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Man stirbt nicht zweimal
Teil 1
Teil 2
 
 

Man stirbt nicht zweimal

Teil 2
© by Laughs Brightly ()

 

Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an irgendeiner der Figuren aus den genannten Serien. Die Rechte liegen alle bei den entsprechenden Autoren, Produktionsfirmen und Fernsehsendern, wenn ihr Genaueres wissen wollt, seht selber nach, ich hatte keine Lust.
Auch die Idee von Dawns genauer Herkunft ist leider nicht gänzlich auf meinem Mist gewachsen, ich habe Anleihen bei der Geschichte 'Immortality's Gift' von 'Twilight Unicorn' genommen. Ihr findet die Story auf Englisch unter FanFiction.Net, leider noch unvollendet.
Und natürlich mache ich auch keinerlei Geld mit dieser Story. (leider)
Weitere Bemerkungen: Die folgende Geschichte kreiert eine Art alternatives Universum. Ich weiß, dass es keine Chance gibt, dass Buffy in diese Richtung driftet, aber irgendwie war ich sauer über einige der Entwicklungen in diesen Serien und habe beschlossen, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Für die, die es noch nicht versucht haben, es ist echt ein geiles Gefühl. An jene, die sich wundern, ich habe nicht die Fernsehserie Roswell als Vorlage genommen, sondern die Buchserie von Melinda Metz. Ich fand die Kräfte der drei Außerirdischen dort viel besser, außerdem gibt es da keine Tess. (Ja, ich hasse sie auch.) Abgesehen davon hat mir die Entwicklung in der zweiten Staffel nicht gepasst. Wer die Bücher noch nicht gelesen hat, sollte sie sich schleunigst besorgen, auch wenn sie zum größten Teil noch nicht auf Deutsch erschienen sind.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Buffy- und Diverses-Sektion.

 

Giles hatte seit dem Tag, als Buffy Glory besiegte und für ihre Schwester in den Tod sprang, nicht mehr ruhig schlafen können, und nicht aus den Gründen, die die anderen vermuteten. Nicht wegen seiner Trauer um Buffy, zumindest nicht nur deswegen. Es quälte ihn nicht nur, sie verloren zu haben, er stellte sich auch immer wieder die Frage, ob es nicht etwas gegeben hätte, etwas das man tun konnte, um sie zu retten. Vielleicht hätte es noch eine andere Möglichkeit gegeben, das Portal zu schließen. Aber er war immer so darauf fixiert gewesen, das Ende der Welt zu verhindern, dass er völlig versäumt hatte, einen Weg zu finden, ein einzelnes Leben zu retten. Er hatte Buffy davon überzeugt, dass ein Leben geopfert werden müsse, um das Portal, wenn es einmal geöffnet war, wieder zu schließen, Dawns Leben, und sie hatte das Leben ihrer Schwester gegen das ihre eingetauscht. Für Buffy hatten immer die Einzelnen gezählt, Angel, Faith, Dawn. Der Rat war schon immer etwas machiavellistischer vorgegangen. Wenn man einen Unschuldigen opfern musste, um Tausend andere zu retten, waren sie gern bereit, den Preis zu zahlen. Für Buffy hatte das immer nur bedeutet, dass sie ihr eigenes Leben im Austausch gegen das Leben anderer retteten. Und wie oft der Rat auch die Welt vor dem Untergang gerettet hatte, Buffy konnte nicht nach seinen Regeln spielen. Nach und nach hatte Giles gelernt, die Sichtweise der jungen Frau, die er wie eine Tochter liebte, als seine eigene anzunehmen, sich von dem, was ihn der Rat gelehrt hatte, abzuwenden, bis er ihm schließlich völlig den Rücken kehrte, aber letztendlich hatte er wieder zu seinen Wurzeln gefunden und einen Unschuldigen getötet, um zu verhindern, dass Glory weiterhin die Erde unsicher machte. Es war eine Entscheidung gewesen, die er treffen musste, er hatte verhindern müssen, dass sie die Chance erhielt, sich wieder zu erholen. Aber an dem Tag, als er Buffy in Gedanken verraten hatte, war sie gestorben, und er fragte sich, ob das alles ein Scherz des Kosmos war, das ihm die Rechnung für seine Taten präsentierte. War Buffy gestorben, um ihn zu bestrafen? Das hatte er sich in der letzten Woche immer wieder gefragt. Natürlich wusste er, dass das unglaublich selbstbezogen war. Das Universum drehte sich nicht nur um Rupert Giles, aber er hatte nichts tun können, um diese Gedanken zu verbannen.

Und nun bot sich die Chance, Buffy wieder ins Leben zurückzuholen. Egal ob sie nun wirklich gestorben war oder nicht, er würde die Chance erhalten, seine Fehler bei Buffy wieder gut zu machen.

 

Das energische Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Als er an die Tür ging und sie öffnete, stand eine untersetzte farbige Frau in den mittleren Jahren davor.

"Mr. Rupert Giles?"

"Ja, der bin ich."

"Ich bin Miss Dexter vom städtischen Jugendamt. Kann ich reinkommen?"

"Was wollen Sie?" Giles Stimme klang misstrauisch und nicht besonders höflich. Die Frau seufzte. "Mr. Giles, wir sind darüber unterrichtet worden, dass Sie eine Minderjährige bei sich beherbergen, deren gesetzlicher Vormund Sie nicht sind. Laut meinen Informationen ist ihre Mutter vor kurzem gestorben, der Vater ist unauffindbar und die ältere Schwester, welche die Vormundschaft übernommen hat, ist vor wenigen Tagen Opfer eines Gewaltverbrechens geworden."

"Es ist etwas komplizierter."

"Da bin ich mir sicher. Solche Situationen sind niemals leicht, aber wir vom Jugendamt sind für das Wohl der Kinder verantwortlich, die keine anderen gesetzlichen Vertreter haben, aus welchen Gründen auch immer. Es tut mir leid, aber ich werde Dawn Summers mit mir nehmen müssen."

Giles' Blick verhärtete sich und er versperrte der Frau den Weg, als sie an ihm vorbei das Haus betreten wollte.

"Den Teufel werden Sie. Ich habe die Verantwortung für sie übernommen, das war ich ihrer Mutter und ihrer Schwester schuldig."

"Mr. Giles, welcher Art ihre Beziehung zu der Familie des Kindes auch war, wir können einfach nicht gestatten, das ein alleinstehender Mann so ohne weiteres ein fremdes Kind bei sich aufnimmt, ohne von behördlicher Stelle dazu autorisiert zu sein. Sie sind nicht einmal amerikanischer Staatsbürger."

Giles wollte entrüstet etwas erwidern, aber Miss Dexter ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen.

"Sie müssen doch verstehen, dass es unmöglich ist, die Verantwortung für ein fünfzehnjähriges Mädchen einem alleinstehenden Mann zu übertragen, der noch dazu häufiger unbekannte Besucher bei sich beherbergt." Sie warf einen bezeichnenden Blick auf Spike, der gerade mit einer Tasse aufgewärmten Blutes die Küche verließ und auf Angel, der leise hinter Giles getreten war, als er den Inhalt des Gesprächs mitbekam. Beide Vampire hielten sich außerhalb des Bereichs der durch die Haustür einfallenden Sonnenstrahlen und blickten die Beamtin nicht gerade freundlich an.

"Wenn Sie mir nun das Mädchen übergeben würden. Andernfalls sähe ich mich gezwungen, sie mit Polizeigewalt abholen zu lassen."

"Das wird nicht nötig sein.", ließ sich nun eine weibliche Stimme hinter ihr vernehmen.

 

Dawn hatte den ganzen Vormittag und einen Teil des Nachmittags verschlafen. In ihren Träumen war Buffy bei ihr, neckte sie, stritt sich mit ihr, sagte ihr, dass sie eine Nervensäge sei, küsste ihr die Tränen über Moms Tod von den Wangen.

Wachsein bedeutete ohne Buffy zu sein, ohne eine große starke Schwester, die Monster verscheuchen und die Welt heil machen konnte. Und es war ihre Schuld, dass Buffy tot war. Sie war für sie gestorben, weil sie dieser Schlüssel war, weil sie zu schwach war, um sich gegen Glory und ihre Helfer zu wehren, weil sie zugelassen hatte, dass ihre Schwester für sie in den Tod ging. Sie war schuld, dass Buffy tot war. Sie hatte ihre Schwester getötet.

Sie hatte sich immer mit ihr gestritten, war böse auf sie gewesen, weil sie sie beschützen und von allen Gefahren fernhalten wollte, sie hatte böse Dinge zu ihr gesagt und nun war sie tot und es gab nichts, das sie tun konnte, um es ungeschehen zu machen.

Dawn wollte nicht aufstehen, wollte nichts von der Welt da draußen wissen, aber sie konnte nicht den ganzen Tag im Bett bleiben. Sie hatte Hunger, sie musste essen, danach würde sie zurück ins Bett gehen, zurück in die Welt, in der Buffy nicht tot war.

Als sie die Treppe hinuntergehen wollte, hörte sie die Stimme. Giles unterhielt sich mit jemandem an der Tür, sie konnte nicht genau verstehen, worum es ging, aber sie sah, wie ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann sich neben ihn stellte. Selbst von hinten kam er ihr irgendwie bekannt vor und dann traf sie die Erkenntnis wie ein Blitz. Angel! Angel war hergekommen. Was wollte er? Trauern? Auskunft über ihre letzten Momente? Vielleicht wollte er sie dafür anbrüllen, dass sie für ihren Tod verantwortlich war. Es war nicht weiter wichtig. Sie hatte Angel gemocht, aber das war in der Vergangenheit. Und es war ohnehin nicht wirklich, alles nur Erinnerungen, die man ihr gegeben hatte, als man sie erschuf. Sie war ihm niemals wirklich begegnet. Vielleicht erinnerte er sich nicht mal an sie, vielleicht reichte der Zauber nicht bis nach L.A.

Dann hörte sie, wie Giles' Stimme lauter wurde. Irgendwas schien ihn aufzuregen und sie konnte irgendwas von Jugendamt heraushören. Zuerst war sie erschrocken. Sie wollten sie abholen, sie von hier wegbringen. Aber vielleicht war das besser so, vielleicht sollte sie weg von ihr, wo sie alles an Buffy erinnerte, wo sie immer wieder den Leuten begegneten, die ihre Schwester geliebt hatten und sich nur um sie kümmerten, weil sie es so gewollt hätte. Dawn hatte kein eigenes Leben, sie hatte nur Buffys Leben, und Buffy hatte nun überhaupt kein Leben mehr. Sie hatte es ihr gestohlen.

Die Frau an der Tür gestikulierte heftig, und Dawn sah nun auch Spike aus der Küche kommen. Spike war noch am erträglichsten. Er gab wenigstens zu, sich um sie zu kümmern wegen eines Versprechens, das er Buffy gegeben hatte. Er schlich auch nicht um sie herum, um Worte verlegen. Er sagte, was er meinte. Aber im Moment sah er nicht besonders erfreut aus. Er würde nicht zulassen, dass man sie wegholte. Er war für sie verantwortlich, bis ans Ende der Welt.

In diesem Moment sah Dawn, wie hinter der dunkelhäutigen Frau vom Jugendamt eine andere Frau auftauchte.

"Das wird nicht nötig sein."

Die Stimme traf sie wie ein Hammerschlag, und dann bekam sie freie Sicht auf die andere Frau, eine zierliche Blondine, Anfang Zwanzig mit einem entschlossenen Blick, vor dem Männer, die doppelt so groß waren wie sie zurückwichen.

 

Miss Dexter wandte sich zu dem Störenfried um und musterte sie kühl.

"Das zu entscheiden liegt nicht bei Ihnen, Miss."

"Da befinden Sie sich im Irrtum.", widersprach ihr die junge Frau. "Genaugenommen bin ich diejenige, die in dieser Angelegenheit die Verantwortung trägt."

Giles stand immer noch an der Tür, völlig sprachlos und unfähig, sich zu bewegen. Nur ein einziges Wort kam über seine Lippen. "Buffy."

"Ich bin Buffy Summers.", eröffnete die junge Frau der verblüfften Beamtin.

"Aber Sie sind doch tot."

"Offensichtlich nicht, Ma'am. Es ist eine längere Geschichte. In groben Zügen nur soviel. Ich wurde von einer mir unbekannten Frau verfolgt, die scheinbar geistig gestört war. Sie überfiel und betäubte mich. Als ich aufwachte, lag ich gefesselt in einem Kellerraum, Nahrung und Wasser für einige Tage in Reichweite. Ich wartete drei Tage, als mich niemand befreien kam und auch meine Entführerin nicht zurückkehrte, begann ich an meinen Ketten zu zerren." Sie hob zum Beweis ihrer Worte ihre abgeschürften und blutigen Handgelenke hoch. "Nachdem Wasser und Nahrung bereits einen Tag zuvor zur Neige gegangen waren, gelang es mir endlich, mich zu befreien. Meine Brieftasche mit meinem Ausweis und meinem Geld war fort, auch sämtliche persönlichen Gegenstände. Ich fand mich in einem Gebäude etwa fünf oder zehn Meilen außerhalb der Stadt wieder und musste zurück laufen. Auf dem Weg kam ich am Friedhof vorbei, und als ich das Grab meiner Mutter besuchte, war ich etwas geschockt, mein eigenes Grab vorzufinden. Ich kann nur vermuten, dass die Verrückte, die meinen Ausweis gestohlen und mich gekidnappt hat endgültig ausgerastet ist und irgendwas verrücktes angestellt hat. Sie sah mir einigermaßen ähnlich, und in dem Zustand, in dem mein Freund, Mr. Giles gewesen sein muss, als das passiert ist, ist es nur verständlich, dass er ihre Leiche als meine identifiziert hat. Sie werden entschuldigen, dass ich im Moment nicht in der Verfassung bin, mich mit Ihnen länger zu unterhalten. Wenn ich mich einigermaßen erholt habe, können wir das Gespräch fortführen. Im Moment brauche ich dringend ein Bad und eine warme Mahlzeit. Und was meine Schwester angeht, denke ich nicht, dass dies noch ein Problem darstellt, oder?"

"N.. nein.", stammelte die verwirrte Frau. "Aber sie werden diese Sache natürlich mit der Polizei klären müssen."

"Natürlich.", stimmte ihr Buffy zu, lächelte sie nochmals freundlich an, trat ins Haus und schlug die Tür hinter sich zu. Ein Geschoss, das einem jungen Mädchen sehr ähnlich sah, flog direkt auf sie zu und dann war nur noch Dawns unterdrückter Freudenschrei zu hören.

"Buffy! Du lebst."

 

Ungläubig verfolgte Dawn die Unterhaltung zwischen der Frau vom Jugendamt und ihrer Schwester. Wie war das möglich? Sie selbst hatte Buffy springen sehen. Sie hatte ihre Leiche auf dem Boden liegen sehen. Die Geschichte, die Buffy da erzählte ergab keinen Sinn. Aber natürlich konnte sie nicht erzählen, dass sie gesprungen war, um ein interdimensionales Portal zu schließen, das drohte, die Erde in eine Hölle zu verwandeln.

Alles was zählte war, dass sie wieder da war. Buffy war wieder da, wieder da, wieder da. Sie lebte und nun war Dawn nicht mehr allein.

Buffy redete weiter auf diese Frau ein, schließlich betrat sie das Haus und schloss die Tür.

Im nächsten Moment schoss Dawn die Treppe hinunter und warf sich in die Arme ihrer Schwester.

"Buffy! Du lebst."

 

Angel trat hinter Dawn und berührte sie sanft an der Schulter, während Giles weiterhin fassungslos auf Buffy starrte.

"Buffy.", murmelte er erneut.

Cordelia war inzwischen auch heruntergekommen und sah die Jägerin fassungslos an.

Angel sog prüfend die Luft ein und blickte die Frau vor ihm drohend an.

"Du bist nicht Buffy."

"Nein, bin ich nicht.", bestätigte sie, und im nächsten Moment sahen die versammelten Personen zu ihrem Erstaunen, wie sich ihre Gesichtszüge veränderten, bis an Stelle von Buffy eine ihnen unbekannte blonde Frau dastand. Sie war zwischen sechzehn und siebzehn Jahre alt, sehr attraktiv und lächelte das Mädchen, das sich an sie geklammert hatte und nun entgeistert zurückfuhr entschuldigend an. 

"Tut mir leid.", sagte sie nun mit einer Stimme, die anders klang als zuvor, nicht so wie Buffys.

"Ich musste etwas tun, um zu verhindern, dass diese Frau Dawn mitnimmt."

Bevor jemand irgendwelche Fragen stellen konnte, klopfte es erneut an der Tür. Das Mädchen öffnete und zog einen rothaarigen Jugendlichen mit sich herein.

"Das ist Alex, ich bin Isabel. Wir sind mit Riley und Leo gekommen, um zu helfen."

 

Die Gemüter hatten sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt, und sie saßen alle zusammen im Wohnzimmer. Das heißt, Isabel und Alex saßen, während die drei Männer sie misstrauisch begutachteten. Das Mädchen hatte zunächst beinahe einen hysterischen Anfall erlebt, als es erkannte, dass Isabel nicht ihre Schwester war, die wieder zu ihr zurückgekommen war.

Isabel hatte mit dem Mädchen mitgefühlt. Sie fühlte noch die feste Umarmung und bedauerte es ein wenig, nicht ihre Schwester zu sein. Sie war immer die kleine Schwester gewesen, Max hatte auf sie aufgepasst. Aber es fühlte sich gut an, jemanden zu halten, der getröstet werden wollte. Man fühlte sich gebraucht.

"Ich bin etwas überrascht, dass Sie nur so kurze Zeit gebraucht haben, um zu erkennen, dass ich nicht sie bin." Sie blickte den dunkelhaarigen jungen Mann neugierig an. Anziehend, der dunkle, geheimnisvolle Typ, dafür hatte sie schon immer eine Schwäche gehabt. Aber abgesehen davon, dass er zu alt für sie war, konnte sie in seiner Aura spüren, dass er bereits vergeben war. Seine Aura hatte eine interessante Farbe, tiefdunkles Braun, verschmolzen mit gleißendem Gold, wie ein prächtiges Armband. Beinahe glaubte man, sie sei an einigen Stellen schwarz, aber das konnte nicht sein, nur Tote hatten eine schwarze Aura. So wie der platinblonde Vampir, der neben ihm stand. Sie hatte sofort erkannt, was er sein musste, eine wandelnde Leiche, nur hin und wieder erhellt von einem Lebensecho, wenn seine Gefühle die Oberhand gewannen, was bei diesem Vampir anscheinend der Normalfall war.

"Ich kenne Buffy besser als jeden anderen Menschen. Das Gesicht war nicht hundertprozentig getroffen, die Stimme auch nicht. Aber das waren nur Kleinigkeiten. Was mich misstrauisch gemacht hat, war der Duft. Dein Blut riecht anders als Buffys. Und ihren Duft würde ich überall wiedererkennen. Aber davon abgesehen, ist es auch kein menschliches Blut. Du bist eine der Außerirdischen, nicht wahr?"

"Blut?" Er hatte ihr Blut gerochen? Und dann erkannte sie die Wahrheit.

"Du bist ein Vampir. Aber wie kann das sein? Deine Aura ist lebendig. Vampire sind tot, wandelnde Leichen."

Da schaltete sich zum ersten Mal der ältere Mann ein. Er musste der Mann sein, dem das Haus gehörte, Giles.

"Angel, er ist anders. Er hat eine Seele."

Egal was diese Seele auch zu bedeuten hatte, Angel hatte eine Aura, eine ungewöhnliche, die eines lebenden Toten. Der Tod war nun, da sie die Wahrheit kannte, nicht zu übersehen, aber von einer derart hell strahlenden Lebendigkeit überdeckt, dass er um seine Präsenz kämpfen musste.

"Warum hat der da keine derartige Aura?" Sie deutete dabei auf Spike und hob fragend die Brauen.

"Weil ich böse bin, Kleine. Ich bin nicht so ein zahmer Schoßvampir wie Angel. Ich bin hundertprozentig reiner Vampir ohne Seele. Nur dass ich mich im Moment dazu entschlossen habe, keine Menschen mehr zu töten."

Die dunkelhaarige Frau, die sich kurz vor Isabels Verwandlung zu der Gruppe gesellt hatte, schnaubte entrüstet.

"Man hat ihn mit einem Chip kaltgestellt. Jedes mal wenn er sich an Menschen vergreift macht's zzzzzzt und sein Hirn wird auf kleiner Flamme geröstet."

"Und vergiss das ja nicht, Mai-Königin, sobald ich das Ding los bin, komm ich auf dich zurück."

"Träum weiter, Spike." Sie hieb ihm mit der flachen Hand gegen den Hinterkopf und bekam ein protestierendes Grunzen zur Antwort.

"Was Cordelia damit sagen will, ist, dass Spike momentan nicht in der Lage ist, Menschen körperlichen Schaden zuzufügen.", fasste der ältere Mann mit dem englischen Akzent, definitiv Giles, zusammen.

"Was ihn aber nicht davon abhält, auf jegliche andere erdenkliche Weise, Schaden anzurichten.", ergänze Cordelia.

"Hey, passt auf, was ihr zu mir sagt. Wer hat denn der Jägerin bei ihrem Kampf gegen diese durchgeknallte Höllenschnepfe geholfen? Wer hat auf Dawn aufgepasst?"

"Willow hat gesagt, das hast du nur getan, weil du Buffy flachlegen wolltest."

Spike grinste nur anzüglich, während Angel und Giles das Gesicht verzogen. Aber dann wandte sich der Vampir mit der Seele zu Cordelia um und fragte erstaunt: "Willow hat das Wort 'flachlegen' benutzt?"

Cordelia nickte. "Zwei Mal."

Isabel war zuerst ein wenig verwirrt, genoss aber die Situation. Mit ihr fremden Menschen, ungezwungen über Dinge zu sprechen, die normale Menschen als außergewöhnlich und bedrohlich bezeichnen würden, darunter der Einsatz ihrer Kräfte, um sich in jemand anderen zu verwandeln...

"Also, sehe ich das richtig? Wir sind hier, um Buffys Seele wieder zurückzuholen und mit ihrem Körper zu vereinigen. Und an diesen Bemühungen sind meiner Zählung nach drei Männer beteiligt, die was von ihr wollen, drei tote Männer. Ist das korrekt?"

Giles nickte nur, und Alex neben ihr lachte leise vor sich hin.

Dawn, die sich immer noch von ihr entfernt hielt, sah Giles fragend an.

"Heißt das, dass Buffy wirklich zu mir zurück kommt?"

"Ja. Wir wollten es dir erzählen, sobald du aufwachst, aber dann ist das mit dieser Miss Dexter passiert. Ich kann keine Garantie abgeben, Dawn, ich verstehe nicht ganz, worum es eigentlich geht, aber die Leute, die das ganze organisiert haben, versichern mir, dass Buffy noch am Leben ist und wenn möglich durch dieses Ritual wieder zu sich kommt."

"Okay." Nun, da sie wusste, worauf sie hinarbeiten musste, fühlte sich Dawn besser und neugierig, näherte sie sich Isabel, der Außerirdischen.

"Bist du wirklich ein Alien?"

"Ja."

"Wie hast du das gemacht. Deine Gestalt zu wechseln?"

"Das ist eine der Fähigkeiten, die wir haben. Wir können mit Gedankenkraft, Moleküle bewegen und verändern. Das funktioniert auch bei unseren Körpern. Wir ändern einfach die Beschaffenheit unseres Körpers. Körperlich gesehen war ich Buffy. Na ja, fast. Ich hatte nur ein Photo, um mich in sie zu verwandeln, daher die kleinen Ungenauigkeiten, die Angel bemerkt hat."

Spike trat, durch ihre Erklärung neugierig geworden näher. "Und das kannst du machen, wann immer es dir einfällt?"

"Wenn ich nicht zu erschöpft bin." Sie kannte diesen Blick, hatte ihn schon auf den Gesichtern von zu vielen Jungen gesehen.

"Was willst du, Spike?"

"Hey, wenn ich schon die echte Jägerin nicht haben kann, dann tut's auch eine Kopie. Schon mal Sex mit einem Untoten gehabt, Schätzchen?"

Angel und Giles sahen den blonden Vampir mit unterdrücktem Ekel an, während Isabel ihm einen Blick zuwarf, der die deutliche Aussage transportierte: "Keine Chance, Kleiner."

"Du bist echt widerlich, Spike.", sagte Cordelia. Aber Spike sah sie nur mit einem "Was ist?" - Blick an und grinste dann, erfreut über seine Fähigkeit, die anderen zu irritieren.

"Und den habt ihr ertragen, ohne ihm einen Pflock durchs Herz zu jagen?", fragte Alex mit einem Unheil verkündenden Blick auf Spike. Ha, dachte sich Isabel. Er ist eifersüchtig.

"Ich glaube, Buffy brauchte einen beweglichen Punchingball.", meinte Angel, was ihm einen entrüsteten Blick von Spike einbrachte.

"Aber was war mit den abgeschürften Stellen, der ausgezehrten Gestalt und der ganzen Geschichte, die du bereithattest?", wollte Giles wissen.

"Wenn man seine Gestalt in die eines anderen Menschen verändern kann, ist es kein Problem, ein paar Striemen oder Abschürfungen hinzuzufügen oder ein paar Kilo abzunehmen. Und was mein Talent als Lügnerin betrifft... Man entwickelt so manche Fertigkeit, wenn man sich sein ganzes Leben lang verstecken muss."

 

In diesem Moment klopfte jemand an die Tür und als Giles aufmachte, stand ein junges Paar, Hand in Hand davor.

"Hey, Giles. Was gibt's Neues?", fragte der Mann, dann bemerkte er die versammelten Personen und stutzte.

"Hallo, Angel, ich wusste gar nicht, dass du wieder in der Stadt bist. Willow hat nichts davon gesagt, dass du vorbeikommen wolltest." Er und seine Begleiterin betraten das Haus und warfen Isabel und Alex neugierige Blicke zu.

"Will uns niemand vorstellen?"

"Xander, Anya. Dies sind Alex und Isabel. Sie sind Außerirdische, die Riley hergebracht hat, um uns zu helfen, Buffy wiederzuerwecken."

"Eigentlich bin nur ich eine Außerirdische.", warf Isabel ein. "Alex ist zu Hundert Prozent menschlich."

"Hä?" Xander sah aus, als wollte er anfangen zu lachen, aber nach einem Blick auf Angels ernstes Gesicht, überlegte er es sich doch anders.

"Das ist doch ein Witz, oder?" Er sah sich hilfesuchend um, um schließlich den Blick anklagend auf Giles zu richten.

"Anscheinend nicht. Also schön. Wieso hat uns niemand informiert und wo zu Teufel hat Riley Außerirdische aufgetrieben? In einem der übriggebliebenen Geheimbunker der Initiative?"

"Eigentlich, Xander, haben sie mich gefunden, und zwar in Roswell.", hörte Xander hinter sich und sah, als er sich herumwarf, gerade noch, wie Riley von einem blauen Strahlenkranz umgeben wurde.

"Und wenn mir mal jemand das da erklären könnte. Leute?"

"Ein Wächter des Lichts.", erklärte Anya ungerührt.

"Ein bitte was?" Xander hatte immer noch keine Ahnung, was da vor sich ging.

"Du kennst uns?", fragte Riley sichtlich erstaunt.

"Oh bitte. Du bist nicht über Tausend Jahre lang als Rachedämon für enttäuschte Frauen unterwegs, ohne ein paar von euch Typen zu begegnen. Du ahnst ja nicht, was einige eurer Schützlinge für böse Gedanken haben können. Ihr wart auch nicht gerade beliebt auf unserer Seite. Äh, das war natürlich bevor ich ein Mensch wurde. Ich habe nichts mehr gegen euch blauen Jungs, ehrlich." Anya schwieg verlegen, und Xander drückte ihre Hand, wie um sie zu beruhigen.

Ein Ex-Dämon? Die Leute in dieser Stadt hatten wirklich merkwürdige Beziehungen, fand Isabel. Aber vielleicht sollte ein Außerirdischer sich lieber nicht über derartige Dinge aufregen, überlegte sie weiter.

"Was ist ein Wächter des Lichts?", fragte Xander, der immer noch nicht Bescheid wusste.

"Das sind Seelen von Menschen, die ihr Leben dem Schutz anderer Menschen gewidmet haben und dabei den Tod fanden. Soweit ich weiß, werden sie schon bei ihrer Geburt für ihre zukünftige Aufgabe bestimmt. Sie helfen den Mächten des Lichts bei der Erfüllung ihres Jobs.", erklärte Anya.

"Dann ist Riley tot?"

"Zwangsläufig."

"Oh Mann, bleibt denn hier keiner am Leben?"

Riley legte die verschiedenen Zauberzutaten, die er in den letzten Stunden zusammengesucht hatte, auf dem Küchentisch ab und trat wieder zu den anderen ins Wohnzimmer. Dort warf Anya gerade Cordelia misstrauische Blicke zu.

"Du kannst ihn nicht wiederhaben, wir sind jetzt zusammen. Wir sind verlobt."

"Dann hast du mein herzlichstes Mitgefühl. Ich kann dir versichern, dass ich Xander Harris nicht geschenkt haben wollte. Diese Phase der Geschmacksverirrung habe ich Gott sei Dank hinter mir."

"Oh, vielen Dank, Cordy.", beschwerte sich der leicht schlaksige junge Mann. Diese Stadt war besser als jede Seifenoper, entschied Isabel und lauschte entzückt dem weiteren Austausch einiger hingeworfener Beleidigungen, bis schließlich Riley genervt eingriff und sie wieder zum Thema zurückrief.

"Buffy. Wiedererwecken. Okay?"

"Ist ja schon gut. Wir sind hier, wir sind bereit, auch wenn uns niemand dafür bezahlt. Ist das nicht ein Zeichen unseres guten Willens?"

Xander wollte etwas erwidern, aber ein warnender Blick von Angel hielt ihn davon ab.

"Die Sonne geht bald unter. Wir werden noch eine Weile brauchen, um die einzelnen Amulette und Zaubermischungen vorzubereiten. Das Ritual ist nicht ungefährlich, wie mir Leo erklärt hat und wir dürfen uns durch nichts bei der Ausführung ablenken lassen. Wir müssen zusammenarbeiten. Ich hoffe, das ist nicht zu viel verlangt." Riley sah jeden einzelnen der Anwesenden mit grimmigem Gesichtsausdruck an. Niemand wagte es, Einspruch zu erheben.

 

* * * * *
 

Sie hatten die letzten beiden Stunden damit verbracht, sich auf das Ritual vorzubereiten und unterschiedliche Fragen der einzelnen Beteiligten zu beantworten.

"Aber ich kapier das immer noch nicht.", ließ sich nun Xander wieder vernehmen.

"Dieser Nexus, der wird weitergegeben, wenn eine Jägerin stirbt. Aber warum wurde er weitergegeben, als Buffy klinisch tot war? Sie war ja nicht wirklich tot. Und wenn er weitergegeben wurde, wieso war dann Buffy immer noch die Jägern und hatte weiterhin ihre Kräfte?"

"So wie ich das verstanden habe, als es mir der Rat erklärte, ist die Seele einer Jägerin etwas besonderes, schon bei ihrer Geburt dazu ausersehen, anders zu sein. Nur sie hat die Fähigkeit, den Nexus zu benutzen, um Kraft aus ihm zu schöpfen. Die Seele einer Jägerin und die Macht des Nexus ziehen sich gegenseitig an, sobald sie von oben berufen wird und sie sich ihrer selbst bewusst wird. Als Buffy starb, war es ihre Zeit. Die Prophezeiung sagte ihren Tod voraus und er wurde von höherer Stelle bestätigt, ihre Seele befand sich auf dem Weg ins Jenseits. Aber auf diesem Weg wurde sie wieder zurückgerufen. Der Nexus war nun einerseits freigegeben worden und einer neuen Jägerin zugeteilt worden, machte sich also, in metaphysischer Weise auf dem Weg zu ihr, gleichzeitig spürte es aber das Drängen seiner alten Trägerin, spürte ihre wieder mit dem Körper vereinigte Seele nach ihm rufen. Also hat sich der Nexus aufgeteilt, um beiden Verlangen nachgeben zu können."

"Der Nexus hat ein Bewusstsein?"

"Nein, nicht in dem Sinn, in dem ein Mensch oder auch nur ein Tier ein Bewusstsein hat. Der Nexus ist ein Knotenpunkt von magischen Pfaden, der ein Portal zur Urquelle aller Macht darstellt. Das Fenster zur Lebenskraft des Universums. Aber diese Pfade und die Art, in der sie verwoben sind, beinhalten auch starke Gefühle und Träume. Der Nexus kann auf entsprechende Reize mit protolebendigen Reaktionen antworten. Und seine Teilung war eine solche Reaktion. Da der Nexus nicht zu unserem physikalischen Universum gehört, hat er auch keine räumliche Ausdehnung. Er ist mehr Idee als Gegenstand, und kann daher auch an mehreren Orten existieren und von mehr als einer Jägerin genutzt werden. Unkontrolliert würde er sich jedes potentiellen Trägers aus dem Bedürfnis heraus, ihm nahe zu sein, bemächtigen. Aber die Regeln sind klar, eine neue Jägerin darf erst berufen werden, wenn die alte stirbt, also wird der Nexus von den höheren Mächten gezügelt. Aber dieses eine Mal waren sie selbst überrascht, und es wurde auch keine Regel gebrochen."

Xanders Gesicht hatte schon nach den ersten Sätzen einen glasigen Ausdruck angenommen. Er hatte keine Ahnung, wovon Riley da sprach, aber Giles lehnte sich interessiert vor. Das war endlich die Gelegenheit mehr über den Ursprung und die Kräfte der Jägerin zu erfahren.

"Und was ist dieses Mal schiefgegangen? Warum ist der Nexus nicht weitergereicht worden?"

"Man kann den Nexus nicht von einer Trägerin trennen, sobald sie sich erst einmal vereinigt haben. Seele und Nexus gehen eine Symbiose ein. Wenn die Seele ihr körperliches Leben beendet, der Mensch stirbt, verabschiedet sie sich von ihrem Freund. Das ist ein sehr schmerzhafter Vorgang für uns, der überall auf unserer Seite gespürt wird. Buffys Seele hat sich geweigert, den Tod zu akzeptieren. Sie hat sich nicht auf ihre Reise begeben und den Nexus nicht losgelassen. Der Nexus hat nur das Bedürfnis, bei der Jägerin zu bleiben, sie zu beschützen und zu stärken. Er wird sie nicht von sich aus verlassen. Aber Buffy hat auch nicht die Kraft, in ihren Körper zurückzukehren, dabei müssen wir ihr helfen."

"Faszinierend. Noch eine Frage. Wenn der Nexus den Zugang zu derart großer Macht darstellt, warum ist die Jägerin so verhältnismäßig machtlos? Könnte sie das Böse nicht sehr viel wirkungsvoller bekämpfen?"

Riley schüttelte den Kopf.

"Die Jägerin ist trotz allem immer noch ein Mensch, eine Sterbliche. Sie mit solcher Macht auszustatten ist zu gefährlich, für sie wie für andere. Ihr Körper wäre nicht in der Lage, diese Macht zu kontrollieren. Sie kennen doch die Regeln für Zauberei. Es dauert Jahrzehnte, ein Meister in dieser Kunst zu werden. Der Rat der Wächter war immer sehr vorsichtig in dieser Hinsicht. Eine junges Mädchen, das von dem Wissen über ihre Bestimmung überwältigt wird, auch noch mit einer derartigen Verantwortung zu belasten wäre mehr als töricht. Aber selbst wenn es nicht so wäre, gibt es bestimmte Regeln, an die sich die Mächte halten müssen. Es ist uns verboten, Buffy über bestimmte Grenzen hinaus zu helfen. Die Regeln für die Jägerinnen sind schon so alt wie der Konflikt zwischen den Mächten selbst. Wir dürfen ihre Kräfte nicht steigern."

Riley war kaum mit seinen Erklärungen fertig, als Willow, Tara, Liz und Max draußen vor dem Haus ankamen und verlangten, hereingelassen zu werden.

"Okay.", erklärte Willow. "Wir sind bereit. Fehlen nur noch Leo, Michael und Maria. O.. oder kommen noch andere, von denen wir nichts wissen?"

"Keine Sorge Will, wir sind immer noch ein ziemlich exklusiver Club.", witzelte Xander, und im nächsten Moment teleportierte sich Leo mit den beiden Genannten ins Zimmer.

"Hast du die nötigen Vorbereitungen getroffen?", fragte er Riley. Der nickte und deutete auf die vorbereiteten Gegenstände und farbigen Pulverbeutel.

"Gut. Die Stadt hat sich ausreichend beruhigt, damit wir ungestört ein Grab öffnen können."

"Als ob dazu viele gehörte.", warf Cordelia ein.

"Ja.", pflichtete ihr Isabel bei. "Diese Stadt ist doch auch tagsüber so gut wie tot."

"Wie dem auch sei, wir machen uns wohl bald auf den Weg. Was ist mit euch. Liz, Willow, Tara? Habt ihr euch mit den Instruktionen vertraut gemacht, die ich euch gegeben habe?"

Willow nickte. "Ja, und Liz und Max haben einen Vorschlag gemacht, um zu garantieren, dass niemand von der Aufgabe abgelenkt wird und der Zauberbann nicht durchbrochen werden kann."

"Ach ja? Was ist es?"

"Es ist eine Gruppenverbindung. Wir, Isabel, Michael, Alex, Maria, Liz und ich haben so was schon mal gemacht, um die Vertrautheit miteinander zu erhöhen und unsere Kräfte zu verstärken. Je mehr Personen mitmachen, desto mehr Energie erhält die Verbindung. Man muss keine speziellen Kräfte haben, um seine Energien einzubringen. Auch normale Menschen können auf diese Weise ihre innere Kraft nutzen. Es ist ein ziemlich intensives Erlebnis. Man teilt dabei seine Empfindungen, Ängste und Hoffnungen mit dem Rest der Gruppe. Jeder muss freiwillig der Verbindung zustimmen, ansonsten geht es nicht."

Ja, das könnte funktionieren. Damit könnten wir sicherstellen, dass die Beteiligten miteinander im Einklang sind. Es würde die Durchführung erleichtern."

Er nickte Max anerkennend zu und trat dann langsam auf Dawn zu, die ihm mit großen Augen erwartungsvoll entgegensah.

"Wir werden auch deine Hilfe brauchen, Dawn."

"Ich würde alles tun, um Buffy wiederzubekommen, alles.", versicherte sie ihm mit entschlossener Stimme.

"Es wird nicht einfach werden. Wir brauchen dich, weil du ein Teil ihrer Lebensessenz bist, ein weiterer Grund, warum sie am Leben festhält, aber auch das einzige Wesen, das sie direkt erreichen kann. Wir werden dich als Fokus des Zaubers benutzen müssen. Du musst die Brücke darstellen, auf der die Seherin und die Hexen zu Buffy hinauslangen und über die sie deine Schwester zu ihrem Körper zurückführen können. Es könnte sehr schmerzhaft sein, die Wirren der Zwischenebenen sind nicht für das Bewusstsein Sterblicher geschaffen. Bist du bereit, diese Strapazen auf dich zu nehmen."

"Ja." Dawn würde sich durch nichts davon abhalten lassen, ihre Schwester zurückzuholen, nicht durch alle Schmerzen der Welt.

"Gut.", er legte ihr die Hände auf die Schultern und schloss die Augen. Schon nach kurzem riss er sie wieder auf und sah sie erstaunt an.

"Das... das kann nicht sein. Wie ist das möglich?"

"Was ist?", herrschte ihn Spike an, der den ganzen Vorgang misstrauisch verfolgt hatte. Und auch Angel trat besorgt zu Dawn vor.

"Ich hatte bis jetzt angenommen, Dawn sei lediglich mittels Buffys Lebensessenz lebendig geworden. So hat man es mir erzählt."

"Und?" Auch Giles blickte besorgt von Leo zu Dawn und wieder zurück auf den Wächter des Lichts. "Was ist nicht in Ordnung?"

"Ich spüre mehr als eine Essenz in ihr. Buffy war nicht das einzige Wesen, das ihr Leben gegeben hat. Sie hat auch einen Vater."

"Vater?"

"Ja." Leos Blick ruhte nun auf Angel. "Ihn."

"Verfluchte Scheiße.", brüllte Spike. Dawn sah nur sprachlos zu dem hochgewachsenen Vampir auf, während um sie herum die Hölle losbrach. Alle riefen durcheinander, überhäuften Leo mit Fragen und sahen immer wieder zu Angel und Dawn hinüber, die immer noch nur wenige Zentimeter voneinander entfernt standen, unfähig zu sprechen oder sich zu bewegen.

"Was soll der Quatsch von wegen Vater bedeuten?", verlangte Xander zu wissen.

"Dawn ist das Produkt der Verbindung von Lebensessenzen. Das macht Buffy und Angel zu ihren Eltern und zwar in sehr viel persönlicherer Weise als durch die Weitergabe von Genen oder den Austausch von Körperflüssigkeiten."

"Und was ist nun daran wieder verkehrt?", beschwerte sich Xander. Der Gedanke machte ihm wirklich schwer zu schaffen. Dawn Buffys und Angels Tochter? Er hatte in den fünf Jahren seit er Buffy begegnet war ja schon so manche Abstrusität erlebt, aber das war zu bizarr.

Auch Spike war alles andere als zufrieden.

"Du willst uns also allen Ernstes erzählen, dass Weichei hier, Dawns Papi ist? Bei dir tickt's doch nicht richtig, Mann. Mir ist egal, zu was für einem Verein du gehörst, aber der da ist so wenig ihr Vater wie ich es bin. Wie sollte das überhaupt vor sich gegangen sein?"

"Ich bin mir nicht ganz sicher wie, aber über das Was bin ich absolut sicher. Dawn ist Buffys und Angels Tochter. Vorstellen könnte ich mir, dass die Mönche bei ihrem Ritual, mit dem sie dem Schlüssel menschliche Gestalt verliehen, nicht nur Buffys Lebensessenz anzapften. Schließlich mussten sie Dawn mit einem menschlichen Leben, nicht nur mit Leben an sich ausstatten. Es könnte sein, dass sie dabei Buffys vergangenes Leben berührten, ihre Sehnsüchte und Träume, das was ihr Wesen als Mensch ausmachte, ihre Liebe. Liebe ist eine der mächtigsten Kräfte in diesem Universum, sie macht vieles möglich, auch, dass ein Vampir ein Kind zeugt. Sie müssen, ob nun versehentlich oder mit Absicht, auf die Nacht zurückgegriffen haben, als du und Buffy..."

"Ich kann es mir schon denken.", wehrte Angel ab. Die Erinnerungen an die Nacht, in der er seine Seele verloren hatte, waren immer noch zu schmerzlich.

"Über die Verbindung der Jägerin zu dir war es ihnen möglich, auch auf deine Essenz zuzugreifen."

"Ein Vampir hat keine Lebensessenz."

"Ein Vampir mit einer Seele schon."

"Ja, seine Aura ist auch nicht die eines Toten.", bestätigte Isabel und Max und Michael nickten bestätigend. Auch sie hatten es gesehen.

Als Leo sich nach Riley umsah, bemerkte er den gequälten Gesichtsausdruck des jüngeren Wächters des Lichts. Es konnte nicht einfach für ihn sein, diese Dinge zu erfahren.

"Aber egal wie es dazu gekommen ist. Das ändert alles. Nun muss Angel sich mit Dawn zusammen dem Ritual stellen und die Verbindung bilden."

"Wieso denn das?" Willows Frage hallte in den Blicken der anderen wider.

"Sie bilden eine Einheit. Buffy, Dawn und Angel. Dawn ist nicht nur einfach ihre Tochter. Sie ist eine Verbindung zwischen ihnen beiden. Schließen wir Angel nicht in das Ritual ein, gibt es ein loses Ende dieser Verbindung, die den Bann sprengen und uns alle zur Hölle schicken könnte."

"Oh. Na gut."

Auch die anderen fanden die Vorstellung, zur Hölle geschickt zu werden, nicht besonders ansprechend, vor allem jene der Versammelten, die wussten, dass es nicht nur bildlich gemeint war.

"Na gut, dann lasst uns gehen." Mit diesen Worten schloss Leo die Versammlung und machte sich auf den Weg zum Friedhof. So viele Leute zu befördern war selbst für zwei Wächter des Lichts eine zu große Strapaze und in diesem Fall zudem völlig unnötig. Nach und nach folgten ihm die anderen, zum Teil mit recht gemischten Gefühlen.

 

* * * * *
 

Es handelte sich nicht um das erste Grab, das Xander geöffnet hatte. Aber das hier war Buffys Grab, das erhöhte den Freakigkeitsfaktor erheblich. Er hatte kaum einige Spatenstiche gemacht, als er den Spaten frustriert wieder hinwarf und Cordelia, Anya und Giles vernichtende Blicke zuwarf.

"Mir reicht's. Ich hab's satt, immer der Spatenjunge zu sein, der Doofe, der die Leichen ausgräbt, während ihr danebensteht und euch gut amüsiert. Ich rühr keinen Finger mehr, wenn ihr nicht hier runterkommt und mir helft."

Als Antwort erhielt er nur entsetzte Blicke von den betreffenden Personen.

"Hört zu, ich glaube nicht, dass das der richtige Moment ist, um persönliche Animositäten auszutragen."

"Ich trage überhaupt keine Mimosen mit mir rum. Alles was ich will, ist ein wenig Anerkennung und Hilfe bei diesem Scheißjob. Herrgott, das ist Buffys Grab. Ich will hier nicht..." Er ließ den Kopf sinken und schüttelte den Kopf. "Das ist viel schlimmer als ich es mir vorgestellt habe."

"Denk doch daran, dass du sie befreist. Sie ist schließlich nicht wirklich tot."

Xander sah zu Leo auf, der ihm aufmunternd zulächelte und unterdrückte den Impuls, ihn ebenfalls anzuschreien. Er verstand es ja selbst nicht. Er sollte begierig sein, zu ihrem Sarg durchzustoßen. Sie waren schließlich hier, um sie wiederzuerwecken, nicht um ihr Grab zu schänden.

"Vielleicht können wir dir helfen.", schlug Max vor. Auf sein Zeichen traten er und seine fünf Freunde vor. Sie fassten sich an den Händen und im nächsten Moment begann die Erde über Buffys Sarg sich zu bewegen. Erst wurde eine Handvoll nach der anderen von einer unsichtbaren Hand davongeschleudert, dann erhob sich ein riesiger Quader aus Erde in die Luft und schwebte einige Meter davon, bevor er wieder zu Boden fiel.

"Okay, das will ich auch lernen. Bei den vielen Gräbern, die ich öffnen muss."

Als nächstes schwebte der schwere Holzsarg aus dem geöffneten Grab und kam hörbar auf dem Boden neben dem geöffneten Loch auf.

"Schnell, holt ihren Körper heraus und legt ihn in die Mitte des Zauberkreises, den wir gezogen haben.", befahl Leo. Als das geschehen war, nahm er Cordelia, Dawn und Angel und führte sie zu der reglos daliegenden Buffy. Kein Zeichen von Verfall deutete darauf hin, dass sie tot sei, und was man für die Leichenstarre gehalten hatte, erklärte Leo, war nichts als die Stasis, ausgelöst durch die Bemühungen des Seele, den Körper wieder in Anspruch zu nehmen.

"Jeder von euch berührt sie. Stellt euch so hin, dass ihr die Eckpunkte eines gleichschenkligen Dreiecks mit Buffy in der Mitte bildet. Sperrt alle anderen Gedanken aus. Denkt nur an Buffy, an eure Gefühle für sie, an die Trauer über ihren Tod, an alles, was ihr Buffy noch sagen wolltet, ohne die Gelegenheit dafür erhalten zu haben, auch an euren Zorn darüber, dass sie euch verlassen musste. Denkt an all die Gründe, warum ihr nicht wollt, dass sie fort ist. Cordelia, du musst diese Eindrücke sammeln und versuchen, sie weiterzugeben. Konzentrier dich nicht auf irgendwelche Visionen, tu so, als würdest du mit Buffy sprechen, nach ihr rufen, das sollte die Verbindung herstellen. Lasst euch durch nichts ablenken, was außerhalb des Dreiecks vor sich geht. Ihr müsst euch auf eure eigene Aufgabe konzentrieren."

Sie nickten und er trat zu den anderen.

"Bildet alle einen Kreis um diese Drei und Buffy, einen Kreis innerhalb des Zauberkreises. Hängt euch die Talismane um, die wir vorbereitet haben, sie sollten euch ermöglichen, an dem Ritual teilzunehmen, auch ohne die Verbindung, die Angel, Dawn und Cordelia eingehen. Liz, Willow, Tara." Er sah jede der drei Hexen eindringlich an. "Riley und ich werden eure spirituellen Führer sein. Konzentriert euch auf unsere Präsenz, wir werden euch durch das Ritual führen. Ihr anderen haltet euch an den Händen und formt die Verbindung, von der Max gesprochen hat, nehmt die drei Mädchen an den drei Eckpunkten des Dreiecks auf, sie müssen eure Energien bündeln und auf jene Personen im inneren Dreieck übertragen. Lasst uns anfangen." Er streckte die Hände aus, fasste Liz zu seiner Linken, Max zur Rechten. Die anderen folgten seinem Beispiel, und auch Angel, Dawn und Cordelia taten, was ihnen Leo gesagt hatte. Sobald der Kreis geschlossen war, konnten alle den Beginn der Verbindung spüren, das Bemühen von Max und den anderen, ihre Gedanken in Einklang zu bringen. Und dann war es plötzlich so weit. Jene, die es noch nie zuvor erlebt hatten, keuchten überwältigt. Das war unglaublich, so wunderbar, friedlich, all diese Gefühle, die sie auffingen. Es gab keinen Unterschied zwischen den Gefühlen der einzelnen Personen. Nur überwältigende Liebe und Freundschaft, für alle Anwesenden, für Buffy, für einzelne Mitglieder der Gruppe. Hätte jemand sich die Mühe gemacht, hätte er bestimmt die Herkunft einiger dieser Gefühle bestimmen können, aber niemand konnte sich von dem überwältigenden Erlebnis losreißen, um das zu tun. Dann hörten sie de Stimmen in sich widerhallen. Die Stimmen der drei Hexen, die den Zauber anstimmten. Aber es waren nicht nur ihre Stimmen, die sie hörten, die Worte ertönten in ihrem Innern, jeder schien sie mitzusingen, auch wenn niemand sonst sprach. Die Worte waren einfach da und übertönten alles andere.

 

Isabel war überwältigt. Es war nicht das erste Mal, dass sie so etwas erlebte. Tatsächlich konnte sie die Auren der Leute um sich herum nicht nur sehen, seit den Erlebnissen der letzten Monate war ihre Sensitivität angewachsen, und sie vermutete, dass es bei Max und Michael genauso war. Sie konnte die Menschen um sich herum spüren, nicht nur ihre Gefühle, auch ihr Wesen. Es war fast so wie eine Decke, die man sich in kalten Abenden um die Schultern legte. Aber das hier war tausend Mal intensiver. Und es waren nicht nur ihre Freunde, mit denen sie bereits früher eine Verbindung eingegangen war. All die neuen Leute, die sie in den letzten Tagen kennen gelernt hatten, beteiligten sich daran. Und jeder von ihnen war eine kraftvolle Persönlichkeit. Es war hart für Isabel, nicht selbst von dieser Verbindung davongetragen zu werden und sich in ihr zu verlieren. Das war gefährlich. Sie konnte sich nur zu gut daran erinnern, was mit Max geschehen war, als er die Verbindung mit dem 'Bewusstein' einging, das die Bevölkerung ihres Heimatplaneten bis auf einige Ausnahmen verband. Man verlor nur zu leicht seine Individualität dabei. Aber das hier war anders. Die Leute um sie herum versuchten nicht, sich ihr aufzudrängen, wollten ihr weder ihre Sicht der Dinge vermitteln noch sie dazu zwingen, so zu handeln, wie sie es für richtig befanden. Sie waren einfach da und teilten. Teilten das Kostbarste, was sie besaßen, ihre Seelen. Isabel konnte sie singen hören, eine wundervolle Melodie, anders als jegliche Musik, die sich Menschen je vorstellen konnten, so reich und voller geheimer Untertöne. Manchmal so traurig, dass einem die Tränen kamen und dann wieder so voller überschäumender Freude, darüber am Leben zu sein, einen weiteren Tag zu erleben, die Berührung derjenigen zu spüren, denen man traute, die man liebte.

Isabel hatte lange Jahre damit verbracht, sich völlig von anderen Wesen außer Max und Michael abzuschotten. Aber selbst nach den Erfahrungen mit Liz, Maria und Alex, überwältigte sie dieses Erlebnis auf eine Weise, wie sie es nie erwartet hätte. Die Musik ebbte nicht ab, obwohl sie deutlich die Worte der Beschwörung hören konnte, sie passten irgendwie dazu, ein Teil des Liedes. Und während sie die Stimmen mehr spürte als hörte, ebenso wie es mit der Musik um sie herum zu sein schien, wurde die Vereinigung immer intensiver, strahlten die Auren um sie herum immer heller, als sie zu verschmelzen begannen.

 

Willow hätte nie geglaubt, so etwas je zu erleben. Sie hatte sich immer gefragt, wie das mit den Auren war, die Tara zu sehen behauptete, aber nie hätte sie sich so etwas vorstellen können. Es war einfach gewaltig. Nein, nicht gewaltig, das war nicht das passende Wort. Und im Grunde entzog es sich jeglicher Beschreibung. Keines des Adjektive, das Willow spontan in den Sinn kam, schien zu passen. Sie deckten immer nur einen Teil dessen ab, was Willow empfand, verfälschten den Sinn des Rest. Worte schienen nicht auszureichen, es zu beschreiben. Es musste einfach gefühlt werden.

Willow mochte es nicht besonders, etwas nicht unter Kontrolle zu haben. Natürlich beschäftigte sie sich mit den Mysterien der Magie, und meistens hatten ihre Zauber nicht ganz die beabsichtigte Wirkung, aber genauso wie ihr Interesse für Naturwissenschaften und digitale Kommunikation entstammte dieses Interesse ihrem Bedürfnis, über Dinge Bescheid zu wissen, sie benennen zu können und den Versuch zu unternehmen, sie zu kontrollieren. Aber obwohl sie sich mit dem eher metaphysischen Teil der Welt auseinander setzte, hatte sie immer Mühe gehabt, die Existenz von Dingen, deren eigentliches Wesen sie nicht kannte, zu akzeptieren. Sie brauchte Beschreibungen, Bilder, deshalb war sie auch immer begeistert gewesen, Giles bei seinen Recherchen in den alten Büchern helfen zu können. Dort standen die Antworten, die sie haben wollte, die sie brauchte, um inmitten all dieses Chaos nicht völlig den Verstand zu verlieren. Aber obwohl sie selbst geholfen hatte, Angels Seele wiederherzustellen, hatte sie nie ganz begriffen, was sie da tat. Es war über sie gekommen, als sei sie besessen, als sie den Zauber aussprach. Sie hatte nie begriffen, was es war, das sie dem Vampir gegeben hatte. Die Seele war für sie kaum mehr als eine Metapher für das Gewissen, das Angel wiedererlangt hatte. Aber nun konnte sie es sehen. Sie sah nicht nur seine Seele, isoliert mit der Cordelias und der strahlenden Aura Dawns, die sie fast blendete. Sie sah auch die Seelen der anderen, spürte sie, ihre eigene begrüßen, als sie sich vereinigten, fühlte das warme Gefühl, nicht mehr allein zu sein, nie mehr. Willow kannte das Gefühl einsam zu sein. Sie hatte nicht viele Freunde gehabt, bevor sie Buffy begegnete, hatte sich stets zurückgehalten, war schüchtern gewesen und hatte Angst davor, vorzutreten und sich selbst unter Beweis zu stellen. Das alles hatte sich in den letzten Jahren geändert. Aber immer noch hatte es Momente gegeben, in denen sie sich noch einsamer und verwundbarer vorgekommen war als zu der Zeit, bevor sie es gewagt hatte, sich aus ihrem Schneckenhaus herauszutrauen. Damals als Oz weggegangen war, die Zeit als sie befürchtete, sich von ihren besten Freunden zu entfremden, als Tara in ihrem eigenen Kopf gefangen zu sein schien und schließlich als die Erkenntnis auf sie einstürmte, dass ihre beste Freundin tot war, etwas, das sie trotz der Wahrscheinlichkeit eines frühen Todes für die Jägerin nie wirklich akzeptiert hatte, bis zu diesem Zeitpunkt.

Willow war längst nicht mehr dieses schüchterne, ängstliche Mädchen von vor fünf Jahren. Damals hatte sie geglaubt als Jungfrau zu sterben, nicht im Traum hätte sie gedacht, einen Musiker als Freund zu haben oder sich schließlich in ein anderes Mädchen zu verlieben. Das alles lag Lichtjahre entfernt von dem Punkt, an dem sie ihre Verwandlung begonnen hatte.

Sie war nicht mehr jene Willow, die ängstlich durch die Korridore schlich, um nicht die Aufmerksamkeit jener Leute auf sich zu ziehen, die sich einen Spaß daraus machten, sie zu ärgern und mit ihrem Geschmack für Kleidung aufzuziehen. Heute würde sich niemand mehr über sie lustig machen. Nicht unbedingt, weil ihr Modegeschmack soviel besser geworden war, obwohl sie das Gefühl hatte, nicht mehr ganz so wie ein Mauerblümchen herumzulaufen, aber sie war auch eine mächtige Hexe. Sie hatte Vampiren entgegengestanden und hatte sie bekämpft, sie hatte sich sogar einer Göttin entgegengestellt und sie verletzt, wenn es auch nicht ausgereicht hatte, sie aufzuhalten. Niemand hatte es gewagt, sich mit Buffy anzulegen, zumindest nicht nachdem sie ein paar Nasen verbeult hatte, deren Besitzer sich etwas herausgenommen hatten. Und Willow hatte einiges von Buffy gelernt.

Aber trotz all dieser Veränderungen gab es immer wieder Momente, in denen sie sich wunderte, ob sie nicht im Grunde immer noch jenes einsame, schüchterne, ängstliche Mädchen war. In diesem Moment jedoch spürte sie, dass sie nie wieder allein sein würde. Egal was noch passieren mochte. Sie war nicht allein. Ihre Freunde waren für sie da, selbst wenn sie nicht in der Nähe waren.

Sie wusste, dass sie den Zauber aussprechen musste, wusste, dass sie die Worte formte, aber es war, als wäre nicht sie es, die sprach, als wäre es die Verbindung, die diese Worte formte und ihr zuflüsterte, aber gleichzeitig erschienen sie so laut, als würde eine riesige Verstärkeranlage in die Nacht hinausbrüllen.

"Versammelt sind die Freunde,

versammelt sind die Glieder einer Kette.

Formt das Band, erwacht, erwacht.

Formt das Band, die Suche hat begonnen.

Versammelt sind die Bande, die sie rufen,

sucht nach jenen, die sie trennen."

 

Michael hatte zuerst seine Zweifel gehabt, was diesen Hokuspokus anging. Aber er hatte Leo und Riley gesehen und musste zugeben, dass es außer ihm und seinen Freunden wohl noch andere merkwürdige Dinge auf der Welt zu geben schien. Dann war er Vampiren begegnet. Das hatte ihn nicht weiter schockiert, aber inzwischen hatte er sich auch um Maria Sorgen zu machen. Die Aussicht, dass es dort draußen Dinge gab, von denen er nichts wusste und die Maria verletzten konnten, ließ seinen Beschützerinstinkt durchdrehen. Er würde niemals zulassen, dass seinem Mädchen etwas zustieß, und wenn er sich ganz allein mit allen Dämonen anlegen musste. Insofern kam es gelegen, ein bisschen mit den örtlichen Dämonenjägern herumzuhängen. Soviel hatte er aus seinen Begegnungen mit Valenti und DuPris gelernt. Man musste einen Gegner kennen, um ihn besiegen zu können. Aber er war immer noch ein wenig skeptisch, was diese ganze Erweckungsgeschichte anging. Er wusste durch Max, dass die Sphären der Toten nach ihrem Tod nicht einfach verschwanden, zumindest nicht sofort. Er hatte Ray noch spüren können, nachdem der Sheriff ihn getötet hatte. Aber selbst Max konnte keine Toten erwecken. Er konnte tödliche Verletzungen heilen, aber nur wenn es ihm gelang, rechtzeitig eine Verbindung herzustellen und er genug Energie für den Heilungsprozess hatte. Ein toter Körper war und blieb tot. Und Buffy war eindeutig tot. Ihre Aura war schwarz, kein Zeichen von Leben. Aber er musste zugeben, dass ihr Körper für eine mehrere Tage alte Leiche noch recht frisch aussah, keine Leichenflecke, auch kein Aufdunsen durch innerliche Zersetzung. Sie sah aus wie Dornröschen, die auf den erlösenden Kuss wartete.

Und dann spürte er die Energie durch seinen Körper jagen und die Farben intensivierten sich. Er hatte die vertrauten Farben seiner Freunde gesehen, wie sie sich ausweiteten und miteinander verschmolzen. Max' smaragdfarbene Aura, Marias durchdringendes Blau eines klaren Bergquells, Isabels Tieflila, Liz' Bernstein, Alex' sonnenfarbenes Orange und sein eigenes Ziegelsteinrot. Er sah auch die Auren der anderen pulsieren und sich ausweiten. Xanders marineblaue gleich neben der kupferroten seiner Freundin Anya. Sie schienen irgendwie zusammenzupassen, trotz der merkwürdigen Kombination. Dann war da noch Giles' erdiges, warmes Braun, Willows Karmesinrot und Taras Zartrosa, auch Leo und Riley pulsierten in ihren eigenen Farben, vermischt mit dem blinkenden Blau eines Wasserfalls, vermutlich ein Teil ihres Wesens als Wächter des Lichts. Aber die Farben bildeten nicht nur eine Einheit, sie tanzten umher, formten Bilder von so wunderbarer Klarheit und doch hatte er das, was sie zeigten, noch nie zuvor gesehen. Es waren keine Gegenstände oder Menschen, auch keine Landschaften, die sie abbildeten, es waren Gefühle. Die Gefühle jedes einzelnen der Gruppe, vermischt und gefiltert als pure Energie, die ihn durchströmte. Und nicht nur ihn, jeden von ihnen. Und auch die anderen innerhalb des Kreises. Sie waren eingehüllt in die Farben und fügten nun ihre eigenen hinzu. Der physische Kontakt war nicht nötig, erkannte Michael, der Zauber verband sie, und er musste lachen. Es war kein abfälliges oder ironisches Lachen, es war die pure Freude, die ihn durchströmte, so dass er nicht anders konnte, als sie herauszulassen. Er erinnerte sich an seine Gefühle für Maria und sah in ihren Augen, dass sie alles wusste, alles spüren konnte und dasselbe für ihn empfand. Das Leben war schön und konnte nie anders sein. Er war kein Alien, er war Michael und das wundervollste Geschöpf des ganzen Universums liebte ihn. Das allein war schon genug, um ihm eine Gefühlsüberladung zu bescheren, aber da war noch so viel mehr. Die Menschen um ihn herum, die ihn alle begrüßten, als Freund, als einen von ihnen, als jemanden, den sie ohne Einschränkung kannten und dem sie vertrauten. Er spürte, dass sie ihn vermissen würden, sollte er plötzlich nicht mehr sein und dieses Gefühl, vermischt mit seiner eigenen Furcht davor, wie er sich fühlen würde, sollte Maria oder einem anderen seiner Freunde, einem anderen aus dieser Gruppe etwas zustoßen, riss die Tür zu etwas auf. Er wusste nicht, ob es etwas in seinem Innern war, ob nur er es spürte, aber er sah deutlich die Energie von sich und den anderen, wie sie auf die drei Personen im inneren Dreieck übertragen wurde und sich zwischen ihnen, über dem Körper der Jägerin etwas zu öffnen schien, eine Art Portal.

 

Tara hätte niemals geglaubt, Teil von etwas so Großartigem sein zu können. Sie hatte sich ihr ganzes Leben lang von anderen zurückgezogen, hatte versucht, ihre Kräfte zu verbergen aus Angst, zurückgewiesen zu werden, selbst wenn da nicht noch die Furcht vor dem war, was ihr Vater von ihrem Erbe behauptete. Inzwischen wusste sie, dass er gelogen hatte, um sie unter Kontrolle zu halten, sie und ihre Kräfte, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Aber so leicht waren zwanzig Jahre der Vorsicht und des Misstrauens, der ständigen Angst, vor dem, was andere über sie denken könnten, nicht wegzuwischen. Willow war das erste Wesen gewesen, dem sie sich hatte öffnen können, etwas das sie nicht einmal bei ihrer eigenen Familie konnte. Aus gutem Grund, wenn man bedachte, was ihr Vater und ihr Bruder ihr angetan hatten. Aber auch bei Willow war es kein einfacher Prozess gewesen, und es war nur allmählich, nach und nach geschehen. Sie hatte einige Dinge vor ihr verborgen gehalten und schämte sich dafür. Willow war alles, was sie sich je erträumt hatte. Sie war stark und selbstbewusst, aber auch zärtlich und mitfühlend, nicht zu vergessen wunderschön. Tara liebte sie mehr als alles andere, und es war eine Erleichterung gewesen, als sie bemerkte, dass Willow und sie die gleichen Fähigkeiten und Interessen teilten. Eine Weile war sie sich Willows Gefühle für sie nicht sicher gewesen, aber ihre große Liebe hatte ihr zu mehr als nur einer Gelegenheit bewiesen, wie viel ihr an ihr lag.

Durch Willow hatte sie auch Kontakt zu anderen Leuten gefunden, Willows Freunden. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten fühlte sie sich angenommen und akzeptiert, etwas, das sie nie zu hoffen gewagt hatte. Aber immer noch hatte sie Schwierigkeiten damit, sich in Gegenwart von Leuten, die sie nicht so gut kannte, natürlich zu geben. Selbst Willows Freunde schüchterten sie von Zeit zu Zeit ein. Es war nichts was sie sagten oder taten, vielmehr traute Tara ihrer eigenen Einschätzung nicht und war immer vor ihren eigenen Worten auf der Hut. Sie bewunderte Willow um ihr Selbstvertrauen, wie sie ihren Ahnungen nachging und auch Niederlagen und Fehler in Kauf nahm, ohne aufzugeben oder zu verzweifeln. Sie hatte auch einen Riesenrespekt vor Buffy und ihrer Courage gehabt. Niemand stellte sich der zierlichen Blondine in den Weg, auch ohne, dass sie ihre Kräfte ins Spiel bringen musste. Ein Blick dieser grünen Augen, aus denen so viel Erfahrung, aber auch Leid sprach, genügte, um es jedem ratsam erscheinen zu lassen, sich ihr nicht in den Weg zu stellen. Auch deshalb war sie sofort bereit gewesen, das Ritual durchzuführen, obwohl sie von seinen Risiken wusste. Nicht nur um Willow einen Gefallen zu tun, obwohl das schon gereicht hätte. Sie hatte den kummervollen Blick ihrer Geliebten, der so deutlich von ihrem Leid kündete und ihre schmerzhaft verzerrte Aura, die den Schmerz über den Verlust ihrer besten Freundin verriet, kaum ertragen können. Aber sie wollte auch Buffy helfen, fühlte selbst den Verlust dieser großartigen Person, vermisste ihre beruhigende Stärke, deren größte Sorge die Sicherheit ihrer Freunde darstellte. Buffy hatte sich nicht nur für ihre Schwester geopfert, sondern für sie alle, und dafür verdiente sie die Chance, weiterzuleben.

Das alles jedoch war inzwischen beinahe zweitrangig, seit sie die Verbindung eingegangen war. Hier gab es keine Barrieren, keine Geheimnisse, kein Verstecken und keine Angst, nur Sein. Zusammensein mit allen um sie herum, das pure Ich, das sich an der Gesellschaft aller anderen um sie herum ergötzte. Tara spürte eine Freiheit, eine Leichtigkeit wie nie zuvor in ihrem Leben. Sie war nicht mehr Tara die Hexe, Tara, die ungehorsame Hexe, Tara die schüchterne Blondine oder Tara, die Freundin von Wilow. Sie war sie selbst, Tara, und selbst ihr Name war nicht wichtig, denn es war unmöglich, sie zu verwechseln oder nicht zu erkennen. Worte hatten auf dieser Ebene des Seins keine Bedeutung mehr. Man war einfach und wusste. Mehr war nicht nötig.

Die einzigen Worte, die sich noch aufdrängten waren die der Beschwörung und sie kamen nicht scheu, als müssten sie sich ihren Weg über ihre Lippen erkämpfen. Sie waren ebenfalls einfach da.

"Versammelt sind die Sucher,

ihr Pfad gezogen, wagen sie den ersten Schritt.

Weist den Weg, erwacht, erwacht.

Weist den Weg, die Freunde rufen euch.

Es warten jene, die sie begrüßen,

sucht nach jenen, die sie halten."

 

Max war immer noch über die Enthüllungen der letzten Tage verwirrt. Er war nie jemand von denen gewesen, die ihr Leben durch geheimnisvolle Dinge interessanter machen wollten, die sich mit Esoterik oder ähnlichem beschäftigten. Er hatte nicht einmal besonders viel für die ganzen Alientheorien übrig gehabt. Nur Michaels Bedürfnis, seine Herkunft zu enthüllen und endlich seine Familie zu finden, hatte ihn dazu bewogen, ihm bei dieser Suche zu helfen. Alles, was Max gewollt hatte, war ein normales Leben mit seinen Freunden und seiner Familie, vor allem, wenn dieses Leben Liz einschloss. Nur zu gern hätte er seine besonderen Fähigkeiten dafür eingetauscht, nie mit etwas außergewöhnlichem in Kontakt gekommen zu sein. Aber diese Wahl hatte er nicht, schließlich war er selbst ein Außerirdischer. Aber Liz hatte die Wahrheit erfahren und liebte ihn trotzdem. Er hatte Menschen gefunden, denen er vertrauen konnte und vor denen er keine Geheimnisse zu haben brauchte. Diese Erlebnis hatte einen großen Teil seines Traums von einem normalen Leben wahr werden lassen. Da war immer noch die Frage, inwieweit seine Spezies und Menschen miteinander kompatibel waren, falls Liz und er sich entschließen sollten, eine Familie zu gründen. Kurz fragte er sich, was es für Angel bedeutet haben musste, zu erfahren, dass er eine Tochter hatte, obwohl das unmöglich zu sein schien.

Max hätte nur zu gern Kinder mit Liz gehabt. Nicht sofort. Sie hatten noch Zeit, waren noch jung. Und wieder musste er über die Unterschiede zwischen Menschen und seiner Spezies denken. Er hatte keine Ahnung, wie lange er leben konnte. Ray hatte über fünfzig Jahre auf der Erde gelebt, sah aber nicht so als aus, als sie sich begegneten. Allerdings hatte er auch seine Erscheinung über die Jahre mehrmals verändert, hatte sich auch den Spaß gemacht, als Elvis Double die Legende vom King aufrecht zu erhalten. Wenn man Kontrolle über seine Erscheinungsform hatte, war das kein Problem. Aber was bedeutete das für ihn und Liz? Würde sie irgendwann sterben und ihn zurücklassen für ein vielleicht sehr sehr langes Leben ohne sie? Dieser Gedanke entsetzte ihn und ließ ihn wieder an Angel denken. Er hatte die Liebe zu dieser Frau, Buffy, sowohl in seiner wie in Rileys Aura gespürt, den Schmerz über das, was ihr zugestoßen war. Aber Angel war unsterblich, wie Riley inzwischen auch. Sie würden sie irgendwann unweigerlich sterben sehen, und sei es nur an Altersschwäche, sollte es ihnen heute gelingen, sie zurückzuholen. Wie könnten sie mit diesem Erlebnis fertig werden? Er selbst konnte sich nicht vorstellen, Liz' Tod ertragen zu können. Die Furcht davor hatte ihn sein Leben und das von Michael und Max riskieren lassen, als er sie damals rettete, ein Risiko, das er unter anderen Umständen niemals eingegangen wäre.

Und nun war sie wieder in Gefahr, durch die Dinge, von deren Existenz er erst vor kurzem erfahren hatte, durch dieses Ritual, durch das, was durch die Veränderungen in ihr geschehen konnte.

Leo hatte von Gefahren gesprochen, die auf gute Hexen lauerten. Max hätte am liebsten die Augen geschlossen, das Kissen über den Kopf gezogen und geglaubt, dass das alles nur ein böser Traum war, aber so war es nun mal nicht, und es war seine Pflicht dafür zu sorgen, dass Liz nichts zustieß. Das hatte er auch Mr. Ortecho versprochen, bevor sie aufgebrochen waren, und er hatte in den Augen von Liz' die gleiche Sorge um seine Tochter bemerkt, wie er sie selbst spürte.

Dennoch konnte er nicht anders, als von der erstaunlichen Energie verblüfft zu sein, die Liz ausstrahlte. Er hatte schon immer gewusst, dass sie etwas Besonderes war, dass sie so voller Leben war, dass man es einfach nicht übersehen konnte, auch wenn man keine Auren wahrnahm. Jetzt jedoch schien sie wie eine Sonne, alles um sie herum zu überstrahlen. Er sah sich um und erkannte, dass es nicht nur Liz war, auch die anderen Hexen, glühten mit unbekannter Kraft, und auch die anderen, die mit ihnen verbunden waren, wirkten noch strahlender als Max es von früher gewohnt war. Das ist Magie, schoss es ihm durch den Kopf. Bildlich und buchstäblich Magie. Sie waren nicht mehr an einem Ort, hielten sich an den Händen und formten einen Kreis, sie waren überall gleichzeitig, nicht mehr getrennt, sondern eine Einheit. Sie hielten sich nicht mehr nur an den Händen, ihre Seelen berührten sich.

Max hatte immer an die Existenz von Seelen geglaubt. Wie war es sonst möglich, dass er auf einem fremden Planeten seiner Seelenpartnerin begegnete?

Nun hatte er den Beweis dafür. Der Körper war fast unwichtig geworden, als die Seelen der versammelten sich berührten. Und zwischen sich sahen Buffy, umstrahlt von einem so mächtig pulsierenden Purpur, dass es fast schmerzte, hinzuschauen. Aber all diese Energie war eingeschlossen, konnte nicht mit all den anderen Präsenzen um sie herum verschmelzen. Und der Schmerz über diese Erkenntnis war offensichtlich, färbte die Aura dunkler und dunkler, bis sie an Blut erinnerte, das aus einer pochenden Wunde strömte.

Liebe, dachte Max. Nichts als Liebe ist um dich herum. Komm zu uns, wir wollen dir helfen, wollen mit dir zusammen sein.

 

Liz spürte die Trauer, als die Grenzen verschwanden, sie scheinbar nichts mehr zu trennen schien und es doch unmöglich war, sich zu vereinigen.

Dieses Erlebnis war unglaublich, und der kleine Teil ihres Verstandes, der immer noch alle Ereignisse wissenschaftlich rational zu erfassen versuchte, spöttelte über ihre Begeisterung. Aber hier war sie, inmitten all der anderen, drei Aliens, zwei Wächter des Lichts, zwei Mithexen und ein paar Hobby-Dämonenjägern, nicht zu vergessen dem Vampir im Innern des Kreises, und sie alle griffen verzweifelt nach der Frau aus, die nicht in der Lage war, sich zu befreien und sich ihnen anzuschließen.

Auch Liz verspürte das Bedürfnis, ihr nahe zu sein, sie zu trösten, ihre Freundin zu sein.

"Gesprengt die Ketten, gefällt die Gitter.

Erscheine, denn wir rufen.

Nichts hält dich, nicht hier, nicht dort,

dein Weg sein frei.

Dein Wille nicht länger mehr gebannt,

setze deine Reise fort zum Ort deiner Wahl."

 

Cordelia hatte die unglaubliche Kraft gespürt, die durch die gefahren war, sobald die ersten Worte der Beschwörung ausgesprochen waren. Als sich dann das Portal geöffnet hatte, hatte sie nicht gezögert, hindurchzusehen. Es war ähnlich wie ihre Visionen und doch ganz anders. Zumindest empfand sie diesmal keine Schmerzen, eine gewaltige Verbesserung gegen ihre üblichen Einblicke in den Willen der höheren Mächte. Aber die Mächte, die sind hatten hier wohl auch nicht ihre and im Spiel. Cordelia wusste, nach wem sie Ausschau halten musste und ignorierte die verwirrenden Bilder und verschwommenen Eindrücke um sie herum. Ihre einzige Sorge war im Moment Buffy.

Seitdem sie diese Visionen bekam, konnte sie Buffy sehr viel besser verstehen. Sie hätte nur zu gern, auf diese ganze Verantwortung verzichtet, aber nun da sie sie hatte, konnte sie sie nicht einfach ignorieren. Sie konnte andere Menschen nicht leiden lassen, wenn sie die Macht hatte, es zu ändern. Und dasselbe galt wohl auch für Buffy. Sie hatte sich selbst geopfert, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren, und Cordelia fragte sich, ob sie den Mut hätte, so etwas zu tun, ohne vorher zu wissen, dass ihre Freunde einen Weg finden würden, sie wieder zurückzuholen in ihr nettes kleines, mit Verantwortung beladenes Leben.

Es war wohl besser, wenn sie nie in die Lage kam, es auszuprobieren.

Und dann sah sie Buffy, und nicht nur sie. Alle anderen waren ebenfalls da, und zum ersten Mal erkannte Cordelia, was geschehen war, die Auren, die miteinander verschmolzen waren, die Gefühle, die sich mit ihr unterhielten, die Musik um sie herum. Die unterschiedlichen Gerüche, alle Sinne waren daran beteiligt, Cordelias begrenztem Verstand auf ihre Weise zu vermitteln, was vor sich ging.

Es war so schön, dass Cordelia die Tränen kamen. Dabei hatte sie sich geschworen, nie wieder zu weinen, nachdem ihr Xander das Herz gebrochen hatte.

Wie kam sie denn plötzlich auf Xander?

Aber es war wahr. Sie hatte es sich nicht eingestanden, aber sie hatte Xander geliebt, auf eine Art, die sie bis dahin nicht einmal gekannt hatte. Und auf gewisse Weise liebte sie ihn immer noch. Nicht auf die Art, wie Anya befürchtete, aber all der Groll, den sie gegen ihn gehegt hatte, war längst verschwunden, zurückgeblieben war nur die Verbundenheit zu einem guten Freund. Und nicht nur zu Xander, auch zu den anderen alten und neuen Freunden in dieser Gruppe.

Liebevoll sah sie Buffy an, die immer noch reglos verharrte, unfähig, sich ihnen anzuschließen. Cordelia empfand tiefes Mitgefühl für ihre Freundin, die nicht in der Lage war, sich an diesem Erlebnis zu erfreuen.

"Komm, Buffy. Komm zu uns."

 

Dawn wusste immer noch nicht, was sie davon halten sollte. Buffy war ihre Mutter und Angel ihr Vater. Intellektuell konnte sie begreifen, was geschehen war und welche Konsequenzen es hatte, aber ihre Erinnerungen, auch wenn sie nicht echt waren, sagten dass Joyce Summers ihre Mutter war und Buffy ihre ältere Schwester. Ihre Schwester, an die sie sich noch als junges Mädchen mit aufgeschlagenen Knien und mädchenhaftem Kichern erinnerte, nicht gerade die Erinnerungen, die man von seiner Mutter hatte. Sie erinnerte sich daran, sich mit ihr über die Fernbedienung gestritten zu haben, sie erinnerte sich an die Male, als Buffy den Babysitter gespielt und Dawn sie beinahe in den Wahnsinn getrieben hatte. Sie erinnerte sich daran, zusammen unter dem Weihnachtsbaum gesessen zu haben voller Erwartung, was sich wohl in den Geschenkpaketen befinden würde.

Und sie erinnerte sich auch an ihren Vater, vor der Scheidung. Ihren Vater, von dem man ihr sagte, dass er nicht ihr Vater sei, ihren Vater, dem sie in Wirklichkeit nie begegnet war und der, nach allem was sie wussten vielleicht nicht einmal eine Ahnung hatte, dass es sie gab. Aber das alles spielte jetzt keine Rolle. Egal ob Mutter oder Schwester, sie wollte Buffy zurückhaben und würde alles tun, um das zu erreichen.

Sie sah, wie sich das Portal öffnete und sie auf einmal verschluckte, sah Buffy oder ihre Seele oder Astralform oder was auch immer regungslos vor ihnen stehen, umrahmt von einem Licht, das keinen Zweifel daran ließ, dass es sich bei ihr um eine Jägerin handeln musste.

Sie konnte die Verzweiflung ihrer Mutter spüren, die Einsamkeit, das Leid, die Schmerzen. Ihre Gefühle überwältigten die Liebe und Sicherheit, die ihr von den anderen zugesandt wurde. Und auf einmal spürte auch sie die Angst. Angst vor dem Versagen, Angst, Buffy nie mehr sagen zu können, wie sehr sie sie liebte, Angst vor dem Leben ohne sie. Und Schmerz. Schmerz über den Verlust so vieler Menschen, des Lebens, das sie zu führen geglaubt hatte. Ohne dass sie es bemerkte, verwandelte sich der Schmerz, wurde spürbar, und sie schrie ihn hinaus, den Schmerz, der ihren ganzen Körper erfüllte und sie von innen zu verbrennen schien.

"Buffy!"

 

Angel spürte die Schmerzen seiner Tochter und wand sich im Griff der gleichen Agonie. Er spürte die Schmerzen der Frau, die er liebte und ihrer Tochter, ohne etwas anderes tun zu können, als mitzuleiden, die gleichen Schmerzen zu erleiden, aber kein Schrei kam über seine Lippen. Nur die blutigen Tränen, die über seine Wangen liefen, verrieten, was in ihm vorging.

"Ich liebe dich, Buffy. Bitte, komm zu mir zurück."

Er dachte an all die Dinge, die er an Buffy geliebt und bewundert hatte. An ihre unglaubliche Stärke, die nichts mit ihrer Bestimmung als Jägerin zu tun hatte, an die Entschlossenheit, ihr Leben weiterzuleben, egal, was sich ihr in den Weg stellte, ihr schier unglaubliches Mitgefühl mit allen gequälten Seelen, wie er selbst auch eine war, ihre Fähigkeit, zärtlich zu sein, ungeachtet des martialischen Kerns ihrer Fähigkeiten.

Jetzt erst wurde ihm bewusst, wie sehr er sie vermisste, nicht nur aus Trauer um ihren Tod. Er wollte sie zurückhaben, wollte wieder mit ihr zusammen sein, wollte alles tun, um einen Weg zu finden, seine Liebe ausdrücken zu können. Wie konnte es möglich sein, dass er dumm genug war, diese unglaubliche Frau gehen zu lassen. Er konnte es nicht ertragen, länger von ihr getrennt zu sein, es durfte nicht sein.

Er wollte alle seine Liebe nehmen und ihr entgegenwerfen, aber in diesem Moment veränderten sich seine Empfindungen, wurden dunkler, gefährlicher. Er bemerkte nicht, wie sich seine Aura um ihn veränderte, dunkler wurde, fast völlig schwarz färbte.

Diese Frau hatte ihn verletzt, hatte seinen Stolz gekränkt. Sie hatte ihm seine Seele gestohlen und ihn dann für Jahrhunderte der Folter in die Hölle verbannt. Sie hatte sich mit anderen Männern abgegeben, obwohl sie ihm ewige Liebe geschworen hatte. Ihr letzter Freund war ebenfalls hier, um sie für sich zurückzuholen. Mit ihm hatte sie die Intimität teilen können, die ihm verweigert worden war.

Als er schrie, war es kein Schmerzenschrei, sondern ein Ausdruck unsagbarer Wut.

"Buffy!"

 

Spike sah missmutig dem ganzen Budenzauber zu. Es wurmte ihn immer noch, ausgeschlossen zu werden. Die'grünen Männchen' hatten ihm erklärt, dass sie mit ihm keine Verbindung eingehen konnten, weil er keine Aura besaß, er war anders als Angel wirklich tot. Spike gefiel es ganz und gar nicht, von dem großen Grübler übertrumpft zu werden, ganz besonders nicht, wenn es um Buffy ging. Er wollte dort sein und sie zurückholen, damit sie sehen musste, wie viel ihm an ihr lag, damit sie ihm dankbar war und vielleicht erkannte, dass er der Richtige für sie war. Und ob Seele oder nicht, seine Gefühle für Buffy und ihre Schwester die Babyjägerin waren echt.

Er fragte sich langsam, ob der Zauber überhaupt wirkte. Die Hexen hatten irgendwas dahergesagt, aber es schien nichts zu passieren. Dann hörte er Dawn schreien und wollte schon vorrennen, da hörte er einen zweiten Schrei, Angels. Spike erschauerte, das war kein Schmerzensschrei, dieser Schrei war so voller Wut, wie er es nur von Angelus kannte. Wenn Angel in diesem Moment seine Seele verlor..

 

Sie alle spürten die Erschütterung innerhalb der Verbindung. Etwas stimmte nicht. Die Liebe und der Frieden, den sie alle empfunden hatten, wurde von Zweifeln erschüttert. Was geschah, wenn doch nicht alles in Ordnung war, doch nicht alles so lief wie erwartet?

Die einzelnen Personen begannen an ihrer Liebe und der Liebe der anderen zu zweifeln. Angst erfüllte sie.

 

Was geschah, wenn Liz ihn verließ, wenn sie ihn nicht mehr liebte? Wie könnte er das ertragen?

 

Er war es nicht wert, dass jemand wie Maria ihn liebte.

 

Michael würde vielleicht wieder an seiner Liebe zu ihr zweifeln. Hatte er ihr nicht schon einmal den Rücken zugekehrt?

 

Was war, wenn ihn alle Mädchen so wie Isabel abschieben würden?

 

Konnte sie all diesen Menschen wirklich vertrauen, ihr Geheimnis zu bewahren?

 

Was ist wenn...?

 

Cordelia schrie vor Schmerzen auf. Die Schmerzen, da waren sie wieder. Aber wie war das möglich? Bis zu diesem Moment hatte sie nur Frieden und Liebe gespürt. Dann sah sie Angel, sah wie er gegen sich selbst kämpfte, gegen den Dämon, in den er sich bei ihrem Ausflug in Lornes Dimension verwandelt hatte. Der Dämon brüllte und fauchte fürchterlich und Cordelia konnte ihn sprechen hören, hörte, wie er Angel bezichtigte, schwach zu sein, ihm Schmerzen zu bereiten wegen seiner einfältigen Schwäche, seines Mitleids und seines Gewissens. Er forderte ihn auf, ihm die Führung zu überlassen. Sie sah sich um und bemerkte, wie die anderen sich zu krümmen begannen. Sie schienen dieselben Schmerzen zu spüren wie Cordelia auch. Dawn wand sich, als liege sie im Sterben. Was sollte sie tun? Nur sie schien, den Kampf sehen zu können, und es schien nicht so, als würde Angel ihn gewinnen. Die Schläge, die der Dämon austeilte, prallten harmlos von ihm ab, aber jedes Wort, das der Dämon sprach, schien ihm einen gleich starken Schlag zu versetzen, wie es die Hiebe des Dämons tun sollten.

"Leute, ihr müsst Angel helfen, sonst sind wir alle tot. Diese Schmerzen sind nur Einbildung."

Aua. Aber sie waren so echt.

"Bekämpft den Dämon gemeinsam. Helft ihm, kämpft dagegen an."

 

Max hörte Cordelias Worte wie aus weiter Ferne. Mit Mühe riss er die Augen auf und sah Angel gegen ein missgestaltetes Ungetüm kämpfen. Er wollte ihm helfen, seine Energie gegen das Monster einsetzen, aber er konnte nicht. Immer noch schwirrten die Fragen und Zweifel in seinem Kopf herum, hielten ihn davon ab.

Liz. Liz. Liz...

Dann sah er sie an. Sie wandte ihm den Kopf zu und lächelte gequält. Sie hatte Schmerzen. Dieser eine Gedanke ließ ihn alles andere vergessen.

Er liebte Liz. Egal was sie für ihn empfand oder was die Konsequenzen sein mochten. Er durfte nicht zulassen, dass sie litt. Er konzentrierte sich auf seine Kräfte, sah seine Aura wieder an Kraft zunehmen. Ein Ball aus Energie formte sich vor seinem Brustkasten. Er brauchte nicht die Hände dazu zu benutzen, er musste die Verbindung aufrecht erhalten, aber der Ball wuchs weiter an, immer weiter. Er allein konnte nicht dafür verantwortlich sein. Er sah hoch und bemerkte Michaels entschlossenen Blick.

Danke mein Freund, sandte er ihm zu und konzentrierte sich auf seinen anderen Freunde.

 

Michael spürte etwas an seinem Bewusstsein zerren und erkannte, wie Max sich zum Angriff bereit machte. Dann sah auch er den Kampf, der vor seinen Augen ablief. An seiner Seite spürte er den festen Griff von Marias Hand und ihren flehenden Blick. Sie hatte Angst, sie hatte Schmerzen. Er drückte ihre Hand wieder. "Ich liebe dich, Maria." Dann vereinte er seine Bemühungen mit denen Max'. Nach und nach gesellten sich auch die anderen zu ihnen, bis schließlich die Energieblase den Umfang von Angels Kopf angenommen hatte.

 

"Feuer!"

 

Spike verfolgte ungläubig wie einer nach dem anderen, vor Schmerzen aufschrie, Dawn hatte ihre Stimme über den Schmerzen verloren und Spike verfluchte diesen Zauberkreis, der ihn daran hinderte, zu ihr zu rennen und in die Arme zu nehmen. Wenn er den Bann durchbrach konnten sie alle sterben. Das hätte ihm nicht allzu viel ausgemacht, aber wollte Buffy zurückhaben und er durfte auf keinen Fall Dawns Leben riskieren. Nur sah es aus, als würde sie dennoch sterben, wenn nicht bald etwas geschah.

Dann sah er, wie sich der Energieball formte, immer größer wurde und schließlich direkt auf Angel geschleudert wurde.

Der ältere Vampir schrie erneut auf, diesmal vor Schmerzen, nur die Energie des Geschosses zwang ihn aufrecht stehen zu bleiben. Nach einer kurzen Weile sah Spike eine Art blauen Dampf aus Angels Brust aufsteigen und im Wind zergehen. Ein Ächzen, dann war es vorbei.

 

Angel wusste nicht mehr, was geschehen war, er wusste nur, dass der Dämon fort war, endgültig. Er war ihn los.

"Buffy!"

War es zu spät? Hatte er sie verloren? Er durfte sie nicht verlieren, nicht jetzt, wo er seinen Dämon besiegt hatte.

"Buffy, komm zu mir. Bitte."

Der Schmerz in seiner Stimme war unüberhörbar. Aber es war der Schmerz darüber, sie verletzt zu haben, nicht für sie da gewesen zu sein. Er wollte es wieder gutmachen. Sie musste nur wieder leben. Bitte!

 

Buffy fuhr mit einem Keuchen auf. Ihre Lungen holten schmerzhaft Luft.

"ANGEEEL!"

 

* * * * *
 

Der erste Moment gehörte Buffy, Angel und Dawn. Buffy ließ keinen der beiden auch nur für einen Augenblick los. Als sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatten, traten die anderen näher. Einige etwas schüchtern, andere überschäumend vor Freude, ihre Freundin wieder atmen zu sehen.

Leo hielt sich beiseite. Er hatte seine Aufgabe erfüllt, und er freute sich für die jungen Leute. Er wünschte nur, er hätte seine eigenen Probleme ebenfalls mit dem Segen des Rates derart schnell beseitigen können.

Riley und Spike hielten sich ebenfalls zurück.

Spike schüttelte nur missvergnügt den Kopf. War ja klar, dass die Jägerin ihm wieder in die Arme fallen würde, sobald die Chance dazu bestand. Die beiden waren schlimmer als Romeo und Julia. Die blieben wenigstens wirklich tot.

Riley blickte wehmütig auf das Bild vor ihm. Er konnte Buffy nicht wirklich einen Vorwurf machen. Angel war ihre große Liebe, er selbst war immer nur zweite Wahl gewesen, das hatte er damals schon gewusst. Und jetzt hatten die beiden auch noch eine Tochter. Riley hätte sich niemals in ein intakte Familie gedrängt. Aber es tat weh, mehr als er sagen konnte. Denn eines wusste Riley sicher. Egal wie lange er als Wächter des Lichts auch leben würde. Er würde nie eine Frau treffen, die ihm so viel bedeutete wie Buffy.

 

Die Teenager aus Roswell sahen mit glücklichem Lächeln auf den Gesichtern, wie Buffys Freunde sie zurück im Leben begrüßten. Michel wischte sich etwas nasses aus dem Gesicht, bestand aber, als ihn Maria danach fragte, darauf, dass es angefangen haben müsse, zu nieseln. Dann sahen sie, wie die blonde Jägerin sich mühsam aus der Gruppenumarmung löste und auf sie zutrat.

"Danke.", sagte sie nur und umarmte jeden der Sechs einzeln. Bei Liz blieb sie stehen, sah ihr fest in die Augen und sagte dann: "Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist, seine Bestimmung anzunehmen. Wenn du mich jemals brauchen solltest, bin ich für dich da. Für jeden meiner Freunde." Sie deute auf sie alle und lächelte. "Man kann nie zu viele Freunde haben. Wer weiß, wann ihr mich das nächste Mal wieder ins Leben zurückholen müsst."

 

Der Heimweg dauerte etwas länger, denn alle waren ziemlich erschöpft. Das Ritual hatte an den Kräften von ihnen alle gezehrt. Aber als sie nur eine Straße von Buffys Haus entfernt waren - Buffy hatte Liz, Max und den anderen angeboten, in ihrem Haus, das seit dem Tod ihrer Mutter irgendwie verlassen wirkte, zu übernachten. Leo und Riley konnte dann die anderen zu ihren jeweiligen Heimstätten bringen. Es war zu gefährlich, nachts in Sunnydale ohne entsprechende Begleitung herumzuirren, vor allem, wenn man so erschöpft und ausgelaugt war - tauchten plötzlich etwa ein Dutzend Vampire vor ihnen auf.

Spike schnaubte verächtlich. Anfänger, wahrscheinlich kaum ein paar Jahre alt. Jeder Vampir oder Dämon in Sunnydale wusste, dass das hier das Revier der Jägerin war und hielt sich davon fern, sofern ihm seine weitere Existenz lieb war. Außerdem war der Angriff auf eine so große Gruppe, selbst wenn die Jägerin nicht dabei gewesen wäre, eine Riesendummheit. Die Leute in dieser Stadt hatten mittlerweile gelernt sich zur Wehr zu setzen, der Großteil der Vampire wäre Staub und zumindest einige der Menschen würden entkommen. Das wäre bei jeder normalen Gruppe der Fall. Aber das hier war keine normale Gruppe.

Buffy war wohl noch nicht fit für einen Kampf, aber er selbst, Angel und Riley traten vor, ein kampfbereites Lächeln auf den Lippen.

"Haut bloß ab, wenn euch eure Reißzähne was wert sind."

"Hey, Spike. Wir haben gehört du bis zahm geworden. Der Schoßvampir einer Jägerin."

"Vielleicht hättet ihr besser hinhören sollen, dann hättet ihr erfahren, dass ich in letzter Zeit ziemlich viel Übung im Verdreschen von unverschämten Jungvampiren hatte."

Der Anführer grinste nur und hob abwehrend die Hände.

"Mit dir wollen wir keinen Streit. Du kannst gehen. Aber die Menschen gehören uns. Ein saftiges Massaker ist das, was uns gefehlt hat."

"Ihr seid wirklich noch ziemlich grün, wenn ihr die Leute hier nicht erkennt, was? Das da ist die Jägerin und der Große hier ist Angelus. Schon mal gehört?"

Einige der Vampire schienen zu erschrecken und sich zurückziehen zu wollen, aber der Anführer rief sie mit einigen scharfen Worten zurück.

"Noch ein Vampir, der sich nicht schämt, gemeinsame Sache mit der Jägerin zu machen. Wir wollen nichts von euch, aber wir haben auch keine Angst. Wir sind in der Mehrzahl und die meisten von euren Begleitern sehen nicht gerade so aus, als wären sie besonders begierig, zu kämpfen."

Spike kratzte sich nachdenklich am Kinn.

"Und was jetzt?", fragte er Angel. "Die sind zu blöd, um wegzurennen, aber auch blöde Vampire können wehtun. Und die anderen sind wirklich nicht in der Verfassung zu kämpfen, auch Buffy nicht..."

Er kam nicht dazu weiterzusprechen, denn Buffy hatte sich aus Giles' Griff gelöst und trat vor Spike und Angel auf die anderen Vampire zu.

"Hört zu. Diese Woche war echt mies. Erst will mir eine Höllengöttin ans Leder, dann werde ich gekillt und heute wieder ins Leben zurückgeholt. Um alles zu toppen hat man mich in einem echt unmöglichen Outfit begraben und das Herumliegen in der Erde hat es auch nicht besser aussehen lassen. Alles was ich will ist nach Hause und ein heißes Bad nehmen, vielleicht auch noch einen Mitternachtssnack. Was ich nicht vorhabe ist, mir von euch meine Pläne durcheinanderbringen zu lassen. Ihr habt drei Sekunden, um mir aus dem Weg zu gehen, oder ich ramme euch ungespitzt in den Boden, mit bloßen Händen. Habe ich mich klar ausgedrückt? Ein, zwei.."

Einige der Vampire wichen erschrocken zurück, aber noch bevor sich seine Gruppe auflösen und davonrennen konnte, griff der Anführer an und riss die meisten seiner Leute mit sich. Er stürzte sich, noch bevor Spike, Angel oder Riley einschreiten konnten mit einem heiseren Wutschrei auf Buffy und wollte ihr die Kehle aufreißen. Aber sie streckte nur die Hand vor und ergriff ihn am Hals. Dann hob sie ihn am ausgestreckten Arm einen Fuß in die Höhe und riss ihm mit der anderen Hand den Kopf ab. Im nächsten Moment wischte sie sich den Staub, den ihr Angreifer hinterlassen hatte, verächtlich von der Jacke. Die in Schock erstarrten übrigen Vampire sahen sie entgeistert an und zögerten. Buffys Augen glühten golden auf und ihre Freunde sahen verblüfft, wie sie knapp über dem Boden zu schweben begann. Ihre Hände formten zwei Fäuste und zwei der Vampire gingen in Flammen auf. Das war das Startzeichen für die restlichen Vampire, in Panik davonzurennen.

Wortlos setzte sich Buffy an die Spitze und führte ihre Freunde zu ihrem Haus.

Hinter ihr flüsterte Giles aufgeregt mit Leo.

"Ich dachte, die Jägerin könnte nur einen geringen Teil der Macht des Nexus nutzen und Sie dürften ihre Kräfte nicht verstärken."

"Rupert. Ich sagte, WIR dürften das nicht. Aber wir waren nicht dafür verantwortlich, dass Buffy beinahe gestorben ist. Jede Seele, die ein Todeserlebnis hinter sich hat, geht gestärkt daraus hervor, aber bei Buffy hat die erzwungene Einheit von Seele und Nexus für einen derart langen Zeitraum außerhalb ihres Körpers, der eine natürliche Einschränkung bildet, wohl Wunder bewirkt. Ich weiß nicht genau, wozu sie jetzt in der Lage ist, wahrscheinlich weiß sie das selbst nicht. Aber das kann ich Ihnen verraten. Sie ist absolut einzigartig."

 

Sie waren in Buffys Haus, die anderen hatten sich schon bald verabschiedet, Cordelia würde wie in der Nacht zuvor bei Giles im Haus übernachten. Nur noch Angel, Buffy, Dawn und die sechs Teenager waren übriggeblieben. Die drei Jungen hatten das Gästezimmer bekommen, während die Mädchen im Zimmer von Buffys Mutter schlafen sollten. Aber schlafen war etwas, woran im Moment keiner von ihnen dachte, auch nicht die Menschen, die anders als ihre außerirdischen Freunde, normalerweise mehr als drei Stunden Schlaf pro Nacht benötigten.

"Was meint ihr, was die jetzt wohl machen?", fragte Maria ihre beiden Freundinnen.

"Ich glaube nicht, dass sie das, woran du denkst, in Gegenwart von Dawn tun würden.", meinte Liz nachdenklich.

"Dawn hat doch ihr eigenes Zimmer, oder? Und sowie ich das verstanden habe, konnten sie seit damals vor über drei Jahren nicht mehr, wegen des Fluchs und so." Maria schüttelte entrüstet den Kopf. Wer hatte sich diesen dämlichen Fluch nur einfallen lassen?

"Außerdem haben sie den ultimativen Grund, zu feiern. Ich meine, eine Wiederauferstehung ist doch ein Grund zum Feiern, oder etwa nicht? Sag du doch was, Isabel."

Isabel lächelte Maria nur zufrieden an. Man konnte sich immer auf ihre quirlige Freundin verlassen, wenn es darum ging, einen Grund zu finden, fröhlich und heiter zu sein.

"Wenn du darauf bestehst könnte ich natürlich versuchen, bei ihnen reinzuschauen. Normalerweise funktioniert das zwar nur, wenn man schläft. Aber wenn sie gerade dabei sind, ihre Träume auszuleben, klappt es ja vielleicht."

Maria sah sie mit großen Augen an.

"Wirklich?"

"Ach Maria, Isabel nimmt dich doch nur auf den Arm."

"Das ist echt gemein.", maulte sie, aber Liz und Isabel wussten genau, dass sie nicht wirklich sauer darüber war. Außerdem war die Wirkung des Zaubers und der Verbindung immer noch am Abklingen und Liz konnte spüren, wie froh Maria für die beiden war und darüber, ihre beiden Freundinnen bei sich zu haben.

"Ich freue mich auch für die beiden.", setzte nun Liz wieder ein. "Ich frage mich nur, wie Riley das Ganze aufnimmt. Habt ihr seinen Gesichtsausdruck gesehen, als er die beiden gesehen hat, wie sie sich in den Armen lagen?"

"Armer Riley." Sofort fühlte Maria mit ihm und setzte eine traurige Miene auf. Sie konnte nicht anders. Sie litt mit allen Menschen mit, die sie mochte und tat alles, um sie aufzuheitern. Liz hatte es selbst zur Genüge erlebt. Aber hier gab es nichts, das sie oder Maria tun konnten. Sie hatten alle während der Verbindung Rileys Liebe gespürt, aber auch die von Angel. Und auch Angel hatte es verdient, glücklich zu sein. Letztendlich kam es darauf an, für wen sich Buffy entschied. Und angesichts ihrer Begrüßung und der Tatsache, dass Dawn Angels und Buffys Kind war, stand es nicht sehr gut für Riley.

 

Michael und Alex diskutierten mit kaum gedämpften Stimmen die Erlebnisse dieser Nacht. Das ganze erschien immer noch wie etwas aus einem Fantasystreifen, irgendetwas, was sich Maria garantiert ansehen würde. Etwas mit Horror und Romantik, ein Muss für Maria und etwas, was Michael sich gern zusammen mit ihr in ihrem Zimmer ansehen würde, während sie sich an ihn schmiegte und ihn bat, ihr bei den gruseligen Teilen die Hand vor die Augen zu halten.

Max lag nur auf dem breiten Bett und starrte an die Decke, während er seine Gedanken schweifen ließ. Das Ganze hatte ihn wirklich sehr erschöpft, aber er hätte es um nichts in der Welt versäumen wollen, auch wenn es ihn und seine Freunde beinahe das Leben gekostet hatte. Allein die Erfahrung dieser Verbindung überstieg alles, was er je zuvor erlebt hatte, selbst den Eintritt in das Gemeinschaftsbewusstein seines Volkes.

Er war froh, dass sie Buffy und diesen Leuten hatten helfen können. Max hatte immer nur helfen wollen, seine Kräfte aber nie sinnvoll einsetzen können, aus Angst, sich zu verraten. Das Wissen, helfen zu können, ohne es zu dürfen, hatte ihn stets geplagt. Aber dann hatte er erst Liz und dann diesen Menschen helfen können. Er war absolut zufrieden und erinnerte sich an das warme Gefühl, in Liz' Liebe gehüllt zu sein und einfach nur zu sein, ohne irgendwelche Sorgen und Ängste. Er wünschte, dieses Gefühl behalten zu können, aber er wusste, dass er sich bald wieder Sorgen machen würde über die Dinge, die sein Leben komplizierten, darüber, was ihn und Liz trennte. Aber das wollte er nicht. Er wollte nicht wie Buffy und Angel erst einen Erweckungszauber brauchen, um mit Liz zusammen sein zu können. Er wollte... er wollte....

>>Max? Bist du das?<<

>>Ja. Aber ich habe nicht versucht, mich dir bemerkbar zu machen.<<

>>Ich hatte plötzlich so ein warmes Gefühl und dann war ich mir sicher, dass du an mich denkst, dass du eine Frage an mich hast.<<

Max lächelte innerlich und konnte das telepathische Äquivalent einer Umarmung von Liz spüren.

>>Ich habe den Gedanken selber noch nicht zu Ende gedacht, anscheinend ist unsere telepathische Verbindung noch stärker geworden. Aber da du schon mal reingeschaut hast, da gäbe es tatsächlich etwas, das ich dich fragen will.<<

>>Ja?<<

>>Liz Ortecho. Willst du meine Frau werden?<<

 

"Was?!" Liz bemerkte erst durch die erstaunten Blicke, die ihre beiden Freundinnen auf sie gerichtet hatten, dass sie laut gesprochen, nein.. fast gebrüllt hatte.

"Liz? Ist etwas nicht in Ordnung? Fehlt dir was?"

Isabel klang besorgt und auch Maria sah sie ängstlich an.

"Nein, nein. Es ist nichts." Die beiden sahen sie noch einen Moment lang misstrauisch an, schüttelten schließlich die Köpfe und setzten ihre Unterhaltung fort, während sie Liz wieder ihrer angestrengten Untersuchung der Zimmerdecke überließen.

>>Max. Hast du gerade das gedacht, was ich glaube gehört zu haben?<<

>>Ich habe dich gerade gebeten, meine Frau zu werden.<<

>>Aber Max, das geht nicht. Wir sind erst siebzehn. Was werden unsere Eltern sagen? Was ist mit der Schule und... und dem College und unseren anderen Plänen, ich meine, was wenn...<<

>>Shhh. Liz, ich rede doch nicht davon, gleich morgen oder auch nur nächstes Jahr zu heiraten. Ich wollte dich nur von meiner Entscheidung informieren, nie im Leben für irgendeine andere Frau dasselbe zu empfinden wie für dich, auf welchem Planeten sie auch leben und zu welcher Spezies sie auch immer gehören mag. Und ich wäre geehrt, wenn du dieses Versprechen als Pfand annimmst, dass wir beide irgendwann, zu einer vielleicht noch weit entfernten Zeit, den Bund der Ehe eingehen werden, falls du dazu bereit sein solltest. Also, Liz Ortecho. Wie steht es? Würdest du es in Betracht ziehen, dich irgendwann Mrs. Evans zu nennen?<<

>>Oh Max. Das ist soooo lieb.<<

Er grinste bei ihren Gedanken und der Erinnerung an eine zufrieden schnurrende Katze, die sich ihm dabei unvermittelt aufdrängte.

>>Und deine Antwort?<<

>>Ja, Max. Ich wäre überglücklich, dich, wenn es soweit ist, zu heiraten.<<

>>Damit machst du mich zu glücklichsten Alien des Universums.<< Er spürte ihr Grinsen in seinen Gedanken und lächelte, glücklich darüber, sie mit seinen Gedanken allein aufheitern zu können.

>>Gute Nacht, meine große Liebe.<<

>>Gute Nacht, mein Liebling.<<

 

"Was ist, Liz? Wieso strahlst du so?"

"Max hat mich gerade gebeten, seine Frau zu werden."

"Was? Wie, wo, wann?!"

Liz musste über Marias Gesichtsausdruck und ihre entgeisterten Fragen laut lachen. Aber auch Isabel beugte sich erstaunt über sie.

"Max hat was?"

"Er hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, mir mitzuteilen, dass ich die einzige Frau in seinem Leben bin und immer sein werde. Und dann hat er mich gebeten, ihn irgendwann in der Zukunft, wenn wir beide bereit dazu sind, zu heiraten."

"Aber wie?"

"Wir haben uns mit unseren Gedanken unterhalten."

"Du meinst, ihr hört die Gedanken des anderen?", fragte Maria mit einem Anflug von Neid. Warum konnten Michael und sie das nicht?

"Ich denke, es hat mit der Geschichte damals zu tun, als ich Max gerettet habe.", erklärte Liz, als sie sah, wohin die Gedanken ihrer Freundin zu gleiten drohten.

Isabel sah Liz nachdenklich an. Sie und ihr Bruder hatten wirklich eine einzigartige Beziehung. Sie hoffte, sie würde irgendwann das Glück haben, jemanden zu finden, der auch nur halb soviel für sie empfand, wie die beiden füreinander.

"Na dann, Liz. Schlaf gut... und schöne Träume."

Die würde sie sicher haben, Max würde die Gelegenheit, sie heute besuchen zu kommen, sicher nicht verpassen. Schließlich verlangte der Anlass nach einer Verlobungsparty, und wenn es auch nur in ihren Träumen war.

 

Dawn lag in ihrem Bett, unfähig einzuschlafen. Buffy und Angel, irgendwas in ihr sträubte sich immer noch dagegen, sie Mom und Dad zu nennen, hatten sich zu ihr gesetzt und eine Weile lang mit ihr gesprochen, über ihre Gefühle, was sie von der neuen Situation hielt und so weiter.

Und im Grunde genommen war sie ja froh, eine Mutter und einen Vater zu haben, aber die ganze Situation war schon ziemlich merkwürdig. Sie liebte beide, Buffy und Angel, sie hatte nur gewisse Schwierigkeiten, sie als ihre Eltern zu akzeptieren.

Auf jeden Fall tat es gut, Buffy wiederzuhaben, sie wieder umarmen zu können, zu wissen, dass man in seinem Bett sicher und zufrieden schlafen konnte, während sie nebenan darauf achtete, dass Dawn nichts geschah. Vielleicht konnte das Leben doch zumindest wieder etwas normaler werden. Glory war fort, es würde hoffentlich keinen Ärger mehr mit dem Jugendamt geben.

Aber Buffy war immer noch die Jägerin, und es war nur eine Frage der Zeit bis wieder so ein apokalyptischer Reiter sich mit ihr anlegen würde. Was wäre dann?

Dawn entschied sich schließlich, die Frage bis zu der Zeit zu verschieben, wenn es soweit war. Dann konnte sie immer noch Alpträume bekommen, die sie vom Schlafen abhielten. Im Moment war sie zu müde für so was.

 

Buffy hielt Angel fest, ganz vorsichtig, so wie sie es mit ihren menschlichen Freunden gewöhnt war. Sie hatte selbst kaum fassen können, wie leicht es ihr gefallen war, diesem Vampir den Kopf abzureißen. Sie wollte auf keinen Fall riskieren, ihn zu verletzen.

Angel hatte ihre Gedanken erraten und lächelte sie nachsichtig an.

"Ich bin nicht aus Porzellan, Buffy. Du hast deine Kräfte im Griff, deine Jägerinnenreflexe haben sich bestimmt auch verbessert. Außerdem habe ich seit Jahren darauf gewartet, deine Umarmung zu spüren, darauf werde ich jetzt nicht verzichten."

Mit diesen Worten drückte er sie so fest an sich, wie es nur ging, und nach kurzer Zeit erwiderte sie seine Umarmung. Es kümmerte ihn im Moment nicht, ob sie ihm vielleicht einige Rippen brach. Es fühlte sich einfach zu gut an, sie wieder in den Armen zu halten. Er hatte in den vergangenen Jahren so oft davon geträumt, und es jetzt wirklich zu erleben, ohne befürchten zu müssen, etwas Schreckliches auszulösen, wenn es ihnen nicht gelang, sich zurückzuhalten.

"Wir werden einiges zu besprechen und zu regeln haben.", meinte Buffy und Angel nickte.

"Ja, das haben wir. Dawn."

"Wir werden entscheiden müssen, wie es weitergeht. Mit uns, mit uns Dreien:"

"Ja." Es gab sehr viel zu besprechen, wie ihr Leben von nun an ablaufen sollte.

"Du weißt. Ich bin immer noch ein Vampir. Mein Dämon ist tot, aber ich bin immer noch eine animierte Leiche. Kein Sonnenlicht, Blut, keine Kreuze."

"Ach ja?", fragte sie und sah ihm in Augen, dann an ihrem Hals hinunter, an dem ein silbernes Kreuz hing, Angels Geschenk, als sie sich kennen gelernt hatten.

Angel folgte ihrem Blick. Sie hatten sich umarmt, er hatte das Kreuz berührt, aber keinen Schmerz gespürt. Er sah auf seine Brust hinunter, keine Verbrennungen.

"Aber... wie kann das sein?"

"Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass der Exorzismus deines Dämons deine Verwundbarkeit für heilige Symbole beseitigt hat. Du bist kein unheiliges Wesen mehr, Angel."

Angel sah sich im Zimmer um, in den Spiegel und sah, wie sich Buffy gegen die Luft lehnte.

"Aber immer noch ohne Spiegelbild... oder Herzschlag."

"Hör auf.", schalt ihn Buffy.

"Ich habe mich in dich und nicht in dein Spiegelbild verliebt. Genaugenommen in das ganze Paket, mitsamt der Lichtallergie, der übermenschlichen Stärke und der Unsterblichkeit. Ich möchte dich noch eine Weile behalten, Angel." Sie lächelte ihn spitzbübisch an. "Natürlich gab es da ein paar kleine Schönheitsfehler, die ich auszuräumen gedachte. Welche Frau will das nicht, und deinem Dämon einen Tritt in den Hintern zu verpassen stand ganz oben auf der Liste. Um den Rest kümmere ich mich auch noch." Sie musterte ihn von oben bis unten, und wieder stahl sich ein elfenhaftes Lächeln auf ihre Lippen. "Sag mal, hast du schon mal daran gedacht auch andere Farben zu tragen als nur schwarz? Ich meine, du bist du nicht länger in Trauer, oder gibt es da noch eine verstorbene Freundin, von der du mir nichts erzählt hast."

Er brachte sie mit einem Kuss zum Schweigen und warf sie aufs Bett. Sie ließ es sich lachend gefallen und schloss ihn, dankbar für diese langersehnte Nacht in die Arme.

 

"Du solltest nicht zuviel darüber grübeln, Riley."

"Leo." Riley hatte seine Annäherung nicht bemerkt. Er saß schon seit einer Weile grübelnd in der Sphäre der Wächter des Lichts herum. Trübsal auf einer Wolke blasen, nannte er es.

Er sollte froh sein, Buffy war wieder am Leben und mit dem Mann zusammen, den sie wirklich liebte. Nur dass er leider nicht dieser Mann war.

"Vielleicht ist es besser so, Riley. Du hast andere Aufgaben als sie und hättest deine Zeit zwischen deinen Pflichten und ihr nur schwer aufteilen können."

"Anders als Angel?"

"Es gibt da gewisse Arrangements auf höherer Ebene. Sie haben sozusagen ein gemeinsames Schicksal."

"Hätte mir das nicht jemand sagen können, bevor ich mich in Buffy verliebt habe?"

"Hätte dich das etwa davon abgehalten?"

"Ich schätze nicht.", gestand Riley ein.

"Also. Wohin werden mich meine Pflichten führen? Wer ist mein erster Schützling."

"Du kennst sie bereits."

"Wer? Etwa Willow oder Tara?"

"Nein." Leo schüttelte den Kopf und legte Riley eine Hand auf die Schulter, um ihn zu beruhigen. Der Ältestenrat fand, dass das zu irritierend auf dich wirken würde, so nahe bei der Jägerin zu sein."

"Wer dann?"

"Denk nach, Riley. Ich hatte nicht gedacht, dass du so begriffsstutzig sein könntest."

"Liz?", brach es schließlich aus ihm heraus.

"Ja, Liz."

"Aber ich dachte, ich..."

"Was dachtest du?"

"Na ja, sie ist schließlich deine Nichte."

Leo nickte. "Eben darum. Es ist nicht üblich für Wächter des Lichts, Verantwortung für Familienmitglieder zu übernehmen. Und im Hinblick auf die Probleme, die ich im Moment mit meiner eigenen Frau und ihren Schwestern habe, war der Rat entschlossen, mich aus dieser Sache rauszuhalten. Also, mach dich an die Arbeit. Das sage ich dir als ein anderer Wächter des Lichts. Und als Onkel sage ich, pass mir ja gut auf die Kleine auf, sonst komme ich rüber und trete dir in den Hintern, dass du deine Kräfte nicht einsetzten musst, um wieder nach Hause zu gelangen. Haben wir uns verstanden?"

"Ja, Sir." Riley salutierte, und es sah ganz und gar nicht wie eine spöttische Geste aus.

 

"Ich bleib auf jeden Fall hier.", murmelte Spike, als er sich müde, hungrig und einsam in seine Gruft schlich.

"Mir egal, dass der Soulman wieder da ist. Ich räume ganz bestimmt nicht das Feld. Die Jägerin gibt es vielleicht nicht zu, aber sie hat sich an mich gewöhnt und mag mich schon ein wenig. Früher oder später gibt es Krach zwischen den Glücklichverliebten, und dann ist Spike da, um die Scherben aufzusammeln und das Mädchen zu trösten, dessen unsensibler Freund auf ihren Gefühlen herumgetrampelt ist."

Und während er den nahenden Morgen schon riechen konnte, wiederholte er sein trotziges Versprechen. "Ich geh nicht."

 
Ende

 
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