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Leave no deed undone
Teil 1
Teil 2
Teil 3
 
 

Leave No Deed Undone

Teil 1
© by Shendara ()

 

Disclaimer: Nicht meins, ich verdiene kein Geld hiermit... das übliche halt. Highlander & Co gehören D/P Productions, Gaumond und anderen. Das © sämtlicher Songtexte, die hier verwendet werden, unterliegt den betreffenden Interpreten / Labels.
Sequel zu "The Feeling Is Gone". Während "The Feeling Is Gone" noch weitgehend in die Serie passt, bzw. ich versucht habe bloß eine Lücke zu füllen, geht diese Story hier in eine völlig andere Richtung. Sie baut auf "The Feeling Is Gone" auf, allerdings ist es nicht notwendig diese Story zu kennen. Alles, was in der Serie nach CaH / Rev 6:8 passiert ist, ist hier nicht passiert.
Für die Story selber ist Spacy verantwortlich zu machen - sie ist diejenige, die mich immer weiter und weiter getrieben hat. Dabei mag sie eigentlich gar keinen Slash... selber Schuld. *eg*
Eigentlich sollte das hier nie veröffentlicht werden - doch Spacy und Salandra (An dieser Stelle auch ein großes "Danke" an Sala für's Betalesen in Rekordzeit) haben keine Ruhe gegeben... und irgendwann gebe ich immer nach. Meistens. ;)
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion

 

 

From the moment you wake up
you cannot feel free
There are so many things in this world
you can't see
Just don't keep on leaving
your dreams behind
Have the heart to see you'll get
trapped in your mind
 
It's like an impurity in your mind
Furtive ruin that
hails from behind
Get rid of the demon
that darkens your sun
Go on... go on...
leave no deed undone!
 
You don't really depend
on material plight
And the way you live...
it is simply not right
You just have to get rid
of your own demands
Fight against yourself
for a second chance
 
No escape
Every further step you'll ever make
Will drive you on to me
and I will set you free
 
Sometimes it's too easy
just to be scared
No-one promised
your life would be fair
There's always a reason for you to run
Away... with me... leave no deed undone
 
("Leave No Deed Undone" - by Wolfsheim)

 

Gott, wie konnte ich es nur so weit kommen lassen? Ich habe ihn nicht nur verletzt, ihn temporär getötet, nein ich habe etwas viel schlimmeres gemacht. Ich habe ihn seelisch verletzt, nicht nur physisch. Ich habe das Vertrauen, das er mir entgegenbrachte, ausgenutzt. Er wollte mir helfen - ich habe ihn getötet. Nicht für immer, nein, was ich aber für immer getötet habe ist unsere Freundschaft.

Freundschaft... dieses Gefühl, das uns beide verband, uns half durch viele Schwierigkeiten zu kommen. Ich habe es geschafft, seine Vergangenheit zu akzeptieren, er hat es geschafft, mit meinen Moralvorstellungen klarzukommen. Verdammt, ich konnte sogar die Reiter akzeptieren. Obwohl... das wird wohl auch hauptsächlich an den Nachwirkungen von Kronos' Quickening gelegen haben. Die Nachwirkungen, denen ich es auch zu verdanken habe, dass Methos jetzt für immer aus meinem Leben verschwunden ist.

Wie waren seine letzten Worte? 'Es ist vorbei, Highlander. Vergiss' es am besten so schnell du kannst.' Seine Worte, nachdem er mir helfen wollte, es auch getan hat. Dank ihm bin ich die Überreste von Kronos in meiner Seele wieder los, bin wieder vollkommen ich selbst. Aber für welchen Preis? Ich habe ihn verloren, er ist für immer verschwunden. Jetzt weiß ich, wie er sich gefühlt haben muss, als ich unsere Freundschaft damals beendete. Damals, als Kronos wieder aufgetaucht war.

Es war damals noch nicht ganz aus, es bestand noch ein Hoffnungsschimmer. Ich ging zu ihm, versuchte mit ihm zu reden. Ich bekam sogar einige überraschende Details aus seinem Leben heraus. Doch dann trieb ich es zu weit und er ist verschwunden... als er wieder in meinem Leben auftauchte, war ich nicht mehr ich selbst und er wollte mir helfen. Okay, ich gebe zu - eigentlich bin ich in sein Leben getreten und er wollte nur noch weg. Verständlicherweise. Aber Fakt ist, dass er mir im Endeffekt doch geholfen hat. Irgendwie... Ähnlich wie damals bei meinem Dark Quickening. Bloß, dass es diesmal etwas anderes war. ICH war jemand anders, nicht mehr Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod...

 

Seufzend lehnte sich Duncan zurück und ließ seine Gedanken treiben. Methos... immer wieder geisterten die Erinnerungen an seine Freundschaft mit dem ältesten Unsterblichen durch sein Bewusstsein. Immer wieder sah er ihn vor sich:

 

Ihr erstes Treffen...
Methos - beziehungsweise 'Adam Pierson', für den Mac ihn damals ja noch hielt - auf dem Boden in seiner Wohnung sitzend, den Walkman neben sich, ebenfalls einen Sixpack Bier. Methos' Begrüßung.... 'Mi casa e su casa'... das Bier, das er dem Highlander zuwarf. Das Entsetzen, als er erkannte, wer sein Gegenüber war - die Überraschung, die Faszination und Neugier. Und der Schock, als er feststellen musste, dass der legendäre älteste aller Unsterblichen auch nur ein ganz normaler Typ war. Vielleicht ein wenig zynischer, mit einer wesentlich dunkleren Vergangenheit, aber trotzdem... alles in allem ein relativ normaler Unsterblicher.

 

Die Sache mir Kristin...
Methos nahm ihr den Kopf, nachdem MacLeod sie besiegt, aber trotzdem am Leben gelassen hatte. Seine Aussage, dass er lange vor dem Zeitalter der Ritterlichkeit geboren worden war... Nein, bist du nicht, Methos. Wenn es wirklich wichtig ist, kannst du es sehr wohl...

 

Alexa... ein Sterbliche,
deren sowieso schon zu kurzes Leben durch eine Krankheit noch weiter verkürzt wurde. Die Erinnerung daran, wie schüchtern Methos ihr begegnet war, wie viel Zeit und Geduld er in den Aufbau einer Beziehung gesteckt hatte...

 

... das Dark Quickening...
Duncan wurde vom Bösen übernommen, musste untätig mit ansehen wie das Böse in seinem Körper unglaubliche Dinge anstellte. Methos hatte ihm geholfen, obwohl Duncan ihm mit dem Tod gedroht hatte, hatte der alte Mann nicht aufgegeben und Mac zuletzt wieder seinen Seelenfrieden geschenkt.

Methos kehrte zurück zu Alexa, nur um wenige Wochen später einen letzten, verzweifelten Versuch, ihr Leben zu retten, zu starten. Doch der Methusalem Stein ging verloren, Alexa starb in Methos' Armen.

Warren Cochrane...
die Sache mit Joe, den Beobachtern und Galati. Fast ein Jahr hatten sie sich daraufhin nicht gesehen, plötzlich lag der alte Mann in seinem Bett und faselte von einem Doppelgänger. Einem Doppelgänger der kurz darauf seinen Kopf verlor. Ingrid... Methos hatte sich als sein Anwalt ausgegeben und ihn aus dem Gefängnis geholt...

Dann...
die Sache mit Kronos und den Reitern. Die schockierenden Enthüllungen über seine Vergangenheit als Death, seine heimliche Hilfe für Mac... alles endete mit dem Tod von dreien der vier Reiter der Apokalypse. Das Doppelquickening, das alles veränderte, sie beide von einander entfernte, gleichzeitig aber auch dafür sorgte, dass sie nicht mehr von einander loskamen. Für ewig verbunden, ein Band, das nur der Tod zerschneiden konnte.

Tränen rannen über MacLeods Wangen und er tat nichts, um sie aufzuhalten. Warum auch? Es war doch egal... alles war egal.

"Es tut mir leid, ich hätte es verhindern müssen. Irgendwie..."

... Methos' tote Gestalt zu seinen Füßen. Blutig, das Gesicht zu einer Grimasse des Schmerzes verzerrt. Ein grauenvoller Tod, durch seine, Duncans Hand. Ein Tod, ausgedacht und ausgeführt jedoch von Kronos, der Pest. Ja, Kronos hatte die Bezeichnung Pest wirklich verdient, durch ihn, sein Quickening, seinen Einfluss auf Duncan, war die fragile, immer sehr instabile Freundschaft zwischen ihm und Methos endgültig zerbrochen. Methos hatte dem Highlander noch ein letztes mal geholfen, dann war er verschwunden.

Duncan konnte es ihm nicht verübeln, im Gegenteil: Er verstand Methos vielleicht sogar besser als dieser sich selbst. Kronos' Erinnerungen verfolgen ihn noch immer, ließen ihn oft mitten in der Nacht schreiend erwachen. Es war nicht nur Methos, von dem er träumte, nein, es waren oft völlig andere Episoden aus dem Leben der Pest, die ihn nervlich fertig machten. Er hatte Melvin Koren schon früher für ein Monster ohne Gnade und Skrupel gehalten, doch erst jetzt - mit seinem Quickening und, dank dem Doppelquickening, auch einem Teil von Methos' - erfuhr er nach und nach was Kronos wirklich alles getan hatte.

Am Anfang waren es noch relativ harmlose Träume gewesen, immer gewalttätig, immer schockierend. Doch Duncan konnte damit leben, sie am Tag verdrängen. Doch nach und nach übernahmen sie die Kontrolle über ihn, ergriff Kronos von ihm Besitz. Bis es eines Tages soweit war, dass Kronos ihn vollkommen unter Kontrolle hatte...

 

 
[6 Monate zuvor, Seacouver]

 

"Methos? Bitte, komm zu dir..." Duncans Stimme brach, er konnte fast nicht mehr sprechen. Wütend auf sich selbst starrte er auf den reglosen Körper, der in seinen Armen lag, und betete darum, dass Methos sich bald erholen würde. Er konnte noch immer kaum glauben, was er - nein, Kronos - , erinnerte er sich selbst, ihm angetan hatte.

Methos' Wunden heilten nur langsam ab, seine Gesundheit war - trotz Unsterblichkeit - in letzter Zeit ziemlich angeschlagen gewesen. Nicht körperlich, das war ja nicht möglich. Aber seelisch... Methos ging es seit der ganzen Reiter-Sache, dem Doppelquickening und dessen Konsequenzen schlecht. Dementsprechend lange dauerte die Heilung jetzt. Noch immer fassungslos, versuchte Duncan hinter das gesamte Ausmaß der Verletzungen zu kommen.

Gebrochene Knochen, der rechte Arm eindeutig, sicherlich auch einige Rippen - nach den Tritten, die er Methos verpasst hatte, kein Wunder. Vermutlich noch etliche andere Brüche, die sich so einfach jedoch nicht feststellen ließen. Innere Blutungen, dessen war Mac sich sicher.

Noch immer hoben sich die, noch kaum verheilten, Schnitte deutlich von Methos' blasser Haut ab. Der älteste Unsterbliche war sowieso nur noch ein Schatten seiner Selbst, Duncan konnte jeden Knochen einzeln sehen, blutige Striemen bedeckten seine Arme und den Oberkörper.

Am meisten entsetzte Mac jedoch die Verletzung am Hals. Hatte er das wirklich getan? Hatte er seinem Freund wirklich das Messer an die Kehle gesetzt und die Klinge langsam in die Haut schneiden lassen? Ein Blick auf Methos und er hatte seine Antwort. Ja, er hatte es getan. Es war eine tiefe Verletzung, der Schnitt war fast so tief wie damals bei Kalas... Hoffentlich bleiben keine Narben...

 

Ein keuchendes, gequältes Einatmen lenkte Macs Aufmerksamkeit wieder auf Methos. Der alte Unsterbliche erwachte endlich wieder. Trotzdem heilten seine Verletzungen nicht, stellte Duncan entsetzt fest. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Methos' Wunden nicht langsam sondern GAR NICHT heilten. Verdammt, was war los? War der alte Mann wirklich so am Ende, dass nicht einmal mehr seine Regenerationsfähigkeit funktionierte? Wenigstens war er wieder am Leben, mehr oder weniger.

Vorsichtig, darauf bedacht, Methos nicht noch weiter zu verletzen, tastete MacLeod nach der Halsschlagader. Seine suchenden Finger fanden einen Puls, schwach, unregelmäßig und noch schwächer werdend. Oh Gott, er stirbt noch einmal! Kaum wieder zum Leben erwacht, starb Methos noch einmal in Macs Armen. Noch immer keine Veränderung seines Zustandes, die Verletzungen heilten noch immer nicht.

Sie mussten beide von hier fort, entschied Duncan. So vorsichtig wie es nur irgendwie ging, hob er den toten Körper hoch und brachte ihn zum Thunderbird. Irgendwie schaffte er es sogar, die reglose Gestalt in den Wagen zu bringen, ohne Methos zu verletzen. Methos brauchte jetzt viel Ruhe, irgendwie hatte Mac das Gefühl, dass es - für unsterbliche Maßstäbe - ziemlich lange dauern würde, bis Methos sich wieder erholt hatte. Und wenn einmal die Wunden verheilt waren... dann gab es immer noch das Problem namens Kronos und Quickening. Er wollte im Moment noch nicht daran denken, wie Methos wohl reagieren würde, wenn er in MacLeods Wohnung wieder zu sich kam. Entsetzen, Ablehnung, Todesangst... alles war möglich.

Egal, das waren alles nur Spekulationen und dafür hatte er jetzt keine Zeit. Er musste Methos in Sicherheit bringen. Ja, Sicherheit - bei mir? Man sieht ja, wie sicher er bei mir ist. Dagegen wäre ja sogar eine öffentliche Straße in einer Slumgegend sicher. MacLeod verfluchte sich für seine Naivität. Wie hatte er nur so blind sein können und die Gefahr erst sehen können, als es zu spät war?

Wie hatte er zulassen können, dass Kronos' Quickening derart die Kontrolle über ihn übernahm? Und vor allem... - die Frage, die ihn am meisten quälte - warum hatte er nicht, irgendwie, egal wie, verhindert, dass Kronos beziehungsweise er, Duncan, Methos derart verletzte? Mac warf noch einen Blick auf seinen toten Freund. Erst jetzt wurde ihm wirklich bewusst, wie schlimm er Methos zugerichtet hatte.

"Es tut mir leid...", brachte er flüsternd hervor. Keine Reaktion. Wie auch?

 

Kurz bevor sie das Dojo erreichten, kam Methos wieder zu sich. Diesmal erlangte er endlich das Bewusstsein wieder. Im ersten Moment war Mac darüber froh, im nächsten bekam er es mit der Angst zu tun. Hier, im Auto, hatte er keine Möglichkeit, Methos zu beruhigen oder ihm zu beweisen, dass er keine Angst mehr haben musste.

Er fuhr an den Straßenrand, blieb stehen und zog den Schlüssel ab. Er würde den alten Mann nicht noch einmal unterschätzen. Besorgt und auch ein wenig ängstlich beobachtete er Methos. Sah zu, wie sich der Atemrhythmus des Unsterblichen stabilisierte, er langsam die Augen öffnete.

Desorientierung; Duncan konnte sie regelrecht in Methos' Augen lesen. Langsam fokusierte sich sein Blick auf Duncan, er schien einige Sekunden zu brauchen, um ihn zu erkennen.

"Duncan", murmelte er leise. Dann, als ob die Erinnerung urplötzlich wiederkam, zuckte er zusammen und wich so weit es ihm nur möglich war zurück. "Bitte... Frieden..."

"Psss, Methos. Ganz ruhig. Es ist vorbei, Kronos ist weg", versuchte Duncan ihn zu beruhigen. Mac versuchte den Impuls, Methos zu berühren, im Trost zu spenden, zu ignorieren, blieb stattdessen regungslos sitzen.

"Kronos ist tot", flüsterte Methos leise.

"Ja", erwiderte Mac schlicht.

"Und trotzdem kann er mir noch immer weh tun."

Oh, Methos. "Jetzt nicht mehr, er ist weg."

"Aber du bist noch immer da, also kann er mich weiter verletzten. Immer und immer wieder."

Verdammt! Methos war gefangen. Gefangen in einem Delirium aus Schmerzen und Angst. Seine Verletzungen begannen langsam zu heilen, noch immer konnte MacLeod jede einzelne Wunde erkennen. Trockenes Blut bedeckte einen Gutteil seiner Haut, die Kleidung war zerrissen. Methos hatte sich zusammengekauert, als ob er ein möglichst kleines Ziel bieten wollte. Und die Augen... der Ausdruck in den Augen des ältesten Unsterblichen jagte MacLeod einen Schauer über den Rücken. Noch nie hatte er solche Panik in Methos' Blick gesehen... verdammt, er hatte noch bei NIEMANDEN solche Angst gesehen. Und ich bin daran Schuld, vor MIR hat er solche Angst... 

  "Gnade... bitte, nicht mehr..." Methos' Stimme erstarb, als er erneut das Bewusstsein verlor.

Gnade, er hat um Gnade gebettelt. Methos hatte nicht einmal in Duncans schlimmsten Alpträumen nach Kronos' Quickening um Gnade gebeten. Nicht einmal in der Zeit vor den Reitern, seinem ersten Leben hatte er das getan. Immer hatte er alles hingenommen, hatte sich danach aber für das erlittene Leid gerächt.

Nachdem er noch einen letzten Blick auf den Bewusstlosen geworfen hatte, startete MacLeod den Wagen neu. Wenige Minuten später brachte er Methos ins Dojo. Die Handlung weckte Erinnerungen... das letzte Mal war es das Boot in Paris gewesen... bloß, dass es Methos damals noch wesentlich besser gegangen war.

 

Duncan brachte ihn in seinem Bett in einer halb sitzenden, halb liegenden Position unter und wartete. Was sollte er auch sonst tun? Einige, qualvoll langsam vergehende, Minuten passierte gar nichts, dann kam Methos wieder zu sich.

"Wo...?"

"Bei mir zuhause, im Dojo", beantwortete Duncan die nur halb gestellte Frage.

"Warum? Was ist passiert?" Methos konnte seine Augen nicht offen halten, blieb aber dennoch bei Bewusstsein. "Warum habe ich solche Schmerzen?"

"Kannst du dich nicht mehr erinnern?" Konnte das wirklich möglich sein? War der Schock so groß, dass Methos die Erinnerungen verdrängte?

"Erinnern? An was?"

"Ist nicht so wichtig", sagte Duncan sanft. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, um Methos die Wahrheit zu sagen. Erst musste er sich erholen, vielleicht konnte er sich dann von selbst wieder erinnern. Nein, ich werde nicht den Fehler, den ich bei Warren gemacht habe, wiederholen.

"Ich kann mich nicht bewegen... habe Probleme beim Atmen." Methos keuchte und rang sichtlich nach Luft. "Mac... bitte... hilf mir, tu was. Ich kriege fast keine Luft." Sein Kopf fiel auf die Brust, seine ganze Gestalt sank noch weiter in sich zusammen.

Die gebrochenen Rippen. Sie haben die Lunge verletzt. "Ganz ruhig, Methos. Du hast dir einige schwere Verletzungen eingehandelt." - Und ich habe sie dir verpasst. - "Versuch' dich zu beruhigen, ganz ruhig." MacLeod half Methos, sich hinzulegen, dadurch zumindest einen Teil des Drucks vom verletzten Brustkorb zu nehmen. "Bleib' jetzt ganz ruhig liegen, es braucht Zeit, bis die Knochen heilen."

Methos gab keine Antwort, sondern nickte nur schwach. Seine Augen schlossen sich wieder, sein Atemrhythmus verlangsamte sich wieder. Dennoch blieb er bei Bewusstsein, zumindest fast.

Während Methos darum kämpfte, das Bewusstsein nicht zu verlieren, holte Duncan Wasser und Decken. Als erstes holte er Methos aus den zerrissenen, Blut durchtränkten Klamotten, dann begann er langsam und vorsichtig die halb verheilten Verletzungen zu reinigen. Immer wieder zuckte Methos zusammen oder schrie leise auf - deutliche Hinweise darauf, dass er sowohl bei Bewusstsein war, als auch darauf, dass die Schmerzen, trotz der langsam einsetzenden Heilung, nicht besser wurden.

"Es tut mir leid, dass ich dir weh tun muss. Aber es geht nicht anders. Das Blut muss weg." - Alleine schon deswegen, damit ich sehen kann, ob sich dein Zustand bessert. 

"Wie ist es passiert? Wer hat mich so verletzt? Und warum heilen meine Verletzungen nicht?", fragte Methos nach einiger Zeit. Mac hatte mittlerweile die Verletzungen versorgt und ihn zugedeckt, darauf bedacht, ihm dabei nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten. Nun saß er neben Methos, dessen Oberkörper gegen den seinen gelehnt. Dadurch bekam der Unsterbliche besser Luft und etwas Körperwärme. Duncan hielt Methos nahe an sich gezogen, versuchte ihn zu beschützen, ihm zu helfen, sich zu erholen.

Was kann ich sagen? Wenn ich ihm jetzt die Wahrheit sage, dann weiß ich nicht, wie er reagiert. Er kann in seinem momentanen Zustand nicht vor mir fliehen... Nein!, entschied Duncan. Ich werde es ihm jetzt noch nicht sagen. Später, wenn er sich erholt hat, dann kann ich es ihm sagen. Er ist jetzt nicht in der Verfassung, um die Wahrheit zu ertragen. - "Ich weiß es nicht", antwortete er. "Du hast es irgendwie hierher geschafft, du bist unten im Trainingsraum gestorben und ich habe dich dann hochgebracht."

"Damit wäre das 'wie' geklärt, aber nicht das warum... das Warum, warum meine Wunden nicht heilen."

"Ich glaube, das hängt mit deinem physischen und psychischen Zustand zusammen, den du VOR der...", er suchte nach dem richtigen Wort- "... Folter hattest, zusammen."

"Was ist mit mir? Was ist mit mir passiert?"

Ein Verdacht kam langsam in Macs Bewusstsein. Hatte Methos mehr als nur die Folter durch ihn vergessen? "Methos... was ist das letzte, woran du dich erinnerst?"

"Wir waren gemeinsam bei der Show... ich habe nicht gewusst, wer den Twist erfunden hat und bin rausgeflogen.... danach..." Methos öffnete die Augen und sah MacLeod ratlos an. "Dunkelheit, Blackout. Keine Ahnung, was passiert ist."

"Du hast über eineinhalb Jahre vergessen? Kronos, die Reiter - Bordeaux?" Noch bevor sich Duncan darüber klar war, was er sagte, waren die Worte schon ausgesprochen.

"Kronos? Was weißt du von Kronos?" Methos klang alarmiert und versuchte sich aufzusetzen um Mac besser ansehen zu können.

"Ganz ruhig. Bleib liegen, du darfst dich jetzt nicht bewegen." Duncan hielt ihn sanft, aber bestimmt fest. "Ich weiß von den Reitern", sagte er schließlich leise.

"Was weißt du von ihnen?"

"Alles. Oder zumindest fast alles." MacLeod bemerkte den verwirrten und entsetzten Ausdruck in Methos' Gesicht. "Ich weiß Bescheid... ich weiß von Cassandra, ich weiß von dir - dem Tod, hoch zu Ross."

"Wann?" Das Wort kam leise, fast lautlos über Methos' Lippen. "Und was ist passiert?"

Was soll ich ihm sagen? Ich kann ihm doch nicht die ganze Geschichte erzählen, das würde er im Moment nicht verkraften. Er braucht jetzt Ruhe und Schutz, er muss schlafen... ich kann ihm jetzt nicht die ganze Reiter-Sache erzählen. Noch während Mac überlegte, was er Methos sagen sollte, spürte er plötzlich wie der ältere Unsterbliche sich entspannte und sein Atem gleichmäßiger wurde. Er ist eingeschlafen. Das beste, das ihm jetzt passieren konnte.

 

Vorsichtig stand er auf und machte es dem Schlafenden so bequem wie nur irgend möglich. Duncan überprüfte noch einmal Methos' Zustand, stellte zufrieden fest, dass zumindest die Schnittwunden schon fast vollständig verheilt waren. Vielleicht - mit etwas Glück, waren sie bis Methos wieder aufwachte ganz verschwunden. Bloß die Verletzung am Hals machte Mac noch etwas Sorgen, die verheilte nämlich nicht gerade schnell. Nein, sie schien fast gar nicht zu heilen. Unwillkürlich kamen wieder Erinnerungen an Kalas...

Unbewusst strich er über die sich langsam schließende Wunde an Methos' Hals. Das Blut war weg, noch immer war das offene Fleisch zu sehen. Bitte keine Narben... 

Mac kniete neben ihm auf dem Bett, eine Hand lag auf Methos' Brust, mit der anderen strich er dem älteren Unsterblichen die Haare aus der Stirn. Er fühlte die Knochen unter seiner Hand, sah, dass Methos viel zu dünn war. Der alte Mann war von Natur aus schon dünn, hatte absolut kein Gewicht zu verlieren. Der Gewichtsverlust der letzten Zeit war sicher auch mit Schuld an seiner miserablen Verfassung.

"Du erinnerst dich wirklich an nichts mehr?", fragte er den Schlafenden. "Hast keine Ahnung, was in Bordeaux passiert ist? Oder danach? Vielleicht solltest du darüber froh sein, vielleicht sollte ICH darüber froh sein... irgendwie denke ich sogar, dass es besser ist, wenn zumindest einer von uns vergessen kann, nie wieder daran denken muss." Duncan holte tief Luft, sammelte Kraft für seine nächsten Worte. "Vielleicht ist das unsere Chance auf einen Neubeginn. Ich schwöre bei Gott, dass ich dir niemals etwas über die Geschehnisse mit Kronos erzähle, dass du - wenn es nach mir geht - nie mehr daran erinnert wirst. Ich habe einmal gesehen, wie es dich fertig macht, ich kann es kein zweites Mal mit ansehen." Wenn du dann überhaupt noch mit mir reden würdest. "Und am allermeisten hoffe ich, dass du nie wieder daran erinnert wirst, was ich dir angetan habe."

Bitte, Methos, komm wieder zu dir, werde wieder gesund. Ich kann nicht mit ansehen, wie du leidest. Duncan zog sich langsam zurück und überließ Methos sich selbst. Er konnte nichts mehr tun - außer warten.

 

Und genau das erwies sich mehr als schwierig. Die Stunden vergingen nur langsam und Methos schlief immer noch. Einerseits war Mac darüber froh, auf der anderen wünschte er sich nichts sehnlicher, als dass Methos endlich wieder aufwachte. Er hatte zwar keine Ahnung, was und wie viel er über die Ereignisse in Bordeaux erzählen konnte, ohne den älteren Unsterblichen zu sehr zu schocken. Trotzdem wollte er es hinter sich bringen. Vielleicht... wenn er Methos zwar die Wahrheit erzählte, einige unangenehme Details, wie Silas' Tod und das Doppelquickening, aber wegließ.... entweder würde sich Methos eines Tages von selbst daran erinnern können, (was Duncan nicht hoffte), oder aber er würde in seinem Leben ein Blackout von knapp eineinhalb Jahren haben. Bei einer Lebensspanne, die schon 5000 Jahre andauerte und durchaus noch ein paar tausend weitere umfassen konnte, war diese Zeit doch wirklich unerheblich.

Methos' leise Stimme riss ihn aus seinen Grübeleien. "Du schuldest mir noch eine Antwort, Mac."

Duncan zuckte leicht zusammen, er hatte nicht mit einer derart direkten Frage gerechnet. Geschweigedenn damit, dass sich Methos an das vorherige Gespräch erinnerte. Verdammt, kenne ich ihn noch immer nicht gut genug? Langsam müsste ich ihn doch besser einschätzen können, oder? "Was willst du wissen?"

Methos wollte sich aufsetzen, was aber die gebrochenen Rippen noch nicht zuließen. Mit einem leisen Stöhnen legte er sich wieder hin. "Alles. Wenn du schon was über die Reiter weißt, will ich wissen was und wie viel."

Duncan ging neben Methos in die Knie, schloss die Augen und begann zu erzählen, was er für vertretbar hielt. "Es ist knapp 18 Monate her. Wir waren bei der Show, du bist rausgeflogen, hast dich darüber bei mir aufgeregt." Duncan lächelte. "Du meintest, dass du Caesars Lieblingsgericht kennst, weißt, dass Helena von Troja doch nicht so schön war, wie alle glauben... deine übliche Angeberei halt. Wir wurden unterbrochen, als ein Unsterblicher auftauchte. Ich wollte wissen wer es ist - du hast mal wieder das Wegrennen vorgezogen." Er verzog das Gesicht. "Rückblickend gesehen hätte ich das auch tun sollen..."

"... hast du aber nicht. Ich kann es mir vorstellen: Während ich einen anderen Weg genommen habe, bist du mal wieder geradewegs in die Schwierigkeiten gelaufen."

"Ja, so könnte man es nennen... der Unsterbliche... er war ein alter Bekannter, sagen wir mal so. Sagt dir der Name Melvin Koren was?"

"Melvin Koren? Ja, schon. Aber..."

Duncan legte Methos einen Finger auf die Lippen. "Sei still. Ich weiß, dass er Kronos hieß. Nur damals wusste ich es noch nicht. Erst Cassandra hat es mir gesagt."

"Cassandra?", wiederholte Methos geschockt. "Du meinst doch wohl nicht DIE Cassandra..." Er holte tief Luft, bereute das aber sofort. "Verdammte Rippen! Warum heilen sie nicht?", stieß er heiser hervor.

"Methos... vielleicht sollten wir nachher weitermachen. Du solltest dich erst etwas erholen, deine Verletzungen ausheilen lassen."

"Vielleicht hast du Recht", stimmte Methos - zu Duncans vollkommener Überraschung - zu. "Ich kann mir sowieso vorstellen, was Cassandra dir erzählt hat. Was für ein böser, fieser Typ ich doch war, dass ich alle - inklusive ihr - umgebracht habe..."

"Hör' auf." Mac schüttelte entschieden den Kopf. Nein, jetzt konnte er sich das nicht anhören. "Ich kenne die Geschichte, von ihrem und von deinem Standpunkt aus. Ich kann damit leben." Ach, ja? Kann ich das wirklich? "Und du - du brauchst jetzt Ruhe und keine Erinnerungen an deine Reitertage." Wie schlecht muss es ihm wirklich gehen, wenn er mir einfach so zustimmt, nichts weiteres mehr wissen will? Er schauderte leicht. Wie schlecht geht es dir wirklich? Wie schwer habe ich dich wirklich verletzt? "Wie fühlst du dich?"

Methos zog eine Grimasse. "Wie jemand mit gebrochenen Rippen dem jemand die Eingeweide durcheinander gebracht hat." Er atmete vorsichtig ein. "Und jemand der sich nicht bewegen kann."

"Du kannst dich nicht bewegen?" Verdammt, wo ist er denn noch verletzt?

"Nein, meine Rippen lassen das nicht zu. Die halten mich sehr an der kurzen Leine, sobald ich auch nur daran DENKE mich zu rühren, schreien sie Protest", erwiderte Methos schlicht. "Auch wenn ich nicht weiß warum, eigentlich müssten sie schon längst wieder geheilt sein." Er fing MacLeods Blick ein, ließ ihn nicht mehr los. "Ich will nichts mehr über die Reiter wissen - vorläufig. Aber ich habe verdammt noch mal das Recht zu erfahren, wer mich so zugerichtet hat und warum es kaum besser wird." Er sah den inneren Kampf, den Mac ausfocht. "Bitte... sag es mir." Seine Stimme wurde noch leiser, eindringlicher. "Ich habe ein Recht darauf, immerhin geht es hier um mich." Er stockte kurz. "Um meine Gesundheit."

Ich kann es ihm nicht sagen! Er würde in Panik geraten, versuchen von mir davonzulaufen. Und solange er verletzt ist, kann er nicht kämpfen. Es gibt da draußen viel zu viele Unsterbliche, die ihn töten würden. "Du willst momentan nichts mehr über die Reiter wissen, einverstanden. Ich denke sowieso, dass es besser ist, wenn wir damit warten. Also die Kurzfassung: Die ganze Reiter-Sache war nicht gerade leicht für dich, immerhin sind die Drei jetzt tot..."

"Sie sind tot? Alle?" Methos klang geschockt. "Ich hätte nie gedacht, dass das jemand schafft. Selbst dir hätte ich nicht alle drei zugetraut."

"Ich habe aber 'nur' Kronos und Caspian besiegt." Ich muss es ihm sagen, zumindest einen Teil. "Silas wurde von dir enthauptet."

"Ich? Silas getötet?" Methos schien kurz vor einem hysterischem Lachanfall zu stehen. "Nie im Leben! Silas war der einzige, für den ich noch immer so etwas wie Zuneigung empfinde. Er ist ein netter Kerl, bloß eben ein wenig zu brutal verlangt."

"War", verbesserte Mac leise. "Er war ein zu groß geratenes Kind. Du hast es getan, glaub' mir." Und da ich zur selben Zeit Kronos getötet habe und wir das Quickening geteilt haben... hast du es noch nicht bemerkt? Die Verbindung ist ja noch da, spürst du meine Gegenwart nicht, so wie ich deine?

"Und dann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du diesen Punkt meiner Vergangenheit einfach so akzeptiert hast und wieder zur Tagesordnung übergegangen bist." Methos verzog missmutig das Gesicht. "Das ist nicht deine Art zu vergeben, geschweige denn zu akzeptieren."

Im ersten Moment wusste Duncan nicht, wie er darauf reagieren sollte. Die selben Worte hatte Methos damals benutzt - an jenem Tag, an dem er Mac von seiner Beziehung zu Kronos erzählte. "Doch, ich kann", meinte er nach einigen Sekunden. Er war zwar selbst nicht wirklich davon überzeugt, aber im Moment ging es hauptsächlich darum, das Vertrauen zwischen Methos und ihm wieder herzustellen und natürlich, dass sich der alte Mann von seinen Verletzungen erholte. "Lass' mich mal sehen wie weit der Heilungsprozess ist."

"Du bist kein Arzt, ich kann das selbst besser beurteilen!", wehrte Methos ab.

"Ach ja, und wo ist dein medizinischer Stand? Mittelalter?"

"Nein, ich war im vorigen Jahrhundert auch als Arzt tätig."

"Gut, von mir aus", gab Mac schließlich nach. "Und was sagt der Arzt? Wie ist der Zustand des Patienten?"

Mit einem leisen Stöhnen setzte Methos sich auf und zwang sich dazu, langsam aufzustehen. Duncan sah ihm an, wie er versuchte seine Schmerzen nicht zu zeigen. Qualvoll langsam stand er auf und hielt sich krampfhaft am Kopfende des Bettes fest.

"Dem Patienten geht es den Umständen entsprechend", brachte der ältere Unsterbliche mühsam heraus. Er rang noch immer sichtlich um Atem, trachtete jedoch danach, es vor MacLeod zu verbergen. "Und er wird sich wieder ganz erholen", setzte er mit einem leichten Grinsen hinzu.

Ja, aber wann? Er müsste sich mittlerweile schon dreimal völlig erholt haben, aber ich sehe deutlich, dass die Lunge noch immer verletzt ist. Und wie es in seinem Inneren aussieht will ich gar nicht wissen. - "Bitte... leg' dich wieder hin. Du bist bei weitem noch nicht gesund." Aber warum nicht? Es tut weh, ihn so zu sehen, lange halte ich es nicht mehr durch. Es muss was passieren - bald!

"Mir geht es ausgezeichnet", protestierte Methos wenig überzeugend. "Verdammt, ich bin unsterblich, also werde ich mit ein paar gebrochenen Rippen und inneren Verletzungen auch noch fertig!" Trotzig, als ob er Mac etwas beweisen wollte, ließ er die Rückwand des Bettes los und versuchte ein paar Schritte zu gehen.

Duncan war gerade schnell genug um ihn aufzufangen, als die Beine unter Methos weg knickten. "Ja, ich sehe wie gut es dir geht. Du legst dich wieder hin - keine Widerrede!"

"Ich verstehe es einfach nicht", murmelte Methos nachdem ihm Duncan geholfen hatte sich wieder hinzulegen. "Was ist mit mir passiert, dass ich mich nicht erhole?" Er hielt inne, versuchte sich krampfhaft an etwas zu erinnern. "Du sagtest, dass meine schlechte Verfassung mit meinem Zustand vor diesen.... diesen..." Er suchte verzweifelt nach Worten. "Bevor mich irgendwer so zugerichtet hat, zusammenhängt." Er zwang sich dazu, die Augen offen zu halten. "Was ist damals passiert? Wie war meine Verfassung?"

Duncan hätte sich am liebsten abgewandt, wäre davon gegangen... aber er konnte nicht. Methos hielt ihn am Arm fest. Es war zwar kein fester Griff, im Gegenteil, es war nur eine leichte Berührung, aber es reichte, dass Mac sich nicht traute die Hand zurückzuziehen. Nicht jetzt. "Nach den Reitern", begann er langsam. "Unsere Freundschaft... sie war so gut wie am Ende, ich war zu wütend um zu zuhören und du? Du hast dich zurückgezogen, keinerlei Anstalten gemacht, irgend etwas zu unternehmen. Eines Tages - nach einem Gespräch mit Joe - entschloss ich mich, zu dir zu gehen um zu reden. Ich wollte wissen wie und warum... warum du gelogen hast, dich bei Kronos' Auftauchen wieder auf seine Seite geschlagen hast. Warum du ihm geholfen hast, die vier Reiter der Apokalypse wieder zusammenzuführen..."

Methos' keuchte bei dieser Enthüllung überrascht auf, sagte jedoch nichts. Ihm war klar, dass Duncan sonst vermutlich mit seiner Erzählung aufhören würde. Es war offensichtlich, dass es dem Highlander unendlich schwer fiel, über diesen Zwischenfall zu reden.

"... du hast mich nach einem kurzen Gespräch rausgeworfen. Du hast abgeblockt, gemeint, dass du mich nicht brauchst, dass du dein Leben auch sehr gut ohne mich leben kannst." Duncan verschwieg, dass ihm diese Aussage beinahe das Herz gebrochen hatte. So sehr seine Freundschaft mit dem ältesten Unsterblichen auch schwankte, so gern sie sich auch stritten, einander fertig machten - er wollte auf keinen Fall, dass sie endete.

Methos bemerkte, wie Duncans Stimme leiser wurde, bei den letzten Worten fast brach. "Duncan..." Er zog seine Hand zurück und zwang sich dazu, sich aufzusetzen. Duncan saß neben ihm, die beiden Männer sahen sich direkt an. "Du hast mich wütend gemacht", stellte Methos fest. "Das ist, was du am besten kannst." Er verstummte, überlegte wie er es am besten ausdrücken sollte. "Ich kann mich zwar nicht daran erinnern... - aber egal was ich gesagt habe, ich bin mir sicher, dass ich es nicht so gemeint habe. Ich war verletzt - wenn das, was du mir über Kronos und die Reiter erzählt hast, wahr ist, dann ist das kein Wunder. Aber nie, wirklich nie möchte ich unsere Freundschaft aufgeben. Ist dir das klar?" Er schloss die Augen, bekämpfte den Schmerz in seinem Brustkorb und im Bauch. Er spürte, dass er noch lange nicht gesund war, fühlte gebrochene Knochen, und dass in seinem Inneren bei weitem nicht alles in Ordnung war. Er spürte, wie langsam aber sicher wieder die Bewusstlosigkeit von ihm Besitz ergriff - die Anstrengungen der letzten Minuten waren zuviel gewesen, sein geschundener Körper verlangte Tribut. "Egal was in Bordeaux passiert ist... egal was für einen Eindruck ich nachher erweckt habe... du bedeutest mir zuviel, als dass ich unsere Freundschaft aufgeben möchte." Schwarze Flecken schränkten sein Blickfeld ein, der Geschmack von Blut im Mund ließ ihn wissen, dass er nicht mehr viel Zeit hatte. Er wollte noch weiter sprechen, Duncan sein Verhalten erklären... doch er brachte kein Wort mehr über die Lippen.

Duncan beobachtete besorgt, wie Methos um jedes Wort kämpfte, schließlich schon fast lautlos sprach. Er rückte näher, umfasste die Schultern des anderen Unsterblichen. "Methos? Bitte, bleib wach. Du darfst nicht wieder das Bewusstsein verlieren." Er schüttelte Methos, versuchte ihn wach zu halten. "Bleib' bei mir..."

"Keine Chance, Highlander. Schmerzen... im Bauch. Blut, überall ist Blut..." Methos' Kopf fiel gegen Duncans Schulter als er abermals das Bewusstsein verlor.

"Methos?" Sachte schüttelte Mac den reglosen Körper, versuchte Methos wieder zu Bewusstsein zu bringen. Diese ständigen Anfälle, kombiniert mit seinen inneren Verletzungen die partout nicht heilen wollten, machten Duncan immer mehr Angst. Egal wie mies Methos' körperliche Verfassung war, wie geschwächt sein gesamtes System war, mittlerweile hätten die Wunden wirklich schon längst verheilt sein müssen. Aber nein, stattdessen schien sich sein Zustand eher noch zu verschlechtern. Was hatte Methos vorhin gesagt? Schmerzen im Bauch, überall Blut? Mac wusste nicht viel über Medizin, aber Methos' vage Beschreibungen jagten ihm eine Höllenangst ein. Das waren alles Anzeichen auf wirklich schwerwiegende innere Blutungen, die dringend behandelt gehörten. Aber wie und wo? Er konnte Methos unmöglich in ein Krankenhaus bringen, dort würden sie Fragen stellen, und vermutlich sogar hinter seine wahre Natur kommen. Und was sollte er sagen, wenn er danach gefragt wurde, wie sich Methos so verletzt hatte?

Methos' Haut war kalt, sein Atem ging nur schwach. Blutverlust, dachte Duncan abwesend. Er hat zu viel Blut verloren, deswegen schafft sein Körper es auch nicht, die Blutungen zu stoppen. Es geht ihm zu schlecht, um zu heilen. Er unterdrückte ein bitteres Lachen. Welche Ironie - ein Unsterblicher hat zu viel Blut verloren um sich wieder erholen zu können. Er hat viel zu wenig Blut, aber es reicht um die inneren Verletzungen immer bedrohlicher zu machen. Aber was kann ich tun? Verdammt, er gehört in ein Krankenhaus! Er braucht medizinische Hilfe, alleine schafft sein Körper es nicht mehr, sich zu erholen. Aber wem kann ich vertrauen? 

 

Während er in Gedanken sämtliche Möglichkeiten durchging - und auch gleich wieder verwarf - rückte er unbewusst näher an Methos heran, versuchte dem anderen Unsterblichen einen Teil seiner Kraft zu geben. Natürlich war ein solches Verhalten sinnlos und Methos bemerkte es nicht einmal, aber es half ihm, Duncan. Methos' Nähe, die Kälte die von ihm ausging, erinnerte ihn daran, dass Eile geboten war. Er musste etwas unternehmen, das Schicksal allein wusste, wie es ansonsten mit dem ältesten Unsterblichen weitergehen würde. Duncan glaubte mittlerweile eine Erklärung für den - nach Unsterblichen-Maßstäben - fast nicht fortschreitenden Heilungsverlauf gefunden zu haben. Er war sich bewusst, dass ein Sterblicher vermutlich schon längst den inneren Blutungen erlegen wäre, als Unsterblichem war es Methos unmöglich daran dauerhaft zu sterben, das war Mac natürlich klar. Aber dass es nicht besser wurde, im Gegenteil die Schmerzen immer schlimmer zu werden schienen... Methos brauchte Hilfe, ärztliche Hilfe. Jemanden, der über die Unsterblichen Bescheid wusste, aber trotzdem auch über medizinisches Know-how verfügte...

Anne!
Sie war die Rettung - die einzige Möglichkeit um Methos zu helfen. Sie war Ärztin, sie arbeitete hier in Seacouver, sie wusste über die Unsterblichen Bescheid - und, vor allem, sie konnte schweigen und würde keine unangenehmen Fragen stellen. Hoffte er zumindest.

So sanft wie nur irgend möglich löste er sich von Methos, versuchte ihn in eine möglichst angenehme Position zu bringen. "Ich komme gleich wieder", flüsterte er, obwohl er wusste, dass Methos weder seine An- noch seine Abwesenheit bemerkte.

 

Hastig suchte er nach Annes Nummer, fand sie schließlich auch. "Anne? Hier ist... Duncan. - Ich... ich bräuchte deine Hilfe...." Er redete weiter, versuchte ihr die Dringlichkeit seines Anliegens klarzumachen, ohne dabei ins Detail zu gehen. Zum Schluss erklärte die Ärztin sich bereit, im Dojo vorbeizusehen um Mac einen Gefallen zu tun. Er hatte es mit voller Absicht vermieden, etwas von einem medizinischen Notfall zu sagen, Anne jedoch gebeten, ihre Ausrüstung mitzubringen.

Nach der Beendigung des Telefonates ging Duncan wieder zurück zu Methos. Dessen Zustand hatte sich nicht geändert. Weder zum besseren noch zum schlechteren. Er stand neben dem Bett und blickte hilflos auf seinen Freund hinab - bis er unten den Fahrstuhl hörte. Endlich!

 

"Anne! Gut, dass du endlich da bist!" Erleichtert öffnete Duncan die Tür und ließ die Ärztin eintreten.

"Also gut, Duncan. Was soll das?" Anne stand noch halb im Lift, sie hatte keine Möglichkeit Methos' regungslosen Körper auf dem Bett zu sehen, da Duncan ihr im Sichtfeld stand. "Du rufst mich mitten in der Nacht her, holst mich von Mary weg, faselst bloß was von einem Gefallen und dass ich meine Ausrüstung mitbringen soll. Wozu?" Sie verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete Mac abwartend. Was sie sah, erschreckte sie zutiefst. Duncan wirkte verunsichert, blass, übernächtigt. "Was ist mit dir?", fragte sie sanft. "Brauchst du meine Hilfe? Du siehst schrecklich aus." Wenn sie nicht über seine Unsterblichkeit Bescheid gewusst hätte, hätte sie MacLeod für krank gehalten.

"Nein... nicht ich", antwortete er leise. Er klang erschöpft und wie am Ende seiner Kräfte und Nerven. "Es geht um... um einen Freund. Er ist schwer verletzt und braucht dringend Hilfe."

"Dann bring ihn in ein Krankenhaus!" Konnte Mac wirklich so dumm sein?

"Das geht nicht... er ist einer von uns."

Im ersten Moment verstand Anne nicht. Wenn jemand verletzt war, musste er ins Krankenhaus, so einfach war das. '... einer von uns...' "Ein Unsterblicher?" Sie brachte das Wort fast nicht über die Lippen. Seit Jahren hatte sie versucht die Existenz dieser besonderen Art von Menschen zu verdrängen, nicht an sie und ihr "Spiel" mit den Schwertern und Quickenings zu denken.

Duncan nickte leicht. "Komm mit." Er nahm sie bei der Hand und führte sie langsam zum Bett. "Er ist ein Unsterblicher, allerdings litt er in letzter Zeit unter extremem seelischen Stress. Das führte dazu, dass er körperlich abgebaut, sprich abgenommen hat. Und dann..." - Verdammt, wie soll ich das bloß ausdrücken?! Wie soll ich es ihr erklären, was mit ihm passiert ist? - "Ich weiß nicht, wie es passiert ist." Er beschloss bei der selben Story zu bleiben, die er auch schon Methos erzählt hatte. "Irgend jemand hat ihn regelrecht gefoltert, ihm schwerste Verletzungen zugefügt. Ich weiß nicht wer und warum." - Ja, erzähl' ihr doch gleich, dass der Papst evangelisch ist! - "Er hat es irgendwie hierher geschafft und ist tot unten im Trainingsraum zusammengebrochen." Duncan suchte nach Worten, jetzt wo er es jemanden anderen erzählen musste, tat es noch mehr weh. Das Wissen, dass ER es gewesen war, dass er Methos in diesen erbärmlichen Zustand gebracht hatte. "Er hatte mehrere Schnittwunden, gebrochene Knochen, sowie eine Verletzung am Hals", zählte er auf. "Die sind mittlerweile verheilt, aber es gibt da noch etwas, das mir Sorgen macht."

"Und das wäre?" Anne blieb - völlig im Gegensatz zu ihrer sonstigen Hilfsbereitschaft - etwa einen Meter von Methos entfernt stehen und beobachtete wie Duncan wieder neben dem Bett in die Knie ging und dem ruhig da liegenden Mann das Haar aus der Stirn strich. Das hier war mehr als nur Freundschaft, das erkannte sie auf den ersten Blick. Aber wie viel mehr?

"Innere Verletzungen", erwiderte Duncan leise. "Gebrochene Rippen, die die Lunge verletzt haben, sowie schwere innere Blutungen die einfach nicht verheilen. Er hatte Blut im Mund, als er das letzte Mal das Bewusstsein verlor. Und er klagte über Schmerzen im Bauch."

"Und wofür brauchst du dann noch mich?" Die spitze Bemerkung war heraus, noch bevor Anne sie richtig registrierte. Als sie den verletzten Ausdruck in Duncans Augen bemerkte, beeilte sie sich, sich zu entschuldigen. "Tut mir leid. Ich... ich bin bloß noch immer von deinem Anruf überrascht", versuchte sie sich zu erklären.

Mac nickte verstehend. "Es tut mir leid, ich weiß, dass du eigentlich nie wieder etwas mit uns zu tun haben wolltest... aber ich brauche deine Hilfe. Adam braucht deine Hilfe." Das lautlose "Bitte" lag unausgesprochen aber trotzdem deutlich in der Luft.

Anne seufzte leise und trat näher, ging neben Duncan ebenfalls in die Knie. "Adam, ist das sein Name?"

"Ja, Adam Pierson."

"Und er ist einer von euch - ein Unsterblicher."

Eine stumme Bestätigung. "Bitte... versuch' ihm zu helfen."

Sie nickte und schlug die Decke zurück. "Wie lange ist er jetzt schon bewusstlos?"

"Etwa eine halbe Stunde. Und auch davor hat er immer wieder das Bewusstsein verloren."

Die nächsten Minuten vergingen schweigend, während Anne Methos untersuchte und Duncan sich an das andere Ende des Raumes zurückgezogen hatte um nicht zu stören.

Nach einigen Minuten stand Anne wieder auf und kam langsam zu Mac. "Ich bin fertig", sagte sie leise.

"Und? Wie geht es ihm?" Die Angst in Duncans Stimme war nicht zu überhören. Anne wunderte sich abermals, welche Beziehung Duncan zu Adam hatte. Diese Besorgnis ging weit über das Normale hinaus, selbst nach MacLeods Maßstäben.

"Nicht gut." Sie schüttelte den Kopf. "Wäre er ein normaler Mensch, würde ich sagen, dass er im Sterben liegt. Er hat eine Menge Blut verloren - mehr als die Hälfte! Das allein würde bei einem Menschen schon ausreichen um ihn zu töten. Sogar zweimal. Außerdem - wie du schon richtig vermutet hast - hat er einige schwere innere Verletzungen und Blutungen. Seine Lunge wurde von zwei gebrochenen Rippen perforiert - daher seine Atemprobleme, selbst während er bewusstlos ist." Sie hielt kurz inne, bemerkte den Horror in Macs Augen. "Des weiteren sind etliche inneren Organe - darunter Nieren und Leber - geschädigt." Sie wandte den Blick ab. "Es tut mir leid, ich kann nicht wirklich was für ihn tun. Einem Menschen würde ich schmerzstillende Mittel geben und warten bis es vorbei ist... bei einem Unsterblichen, dessen Selbstheilung nicht funktioniert... es tut mir leid, ich kann nichts tun. Wir können nur warten, und hoffen, dass er sich von selbst wieder erholt. Ansonsten..." Sie sprach nicht weiter, sie beide wussten, was das bedeutete.

"Kannst du nichts tun um wenigstens seine Schmerzen zu lindern?", fragte Mac tonlos. Mittlerweile stand er kurz vor einem Nervenzusammenbruch - dass Methos' Körper derart reagieren würde hatte er sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen können.

"Ich könnte ihn höchstens an eine Infusion mit einem Schmerzmittel hängen - das würde die Schmerzen, solange er bei Bewusstsein ist, unterdrücken. Aber mehr... nein, tut mir leid. Selbst wenn wir ihn in ein Krankenhaus bringen würden -" Sie hob die Hand als Mac protestieren wollte "- ich weiß, dass das keine Option ist. Selbst wenn", begann sie noch einmal. "Ich könnte dort nichts für ihn tun. Seine Verletzungen sind zu schwer. So ähnlich wie bei einem Unfallpatienten der vor einigen Jahren einmal in die Notaufnahme eingeliefert wurde und dort seinen schweren Kopfverletzungen erlag. Seltsamerweise verschwand die Leiche - wir wollen den Mann mal Duncan MacLeod nennen - spurlos."

Duncan nickte, er hatte verstanden. "Also kannst du nur seine Schmerzen erträglicher machen, ihm aber nicht wirklich helfen", fasste er zusammen.

Anne nickte bestätigend. "Es tut mir leid, Duncan, aber in solch einem Fall stößt selbst unsere modere Medizin an ihre Grenzen."

"Dann tu es."

"Was?"

"Hilf' ihm so gut es geht, sorge dafür, dass er keine Schmerzen mehr hat." Mac drehte sich um und starrte aus dem Fenster. "Tu was du kannst um ihm zu helfen. Notfalls..." Er stockte kurz. "Du weißt, was ich meine. Sein Körper ist zu schwach dafür, aber vielleicht würde es helfen."

"Nein! Nie im Leben!" Anne war entsetzt. Wie konnte Duncan nur so etwas von ihr verlangen? "Ich kann seine Schmerzen lindern, aber ich werde ihm nicht beim Sterben helfen." Sie holte tief Luft. "Das kannst du machen - du bist das gewohnter als ich."

Sie hatte mit einer verärgerten Reaktion von Seiten Macs gerechnet, mit einem lauten Protest, dass das die Regeln des Spiels seien, dass es nun mal notwendig war - aber nicht mit dem eisigen Schweigen.

Nach einigen Sekunden fing Duncan sich wieder und nickte leicht. "Schmerzmittel, in Ordnung. Tu, was du kannst, und dann lass uns bitte allein." Er starrte noch immer stur aus dem Fenster, seine Gedanken meilenweit entfernt. Ich hoffe, sie kann ihm wenigstens ein bisschen helfen, ihm zumindest die Schmerzen nehmen. Ich fühle, dass es noch länger dauern wird, bis Methos sich wieder erholt hat. Und wenn er erst einmal wieder gesund ist... ich muss ihm irgendwie die Geschichte mit den Reitern erklären, er wird wissen wollen wer ihm das angetan hat - aber ich kann es ihm nicht sagen. Kann ihm nicht sagen, dass ich es war, dass Kronos derart die Kontrolle über mich übernommen hat und in meiner Gestalt ihm all das angetan hat. 

"Und was dann?" Annes Stimme war leise und sanft. Sie kam langsam näher und zwang Duncan dazu, ihr in die Augen zu sehen. "Was willst du dann tun? Ihm den Kopf nehmen, ihm so helfen?" Unbewusst hatte ihre Stimme einen schärferen Klang angenommen, sie konnte und wollte diesen Teil des Spieles nicht akzeptieren. Andere töten, ihnen den Kopf abschlagen... nicht einmal gute Freunde waren ausgenommen, der Kampf Mann gegen Mann, jeder gegen jeden - bis zum bitteren Ende, der Zusammenkunft.

"Nie im Leben!"

Anne sah überrascht auf. Sie wusste selbst nicht, mit was für einer Reaktion sie gerechnet hatte, aber sicher nicht mit einer derart entsetzten Ablehnung. Duncan klang gleichzeitig wütend über den Vorschlag und unendlich hilflos.

"Das könnte ich nie. Verstehst du? Niemals könnte ich ihn töten..." Er brach den Blickkontakt ab und ging wieder zu Adam. "Du sagtest, du kannst seine Schmerzen lindern solange er bei Bewusstsein ist - was hast du damit gemeint?"

Sie seufzte und folgte Mac und blieb neben ihm stehen, versuchte nicht auf den bewusstlosen Mann sehen zu müssen. "Ich kenne mich bei euch Unsterblichen nicht sonderlich gut aus", sagte sie nach einer Weile. "Aber ich denke, dass er bald wieder zu sich kommen wird. Entweder wird es ihm dann besser gehen, sein Körper sich regeneriert haben, oder aber er dämmert weiter in diesem Zustand vor sich hin. Halb lebend, halb tot." Mac zuckte ob dieser direkten Formulierung zusammen. "Es tut mir leid, aber das sind die Tatsachen. Er hängt irgendwo zwischen Leben und Tod. Ich glaube, dass dein Verdacht richtig ist und er zu geschwächt ist, um zu heilen. Aber irgend etwas - Gott allein weiß, was - verhindert auch, dass er sterben kann. Wenn - falls - er wieder zu Bewusstsein kommt, kann ich dir ein Medikament dalassen, das ihm helfen wird, den Schmerz fast vollständig verschwinden lässt. Aber wenn seine Heilung nicht bald einsetzt - sehr bald - wird er wieder das Bewusstsein verlieren. Er ist zu schwach um bei Bewusstsein zu bleiben. Viel zu schwach", setzte sie düster hinzu.

"Und es wird immer so weitergehen?" Duncan klang resigniert, schien weder aus noch ein zu wissen. "Er kommt zu sich, er verliert das Bewusstsein... verdammt, irgendwann muss sich sein Zustand doch ändern!" Bei jedem Wort wurde er lauter, die letzten schrie er schon fast. "Das kann ich nicht akzeptieren! Er muss gesund werden, er muss sich erholen..." - Ich hasste Kronos von dem Moment an, in dem er als Koren in mein Leben trat, ich hasste ihn noch mehr als seine Verbindung zu Methos bekannt wurde, das Wissen, dass ich ihn jetzt in mir habe, machte mich fast krank. Aber dass ich / er / wir beide Methos in diesen Zustand gebracht haben - dafür könnte ich ihm noch einmal den Kopf abschlagen. Und mir gleich dazu. Fakt ist, dass Methos wegen MIR so leidet, ich bin genauso schuldig wie Kronos, vielleicht, nein sicher sogar, noch mehr. Ich hätte ihn bekämpfen müssen, hätte es ihm nicht gestatten dürfen, Macht über mich zu bekommen. ICH bin für Methos' Leiden verantwortlich...

"Ich weiß es wirklich nicht. Wenn ich könnte würde ich mehr helfen, aber ich kann nicht, verstehst du das? Ein Sterblicher wäre schon lange tot, als Unsterblicher hat Adam noch eine Chance sich zu erholen - aber es kann dauern. Wenn ich mir seinen Gesamtzustand so ansehe... - selbst ohne diese Verletzungen gehörte er in ärztlichen Gewahrsam. Es geht deinem Freund schlecht, Duncan, sehr sogar. Ich weiß nicht, was er in den letzten Wochen und Monaten durchgemacht hat aber es hat ihn über seine Grenzen hinaus belastet. Sein Körper verlangt nun Tribut und kann einfach nicht mehr. Auch ihr Unsterblichen habt Grenzen die ihr nicht überschreiten dürft. Ich könnt zwar nicht sterben, aber eure Körper reagieren anders. Und Adam zahlt jetzt den Preis für die letzten Wochen."

Den Preis für die letzten Wochen... Die Worte hallten in MacLeods Geist wieder. Er wusste nicht, was mit Methos in den letzen Wochen geschehen war, er wusste nur, was er ihm in den letzten drei Tagen angetan hatte. Aber wenn er so zurückdachte... selbst durch den Nebel, den Kronos' Quickening in seinen Erinnerungen ausgelöst hatte, konnte er sich daran erinnern, dass Methos schon extrem schlecht ausgesehen hatte, bevor er ihm / ihnen in die Hände fiel.

"Wie ist deine Entscheidung?"

Mac holte tief Luft, ging in Gedanken noch einmal alle Möglichkeiten durch. Schließlich fällte er seine Entscheidung. "Wie ich gesagt habe: Gib' ihm was gegen die Schmerzen und lass' uns dann bitte allein."

"Und was dann?" Anne klang sowohl neugierig als auch besorgt.

"Ich weiß es nicht", gestand Duncan. "Ich weiß nur, dass ich ihn unter keinen Umständen töten kann. Ich werde bei ihm bleiben, und hoffen, dass er sich erholt. Das ist alles was ich tun kann."

Anne nickte und holte etwas aus ihrer Tasche. "Wie weit kennst du dich mit medizinischer Notversorgung aus?", fragte sie.

Erst war Mac überrascht, dann verstand er. "Im zweiten Weltkrieg habe ich als Sanitäter gearbeitet - ich bin vielleicht nicht up to date aber es wird und muss reichen."

"Gut." Anne drückte ihm ein kleines Päckchen in die Hand. "Ich muss es dir wohl nicht erklären. Es wird die Schmerzen unterdrücken, aber sonst wird es nichts bewirken, alles klar?" Sie packte ihre Sachen wieder ein und machte sich zum Gehen bereit. "Da du mich offenbar nicht länger brauchst..." Sie lächelte kurz. "Mary wartet auf mich, meine Mutter passt kurzfristig auf sie auf."

"Schon gut - und... Danke für deine Hilfe. Ich weiß, dass du nie wieder mit Unsterblichen zu tun haben wolltest."

Die Ärztin schüttelte leicht den Kopf. "Es ist nicht so, dass ich nichts mit euch - oder dir - zu tun haben will. Ich kann nur nicht in deiner Welt leben, all das Töten, die Schwerter... das ist nicht meine Welt und ich kann darin nicht leben. Bitte... versteh' das doch. Ich bin Ärztin, ich habe mich verpflichtet Leben zu retten, nicht hilflos dabei zuzusehen wie es zerstört wird."

"Ich verstehe dich nur zu gut - mir geht es ja selbst nicht viel anders. Aber das IST meine Welt, ich wurde in sie hinein geboren - nein, eher ermordet - und ich muss in ihr leben. Es ist unser Schicksal zu kämpfen."

Anne nickte und gab keine Antwort. Sie drehte sich um und wollte gerade die Tür hinter sich schließen, als sie sich noch einmal umdrehte. "Du weißt, wie du Adam behandeln musst?"

"Ja, keine Angst, das kriege ich noch hin."

"Aber bitte denk' daran: Nicht mehr als eine Dosis in zwölf Stunden. Alles andere ist zu gefährlich, selbst für ihn."

Duncan lächelte leicht ob ihrer Besorgnis. "Ich weiß, danke. Leb' wohl."

"Auf Wiedersehen, Mac." Sie lächelte zurück und schloss leise die Tür hinter sich.

 

Duncan starrte noch einige Sekunden auf die geschlossene Tür, dann riss er sich los und kehrte wieder zu Methos zurück. Der Zustand des ältesten Unsterblichen hatte sich nicht nennenswert geändert, doch Mac fiel auf, dass sein Atem etwas unruhiger ging. Er schien langsam wieder zu sich zu kommen.

"Methos?"

Langsam öffneten sich Methos' Augen, er brauchte mehrere Versuche um sie offen zu halten. Er stöhnte leise, biss sich jedoch gleich darauf auf die Lippen.

Mac zwang sich dazu, genau hinzusehen, jede Bewegung des alten Mannes genau zu verfolgen. "Wo hast du Schmerzen?", fragte er leise.

Methos versuchte zu sprechen, gab es jedoch relativ schnell wieder auf und schüttelte nur den Kopf. Nach einigen Minuten atmete er tief ein, ein grauenvolles Geräusch. "Die Lunge... ich kann fast nicht atmen", brachte er mühsam hervor. "Es ist... viel schlechter als das letzte Mal..." Jedes Wort war ein Kampf.

"Ich denke, dass du dich bei deinem misslungenen Aufsteh-Versuch nur noch weiter verletzt hast." Duncan hielt kurz inne. Er musste seine Fragen so formulieren, dass Methos möglichst kurz darauf antworten konnte. "Und dein Bauch? Tut es dort auch weh?"

Methos nickte leicht, zuckte jedoch nach dieser sachten Bewegung schmerzerfüllt zusammen. "Ja, als ob da drinnen alles durcheinander ist, nichts mehr auf seinem Platz."

Laut Anne ist das eine adäquate Beschreibung deines Zustandes, schoss es Mac durch den Kopf. "Warte, ich gebe dir was gegen die Schmerzen." Er stand auf und holte die Medikamente, die er von Anne erhalten hatte. "Das wird dir helfen, zumindest gegen die Schmerzen." Vorsichtig injizierte er Methos das Mittel.

Nach einigen Minuten schien das Medikament den gewünschten Erfolg zu erzielen - Methos schien nicht mehr bei jedem Atemzug tausend Tode zu sterben.

"Was ist das? - Es hilft wirklich", fragte Methos. Er konnte nun besser sprechen, aber Mac vergaß auch nicht Annes Warnung, dass es nur die Schmerzen unterdrückte, die Verletzungen jedoch nicht heilen konnte. Methos ging es noch immer genauso schlecht wie vorher, bloß waren die Schmerzen weg.

"Morphium", antwortete Duncan kurz.

Methos schaute überrascht drein. "Wo hast du denn das her?"

"Anne war hier und hat dich untersucht... ich habe sie gebeten zu kommen. Ich mache mir Sorgen, weil sich dein Zustand nicht bessert."

"Anne..." Methos schien kurz nachdenken zu müssen. "Die Ärztin, mit der du einmal eine Beziehung hattest, nicht wahr?" Er schloss kurz die Augen, unterdrückte die Schmerzen die noch immer durch seinen Körper tobten. Es war besser, erträglicher, ja - aber er war bei weitem nicht schmerzfrei. Aber wenigstens konnte er dank des Morphiums halbwegs klar denken. "Und was sagt sie? Wie geht es mir?" Er bemerkte wie sich Duncans Züge verdüsterten, sich fast so etwas wie Panik in seinen Blick schlich. "Sag' es - ich habe doch ein Recht zu wissen, wie es mir geht, oder?"

Er beobachtete interessiert, wie Mac den Blick abwandte und mehr zum Boden als zu ihm sprach. "Du hast mehrere gebrochene Rippen, zwei davon haben die Lunge verletzt. Deswegen hast du solche Atemprobleme. Die anderen Brüche haben weitere innere Blutungen ausgelöst, die deinen Zustand nur noch weiter verschlechtern. Du hast auch noch andere, innere Verletzungen - Anne sagte, dass unter anderem auch Leber und Nieren verletzt sind." Mac holte tief Luft. "Des weiteren sagte sie, dass du verdammt viel Blut verloren hast - soviel, dass ein Sterblicher allein schon am Blutmangel gestorben wäre."

"Und warum sterbe ich dann nicht?" Eine sachliche Frage, ohne jede Emotion gestellt.

"Ich... wir wissen es nicht. Aber ich habe eine Theorie..."

"Die da wäre?"

"Dass dein Körper zu schwach ist, um zu sterben."

Methos unterdrückte das nervöse Lachen, das sich als Reaktion auf diese Aussage anbot. "Wie soll ich denn das jetzt verstehen?", erkundigte er sich.

Mac gestikulierte hilflos. "Du hast schwerste Verletzungen - Wunden, an denen ein Sterblicher schon mehrfach gestorben wäre. Ein Unsterblicher wäre normal schon längst tot und wieder geheilt - aber deine Verletzungen... sie heilen weder noch stirbst du. Wie hat Anne es formuliert? 'Er hängt zwischen Leben und Tod - sein Körper ist zu schwach, um zu sterben.'"

"Aber mein Zustand bleibt nicht unverändert", stellte Methos leise fest. Er schloss die Augen, es gab nichts zu sehen, das er noch nicht kannte. Er versuchte sich so ruhig wie nur irgend möglich zu halten, keine unnötige Bewegung zu machen. Wenn er bloß das Atmen abstellen könnte... aber Reflexe ließen sich nun mal nicht unterdrücken. Auch ohne Duncans Gesicht zu sehen, wusste er, dass der Schotte überrascht drein schaute. "Ich bin nicht dumm, Mac. Ich habe selbst oft und lange genug als Arzt gearbeitet um meinen Zustand ein wenig einschätzen zu können." Er holte tief Luft - und verfluchte sich eine Sekunde später selbst dafür es getan zu haben. Der brennende Schmerz, der durch seinen Brustkorb zuckte, erinnerte ihn wieder mit aller Macht an seine Verletzungen. "Es wird immer schlechter, ich spüre regelrecht wie ich immer schwächer werde." Sein Kopf rutschte ein wenig zur Seite, er sprach halblaut, mit geschlossenen Lidern. Mac kam es fast so vor, als ob er mit sich selbst redete. "Ich habe vielleicht keine offenen Verletzungen mehr, aber ich spüre, wie ich innerlich verblute." Ein schwaches Grinsen huschte für einen Sekundenbruchteil über sein Gesicht. "Aber ich werde nicht sterben, nein. Der Tod kann nicht sterben, der Tod überlebt alles. Und ich bin der Tod."

"Nein, bist du nicht", widersprach Duncan entschieden.

"Und wer bin ich dann?"

"Methos, nicht mehr und nicht weniger."

"Schön, dass es wenigstens einer glaubt." Methos drehte sich langsam um, und sah Duncan an. Es war deutlich zu sehen, dass er nicht mehr richtig mitbekam, was um ihn herum geschah. "Death hätte sich das nicht gefallen lassen", murmelte er schließlich.

"Was nicht gefallen lassen? Methos, bleib wach! Was hätte sich Death nicht gefallen lassen?" Macs Stimme nahm einen bittenden Tonfall an, er wollte nicht noch einmal mit ansehen müssen, wie Methos in die Bewusstlosigkeit glitt. "Sprich mit mir, was ist mit Death?"

Der ältere Unsterbliche zwang sich dazu, die Augen halb zu öffnen. "Das, was du und Kronos mit mir gemacht haben. Er hätte sich befreien können", brachte er mit gebrochener Stimme heraus. Methos schloss die Augen und verlor kurz darauf wieder das Bewusstsein.

"Methos..." Duncan konnte seine Gefühle und Gedanken nicht in Worten ausdrücken, was sowieso sinnlos gewesen wäre. Er erinnert sich also. Toll, einfach toll. Er weiß, dass ich ihm das alles angetan habe, mit Kronos' 'Hilfe', wenn man das so bezeichnen kann. Verdammt, warum jetzt? Warum konnte das nicht warten, bis er sich erholt hat? Hilflos ließ er sich zu Boden fallen, mit dem Rücken lehnte er am Bett, fühlte Methos' Nähe hinter sich. Wie soll ich mich verhalten, wenn er wieder erwacht? Ich kann nicht einfach normal weitermachen. Ich muss vorsichtig sein. Jetzt war er noch erschöpft und außerdem halb bewusstlos. Ich glaube nicht, dass er sich vorher auch schon erinnert hat, ansonsten wäre er mir nicht so begegnet, hätte sich nicht von mir helfen lassen. Verflucht, was sollte er tun? Resigniert erhob er sich und wanderte ziellos in der Wohnung herum. Seine Verbindung zu Methos war nie ganz abgebrochen, auch nicht während der Zeit, in der Kronos ihn kontrollierte. Noch immer spürte er die schwache aber dennoch deutliche Präsenz des ältesten Unsterblichen sobald er sich darauf konzentrierte. Sie war schwächer denn je zuvor seit dem Doppelquickening, aber dennoch vorhanden. Und so lange er überhaupt noch etwas spürte, wusste er wenigstens, dass Methos noch nicht endgültig verloren war.

Duncan ließ sich in sein Bett fallen, schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Verbindung, auf Methos' Quickening. Es wurde wieder stärker, Mac konnte regelrecht fühlen wie es langsam aber sicher wieder die alte Macht erreichte. Sein Körper erholt sich, bald wird er wieder gesund sein. Aber was dann? Auch wenn keine äußerlichen Narben zurückbleiben, was ist mit denen der Seele? Ich habe nur eine leichte Ahnung davon, was er in seinem Leben schon alles mitgemacht hat, zu klein ist der Teil von ihm, den ich in mir habe. Aber egal wie... was Kronos und ich ihm angetan haben... es hat sicher Spuren hinterlassen. Wie wird er mir begegnen? Wie soll ich mich verhalten? Er wird noch eine Weile brauchen, um soweit zu sein, dass er von mir fliehen kann. Aber ich will nicht, dass er das tut. Entsetzt vor sich selbst unterbrach Duncan seine Gedankengänge. Nein, nein, nein! Denk' jetzt nicht daran, du hast andere Probleme! Erst musste er abwarten, wie sich Methos verhielt, an wie viel er sich wirklich erinnerte. DANN konnte er entscheiden, wie er sich weiter verhalten sollte, die geeignete Taktik zu finden, um den alten Mann bei sich behalten zu können...

 

"Mac?"

Eine sanfte Stimme riss ihn abrupt aus seinen Gedanken. Habe ich geschlafen? Langsam öffnete er die Augen, und konzentrierte sich wieder auf die Realität. Es kostete ihn einige Sekunden, bevor ihm bewusst wurde, wer und wo er war. "Methos?", brachte er überrascht hervor. Fast ein wenig geschockt musterte er die schlanke Gestalt des ältesten Unsterblichen vor ihm. Methos stand vor ihm und beobachtete ihn abschätzend.

"Ist alles in Ordnung mit dir?" Der alte Unsterbliche klang ein wenig besorgt, hauptsächlich aber neugierig.

Das läuft verkehrt herum, eigentlich müsste ich diese Frage ihm stellen... "Ja, sicher doch", antwortete er abwesend. "Und wie geht es dir?" Erst jetzt bemerkte er wirklich, dass Methos ganz normal vor ihm stand und keinerlei Anzeichen von Schmerzen mehr zeigte. Wie lange war ich weg?

"Gut. Besser als noch vor einigen Stunden." Methos klang völlig normal, so als sei nichts passiert.

Aber du weißt doch, welch guter Schauspieler er ist. Duncans Unterbewusstsein quälte ihn weiter. Er würde es doch nie zugeben, wenn es ihm jetzt noch schlecht geht. Aber er sieht besser aus... Aber trotzdem konnte er nicht verstehen, warum Methos sich so normal verhielt und keinerlei Andeutungen in Bezug auf Kronos machte. "Einige Stunden?", wiederholte er überrascht. Himmel, war ich wirklich so lange weg?

Methos zuckte kurz die Schultern. "Ich weiß nicht, wie lange ich das letzte Mal weg war... jedenfalls ist es jetzt zwei Uhr nachmittags." Er stand auf und streckte sich leicht. "Und mir ist es ehrlich gesagt auch egal."

Mac beobachtete fassungslos Methos' Bewegungen - völlig normal und ohne Anzeichen von Schmerzen. "Keine Schmerzen mehr?", vergewisserte er sich.

"Wenn ich welche hätte, würde ich mich wohl kaum so bewegen, oder?" Methos grinste leicht und trat ein paar Schritte zurück. Der alte Unsterbliche bewegte sich mit einer Eleganz, die ihres gleichen suchte. Mac wusste nicht, zum wievielten Mal er diese Feststellung traf. Fakt war, dass er selten jemanden gekannt hatte, der sich mit derartiger Sicherheit und tödlicher Präzision bewegte.

Duncan beobachtete, wie Methos langsam durch das Loft wanderte und offenbar nach Worten suchte. "Wenn du mir was zu sagen hast - dann tu es."

Kaum hatte er die Worte ausgesprochen blieb Methos abrupt stehen. Etwa fünf Meter von Mac entfernt stehend, war klar, dass er mit seinen Gedanken meilenweit weg war. Einige Sekunden lang sagte er gar nichts, schließlich schloss er resigniert die Augen und senkte den Kopf. "Glaube ja nicht, dass ich mich nicht mehr erinnern kann." Mehr sagte er nicht und es war auch nicht notwendig. Methos hob den Kopf wieder und begegnete Duncans Blick. Kein Hass, keine Verurteilung, kein Schmerz - nichts war in Methos' Blick zu erkennen. Im Gegenteil zu MacLeod, der bei diesen Worten unwillkürlich die Luft anhielt. Er zwang sich dazu, normal weiter zu atmen und versuchte seine Gedanken zu ordnen.

"An was?" Mac merkte selbst, wie tonlos seine Stimme klang.

Methos lächelte humorlos. "An alles."

Scheiße, das hat mir noch gefehlt. "Und was jetzt?", fragte Duncan nach. Ich werde aus ihm einfach nicht schlau... laut Eigenaussage kann er sich an alles erinnern - jetzt wäre nur noch interessant, was "alles" bei ihm bedeutet - aber er reagiert absolut nicht so, wie ich es von ihm erwartet hätte. Er hatte erwartet, dass Methos entsetzt floh, ihn verurteilte... was auch immer. Wenn er ehrlich war, hatte er sich keine klaren Vorstellungen gemacht. "Und was jetzt?"

Es kam wieder Bewegung in den regungslosen Körper des alten Unsterblichen. "Life goes on nicht war?" Langsam, noch immer Duncans Blick ausweichend, entfernte er sich vom noch immer völlig überraschten - und auch geschockten - Highlander und blieb in der Nähe der Couch stehen. "Was willst du von mir hören, MacLeod? Dass ich jetzt Angst vor dir habe, dich jetzt verurteile - dass ich es genossen habe?" Seine Stimme wurde lauter und ein fast schriller Klang schlich sich hinein. "Vergiss' es."

Mac wusste einfach nicht, wie er reagieren sollte. Was wollte Methos hören? Oder, besser, was nicht? "Es tut mir leid", murmelte er schließlich leise.

"Es tut dir leid?", echote Methos höhnisch. "Das gibt mir jetzt aber viel, wirklich. Es lässt mich all das vergessen und wir machen weiter wie bisher, okay?" Er hielt kurz inne. "Aber was haben wir denn bisher gemacht? Ah ja... wir sind uns aus dem Weg gegangen, weil wir beide entschieden haben, dass das das Beste für uns beide ist, nicht wahr?" Er pausierte noch einmal, sprach schließlich mit wesentlich ruhigerer, gefassterer Stimme weiter. "Es war wirklich nicht das erste Mal, dass ich so zugerichtet wurde. Um ehrlich zu sein... Kronos und ein paar andere Typen in meinem Leben haben oft schon wesentlich bessere und langanhaltendere Arbeit geleistet." "Nein, bitte... ich will das nicht hören." Tu' mir das nicht an, ich bitte dich. Tu DIR das SELBST nicht an...

"Warum nicht? Es ist doch einfach nur die Wahrheit, die wolltest du doch immer, oder? Hier hast du sie: Das, was Kronos - oder du, je nach Sichtweise - in den letzten Tagen mit mir angestellt haben, war noch gar nichts. Wirklich. Ich schätze es war dein Einfluss, der verhinderte, dass Kronos wirklich unangenehm wurde." Methos' Haltung war völlig normal, es schien, als ob er über etwas völlig normales sprach.

Vielleicht ist es auch so, flüsterte diese eine Stimme, die Duncans Gewissen darstellte. Er ist uralt, er hat in seinem Leben sicher eine Menge wirklich übler Sachen überstanden... vielleicht war diese Episode hier wirklich nichts im Vergleich zu früheren Vorfällen. Aber trotzdem... ich habe gesehen wie er gelitten hat, seine Verletzlichkeit, die er sonst immer so gut versteckt... 

"Das hier war noch gar nichts, verstehst du?" Methos' Stimme verlor ihren eiskalten Klang, Wut und Trauer klangen nun mit, die beim nächsten Satz allerdings schlagartig wieder verschwanden. "Du hast wohl einfach nicht das Zeug dazu, anderen wirklich Schmerzen zuzufügen. Um mir weh zu tun, musst du schon mehr tun." Komm schon, sag' es endlich. Wirf' mich aus deinem Leben, damit ich gehen kann, ohne mir Vorwürfe machen zu müssen. Habe ich dich noch nicht genug provoziert, Highlander? Was muss ich noch tun, damit du deine Nerven verlierst? Soll ich sagen, was Kronos früher gemacht hat? Das würde wohl den gewünschten Effekt erzielen... Nein! Methos unterbrach den Gedanken bevor er zu Ende gedacht werden konnte. Nein, er konnte Mac diese Dinge nicht erzählen. Der jüngere Unsterbliche würde es nicht verstehen... Himmel, vielleicht würde er sogar damit darauf reagieren, dass er Methos noch eher zum bleiben bewegen wollte. Und außerdem kannst du es nicht aussprechen, alter Mann. Gib' es doch zu, zumindest vor dir selbst. Du kannst nicht darüber sprechen, du verdrängst doch auch jeden Gedanken daran, nicht wahr? Dir wird schlecht und du bekommst Angst... könntest vor jedem, der weniger als einen Meter von dir entfernt ist, umbringen oder vor ihm flüchten... das ist ja auch der Grund, warum du MacLeod damals gesagt hast, dass er dich nicht anrühren soll, ist es nicht so? Weil du zuviel Angst vor einer Berührung hast...

"Noch gar nichts?" Auch MacLeods Stimme nahm einen kalten, unpersönlichen Klang an. "Bei aller Liebe... das glaube ich dir nicht." Denk nicht darüber nach, reagiere einfach. Denk ja nicht darüber nach, was diese Aussage bedeuten könnte... "Du kannst mir viel erzählen, und ich kann das Meiste nicht überprüfen, aber das kann ich nicht glauben." Er zwang sich dazu, ruhig zu bleiben und sich nicht in Fahrt zu reden. "Ich habe dich gesehen, verstehst du? Ich habe dich währenddessen gesehen und ich habe dich nachher gesehen. Verdammt, ich habe gesehen, wie du auf mich reagiert hast, als du wieder zu dir gekommen bist!" Jedem Vorsatz zum Trotz wurde seine Stimme lauter. "Ich habe die Angst, die Aufgabe gesehen. Ich habe dich BETTELN gehört! Du hast darum gefleht, dass ich aufhöre, oh ja. Und jetzt sag' noch einmal, dass das gar nichts war!"

"Es war gar nichts", kam die eiskalte Entgegnung. Methos entfernte sich weiter von MacLeod, darauf bedacht, dem jüngeren Unsterblichen nicht den Rücken zu zuwenden.

Hat er etwa Angst, dass ich ihn töten würde? Er müsste doch wissen, dass ich das nie könnte. Mac wurde die Ironie seiner Worte bewusst. Er HAT gewusst, dass ich es nie könnte. Aber nach dem, was ich ihm angetan habe... er hat keinen Grund mehr, mir zu vertrauen.

"Es ist vorbei, Highlander. Vergiss' es am besten so schnell du kannst." Die Worte kamen schnell, abgehackt, als ob sie ihn unendlich viel Überwindung kosteten. Ohne weitere Erklärungen wandte er sich um und ging.

"Methos... warte!" Keine Reaktion. Der andere Unsterbliche blieb nur noch einmal stehen um sein Schwert, das Mac neben die Garderobe gelehnt hatte, aufzuheben. Dann war er weg - ohne noch einen Blick zurück zu werfen.

Leb' wohl, Mac. Wiedersehen werden wir uns kaum mehr... und wenn doch... Nein, ich will nicht wissen, was das für Umstände wären. Ich muss gehen, nicht wegen dem, was du mir angetan hast - damit könnte ich leben, verdammt, das tue ich ja schon! Ich habe schon weitaus unangenehmere Dinge akzeptiert und bin durch sie nur noch stärker geworden. Und einsamer. Aber ich weiß, dass, wenn ich bleiben würde, du damit nicht fertig werden würdest. Ich weiß, dass ich es nicht mehr schaffen würde, die Distanz, die trotz aller Freundschaft noch immer zwischen uns herrscht, aufrecht zu erhalten. Und eines Tages würde ich eine unbedachte Bemerkung machen... dir etwas sagen, das du weder verstehen noch akzeptieren kannst. Ich muss gehen damit wir beide weitermachen können. Wenn ich bleibe... einer von uns beiden würde daran zerbrechen. Entweder du oder ich. Oder wir beide. Methos schüttelte leicht den Kopf, als er feststellte, dass er unbewusst eine Zeile von Shakespeare zitiert hatte. "Du oder ich, oder wir beide. Du oder ich, oder wir beide..." Ich muss einfach gehen...

"Bitte bleib'. Geh' nicht fort, lass' mich nicht allein zurück." Duncan flüsterte die Worte nur, wusste genau, dass Methos sie nicht mehr hörte. Lass' mich nicht alleine. Ich will dich nicht verlieren...

 
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