sich auf ein Duell eingelassen. Und das Quickening dieses Typen war sicher elendst. Methos lehnte sich wieder zurück. Aber warum kam er deshalb zu ihm? Er hätte doch auch zu Joe gehen können oder zu Richie. Ungeduldig schob er die Gedanken beiseite und griff wieder nach seinem Buch. Die Fragen würden sich schon früh genug klären und bis dahin wollte er seine Pizza in Ruhe genießen.
Duncan nahm ein dämmriges Licht im Wohnraum wahr, als er die Augen öffnete. Die Präsens des ältesten war beruhigend und auch das grauenvolle Gefühl war verschwunden. Er richtete sich auf und ließ seinen Blick zur Couch schweifen. Methos lag ausgestreckt darauf, ein Arm auf dem Kopf, der andere herabhängend. Davor standen ein paar Büchsen Bier, ein Buch, das wahrscheinlich heruntergefallen war und etwas, das wie ein Pizzakarton aussah. Plötzlich kam Duncan ein Gedanke. Was tat er bei Methos? Er hatte sich doch entschlossen, nicht länger zu warten und nach Hause zu gehen. Oder hatte er das nur geträumt? Es schien so, denn dass er in Methos' Bett lag, schien Beweis genug dafür. Dann war es also kein Traum, dass Methos ihn in die Arme genommen hatte und gefragt hat, was passiert ist. 'Nun mach mal halblang! Das ist nicht bewiesen!' Duncan warf die Decke beiseite und stand auf. Etwas schwankend schritt er zu Methos' kleiner Bar. Er brauchte dringend einen Scotch oder einen Whisky. Er fand das Gewünschte. Mit dem Glas ging er zum Fenster. Das Schneetreiben in den Straßen war dicht und man konnte kaum fünf Meter weit sehen, aber es war seltsam beruhigend. Duncan blickte hinaus. Um ihn war es ruhig, alles schwieg. Nur seinen Puls hörte er in seinen Adern rauschen. Er schloss die Augen und spürte eine angenehme, fast berauschende Wärme in sich aufsteigen; Gelassenheit, Frieden, Vertrautheit. Langsam und bedächtig füllten und leerten sich seine Lungen. Er tat nichts, stand nur da und fühlte die Ruhe. Tiefe, fast vergessene Erinnerungen kehrten wieder. Damals, als Junge war er durch die Highlands gestrichen auf der Jagd nach Wild. Einmal kam er zu einem Berg, den er bestieg. Von dort konnte er weit über das Land sehen und nur der Wind war seine Gesellschaft, der Wind allein durchbrach die Stille und als er verebbte, schwebte eine unglaubliche Ruhe über ihm und dem Berg. Er schloss die Augen und atmete, atmete langsam und leise, nur sein Blut rauschte in seinen Adern. Er war nie dorthin zurückgekehrt. Jetzt in diesem Moment spürte er wieder die wilde Stille des Hochlands, in dem Sturm, der in den Straßen fegte. Er spürte die Ruhe und den Frieden und die unglaubliche Kraft, die darin lag. Lange stand er am Fenster und sah hinaus. Die Nacht war weit fortgeschritten und die fahlen Lichter der Laternen wirkten wie Glühwürmchen im ewig dunklen All, machtlos es zu erhellen. Doch etwas anderes erhellte, in ihm, ein Gefühl, ein Gespür. Die vertraute Präsens machte sich deutlich bemerkbar, zerrte ihn aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit.
Methos streckte sich. Sein Hals war schmerzlich verkrampft und er spürte scheinbar jeden seiner Knochen. Er rieb seinen Nacken und blickte sich um. Sein Bett war leer, aber der, der darin gelegen hatte, musste noch da sein. Er spürte ihn deutlich, also ließ er seinen Blick wandern und stoppte am Fenster, wo ein gedankenverlorener Schotte auf das draußen wütende Schneechaos blickte. Wie es nicht anders sein konnte, hielt er einen Drink in der Hand. Der Älteste raffte sich auf und gähnte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es kurz vor Mitternacht war und der Schotte stand an seinem Fenster. Er an seiner Stelle würde lieber im Bett liegen. 'Was interessiert es dich, was der Schotte tut? Er hat eh seinen eigenen Kopf!' "Alles in Ordnung?" Duncan schaute ihn an. Sein Lächeln verunglückte kläglich, aber Methos wusste es zu schätzen, dass er keinen Trübsal blies. "Ich habe nur etwas nachgedacht!" Methos schwieg. Was blieb da noch zu sagen? Sein Blick traf sich mit Duncans. 'Schotte, du bist ein einziges Rätsel!' "Wie geht es dir?" "Gut, danke." Duncan senkte den Blick. "Ich hatte gedacht, dass ich nach Hause gegangen bin." Methos nickte still. "Sag mal, war das dieser komische Typ?" 'Tolle Beschreibung!' "Ja, er hatte es wirklich drauf angelegt. Hat mich beinahe erwischt, war aber zu betrunken." "Dann hast du wohl tierisches Glück gehabt!?!" "Kann man sagen." Duncan überlegte einen Moment. "Aber woher weißt du von ihm?" Methos zuckte die Schultern. "Er hat mich angequatscht und irgend etwas gelabert. Hab ihn stehen lassen." Er blickte auf. "Er war bei Joe", beantwortete Duncan die Frage, die in Methos' Augen geschrieben stand. "Hat mir seine Lebensgeschichte erzählt und dabei zwei Flaschen Wodka getrunken." Er lachte trocken. "Bei dem Lebenslauf hätte ich die auch vertragen können." Methos sah Duncan an. Er wirkte ausgelaugt und müde. Er konnte dem Drang nicht widerstehen, zu ihm hinüber zu gehen und ihm direkt in die Augen zu sehen. Mit einer Hand fuhr er durch das dunkle Haar des Schotten. "Du solltest dich wieder schlafen legen. Du siehst erschöpft aus." Seine Hand ruhte an Duncans Wange, die sich sanft in sie hineinschmiegte. Die andere Hand griff nach dem Glas und entwand es ohne Probleme den widerstandslosen Fingern des Gegenübers. Er stellte es beiseite und fasste nach Duncans Hand, der sich ohne Kommentar zum Bett führen ließ und sich dort niederließ. Methos hockte sich vor Duncan und umfasste dessen Gesicht mit seinen Hände. Ihre Blicke trafen sich. "Highlander, was machst du mit mir?", fragte er mit erstickender Stimme. "Was tust du mir an?" Er sah Duncans fragenden Blick. "Warum? Warum lässt du mein Herz nicht mehr zur Ruhe kommen?" Er stockte, rang mit Worten. "Duncan, was immer auch geschehen mag, ich kann es nicht mehr ertragen, ich muss es dir sagen. Auch wenn du mich dann wieder von dir stößt wie damals, aber ich kann es nicht mehr ertragen. Ich liebe dich." Als keine Reaktion kam, holte er noch einmal tief Luft. "Hörst du? Ich habe mich in dich verliebt, Schotte!"
Duncan schluckte. Mit einem Mal raste sein Puls. Er fand keine Worte auf das Gehörte. Er ließ sich einfach von der Bettkante rutschen und umarmte Methos. Nach einer scheinbaren Ewigkeit fand er seine Sprache wieder. "Ich liebe dich auch." Mehr gab es nicht zu sagen, sie lagen sich einfach in den Armen.
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