|
Der Schläfer© by Lady Charena ()
Jim Kirk schien diesen Optimismus nicht gerade zu teilen. Doch er schwieg und starrte an seinem CMO vorbei an die Wand. "Warum legst du dich nicht hin und erzählst dem Onkel Doktor, was passiert ist?" Doch nicht einmal der Sarkasmus des Arztes rief eine Reaktion hervor. "Ich bin kein Kind, Doktor", schnappte Kirk zurück. "Dann hör' verdammt noch mal auch auf, dich wie eines zu benehmen. Und erzähl' mir endlich, was los ist. Der Ausschlag kommt von einer Art Nesselfieber. Du musst mit irgend etwas giftigem in Berührung gekommen sein. Hat dich ein Insekt gestochen - oder hast du irgendwelche Pflanzen angefasst?" "Ich weiß es nicht, Pille. Gib' mir endlich diese Spritze, damit ich wieder an die Arbeit gehen kann." "Hmmh...", McCoy musterte seinen widerspenstigen Captain, der nach wie vor vermied, ihn anzusehen. "Das mit dem Arbeiten wird nichts." Kirks Kopf ruckte hoch. "Wieso nicht?", fragte er scharf. Der Arzt lächelte unschuldig. "Sieh' mal, dieses Medikament ist zwar sehr wirksam, es hat jedoch eine kleine Nebenwirkung - du wirst einige Stunden schlafen. Spock hat ohnehin das Kommando und ich denke, er wird mit Sandoval jetzt auch alleine klar kommen." Jim sank erleichtert zurück, doch über sein Gesicht flog bei der Erwähnung der Kolonisten erneut ein Schatten. "Schlafen? Ist das alles?" Er rollte seinen Ärmel hoch. "Na los, verpass' mir das Ding schon. Ich habe in letzter Zeit ohnehin nicht gut geschlafen." Mit leisem Zischen entlud sich die Injektion in seinen Körper. "Dann gehe ich mal in meine Kabine." Doch als der Captain der Enterprise aufstehen wollte, gaben seine Knie nach. Er gähnte und sank zurück. "Du hast mir...", er gähnte, " ...gar nicht gesagt, dass das Zeug so schnell wirkt..." "Tut es normalerweise auch nicht", meinte McCoy stirnrunzelnd. "Aber dann schläfst du eben hier. Ich sorge schon dafür, dass du nicht gestört wirst. Jim?" Unverständliches Murmeln antwortete ihm. Jim hatte es sich auf der schmalen Untersuchungsliege bequem gemacht und schlief bereits. Kopfschüttelnd holte der Arzt eine Decke und breitete sie über den Schlafenden. "... und schon ist er weg... muss wohl wirklich wenig Schlaf gekriegt haben, in den letzten Tagen...", murmelte er vor sich hin.
Er wollte eigentlich gerade gehen, als er sich noch einmal umwandte und seinen Freund gründlich musterte. Es war ihm in der Tat schon aufgefallen, dass sich Jim in den letzten Wochen seltsam verhalten hatte - er war übellaunig und hatte sogar Spock zusammengestaucht, auf der Brücke vor versammelter Mannschaft. Und er hielt sich seit neuestem sogar an den McCoy'schen Diätplan. Jim hatte jedoch jedes Angebot des Arztes zu einem Gespräch ausgeschlagen. Nach einigem Bohren von Seiten McCoys war Spock schließlich damit herausgerückt, dass auch ihr gemeinsames Schachspiel gestrichen worden war. Nachdenklich kehrte er an die Untersuchungsliege zurück.
Jim und er hatten gelegentlich in der Vergangenheit ein und dasselbe Quartier geteilt und er wusste daher, dass Jim üblicherweise nur flach und unruhig schlief. Und die Angewohnheit pflegte, im Schlaf zu sprechen. Mit etwas Ermunterung würde er vielleicht sogar über das plaudern, was ihn bedrückte. Es war sicherlich nicht ganz in Ordnung, das zu tun, doch im Moment überwog die Sorge um den Freund sein Gewissen. Der Arzt stellte sich einen Stuhl an das Kopfende des Bettes und setzte sich. Zur Sicherheit wartete er noch einige Minuten ab. Dann beugte er sich über den Schläfer. "Jim?", fragte er leise. Kirk bewegte sich etwas, doch er schlief weiter. "Jim, warum erzählst du mir nicht, was passiert ist?" McCoy beugte sich gespannt weiter vor, als sein Captain tatsächlich etwas vor sich hinmurmelte. "Spock?", wiederholte der Arzt. So hatte es zumindest geklungen... "Was ist mit Spock?", erkundigte er sich. "... ihn gesehn'... mit Leila..." "Du hast also Spock und Leila gesehen?", ermutigte ihn McCoy zum Weitersprechen. "Wo?" "...da unten..." Offensichtlich meinte er damit Omicron Ceti III. "Und haben dich die beiden auch gesehen?" Jim bewegte sich unruhig auf der Liege und McCoy hielt den Atem an. Doch er schlief weiter. "Haben sie dich auch gesehen, Jim?" "... nein... versteckt... war hinter den Büschen..." Ah, das erklärte dann wohl das Nesselfieber. Allerdings wusste er jetzt noch immer nicht, was...
"Doktor McCoy?" Der Arzt fuhr hoch und herum. Spock stand im Eingang des Untersuchungszimmers und betrachtete ihn mit erhobener Braue. McCoy räusperte sich. "Was kann ich für Sie tun, Mr. Spock?" Der Vulkanier blickte zur Untersuchungsliege. "Wie geht es dem Captain?", erkundigte er sich leise. "Oh, Jim ist in Ordnung. Ich habe ihm etwas gegen das Fieber und den Ausschlag gegeben. Er schläft jetzt." Spock nickte, doch seine Augen verließen den Schlafenden nicht. "Die Kolonisten sind für Ihre Untersuchung bereit." "Wieso Untersuchung? Ich habe jeden von ihnen bereits auf dem Planeten untersucht", protestierte der Arzt. Der Vulkanier wandte sich ihm zu. "Doktor McCoy, ich muss Ihnen nicht die Vorschriften erklären", erwiderte er kühl. "Während Ihrer ersten Untersuchung befanden sich die Kolonisten noch unter dem Einfluss der Sporen." McCoy hob abwehrend die Hände. "Schon gut, schon gut." Er griff nach seinem Scanner, der sich noch auf der Ablage neben der Liege befand und wandte sich zum Gehen. "Kommen Sie nicht mit?", fragte er, als der Vulkanier an der Tür stehen blieb. "Ich denke nicht, dass Sie mich benötigen, um eine medizinische Untersuchung vorzunehmen. Ich schlage vor, Sie wenden sich dazu an Schwester Chapel." "Besten Dank für diesen wertvollen Hinweis", giftete der Arzt zurück und verschwand durch die Tür.
Der Vulkanier blieb noch einen Moment lang unschlüssig stehen, dann setzte er sich auf den Stuhl, den McCoy freigemacht hatte. Zögernd streckte er eine Hand aus und berührte mit den Fingerspitzen die kühle Wange seines Captains. "Jim...", meinte er leise. Der Mensch bewegte sich unruhig und Spock zog hastig seine Hand zurück. Doch Jim schlief weiter. Nach ein paar Minuten stand der Vulkanier wieder auf und wandte sich zum Gehen. Er hatte nicht noch einmal gewagt, seinen Captain zu berühren. "Spock..." In der Annahme, Jim wäre aufgewacht, drehte Spock sich um. Doch die Augen des Menschen waren nach wie vor geschlossen, der Rhythmus seines Atmens langsam und gleichmäßig. Eine steile Furche erschien auf der glatten Stirn des Vulkaniers und er kehrte an die Liege zurück. Träumte Jim? Er wusste, dass Menschen dazu neigten, während dieses Zustandes manchmal zu sprechen. Und dass er den Namen des Vulkaniers verwendet hatte, deutete darauf hin, dass er von ihm träumte. Vielleicht konnte er so erfahren, was seinen Captain belastete... Andererseits sträubte sich alles in ihm dagegen, seinen Freund in einem derart intimen Moment zu belauschen. Doch Kirk nahm ihm unbewusst die Entscheidung ab. "Spock... nicht..." Der Vulkanier ließ sich erneut am Kopfende der Untersuchungsliege nieder und beugte sich über den Schlafenden. "Ich bin hier, Jim", sagte er leise. Jim lächelte im Schlaf. Sein Gesicht wirkte nun mehr entspannt, als Spock es seit einigen Wochen gesehen hatte. "Spock... nicht Leila, ich..." Ein Ausdruck von Schmerz legte sich über die vertrauten Züge. "Nicht sie..." Der Vulkanier setzte sich auf. Seine "Affäre" mit Leila Kalomi, während er unter dem Einfluss der Sporen stand... Er fühlte eine völlig unvulkanische Verlegenheit in sich aufsteigen. Seinen Captain und... Freund... derart zu betrügen. "Warum mit ihr..." Jims Stimme unterbrach seine Gedanken und er beugte sich erneut vor, um die nur gemurmelten Worte zu verstehen. "Sie..." Der Mensch bewegte sich unruhig hin und her und Spock hielt tatsächlich den Atem an, bis Jim sich wieder beruhigt hatte. "... liebt dich nicht..." Diese Bemerkung verwirrte den Vulkanier vollends. Was wusste Jim über Leila und ihn? Oder was glaubte er zu wissen... "Jim", meinte er leise. "Leila ist ohne die Sporen ohne Bedeutung für mich." Es war die Wahrheit... Der Mensch tastete über die Decke, als suche er etwas und Spock griff nach seiner Hand, nahm die kühlen Finger in seine. In Jims Zügen erschien ein Lächeln. "Liebe dich...", flüsterte er. "Spock..." Der Vulkanier saß wie erstarrt da, hielt noch immer die Hand des Menschen in seiner. Jim liebte ihn? Seine Gedanken rasten. Doch als er handelte, hörte er nicht auf seinen Verstand - sondern auf etwas, von dem viele behaupteten, Vulkanier besäßen es nicht - sein Herz. Er hob die zweite Hand und strich Jim das Haar aus der Stirn. Er beugte sich über ihn und presste sanft seine Lippen gegen die kühle, feuchte Haut des Menschen. "T'hy'la", meinte er leise, als er sich wieder aufrichtete.
Etwa eine Stunde später öffnete Jim die Augen. Spock saß auf einem Stuhl neben der Liege und hielt noch immer seine Hand fest. Verlegen räusperte sich Jim. Spock wandte den Kopf. "Ich hoffe, du fühlst dich besser, t'hy'la?" Nun, das war nicht gerade die Begrüßung, die er erwartet hatte. Seit wann konnte Spock sich denn dazu überwinden, ihn zu duzen? Und warum hielt er noch immer seine Hand... Er öffnete den Mund, um diese Fragen zu stellen, doch der Vulkanier kam ihm zuvor. "Jim, meine Gefühle für Miss Kalomi wurden von den Sporen erzeugt. Ich habe sie niemals geliebt." Jim setzte sich auf. Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass etwas geschehen war, während er geschlafen hatte. "Spock... gibt es denn jemand, den Sie... du..." Er verstummte. Es war schwerer auszusprechen, als er gedacht hatte. "Ja", erwiderte der Vulkanier zu seiner Überraschung. "Es gibt jemanden." Jim kaute nervös auf der Unterlippe. Er würde nicht fragen... "Dich, Jim", Spock sah ihn an und seine dunklen Augen leuchteten. "Ich liebe dich, Jim."
|