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Drift© by Natascha/Norynia ()
Fahles Licht, das von allen Seiten zu kommen schien, eröffnete ihm einen Blick aus der Dunkelheit, zeigte ihm letztendlich aber nur den dichten, feuchten Nebel, in dem er sich befand. Tsuzuki sah sich um, obwohl er wußte, dass um ihn herum nichts anderes war als dieses Grau. Er konnte es spüren, gepaart mit der Kälte, wie es durch jede Faser seiner Kleidung kroch, seine Haut entlang glitt und gierig nach einer Möglichkeit suchte, seinen Körper vollkommen zu durchdringen. Es war nicht das erste Mal, dass er hier war. Immer und immer wieder träumte er diesen seltsamen Traum. Und er wußte jetzt schon, dass er nichts finden würde, egal wie lang er auch lief. An diesem Ort war er ganz allein, vollkommen allein. Ohne andere Geräusche, außer denen, die er selbst verursachte. Er wußte noch nicht einmal, warum er hier war. Nur, dass nichts geschehen würde. Dass dieser Traum keinen Grund zu haben schien und verwirrender wohl nicht sein konnte. Wie immer würde er nur lange genug in diesem Nebel verharren müssen, um irgendwann endlich wieder aufzuwachen. In der Wärme seines Bettes, allein, aber sicher. Er senkte den Blick und starrte zu Boden, in die kleine Pfütze, die sein Gesicht widerspiegelte. Seine violetten Augen leuchteten unter den dunklen Haarsträhnen, mehr als normal. Ungewohnt, aber nicht unangenehm. Das taten sie immer, wenn er hier war, und er war noch nicht hinter den Grund gekommen. Er seufzte leise auf und zog seinen Mantel enger um sich. Den Kopf immer noch gesenkt, die Augen diesmal geschlossen, wartete er geduldig auf das Erwachen.
Als er meinte, dass es nun Zeit war, hob er den Kopf und wartete auf das grelle Licht, das ihn bei Ankunft und Verlassen ständig begleitet hatte, doch diesmal kam es nicht. Statt dessen hörte er nur ein leises Lachen, das durch den Nebel drang. Mit einer schnellen Bewegung drehte er sich in Richtung des Lachens um, sah aber nur den dichten Nebel, der ihn nach wie vor einhüllte. Auch, wenn ihn eine innere Stimme vor dem Ort warnen wollte, von dem dieses Lachen kam, ihn ermahnte, es nicht zu tun, und dass es besser wäre, hier zu verharren, folgte er dem Geräusch, das leise im Echo erstarb. Der Nebel lichtete sich. Seine Sicht wurde langsam klarer. Als er den Nebel schließlich hinter sich ließ, sah er nur einen großen, weiß gerahmten Spiegel, dem er mit einem Mal gegenüber stand. Das Geräusch gab Tsuzuki keine Informationen mehr über seinen Ursprungsort. War verstummt und nicht mehr auszumachen. Der Boden war bedeckt mit Rosenblättern. Unmengen von roten Blütenblättern, die seinen Weg zu diesem Spiegel ebneten. Für einen Moment blieb er stehen und starrte zu Boden. Das konnte nicht sein, durfte nicht sein. Was hatte Muraki in seinem Traum verloren? Er schüttelte den Kopf, als könne er so die Gedanken abschütteln. Nein, Muraki war der Letzte, von dem er träumen wollte, nach dem, was dieser Mann Hisoka, unzähligen unschuldigen Menschen und ihm selbst angetan hatte. Als Tsuzuki nah genug an den Spiegel herangetreten war und seine Hand ausstreckte, um sein Spiegelbild zu berühren, nahm dieser schlagartig die Farbe seiner Augen an. Tsuzuki trat erschrocken einen Schritt zurück, als er plötzlich gegen einen anderen Körper prallte. Das Violett im Spiegel erstarb, und zeigte dem Shinigami das, was er zu sehen fürchtete. "Du weißt, ich liebe deine Augen, Tsuzuki-san." Muraki schlang seine Arme um Tsuzukis Oberkörper und betrachtete über dessen Schulter ihr gemeinsames Spiegelbild. "Dieses wunderschöne Violett. Sie sind noch genauso schön wie bei unserem letzten Treffen... du bist noch genauso schön." "Muraki." Es war nur ein Flüstern, das von Tsuzuki zu hören war, eine Bestätigung für ihn selbst, dass er sich die Gegenwart Murakis nicht einbildete. Er drehte sich nicht um, befreite sich nicht aus der Umarmung. Es war, als hätte sich sein Körper seinem Willen entzogen. Alles, was sich in seinem Kopf gegen Muraki sträubte, hatte sich von dem, was sein Körper fühlte, getrennt. Sich auf eine andere Aufgabe konzentriert, nämlich der, zu beobachten und zu speichern, um diese Geschehnisse später immer wieder in seinem Gedächtnis abzurufen. Immer dann, wenn Tsuzuki versuchen würde zu verdrängen, vergessen. Er konnte sich dagegen nicht wehren, und er wußte noch nicht einmal warum. Seine Sinne, sein Körper und sein Geist gehorchten ihm nicht mehr. Selbst die Angst, die er in diesem Moment spürte, schaffte es nicht, ihm seine Selbstkontrolle wiederzugeben. "Lass mich los." Er sagte es ohne jede Überzeugungskraft. Nicht so, wie er es früher einmal gesagt hatte. Laut und befehlend. Sein Körper gab sich dem Mann hinter ihm vollkommen hin. Sah ihn nicht mehr als Feind, oder Mörder. Auch wenn Tsuzuki wußte, dass Muraki das war. Das und noch viel mehr. Doch dieses Wissen störte ihn plötzlich nicht mehr, vielleicht, weil dies ein Traum war. Nicht real und ohne jegliche Konsequenzen. War es doch für diesen Moment, wie lange er auch dauern mochte, plötzlich nicht mehr wirklich wichtig, was Muraki war, oder auch nicht. "Ich habe lange gebraucht, diesen Traum für uns zu erschaffen." Murakis Lippen glitten sanft über Tsuzukis Wange, die Lautstärke seiner Stimme reduzierte sich zu einem leisen Flüstern, so leise, dass Tsuzuki sich darauf konzentrieren musste, um überhaupt etwas zu verstehen. "Aber du bist es wert." "Bin ich das?" Tsuzuki wußte nicht, was er davon halten sollte, war er es doch nicht gewohnt, dermaßen begehrt zu werden, dass es die Schwelle des Wahnsinns schon überschritt. Konnte mit einer derartigen Besessenheit nicht umgehen. War es zu neu, um es zu verstehen, und er zweifelte daran, Muraki jemals verstehen zu können. Er schloß die Augen und gab sich Murakis Berührungen hin. Wollte ihn eigentlich von sich stoßen, wie er es schon so oft getan hatte, doch irgendetwas hielt ihn zurück, stoppte seine Befreiungsversuche, noch bevor er wirklich versucht hatte, sie auszuführen. Er drehte sich nur um, und sah Muraki an. Blickte fragend in das helle, weißsilberne Auge. Das andere war wie immer von Murakis Haaren verdeckt. "Was..." Er schaffte es nicht, diese Frage zu Ende zu stellen, wußte nicht wirklich, wie er formulieren sollte, was gerade in ihm vorging. "Wie..." begann er noch einmal, als Muraki plötzlich einen Schritt zurück trat. Sich von Tsuzuki distanzierte. "Doch dieser Traum ist noch nicht vollendet. Du wirst noch viele Träume träumen, die unter meinem Einfluß stehen. Du musst dich noch etwas gedulden, genauso wie ich." Muraki lächelte und strich mit seiner Hand durch Tsuzukis dunkles Haar, ließ sie noch über die Wange gleiten und zeichnete mit seinem Daumen die Stelle nach, an der seine Lippen Tsuzuki kurz zuvor noch berührt hatten. Dann drehte er sich um und trat in den dichten Nebel. "Muraki!" Tsuzuki streckte seine Hand nach ihm aus, als könnte er ihn so wieder zurückholen, vergebens. Murakis Erscheinung wurde von dem dichten Nebel verschluckt und war für den Shinigami nun nicht mehr zu erkennen. Tsuzuki lief hinter ihm her, rief immer wieder Murakis Namen, doch in dem dichten, trüben Grau war Muraki nicht mehr auszumachen. Tsuzuki begann, sich im Kreis zu drehen, lief einmal in diese, einmal in die andere Richtung. Doch wie lang er auch suchte, er konnte ihn nicht finden. Nach einer Weile gab er es schließlich auf und blieb stehen. Blieb wieder allein zurück und wartete auf das Licht, das ihn aus diesem Traum holen würde. Er würde Muraki also wieder in einem Traum wie diesem begegnen. Unabhängig davon, wie er darüber dachte. Doch wie dachte er selbst denn darüber? Wollte er Muraki denn wirklich nie wieder sehen? Und was wäre, wenn doch? Könnte er mit dem Wissen leben, diesem Mann nachgegeben zu haben? Sich ihm hingegeben zu haben? Oder wäre die Konsequenz die, sich nie wieder im Spiegel anschauen zu können, sich selbst und keinem seiner Freunde je wieder in die Augen sehen zu können, weil er die Anwesenheit dieses wahnsinnigen Killers genossen hatte?
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Er riß die Augen auf und fuhr erschrocken hoch. Stand mit einem Ruck auf und tastete mit zitternden Händen nach dem Lichtschalter an der Wand. Als die Glühbirne das Zimmer mit dem gleißenden, elektrischen Licht flutete, drehte er sich um und rutschte langsam an der kahlen,weißen Wand hinunter. Zog er seine Beine an und schloß seine Arme um sie, um dann seinen Kopf darauf zu betten. Sein Atem ging immer noch schwer, und das Zittern, das seinen Körper beherrschte, erstarb nur langsam. Dieser Traum konnte nicht wirklich stattgefunden haben, Murakis Worte nicht wahr sein. Wenn es stimmte und Muraki seine Träume beherrschen konnte, würde er nie wieder Ruhe vor diesem Mann finden. Aber was ihn am meisten erschreckte, war er selbst, wie er sich in diesem Traum verhalten, erlebt hatte. Willenlos, ausgeliefert. Allein mit Muraki, der die Macht besaß, mit ihm zu tun, was er wollte. Ohne dass Tsuzuki sich wehren konnte, sich nicht einmal wehren wollte. Nein, es konnte nur ein Traum gewesen sein, der absolut nichts mit der Realität zu tun hatte. Ein Alptraum, der ihm seine größte Angst gezeigt hatte, die, die Kontrolle über sich zu verlieren und sich Muraki bedingungslos hinzugeben. Jetzt, wo er wieder erwacht war, spürte er wieder die Wut und den Hass, den er für Muraki empfand. Stärker als zuvor. Er spürte wieder dieselben Gefühle, wie in Nagasaki, als Muraki ihm berichtet hatte, wie und durch wen Hisoka gestorben war. Wieder dieselben Gefühle, wie in Kyoto, als er herausfand, dass all diese unschuldigen Menschen nur wegen ihm hatten sterben müssen. Damit er den Weg zu Muraki fand, ob er es wollte oder nicht. Hass, Wut und Zorn. Die dominierenden Gefühle. Aber er spürte auch wieder diese Anziehungskraft, die von Muraki ausging, und wie schwer es ihm so oft gefallen war, sich dieser zu entziehen. Es in seinem Traum überhaupt nicht mehr geschafft hatte. Er schrie auf und schlug seinen Kopf gegen die Wand, an der er lehnte. Nach einem kurzen betäubenden Gefühl setzte der Schmerz ein und trieb Tsuzuki Tränen in die Augen. Doch er störte sich nicht daran und schlug seinen Kopf immer wieder gegen die Wand. Versuchte, durch den Schmerz alle positiven Gefühle, die sich langsam in seinem Körper ansammelten, zu verdrängen. Sich nur noch auf Schmerzen zu konzentrieren. Sich die wieder in Erinnerung zu rufen, die Muraki ihm zugefügt hatte. Seelisch und körperlich. Erst als der Schmerz unerträglich in seinem Kopf hämmerte, hörte er auf und ließ seinen Kopf wieder auf seine Knie fallen. Er schloß die Augen und schlang seine Arme fester um seine angewinkelten Beine. Er wollte nie wieder einen Traum wie diesen träumen. Und wenn es bedeutete, dass er nie wieder schlafen würde. Er glaubte an diesen Traum, doch ob er dieses Wissen akzeptieren würde, war eine andere Sache...
Am Ende dieses Tages saß Tsuzuki am Abend zusammen mit Hisoka in einem kleinen italienischen Restaurant. Eigentlich hatte Tsuzuki wirklich Hunger, so wie immer, doch der Gedanke an seinen Traum, und die Tatsache, dass er diese Nacht wiederkommen könnte, schlugen ihm auf den Magen. Etwas, das bei Tsuzuki mehr als selten war und dementsprechend auffällig. "Geht es dir nicht gut?" Tsuzuki brauchte eine Weile, um zu reagieren und den Kopf zu heben. "Alles bestens." Als er den besorgten Ausdruck in Hisokas Augen sah, versuchte er, bei seinen Worten zu lächeln, was ihm jedoch kläglich mißlang. Hisoka seufzte leise auf, als er nach Tsuzukis Hand griff und sich weiter über den Tisch lehnte. "Du weißt, du kannst mir vertrauen." Tsuzuki antwortete nicht, sondern entzog sich langsam Hisokas Griff und lehnte sich zurück. "Ja, ich weiß." Natürlich wußte er das. Hisoka hatte ihm oft genug bewiesen, dass er Tsuzukis Vertrauen wert war, doch daran lag es nicht, dass der Shinigami nicht sagte, was ihn beschäftigte. Es lag wohl mehr daran, dass er es allein bewältigen wollte, ohne andere in diese Sache zu ziehen. Und daran, dass er wußte, dass Hisoka sich nicht da raushalten würde. Er mochte den Gedanken nicht, dass jemand sich um ihn sorgte, nur weil er selbst nicht in der Lage war, Herr seiner Gefühle und Träume zu werden. "Aber du vertraust mir nicht." Hisoka war aufgestanden und stemmte die Arme auf den Tisch, als er Tsuzuki fixierte und mit wild funkelnden Augen ansah. "Du verschließt dich vor mir, teilst mir nicht mit, was dich bedrückt. Warum, Tsuzuki? Warum lässt du mich dir nicht helfen, wo du mir doch schon so oft geholfen hast?" "Es hat nichts mit dir zu tun." Auch Tsuzuki erhob sich und erwiderte Hisokas Blick. Er wollte noch etwas sagen, etwas, das die Situation entspannt hätte, doch es fiel ihm nichts Sinnvolles ein, als Hisoka sich von dem kleinen, runden Tisch abstieß und das Restaurant verließ. Tsuzuki folgte ihm nicht, sondern setzte sich wieder und stocherte mit dem Löffel in seinem Pudding herum. Wäre er Hisoka jetzt nachgelaufen, hätten sie entweder eine endlose Diskussion über das Vertrauen geführt. Genau das, was Tsuzuki jetzt nicht gebrauchen konnte. Tsuzuki gingen tausend Dinge durch den Kopf, doch im Moment war er nicht in der Lage, geschweige denn in der Stimmung, sich irgend jemandem irgendwie mitzuteilen. Und schon gar nicht Hisoka, wenn es um Muraki ging. Er war schon sehr oft ganz gut allein zurecht gekommen, und auch diesmal würde er es schaffen. Nach einer Weile beschloß Tsuzuki schließlich, dass man mit leerem Magen nicht nachdenken und schon gar keine Probleme bewältigen konnte, und zog Hisokas Nachtisch noch mit auf seine Seite.
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"Ich habe auf dich gewartet." Muraki drehte sich nicht zu Tsuzuki um, sondern stand weiter unbeweglich vor dem Spiegel und zeichnete mit seinem Finger Tsuzukis Körper nach, der sich neben ihm auf der glatten Oberfläche spiegelte. Der Shinigami vergrub seine Hände tief in seinen Taschen und schloß die Augen. Er hatte nicht lange gegen die Müdigkeit angekämpft, warum, konnte er sich nicht erklären. Er war doch sonst nicht so. Er konnte einfach dieses Gefühl nicht verdrängen, diese Neugierde, die wohl verantwortlich für seine plötzliche Schwäche war. Er wollte wissen, wie Muraki es schaffte, sich in seine Träume zu schleichen, und er wollte verdammt noch mal, dass er damit aufhörte. Tsuzuki musste sich eingestehen, lange nach dieser einfachen Formulierung des Grundes gesucht zu haben. Aber immerhin hatte er jetzt einen, wenn er sich auch nicht ganz sicher war, ob es der richtige war... "Ich habe ein paar Veränderungen vorgenommen. Ein langes, sinnliches Spiel daraus gemacht." "Du hast Fehler beseitigt?" "Fehler? Tsuzuki-san, du solltest wissen, dass ich keine Fehler mache. Ich habe nur etwas experimentiert und festgestellt, dass es sehr viel reizvoller ist, dir deinen Willen zu lassen." Muraki ließ von dem Spiegel ab und wendete sich nun direkt Tsuzuki zu. Dieser trat einen Schritt zurück, wurde aber von einer unsichtbaren Wand am Weitergehen gehindert. Erschrocken sah er sich um, doch er konnte nichts sehen, außer dem Nebel, der sie umgab. Diesmal wollte Muraki ihn wohl nicht laufen lassen. "Denn nur mit deinem Willen bist du der Mann, den ich begehre." Muraki kam noch näher, viel näher, als Tsuzuki lieb war, und schlang seinen linken Arm um den leicht zitternden Körper, während der andere durch Tsuzukis Haar glitt und an seinem Hinterkopf zum Liegen verharrte. "Erinnerst du dich? In solch einer Situation warst du schon einmal. In derselben Position wie jetzt." "The Queen Camellia." Muraki nickte lächelnd und leckte mit seiner Zunge über Tsuzikis Ohrläppchen. "Damals war es nur Hisoka, der uns im Weg stand. Hier wird dieses Kind uns nicht stören." Er löste seine linke Hand von Tsuzukis Hüfte und ließ sie unter den Mantel schlüpfen, als der Shinigami nach Murakis Hand griff und dessen Bewegung so zum Stoppen brachte. "Es war nicht genauso." Er sah Muraki bestimmt an und versuchte, an der Wand entlang zur Seite zu rutschen, doch Muraki zog ihn nur noch fester zu sich heran und machte eine Flucht so scheinbar unmöglich. "Willst du wieder gegen mich pokern? Du solltest wissen, dass deine Chancen sehr begrenzt sind." "Vielleicht." Als Tsuzuki Murakis Lippen spürte, die sich über seine Wange langsam ihren Weg zu seinem Mund bahnten, drehte er den Kopf zur Seite, und versuchte so erneut, sich Muraki zu entziehen. "Laß mich los." Seine Hände hatten sich zwischen seinen und Murakis Körper gedrängt und drückten ihn mit aller Macht von sich. Nur schwer gelang es ihm, den großen, starken Körper etwas von sich zu schieben und so mehr Raum zu bekommen. "Verschwinde aus meinen Träumen! Laß mich einfach in Ruhe!" Seine Stimme war laut und befehlend. Muraki lächelte nur, zeigte Tsuzuki nur allzu deutlich, wie ernst er ihn nach diesen Worten nahm, oder eben auch nicht. Er schob seinen Körper wieder fester gegen den Tsuzukis. Gegen die unsichtbare Wand, hinter der der dichte Nebel lag. "Denkst du wirklich, dass ich dich so ohne weiteres gehen lassen würde?" Nein, das würde er sicherlich nicht, und Tsuzuki wußte das. Nicht ohne eine Gegenleistung, welcher Art auch immer... Und auch wenn Tsuzuki die Antwort eigentlich schon kannte, wollte er sie von Muraki hören. Von ihm hören, dass er keine andere Wahl hatte, um sich später nicht mit Selbstvorwürfen plagen zu müssen. "Was willst du?" Muraki hob Tsuzuki leicht an und sog den Geruch seiner dunklen Haare ein. Löste seinen Griff etwas und legte seine Hand um Tsuzukis Wange. "Dich. Deinen Körper, deinen Geist, deine Liebe. Alles, für diese eine Nacht. Wenn ich das von dir bekomme, lasse ich dich gehen, bis zu dem Moment, an dem wir uns wiedersehen." "Und wann wird das sein?" Muraki lächelte. Dieses kalte dämonische Lächeln, das Tsuzuki je nach Situation entweder einen kalten Schauer über den Rücken jagen oder zur Raserei bringen konnte. In diesem Moment war es wohl beides, das Tsuzuki verdrängte, während er auf Murakis Antwort wartete. Dieser stieß sich von Tsuzuki ab und ließ seinen Blick über Tsuzukis Körper gleiten. Genoß diesen Augenblick in endloser Ruhe und dem Wissen, dass sie hier niemand stören konnte. "Irgendwann."
Tsuzuki war über eine derartige Antwort nicht wirklich erstaunt. Sie passte irgendwie zu Muraki. Er schloß für einen Moment die Augen und dachte nach. Was sollte er tun? Muraki war einer der Bösen, und wenn er die Macht hatte, Tsuzuki in seinen Träumen heimzusuchen, wann er wollte, warum sollte er dann wegen einer Nacht aufhören? Wenn er die Aussicht auf viele weitere hatte, oder diese zumindest erhoffte? Doch welche Optionen hatte Tsuzuki jetzt? Weg konnte er anscheinend nicht, und Muraki würde ihn nicht so einfach gehen lassen. Würde er sich Muraki weiterhin entziehen, würde dieser ihm keine ruhige Nacht mehr lassen. So konnte Tsuzuki wenigstens hoffen, dass Muraki Wort hielt, oder ihn zumindest für einige Zeit in Ruhe ließ. Es war nur diese eine Nacht, wenn er... nur dieses eine Mal... Der Shinigami öffnete wieder die Augen, doch Muraki war plötzlich verschwunden. "Muraki?" Tsuzuki sah sich um, konnte Muraki jedoch nicht sehen, entdeckte nur ein großes Bett, das plötzlich neben ihm aufgetaucht war. Bedeckt mit weißen, glänzenden Laken. Wahrscheinlich Seide. Am Kopfende überdeckt mit Unmengen von ebenso weißen und glänzenden Kissen. Tsuzuki trat einen Schritt zurück, wollte sich weiter gegen die Wand lehnen, als er wieder den Körper hinter sich spürte. Die unsichtbare Wand war verschwunden und durch Muraki ersetzt worden, der nach Tsuzukis Kragen tastete und den Mantel langsam von seinem Körper löste. Der Shinigami wehrte sich nicht, sondern blieb stehen, und gab sich Murakis Händen hin, die nach den Knöpfen seines Hemdes tasteten und langsam die nackte Haut freilegten, dich sich darunter befand. Tsuzuki schloß die Augen und drehte seinen Kopf erneut zur Seite. Spürte Murakis Lippen, die die empfindliche Haut an seinem Hals liebkosten. Er würde sich nicht wehren, er würde ertragen und danach endlich Ruhe finden. Die Ruhe, nach der er sich in diesem Moment so sehnte. Er spürte Murakis Hände, die über seine glatte Brust glitten, sich langsam dem Hosenbund näherten. Spürte seine Zunge, die seine Lippen auf ihrem Feldzug über Tsuzukis Nacken begleitete. Eine seltsame Wärme stieg plötzlich in Tsuzukis Körper auf. Überall dort, wo Muraki ihn berührte. Eine angenehme Wärme, die er nicht einordnen konnte, nicht einordnen wollte. Er legte seine Hände auf die Stelle, an der die von Muraki einen Moment zuvor noch verweilt hatten. Spürte nicht nur innerlich diese Hitze, sondern selbst auf seiner Haut ein Glühen. Mit einem Satz beschleunigte Tsuzukis Atem sich, als er nachdachte und noch stärker diese Hitze spürte, die Muraki auslöste. Eine neue Gefühlsflut, die Tsuzuki noch nie in Murakis Gegenwart gespürt hatte, rotierte durch seinen Geist, verwirrte ihn vollkommen. Er riß sich von Muraki los und drehte sich zu ihm um, starrte in das weißsilberne Auge. Er erschrak über die Tatsache, dass es ihm plötzlich leid tat, die Liebkosungen unterbrochen zu haben. Über die Tatsache, dass etwas in ihm sich wieder nach Murakis Händen sehnte, die er eben noch gespürt hatte. Tsuzuki schüttelte energisch den Kopf und versuchte, diese Gefühle und Gedanken aus seinem Bewußtsein zu verbannen. Versuchte, sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, mit wem er gerade hier war, und was dieser Mann ihm und anderen schon alles angetan hatte. Doch als er wieder Murakis Hände spürte, die ihn an sich zogen, und Murakis Lippen sich an seine heran tasteten, wollte er sich plötzlich gar nicht mehr wehren. Schien das ewige Hin und Her ein Ende gefunden zu haben. Er drehte den Kopf zur Seite und betrachtete das breite Bett, ließ sich in Murakis Armen fallen und auf den weichen Untergrund legen. Muraki lächelte wieder, doch diesmal... anders. Wärmer, zärtlich. Sein Kuß war sanft, fast gehaucht, ehe er fester und leidenschaftlicher wurde. Ein Ruck ging plötzlich durch Tsuzukis Körper, er neigte seinen Kopf nach unten und stellte fest, dass seine übrige Kleidung verschwunden war. Es erschreckte ihn jedoch nicht, es erschien ihm angenehm. Zeitsparend. Ein Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab, als er spürte, dass auch Murakis Kleidung verschwunden war. Murakis Hand strich sanft über Tsuzukis Wange, zeichnete den Schatten nach, der sich darauf abzeichnete. Seine freie Hand rutschte tiefer. Streichelte über Tsuzukis Bauch. Umkreiste seinen Bauchnabel und wanderte weiter. Strich behutsam über die dunklen Locken, tastete sich noch etwas hinab und streichelte die empfindlichen Körperteile zwischen Tsuzukis Beinen. Der Atem des Shinigami wurde schneller, lauter. Er flocht seine Finger in Murakis platinblonde Haare und zog ihn tiefer zu sich heran. Soweit das denn noch möglich war. "Ich habe dich vermisst", flüsterte Muraki während des kurzen Atemholens und umschloß mit einem zärtlichen Griff die Männlichkeit seines Geliebten. Tsuzuki löste sich von dem Kuss und legte den Kopf in den Nacken. Biss die Zähne aufeinander, um vor Lust nicht laut aufzuschreien. Murakis Lippen widmeten sich nun wieder der empfindlichen Haut an seinem Hals. Leckten neckend die ersten Schweißperlen auf, die sich auf der hellen Haut sammelten. Klares Denken wurde für Tsuzuki unmöglich, als die Gefühlsflut durch seinen zitternden Körper jagte und ihm ein leises, dunkles Stöhnen entlockte. "Ich habe dich so vermisst", wiederholte Muraki mit einem kehligen Seufzer und begann, seine Hand rhythmisch zwischen Tsuzukis Beinen zu bewegen. So vermisst." Tsuzuki bäumte sich Murakis Körper entgegen. Versuchte, sein Becken synchron mit Murakis Bewegungen rotieren zu lassen. Das Atmen wurde immer schneller, bis es nur noch ein hastiges Keuchen war. Der Griff seiner Hand in Murakis Haar festigte sich. Als wolle er vermeiden, dass er aufhören und verschwinden könnte. Alle Gedanken schienen wie weggefegt, als diese Hitze sich in seinem Unterleib sammelte, bis es unerträglich wurde, sein Körper sich mit seinem lauten, lustvollen Aufschrei ein letztes Mal aufbäumte und die Hitze in ihm explodierte. Murakis zitternder Körper kam langsam neben ihm zum Liegen. Tsuzuki wagte kaum, sich zu bewegen. Sein Körper war kraftlos, jegliche Energie hatte sich verflüchtigt. Er drehte den Kopf zur Seite und sah Muraki an, beobachtete die feine Schweißperle, die über seine Schläfe rann und von ihm weggewischt wurde. Tsuzuki streckte seine Hand nach Muraki aus und zog sich so zu ihm heran. Als er Murakis fragendem Blick begegnete, schloß er die Augen und küsste ihn.
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Als Tsuzuki die Augen wieder öffnete, fand er sich von Dunkelheit eingehüllt in seinem Zimmer, auf seinem Bett wieder. Diesmal sprang er nicht auf, schaltete nicht das Licht ein. Er blieb liegen und bewegte sich nicht. Versuchte nur, seinen schnellen Atem unter Kontrolle zu bringen. Warum hatte Muraki ihn gehen lassen? Diesem Traum wieder ein solch abruptes Ende gesetzt? Tsuzuki wußte es nicht, er wußte nur, dass in seinem Körper und in seinem Kopf alles drunter und drüber ging. Er hatte sich Muraki hingegeben und somit die Abmachung eingehalten. Ob Muraki ihn jetzt tatsächlich in Ruhe lassen würde? Aus seinen Träumen fernbleiben würde? Jetzt nachdem Tsuzuki ihm gegeben hatte, was er wollte: Sich. Seinen Körper, seinen Geist, seine Liebe. Alles, für eine Nacht.
Aber was war, wenn Muraki diese eine Nacht nicht reichte? Und was war, wenn sie Tsuzuki nicht reichte?
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