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Man stirbt nicht zweimal
Teil 1
Teil 2
 
 

Man stirbt nicht zweimal

Teil 1
© by Laughs Brightly ()

 

Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an irgendeiner der Figuren aus den genannten Serien. Die Rechte liegen alle bei den entsprechenden Autoren, Produktionsfirmen und Fernsehsendern, wenn ihr Genaueres wissen wollt, seht selber nach, ich hatte keine Lust.
Auch die Idee von Dawns genauer Herkunft ist leider nicht gänzlich auf meinem Mist gewachsen, ich habe Anleihen bei der Geschichte 'Immortality's Gift' von 'Twilight Unicorn' genommen. Ihr findet die Story auf Englisch unter FanFiction.Net, leider noch unvollendet.
Und natürlich mache ich auch keinerlei Geld mit dieser Story. (leider)
Weitere Bemerkungen: Die folgende Geschichte kreiert eine Art alternatives Universum. Ich weiß, dass es keine Chance gibt, dass Buffy in diese Richtung driftet, aber irgendwie war ich sauer über einige der Entwicklungen in diesen Serien und habe beschlossen, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Für die, die es noch nicht versucht haben, es ist echt ein geiles Gefühl. An jene, die sich wundern, ich habe nicht die Fernsehserie Roswell als Vorlage genommen, sondern die Buchserie von Melinda Metz. Ich fand die Kräfte der drei Außerirdischen dort viel besser, außerdem gibt es da keine Tess. (Ja, ich hasse sie auch.) Abgesehen davon hat mir die Entwicklung in der zweiten Staffel nicht gepasst. Wer die Bücher noch nicht gelesen hat, sollte sie sich schleunigst besorgen, auch wenn sie zum größten Teil noch nicht auf Deutsch erschienen sind.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Buffy- und Diverses-Sektion.

 

Riley hörte hinter sich etwas durchs Unterholz schleichen und drehte sich in die Richtung, aus der die Geräusche kamen.

"Mistdämonen", presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Jetzt waren sie schon seit Monaten dabei, dieses Nest auszuräuchern und immer noch waren sie kaum einen Schritt weitergekommen, aber wenigstens hatte ihm dieser Auftrag die Möglichkeit gegeben, seine Aggressionen abzureagieren. Etwas, das er nach seinen Erlebnissen mit Buffy nur allzu dringend gebraucht hatte.

"Buffy" Immer noch konnte ihn auch nur der Gedanke an sie, der Klang ihres Namens aus der Fassung bringen. Er fragte sich immer noch, was in ihr vorgegangen war, was hatte sie dabei empfunden, als er fortgegangen war? Vermisste sie ihn, verfluchte sie ihn?

"Buffy" Er vermisste sie, vermisste ihre Leidenschaft, ihre entschlossene Art, ihre Kraft.

Ihre Kraft war es, die ihn fortgetrieben hatte, die Kraft, allein mit jedem Problem fertig zu werden, die mangelnde Bereitschaft, ihn in ihr Leben einzubeziehen, sich von ihm helfen zu lassen. Aber die Auserwählte war nun einmal die Eine, die das Böse bekämpfte, von einem Freund stand anscheinend nichts in den Prophezeiungen.

Als er wieder ein Geräusch hörte und sich umdrehen wollte, explodierte plötzlich eine Welt von Schmerzen in seinem Brustkorb. Er wollte schreien und konnte es nicht, wollte sich umdrehen, nachsehen, was mit ihm geschehen war und brachte nicht die Kraft dazu auf.

"Rileyyy." Der Schrei, er klang wie sein Name, drang aus weiter Ferne zu ihm. Wer hatte ihn ausgestoßen? Er kannte die Stimme, konnte sich aber nicht mehr daran erinnern, wem sie gehörte. Dann war der Schmerz vorüber und er wurde von einem Licht umgeben, das alle Fragen und Zweifel vertrieb, das ihn mit einer seltsam beruhigenden Wärme erfüllte.

 

Er sah sich von Gestalten in langen, weißen Roben umgeben, eine von ihnen trat vor und enthüllte ihr Gesicht, ein freundliches Gesicht, das einer Frau in den mittleren Jahren mit Augen, die ihn freundlich und voller Liebe ansahen.

"Willkommen, Riley. Willkommen zu Hause."

"Bin ich tot?"

"Der Mensch Riley Finn ist gestorben, seine Leiche wird von seinen Kameraden geborgen und bestattet werden."

"Ist das hier der Himmel. Sind Sie ein Engel?"

Die Frau lächelte freundlich mit etwas Erheiterung in den sanften Augen.

"In gewisser Weise, und du wirst ebenfalls einer sein. Was wir sind, wird von manchen als Wächter des Lichts bezeichnet."

Das Licht hüllte ihn wieder ein, badete ihn in sichtbar gewordenes Wissen von Jahrtausenden und er wusste. Er wusste von den Wächtern, wusste von seinen vielen vergangenen Leben, wusste von seiner Aufgabe und wusste von... Buffy.

Ihr Sterben hatte eine fürchterliche Erschütterung durch die Welt der Hüter des Guten gesandt. Sie war die stärkste Jägerin gewesen, die es je gegeben hatte, aber selbst das konnte nicht die Erschütterung erklären, die ihr Todeskampf hervorgerufen hatte. Und nun, indem er ihn im Nachhinein miterlebte, öffnete sich eine weitere Wunde in seinem Innern. Er war ein Wächter des Lichts, und seine Liebe für diese einzigartige, wundervolle Frau verstärkte die Agonie über ihren Tod.

"Buffy." Tränen rannen ihm übers Gesicht, die Tränen eines Wächters des Lichts, und sein Schmerz hallte wider in den versammelten Mitgliedern seines Bundes.

Die Frau, die ihn angesprochen hatte, berührte ihn sanft am Arm.

"Wir achten deinen Schmerz, aber sei vorsichtiger mit dem Ausdruck deiner Gefühle, sie fügen uns Wunden zu."

"Gibt es nichts, das wir tun können? Ich bin doch auch gestorben."

"Die Jägerin hat ein anderes Schicksal, aber das Ereignis beunruhigt nicht nur uns. Sei versichert, dass wir uns nicht untätig verhalten werden."

 

* * * * *
 

Willow betrat Giles' Laden mit hängendem Kopf. Sie alle mussten sich Mühe geben, nicht auf Schritt und Tritt in Tränen auszubrechen seit jener Nacht als...

Sie brachte es nicht einmal über sich, daran zu denken. Als sie Giles den Kopf heben sah, wusste sie, dass er irgendwann den Kampf verloren haben musste. Seine rotgeweinten Augen schockierten die junge Hexe. In all den Jahren, in denen sie Giles kannte, hatte sie ihn niemals weinen sehen. Vielleicht hatte er damals geweint, als Jenny Calendar gestorben war, aber sie hatte niemals miterlebt, dass er sich dabei ertappen ließ.

"Morgen, Giles." Sie brachte es nicht fertig, guten Morgen zu sagen, nichts an diesem Morgen war gut. Für heute morgen war der Anruf erwartet worden, der Anruf vom Rat der Wächter.

"Ich, ich wollte nur nachfragen, ob der Rat... ich meine..."

Giles erhob sich, räusperte sich einige Male, hinter ihm sah sie die anderen Mitglieder ihrer Clique stehen. Hatte er in ihrer Gegenwart die Beherrschung verloren? Dann musste es noch schlimmer mit ihm stehen als sie gedacht hatte.

"Was ist geschehen? Haben sie die neue Jägerin ausfindig gemacht?"

"Es gibt keine neue Jägerin.", warf Anya ein, bevor jemand anderer die Möglichkeit hatte, auf ihre Frage zu erwidern.

"Wie? Ich meine, es muss doch eine geben, jetzt wo Buffy..." Sie brach ab und biss sich auf die Zunge. Jetzt, wo Buffy tot war. Niemand wollte darüber sprechen. Es war auch so schon schlimm genug. Dawn lag in ihrem Zimmer bei Giles zu Hause und weinte sich die Seele aus dem Leib, während ständig einer von ihnen bei ihr blieb, um zu verhindern, dass sie etwas unüberlegtes tat. Sie hatte sich opfern wollen, und nun war ihre Schwester tot, gut möglich, dass sie ihr folgen wollte.

Giles musste immer noch um seine Stimme kämpfen, schließlich sagte er heiser: "Der Rat konnte Buffys Nachfolgerin nicht finden und die Zeichen, so sagen sie, seien verwirrend."

Na, wenn der Rat der Wächter, diese Versammlung geheimniskrämerischer Kryptiker das sagte, musste es schlimm sein.

"Was konnten sie sonst sagen?"

"Sie wollten von mir alles wissen, jede Einzelheit, alle Begleitumstände, bis hin zu dem, was Buffy zum Frühstück hatte.." Die Stimme versagte ihm wieder und Xander übernahm.

"Ja, schließlich hat der gute Giles hier die Geduld verloren und dem Rat gesagt, dass sie ihre Fragen nehmen und sich zum Teufel scheren sollten, neben einigen weiteren Beleidigungen, von denen ich nur die Hälfte verstanden habe. Es war ziemlich cool." Xanders übliche Begeisterung für ein derartiges Ereignis war merklich reduziert und die Erheiterung wirkte etwas gekünstelt, aber immerhin. Willow hob die Augenbrauen und sah Giles erstaunt an. Er hatte tatsächlich unanständige Wörter benutzt? Da musste der Ripper in ihm durchgebrochen sein. Aber was zählte, war die Frage, warum es keine neue Jägerin gab.

"Wenn... wenn es keine neue Jägerin gibt, könnte das nicht bedeuten, dass Buffy.. dass Buffy noch lebt?"

"Nicht unbedingt." Giles wiegte den Kopf. "Es könnte auch bedeuten, dass der Tod jeder einzelnen Jägerin nur ein einziges Mal registriert wird und da Buffy schon einmal klinisch tot war.."

"Dann würde das bedeuten, dass Faith die einzige Jägerin ist, und die sitzt im Gefängnis."

Giles nickte und begann, unschlüssig hinter der Ladentheke auf und ab zu laufen.

"Auf jeden Fall bedeutet das ein ernsthaftes Problem."

"Ach, zum Teufel mit dem Rat und ihren Problemen.", ereiferte sich Xander, der einen Arm beschützerisch um seine Verlobte gelegt hatte, die sich immer noch nicht vollständig von ihren Verletzungen erholt hatte.

"Wir haben im Moment Wichtigeres, worüber wir uns Sorgen machen müssen. Was ist mit Dawn? Ich meine, bald wird sich das Jugendamt einschalten, und ihr Vater ist immer noch nicht aufzutreiben. Wir müssen etwas unternehmen, wir können doch nicht..." Er wusste nicht, was er noch sagen sollte. Dawn war alles, was von Buffy übriggeblieben war, abgesehen von dem Grabstein der ihren toten Körper überragte. Trotz allem, was sie für die Welt geleistet hatte, trotz all ihrer Leidenschaft und der Liebe, die sie für ihre Freunde und ihre Familie empfunden hatte, war kaum etwas von ihr zurückgeblieben.

"Wir werden uns um Dawn kümmern. Wir sind ihre Familie."

Willow hatte Giles das letzte Mal so entschlossen gesehen, als er allein losgezogen war, um Angel für den Mord an Jenny zu betrafen. Aber Dawn war nicht nur Buffys Schwester, sie war ein Teil von ihr selbst, aus ihrem Blut und ihrer Lebenskraft geschaffen, Summersblut, das Blut einer Jägerin.

 

* * * * *
 

Riley wurde langsam ungeduldig. Er wollte irgendetwas tun, ganz egal was, solange es ihm nur das Gefühl gab, sich nützlich zu machen. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, Buffy verloren zu haben und nun herumzusitzen und nichts zu tun. Plötzlich sah er das charakteristische Leuchten eines erscheinenden Wächter des Lichts.

Der Mann erschien jung, obwohl er vielleicht mehr als hundert Jahre alt war und er hatte eine helle Haarfarbe, seiner nicht unähnlich.

Aber er blickte nicht besonders freundlich oder salbungsvoll, ganz und gar nicht wie die anderen Wächter des Lichts, denen Riley bisher begegnet war.

"Was ist los? Warum will der Rat mich hier haben? Als ob ich nicht genug am Hals hätte."

"Man hat mir gesagt, Sie würden mir helfen."

Riley hatte da so seine Zweifel, was das anging.

"Helfen? Mir hilft auch niemand." Er fuhr sich durch das blonde Haar und seufzte resignierend.

"Also gut, was ist los?"

"Hallo, mein Name ist Riley Finn und ich bin gerade erst gestorben."

Er hielt ihm seine Hand hin und lächelte sein breitestes 'Lass und Freunde werden' - Lächeln.

"Ein Neuer. Na dann, mein Beileid. Also, worum geht es?"

"Ähem, und wie ist Ihr Name?"

Er zuckte mit den Schultern und grinste Riley humorlos an.

"Tut mir leid, aber ich habe eine unangenehme Zeit hinter mir. Mein Name ist Leo, Leo Wyatt. Worum geht es denn nun?"

"Buffy... die Jägerin, sie.."

"Ja, ich weiß, ich habe es ebenfalls gespürt, aber ich war ein bisschen, äh abgelenkt."

"Wir waren mal zusammen, bevor ich gestorben bin. Ich wusste nichts von ihrem Tod, bis ich ihn hier gespürt habe. Aber irgendetwas beunruhigt die anderen Wächter des Lichts und sie meinen, dass ich derjenige bin, der sich darum kümmern sollte und Sie sollen mir dabei helfen."

Leos Mine veränderte sich bei Rileys Worten und er blickte den jüngeren Wächter des Lichts mitfühlend an.

"Tut mir leid. Du musst sie immer noch lieben, ja?"

Riley nickte und spürte, dass Leo etwas ähnliches erlebt haben musste.

"Ich weiß zwar nicht wie, aber ich werde dir helfen. Und nur zur Information, in der Gemeinschaft Siezen wir uns nicht."

"Okay, Leo."

In diesem Moment erschien eine weitere Gestalt, die Frau, die Riley begrüßt hatte.

"Ada, worum geht es?"

"Hallo Leo, schön dich wiederzusehen. Ich weiß, dass du im Moment mit anderen Dingen beschäftigt bist, aber wir brauchen deine Hilfe wirklich."

Leo hob abwehrend die Hände.

"Schon gut. Spar dir das. Sag mir lieber, was euch zu schaffen macht und wie ich helfen kann."

Ada nickte und verschränkte die Hände vor dem Bauch, bevor sie zu sprechen anfing.

"Wie ihr euch vielleicht bereits gedacht habt, geht es um die Jägerin. Sie war nicht nur die stärkste Jägerin, die es seit Anbeginn gegeben hat, sie hat auch Kräfte berührt, von denen ihre Vorgängerinnen nicht einmal zu träumen wagten. Ihr Schicksal.. nun, sie war anders, damit sei genug gesagt. Das Problem ist nun nicht einfach, dass eine große Kraft des Guten getötet wurde, selbst wenn diese Jägerin etwas Besonderes war, wäre sie, wie es die Regeln verlangen, von ihrer Nachfolgerin abgelöst worden. Aber genau das ist nicht passiert. Es gibt zwar im Moment eine weitere Jägerin, aber das ist nicht das Problem. Die Kraft, die der Jägerin innewohnt ist ein Nexus der Kräfte des Guten, von denen die Jägerin selbst nur einen Bruchteil anzapfen kann. Bei dem Tod einer Jägerin, wird dieser Nexus verlagert, weitergereicht, aber das ist diesmal nicht geschehen. Die Seele der Jägerin klammert sich weiterhin an ihre Kraftquelle, ist aber in ihrer körperlosen Form nicht in der Lage, sie anzuzapfen. Gleichzeitig verhindert diese Verbindung aber sowohl die Widergeburt der Seele wie auch, dass der Nexus in sichere Hände übergeht. Sollte ein Wesen, das mächtig genug ist, sich in den Besitz von beidem bringen, wären die Folgen unabsehbar."

Riley hatte ihren Worten mit kaum verhaltener Spannung und immer größer werdender Unruhe gelauscht.

"Soll das heißen, dass Buffy noch lebt?"

"In gewisser Weise ja. Ihre Seele hat einer Gottheit getrotzt und weigert sich, den Tod als Alternative zu akzeptieren, außerdem gibt es noch verschiedene Komplikationen, Bande, die sie in dieser Daseinsebene festhalten. Die einzigen Möglichkeiten, diese Stasis zu durchbrechen wären entweder die vollständige Auslöschung ihrer Seele..."

Noch bevor Riley zornig protestieren konnte, sprach sie weiter.

"...oder die Rückführung ihrer Seele in ihren Körper."

Leo runzelte die Stirn.

"Wäre so etwas überhaupt möglich? Wäre sie dann nicht so etwas wie ein Zombie?"

Ada schüttelte den Kopf und fuhr in ihren Erklärungen fort.

"Ihr müsst verstehen, dass eine Jägerin keine gewöhnliche Sterbliche ist. Ihre Seele gehört zu den am hellsten strahlenden, die es gibt, dem eines Wächters des Lichts nicht unähnlich, aber völlig aufs Diesseits gerichtet, deshalb sind sie so voller Leben, sowohl physisch, ihre große Stärke, wie mental. Jemand, der eine Jägerin liebt, müsste wissen, was ich meine."

Riley nickte, von der Erinnerung erneut überwältigt.

"Hin und wieder führt die Intensität dazu, dass sie ausbrennen, bisher wurde keine Jägerin älter als Anfang Zwanzig. Aber dieses Beharren auf dem Leben brennt so hell in ihren Seelen, dass die Jägerin, auch wenn sie von ihrem Körper getrennt wird, ihn nicht sterben lassen will. Die Seele dieser Jägerin besitzt soviel Stärke, dass der Körper zwar nicht lebt, aber auch nicht stirbt, er befindet sich in einer Stasis ähnlich wie die Seele. Wenn es gelingt, beide wieder miteinander zu vereinen, dann wird sie wieder leben. Und um das zu tun, brauchen wir euch beide. Du, Riley, kennst sie, und deine Liebe, gepaart mit deinen neuerworbenen Fähigkeiten werden auf sie wie ein Leuchtfeuer wirken, dass ihre Aufmerksamkeit vom Nichtsterbenwollen ab- und zum Lebenwollen hinlenkt. Und was dich angeht, Leo. Man braucht einen sehr mächtigen Zauber, um dieses Ritual durchzuführen. Drei Hexen.."

Wie der Blitz fuhr Leo auf und starrte Ada wütend an.

"Du weißt, dass das im Moment nicht geht."

Ada lächelte Leo nachsichtig an und schüttelte den Kopf.

"Nein, es geht nicht um sie. Ich weiß nicht einmal, ob sie die Macht dazu hätten."

Fassungslos sah er Ada an.

"Aber sie sind doch.."

"Leo. Es gibt viele Dinge, die du nicht kennst. Manche Dinge sind anders als sie uns erscheinen. Die Kraft der Drei ist vielleicht die mächtigste Zauberkraft auf Erden, aber nicht immer geeignet, um jede Aufgabe zu erfüllen. Ihr werdet drei andere Hexen aufsuchen müssen und sie bitten, das Ritual durchzuführen. Ihr werdet noch andere Hilfe brauchen als nur die der Hexen, aber sie sind unerlässlich."

"Aber wozu braucht man dann mich, wenn es nicht um.."

"Es geht um Liz Ortecho."

"Oh."

Mehr konnte Leo zunächst nicht sagen und Riley blickte verwirrt von einem zum anderen. Die Hälfte des Gesprächs erschien ihm wie Chinesisch, so viel verstand er davon.

"Liz.."

"Früher oder später wäre es ohnehin soweit gewesen. Das wusstest du, und die beiden wussten es auch."

"Ellen wird mich umbringen."

Ein gutmütiges Lächeln umspielte Adas Lippen.

"Du bist doch schon tot, was machst du dir also Sorgen darüber? Und außerdem wird es höchste Zeit, dass sich jemand um Liz kümmert. Der Rat hat gespürt, wie sie ihre Kräfte genutzt hat, eine Lebenskraftübertragung."

"Also werden auch andere sie gespürt haben."

Ada nickte. "Genau. Sie braucht einen Schutzengel, egal was ihre Eltern sagen."

Leo nickte und als er antwortete, konnte Riley endgültige Resignation heraushören.

"Na gut. Also Liz, und wer sind die beiden anderen?"

"Frag Riley, er kennt die beiden recht gut."

 

* * * * *
 

Max Evans sah seiner großen Liebe in die wundervollen braunen Augen und bewunderte die herrliche Form, ihrer sanften Wange. Er konnte immer noch kaum glauben, dass ihn dieses wundervolle Geschöpf liebte. Dabei wusste er, dass sie ihn liebte, wusste es mit der gleichen Gewissheit mit der er spürte, dass seine Arme und Beine Teile seines Körpers waren. Und diese Sicherheit, die kein normaler Mensch je zu erreichen hoffen konnte, versetzte ihn in einen wahren Gefühlsrausch. Er hatte in Liz' Seele geblickt, hatte ihre geheimsten Träume und Wünsche gesehen, hatte ihre überwältigende Liebe für ihn gespürt, eine Liebe, wie er sie niemals zu verdienen geglaubt hatte. Und nach all den Zweifeln der vergangenen Jahre, nach all den Missverständnissen und Aufregungen, nach all den Gefahren der letzten Monate, wollte er nichts weiter, als sich in diesen Augen, die ihn mit all der Liebe, die Liz für ihn empfand, anstrahlten, zu versenken und in der Gewissheit ihrer Liebe zu schwelgen.

In den letzten Tagen waren sie kaum zu trennen gewesen, tagsüber waren sie ständig zusammen, hielten sich an den Händen, küssten sich, tauschten Zärtlichkeiten aus. Die Hälfte der Mitschüler und ein guter Teil der Stadtbewohner grinsten hinter ihnen her, wenn sie zusammen irgendwo vorbeigingen, manche waren auch nicht ganz so wohlwollend. Aber das war ihnen egal, solange sie nur zusammen waren.

Die Nächte waren am schwersten zu ertragen, wenn sie getrennt waren. Aber schließlich waren Liz und er nicht nur körperlich verbunden, und seitdem sie ihn von der Schwelle des Todes zurückgerissen hatte, als er, nach dem Sieg über das 'Bewusstsein', das sein Volk gefangen hielt und seinen Körper übernommen hatte, sich aufzulösen begann, und sie mit ihrer Liebe hinausgegriffen und ihn festgehalten hatte, war diese Verbindung stärker geworden, permanent und unlösbar. Sie begegneten sich in ihren Träumen. Max brauchte kaum Schlaf, aber er genoss es, in ihren Träumen umherzuwandern, sich mit ihr zu unterhalten, ihre Traumwelt zu erkunden. Liz hatte eine wunderbar reiche Imaginationskraft und seine Kräfte halfen ihnen, sie noch zu verstärken, auszuschmücken. Es war wie ihre eigene kleine Welt, in der sie niemand störte.

Aber nun waren sie beide wach, in ihrem Zimmer im Haus ihrer Eltern. Mr. und Mrs. Ortecho hatten schließlich resigniert und widerwillig hinnehmen müssen, dass ihr Augapfel Liz einen Freund hatte, aber wenn sie gewusst hätten, dass er jetzt allein mit ihr in ihrem Zimmer saß, hätten sie gewiss einen Anfall erlitten, vor allem ihr Vater. Zwar hatte sich sein beschützerisches Verhalten, das an Obsession grenzte, seit der Aussprache mit Liz gebessert, aber er war nun mal ein Vater, und keinem Vater gefiel der Gedanke, was seine Tochter wohl alles mit ihrem Freund anstellen mochte, wenn er gerade nicht hinsah.

 

Max hatte keinesfalls vor, die Dinge zu überstürzen. Er liebte Liz, ja. Und er genoss jegliche Art von körperlicher Intimität, die sie beide teilten, aber Sex war eine andere Sache, zumal es ja auch noch nicht feststand, inwieweit eine solche Entscheidung Auswirkungen auf sie beide haben würde. Schließlich waren sie Pioniere auf dem Gebiet von Beziehungen zwischen Menschen und Aliens. Aber im Moment war er es zufrieden, ihre Wärme zu spüren und ihren Mund zu betrachten, den Mund, der so gern lächelte, ein Lächeln bei dem jedem Jungen das Herz dahinschmolz, die vollen roten Lippen, die er so gern küsste. So wie jetzt.

Max näherte sich den erwartungsvoll geöffneten Lippen, und gerade als sie sich berührten, sah er aus den Augenwinkeln, wie sich zwei Männer mitten in Liz' Zimmer materialisierten.

Liz war genauso verblüfft wie er, aber sobald er seine Überraschung überwunden hatte, konzentrierte sich Max auf seine Kräfte und bündelte seine Energie zu einem Angriff.

"Wa..?"

Riley hatte gerade noch Zeit, sich wieder aus dem Mädchenschlafzimmer hinaus zu teleportieren, bevor ihn der Energieball treffen konnte. Als er sich wieder im Zimmer materialisierte, sah er, wie das Mädchen sich zwischen den Jungen, der ihn angegriffen hatte und Leo warf.

"Max, nicht. Ich kenne diesen Mann. Er will uns bestimmt nichts Böses."

Riley wandte sich fragend an seinen Begleiter.

"Würdest du mit bitte sagen, was hier los ist? Wieso werden wir angegriffen und was war das überhaupt? Ich dachte, wir sollten nur eine Hexe kennen lernen. Wer ist das da?"

Der Junge, der mit dem merkwürdigen Ball aus Energie nach ihm geworfen hatte, sah ebenso verwirrt aus wie er selbst.

"Hexe? Liz? Was ist hier los?"

Aber noch bevor irgendjemand eine Erklärung abgeben konnte, waren hektische Schritte zu hören und die Tür zu Liz' Zimmer wurde aufgerissen. Im nächsten Moment standen ihre Eltern im Zimmer und sahen sich zwei verlegenen Teenagern und zwei Männern gegenüber, von denen der eine verwirrt aussah, während der andere sich anscheinend auf einen heftigen Zusammenstoß vorzubereiten schien.

"Hi, Mr. Ortecho.", presste Max verlegen hervor, bevor ihn ein wütender Blick von Liz' Vater unterbrach und er froh war, als er diesen Blick von ihm ab- und einem der beiden Männer zuwandte.

"Du. Ich wusste doch, dass irgendwas in der Luft lag, die ganze Woche schon. Was machst du hier?"

"Zunächst einmal, meine Schwester und ihre Tochter besuchen."

Er lächelte erst Mrs. Ortecho und dann Liz an.

"Hallo Ellen, Hallo Liz. Es ist schon eine Weile her, hoffentlich erinnerst du dich noch an mich."

"Hallo, Onkel Leo.", sagte Liz und Riley und Max fragten gleichzeitig: "Onkel Leo?"

Ellen Ortecho jedoch schien nicht allzu erfreut zu sein, ihren Bruder wiederzusehen.

"Was willst du hier, Leo? Wir haben dir und dem Rat doch schon vor Jahren gesagt, dass wir nicht wollen, dass Liz in eure Angelegenheiten verwickelt wird, und nun teleportierst du dich vor ihren Augen hier herein."

Max riss erstaunt den Mund auf. Liz' Eltern schienen nicht einmal erstaunt darüber zu sein, dass sich dieser Leo teleportieren konnte. Was waren die beiden?

"Hör zu, Ellen. Ich weiß, dass du und dein Mann nicht wollen, dass Liz mit diesen Dingen in Berührung kommt und nach dem, was Rosa zugestoßen ist.."

Wütend wurde er von Mr. Ortecho unterbrochen.

"Wag es ja nicht, von Rosa zu sprechen, Leo. Wenn sie nichts von euch und eurem... eurem Club erfahren hätte, wäre das alles nicht passiert und wenn du glaubst, dass ich euch meine einzige verbliebene Tochter überlasse, dann mach dich mal auf was gefasst."

Leos Gesicht verzog sich in Trauer und er sah seinen Schwager ernst an.

"Ich weiß, dass dich diese Ereignisse tief getroffen haben, Juan. Und ich kann dich besser verstehen als du glaubst. Ich.. ich habe jetzt selber eine Familie und... Aber jetzt und hier ist weder die Zeit noch der Ort, um darüber zu reden. Denn gleichgültig, welche Entscheidungen ihr gefällt oder nicht gefällt habt, Liz hat in letzter Zeit ein paar eigene gefällt. Der Rat hat eine Lebenskraftübertragung gespürt. Sie hat ihre Fähigkeiten eingesetzt. Was glaubt ihr, wie lange ihr sie, vor dem da draußen noch abschirmen könnt?"

Als Liz sich verständnislos zu ihren Eltern umwandte, erschreckte sie der entsetzte Ausdruck auf ihren Gesichtern. Sie verstand nicht, was hier vorging. Sie hatte Onkel Leo schon seit Rosas Tod nicht mehr gesehen. Sie hatte stets den Verdacht gehabt, dass es etwas damit zu tun hatte, und nun hatte er diesen Verdacht bestätigt. Aber das erklärte noch immer nicht, wie es möglich war, dass sich ihr Onkel und sein Freund in ihr Zimmer teleportieren konnte. Es war nicht so, wie bei Max, Isabel und Michael, dieses blaue Leuchten erinnerte sie an die Aura, die sie wahrnehmen konnte, wenn sie alle die Verbindung eingingen. Sie hatte ihre Eltern für ziemlich normale Typen gehalten, und auch ihr Leben war alles andere als außergewöhnlich gewesen, bevor die Sache mit Max passierte.

"Ist das wahr?", hörte sie nun ihre Mutter zitternd fragen.

"Mama? Ich verstehe nicht. Worum geht es und wieso kann Onkel Leo sich teleportieren?"

"Hast du.. hast du besondere Kräfte eingesetzt? Hast du jemanden wiedergeholt, jemanden, der beinahe tot zu sein schien?"

Max spürte die Furcht in Liz auflodern, sah, wie ihre Aura sich verfärbte. Ruhig Liz, sandte er ihr zu. Er hatte nun Gelegenheit gehabt, die Aura der beiden Männer zu betrachten, und sie schien anders, intensiver.

"Sie hat mir geholfen, Mrs. Ortecho. Letzte Woche, da war ich nahe daran... Liz hat mich mit ihrer Liebe festgehalten."

Er sah wie Liz' Onkel nachdenklich nickte.

"Du bist kein normaler Mensch."

Max wusste eigentlich nicht warum, aber er war überrascht. Eigentlich hätte er sich doch denken müssen, dass dieser Mann es herausfinden würde, selbst wenn er keine Energiebälle durch den Raum geschleudert hätte.

"Selbst durch die Verbindung eurer Seelen über das Band der Liebe hätte Liz nicht dazu in der Lage sein sollen, ihre Lebenskraft mit deiner zu verbinden, nicht ohne Anleitung. Du musst deinerseits nach ihr ausgegriffen haben, nicht wahr?"

Max nickte nur wortlos, und nun war es an den Ortechos, ihn verblüfft anzustarren.

"Ist er auch..?"

Leo schüttelte den Kopf.

"Nein, das hätte ich gespürt. Er ist kein magisches Wesen. Aber seine Lebenskraft brennt ungewöhnlich stark. Also, mein Junge, willst du uns nicht sagen, wer oder besser gesagt, was du bist?"

In diesem Moment spürte Max den Widerhall seiner Freunde in seinen Gedanken. Sie waren hier, unten im Crashdown. Michael, Isabel, Alex und Maria. Sie mussten gespürt haben, dass etwas nicht stimmte.

"Max.", hörte man es nun durchs Haus tönen.

"Maxwell. Verdammt noch mal, was ist los?"

"Deine Freunde?", vermutete Leo und Max nickte.

"Sie sind wie du?"

Hier zögerte Max. Er wusste immer noch nicht, was hier vor sich ging und er wollte Michael und Isabel nicht mit hineinziehen.

"Wollen Sie mir nicht lieber erzählen, was hier los ist?"

Leo drehte sich nun zu seinem Begleiter um und hob fragend die Brauen.

"Was meinst du, Riley?"

"Keine Ahnung. Ich bin noch nicht so lange in dem Geschäft wie du, aber eins weiß ich, jede Minute, die wir hier vertrödeln, erhöht das Risiko, dass sich irgendjemand oder irgendetwas Buffys Seele bemächtigt."

"Hm, die beiden sind verbunden, nicht nur durch den Gebrauch ihrer Kräfte. Wir werden ihn wahrscheinlich mitnehmen müssen und ich habe so das Gefühl, dass seine Freunde da unten ebenfalls involviert sind. Sie werden spüren, dass etwas vor sich geht. Außerdem können wir jede Hilfe bei unserem Vorhaben brauchen." Zu einer Entscheidung gekommen nickte Leo und sagte zu Max: "Ruf deine Freund herauf. Wir gehen am besten ins Wohnzimmer. Hier wird es langsam eng. Und nachdem ich euch unsere Geschichte erzählt habe, werdet ihr mir vielleicht eure erzählen."

"Vielleicht.", antwortete Max und bemerkte ein Lächeln auf Leos Lippen.

 

Selbst im Wohnzimmer war es immer noch gedrängt voll mit Max, Liz, ihren Freunden, Liz' Eltern und den beiden geheimnisvollen Männern, Onkel Leo und Riley.

Sie hatten gegenseitig Namen ausgetauscht und nun begann Leo zu erzählen.

"Mein Name ist Leo Wyatt und ich bin schon über achtzig Jahre alt."

Nachdem er das erstaunte Keuchen der jungen Leute befriedigt zu Kenntnis genommen hatte, fuhr Leo fort.

"Genaugenommen kann man nicht sagen, dass ich überhaupt altere, denn ich bin schon seit fast sechzig Jahren tot, seitdem mich bei meiner Aufgabe als Sanitäter im Zweiten Weltkrieg eine Granate zerrissen hat. Also gut, ich bin tot. Nummer eins. Nummer zwei: Meine Schwester Ellen hier, ist ebenfalls schon einmal gestorben."

Max spürte die Welle des Erstaunens durch die Aura seiner Freunde fahren wie eine Welle von Fans bei einer Sportveranstaltung. Liz bildete da keine Ausnahme. Schließlich erfuhr man nicht jeden Tag, dass die eigene Mutter eigentlich schon tot sei.

"Ellen war meine ältere Schwester und ist gestorben, noch bevor ich mit der Schule fertig war. Der Grund, warum wir immer noch hier stehen, Teenager verblüffen und Kinder zeugen können..", hierbei deutete er auf Liz. "..ist, dass, nachdem wir gestorben sind, wir zu Wächtern des Lichts wurden, das sind sozusagen Schutzengel für gute Hexen."

Hexen? Was hatte der Kerl mit Hexen? Aber immerhin hatte er sich in Liz' Schlafzimmer teleportiert. Aber das konnte Max auch, allerdings war er ein Alien.

"Ja, es gibt Hexen tatsächlich. Sowohl gute wie auch böse. Darüber hinaus gibt es auch noch jede Menge anderer Geschöpfe, von denen ihr in Märchen und Sagen gehört habt. Dämonen, Vampire, Werwölfe. Ich will euch nicht langweilen, jedenfalls ist das sogenannte Übernatürliche ein integraler Bestandteil dieser Welt. Und für jede Kraft des Bösen, gibt es eine ausgleichende Kraft des Guten. Ellen war über vierzig Jahre lang eine Wächterin des Lichts, bis sie deinem Vater begegnete, Liz. Als sie sich trafen, da war das Liebe auf den ersten Blick, mit Feuerwerk und Fanfaren, was ihr es euch nur vorstellen könnt." Und dabei lächelte er Liz und Max verschwörerisch zu.

"Wie dem auch sei, leider war dein Vater einer von Ellens Schützlingen, eine männliche Hexe, ein Zauberer, Magier.. Nennt es wie ihr wollt."

"Papa?" Der Schock in Liz' Stimme war fast mehr als Max ertragen konnte.

Leo wandte sich nun ihr zu und sah ihr ernst in die Augen.

"Erinnerst du dich noch an die Geschichten, die dir deine Abuela erzählt hat, Liz? Die von den Flüchen und Beschwörungen, von zauberkundigen Frauen und Männern, die ihre Hand über ihre Leute gehalten haben? Von den alten Stammesritualen, die einige eurer indianischen Vorfahren durchgeführt haben?"

"Ja, schon. Aber ich habe immer gedacht, das wären nichts als Märchen. Geschichten, die sie sich ausgedacht hat, um mich zu unterhalten."

"Nein, Liz. Sie sind alle wahr. Um genau zu sein war deine Familie schon immer der Hort großer Macht. Sowohl eure spanischen als auch eure indianischen Vorfahren trugen das Blut großer und zum Teil sehr berühmter Schamanen in sich, aber hin und wieder wurde auch eine echte Hexe geboren, ein Mensch, dessen in ihm wohnenden Kräfte ihn zu Dingen befähigen, von denen die Normalsterblichen nur träumen können. Oft wird diese Gabe von Generation zu Generation weitergereicht, aber in deiner Familie gab es viele, die ihr Erbe verleugneten, weil es nicht immer sicher war, eine Hexe zu sein. Aber dein Vater war sich seiner Kräfte bewusst, und seinerzeit war er eine große Kraft für das Gute."

Liz sah ihren Vater mit weit aufgerissenen Augen an, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen. Ihr Papa hatte für das Gute gekämpft? Wie ein strahlender Ritter? Merkwürdig, so sehr sie ihren Vater liebte, hatte sie ihn sich nie in einer solchen Rolle vorgestellt. Sie sah wieder zu Max, der ihre Hand beruhigend streichelte. Max war ihr Held. Papa war einfach nur Papa.

"Was ist geschehen?"

"Nun, wie gesagt, deine Eltern haben sich kennen gelernt. Normalerweise vermeiden es Wächter des Lichts, sich ihren Schützlingen zu zeigen oder gar zu offenbaren, wir ziehen es vor aus dem Verborgenen zu arbeiten. Abgesehen von der Geheimhaltung geht es auch um praktische Erwägungen. Seht ihr, einige, sogar ziemlich viele von uns, haben die Eigenheit, sich in einen ihrer Schützlinge zu verlieben. Das ist nicht gerade erstaunlich. Schließlich sind sowohl Hexen als auch Wächter des Lichts oft sehr starke Persönlichkeiten, die sich mit ihrer ganzen Kraft für den Erhalt all dessen einsetzen, was gut und schön ist auf dieser Welt. Es kommt nicht selten vor, dass sich Seelenverwandte auf diese Weise begegnen, und wir Wyatts sind dafür besonders anfällig." Er lächelte wehmütig. "Ich muss es wissen. So bin ich meiner Frau begegnet."

Als Liz in die Augen ihres Onkels sah, begegnete sie darin der gleichen Liebe, die sie in sich für Max spürte.

"Fest steht jedenfalls, dass der Ältestenrat nicht gerade erfreut ist, wenn so etwas geschieht. Es beeinträchtigt die professionelle Beziehung und wirkt sich auf die Arbeit aus. Als deine Mutter sich in deinen Vater verliebte, stellte man sie vor die Wahl, den Mann, den sie liebte oder ihre Aufgabe. Sie entschied sich für ihre große Liebe und wurde wieder sterblich."

Ein Seufzen von Maria ließ Liz herumfahren und sie konnte sehen, wie ihre Freundin sich errötend hinter Michael versteckte. "Was ist? Ich finde das ganze romantisch."

"Oh, das war es.", stimmte nun Mrs. Ortecho zu. "Aber was ich nicht verstehe, Leo, ist warum sie dich nicht gezwungen haben, deine Kräfte aufzugeben."

"Oh, für eine kurze Zeit habe ich sie aufgegeben. Aber Piper war so voller Liebe, für ihre Aufgabe und für mich, dass sie es einfach nicht übersehen konnten. Sie haben uns auf die Probe gestellt und wir haben bestanden."

"Und Juan und ich?"

Leo schüttelte traurig den Kopf.

"Ihr habt uns den Rücken gekehrt, Ellen. Juan hat freiwillig auf seine Kräfte verzichtet, um mit dir und euren Töchtern ein normales Leben, frei von Zauberkräften zu leben. Oh keine Sorge, ich will euch damit keine Vorwürfe machen. Wie könnte ich? Ich war bei der Geburt eurer Töchter dabei und weiß, dass selbst die Unsterblichkeit, die uns gewährt wird, es nicht wert sein kann, auf ein solches Ereignis zu verzichten. Ich will euch nur die Sichtweise des Rates begreiflich machen."

Mr. Ortecho nickte nach eine Weile. "Vielleicht hast du recht, Leo. Aber wir wollten doch nur unsere Töchter schützen."

"Auch das weiß ich. Aber Rosa fand es schließlich doch heraus, und wenn man ihr beigebracht hätte, richtig damit umzugehen, hätten sich die Dinge vielleicht anders entwickelt, nicht unbedingt, aber möglich wäre es. Diese Dinge sind nichts, womit man ein Kind spielen lassen kann, und das ist einer der Gründe warum ich hier bin. Liz hat die ihren eingesetzt. Und nun denke ich, solltet ihr uns euere Geschichte erzählen."

Er sah Liz und Max an, und die wandten sich fragend zu den anderen um. In ihrer Aura konnte Max ihre Zustimmung lesen und so begann er.

"Wir, Isabel, Michael und ich, wir waren schon etwas älter als wir begriffen, dass wir nicht wie die anderen waren. Nach und nach begriffen wir, dass wir besondere Kräfte hatten, Dinge tun konnte, die andere nicht tun konnten. Unsere genetischen Erinnerungen gaben uns Hinweise und wir erkannten, dass wir nicht von dieser Erde stammten, dass wir damals bei dem Absturz dabei waren, dem Roswellabsturz."

Das schockierte Schweigen, das nun folgte, hatte Max erwartet und er fuhr fort. Er erzählte, wie er Liz damals als sie angeschossen wurde, das Leben rettete, nur unterbrochen durch den bestürzten Ausruf ihres Vaters, der erkannte, in welcher Gefahr seine Tochter geschwebt hatte, ohne dass er es damals begriffen hatte. Er erzählte von der Verbindung, die sie mit ihren menschlichen Freunden eingegangen waren, wie sie Sheriff Valenti von ihrer Spur abgebracht hatten, von den anderen Aliens, denen sie begegnet waren, Nikolas, Ray, Adam, Elsevan DuPris, von den Mitternachtssteinen, dem 'Bewusstsein', von Valentis Verbindung zum Kommando "Clean-Slate", wie DuPris Adams Körper übernommen hatte, um den Sheriff zu töten, wie er sie alle töten wollte. Er erzählte wie es Alex auf ihren Heimatplaneten verschlagen hatte, wie er und Michaels Bruder Trevor zur Erde zurückkehrten, wie DuPris Adam tötete und von Trevor im Gegenzug getötet wurde und wie sie das Bewusstsein, das Max in einen Zombie verwandelt hatte mit Hilfe der Mitternachtssteine vernichteten und Trevor auf seinen Heimatplaneten zurückgekehrt war, um ihr Volk zu lehren, ohne die Hilfe des Bewusstseins zu leben. Und schließlich, wie Max sich aufgelöst hatte und Liz mit ihrem Geist nach ihm hinausgeschrieen hatte und sich mit ihm in Sterne verwandelt hatte und wie sie schließlich wieder ihre ursprüngliche Gestalt zurückerlangt hatten.

 

Keiner sagte ein Wort, als Max geendet hatte, nur Liz' Vater ballte die Fäuste, dass ihm fast Blut aus den Handballen spritzte.

Als erster hatte sich Riley erholt. "Aliens in Roswell, wer hätte das gedacht."

Maria fing als erste an zu kichern, aber Liz wusste, dass man sich Marias Kichern nicht entgegenstellen konnte und bald lachten alle Versammelten lauthals und wischten sich die Tränen aus den Augen.

Als sich die meisten wieder beruhigt hatten, ergriff Michael das Wort. Er hielt Maria, die immer noch leise vor sich hin gluckste, fest und meinte: "Dann kennen wir ja unsere Geheimnisse. Aliens und Hexen in einem Raum. Nicht schlecht. Sonst noch eine Neuigkeit? Wir sind schon mal dabei, also lasst es raus. Dreht sich die Sonne um die Erde oder lebt Bugs Bunny bei uns um die Ecke?"

Liz warf ihm einen ermahnenden Blick zu und fragte ihren Onkel: "Du sagtest, dass ich meine Kräfte eingesetzt habe, sei einer der Gründe für dein Hier sein."

"Ja. Und nach euerer Geschichte zu urteilen weiß ich jetzt, wie du dein Kräfte einsetzten konntest. Aber ich bin auch hier, weil ich deine Hilfe brauche."

Ihr Vater wollte protestieren, aber Liz warf ihm nur einen bittenden Blick zu und er verstummte.

"Wie kann ich dir denn helfen?"

"Du kennst noch nicht das volle Spektrum deine Kräfte. Ich werde dir dabei helfen, sie zu entfalten. Aber vor kurzer Zeit ist etwas geschehen, was sämtliche Hüter des Guten in helle Aufruhr versetzt hat. Die Jägerin ist gestorben."

Offenbar schien ihre Mutter zu wissen, wovon Leo sprach, obwohl es für Liz keinen Sinn ergab.

"Das kann doch nicht der Grund für diese Aufregung sein. Wenn eine Jägerin stirbt, wird die nächste berufen."

Leo kam nicht dazu zu antworteten, denn Riley erwiderte heftig: "Buffy war.. Buffy ist anders."

Und als Liz in Rileys Augen sah, spiegelte sich darin das selbe Leid wieder, das sie empfunden hatte, als sie um Max leben fürchten musste. Riley musste diese Jägerin lieben.

"Ja, Ellen. Riley hat recht. Die letzte Jägerin, ihr Name ist Buffy Summers, ist etwas Besonderes. Sie ist die stärkste Jägerin, die es je gegeben hat. Sie ist gestorben und wiedergekommen, sie hat Dinge überlebt und Gegner besiegt wie nur wenige Jägerinnen vor ihr und man hat dem Schlüssel menschliche Gestalt gegeben und dazu ihre Lebensessenz benutzt."

"Ach du meine Güte."

Leo nickte und fuhr fort.

"Ihr müsst wissen, dass der Schlüssel die Urenergie ist, er besitzt die Macht, die Grenzen, welche die einzelnen Sphären voneinander trennen einzureißen, er besitzt die Macht das Universum zu vernichten und neu zu erschaffen. Und als man dem Schlüssel menschliche Form gab, machte ihn das verwundbar, anfällig für den Missbrauch durch eigennützige Kräfte. Eine Höllengottheit namens Glorificus wollte sich seine Macht aneignen und Buffy stellte sich ihr entgegen, um die Welt und den Schlüssel, dem man die Gestalt ihrer Schwester gegeben hatte zu schützen. Eine Jägerin, die sich einer Gottheit stellt, und sie hat gesiegt, sie hat Glorificus getötet."

Liz sah, wie sich die Augen ihrer Mutter weiteten. Das musste anscheinend etwas ziemlich Außergewöhnliches sein.

"Aber das Ritual hatte bereits begonnen, die Barrieren begannen zu weichen und es konnte nicht rückgängig gemacht werden, ohne die menschliche Gestalt des Schlüssels zu töten. Aber die Essenz dieses Wesens war die der Jägerin, also opferte sie sich, um ihre kleine Schwester zu retten. Nur ist Buffy nicht wirklich gestorben, ihre Seele klammert sich an ihren Körper und schwebt irgendwo zwischen den Daseinsebenen, während ihre Kraftquelle, das was sie zur Jägerin machte, nicht an seinen nächsten Besitzer weitergegeben werden kann. Wenn es irgendjemandem gelingt, diese Seele in seinen Besitz zu bringen... Die Seele einer Jägerin, die eine Göttin getötet hat, die Folgen wären unvorstellbar."

Riley kürzte das ganze etwas ab.

"Wir brauchen dich und die Hilfe zweier weiterer Hexen, um Buffys Seele wieder mit ihrem Körper zu vereinen."

Liz hatte sich schon längst entschieden. Es war keine Frage, dass sie dieser jungen Frau das Leben retten musste, wenn es in ihrer Macht lag, vor allem wenn es ihrem Onkel so wichtig zu sein schien. Aber bevor sie etwas sagen konnte, platzte es aus Max heraus. "Sie geht nicht ohne mich. Ich lasse Liz nicht einfach bei irgendwelche Ritualen, bei denen Jägerinnen und irgendwelche Höllengottheiten verwickelt sind mitmachen und bei denen wer weiß was geschehen kann, ohne dabei zu sein."

"Wir gehen alle, Mann.", war nun von Michael zu hören.

"Wir sind ein Team. Wenn einer geht, gehen alle. Ich meine, wir sind stärker, wenn wir zusammen sind. Wir haben unsere Kräfte schon vorher vereinigt. Was mit Alienpower funktioniert, muss doch auch mit Hexenkraft gehen."

Liz sah Michaels trotziges Gesicht und wusste, dass es nur die Sorge um einen der wenigen wirklichen Freunde verbarg, die er auf dieser Welt besaß.

"Gut.", stimmte Leo zu. "Ihr habt wahrscheinlich sogar recht. Wir werden jede Hilfe brauchen, die wir kriegen können. Dann wird Juan wohl eure Eltern bitten müssen, euch ihm für eine Campingtour anzuvertrauen. Wir haben noch nicht alle benötigten Teilnehmer zusammen und das Ritual kann nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden und nimmt einige Zeit in Anspruch, ihr könnt nicht ohne jeden Abschied verschwinden. Riley und ich müssen noch jemanden abholen. Ich werde heute Abend wieder hier sein und euch mitnehmen. Haltet euch bereit. Riley hatte recht, jede Verzögerung könnte tödlich sein."

Und im nächsten Moment schimmerten er und Riley bläulich auf und waren verschwunden.

 

* * * * *
 

Gunn und Wesley saßen in den Büroräumen von Angel Investigations und starrten die Wände an. Irgendwann hatte Gunn die Nase voll davon.

"Was meinst du, ob er wieder was Dummes macht? Ich habe ihn seit der Sache mit dieser Darla nicht mehr so trübsinnig gesehen."

"Das ist etwas anderes.", erwiderte Wesley, das nominelle Haupt ihrer Detektei. "Auf gewisse Weise ist es schlimmer als damals. Buffy war seine große Liebe, die Liebe seines Lebens, oder Unlebens oder Todes. Tatsache ist, dass Buffy die einzige Frau war, die er in fast 250 Jahren wirklich geliebt hat, sie war der Grund dafür, dass er sein Leben in Elend und Sinnlosigkeit aufgegeben hat, sie hat ihm einen Grund zum Weitermachen gegeben. Die Prophezeiung, in der ihm Vergebung versprochen wird, ein normales Leben als Mensch, das hat die Hoffnung aufrecht erhalten, nachdem er erfuhr, dass er als Vampir nicht mit ihr zusammen sein konnte. Aber jetzt, da sie tot ist? Seine Zweifel am Kampf gegen das Böse gehören wohl der Vergangenheit an, aber er könnte sich vielleicht entschließen, nicht mehr gegen den Tod anzukämpfen. Vielleicht lässt er sich in seiner Verzweiflung auf Kämpfe ein, die er vermeiden könnte."

"Du meinst, er könnte versuchen, Selbstmord zu begehen?"

"Nein, nicht wissentlich wenigstens. Aber er könnte versuchen, so hart gegen das Böse zu kämpfen, dass es entweder verschwindet oder er seine Belohnung im Tod findet, wodurch er wieder mit Buffy vereint wäre. Ich weiß nicht welche Vorstellungen ein Vampir mit einer Seele vom Jenseits hegt."

Als Cordelia den Raum betrat, sahen die beiden Männer fragend zu ihr auf.

"Was starrt ihr mich so an? Habe ich etwa einen Fleck auf der Nase?"

"Angel. Du erinnerst dich an ihn? Groß, dunkel, trübsinnig, Vampir, hat gerade seine große Liebe verloren und ist allein in einem Raum voller Holzmöbel."

Cordelia warf Gunn einen vernichtenden Blick zu, den dieser geflissentlich übersah.

"Er wird darüber hinwegkommen, hoffe ich. Ich meine, er muss darüber hinwegkommen, er ist doch Angel. Er hat doch ständig diese Epiphanien. Es geht doch nicht anders, er..." Sie hielt inne und sah ihre beiden Freunde unschlüssig an. Schließlich entschloss sie sich, das Thema zu wechseln.

"Irgendwas Neues aus Sunnydale gehört? Wie geht es Dawn?"

"Giles hat nur einige vage Andeutungen gemacht, aber sie muss es sich sehr zu Herzen nehmen."

Cordelia wollte gerade alle Namen abfragen, die ihr bei dem Ort Sunnydale in den Sinn kamen, als plötzlich zwei blaue Lichtsäulen im Raum aufleuchteten, um sich in zwei Männer mit blondem Haar zu verwandeln.

"Also echt, Leo. Ich glaub' nicht, dass ich mich so bald an diese Art der Fortbewegung gewöhnen werde."

Cordelia hatte es kurz die Sprache verschlagen, aber als einer von ihnen zu sprechen anfing, sprudelte es aus ihr heraus.

"Dämonen, Hilfe, Dämonen."

Auch die beiden Männer hatten sich von ihrem Schreck erholt und griffen zu den bereitliegenden Äxten, die sie, dank einiger leidvoller Erfahrungen, stets griffbereit hatten.

Leo und Riley waren ebenso verdutzt über den Anblick zweier brüllender Männer, die sich mit Kriegsäxten auf sie stürzen wollten.

"Halt, bitte, das ist ein Missverständnis, wir sind keine Dämonen. Wir sind Freunde, wir brauchen Hilfe."

Wesley und Gunn hielten inne, senkten aber weder die Waffen, noch ließen sie die Fremden aus den Augen. In diesem Moment stürzte Angel, durch den Lärm angelockt, in den Raum.

"Was ist den los? Ist etwas pass.."

Bei dem Anblick des jüngeren Mannes blieb er wie vom Schlag getroffen stehen.

"Finn!"

Riley drehte sich anklagend zu Leo um. "Du hast mir nicht gesagt, dass wir ihn treffen würden. Herrgott, Leo, wieso musste es ausgerechnet seine Seherin sein? Kannst du dir vorstellen wie ich mir jetzt vorkomme?"

"Stell dich nicht so an, Riley.", entgegnete Leo.

"Sie ist am geeignetsten. Ihre Seherfähigkeiten sind stark und sie kennt Buffy."

Bei dem Klang von Buffys Namen intensivierten sich die Blicke, die von allen im Raum Anwesenden auf sie gerichtet wurden.

"Buffy? Was hat Buffy damit zu tun? Sie ist tot. Sie ist gestorben, nachdem du dich aus dem Staub gemacht hast."

"Es scheint, dass du diesen Typen kennst, Alter. Würde es dir etwas ausmachen, ihn uns vorzustellen?"

Angel nickte widerwillig.

"Riley, das sind meine Freunde, Cordelia Chase, Wesley Wyndham-Price und Gunn. Leute, das ist Riley Finn, ein weiterer von Buffys Ex-Freunden. Wer der andere ist weiß ich nicht."

Cordelia schüttelte ungläubig den Kopf.

"Aber du hast doch gesagt, dass Buffys Neuer ein Mensch sei."

"Ja, das ist er auch."

"Tut mir leid, Mann, aber er und sein Kumpel sind gerade in einem Schwarm blauer Glühwürmchen erschienen."

"Gunn hat recht, Angel. Die beiden haben sich hier hereinteleportiert."

"Okay.", grunzte Angel. "Das müsst ihr beiden mir näher erklären."

Blaue Glühwürmchen? Teleportieren? Woran erinnerte ihn das bloß?

Leo seufzte, als er den ungeduldigen Blick des Vampirs auffing.

"Sieht so aus, als kämen wir heute aus dem Erklären nicht mehr heraus. Vielleicht willst du diesmal?"

Riley nickte und Leo machte es sich in einem der Sessel bequem, während sein Begleiter stehen blieb.

"Also, es begann damit, dass ich vor knapp zwei Tagen gestorben bin.."

Riley erklärte Angel, Cordelia und den anderen, was es mit den Wächtern des Lichts auf sich hatte, was mit Buffys Seele geschehen war und welchen Plan sie hatten, um Buffy wieder zurückzuholen.

"Und damit kommen wir zu Cordelia. Für das Ritual brauchen wir einen Seher, jemanden, der Buffys Seele zwischen den Daseinsebenen aufspüren und die Hexen bei ihrem Ritual leiten kann, um die Seele wiederzuerkennen, sollte er die entsprechende Person gekannt haben, all das trifft laut denen da oben auf Cordelia zu."

Angel hatte während Rileys Erzählung die Augen nicht von ihm abgewandt, nun sah er Cordelia an, während er gleichzeitig Riley fragte: "Das heißt, sie könnte wieder zurückkommen. Sie wäre wieder am Leben? Buffy würde wieder lebendig?"

Cordelia sah ihm, während er sprach in die Augen und glaubte, darin Tränen aufblitzen zu sehen. Konnten Vampire überhaupt weinen?

"Ja. Eigentlich bedeutet es, dass sie nie wirklich tot war, nur ohne Leben."

Als sie nun Angels lautlose Frage spürte, nickte Cordelia entschieden.

"Ich tu es. Ich helfe euch dabei, Buffy zurückzuholen."

"Wir helfen euch. Ich werde mitkommen.", sagte Angel.

"Wir brauchen deine Hilfe nicht.", warf Riley barsch ein, und Angel drehte sich zu ihm um und starrte ihm grimmig ins Gesicht. "Ich werde das Ganze nicht dir allein überlassen. Wenn Buffy wieder ins Leben zurückgeholt wird, will ich dabei sein, verstanden? Und außerdem werde ich Cordelia ganz bestimmt nicht allein gehen lassen, schon gar nicht nach Sunnydale, nicht bei dem, was dort die Strassen unsicher macht."

Riley wollte wütend etwas erwidern, aber Leo hinderte ihn daran, indem er ihm die Hand auf die Schulter legte und sagte: "Du kannst ihm dieses Recht nicht verweigern. Seine Liebe ist ebenso ehrlich wie deine."

Widerwillig musste ihm Riley zustimmen.

"Also gut, aber wie willst du sie dorthin schaffen? Der Tod hebt unsere Kräfte auf. Wir können keine Toten transportieren, und Angel ist technisch gesehen eine Leiche."

"Es dauert vielleicht länger, aber mit dem Auto kommen sie schon irgendwann dort an.", erwiderte Leo lächelnd, dann wandte er sich an Angel. "Wir haben nicht viel Zeit, das Ritual muss so bald wie möglich durchgeführt werden. Macht euch sofort auf den Weg. Wir erwarten euch spätestens morgen in Sunnydale." Damit teleportierte er sich davon und Riley beeilte sich, ihm zu folgen.

"Ich kann ihn immer noch nicht leiden.", war alles was er noch hörte, bevor er verschwand.

 

Willow hatte sich schon den ganzen Tag auf den romantischen Abend mit Tara gefreut. Ihre Freundin erholte sich immer noch von ihrer Begegnung mit dieser Höllenschlampe Glory und Buffys Tod hatte die ganze Zeit über wie eine dunkle Wolke über ihnen allen geschwebt, aber Willow hatte sich vorgenommen, diesen Abend zu etwas Besonderem für Tara zu machen und für sich. Sie hatte ihre beste Freundin verloren und würde wohl nie über Buffys Tod hinwegkommen, aber gerade deswegen war es wichtig, sich ans Leben zu klammern, jeden Tag zu genießen, der einem noch vergönnt war und all das auszukosten, was Buffy nie mehr würde erleben können. Sie konnte um Buffy weinen und dennoch Taras Küsse genießen.

Sie hatten sich ein Abendessen aus mehreren Gängen zubereitet, ihre Lieblingsmusik aufgelegt und ihr Zimmer magisch erleuchtet und mit einem Zauberspruch versiegelt, so dass kein ungebetener Gast hereinplatzen konnte. Nun saßen sie sich auf dem Bett gegenüber und sahen sich gegenseitig in die Augen.

Nachdem Oz gegangen war, hätte Willow niemals gedacht, jemand anderen so wie ihn lieben zu können, geschweige denn eine Frau, aber nun konnte sie sich nichts anderes mehr vorstellen. Ohne Tara hätte das Leben für sie keinen Sinn mehr.

"Ich liebe dich, Tara."

"Ich liebe dich auch, Willow.", erwiderte Tara und legte ihre Arme um ihre Liebste. Langsam näherten sich ihre Lippen gegenseitig.

"Whoa. Peepshow."

Auf einen Schlag war die Romantik dahin und Willow und Tara fuhren ruckartig zu der Richtung herum, aus der die Stimme gekommen war. Und was sie da sahen, schockierte sie noch mehr als die unerwartete Stimme es gekonnt hatte. Mitten in ihrem Zimmer, kaum einen Meter von ihnen beiden entfernt, standen acht Personen, die sie halb verlegen, halb neugierig betrachteten.

"Echt, Leo. Da hast du uns aber in was reinteleportiert.", meinte jetzt die gleiche Stimme wie zuvor, die anscheinend einem der Teenager aus der Gruppe gehörte, einem etwa siebzehnjährigen Jungen mit pechschwarzem Haar, das in einer Igelfrisur vom Kopf abstand.

"Gott, Michael, jetzt reiß dich mal von deinen männlichen Phantasien los und tu so, als wärst du sensibel.", entgegnete das neben ihm stehende Mädchen, vielleicht ein Jahr jünger, mit blauen Augen und blonden Locken.

"Würdet ihr uns bitte mal sagen, was hier vor sich geht und warum ihr euch in unser Zimmer gebeamt habt?" Willow war selbst überrascht, dass es ihr gelang, die Stimme ruhig zu halten und kühl und überlegt zu klingen. Dann sah sie sich einen der älteren Männer an und erkannte ihn auf Anhieb.

"Riley?" Er war der letzte, den sie zu sehen erwartet hätte, nach allem was passiert war. Und was war das für eine Sache mit dem Teleportieren?

"Riley, Buffy ist..."

"Ich weiß, Willow, und deshalb bin ich, deshalb sind wir hier." Er deutete auf die anderen Personen im Zimmer. "Es tut mir leid, dass wir da in was reingeplatzt sind, aber wir brauchen eure Hilfe und wir haben keine Zeit zu verlieren."

"Unsere Hilfe wobei? Und überhaupt, wie seid ihr ins Zimmer gekommen? Tara und ich haben einen ziemlich mächtigen Versiegelungsbann ausgesprochen. Niemand hätte in der Lage sein sollen, das Zimmer zu betreten."

"Solche Zauber guter Hexen haben auf Wächter des Lichts keine Wirkung.", ließ sich nun der andere Mann vernehmen.

"Wächter des Lichts?", Willow sah fragend ihre Freundin an. "Weißt du, wovon er spricht?"

Tara neigte auf ihre schüchterne Weise den Kopf, während ihr Blick über die Anwesenden huschte. "Wächter des Lichts sind eine Art von Schutzengel für gute Hexen. Ich habe von ihnen gelesen, aber ich bin noch keinem begegnet. Ich dachte, sie seien nur ein Mythos."

Willow stöhnte verzweifelt auf. "Mythos? Tara, in den letzten fünf Jahren bin ich nahezu jeden Tag irgendeinem Wesen begegnet, das ich zuvor für ein Mythos gehalten habe. Inzwischen bin ich bereit zu glauben, dass alle verrückten Geschichten, die je erfunden wurden, wahr sind. Wer weiß, vielleicht finden wir bei einem Ausflug nach Roswell dort ein paar Aliens vor."

"Okay, Max. Das war, glaube ich, dein Stichwort."

Verwirrt wandte sich Willow wieder den Eindringlingen in ihre Privatsphäre zu und sah, wie einer der jungen Männer, der Blonde mit den unglaublich blauen Augen, verlegen von einem Bein aufs andere trat.

"Also eigentlich braucht ihr dazu gar nicht nach Roswell zu fahren. Meine Schwester Isabel, Michael und ich, wir sind die letzten Aliens, die vom Crash übriggeblieben sind."

"Wie..? Ich meine.. aber das... ich dachte.. Das war doch nur... hä?"

"Hey, die klingt ja ganz wie Maria. Ich fühl mich schon angenommen.", witzelte der Junge mit der Igelfrisur und handelte sich dafür einen Rippenstoß von seiner Freundin ein.

"Ich klinge gar nicht so, ich meine.. das ist nicht.. ach, du bist gemein."

Allgemeines Gelächter quittierte diesen Austausch und schließlich trat Leo vor, um die beiden Gruppen einander vorzustellen.

"Mein Name ist Leo und ich gehöre zu den Wächtern des Lichts. Das hier sind Max Evans, seine Schwester Isabel und Michael Guerin. Wie schon gesagt sind sie nicht von dieser Welt. Und das sind ihre Freunde Alex Manes, Maria DeLuca und Liz Ortecho. Liz ist eine sehr mächtige Hexe, wenn ihre Fähigkeiten auch noch untrainiert sind. Riley kennt ihr ja schon. Und das, Leute, sind Willow Rosenberg und Tara Maclay, auch sie haben ein sehr großes Potential. Sie sind die beiden anderen Hexen, die wir für das Wiedererweckungsritual brauchen."

"Wiedererweckungsritual?" Willow wölbte die Brauen und sah von Leo zu Riley, wobei sie jedem der beiden ungläubige Blicke zuwarf.

"Wiedererweckungsrituale sind gefährlich. Und sie sind nicht gerade das, was man als weiße Magie bezeichnet. Es ist Hexen verboten, sich in die Ordnung der Natur einzumischen. Und wen wollt ihr eigentlich zurückholen."

"Buffy." Riley senkte den Kopf und spürte die bohrenden Blicke von Buffys bester Freundin. "Hör zu, Willow, Buffy ist nicht wirklich tot. Ihre Seele ist nur zwischen den Daseinsebenen gefangen. Wir müssen ihr helfen, ihren Körper wiederzufinden, ansonsten könnte es ziemlich hässlich werden."

Er hatte erwartet, erstaunte Fragen nach dem Wie und Woher von ihr zu hören, aber stattdessen sah er sie nachdenklich nickend auf und ab gehen.

"Deshalb konnte der Rat der Wächter keine Nachfolgerin bestimmen. Du hast recht, wir müssen uns beeilen. Wenn eine Seele zu lange außerhalb ihres Körpers gefangen ist, kann sie wahnsinnig werden und ist für immer verloren." Sie sah auf und begegnete Taras schüchternem Blick. "Wirst du uns helfen, Tara?"

"Natürlich." Taras Gesicht wurde von einem herzlichen Lächeln aufgehellt, das Willows Herz erwärmte. "Ich würde alles tun, um Buffy und dir zu helfen."

"Danke." Sie wusste, dass Tara sie nicht im Stich lassen würde. Dann fiel ihr etwas anderes ein. "Ich verstehe zwar, was ein Wächter des Lichts und Liz und ihre Freunde mit der Sache zu tun haben, Riley, aber wie hast du überhaupt davon erfahren? Ich meine, wir wussten nicht einmal wo du steckst und konnten dich nicht informieren, als es geschehen ist."

Riley zuckte mit den Achseln. "Ich habe auf dieselbe Weise davon erfahren wie Leo auch. Ich bin ebenfalls ein Wächter des Lichts."

Willow war zuerst nur erstaunt, aber ein Blick auf Tara überzeugte sie davon, dass mehr dahinter steckte. "Was ist Tara? Wusstest du etwa davon?"

"Nein. Aber das ist unmöglich. Ein Wächter des Lichts ist kein Mensch, jedenfalls nicht mehr, es ist die Seele eines Menschen, der gestorben ist."

"Was? Aber das hieße ja, dass Riley..."

"Ich bin vor zwei Tagen gestorben. Einer der Dämonen, die meine Männer und ich verfolgt haben, hat mich von hinten durchbohrt. Ich war beinahe sofort tot."

"Oh, Riley. Das tut mir so leid."

Riley lächelte und hob abwehrend die Hände. "Ist schon gut. Ich kann zwar nicht behaupten, dass mir das Sterben besonders gefallen hat, aber es hat schon seine Vorteile, ein Wächter des Lichts zu sein." Er erzeugte ein Glühen in seiner rechten Hand und strich damit sanft über Willows Wange, was ihr ein entzücktes Glucksen entlockte.

"Okay. Also, was sollen wir tun? Wir sind zu jeder Schandtat bereit."

"Geht zu Giles und sagt ihm Bescheid. Damit es funktioniert, brauchen wir außerdem Dawns Hilfe. Dadurch, dass Buffys Lebensessenz benutzt wurde, um ihr das Leben zu schenken, ist sie in der Lage, Buffys Seele wieder in unsere Welt zu ziehen. Angel und Cordelia werden auch bald kommen. Sobald sie da sind, treffen wir uns alle bei Giles. Dann werden wir euch erklären, wie es weitergeht."

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, trat Riley wieder zu der Gruppe Jugendlicher. Er und Leo fassten jeweils einen von ihnen bei der Hand, wobei die anderen sich gegenseitig an den Händen hielten und im nächsten Moment waren Willow und Tara wieder allein.

Willow drehte sich zu ihrer Freundin um und grinste koboldhaft. "Ich glaube, man hat uns bei etwas Wichtigem unterbrochen."

Buffy war nicht tot. Nun würde alles gut werden.

 

* * * * *
 

Giles saß nachdenklich im Esszimmer und nippte an seinem Morgenkaffee. Cordelia und Angel waren gestern angekommen und hatten irgendwelches wirres Zeug von Nachtwächtern und Wiedererweckung geschwafelt. Kurz bevor er die Geduld verlor und anfing, sie anzubrüllen, waren Willow und Tara aufgetaucht und hatten ihm von ihrer Begegnung mit den zwei Wächtern des Lichts und den Aliens erzählt. Anfangs hatte er gedacht, sie hätten mit irgendwelchen Drogen experimentiert, aber dann hatten sie auch davon gesprochen, dass ihnen Angel und Cordelia angekündigt worden seien. Diese wussten zwar nichts von irgendwelchen Aliens, aber bestätigten dass Riley Finn und ein anderer Mann sich in ihr Büro teleportiert und sie aufgefordert hätten, ihn aufzusuchen. Und dann hatte die Erkenntnis langsam begonnen in sein Bewusstsein einzusinken. Buffy war nicht tot. Buffy war nicht tot.

Er hatte noch nicht mit Dawn gesprochen. Sie hatte bereits geschlafen und er wollte sie nicht unnötig aufregen, aber heute würde er mit ihr sprechen müssen. Sie brauchten ihre Hilfe, damit es funktionierte und außerdem ging es um ihre Schwester.

Er hob die Tasse gerade wieder an die Lippen, als er durch ein klingendes Geräusch und blaues Licht augerschreckt wurde.

"Ver.." Er hatte sich heißen Kaffee übers Hemd geschüttet.

Ungnädig sah er dem Eindringling entgegen, der vor seinen Augen Gestalt annahm.

"Guten Morgen, Giles."

"Guten... äh Morgen." Er musste immer noch die Nachricht verdauen, dass Riley vor kurzem gestorben war.

"Wo haben Sie denn die anderen gelassen?"

"Sie sind noch im Hotel und Leo ist bei ihnen. Er fand, da ich diese Hälfte der Beteiligten kenne, sollte ich mich um Sie kümmern. Ihnen alles erklären, eventuelle Fragen beantworten. Heute Abend können wir dann das Ritual durchführen."

"Wenn.. wenn Sie meinen, dass es so am besten ist."

Riley seufzte und setzte sich Giles gegenüber. "Hören Sie, es fällt mir auch nicht leicht. Als ich aus Sunnydale wegging, da habe ich nicht angenommen, jemals wiederzukommen. Ich bin nicht gegangen, um Buffy zu bestrafen, sondern einfach, weil ich es nicht ertragen konnte, ihr körperlich so nahe zu sein, ohne ihr jemals wirklich nahe zu sein. Sie hat mich ausgeschlossen und sich immer mehr von mir distanziert. Wahrscheinlich hat sie selbst es nicht einmal bemerkt. Und dann war da die ganze Sache mit Angel und Spike.."

In diesem Moment betrat Spike gerade den Raum.

"Was tut er denn hier?"

Spike täuschte einen erstaunten und verletzten Gesichtsausdruck vor.

"Wer ich? Ich bin das Kindermädchen, Kumpel."

"Spike.. Spike kümmert sich um Dawn seitdem... seit der Sache mit Buffy."

"Sie vertrauen Dawn einem psychopathischen Massenmörder an, den nur ein Stück Hightech davon abhält, wieder Leute abzuschlachten?" Rileys Stimme klang völlig entgeistert und Spike grinste über den Gesichtsausdruck des Ex-Soldaten. Ach, tat das gut, einem von Buffys Ex-Irgendwas, so richtig eins auszuwischen.

"So sehr es mir auch widerstrebt, das zugeben zu müssen, Spike würde niemals zulassen, dass Dawn irgendetwas zustieße. Er hat in der letzten Woche auf Dawn aufgepasst, und bedenkt man den seelischen Zustand in dem das Mädchen sich im Moment befindet, müssen wir alle ihm dafür außerordentlich dankbar sein."

"Verdammt richtig, Mann. Ich sorg schon für die Kleine."

"Weiß er, worum es geht?"

Giles nickte und erinnerte sich wieder daran, an seinem Kaffee zu nippen.

"Ja. Ich habe ihm alles erzählt."

"Und was sagt Angel dazu, dass er hier ist?"

Spike grinste bei dieser Frage schadenfroh. Angel war fast explodiert als er ihn hier angetroffen hatte. Immerhin hatte ihm Spike das letzte Mal, als sie sich begegnet waren, beinahe das Hirn aus dem Schädel gefoltert. Er hatte zwar von seiner "Reformierung" gehört, aber das machte ihm die Idee, mit ihm zusammenarbeiten zu müssen, kein bisschen sympathischer.

Und was GI Joe davon hielt, gleich mit zwei Vampiren zusammenarbeiten zu müssen, die auch noch beide scharf auf seine Angebetete waren, war der Stoff aus dem Spikes schönste Träume bestanden, na ja, abgesehen von der Jägerin in einigen besonders aufreizenden Posen.

"Ich bin nicht erfreut."

Scheiße, konnte er sich nicht bemerkbar machen wie ein normaler Vampir? Spike war froh, dass er als Untoter keinen Herzanfall bekommen konnte, sonst würde er es in Angels Gesellschaft nicht lange machen.

"Hey, ich weiß gar nicht, warum ihr euch so anstellt.", säuselte er grinsend. "Wenn es bedeutet, Buffy wiederzubekommen, dann habe ich überhaupt kein Problem mit euch beiden Trübsal blasenden Exfreunden zusammenzuarbeiten. Wenn Buffy erst mal wieder da ist, wird sie meine Toleranz zu schätzen wissen und euch endgültig in die Wüste schicken. Ich habe sowieso nie verstanden, was sie an euch beiden fand."

Angel unterdrückte nur mühsam ein Knurren. Willow hatte ihn schon vorgewarnt, dass Spike eine Art 'romantisches' Interesse an Buffy entwickelt hatte. Allein die Vorstellung genügte schon, um ihm den Magen umzudrehen.

"Du solltest vielleicht nicht so begeistert von der Vorstellung sein, sie zurückzuholen. Eines Tages wirst du ihr derart auf die Nerven gehen, dass sie dir, nur um Ruhe zu haben, so nebenbei einen Pflock durchs Herz treibt."

"Hey, wer hat dich denn gefragt? Du warst es doch, der abgehauen ist und sie im Stich gelassen hast, genauso wie Glühwürmchen hier. Ich war da, als sie mich brauchte, verstanden? Ich bin auch dann nicht davongerannt, als uns diese irre Höllengöttin gejagt hat. Und sie hat mir ihre Schwester anvertraut, nicht einem von euch Versagern. Sie hat mich zu schätzen gewusst. Ihr habt doch gar keine Ahnung."

Giles starrte fasziniert auf diese Szene, die ihm irgendwie unwirklich erschien. Abgesehen davon, dass da drei tote Männer um die Zuneigung einer ebenfalls nicht hundertprozentig lebendigen Frau stritten, war die ganze Situation, die sie zusammengeführt hatte, mehr als merkwürdig. Er wollte gerade eingreifen, als er sah, wie Angel sich bereit machte, Spike an die Wand zu drücken, als ein herzhaftes Lachen im Rücken der drei Streithähne zu hören war.

"Oh Mann, das ist wirklich die Reise hierher wert."

Die drei Männer drehten sich zu dem lachenden Zuschauer um, und nun konnte auch Giles einen Blick auf ihn werfen. Ein etwas wild aussehender Jugendlicher mit pechschwarzen Haaren und einer unmöglichen Frisur.

"Also echt, das muss wirklich eine tolle Braut sein, um die ihr euch da beinahe prügelt. Ein Wächter des Lichts und zwei Vampire. Jetzt verstehe ich, was du damit gemeint hast, dass sie etwas Besonderes sei, Riley."

"Michael, was willst du hier?", fragte Riley verärgert.

"Leo schickt mich. Er lässt dir ausrichten, dass du deinen Testosteronausstoß einschränken und gefälligst die Zutaten besorgen sollst, die die Hexen für den Zauber brauchen."

Riley rollte die Augen und warf Spike, der diese Worte mit einem Grinsen quittierte einen warnenden Blick zu.

"Das hat er nicht gesagt, oder?"

"Na ja, ich habe es in normales Englisch übersetzt."

"Hey, ich mag den Jungen." Spike genoss Rileys Unbehagen in vollen Zügen.

Riley entschied sich, nichts mehr zu sagen, statt dessen teleportierte er sich auf die inzwischen gewohnte Weise davon. Michael blieb kopfschüttelnd zurück. "Das ist echt cool. Wieso leuchte ich nicht, wenn ich mich teleportierte?" Vor den Augen seines erstaunten Publikums löste sich Michaels Körper langsam auf, bis nur noch die Augen zurückblieben und schließlich ebenfalls verschwanden.

"Ich schätze, das war einer von den Aliens.", meinte Angel schließlich ausdruckslos.

 

* * * * *
 

Liz war seit dem frühen Morgen mit den beiden Hexen zusammen. Fasziniert hatte sie den Geschichten gelauscht, die sie von ihren früheren Bemühungen, die Welt zu retten, zu erzählen hatten. Sie selbst fand die Tatsache, dass sie ebenfalls Zauberkräfte hatte, einfach phantastisch. Die ganze Sache mit dem geheimen Vorleben ihrer Eltern hatte sie zwar ein wenig aus der Fassung gebracht, aber nun fühlte sie sich Max irgendwie mehr gleichgestellt. Rein intellektuell wusste sie natürlich, dass es keine Rolle spielte, ob sie Kräfte hatte oder nicht, dass Max sie als Mensch liebte und nicht als jemand, der, wie er, sein wahres Ich vor der Öffentlichkeit verstecken musste, und sie war sich sogar ziemlich sicher, dass er alles andere als begeistert davon war, sich um ihre neuen Kräfte und die Welt voller Gefahren, die sie eröffneten, zu sorgen, aber tief in ihrem Innern hatte sie stets befürchtet, nur ein hinderliches Anhängsel für Max Evans, den Übermenschen zu sein. Nun konnte sie mit ihm gleichziehen. Sie konnte sich zwar nicht teleportieren, Willow und Tara hatten ihr erklärt, das sei ein sehr energieaufwendiger Zauber und auch sehr gefährlich, wenn man nicht genau wusste, was man tat, aber sie konnte bereits kleine Dinge schweben lassen und Leo zufolge war Max' Rettung hauptsächlich ihren besonderen Fähigkeiten zuzuschreiben.

Im Moment saß sie gerade auf Willows Bett und beobachtete ihre beiden neuen Freunde, wie sie einen Reinigungszauber durchführten, um ihre Aura zu reinigen und neue Kraft aus ihrer Umgebung zu ziehen, als Vorbereitung auf das große Ritual heute Abend. Max saß auf einem der Stühle in der Ecke ihr gegenüber und überwachte die Szene mit Argusaugen. Er hatte sich strikt geweigert, sie in dieser 'merkwürdigen, dämonenverseuchten Stadt' allein zu lassen. Aber den Blicken, die er den beiden Hexen zuwarf, nach zu urteilen, befürchtete er auch, eine von ihnen könnte ein romantisches Interesse für sie entwickeln. Sie wusste aus eigener Erfahrung, dass der erhabene Max Evans nicht über etwas derart profanem wie Eifersucht stand, aber der Gedanke daran ließ sie doch lächeln. Im Moment jedoch beneidete sie ihn um seine Fähigkeit, die Aura von Menschen wahrzunehmen, nur zu gern hätte sie gewusst, wie er das Reinigungsritual wahrnahm. Als sie den beiden Hexen von seiner Fähigkeit erzählt hatte, waren sie zuerst ein wenig verwirrt. Auralesen galt anscheinend als eine der wertvollsten Fähigkeiten mancher Hexen. Tara hatte eine angeborene Gabe dafür, und es erforderte eine Zaubertrance, um diese Fähigkeit auf magische Weise zu erlangen. Irgendwann würde sie das selbst mal versuchen, nahm sie sich vor.

"Fertig?", fragte sie die beiden anderen Mädchen, als sie die Augen öffneten und aufstanden. "Ja." Willows Lächeln ließ ihre Augen funkeln und ihre Stimme klang mehr als beeindruckend.

"Was ist mit euch beiden?"

"Uhm.. das Reinigungsritual, es.. es ist.. ein ziemlich intensives Erlebnis."

Tara nickte nur sprachlos.

"Also, wann sollen wir zu Mr. Giles?"

"Giles ist in letzter Zeit etwas empfindlich, wenn es darum geht einen Haufen Jugendlicher in seinem Haus campieren zu lassen. Wir können vor heute Nacht sowieso nichts tun, immerhin müssen wir Buffys Sarg ausgraben. Das können wir nicht tagsüber machen. Ich schätze, wir treffen uns nach Sonnenuntergang mit euren Freunden, so dass Leo und Riley uns rüberbeamen können."

"Oder.. wir könnten ja auch... rüberlaufen?", warf Tara schüchtern ein.

"Oder das.", gab Willow zu und errötete.

Liz kannte die beiden noch nicht lange, hatte aber schon einen ziemlich guten Einblick in ihre Persönlichkeiten. Willow, so hatte sie bald herausgefunden, war ebenso enthusiastisch wie sie, wenn es darum ging, etwas neues zu lernen. Wie sie hatte sich Willow früher mit Naturwissenschaften beschäftigt, bevor sich ihr ein interessanteres Betätigungsfeld aufgetan hatte. Aus einigen ihrer Äußerungen hatte sie erfahren, dass sie in ihrer Schulzeit nicht sonderlich beliebt war und sich auch für recht uninteressant und nicht besonders hübsch gehalten hatte, etwas, das Liz sich ihm Hinblick auf die attraktive, selbstbewusste junge Frau, die sie kennen gelernt hatte, nur schwer vorstellen konnte. Tara schien stets bereit, sich ihrer Partnerin unterzuordnen, aber das schien Willow nicht einmal zu bemerken. Nein, als schüchtern oder unauffällig hätte Liz Willow Rosenberg niemals bezeichnet.

Was Tara anging, so konnte Liz deutlich spüren, welche Kraft in ihr steckte, trotz ihrer notorischen Schüchternheit. Eine Kraft, die am deutlichsten in ihren Gefühlen für Willow ihren Ausdruck fand. Liz erinnerte sich, wie Max sie in seine Erinnerungen hatte Einblick nehmen lassen, wie sie seine Liebe für sie entdeckt hatte, eine Liebe auf den ersten Blick, von der sie nichts geahnt hatte und die im Laufe der Jahre immer stärker geworden war, die Liebe eines meist schüchternen Jungen, der sich stets verstellen, seine Kräfte verbergen musste, sich nie sicher war, wie jemand auf ihn reagieren würde, ob er es überhaupt verdiente, geliebt zu werden. Ob Tara wohl auch an ihren eigenen Geheimnissen zu tragen gehabt hatte? Abgesehen davon, dass sie eine Hexe war, was an sich schon nicht ganz alltäglich war.

"Dauert das noch lange?", hörte sie Max fragen und antwortete ihm gereizt, er solle nicht so ungeduldig sein. Als sie seinen verwirten Gesichtsausdruck sah, hob sie fragend eine Braue. "Was ist?"

"Ich... ich habe nichts gesagt."

Ein Blick auf Willow und Tara bestätigte seine Worte.

"Aber ich habe dich deutlich gehört. Du hast in einem etwas gehässigen Ton gefragt, ob das noch lange dauern würde."

"Liz, das habe ich nicht ausgesprochen. Ich habe es nur..."

Sie hatte seine Gedanken gehört, schoss es ihr durch den Kopf. Sie hatte seit diesem besonderen Tag seine Gefühle empfangen können, besonders wenn er in ihrer Nähe war, aber sie hatte noch nie seine Gedanken aufgefangen.

"Wie ist das möglich?"

Konnte er ihre Gedanken auch lesen?

"Ja, aber nur, wenn du dich darauf konzentrierst."

Willow und Tara starrten sie beide außer sich vor freudiger Erregung an. Alienkräfte, die mit Zauberkraft in Interaktion traten, das war ein völlig neues Feld. Aber Liz brauchte ein paar Erklärungen. So sehr sie die Möglichkeit entzückte, mit ihrem Freund lautlos zu kommunizieren, hatte sie doch ein paar Vorbehalte, was Telepathie anging, zumal sie keine Ahnung hatten, woher diese Kraft stammte und wie sie funktionierte. Sie brauchten Antworten und zwar sofort.

"Leo.", rief sie in den Raum hinein und im nächsten Moment erschien ihr Onkel in einer Säule blauen Lichts.

"Was ist, Liz. Da ist etwas, worum ich mich kümmern muss. Ist es dringend?"

"Ich habe gerade Max Gedanken gelesen und er meine. Wie geht das?"

Leo wirkte für einen Augenblick erstaunt, zuckte dann aber mit den Achseln.

"Ich will nicht behaupten, hundertprozentig zu verstehen, was da passiert ist, aber nach dem, was du und Max mir über seine Kräfte erzählt habt, funktionieren sie zu einem großen Teil über den Fluss der Lebensenergie, seine Wahrnehmung und die Kontrolle darüber. Das Wahrnehmen der Aura ist eine Art von Empathie. Es spricht nichts dagegen, dass bei einem stärkeren Maß der Sensitivität, die Empathie zur Telepathie wird. Vielleicht hat die Verschmelzung euer beider Lebensenergien diesen Grad an Sensitivität ermöglicht. Keine Sorge, es gibt Möglichkeiten, seine Gedanken zu verhüllen, wenn du es willst. Deine Eltern können sie dir zeigen, wenn du willst. War das jetzt alles?"

"Ja." Ihr Onkel hatte es aber wirklich eilig.

"Gut." Und weg war er.

Als sich Liz wieder Max zuwandte, bemerkte sie seinen verletzten Gesichtsausdruck.

"Was ist?"

Er antwortete ihr, aber sein Mund bewegte sich nicht und sie erkannte, dass er sie durch seine Gedanken zu erreichen versuchte.

>>Es gefällt dir nicht, dass wir uns so nahe sind. Du willst mich nicht in deinem Kopf haben.<<

Nach einem Blick auf die beiden nebenstehenden Hexen, entschied sie sich, ihm auf die gleiche Art zu antworten.

>>So ein Unsinn, Max. Ich finde nur, dass es manchmal gefährlich sein kann, die Gedanken eines Menschen abzuhören. Es kann zu gewissen Missverständnissen führen.<<

>>Zu welchen Missverständnissen? Es gibt überhaupt keine Missverständnisse mehr, keine Mehrdeutigkeiten mehr, keine Lügen.<<

>>Ich habe dich noch nie belogen. Und glaubst du etwa, dass die Gedanken eines Menschen verständlicher sind als seine Worte? Manchmal haben Menschen Mühe, ihre eigenen Gedanken zu verstehen, ganz zu schweigen von denen anderer.<<

>>Hast du etwa Geheimnisse vor mir?<<

Jetzt wurde Liz wirklich wütend.

>>Hast du etwa schon die Nacht vergessen, in der ich dir mein Innerstes bloßgelegt habe? Ich habe nichts zurückgehalten, nicht einmal meine geheimsten Wünsche und Phantasien.<<

>>Es tut mir leid.<<

Liz seufzte und sah wieder zu den beiden Frauen hinüber, die sich ausgeschlossen fühlen mussten.

>>Komm schon, Max. Es ist leicht, sich in dieser Art der Unterhaltung zu verlieren. Und es ist unhöflich gegenüber unseren Freunden, ganz zu schweigen davon, dass man uns zu Hause für verrückt halten wird, wenn wir unsere Unterhaltungen führen, indem wir uns konzentriert anstarren. Ganz abgesehen davon, wer weiß denn, wer noch alles mithören kann? Ich will ja nicht sagen, dass es schlecht ist, ich meine nur, wir sollten nicht verlernen zu sprechen und wir müssen alles darüber erfahren, was wir können, um es besser verstehen und kontrollieren zu können. Außerdem mag ich den Klang deiner Stimme, ich würde sie vermissen. Was meinst du?<<

"Ich mag den Klang deiner Stimme auch.", sagte er nun laut und warf ihr ein Lächeln zu, das ihr das Herz zum Schmelzen brachte.

"Das ist so unfair.", hörten sie Willow hinter sich. "Ich würde mich auch gern so unterhalten können."

 

* * * * *
 

Leo hatte sie zwar gebeten, in ihrem Hotel zu bleiben, aber Isabel war es nicht gewöhnt, sich irgendwas befehlen zu lassen und als einen solchen hatte sie Leos Bitte interpretiert. Sunnydale war nicht gerade eine Metropole, kein Ort, an dem sie ihren Urlaub hätte verbringen wollen, wenn man es bedachte, nicht viel anders als Roswell. Und wer würde schon freiwillig in Roswell leben als ein Haufen verwaister Außerirdische? Ob es der Jägerin mit dieser Stadt ähnlich ergangen war? Riley hatte ihnen ein Bild von Buffy gezeigt, das er bei sich getragen hatte. Wo er das wohl nach seinem Tod herhatte? Auf jeden Fall schien er einer von der romantischen Sorte zu sein, er erinnerte sie an ihren Bruder, der trug bestimmt ein halbes Dutzend Photos von Liz in seiner Brieftasche, Aufnahmen aus den unterschiedlichsten Winkeln.

Buffy war wirklich hübsch, bestimmt hatte sie die Dinge zu schätzen gewusst, die junge Frauen mögen. Das Leben in diesem Kaff musste die Hölle gewesen sein, auch wenn sie sich nicht noch zusätzlich Sorgen um Vampire und den nahenden Weltuntergang hätte machen müssen.

"Sunnydale ist kein sicherer Ort, um allein durch die Gegend zu ziehen.", hörte sie Leos Worte in ihrem Innern widerhallen. Aber im Moment war es helllichter Tag und so wie sie es verstanden hatte, krochen die meisten schrägen Dinge erst bei Sonnenuntergang aus ihren Löchern. Sie warf einen amüsierten Blick auf ihren Begleiter. Alex hatte sich strikt geweigert, sie allein zu lassen. Selbst nachdem sie nicht mehr zusammen waren, hatte er immer noch die Angewohnheit, sich als ihr Beschützer aufzuspielen, genauso wie Max und Michael, aber die hatten sich um ihre eigenen Freundinnen zu kümmern, und außerdem wussten sie, dass sie ihnen eine Riesenszene gemacht hätte, wenn auch nur einer von ihnen angedeutet hätte, sie sei nicht in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Aber Alex war anders. Isabel hätte es nie über sich gebracht, seine Begleitung abzuweisen. Sie genoss seine Nähe. Seit er nach einem wochenlangen Aufenthalt auf Isabels Heimatplaneten wieder den Weg nach Hause gefunden hatte, nach Wochen, in denen sie alle krank vor Sorge um ihn waren, wollte sie keinen Augenblick, den sie zusammen verbringen konnten, verpassen. Und nachdem er ihr damals beigestanden hatte, als sie über Nikolas' Tod völlig aufgelöst war, so außer sich, dass sie nicht einmal mit ihrem Bruder sprechen konnte und Tage damit verbrachte, allein in ihrem Zimmer vor sich hin zu weinen, hatte sie auch kein Problem damit, ihn ihren Eisköniginnenpanzer durchbrechen zu lassen. Er kannte die wahre Isabel, jede erfreuliche und unerfreuliche Einzelheit, hatte sie in peinlichen Situationen erlebt, ohne durch das Band der Herkunft oder der Familie dazu verpflichtet zu sein. Er war nicht ihr Bruder, wie Max, auch nicht ihr Ehrenbruder wie Michael. Er war einfach ihr Freund, er war Alex.

Das hieß aber nicht, dass sie es versäumte, ihm hin und wieder eine harte Zeit zu bescheren. "Also wirklich, Alex. Du brauchst dich nicht aufzuführen wie Kevin Costner in diesem pathetischen Film. Du bist kein Bodyguard. Ich dachte, du hast nichts für diese Militärspielchen übrig."

Alex warf ihr einen verletzten Blick zu und Isabel biss sich auf die Lippen. Das war ein wunder Punkt bei ihrem Freund. Immerhin wussten sie, dass sein Vater ein Mitglied von 'Clean Slate' war. Er hatte ihnen zwar versichert, dass sie nichts von ihm und seiner Organisation zu befürchten hatten, aber nach ihren Erfahrungen mit Sheriff Valenti, waren die sechs Jugendlichen vorsichtig mit dem, was sie einem Agenten dieser Organisation glauben sollten. Die Tatsache, dass sein Vater ihn jahrelang dazu gedrängt hatte, wie er selbst und alle seine älteren Söhne, eine Militärlaufbahn einzuschlagen, hatte Alex ohnehin ziemlich misstrauisch gemacht, was Dinge anging, die mit dem Militär zu tun hatten.

Dann hatten sie überraschenderweise von Rileys Militärlaufbahn erfahren, als Mitglied einer Dämonenjägereinheit. Zuerst hatte Alex sich in Gegenwart eines Militärs unbehaglich gefühlt, etwas, das eigentlich Isabel vorbehalten hätte sein sollen, aber dann war er aufgetaut und hatte Riley lauter Fragen über sein vergangenes Leben gestellt. Wie die Ausbildung war, wie es war, täglich auf Dämonenjagd zu gehen, wie es war, eine Freundin zu haben, die einem mit ihren besonderen Kräften an die Wand klatschen konnte, wenn es ihr gefiel und mit der man nicht zusammenbleiben konnte, weil sie anscheinend noch Gefühle für jemand anderen hatte. Isabel hätte nie gedacht, dass Riley sich so schnell so weit öffnen würde und ihnen all diese Einzelheiten von seiner Beziehung zu Buffy verriete, aber anscheinend hatte er in Alex eine verwandte Seele gefunden, und Isabel war sich nicht sicher, ob ihr die Implikationen von Alex' und Rileys Gemeinsamkeiten gefielen, denn die Erinnerung wie sie ihren Freund behandelt hatte, löste bei ihr immer noch ein Gefühl der Schuld und Unbehaglichkeit aus, ungeachtet dessen, dass Alex ihr versichert hatte, längst darüber hinwegzusein, dass sie ihn in die Wüste geschickt hatte, um herauszufinden, ob die Sache zwischen ihr und Michael vielleicht mehr werden könnte als nur eine familiäre Beziehung. Aber das war Schnee von gestern, nur die Tatsache blieb, dass sie das einzige männliche und menschliche Wesen, das sie, ungeachtet ihrer Kräfte, je wie etwas ganz Besonderes und Außergewöhnliches behandelt hatte, so sehr verletzt hatte, dass es ihr noch Wochen später Alpträume bereitet hatte. Und egal wie gute Freunde sie inzwischen waren, sie spürte immer noch ein unangenehmes Aufwallen von Eifersucht, wann immer eine andere Frau romantisches Interesse an ihm äußerte, ebenso wie sie wusste, dass es umgekehrt genauso war.

Aber zu sehen, wie er trotz seiner stets beteuerten Abscheu vor dem Militär, etwas das auszuräumen Rileys Geschichten von der Initiative und ihren diversen Aktionen nicht gerade das Geeignete waren, sich in der faszinierenden Welt von Supersoldat Demon-Buster verfing, hatte sie etwas aus der Fassung gebracht. Max hatte schließlich die Märchenstunde beendet und die richtigen Fragen gestellt. Wusste Riley irgendwas von einer Organisation, die sich mit Außerirdischen beschäftigte? Immerhin unterlagen beide Organisationen höchster Geheimhaltung. Aber Riley wusste nicht viel, nur einige wirre Gerüchte, nichts das der Erwähnung wert war. Und mit Michael und Maria, den beiden Knutschvisagen rumzuhängen, die ihre neuentdeckte Beziehung zelebrierten, war ebenso wenig akzeptabel wie sich an Max und Liz zu hängen, die gerade vollkommen fasziniert von ihrem eigenen unbekannten Erbe war und es mit dem Hexenliebespaar zu erkunden versuchte. Also hieß es, das Hotel verlassen oder verrückt werden, auch wenn diese Stadt nur aus einer Einkaufszeile, einem Club, der erst Abends öffnete - wobei die Bewohner eines von Vampiren verseuchten Orts schon ziemlich dämlich sein mussten, sich nachts rauszutrauen - und ein paar Reihen hübscher, gleichförmiger Einfamilienhäuser zu bestehen schien. Nicht dass Isabel wirklich etwas gegen solche Reihenhäuser einzuwenden gehabt hätte. Sie würde es zwar vehement abgestritten haben, hätte man sie darauf angesprochen, aber tief in ihrem Innern sehnte sie sich nach der Normalität solcher Häuser, nach der Sicherheit eines eigenen Hauses, eines liebevollen Ehemannes und 2,4 Kindern. Und wenn sie sich gegenüber ehrlich war, dann war es diese geheime Sehnsucht, die sie letztendlich davon abgehalten hatte, Trevor auf ihren Heimatplaneten zu begleiten. Sie hatte nicht gewusst, ob ein solcher Traum auf einem ihr vollkommen fremden Planeten überhaupt erfüllt oder gar verstanden werden könnte. Hier hatte sie eine Familie, ihren Bruder, Michael und auch ihre menschlichen Freunde, Alex, Liz und Maria. Sie hatte ihre Adoptiveltern, auch wenn diese gar nicht ahnten, wer ihre Kinder wirklich waren. Sie war die Königin der Highschool, hatte gute Noten und Pläne für die Zukunft. Und sie wollte keine ungeplanten Zwischenfälle, die ihr diese Pläne durcheinander brachten.

Wahrscheinlich hatte Buffy sich dasselbe gesagt, bevor sie anfangen musste, Vampire zu jagen, bevor ihre Mutter gestorben war und bevor sie ihr Leben opfern musste, um das ihrer Schwester zu retten.

 

"Ich hoffe, wir können diesem Mädchen helfen, Alex. Das hoffe ich wirklich."

"Hey, das wird schon, Izzy.", sagte Alex und hakte sich bei ihr unter. Isabel ließ ihn gewähren, als er sie näher zu sich heranzog und ihren Kopf sanft auf seine Schulter drückte. "Wir alle zusammen schaffen das schon. Wirst sehen, Isabel."

Alex war immer so wundervoll optimistisch, auch nachdem er all diese schrecklichen Dinge erlebt hatte.

"Ich liebe dich.", flüsterte sie leise, die Worte in den Stoff seiner Jacke hauchend.

 

* * * * *
 

"Ich will nicht wieder dorthin.", quengelte Anya, während sie ihren Verlobten beim Anziehen beobachtete.

"Dort erinnert alles daran, dass jemand gestorben ist."

"Anya, es ist jemand gestorben. Buffy ist tot."

"Ja, und jeder bei Giles erinnert mich daran. Wie sie schauen, man kann keinen Moment vergessen, dass Menschen sterben. Mir gefällt das nicht."

"Hör zu. Das nennt man trauern."

"Ich weiß, was das ist." Anya klang beinahe hysterisch.

"Als Joyce gestorben ist, da war es dasselbe. Nur jetzt ist es noch mehr. Noch mehr Trauer, noch mehr Hoffnungslosigkeit, noch mehr Tränen. Noch mehr von allem. Ich kann das einfach nicht ertragen. Ich will nicht wissen, dass Menschen sterben."

Xander seufzte. Er wusste, dass Anya Probleme damit hatte. Man war nicht über Tausend Jahre lang unsterblich, um plötzlich von einem Tag auf den anderen sterblich zu werden und problemlos mit seiner Sterblichkeit umgehen zu können. Für Xander war es etwas anderes. Er hatte immer gewusst, dass er nicht so stark oder so schnell oder so widerstandsfähig wie Buffy war, dass er sich nicht mit Magie gegen die Höllenwesen schützen konnte, die sie tagtäglich bekämpften. Es hatte Tage gegeben, als er so voller Furcht gewesen war, dass er sich kaum vor die Tür traute. Aber er hatte gewusst, dass seine Freunde da draußen sein würden und dass einer von ihnen vielleicht sterben könnte, wenn er nicht einen Schlag, den sie nicht kommen sahen, notfalls mit seinem Gesicht aufhalten würde. Er hatte immer davon geträumt, ein Held zu sein, aber er hatte nie geglaubt, wirklich einer zu sein. Buffy war der Held. Sie war schnell und stark und schlau genug, um dem Bösen Einhalt zu gebieten, damit andere nicht in derselben Furcht um ihre Freunde leben mussten wie Xander. Er hatte nicht damit gerechnet, sie zu überleben, und das machte es für ihn noch schlimmer. Einer seiner Freunde war gestorben, ohne dass er sich für ihn hatte opfern können. Buffy hatte das letzte Opfer gebracht.

Aber das Leben ging weiter, und er würde es dazu verwenden, für Anya da zu sein. Ihr mit ihren Problemen zu helfen, ihre bizarren Launen und Ausbrüche zu ertragen, sie zum Lachen zu bringen. Und wenn er darüber nachdachte, ein paar Freudenschreie während des Aktes waren auch der Mühe wert.

"Hör zu, ich weiß, wie schwer dir das fällt, und ich weiß ebenfalls, dass es dir auch deshalb so schwer fällt, weil du Buffy gemocht hast, egal wie du dich ihr gegenüber verhalten hast."

Anya verzog das Gesicht zu einer Schnute, aber Xander achtete nicht weiter darauf, als er weitersprach.

"Mir bereitet es auch keine Freude, Giles in seinem jetzigen Zustand zu beobachten oder Dawn bei ihrem völligen Zusammenbruch zusehen zu müssen, aber wir müssen ihnen helfen, sie unterstützen, dazu sind Freunde da. Und sie sind Freunde, mehr als das. Sie sind Familie. Verstehst du das?"

"Bin ich das auch, Xander? Bin ich auch Familie?"

Für einen Moment wusste Xander nicht, was er sagen sollte, dann trat er zurück ans Bett und riss Anya in seine Arme.

"Das bist du, Anya. Das und mehr als das. Du bist der Grund, warum ich nicht zusammengebrochen bin wie Dawn. Du hältst mich aufrecht. Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte. Du bist das einzig Gute, das mir dieser Höllenschlund gebracht hat, verstehst du das? Ich liebe dich, Anya."

Als er sie wieder aus der Umarmung löste, um ihr in die Augen sehen zu können, sah er ein weites, zufriedenes und etwas wässriges Lächeln auf ihrem Gesicht.

"Ich bin der Grund. Das gefällt mir. Ich liebe dich auch, Xander."

"Dann komm, wir wollen die Gang nicht warten lassen. Giles meinte, es sei etwas ziemlich Wichtiges."

Anya nickte folgsam und begann nun, sich ebenfalls anzuziehen.

 

* * * * *
 

Michael strich dem in seinen Armen dösenden Mädchen liebevoll über die blonden Locken. Er hatte Marias Locken schon immer geliebt, sie gern um einen Finger gewickelt und wieder aufrollen lassen. Irgendwie passten sie zu dem Charakter des Mädchens, biegsam und ein unerwartetes Volumen enthüllend, wenn man sie öffnete, aber immer in sich eingerollt hüpften sie ständig auf und ab.

Nicht dass Maria sprunghaft war, nur leicht zu begeistern, aber das war ja das Tolle an seinem Mädchen, sie war so voller Leben, dass ihre Begeisterung Tote erwecken konnte. Und genau davon konnten Liz und die zwei anderen Hexen wohl etwas gebrauchen.

Er fragte sich immer noch, wie er so dumm gewesen sein konnte, sie beinahe aufzugeben, sie für immer verlassen zu wollen. Inzwischen konnte er sich nicht vorstellen, ohne sie leben zu können, allein der Gedanke bereitete ihm körperliche Schmerzen.

Michael musste grinsen, er konnte sich noch gut daran erinnern, wie er Max mit seiner Besessenheit von Liz aufgezogen hatte. Er konnte damals einfach nicht verstehen, wie jemand so mit Haut und Haaren einem Mädchen verfallen konnte, selbst wenn sie so schön war wie Liz, und Liz war wirklich eine Schönheit. Dass es ihm mal selbst so gehen könnte, hätte er nicht im Traum gedacht und es vehement bestritten, wenn jemand so etwas behauptet hätte. Was er damals einfach nicht begriffen hatte, war, dass das Ganze nicht wirklich etwas mit Schönheit oder körperlicher Anziehung zu tun hatte. Sicher, er hatte ganz sicher auch nicht ganz anständige Gedanken, was Maria betraf. Er liebte die Kurve, in der ihr Hals in die Schultern überging und die sanfte Haut oberhalb ihres Bauchnabels. Und ihre himbeerfarbenen Lippen konnten ihn in den Wahnsinn treiben. Aber das war alles nur ein Aspekt des Gesamtpakets Maria DeLuca. Und merkwürdigerweise, oder eigentlich gar nicht merkwürdigerweise, waren es gerade ihre Schrullen, ihre Marotten und nervigen Eigenheiten, die in seinen Augen Maria zu Maria machten und ihn sich in sie hatten verlieben lassen.

Die Art, wie sie ihn ansah, wenn er ihrer Meinung nach etwas Taktloses gesagt hatte, ihre Art, jemanden in aller Öffentlichkeit in Verlegenheit zu bringen, wenn sie eine Idee hatte, die sie unbedingt und auf der Stelle in die Tat umsetzen musste, wie damals die Zwei-Mann Laolawelle bei dem Basketballspiel der Schulmannschaft ihres kleinen Bruders. Und dann ihr entzücktes Entsetzen, wenn sie sich gemeinsam billige Horrorstreifen reinzogen, ihre intensiven Gefühle, die sie niemals verbarg und immer offen auslebte. Der Geruch ihrer Tränen vermischt mit dem Parfum, das sie trug und das sie sich selbst zusammenstellte. Ihre Entschlossenheit, jemandem, den sie liebte, zu sagen, was sie für ihn empfand, auch auf die Gefahr hin, verletzt zu werden. Ihre Besessenheit von gesunder und vor allem natürlicher Ernährung und ihre Abscheu vor konservierter Nahrung und chemischen Zusätzen, mit der er sie schon immer gern geneckt hatte. Ihr esoterischer Tick, mit dem sie jedem in ihrer Umgebung hin und wieder auf die Nerven ging. Ihre Heulattacken, die sie jedes Mal hatte, wenn sie einen romantischen Film, einen Frauenfilm, sah, vor allem 'Starman'. Ihre Versuche, ihre Freunde aufzuheitern, auch wenn man überhaupt nicht in der Stimmung für solche Versuche war.

Maria war eben Maria, und in Maria hatte er sich verliebt, nicht mit einem Mal, nicht in einem rauschenden Feuerwerk der Gefühle. Zunächst hatte er es selbst nicht gemerkt. Sie war zuerst ein Freund gewesen, dann erst etwas anderes. Aber als er mit seinem Bruder durch das Wurmloch auf einen anderen Planeten gehen wollte, hatte er sich umgesehen und sich die Frage stellen müssen, ob er ein Leben ohne diesen speziellen Freund überhaupt ertragen konnte. Erst als er diese Frage mit Nein beantworten musste, hatte er erkannt, was vor sich ging. Aber Maria hatte ihm schon immer vorgehalten, schwer von Begriff zu sein.

 

"Na, schon ausgeschlafen?", fragte er das Mädchen in seinen Armen, als sie schläfrig die Augen öffnete, eine katzengleiches Gähnen von sich gab und sich zu strecken begann.

"Hast du die ganze Nacht hier verbracht?"

"Nein.", Michael schüttelte grinsend den Kopf. Leo hatte Liz' Vater stellvertretend für die anderen Eltern versprochen, auf die Mädchen aufzupassen. Und wenn ein Wächter des Lichts die Augen offen hielt, so hatten sie erfahren, gab es nicht viel, was ihm entging.

"Die anderen sind schon weg, in die Stadt. Ich wollte nach dir sehen und habe mich kurz zu dir gesetzt, da hast du irgendwas im Schlaf gemurmelt, dich umgedreht und an mir festgehalten. Ich wollte dich nicht aufwecken, also bin ich ruhig sitzen geblieben."

"Oh.", Maria errötete unwillkürlich. Gut, dass er nicht in ihrem Traum herumspaziert war, sie erinnerte sich, einen sehr intensiven Traum von ihnen beiden gehabt zu haben, vielleicht hatte sie seine Anwesenheit unterbewusst gespürt.

Aber es war auch schön, in seiner Umarmung aufzuwachen. Sie wollte nicht aufstehen, wollte ihn nicht loslassen.

"Hat Leo nicht gesagt, dass wir erst nach Sonnenuntergang mit dem Ritual beginnen können?"

Michael nickte nur, zufrieden damit, nicht sprechen zu müssen.

"Ich bin immer noch müde. Wenn wir den Tag über frei haben, kann ich ja noch etwas schlafen, nicht?"

Wieder nickte er und unterdrückte ein Lächeln. Maria schloss die Auge, rollte sich ein und schmiegte sich fest an ihn. Michael spürte ihren regelmäßigen Atem, wusste aber nicht, ob das bedeutete, dass sie wieder eingeschlafen war.

 
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