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Er kommt nicht

© by Birgitt (), 2001

 

Disclaimer: Die Serie Highlander und alle Figuren daraus gehören Panzer/Davis und Rysher Entertainment. Diese Story ist Fanfiction. Es wird hiermit kein Geld verdient. Sie ist nur zu nichtkommerziellen Zwecken zu verwenden.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.
Bemerkung der Autorin: Diese kleine Story ist dem Fan Fiction Paradies gewidmet und vor allem Atti, die es zu dem gemacht hat (und immer noch macht), was es ist. DIE Anlaufstelle für deutsche Fan Fiction! Anlaß ist die Verleihung des Blue Species Awards für BEST FICTION! Weiter so!

 

"Er kommt nicht! Hör auf, die Tür anzustarren, Duncan. Bereite dich lieber auf deine Rede vor." Amandas Stimme war sanft und voller Mitgefühl, und sie legte eine Hand auf seine Schulter.

MacLeod sah sie kurz an und schüttelte den Kopf. Ihre Anteilnahme machte das Ganze nur noch schlimmer. Er hatte sich wahnsinnig auf diesen Abend gefreut, vielmehr deswegen, daß Methos zugesagt hatte, ihn zu begleiten. Das war das Beste von allem gewesen. Natürlich war es schön, geehrt und ausgezeichnet zu werden. Doch ohne Methos konnten ihm alle Preise gestohlen bleiben.

"Ich wundere mich nicht, daß er nicht da ist. So war er schon immer!" unterbrach Cassandra seinen Gedankengang. War Amandas Verständnis für seine Enttäuschung schon schwer zu ertragen, war diese ätzende Bemerkung ungleich schmerzhafter. Vielleicht deshalb, weil sie einen dunklen Fleck in seiner Seele dazu brachte, sich auszubreiten und alles Schöne zu überdecken drohte, das er mit Methos verband. Zumindest sorgten seine Zweifel dafür, daß er weiter verbissen schwieg und nicht mal den Versuch machte, seinen Freund zu verteidigen.

Amanda nutzte dies aus, um Cassandra mit leiser, aber deutlich vernehmbarer Stimme anzuzischen. "Wahrscheinlich kommt er deinetwegen nicht. Er wollte Duncan ersparen, mitansehen zu müssen, wie er dir doch noch den Kopf abschlägt."

"Er wußte, daß ich hier sein würde, und trotzdem hat er Duncan versprochen zu kommen. Punkt. Wenn du einen Grund für seine Abwesenheit suchst, bist du bei mir an der falschen Adresse." Ihre Stimme mochte sachlich klingen, doch das Funkeln in ihren Augen zeigte MacLeod deutlich, daß sie nicht die Absicht hatte, sich zum Sündenbock stempeln zu lassen.

Und sie hatte Recht. Sie war nicht der Grund, warum Methos nicht da war. Die beiden hatten sich, nun ja, arrangiert. Es war eine Art unbequemer Waffenstillstand, bei dem sich beide Parteien weitestgehend voneinander fernhielten. Bei den wenigen Gelegenheiten, wo sie sich begegneten, behandelten sie sich meistens wie Luft oder - falls sie gezwungen waren, gleichzeitig an einer Unterhaltung teilzunehmen - mit übertriebener Höflichkeit. MacLeod wußte, daß er das Bindeglied zwischen ihnen war, und er rechnete es beiden hoch an, daß sie sich um seinetwillen nicht umbrachten.

Joe kam zurück an den Tisch, den die Freunde für die Zeremonie zugewiesen bekommen hatten. MacLeod hatte die Dekoration keines zweiten Blickes gewürdigt. Eine für ihn untypische Nervosität brachte ihn im Gegenteil dazu, Teile des Tischschmuckes auseinander zu friemeln. Schon zweimal war ein Kellner auf getaucht und hatte mit mürrischem Ausdruck die Spuren seiner Hyperaktivität beseitigt. Mittlerweile hatte er jetzt bereits die zweite Kerze in Arbeit, nachdem schon vier bis fünf Rosenblüten dran glauben mußten.

"Er meldet sich nicht, weder auf dem Handy, noch auf eurem Anschluß zu Hause."

MacLeod verlor langsam die Beherrschung. "Könnt ihr verdammt noch mal damit aufhören, ihn 'er' zu nennen? 'Er' hat schließlich einen Namen!"

Joe zuckte etwas zurück bei diesem Ausbruch. Amanda sah sich um, als ob sie fürchtete, daß sich bereits Menschentrauben um sie herum bildeten. Glücklicherweise war MacLeod nicht der einzige Preisträger - es gab mehrere Kategorien -, und so traf die Aufmerksamkeit der Anwesenden nicht ihn allein. "Welchen Namen meinst du denn?" Joe wirkte ebenfalls gereizt. Aber MacLeod waren mittlerweile alle Geduldsfäden gerissen, und er schaute Joe nur grimmig an.

"Okay, okay, Mac. *Adam* meldet sich nicht! Zufrieden?"

"Nein, bin ich nicht, aber das ist jetzt egal. Ich muß auf die Bühne!" Er wischte sich das halb erstarrte Wachs mit einer Serviette ab und erhob sich. Nervös fummelte er an seiner Fliege und an den Manschettenknöpfen. Er wünschte sich weit fort, und er wünschte Methos zum Teufel.

Amanda sprang auf und nahm seine Hände in die ihren. "Viel Glück, Duncan, flüsterte sie ihm ins Ohr. "Ich weiß, es ist kitschig, aber..." Sie beendete ihren Satz mit einem Kuß auf seine Wange, und gegen seinen Willen mußte er lächeln. Unter dem Applaus der anderen Gäste folgte er zusammen mit den anderen Preisträgern dem Aufruf des Juryvorsitzenden und begab sich auf die Bühne.

 

***
 

Im Taxi rieb MacLeod in Gedanken versunken über die Prägung der Urkunde. Die Gesellschaft für die Bewahrung der schottischen Kultur hatte sich alle Mühe gegeben. Auf dem Papier prangte das Wappen der MacLeods, und die Würdigung war in Gälisch verfaßt. Die Zeremonie selbst war mit Rücksicht auf die vielen internationalen Gäste, insbesondere die Sponsoren, zweisprachig abgehalten worden.

Sein Ärger auf Methos war mittlerweile zu einem nagenden Gefühl in der Magengegend geworden, das schlimmer auszuhalten war als nackte Wut. Amanda schob ihren Arm unter den seinen. "Deine Rede war wundervoll, Duncan. Ging sogar mir zu Herzen."

Joe lachte. "Und den Sponsoren direkt an die Scheckhefte. Ich hab' da am Nebentisch was läuten hören..." Er brach ab, und MacLeod blickte von der Urkunde auf.

"Was?" fragte er irritiert.

"Du hast also doch zugehört? Der Typ am Nebentisch hat bei deinen Abschlußworten kräftig geklatscht und genickt, und dann sagte er zu seiner Begleiterin, daß man das ganze Projekt als Investition in die Zukunft betrachten müsse, und da sollte es auf das Geld nicht ankommen."

"Sehr schön!" sagte MacLeod halbherzig.

"Und dann hat er sie auf den Tisch gezerrt und vor aller Augen genommen", fuhr Joe fort in gleichem Tonfall fort. Amanda brach in schallendes Gelächter aus.

MacLeod besaß den Anstand, beschämt auszusehen. "Entschuldigt, der Abend hat mir gereicht. Seid nicht böse, das geht nicht gegen euch."

"Ist schon in Ordnung, Duncan. Wir lassen dich zu Hause raus, und du verschwindest ins Bett."

"Aber was ist mit den Drinks?" Leichtsinnigerweise hatte er vor der Veranstaltung versprochen, mit den Freunden den gesamten Abend zu verbringen.

"Tut mir leid, Duncan, das so sagen zu müssen, aber wenn ich dein Gesicht sehe, vergeht mir der Durst. Und das will was heißen! Joe und ich machen einen drauf, schicken dir die Rechnung, und alle sind glücklich." MacLeod versuchte zu grinsen, scheiterte aber kläglich. "Na ja, fast alle", murmelte Amanda. Zum Glück dauerte der Rest der Fahrt, den die Freunde mit Schweigen verbrachten, nur noch wenige Minuten. Der Fahrer hielt an der Pier, und Joe schob MacLeod quasi aus dem Wagen.

"Hau dem Kerl eine rein von mir", waren seine letzten Worte.

"Sag ihm, von mir kriegt er's persönlich", kommandierte Amanda.

MacLeod wedelte nur grüßend mit der Urkunde und schlug die Tür zu. Er sah dem davoneilenden Taxi nach, froh endlich allein zu sein. Leider war die Luft an diesem Abend noch genauso drückend, wie sie es den ganzen Tag über gewesen war. Sonst hätte er bestimmt einen etwas längeren Spaziergang in Erwägung gezogen. Doch bei dieser Schwüle wollte er nur aus dem verschwitzen Smoking. Die Fliege hatte er schon in der Sekunde in die Hosentasche gestopft, als er den Saal verlassen hatte.

 

Er näherte sich dem Boot und der Buzz der Unsterblichen begrüßte ihn. Abrupt blieb er stehen; zum ersten Mal kam ihm in den Sinn, daß Methos nicht freiwillig von der Ehrung ferngeblieben war. Die Möglichkeit, daß Methos etwas passiert sein könnte, war von seinem Ärger, daß er wohl mit dem größten Ärgernis aller Zeiten befreundet war, völlig verdrängt worden; mehr noch, dieser Gedanke war gar nicht erst entstanden.

Vorsichtig näherte er sich dem Boot, seine Hand bereits am Griff des Schwertes, das im Mantel verborgen war, den er auf dem Arm trug. Schleichen brauchte er nicht; sein Buzz hatte ihn ja eh schon angekündigt. Alle Luken waren offen - kein Wunder bei der Hitze -, und er rief unter Deck: "Adam?"

Die Gestalt seines Freundes tauchte auf der halbdunklen Treppe auf. "Na endlich, MacLeod. Habt ihr die Ehrung kurzfristig zu einem Lokaltermin gemacht?"

MacLeod ließ die Hand vom Schwertknauf sinken, zu überrascht, um aus der Haut zu fahren ob dieser rüden Begrüßung. "Wo warst du?" brachte er seine Entrüstung schließlich doch noch auf den Punkt. "Du hattest versprochen zu kommen."

Methos kam mit leichten Schritten die Stufen hinauf. Als er MacLeod zur Begrüßung küssen wollte, zog dieser unwillig den Kopf zurück. "Laß das jetzt! Wo warst du? Ich war krank vor Sorge!" 'Für ungefähr zwei Minuten', fügte er in Gedanken hinzu.

"Warum? Ich hab's mir anders überlegt. Ich hasse solche Auftritte. Und wir wären eh getrennt gewesen. Du oben auf dem Podest, ich unten am Tisch mit Joe und Amanda und sonstigen." Seine Stimme und sein Gesicht zeigten keine Spur von Reue oder Beschämung. Er klang wie immer. Wie Methos.

"Aber du hast es versprochen. Ich wollte, daß du dabei bist!" MacLeod rang um seine Fassung.

Methos trat einen Schritt zurück, sah sich um, wohl darauf bedacht, nicht die Treppe hinunterzustürzen. Er stemmte die Hände in die Hüften. "Es war dir wichtig."

MacLeod nickte nicht einmal.

"Nicht nur der Preis, die Ehrung. Ich war dir wichtig." Methos' Ton verriet nichts. Und im Dunkel konnte MacLeod sein Gesicht nicht erkennen, geschweige denn deuten.

Er schluckte einmal, zweimal, bevor er sich traute weiterzusprechen. "Vergessen wir's einfach. Vergiß diesen Abend einfach." Er wollte an Methos vorbeidrängen, doch dieser packte ihn am Oberarm.

"Nein, Mac, der Abend hat für uns noch gar nicht angefangen." Er nahm ihn bei der Hand, und widerstrebend ließ sich MacLeod von ihm führen. Auf der Treppe blickte er entgeistert auf die Szenerie. Das Bootsinnere war in ein sanftes Licht getaucht. Kerzenschein. Der Tisch war gedeckt, einfach, aber dennoch... festlich. Ein paar Kerzen, eine einzelne rote Rose in einer Vase waren die einzige Zierde auf dem Tisch. Wein funkelte in zwei Karaffen, und Platten mit Obst und Käse vervollkommneten das Stilleben. Wie in Trance ging er die Treppe hinab, kaum bemerkend, daß Methos seine Hand los ließ. Am Tisch angekommen strich er über die Blütenblätter der Rose, nur um festzustellen, daß er nicht träumte. Doch wer wußte schon so genau, ob man im Traum nicht auch Blütenblätter fühlen konnte...

 

Er wirbelte herum, zwischen Zorn, Zweifel und Zärtlichkeit schwankend.

Und Methos' Antwort machte es ihm nicht unbedingt leichter. "Ich brauche keine Jury, um dich zu ehren, Mac. Keine öffentlichen Demonstrationen. Ich brauche nur dich."

 
Ende

 
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